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Die Alben

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Jazz - Erscheint am 4. Februar 2022 | Craft Recordings

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Jazz - Erscheint am 4. Februar 2022 | Craft Recordings

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Alternativ und Indie - Erscheint am 3. Dezember 2021 | Craft Recordings

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Lateinamerika - Erschienen am 26. November 2021 | Craft Recordings

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Musical - Erschienen am 19. November 2021 | Craft Recordings

Hi-Res Booklet
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Musical - Erschienen am 19. November 2021 | Craft Recordings

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Lateinamerika - Erschienen am 19. November 2021 | Craft Recordings

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Jazz - Erschienen am 12. November 2021 | Craft Recordings

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Jazz - Erschienen am 12. November 2021 | Craft Recordings

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Country - Erschienen am 12. November 2021 | Craft Recordings

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Jazz - Erschienen am 12. November 2021 | Craft Recordings

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Jazz - Erschienen am 12. November 2021 | Craft Recordings

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Lateinamerika - Erschienen am 12. November 2021 | Craft Recordings

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Verschiedenes - Erschienen am 5. November 2021 | Craft Recordings

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Lateinamerika - Erschienen am 5. November 2021 | Craft Recordings

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Rock - Erschienen am 29. Oktober 2021 | Craft Recordings

Hi-Res
Immer wieder, wenn das R.E.M.-Headquarter Athens/Georgia eine neue Album-Sonderausgabe in die Regale stellt, ist da dieser Phantomschmerz, die Band nie live gesehen zu haben. In den 90er Jahren gab es hierfür Gelegenheiten genug, wenn auch nicht zu diesem Album. Auf der 1995er Tournee zum Vorgänger "Monster" bricht Drummer Bill Berry in Lausanne nach einer Hirnblutung durch ein geplatztes Aneurysma zusammen, nach der Aufnahme zu vorliegender Platte verlässt er die Band. In der Geschichte von R.E.M. nimmt "New Adventures In Hi-Fi" allein schon deshalb einen besonderen Rang ein, denn Michael Stipe und Co. veröffentlichten danach noch fünf weitere Studioalben, allerdings ohne Berrys Platz vollständig zu ersetzen. Ich ertappe mich also erneut dabei, mir vorzustellen, wie schön es wäre, die vier Musiker noch einmal gemeinsam auf der Bühne zu erleben, wohl wissend, dass es genau diese unstillbare Sehnsucht ist, die den Entschluss der R.E.M.-Bandauflösung so großartig macht. Oder wie es Bassist Mike Mills formuliert: "Leute erzählen uns oft, dass sie uns noch einmal auf der Bühne sehen wollen, aber in Wirklichkeit wollen sie die Band von vor 20 Jahren noch mal sehen und die gibt es nicht mehr." Ein Satz, den ein U2-Mitglied so niemals äußern würde, auch wenn man ehrlicherweise feststellen muss, dass ein ähnlicher Entschluss dem Glanz ihrer Diskographie durchaus entgegen gekommen wäre. Wie Bonos Band 1993 mit "Zooropa" entscheiden sich R.E.M. zwei Jahre später dafür, ihr neues Album während der laufenden Welttournee aufzunehmen - allerdings eher nach dem Vorbild Radioheads, die auf der "Monster"-Tour neben Sonic Youth den Vorgruppen-Slot innehatten und die diese Idee teilweise für "The Bends" austesteten. Vom Rausch