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Die Alben

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Rock - Erschienen am 29. Januar 2021 | Atlantic Records

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Weezer bleiben Weezer, so viel ist inzwischen klar. Selbst wenn als Inspirationen Harry Nilsson und die Beach Boys genannt werden, servieren die Amerikaner College-Pop, der diesmal dann halt statt auf E-Gitarren auf Pop-Streicher setzt. Weezer werden auch noch nach Weezer klingen, wenn im Mai das nächste, inzwischen überfällige Album "Van Weezer" erscheint, dann wohl im Soundgewand von 80er-Rock-Legenden wie Van Halen. Aber gelegentlich schreiben Weezer eben bessere Weezer-Songs, die auch außerhalb ihrer Fangemeinde Wellen schlagen. Zuletzt war das 2014 der Fall, als die Kapelle mit "Everything Will Be Alright In The End" überraschte, nun ist auch "OK Human" mal wieder so eine Platte. Man merkt das schon daran, dass sich nicht der redaktionseigene Weezer-Fan dazu berufen fühlt, eine apologetische Rezension in Richtung "Wenn's euch nicht gefällt, müsst ihr's ja nicht hören" zu schreiben und ausführlich darlegt, warum die immer gleichen Riffs und Geschichten einfach etwas Heimeliges haben. "OK Human" liefert dagegen mal wieder richtig solide Pop-Songs, die eindeutig nach Weezer klingen, aber irgendwie doch ein bisschen frischer wirken als zuletzt. Rivers Cuomo hat diesmal viel am Klavier geschrieben und sich dann orchestrale Unterstützung geholt. Wo sonst die Powerchords regieren, sitzen jetzt also die Geigen, Cellos und Bläser. Dass er es gerne slow und sad mag, lässt uns Cuomo direkt im Opener "All My Favorite Songs" wissen und man darf sich schon mal darauf einstellen, dass die schnelleren Stücke diesmal in der Minderheit sind. Was durchaus schade ist, denn verrocktere Tracks wie "Grapes Of Wrath" oder "Screens" machen vieles richtig und gehören zu den Highlights des Albums. In "Aloo Gobi" namedroppt Cuomo mit Serge Gainsbourg eine Chanson-Referenz und später gelingt ihm in "Dead Roses" tatsächlich sowas wie eine poppige Hommage an Gainsbourgs tragisch-französischen Charme. Häufiger aber und ganz besonders in "Mirror Image" weckt das Album Erinnerungen an den Briten Badly Drawn Boy. Die Texte handeln von unserer Mediennutzung und sind von dieser weit verbreiteten Ambivalenz geprägt, einerseits die bösen Datenkraken zu kritisieren, andererseits aber eben auch dabei sein zu wollen und die verschiedenen Plattformen letztlich trotzdem zu benutzen. In "Numbers" klagt Cuomo darüber, wie sich Menschen immer mehr über ihre Likes definieren: "Look at him, look at her, they've got a million likes / You better figure out how to multiply, divide / Numbers are out to get you / They'll kill you if they get through". Das ist natürlich nicht wahnsinnig innovativ, gerät bei Cuomo aber wieder ziemlich charmant. Spannender kommt da ein kurzer Part in "Here Comes The Rain" daher, den man leicht als Kritik an den Echokammern in den sozialen Medien interpretieren könnte: "Did you hear the news? / The universe will give you more / Of what you pay attention to". Gemeinsam mit "La Brea Tar Pits" schließt der Song das Album wunderbar ab, hier gelingt die Abweichung vom Weezer-Sound am besten. Besonders in den untypischen, opulenten Hooks schafft es Cuomo auch an die eingangs genannten Idole anzuknüpfen. "Playing My Piano" beschreibt das Musiker*Innenleben in der Pandemie: "My wife is upstairs, my kids are upstairs / And I haven't washed my hair in three weeks / I should get back to these Zoom interviews / But I get so absorbed and time flies". Das Stück klingt, als würde es aus einem Corona-Musical stammen - einem, das man sich sogar gerne ansehen würde. Mit seiner eigenen Relevanz beschäftigt sich Cuomo im schweren, aber doch mitreißenden "Bird With A Broken Wing": "I'm just a bird with a broken wing / And this beautiful song to sing / Don't feel sad for me, I'm right where I wanna be". Bei einigen der letzten Alben hätte man wohl ob dieser Bekenntnis gedacht: Echt? Hier willst du sein? Aber "OK Human" lässt einen das einfach mal wieder schulterzuckend hinnehmen. Und ganz leise nähert sich die Befürchtung, dass "Van Weezer" das neu gewonnene Wohlwollen schon wieder verspielen könnte. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 1. Januar 1994 | DGC

