Erst letztes Jahr haben die Kanadier von Bluesound ihre beiden zumindest für uns Audiophile wohl wichtigsten Produkte überarbeitet – geboren war die vierte und bislang mit Abstand beste Generation der Geschwister Node (Test in ST 07/21) und Powernode (Test in ST 08/21). Während sich Ersterer als reiner Streamer ganz dem Bereitstellen von Musik verschreibt, ist der Powernode bis heute im Prinzip ein Node mit zusätzlichen Endstufen. Für um 1000 Euro bietet er einen mehr als konkurrenzfähigen Gegenwert der auch manch klanglich anspruchsvolleren Musikkenner zufriedenstellen könnte. Jetzt stellt Bluesound dem Powernode einen kleinen Bruder zu Seite – mal sehen was der neue Powernode „Edge“ auf dem Kasten hat.
Der Aufpreis um den Node mit extra „Power“ auszustatten war mit etwa 350 Euro noch nie besonders hoch, wird mit dem Edge aber geradezu lächerlich: Gerade mal 50 Euro müssen zusätzlich auf dem Tresen landen, um anstatt dem verstärkerlosen Node, den Powernode Edge zu bekommen, der ausstattungsseitig dazu kaum Einbußen im Vergleich zum großen Bruder mitbringt.
Das reduzierte Bedienfeld des Edge verzichtet auf die Preset-Tasten und den Lautstärke-Slider des großen Powernode, funktioniert aber wunderbar.
Die wichtigste Einschränkung ist sicher der mit nur 40 Watt spezifizierter Dauerleistung um die Hälfte schwächere Verstärkerzug. Davon abgesehen lassen sich die Abstriche an einer Hand abzählen: So müssen wir uns hier etwa mit nur einem kombinierten Analog-Digital-Eingang, und ohne Preset-Tasten auf dem Bedienfeld zufriedengeben – eigentlich kaum der Rede wert.
Für Heimkinofreunde sollte außerdem erwähnt werden, dass der Edge im Gegensatz zum normalen Powernode nicht für die Bespielung der Front-Kanäle in einem Surround-Setup eingesetzt werden kann. Hier wollte Lenbrook – der Mutterkonzern hinter Bluesound und NAD – wohl künstlich eines der Alleinstellungsmerkmale des großen Bruders bewahren.
Im Vergleich zum großen Powernode, fehlt beim Edge lediglich der zweite 3,5er-Kombi-Eingang. Hier kann also nur entweder eine optische oder analoge Quelle verbunden werden.
Nicht so schlimm, da wir wohl ohnehin empfehlen würden, bei einer Investition von der Höhe, die ein Bluesound-Heimkino mit passiven Lautsprechern zwangsläufig mit sich bringt, für die Frontkanäle lieber direkt zum großen Bruder zu greifen. Der Edge hat zwar genug Kraft um mit den richtigen Boxen und in kleineren Räumen locker die Schmerzgrenze zu überschreiten, er kann aber nicht ganz mit der Finesse und Kontrolle des großen Powernode mithalten.
Während wir also mit Letzterem sicher dauerhaft glücklich werden könnten, so merkten wir dem Edge den Rotstrich klanglich spürbarer an. Andererseits auch echt kein Wunder, wir wiederholen nochmal: der Edge kostet nur 50 Euro mehr als der reine Streamer Node. Das ist halb so viel, wie für Bluesounds optionale Fernbedienung RC1 den Besitzer wechselt – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Zieht man dies in Betracht, so war das, was er aus unseren Boxen kitzelte, geradezu atemberaubend. Um mit einem Node und externen Verstärker auch nur in die Nähe von dieser Performance zu kommen, wäre sicher ein Vielfaches davon notwendig.
On The Edge
Charakterlich ist der Edge in Puncto Klang auch gar nicht weit von seinem großen Bruder weg, eignet sich daher auch etwa hervorragend für eine Bespielung der Surround-Rückkanäle während ein Standard-Powernode die Front übernimmt. Auch standalone macht er eigentlich eine wirklich gute Figur, ganz besonders solange man seinen Lautstärkeregler nicht bis zum Begrenzer aufdreht. Bei Hank Mobleys „Soul Station“ etwa war alles da, was der Song braucht, zwar nicht ganz so kontrolliert, dreidimensional und seidig, wie beim normalen Powernode, aber doch absolut harmonisch.
Die BluOS-App, die die Bedienung des Edge übernimmt, ist intuitiv und zuverlässig wie eh und je.
Auch „Love‘s A Stranger“ von Warhaus macht Freude, türmte eine üppige Wall of Sound vor uns auf und ließ uns im Takt mit den Füßen wippen. Stimmt schon, auch hier könnte der Bass noch kontrollierter, die Abgrenzung zwischen den Akteuren schärfer und die Stimme etwas weicher sein, aber das ist kaum mehr als snobbige Erbsenzählerei.
Der Edge macht genau das was er soll, er liefert das referenzträchtige Ausstattungspaket des Bluesound Node mit ein paar Endstufen, die mehr als ausreichen für absolut jeden Einsatzzweck, für den ein normaler Powernode mit Kanonen auf Spatzen geschossen wäre. Und für diese Situationen ein besseres Angebot mit ähnlicher Ausstattung und Leistung zu finden, dürfte alles andere als leicht werden. Wir würden sogar so weit gehen zu sagen, dass es in Heimen mit bereits bestehender HiFi-Anlage und Bluesound-System, keinen besseren Weg gibt, die restlichen Räume mit Musik zu versorgen!