des Unterwegsseins und den unmittelbaren Wogen des Ruhms erhofft sich das Quartett einen neuen Spirit der Spontaneität, der in die Songs kriechen soll. So trifft man in "New Adventures In Hi-Fi" teilweise tatsächlich auf die Energie eines Livealbums, dennoch unterlassen die Amerikaner größere Experimente (abgesehen von der Idee, dem schönen "Leave" einen durchgehend wiehernden Synthiesound anzugedeihen), oft fühlt man sich vielmehr an ihre frühere Folkzeiten erinnert. Nachvollziehbar auch, dass das Album nicht wirklich homogen klingt, eine Eigenschaft, die die meisten R.E.M.-Alben bis dato besaßen. "How The West Was Won And Where It Got Us" fungiert als sehr relaxter Beginn, bei dem sie fast schon Specials-artige Muzak-Dub-Einflüsse integrieren - der Glam von "Monster" ist vorerst weg, kehrt bei "The Wake-Up Bomb" sofort wieder zurück, bevor die Band mit "New Test Leper" einen dieser unwiderstehlichen Midtempo-Earpleaser auffährt, Gitarrist Peter Buck nannte es einmal sein absolutes R.E.M.-Lieblingslied. Für Stipe war es hingegen einer der schwierigsten Songs seiner Karriere. Für "New Test Leper", eine Wortkombination aus Neuem Testament und der Infektionskrankheit Lepra sowie ein Wortspiel aus Testament/Test, braucht er mehrere Anläufe. Erst als er eine nachmittägliche TV-Show sieht, in der ein Transvestit dem sogenannten 'normalen' Publikum vorgestellt wurde, also ein (für die 90er) ungewohnter Crossdressing-Lebensentwurf skandalgerecht ins Format eines werbefinanzierten TV-Privatsenders gesteckt wurde, liefert ihm die demütigende Situation den nötigen Stoff, um den Text zu vollenden. Auch der Wunsch auszubrechen, charakterisiert einige Songs, ohnehin eines der wiederkehrenden Themen des versehentlich zum Rockstar gewordenen Stipes. In "Bittersweet Me" singt er "I don't know what I want anymore", zuvor, im "E-Bow The Letter"-Duett mit Patti Smith: "This fame thing I don't get it / I wrap my hand in plastic to try to look through it." Mit dem zerbrechlich-schönen Instrumental "Zither" geht es schließlich auf die Zielgerade. Beim dunklen "Low Desert", das einen Autounfall in der Wüste beschreibt, denke ich seither immer an die tragische Geschichte des Gitarristen Jim Sullivan, dessen leeren Wagen man 1975 in der Wüste New Mexicos fand. Auch wenn Stipe wohl ein anderes Motiv für den Text hatte. "Electrolite" beschließt als klassischer L.A.-Song das Album. Stipe, damals für eine Weile wohnhaft in der Stadt, steht am Mulholland Drive und ist für einen kurzen Moment zufrieden mit sich und der Stadt: "Hollywood is under me / I'm Martin Sheen / I'm Steve McQueen / I'm Jimmy Dean". Für Fans ist natürlich vor allem die Special Edition interessant. Darauf befinden sich naturgemäß viele B-Seiten, die man schon von der "Complete Rarities: Warner Bros. 1988–2011"-Compilation kennt (besonders schön: "Wichita Lineman" live 1996), dazu kommen Remixes und rare Versionen ("New Test Leper" akustisch, Seattle 1996). Zu den Demo-Juwelen zählen "Be Mine" in der "Mike on Bus"-Version ohne Schlagzeug in einer ergreifenden Version, die laut Mills nur aufgrund des leisen Bus-Hintergrundgeräuschs nicht als Albumversion verwendet werden konnte. Auch das bereits aus der "Out Of Time"-Ära bekannte, von Mills gesungene "Love Is All Around" (The Troggs) findet sich auf der Deluxe-Ausgabe, inklusive Stipes songdienlichem Backgroundgesang "Baaaa-ba-ba-ba-baaa / Ba-ba-baaa". Abgerundet wird das Paket von Liner Notes des Journalisten Mark Blackwell, allen Bandmitgliedern, Patti Smith, Thom Yorke und Produzent Scott Litt. © Laut
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Rock - Erschienen am 29. Oktober 2021 | Craft Recordings

