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Die Alben

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Rock - Erschienen am 9. Oktober 2020 | Epitaph

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
"Stage Four" war 2016 das Meisterwerk von Touché Amoré. Eine Platte, die mich mit voller Wucht ins Mark traf. Frontmann und Haupttexter Jeremy Bolm verarbeitete darauf in brutal persönlichen, herzzerreißenden Zeilen den tragischen Krebstod seiner Mutter. Jeder seiner leiderfüllten Screams war wie ein harter Schlag in die Magengrube. Die große Frage nun: Wie soll man eine ergreifende Platte, die am emotionalen Tiefpunkt geschrieben wurde, noch toppen? Die Antwort ist: gar nicht. Zumindest in textlicher und thematischer Hinsicht. Und das ist verdammt nochmal auch gut so. Jeremy Bolm, erneut für sämtliche Lyrics verantwortlich, kletterte in den letzten Jahren aus dem tiefen Tal der Trauer und des Schmerzes heraus. Und das hört man "Lament" an. Die neuen Songs handeln davon, wie man nach einer schweren Zeit weiterlebt. Davon, dass das Leben weitergeht. Weitergehen muss. Es bleibt nicht aus, dass auch dabei wieder viel Melancholie und Traurigkeit im Spiel ist – wie etwa im niederschmetternden, aber extrem kraftvollen und mitreißenden "Deflector" ("I'm a secondhand piano / Incapable of tune / Providing the score / For ‘gone to soon"). Allerdings gibt sich Bolm gleichzeitig auch oft vorsichtig optimistisch, erzählt stellenweise mit bitterem Humor aus den vergangenen vier Jahren. Beispielsweise im Closer "A Forecast", wenn er mit ruhiger Stimme berichtet: "I've healed more than suffered / I found the patience for jazz / I still love the Coen brothers / I’ve lost more family members / Not to cancer but the GOP." Die Texte bleiben eine der ganz großen Stärken der Band, vor allem in Kombination mit Bolms Stimme, die im Vergleich zu den vorherigen Alben nochmal geschärfter daherkommt. Jeder Schrei sitzt markerschütternd, in den richtigen Momenten packt Bolm zudem seine Gesangsstimme aus. Die ist weit entfernt von Perfektion, verfügt aber auch gerade deshalb über viel Persönlichkeit und erhöht noch mal die Authentizität. Wie im erwähnten "A Forecast", bei dem man sich beinahe fühlt wie bei einem intimen Gespräch unter guten Freunden, die sich lange nicht gesehen haben und wo der eine (in diesem Fall Jeremy) den anderen (uns Hörer) auf den aktuellen Stand bringt. Musikalisch behalten Touché Amoré die spätestens mit der letzten Platte eingeschlagene Richtung bei. Fast sämtliche Songs knacken die 3-Minuten-Marke problemlos, sogar ein Fünfminüter ist dabei ("Limelight") – im Vergleich mit den ersten drei Alben ein Mammut-Werk in Dream Theater-Dimensionen. Dazu wechseln sich harte Passagen, in denen Drummer Elliot Babin und Basser Tyler Kirby ihre Felle bzw. Saiten malträtieren und deretwegen man das Quintett aus L.A. noch immer ins Post-Hardcore-Genre einsortieren kann, mit vielen ruhigen Momenten ab. In diesen steht dann vor allem Bolms Stimme im Vordergrund. Musterbeispiele, wie perfekt dieses Wechselspiel auch innerhalb eines Songs funktionieren kann, sind der großartige Opener "Come Heroine" und die erste Single "Limelight", zu der Manchester Orchestra-Frontmann Andy Hull mit zerbrechlicher Stimme noch einige Zeilen beisteuert, die einen wundervollen Kontrast zu Bolms rauen Schreien bilden. Noch prägnanter als schon auf den Vorgänger-Scheiben fallen zudem die Melodien aus, für die hauptsächlich Clayton Stevens und Nick Steinhardt mit ihren Gitarren verantwortlich sind. Stellenweise werden dabei die Punkrock-Einflüsse der Band deutlich. Am stärksten fällt dies bei "Reminders" auf, mit dem sich Touché Amoré weiter aus ihrer Komfortzone herauswagen als je zuvor. Der super-eingängige Ohrwurm-Refrain und die Gang-Chants stehen den Kaliforniern aber besser zu Gesicht, als man zunächst meinen könnte. Trotz (oder gerade wegen?) solcher Ausreißer ist "Lament" ein durch und durch rundes Album. Dazu trägt auch die perfekte Produktion bei, für die sich Jeremy und seine Bandkollegen Ross "The Godfather of Nu Metal" Robinson (ein Titel, den er sich unter anderem mit den Debütalben von Korn und Slipknot verdiente) ins Studio holten. Er verpasste der Band ein gewisses Live-Feeling, das sich vor allem an Bolms Stimme abzeichnet. Sie klingt rau, zerbrechlich, ungeschliffen, aber dennoch schärfer, und kraftvoller. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Rest der Band: Man meint, bei den Aufnahmen vor Ort zu sein, so authentisch haut der Sound von Drums, Bass und Gitarren rein. "Stage Four" ist ein Meisterwerk. "Lament" ein meisterhafter Nachfolger, der sowohl in textlicher als auch in musikalischer Hinsicht logisch daran anknüpft. In ein paar Jahren wird sich dann wieder die Frage stellen, wie es weitergehen soll, nachdem sowohl das emotionale Tal, als auch der anschließende Weg hinaus so brillant verarbeitet wurden. Aber auch darauf dürfte Jeremy Bolm eine mehr als nur zufriedenstelle Antwort finden. Ich kann es jetzt schon wieder kaum erwarten. © Laut
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Rock - Erschienen am 16. September 2016 | Epitaph