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Weezer sind zurück! Endlich, nach fünf langen Jahren, in denen sie kein wirkliches Lebenszeichen von sich gegeben zu haben, erscheint ein neues Album. Dieses ist - wie das Debut auch - schlicht "Weezer" betitelt. Mit etwas Skepsis mache ich mich an die neue Platte heran. Mitte der 90er waren Weezer eine der besten Bands ihres Genres und Rivers Cuomo wohl einer der begnadetsten Songwriter weit und breit. Doch können Weezer auch im neuen Jahrtausend überzeugen? Der Opener "Don't Let Go" lässt mich noch etwas ratlos zurück, sicher, das klingt schon nach Weezer, aber das Gefühl von früher stellt sich nicht ein, noch nicht. Denn schon die nächsten beiden Songs machen klar - Weezer haben nichts von ihrem Können eingebüßt. Ganz besonders die erste Single "Hash Pipe" bringt den alten Zauber binnen weniger Sekunden zurück. Typischer Weezer-Gitarrensound, mitreißender Refrain, alles da, was man so lange vermisst hat. Ähnlich grandios geht es weiter, "Island In The Sun", könnte auch "In The Garage 2001" heißen, eines der ruhigeren Stücke, welches einem schon nach kurzer Zeit nicht mehr los lässt. Besonders dieses "hip hip" im Refrain verfolgt einen noch Tage später. Bis zum Schluss lässt die Band nichts mehr anbrennen und keiner der Songs fällt ab. Hervorzuheben wäre vielleicht noch "O Girlfriend", eines der schönsten Stücke der Platte. Weezer 2001 klingen stellenweise schon anders als noch vor fünf Jahren. Etwas abgeklärter, nicht mehr ganz so frisch und neu. Aber sie sind noch immer eine der besten Rockbands auf diesem Planeten. Also los, kaufen, sofort! (VÖ verschoben auf 11. Juni) © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Mai 2021 | Crush Music - Atlantic

Hi-Res
 
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Rock - Erschienen am 1. Januar 2001 | Geffen

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Alternativ und Indie - Erschienen am 24. Januar 2019 | Crush Music - Atlantic

Hi-Res
Weezer sind zurück! Endlich, nach fünf langen Jahren, in denen sie kein wirkliches Lebenszeichen von sich gegeben zu haben, erscheint ein neues Album. Dieses ist - wie das Debut auch - schlicht "Weezer" betitelt. Mit etwas Skepsis mache ich mich an die neue Platte heran. Mitte der 90er waren Weezer eine der besten Bands ihres Genres und Rivers Cuomo wohl einer der begnadetsten Songwriter weit und breit. Doch können Weezer auch im neuen Jahrtausend überzeugen? Der Opener "Don't Let Go" lässt mich noch etwas ratlos zurück, sicher, das klingt schon nach Weezer, aber das Gefühl von früher stellt sich nicht ein, noch nicht. Denn schon die nächsten beiden Songs machen klar - Weezer haben nichts von ihrem Können eingebüßt. Ganz besonders die erste Single "Hash Pipe" bringt den alten Zauber binnen weniger Sekunden zurück. Typischer Weezer-Gitarrensound, mitreißender Refrain, alles da, was man so lange vermisst hat. Ähnlich grandios geht es weiter, "Island In The Sun", könnte auch "In The Garage 2001" heißen, eines der ruhigeren Stücke, welches einem schon nach kurzer Zeit nicht mehr los lässt. Besonders dieses "hip hip" im Refrain verfolgt einen noch Tage später. Bis zum Schluss lässt die Band nichts mehr anbrennen und keiner der Songs fällt ab. Hervorzuheben wäre vielleicht noch "O Girlfriend", eines der schönsten Stücke der Platte. Weezer 2001 klingen stellenweise schon anders als noch vor fünf Jahren. Etwas abgeklärter, nicht mehr ganz so frisch und neu. Aber sie sind noch immer eine der besten Rockbands auf diesem Planeten. Also los, kaufen, sofort! (VÖ verschoben auf 11. Juni) © Laut
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Rock - Erschienen am 1. Januar 2007 | Geffen