Immer wieder, wenn das R.E.M.-Headquarter Athens/Georgia eine neue Album-Sonderausgabe in die Regale stellt, ist da dieser Phantomschmerz, die Band nie live gesehen zu haben. In den 90er Jahren gab es hierfür Gelegenheiten genug, wenn auch nicht zu diesem Album. Auf der 1995er Tournee zum Vorgänger "Monster" bricht Drummer Bill Berry in Lausanne nach einer Hirnblutung durch ein geplatztes Aneurysma zusammen, nach der Aufnahme zu vorliegender Platte verlässt er die Band. In der Geschichte von R.E.M. nimmt "New Adventures In Hi-Fi" allein schon deshalb einen besonderen Rang ein, denn Michael Stipe und Co. veröffentlichten danach noch fünf weitere Studioalben, allerdings ohne Berrys Platz vollständig zu ersetzen. Ich ertappe mich also erneut dabei, mir vorzustellen, wie schön es wäre, die vier Musiker noch einmal gemeinsam auf der Bühne zu erleben, wohl wissend, dass es genau diese unstillbare Sehnsucht ist, die den Entschluss der R.E.M.-Bandauflösung so großartig macht. Oder wie es Bassist Mike Mills formuliert: "Leute erzählen uns oft, dass sie uns noch einmal auf der Bühne sehen wollen, aber in Wirklichkeit wollen sie die Band von vor 20 Jahren noch mal sehen und die gibt es nicht mehr." Ein Satz, den ein U2-Mitglied so niemals äußern würde, auch wenn man ehrlicherweise feststellen muss, dass ein ähnlicher Entschluss dem Glanz ihrer Diskographie durchaus entgegen gekommen wäre. Wie Bonos Band 1993 mit "Zooropa" entscheiden sich R.E.M. zwei Jahre später dafür, ihr neues Album während der laufenden Welttournee aufzunehmen - allerdings eher nach dem Vorbild Radioheads, die auf der "Monster"-Tour neben Sonic Youth den Vorgruppen-Slot innehatten und die diese Idee teilweise für "The Bends" austesteten. Vom Rausch des Unterwegsseins und den unmittelbaren Wogen des Ruhms erhofft sich das Quartett einen neuen Spirit der Spontaneität, der in die Songs kriechen soll. So trifft man in "New Adventures In Hi-Fi" teilweise tatsächlich auf die Energie eines Livealbums, dennoch unterlassen die Amerikaner größere Experimente (abgesehen von der Idee, dem schönen "Leave" einen durchgehend wiehernden Synthiesound anzugedeihen), oft fühlt man sich vielmehr an ihre frühere Folkzeiten erinnert. Nachvollziehbar auch, dass das Album nicht wirklich homogen klingt, eine Eigenschaft, die die meisten R.E.M.-Alben bis dato besaßen. "How The West Was Won And Where It Got Us" fungiert als sehr relaxter Beginn, bei dem sie fast schon Specials-artige Muzak-Dub-Einflüsse integrieren - der Glam von "Monster" ist vorerst weg, kehrt bei "The Wake-Up Bomb" sofort wieder zurück, bevor die Band mit "New Test Leper" einen dieser unwiderstehlichen Midtempo-Earpleaser auffährt, Gitarrist Peter Buck nannte es einmal sein absolutes R.E.M.-Lieblingslied. Für Stipe war es hingegen einer der schwierigsten Songs seiner Karriere. Für "New Test Leper", eine Wortkombination aus Neuem Testament und der Infektionskrankheit Lepra sowie ein Wortspiel aus Testament/Test, braucht er mehrere Anläufe. Erst als er eine nachmittägliche TV-Show sieht, in der ein Transvestit dem sogenannten 'normalen' Publikum vorgestellt wurde, also ein (für die 90er) ungewohnter Crossdressing-Lebensentwurf skandalgerecht ins Format eines werbefinanzierten TV-Privatsenders gesteckt wurde, liefert ihm die demütigende Situation den nötigen Stoff, um den Text zu vollenden. Auch der Wunsch auszubrechen, charakterisiert einige Songs, ohnehin eines der wiederkehrenden Themen des versehentlich zum Rockstar gewordenen Stipes. In "Bittersweet Me" singt er "I don't know what I want anymore", zuvor, im "E-Bow The Letter"-Duett mit Patti Smith: "This fame thing I don't get it / I wrap my hand in plastic to try to look through it." Mit dem zerbrechlich-schönen Instrumental "Zither" geht es schließlich auf die Zielgerade. Beim dunklen "Low Desert", das einen Autounfall in der Wüste beschreibt, denke ich seither immer an die tragische Geschichte des Gitarristen Jim Sullivan, dessen leeren Wagen man 1975 in der Wüste New Mexicos fand. Auch wenn Stipe wohl ein anderes Motiv für den Text hatte. "Electrolite" beschließt als klassischer L.A.