Hi-Res
Krebs ist ein Arschloch. Während Jeremy Bolm, Sänger von Touché Amoré, auf der Bühne steht und sich die Seele aus dem Leib schreit, stirbt seine Mutter. Ein Jahr vorher war bei ihr Stufe vier dieser elendigen Krankheit diagnostiziert worden: Überlebenschancen gleich null. Sie habe noch drei bis zwölf Monate sagten die Ärzte und sollten letztendlich Recht behalten. Die Tatsache, dass man in einer Plattenkritik so offen darüber schreiben kann, ist Jeremy selber zu verdanken. "Ich öffne mich eigentlich nicht so sehr den Menschen im echten Leben", sagt er. "Aber wenn ich Songs schreibe, will ich so offen und ehrlich wie möglich sein." "Stage Four" ist deshalb ganz seiner Mutter, ihrem Tod und ihrem Leben gewidmet: Der Titel, eine Anspielung auf ihre Krankheit, das Cover, eine Collage ihrer Haustür und die Texte, Jeremys Art mit Trauer, Wut und Unverständnis klar zu kommen. Ganz am Ende des Albums hört man sogar noch ihre Stimme, als sie zum letzten Mal auf seine Mailbox spricht. Es ist nicht einfach dieses Album zu hören, wenn man sich voll darauf einlässt. Es ist dermaßen persönlich und verletzlich, dass man sich manchmal ertappt fühlt, als ob diese Texte eigentlich gar nicht für einen selber bestimmt wären, sondern nur für Jeremys Tagebuch. "You died at 69 with a body full of cancer / I asked your god how could you but never heard an answer / No one saw it coming, the diagnosis of stage four / The bravest woman I know that survived it once before" singt Jeremy zum Beispiel in "Displacement". Jeremys Mutter scheint eine gläubige Frau gewesen zu sein und er selber hadert damit unaufhörlich. "Ich möchte daran glauben, dass es einen Himmel gibt, denn den hätte sie verdient", sagt Jeremy über diesen Song. In "Palm Dreams" schreibt er über eine Frage, die er seiner Mutter nie gestellt hat, nämlich warum sie nach Kalifornien zog. Das mag nichtig erscheinen, macht aber deutlich, was für Dinge einen beschäftigen, wenn man einen geliebten Menschen verliert und wie intim dieses Album wirklich ist. Noch beim letzten Album dachte man, es geht aufwärts bei Touché Amoré, Jeremy selber sprach davon wie gut es ihm gehe, die Platte klang vergleichsweise optimistisch. "Stage Four" ist wieder dunklerer, was hauptsächlich an Jeremys Texten liegt. Denn die Musik selber bewahrt sich viele helle Momente in ihren Harmonien und Melodien. So klingt "Stage Four" nicht nach dem düster traurigen Album, dass man erwarten könnte. Musikalisch bleibt sich die Band treu und damit großartig. Diese Ideenvielfalt, Kreativität und Spielfreude findet man in dem Genre nicht besonders oft. Ihr Posthardcore irgendwo zwischen Indie, Punk