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Lounge - Erschienen am 1. Januar 2008 | Geffen

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Rock - Erschienen am 1. Januar 2010 | Geffen

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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Oktober 2016 | Crush Music

Hi-Res
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Rock - Erschienen am 1. Januar 1996 | DGC

Die Nacht legt sich über die schneebedeckte Dorfsiedlung im japanischen Hochland. Doch statt einer Flöten-Pentatonik ertönt ein Feedback-Fiepen, ein schepperndes Becken zählt vor und dann stolpert der wohl krakeligste aller Weezer-Songs herrlich stümperhaft los. An das Unisono aus Gitarre, stumpf-exaltiertem Keyboard und rohem Gesang schließt sich in "Tired Of Sex" ein ulkiges Solo an, das kurioserweise von Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs abgekupfert ist. Die Vorgeschichte zu diesem Prolog ist schnell erzählt. Aus dem Nichts heraus katapultieren "Buddy Holly" und das selbstbetitelte blaue Album Weezer 1994 mit straightem Garage-Sound und poppigen College-Hooks an die Schwelle zum Rock-Olymp. Der Charme und der gelungene Spagat zwischen Eingängigkeit und Eigenständigkeit machen den Erstling zu einem überraschend runden Ganzen. Der sensible Rivers Cuomo, kreative Schaltzentrale des Vierers aus L.A., denkt aber daraufhin nicht an einen Schnellschuss, um im Fahrwasser des Debüts zu schwimmen. Im Gegenteil: Das Rockstar-Leben kommt ihm wie Zeitverschwendung vor. Er fühlt sich nach der ersten großen Tour ausgelaugt und unterfordert zugleich und strebt nach einem erfüllenderen Lebensstil. Voller Erwartungen schreibt er sich daher an der renommierten Harvard-Uni ein, um nicht weiter Abend für Abend "die selben zehn Songs zu spielen". In dem seiner Bewerbung beiliegenden Motivations-Schreiben erklärt er, wie sehr ihn die Oberflächlichkeit seines Band-Alltags betäubt. Bevor er seinen Studienaufenthalt in Cambridge antritt, beginnen die ersten Sessions für "Pinkerton" im Electric Lady Studio. Zunächst noch unter dem Arbeitstitel "Songs From The Black Hole". Erste Skizzen hat Cuomo schon zur Weihnachtszeit 1994 im heimischen Connecticut auf einem Achtspur-Gerät festgehalten. Der Mastermind hat Großes vor und entwirft am Reißbrett eine ganze Oper samt Coda und rezitativer Struktur. Zu dieser Zeit hegt er großes Interesse für Klassik und fühlt sich Komponisten wie Giacomo Puccini verbunden. Komplexere musikalische Schemata abseits der üblichen Parameter der Populärmusik reizen den Schöpfergeist in dieser Trotzphase mehr denn je. Den Intellektuellen begeistert besonders "Madame Butterfly" von 1904, in der auch ein gewisser Marineleutnant namens Benjamin Franklin Pinkerton zu den Protagonisten zählt. Laut dem Sänger verkörpert der Charakter aus David Belascos Literaturvorlage den Lifestyle eines waschechten Rockstars, wenn er mit seinem Schiff exotische Orte ansteuert, dort die flüchtige Liebe erfährt und schließlich wieder zu neuen Ufern aufbricht. Cuomo wirft den Plan eines Albums in drei Akten letztlich über den Haufen, verweist aber in Artwork und Inhalt auf das in Nagasaki spielende Drama. So ziert die Hülle ein an das Original-Setting angelehnter Holzschnitt: 'Night Snow At Kanbara' des japanischen Künstlers Utagawa Hiroshige. Neben weiteren Anspielungen in Songtiteln, wie etwa im untröstlichen Balladen-Finale "Butterfly" stellt sicherlich der Tenor Pinkerton, der für den Album-Namen Pate steht, die zentrale Referenz dar. Denn im Amerikaner auf See spiegelt sich Cuomos Person mehr als deutlich wider. Die kurzlebigen Liebschaften des B.F. entsprechen den One-Night-Stands mit Groupies, die bei Rivers allerdings eher zu sexueller Frustration führen. So gerät "Pinkerton" anstelle des pompösen Rock-Epos fast zur Antithese des klassischen Genre-Images. Der erwähnte Opener "Tired Of Sex" konterkariert direkt