-Song das Album. Stipe, damals für eine Weile wohnhaft in der Stadt, steht am Mulholland Drive und ist für einen kurzen Moment zufrieden mit sich und der Stadt: "Hollywood is under me / I'm Martin Sheen / I'm Steve McQueen / I'm Jimmy Dean". Für Fans ist natürlich vor allem die Special Edition interessant. Darauf befinden sich naturgemäß viele B-Seiten, die man schon von der "Complete Rarities: Warner Bros. 1988–2011"-Compilation kennt (besonders schön: "Wichita Lineman" live 1996), dazu kommen Remixes und rare Versionen ("New Test Leper" akustisch, Seattle 1996). Zu den Demo-Juwelen zählen "Be Mine" in der "Mike on Bus"-Version ohne Schlagzeug in einer ergreifenden Version, die laut Mills nur aufgrund des leisen Bus-Hintergrundgeräuschs nicht als Albumversion verwendet werden konnte. Auch das bereits aus der "Out Of Time"-Ära bekannte, von Mills gesungene "Love Is All Around" (The Troggs) findet sich auf der Deluxe-Ausgabe, inklusive Stipes songdienlichem Backgroundgesang "Baaaa-ba-ba-ba-baaa / Ba-ba-baaa". Abgerundet wird das Paket von Liner Notes des Journalisten Mark Blackwell, allen Bandmitgliedern, Patti Smith, Thom Yorke und Produzent Scott Litt. © Laut
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Immer wieder, wenn das R.E.M.-Headquarter Athens/Georgia eine neue Album-Sonderausgabe in die Regale stellt, ist da dieser Phantomschmerz, die Band nie live gesehen zu haben. In den 90er Jahren gab es hierfür Gelegenheiten genug, wenn auch nicht zu diesem Album. Auf der 1995er Tournee zum Vorgänger "Monster" bricht Drummer Bill Berry in Lausanne nach einer Hirnblutung durch ein geplatztes Aneurysma zusammen, nach der Aufnahme zu vorliegender Platte verlässt er die Band. In der Geschichte von R.E.M. nimmt "New Adventures In Hi-Fi" allein schon deshalb einen besonderen Rang ein, denn Michael Stipe und Co. veröffentlichten danach noch fünf weitere Studioalben, allerdings ohne Berrys Platz vollständig zu ersetzen. Ich ertappe mich also erneut dabei, mir vorzustellen, wie schön es wäre, die vier Musiker noch einmal gemeinsam auf der Bühne zu erleben, wohl wissend, dass es genau diese unstillbare Sehnsucht ist, die den Entschluss der R.E.M.-Bandauflösung so großartig macht. Oder wie es Bassist Mike Mills formuliert: "Leute erzählen uns oft, dass sie uns noch einmal auf der Bühne sehen wollen, aber in Wirklichkeit wollen sie die Band von vor 20 Jahren noch mal sehen und die gibt es nicht mehr." Ein Satz, den ein U2-Mitglied so niemals äußern würde, auch wenn man ehrlicherweise feststellen muss, dass ein ähnlicher Entschluss dem Glanz ihrer Diskographie durchaus entgegen gekommen wäre. Wie Bonos Band 1993 mit "Zooropa" entscheiden sich R.E.M. zwei Jahre später dafür, ihr neues Album während der laufenden Welttournee aufzunehmen - allerdings eher nach dem Vorbild Radioheads, die auf der "Monster"-Tour neben Sonic Youth den Vorgruppen-Slot innehatten und die diese Idee teilweise für "The Bends" austesteten. Vom Rausch des Unterwegsseins und den unmittelbaren Wogen des Ruhms erhofft sich das Quartett einen neuen Spirit der Spontaneität, der in die Songs kriechen soll. So trifft man in "New Adventures In Hi-Fi" teilweise tatsächlich auf die Energie eines Livealbums, dennoch unterlassen die Amerikaner größere Experimente (abgesehen von der Idee, dem schönen "Leave" einen durchgehend wiehernden Synthiesound anzugedeihen), oft fühlt man sich vielmehr an ihre frühere Folkzeiten erinnert. Nachvollziehbar auch, dass das Album nicht wirklich homogen klingt, eine Eigenschaft, die die meisten R.E.M.-Alben bis dato besaßen. "How The West Was Won And Where It Got Us" fungiert als sehr relaxter Beginn, bei dem sie fast schon Specials-artige Muzak-Dub-Einflüsse integrieren - der Glam von "Monster" ist vorerst weg, kehrt bei "The Wake-Up Bomb" sofort wieder zurück, bevor die Band mit "New Test Leper" einen dieser unwiderstehlichen Midtempo-Earpleaser auffährt, Gitarrist Peter Buck nannte es einmal sein absolutes R.E.M.