und Math klingt auf "Stage Four" aber noch einen Tick zielstrebiger und nicht mehr so rastlos. Der auffälligste Unterschied ist schlicht die Länge der Songs. Gerade mal zwei sind kürzer als zwei Minuten, die meisten knacken locker die drei Minutenmarke. Aber auch auf dieser Länge gehen den Jungs die Ideen lange nicht aus, sie lassen sich eben mehr Zeit sie zu entfalten und betrachten ihre Riffs und Rhythmen von unterschiedlichen Seiten. Ein gutes Beispiel dafür ist der letzte Track "Skyscraper". Mit Unterstützung von einer sphärisch klingenden Julien Baker, bauen Touché Amoré ein riesiges, sich stetig wiederholendes Soundgebäude auf. Anfangs noch leicht und filigran, türmt sich eine Spur auf die nächste, bis nur noch eine dichte Mauer aus Drums, verzerrten Gitarren und fusseligem Bass übrig bleibt und leise ausfadet. "Water Damage" ist ein ähnliches Ungetüm. Mit Akustik-Gitarren im Rücken spricht Jeremy mehr als dass er schreit. Dann bricht es aus ihm heraus, seine Band stimmt verzerrt mit ein und hebt den Song hoch empor. Die Melodien, die Jeremy mit seinem Geschrei eben nicht in die Musik bringt, übernehmen erneut die beiden Gitarren. "New Halloween" oder "Posing Holy" zum Beispiel klingen wunderbar vielschichtig, wenn Nick Steinhardt und Clayton Stevens zweistimmige Linien klimpern und dabei Jeremys Stimme unterstützen. Man könnte fast seine Texte in genau diesen Melodien mitsingen. Der verzerrte Bass und das vertrackte Schlagzeug hingegen prügeln meist wie wild auf Saiten und Trommeln und sorgen dafür, dass hinter dem Post noch ein Hardcore stehen darf, wenn man Touché Amoré in ein Genre packen möchte. In den meisten Songs gibt es mittlerweile traditionelle Songstrukturen, sprich Chorus, Vers und diverse Zwischenteile. Da sind solch knackigen Songs wie "Displacement", "Softer Spoken" oder "Eight Seconds", die genau darauf verzichtet, schon Exoten und erinnern angenehm an die ersten Touché Amoré Alben. Apropos Exoten: In "Benediction" und "Palm Dreams" singt Jeremy das erste Mal richtig. Das klingt natürlich überhaupt nicht nach Profisänger, aber es passt ins Konzept eines sehr offenen und selbstbewussten Albums. Aus großem Leid wächst große Kunst, sagt man. Wenn es nicht so verdammt zynisch klingen würde, könnte man das auch zu diesem Album sagen. Aber "Stage Four" ist nicht deshalb so ein fantastisches Album geworden, weil Jeremy seine Trauer verarbeitet, sondern, weil diese Band hervorragend zusammenpasst, weil sie ihre Kreativität bündeln und daraus eingängige, druckvolle und zutiefst bewegende Songs schreiben. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Juni 2011 | Deathwish Inc.