das abgewatschte Sujet von 'Sex Drugs And Rock'n'Roll' und zeugt von einer tief liegenden Gleichgültigkeit gegenüber dem Stereotypen des Gitarren-Heroen mit Schlüpferstürmer-Qualitäten. Allein das Amalgam aus atypischem Solo-Gewichse im Mittelteil überzeichnet possenhaft die besagte Schablone. Die Platte erzählt vom Lebens-Taumel eines Emos mit fast pubertärem Phlegma. Nicht selten erinnert das Narrativ flapsiger Beschreibungen kleiner zwischenmenschlicher Sentimentalitäten an Holden Caulfield aus J.D. Salingers Entwicklungsroman "Der Fänger im Roggen". Der Nerd mit der Hornbrille laboriert in der Entstehungsphase des Zweitlings an den Folgen einer OP, die seinen Geburtsfehler zweier ungleich langer Beine korrigieren soll und ihn über mehrere Monate lähmt. Mit ein Grund für die wachsende Isolation des Musikers, dessen Gesellschaft in Harvard in erster Linie aus Büchern besteht. Seine Band-Kollegen Matt Sharp, Patrick Wilson und Brian Bell widmen sich derweil ihren Neben-Projekten. Der Aufprall nach dem wohl größtmöglichen Sprung aus dem Lotterleben in die höchste Etage scheint hart und bietet keinen Ausweg aus der Sinnkrise. So lässt Cuomo die Einsamkeit in Songs und Texte einfließen, die, in der Ich-Perspektive verfasst, das Innenleben des Muster-Studenten ungefiltert preisgeben. Berührend beklemmende Bekenntnisse wie "my girl's a liar but I'll stand beside her, she's all I've got and I don't want to be alone" in "No Other One" machen aus dem lyrischen Ich in unmissverständlicher Art eine Identifikationsfigur aller introvertierten Außenseiter. Die stets gniedelige Gitarre teilt sich in mehrere Spuren und durchläuft spielerisch Powerchord-Folgen, gibt sich dann wieder ganz scheu an die Vokale geklammert und steckt im aufopferungsvollen Refrain auf die Silben "No, There Is No Other One" das Herzblut des Interpreten in jeden Anschlag. Als Fremdelnder im regen Campus-Gewimmel, traut sich der Protagonist nicht, seinen Schwarm anzusprechen und schreibt die Hemmungen im illustren "El Scorcho" nieder. Einem Paradebeispiel für die musikalische Hemmungslosigkeit, in die sich fast eine Art Phantom-Fröhlichkeit mischt, wenn Bell und Sharp grölend wie ein Matrosenchor mit zig Promille im Blut Cuomos Liebes-Geständnis mal im Kanon und mal mit krude eingeworfenen Falsett-Japsern begleiten. Die Begründung, warum es sich bei der Herzdame um die richtige handelt, ist auch schnell abgehandelt: "I asked you to go to the Green Day concert. You said you'd never heard of them - how cool is that". Weit weniger Überwindung kostet es den damals 25-Jährigen, einem weiblichen japanischen Fan mit "Across The Sea" auf ihren Liebesbrief zu antworten :"I've got your letter, you've got my song". Auf die begrenzten Englischkenntnisse der Verfasserin lässt die liebevoll gemeinte erste Zeile "you are 18 year old girl, who live in small city in Japan" schließen, die ihren Wortlaut aufgreift. Der Song könnte gut und gerne als Pamphlet für die platonische Liebe eines scheuen Anti-Rockstars durchgehen ("I could never touch you, I think it would be wrong") und zeugt zugleich von der seelischen Verfassung des im Chorus nach Hilfe schreienden: "I need help and you're way across the sea". Die Unerreichbare kann natürlich auch als moderne Version der Geisha Cio-Cio-San interpretiert werden, der bei Puccini Pinkertons Herz gehört. Auch hier trennt das Meer die beiden Liebenden voneinander. Punkig in Pixies-Manier und mit gedimmter Gitarre aber umso fetterem Bass und Schlagzeug-Sound versehen, mündet "Across The Sea" schließlich in eine Bridge, die von breitbeiniger Solo-Ekstase in kindliches Wimmern kippt. Eine der vielen ergreifenden Seiten dieser Scheibe zeigt sich in der Direktheit, mit der jede dieser Episoden den Hörer trotz all der konstruierten Intertextualität anstößt: Diese mitunter an Dilettantismus grenzende Unbedarftheit, mit der die Herren kreuz und quer durcheinander