Dafür sorgen auch die für einen Vollverstärker extrem kompakte Bauform sowie die im Lieferumfang enthaltene Wandhalterung und das frontal angewinkelte statt nach oben zeigende Bedienfeld, die ermöglichen den Edge quasi überall, wo es eine Steckdose und Internet gibt zu verwenden. Hinzu kommt das außerordentlich umfangreiche Ausstattungs-Paket mit Streaming von nahezu jeder vorstellbaren Quelle ob im Heimnetzwerk oder aus dem Internet, bi-direktionalem Bluetooth aptX HD und Airplay 2.
Mit der im Lieferumfang enthaltenen Wandhalterung lässt sich der Edge auch ganz einfach und Platzsparend an der Wand montieren.
Tidal-Nutzer werden sich freuen, dass natürlich auch der Edge – so wie alle Bluesound-Geräte – MQA unterstützt. Und für die Fütterung vom Fernseher gibts einen HDMI eARC-Input. Selbst einen Subwoofer könnten wir direkt anbinden und in den Audio-Einstellungen der App sogar eine Übernahmefrequenz dafür festlegen.
Wir hatten den Edge besonders am Schreibtisch und am TV mit ein paar Kompaktboxen viel im Einsatz und waren in der Praxis begeistert, auch da die Steuerung mit der BluOS-App gewohnt zackig, zuverlässig und intuitiv von statten geht. Zusammen mit der hohen Flexibilität und exzellenten Ausstattung ist der Powernode Edge damit Preis-Leistungs-technisch ein Knaller und eine äußerst gelungene Ergänzung des Bluesound-Portfolios. Die Kanadier haben es wiedermal geschafft: I‘m Blue...
Der Bluesound Hub: Mehr Quellen für BluOS
Wer dank dem Powernode – oder jeglichem BluOS-Gerät – Interesse an Themen wie Multiroom bekommt, oder aber seine physische Musiksammlung oder den TV im ganzen Haus hören will, dürfte einen interessierten Blick in Richtung des neuen Hubs werfen, der für um 350€ erhältllich ist: der kleine Kasten von Bluesound gibt an ihn angeschlossene Quellen ins BluOS-Netzwerk, von wo etwa (Power)Node oder ein mit dem entsprechenden Modul ausgestatteter Verstärker der Schwestermarke NAD die Musik streamt.
Der Bluesound Hub ist optisch unscheinbar und schön kompakt.
Die gewünschte Quelle wird zuerst per HDMI (eARC), Optisch, Koax, Cinch oder Phono-MM (!) angeschlossen, bevor der entsprechende Eingang wie ein Streamingdienst in der BluOS-App gewählt wird. Analoge Signale werden per A/D-Wandler bereit gemacht; Rein digital geht’s hoch bis zu respektablen HiRes-Auflösungen von 24 Bit / 192 kHz.
In unseren Tests funktionierte alles am Hub einwandfrei, ihn ins BluOS-Netzwerk integrieren ist gewohnt simpel; Zwischen den Quellen wechseln ging so flüssig, einfach und direkt wie zum Beispiel Titel von einem Streamingdienst zu wechseln. Kabel reinstecken und ein Klick in der App, und schon spielt etwa der CD- oder Plattenspieler in der ganzen Wohnung, BluOS-Endgerät(e) vorausgesetzt.
Simpler geht‘s kaum: in der BluOS-App lässt sich der Hub wie ein Streamingdienst als Eingang anwählen (oben). Danach die gewünschte Quelle anklicken, und der Streamer legt los (unten).
Der Hub kann zwei Quellen (1x digital und 1x analog) gleichzeitig streamen, während BluOS für die Multiroom-Fähigkeit sorgt. Könnte in der Praxis heißen: TV-Ton aus dem Wohnzimmer wird in die Küche gestreamt, während der daneben stehende Plattenspieler im Schlafzimmer und gleichzeitig auf dem Balkon zu hören ist.
Zudem auch nicht ganz unwichtig: die Wiedergabe zwischen verschiedenen Streamern ist perfekt synchron; auch beim Fernsehton fallen sich zwei separat angesteuerte Lautsprecher nicht gegenseitig „ins Wort“.
Der umgedrehte Streamer: Zahlreiche Eingänge, aber raus geht’s nur ins Netzwerk.
Vorallem der eingebaute Phono-Pre ist teils etwas leise; aber klanglich mehr als solide. Wenn man bedenkt, dass der „Rückwärts-Streamer“ für 350€ sowohl Phono-Entzerrer als auch Wandler mit sich bringt ist das sound-mäßig schon beeindruckend.
Eine Fernbedienung fehlt im Lieferumfang, wer trotzdem eine braucht, kann entweder jede beliebige IR-Remote anlernen oder die teure, aber gut gemachte RC1 von Bluesound für 100€ bestellen.
Falls vorhanden wäre es natürlich zu empfehlen – jedoch keineswegs notwendig –, einen hochwertigen Phono-Pre vorzuschalten und den Cinch-Eingang zu nutzen. Genauso wie es im Sinne minimaler Umwandlungen nahe liegt, den Hub direkt digital zu füttern.
Zuletzt aber nicht vergessen: Die Quellen lassen sich freilich nicht über die App steuern, die CD wechseln oder den Tonarm anheben müssen wir leider noch selber...
Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 01/23 getestet hat, finden Sie hier.