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Rock - Erschienen am 2. September 2020 | Epitaph

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"Stage Four" war 2016 das Meisterwerk von Touché Amoré. Eine Platte, die mich mit voller Wucht ins Mark traf. Frontmann und Haupttexter Jeremy Bolm verarbeitete darauf in brutal persönlichen, herzzerreißenden Zeilen den tragischen Krebstod seiner Mutter. Jeder seiner leiderfüllten Screams war wie ein harter Schlag in die Magengrube. Die große Frage nun: Wie soll man eine ergreifende Platte, die am emotionalen Tiefpunkt geschrieben wurde, noch toppen? Die Antwort ist: gar nicht. Zumindest in textlicher und thematischer Hinsicht. Und das ist verdammt nochmal auch gut so. Jeremy Bolm, erneut für sämtliche Lyrics verantwortlich, kletterte in den letzten Jahren aus dem tiefen Tal der Trauer und des Schmerzes heraus. Und das hört man "Lament" an. Die neuen Songs handeln davon, wie man nach einer schweren Zeit weiterlebt. Davon, dass das Leben weitergeht. Weitergehen muss. Es bleibt nicht aus, dass auch dabei wieder viel Melancholie und Traurigkeit im Spiel ist – wie etwa im niederschmetternden, aber extrem kraftvollen und mitreißenden "Deflector" ("I'm a secondhand piano / Incapable of tune / Providing the score / For ‘gone to soon"). Allerdings gibt sich Bolm gleichzeitig auch oft vorsichtig optimistisch, erzählt stellenweise mit bitterem Humor aus den vergangenen vier Jahren. Beispielsweise im Closer "A Forecast", wenn er mit ruhiger Stimme berichtet: "I've healed more than suffered / I found the patience for jazz / I still love the Coen brothers / I’ve lost more family members / Not to cancer but the GOP." Die Texte bleiben eine der ganz großen Stärken der Band, vor allem in Kombination mit Bolms Stimme, die im Vergleich zu den vorherigen Alben nochmal geschärfter daherkommt. Jeder Schrei sitzt markerschütternd, in den richtigen Momenten packt Bolm zudem seine Gesangsstimme aus. Die ist weit entfernt von Perfektion, verfügt aber auch gerade deshalb über viel Persönlichkeit und erhöht noch mal die Authentizität. Wie im erwähnten "A Forecast", bei dem man sich beinahe fühlt wie bei einem intimen Gespräch unter guten Freunden, die sich lange nicht gesehen haben und wo der eine (in diesem Fall Jeremy) den anderen (uns Hörer) auf den aktuellen Stand bringt. Musikalisch behalten Touché Amoré die spätestens mit der letzten Platte eingeschlagene Richtung bei. Fast sämtliche Songs knacken die 3-Minuten-Marke problemlos, sogar ein Fünfminüter ist dabei ("Limelight") – im Vergleich mit den ersten drei Alben ein Mammut-Werk in Dream Theater-Dimensionen. Dazu wechseln sich harte Passagen, in denen Drummer Elliot Babin und Basser Tyler Kirby ihre Felle bzw. Saiten malträtieren und deretwegen man das Quintett aus L.A. noch immer ins Post-Hardcore-Genre einsortieren kann, mit vielen ruhigen Momenten ab. In diesen steht dann vor allem Bolms Stimme im Vordergrund. Musterbeispiele, wie perfekt dieses Wechselspiel auch innerhalb eines Songs funktionieren kann, sind der großartige Opener "Come Heroine" und die erste Single "Limelight", zu der Manchester Orchestra-Frontmann Andy Hull mit zerbrechlicher Stimme noch einige Zeilen beisteuert, die einen wundervollen Kontrast zu Bolms rauen Schreien bilden. Noch prägnanter als schon auf den Vorgänger-Scheiben fallen zudem die Melodien aus, für die hauptsächlich Clayton Stevens und Nick Steinhardt mit ihren Gitarren verantwortlich sind. Stellenweise werden dabei die Punkrock-Einflüsse der Band deutlich. Am stärksten fällt dies bei "Reminders" auf, mit dem sich Touché Amoré weiter aus ihrer Komfortzone herauswagen als je zuvor. Der super-eingängige Ohrwurm-Refrain und die Gang-Chants stehen den Kaliforniern aber besser zu Gesicht, als man zunächst meinen könnte. Trotz (oder gerade wegen?) solcher Ausreißer ist "Lament" ein durch und durch rundes Album. Dazu trägt auch die perfekte Produktion bei, für die sich Jeremy und seine Bandkollegen Ross "The Godfather of Nu Metal" Robinson (ein Titel, den er sich unter anderem mit den Debütalben von Korn und Slipknot verdiente) ins Studio holten. Er verpasste der Band ein gewisses Live-Feeling, das sich vor allem an Bolms Stimme abzeichnet. Sie klingt rau, zerbrechlich, ungeschliffen, aber dennoch schärfer, und kraftvoller. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Rest der Band: Man meint, bei den Aufnahmen vor Ort zu sein, so authentisch haut der Sound von Drums, Bass und Gitarren rein. "Stage Four" ist ein Meisterwerk. "Lament" ein meisterhafter Nachfolger, der sowohl in textlicher als auch in musikalischer Hinsicht logisch daran anknüpft. In ein paar Jahren wird sich dann wieder die Frage stellen, wie es weitergehen soll, nachdem sowohl das emotionale Tal, als auch der anschließende Weg hinaus so brillant verarbeitet wurden. Aber auch darauf dürfte Jeremy Bolm eine mehr als nur zufriedenstelle Antwort finden. Ich kann es jetzt schon wieder kaum erwarten. © Laut
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Rock - Erschienen am 9. August 2019 | Condolences - 6131