plärren, kreischen, mal synkopisch versetzt, mal albern dazwischen buhlend. Auf einen Spielverderber in Person eines Produzenten verzichteten Weezer daher auch bewusst. Ebenso auf den Klick im Ohr von Drummer Patrick Wilson. Nichts sollte die Live-Atmosphäre und die Unvermitteltheit stören, wenn sich die drei (ausgenommen Wilson) vor einem Raum-Mikrofon im One-Take-Modus die Seele aus dem Leib singen. Diesem Ideal des Unperfekten verdanken sich die genialen Ritardandi, die unfassbaren Fill-Ins, die den Lo-Fi-Riffs so viel Spontaneität und Virtuosität verleihen. "The Good Life", das die Sehnsucht nach einem wilderen Dasein schildert, bricht aus der Form, indem das Tempo gegen den Strich munter entschleunigt und gerafft wird. Insgesamt koppeln sich, wo man hinhört C- und-D-Teile aus, in denen sich kleine Raffinessen wie Miniaturen verkappter Doppel-Soli verstecken. So wie in "Pink Triangle". Darin hat unser Liebesritter die Eine endlich ausfindig gemacht, leider fühlt sich diese aber eher zum anderen Geschlecht hingezogen: "I'm done she's a lesbian, I thought I had found the one". Auf die Ouvertüre mit Xylophon und den ungeniert vorgetragenen Vers: "When I´m stable long enough, I start to look around for love" senkt sich der Song irgendwann in eine von Slide-Gitarre angeschobene Passage, die schließlich in einem schmerzlich schönen Gitarren-Dialog ausfasert, den man sich am liebsten einrahmen möchte. Das Gerüst all dessen schuf Rivers auf seiner Akustischen im stillen Kämmerlein. Erst im Januar 1996 wurde das Rohmaterial in den Semesterferien in Van Nuys neu arrangiert und eingespielt. Herausgekommen ist dabei eine Produktion, die vor Mut strotzt und dabei paradoxerweise die Geschichte eines Mutlosen vertont. Die wiederholten letzten zwei Worte des tragischen Abgangs "Butterfly" lauten: "I'm sorry". Davor erzählt Cuomo in einem Flashback, wie er in Mamas Einweckglas einen Schmetterling fängt und ihn am nächsten Morgen leblos darin auffindet. Nur von den zarten Pulsschlägen der Percussions unterlegt, gerät der Album-Abspann mit Cuomos unnachahmlich trübseligem Gesang zu den tapfersten drei Minuten in Weezers Band-Historie. Der letzte Seufzer, der die melancholische Magie dieser Platte in einer unschuldigen Melodie bündelt. Die Rezeption des Albums bei Anhängerschaft und Schöpfer könnte unterschiedlicher kaum ausfallen. Während Fans einen Kult um "Pinkerton" erschaffen und die knappen 35 Minuten als die hellste halbe Sternstunde der Amerikaner ansehen, betont der Urheber, wie peinlich ihm das Ganze sei. Als das Schmerzhafteste in seinem Leben beschreibt er 2001 besagten Kult um den Langspieler. Denn es sei "einfach nur ein krankes Album, krank im Sinne von ungesund. Es ist eine solche Quelle von Angst, weil alle Fans, die wir gerade haben, uns nur deswegen folgen. Und ganz ehrlich, ich will diese Songs nie wieder spielen und nie wieder hören". Ein genialer Ausrutscher, die Schönheit des Makels, das schwarze Schaf unter all den Bunten ("Green Album", "Red Album")? Es entwickelt sich in der Folge eine Eigendynamik, in der "Pinkerton" sich wie ein pickeliger Teenager gegen die fürsorgliche Liebe sträubt. Fast so tragisch wie "Madame Butterfly" erzählt diese Fabel vom Scheitern, auch wenn Rivers viele Jahre später seine damaligen Aussagen ein Stück weit relativiert. Seinerzeit empfand er es als "unfassbar großen Fehler, der vor den Augen hunderttausender Menschen passierte. Als wäre man auf einer Party total besoffen gewesen und hätte der Menge sein Herz ausgeschüttet und das als total erlösend empfunden und am nächsten Morgen aufgewacht und hätte festgestellt, dass man sich total blamiert hat". Genau diese Entblößung macht das Werk zum wahren Husarenstück einer bestandenen Mutprobe und einem zeitlosen Zeugnis für intuitiven und gleichsam intelligenten Garagerock. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 1. März 2019 | Crush Music - Atlantic