-Lieblingslied. Für Stipe war es hingegen einer der schwierigsten Songs seiner Karriere. Für "New Test Leper", eine Wortkombination aus Neuem Testament und der Infektionskrankheit Lepra sowie ein Wortspiel aus Testament/Test, braucht er mehrere Anläufe. Erst als er eine nachmittägliche TV-Show sieht, in der ein Transvestit dem sogenannten 'normalen' Publikum vorgestellt wurde, also ein (für die 90er) ungewohnter Crossdressing-Lebensentwurf skandalgerecht ins Format eines werbefinanzierten TV-Privatsenders gesteckt wurde, liefert ihm die demütigende Situation den nötigen Stoff, um den Text zu vollenden. Auch der Wunsch auszubrechen, charakterisiert einige Songs, ohnehin eines der wiederkehrenden Themen des versehentlich zum Rockstar gewordenen Stipes. In "Bittersweet Me" singt er "I don't know what I want anymore", zuvor, im "E-Bow The Letter"-Duett mit Patti Smith: "This fame thing I don't get it / I wrap my hand in plastic to try to look through it." Mit dem zerbrechlich-schönen Instrumental "Zither" geht es schließlich auf die Zielgerade. Beim dunklen "Low Desert", das einen Autounfall in der Wüste beschreibt, denke ich seither immer an die tragische Geschichte des Gitarristen Jim Sullivan, dessen leeren Wagen man 1975 in der Wüste New Mexicos fand. Auch wenn Stipe wohl ein anderes Motiv für den Text hatte. "Electrolite" beschließt als klassischer L.A.-Song das Album. Stipe, damals für eine Weile wohnhaft in der Stadt, steht am Mulholland Drive und ist für einen kurzen Moment zufrieden mit sich und der Stadt: "Hollywood is under me / I'm Martin Sheen / I'm Steve McQueen / I'm Jimmy Dean". Für Fans ist natürlich vor allem die Special Edition interessant. Darauf befinden sich naturgemäß viele B-Seiten, die man schon von der "Complete Rarities: Warner Bros. 1988–2011"-Compilation kennt (besonders schön: "Wichita Lineman" live 1996), dazu kommen Remixes und rare Versionen ("New Test Leper" akustisch, Seattle 1996). Zu den Demo-Juwelen zählen "Be Mine" in der "Mike on Bus"-Version ohne Schlagzeug in einer ergreifenden Version, die laut Mills nur aufgrund des leisen Bus-Hintergrundgeräuschs nicht als Albumversion verwendet werden konnte. Auch das bereits aus der "Out Of Time"-Ära bekannte, von Mills gesungene "Love Is All Around" (The Troggs) findet sich auf der Deluxe-Ausgabe, inklusive Stipes songdienlichem Backgroundgesang "Baaaa-ba-ba-ba-baaa / Ba-ba-baaa". Abgerundet wird das Paket von Liner Notes des Journalisten Mark Blackwell, allen Bandmitgliedern, Patti Smith, Thom Yorke und Produzent Scott Litt. © Laut
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Immer wieder, wenn das R.E.M.-Headquarter Athens/Georgia eine neue Album-Sonderausgabe in die Regale stellt, ist da dieser Phantomschmerz, die Band nie live gesehen zu haben. In den 90er Jahren gab es hierfür Gelegenheiten genug, wenn auch nicht zu diesem Album. Auf der 1995er Tournee zum Vorgänger "Monster" bricht Drummer Bill Berry in Lausanne nach einer Hirnblutung durch ein geplatztes Aneurysma zusammen, nach der Aufnahme zu vorliegender Platte verlässt er die Band. In der Geschichte von R.E.M. nimmt "New Adventures In Hi-Fi" allein schon deshalb einen besonderen Rang ein, denn Michael Stipe und Co. veröffentlichten danach noch fünf weitere Studioalben, allerdings ohne Berrys Platz vollständig zu ersetzen. Ich ertappe mich also erneut dabei, mir vorzustellen, wie schön es wäre, die vier Musiker noch einmal gemeinsam auf der Bühne zu erleben, wohl wissend, dass es genau diese unstillbare Sehnsucht ist, die den Entschluss der R.E.M.