Hi-Res
Wer Weezer nicht liebt, nie geliebt hat, möge uns anderen nun eine ruhige Minute gönnen. Alles, was ihr wissen müsst, ist: Die spielen in euren Ohren immer noch eine Variante ihres Nicht-Fisch-Nicht-Fleisch-Rock für mentale Erstsemester. So unverdrossen, dass es von Jahr zu Jahr merkwürdiger wirkt, wie wenig sich Rivers Cuomo am äußersten Ende seiner Vierziger eigentlich für seinen Pullunder schämt. Geht unterdessen an die frische Luft, eine Runde Kegeln, oder raucht mal wieder eine Zigarette, die sind lecker. Horcht man als Weezer-Fan in einer ehrlichen Minute tief in sich hinein, ist man sich nicht sicher, was genau man von dieser Band eigentlich will. Einerseits werden sich die allermeisten einig sein, dass die völlig unironische Nummer des "white guy in his twenties complaining about life" zu mal mehr, mal weniger softem Gitarrenspiel definitiv nicht das ist, was man im Jahr 2019 von Rivers Cuomo hören möchte. Ebenfalls tief im Fanherzen sitzt aber die Verletzung, dass ihm genau diese Nummer in ihrer schamlosen, großartigen Emotionalität nie mehr so geglückt ist wie mit "Pinkerton". Deswegen findet man alles danach, den perfekten Springbreak-College-Vibe des grünen Albums außen vor, tendentiell scheiße (interessant vor allem, wenn man bedenkt, dass die Fans "Pinkerton" zu seiner Zeit so beschissen fanden, dass sich der Frontmann fast ein halbes Jahrzehnt nahezu ungestört seiner starken Depression widmen konnte). Mit Namen und Cover des "Black Album" weckt dieser herzlose Bastard dann doch Hoffnungen, dass er sich über Nacht wieder in einen depressiven Mittzwanziger in seinem ersten Harvard-Jahr verwandelt hat und es der Welt mit melodiösen LoFi-Emo-Riffs zu egozentrischer Herzschmerz-Lyrik noch einmal so richtig zeigt. Tut er nicht. Stattdessen beweisen Weezer ein sicheres Händchen für Ohrwürmer, extrem kurzweilige Arrangements sowie das Selbstbewusstsein von Leuten, die für einen Haufen weißer Schmocks von der Uni eine ziemlich beachtliche Karriere im Musikgeschäft hingelegt haben. Vor allem hat Songwriter Cuomo in seinem Dasein als Popschwein mittlerweile jedwede Hemmung abgelegt, sich an allem in der Musikgeschichte zu bedienen, was in einem Weezer-Song gut klingen kann. Zum Einstieg vermengt er als Hornbrillen-Hustler Mariachi-Trompeten, eine Strophe, die klingt, als hätten Led Zeppelin "Trampled Under Foot" Nachmittags im Liegestuhl am Pool eingespielt und eine Hook wie von den Scissor Sisters in ihren besten Zeiten. "Leave a five star review and I leave you one, too": Ziemlich cool, ziemlich charmant. Direkt im Anschluss daran stoßen Weezer unerschrocken an die Grenzen des guten Geschmacks vor: "Zombie Basterds" kombiniert Lagerfeuer-Akkorde mit etwas als Refrain, das man durchaus H&M-Kabinensound nennen kann. Das liest sich deutlich negativer, als es sich anhört. Zugegebenermaßen ist das so natürlich auch kein explizites Kompliment. Wenn man aber bereit ist, die sich daraus ergebenden, sicherlich faszinierenden semantischen und erkenntnistheoretischen Fragen außen vor zu lassen, kann man damit Spaß haben. Dazu liefert Cuomo wie gehabt seinen herzerweichend naiven Schmalz in der Stimme, der Zeilen wie "walk with me between the raindrops listening to Queen" und "Music has saved my life / we don't have much time" zu der großen Highschool-Lyrik macht, die sie ist. Klingt scheiße? Klingt toll! "Die, die, you Zombie Basterds", das ist keine Atomphysik, ergibt aber Sinn, insofern es ins Ohr geht und dort bleibt. Nun muss der Begriff "Ohrwurm" ja im Volksmund nicht zwingend etwas Gutes heißen und trifft etwa auch auf "Ai Se Eu Te Pego" (leicht verschämt mitsummend, den Blick auf den Boden gerichtet) oder (geschmacklos, wahrnehmungszerfetzend, aber auf eine perverse Weise geil) "Cotton Eye Joe" zu. Mit ihnen gemein haben Weezer den tendenziell unprätentiösen Ansatz und ein gewisses Schielen auf den Mainstream, nur schielen Weezer auf verschiedenen Zeitebenen: "High As A Kite" macht wunderbar einen auf Beach Boys, während man bei "Living in L.A." oder "Too Many Thoughts In My Head" ein "2006 hat angerufen ..." auf den Lippen hat. Aber auf Indieparties will man ja auch oft zuerst nicht, dass das einem Spaß macht, bis man den aus Versehen dann doch hat. Zudem versteht Cuomo, der ausgebuffte alte Knabe, genügend vom Hexenhandwerk eines guten Popsongs, dass die Medizin genau richtig süß schmeckt. Er verschleiert die Zutaten so geschickt, dass dieser "Haste doch schonmal gehört"-Moment immer wieder aufkommt, ohne dass es billig wirkt. Eher wie das Gefühl eines angenehmen Wiedersehens. Natürlich kann Cuomo Beatles und Beach Boys, melodisch versüßte College-Rock-Melancholie und Indiegitarrenmusik besser als, sagen wir mal, Adlibs. Von der Hommage an den titelgebenden "The Prince Who Wanted Everything" ist es vermutlich gesichtswahrender für alle Beteiligten, dass der Geehrte seine Meinung dazu in dieser Dimension nicht mehr mitteilen kann. Uns ist er aber geradlinig stampfend und zugleich lässig genug, um einmal fünfe gerade sein zu lassen. So wie "I'm Just Being Honest" einfach ein entwaffnend sonniger Diss gegen alle Nachwuchsmusiker ist, die Cuomo ungefragt Demos in die Hand drücken, kann man sich der beschwingten Lust am Pop auf diesem Album einfach nicht entziehen und fühlt sich auch noch gut dabei. Wem diese ganze Rezension nun eine allzu agnostische "Gut, Schlecht, wer weiß"-Angelegenheit ist, mag sich bitte vorstellen, wie man Donnerstags leicht hacke am Strand liegt, nichts wirklich Interessantes vor hat und ebenso wenig ein Bedürfnis danach. Das Wasser plätschert gegen den Bauch und die großen Fragen wollen im Kopf einfach nicht aufkommen. Man hat das alles gar nicht explizit so gewollt, aber es ist schön, dass es passiert. Deswegen summt man einfach die Melodie von "Africa" und denkt wohlwollend an Rivers Cuomo, diesen gewitzten Hundesohn. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 27. Oktober 2017 | Crush Music - Atlantic

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Rock - Erschienen am 1. Januar 2009 | Geffen

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Pop - Erschienen am 1. Januar 2002 | Geffen

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Rock - Erschienen am 1. Januar 2008 | Geffen

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Alternativ und Indie - Erschienen am 1. April 2016 | Crush Music - Atlantic

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Rock - Erschienen am 1. Januar 2008 | Geffen

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Alternativ und Indie - Erschienen am 14. September 2010 | Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 21. April 2021 | Crush Music - Atlantic

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Alternativ und Indie - Erschienen am 24. Januar 2019 | Crush Music - Atlantic