-Bandauflösung so großartig macht. Oder wie es Bassist Mike Mills formuliert: "Leute erzählen uns oft, dass sie uns noch einmal auf der Bühne sehen wollen, aber in Wirklichkeit wollen sie die Band von vor 20 Jahren noch mal sehen und die gibt es nicht mehr." Ein Satz, den ein U2-Mitglied so niemals äußern würde, auch wenn man ehrlicherweise feststellen muss, dass ein ähnlicher Entschluss dem Glanz ihrer Diskographie durchaus entgegen gekommen wäre. Wie Bonos Band 1993 mit "Zooropa" entscheiden sich R.E.M. zwei Jahre später dafür, ihr neues Album während der laufenden Welttournee aufzunehmen - allerdings eher nach dem Vorbild Radioheads, die auf der "Monster"-Tour neben Sonic Youth den Vorgruppen-Slot innehatten und die diese Idee teilweise für "The Bends" austesteten. Vom Rausch des Unterwegsseins und den unmittelbaren Wogen des Ruhms erhofft sich das Quartett einen neuen Spirit der Spontaneität, der in die Songs kriechen soll. So trifft man in "New Adventures In Hi-Fi" teilweise tatsächlich auf die Energie eines Livealbums, dennoch unterlassen die Amerikaner größere Experimente (abgesehen von der Idee, dem schönen "Leave" einen durchgehend wiehernden Synthiesound anzugedeihen), oft fühlt man sich vielmehr an ihre frühere Folkzeiten erinnert. Nachvollziehbar auch, dass das Album nicht wirklich homogen klingt, eine Eigenschaft, die die meisten R.E.M.-Alben bis dato besaßen. "How The West Was Won And Where It Got Us" fungiert als sehr relaxter Beginn, bei dem sie fast schon Specials-artige Muzak-Dub-Einflüsse integrieren - der Glam von "Monster" ist vorerst weg, kehrt bei "The Wake-Up Bomb" sofort wieder zurück, bevor die Band mit "New Test Leper" einen dieser unwiderstehlichen Midtempo-Earpleaser auffährt, Gitarrist Peter Buck nannte es einmal sein absolutes R.E.M.-Lieblingslied. Für Stipe war es hingegen einer der schwierigsten Songs seiner Karriere. Für "New Test Leper", eine Wortkombination aus Neuem Testament und der Infektionskrankheit Lepra sowie ein Wortspiel aus Testament/Test, braucht er mehrere Anläufe. Erst als er eine nachmittägliche TV-Show sieht, in der ein Transvestit dem sogenannten 'normalen' Publikum vorgestellt wurde, also ein (für die 90er) ungewohnter Crossdressing-Lebensentwurf skandalgerecht ins Format eines werbefinanzierten TV-Privatsenders gesteckt wurde, liefert ihm die demütigende Situation den nötigen Stoff, um den Text zu vollenden. Auch der Wunsch auszubrechen, charakterisiert einige Songs, ohnehin eines der wiederkehrenden Themen des versehentlich zum Rockstar gewordenen Stipes. In "Bittersweet Me" singt er "I don't know what I want anymore", zuvor, im "E-Bow The Letter"-Duett mit Patti Smith: "This fame thing I don't get it / I wrap my hand in plastic to try to look through it." Mit dem zerbrechlich-schönen Instrumental "Zither" geht es schließlich auf die Zielgerade. Beim dunklen "Low Desert", das einen Autounfall in der Wüste beschreibt, denke ich seither immer an die tragische Geschichte des Gitarristen Jim Sullivan, dessen leeren Wagen man 1975 in der Wüste New Mexicos fand. Auch wenn Stipe wohl ein anderes Motiv für den Text hatte. "Electrolite" beschließt als klassischer L.A.-Song das Album. Stipe, damals für eine Weile wohnhaft in der Stadt, steht am Mulholland Drive und ist für einen kurzen Moment zufrieden mit sich und der Stadt: "Hollywood is under me / I'm Martin Sheen / I'm Steve McQueen / I'm Jimmy Dean". Für Fans ist natürlich vor allem die Special Edition interessant. Darauf befinden sich naturgemäß viele B-Seiten, die man schon von der "Complete Rarities: Warner Bros. 1988–2011"-Compilation kennt (besonders schön: "Wichita Lineman" live 1996), dazu kommen Remixes und rare Versionen ("New Test Leper" akustisch, Seattle 1996). Zu den Demo-Juwelen zählen "Be Mine" in der "Mike on Bus"-Version ohne Schlagzeug in einer ergreifenden Version, die laut Mills nur aufgrund des leisen Bus-Hintergrundgeräuschs nicht als Albumversion verwendet werden konnte. Auch das bereits aus der "Out Of Time"-Ära bekannte, von Mills gesungene "Love Is All Around" (The Troggs) findet sich auf der Deluxe-Ausgabe, inklusive Stipes songdienlichem Backgroundgesang "Baaaa-ba-ba-ba-baaa / Ba-ba-baaa". Abgerundet wird das Paket von Liner Notes des Journalisten Mark Blackwell, allen Bandmitgliedern, Patti Smith, Thom Yorke und Produzent Scott Litt. © Laut
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