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Alternativ und Indie - Erschienen am 24. September 2013 | Deathwish Inc.

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Songs unter zwei Minuten, voller emotionalem, deprimiertem und leidenschaftlichem Hardcore: Dafür waren Touché Amoré bisher bekannt. Deswegen waren sie mit Rise Against auf Tour und deswegen sind sie die beste Band der The Wave-Truppe. Gerade ihre Tagebuch-artigen Texte zwischen Selbstzweifel, Pathos und intimen Gefühlen machten die Band authentisch und großartig. Und jetzt sagt Jeremy Bolm, Sänger und Texter, doch tatsächlich, dass er zu gut drauf sei, um weiter traurige Texte zu schreiben. Grundgütiger! Ist "Is Survived By" etwa ein gut gelauntes Postcore-Album? Definitiv nicht. Es ist lediglich nicht mehr ganz so aussichtslos, niedergeschlagen und melancholisch wie die Vorgänger. Immer noch schreit Jeremy so, das man meint, seine Stimme müsste gleich brechen. Seine Texte klingen immer noch so, als ob er sie direkt aus seinem Tagebuch vorlesen würde. Nur klingt er nicht mehr so verloren und einsam, sondern kräftiger, mutiger und lebhafter: "Every love can't always stay and the dead will soon decay. With time we'll all be gone but how you lived can live on." Seine Band macht auf "Is Survived By" genau das, was sie auf den Vorgänger-Alben auch schon großartig gemacht haben – nur länger und ausdauernder. Die zwölf Songs sind rappevoll mit Ideen. Auf "DNA" findet man in gut zwei Minuten mindestens sieben unterschiedliche Parts. Und das ohne einen Chorus. Die Gitarren wechseln sich dabei fröhlich in der Melodieführung ab oder dreschen auf Schlagzeug und Bass ein. Den Blick für große Momente und kleine Breaks haben die Jungs nicht verloren. So geraten die Songs unheimlich dicht und atmosphärisch. Gerade weil sie selten die Drei-Minuten-Marke knacken wirken die Lieder vielseitig wie bei keiner anderen Hardcore-Band zur Zeit. Die Band ackert sich durch Jeremys Texte, vertont gekonnt, lässt ihm Raum zum atmen oder umarmt ihn brüderlich. Das großartige "Non Fiction" steigert sich in bester Postcore-Manier ganz langsam und behutsam und kommt dabei wie eine kompakte Version von Envy rüber. Inklusive dem Wechsel von Reden zu Schreien. Im Opener "Just Exist" mit seinem spritzigen Gitarren und treibenden Drums klingt die Band so optimistisch wie noch nie. "Is Survived By" ist mit 3:30 Minuten das längste Stück der Platte und macht deutlich, dass sie es auch länger aushalten können ohne eine Sekunde zu langweilen. Nach gut einer halben Stunde ist der Trip vorbei. Kurz ist die Platte schon, aber verdammt gut. So gut, dass es gar nicht stört und auffällt, wenn man sie einfach noch mal von vorne laufen lässt. Und noch mal. © Laut
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Rock - Erschienen am 29. Juli 2020 | Epitaph

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Rock - Erschienen am 2. November 2018 | Epitaph

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Metal - Erschienen am 4. August 2009 | 6131 Records

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Rock - Erschienen am 11. September 2019 | Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 30. September 2014 | Deathwish Inc.

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Alternativ und Indie - Erschienen am 14. August 2012 | Deathwish Inc.

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Electronic - Erschienen am 10. März 2015 | Deathwish Inc.

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Alternativ und Indie - Erschienen am 8. Januar 2013 | Deathwish Inc.

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Rock - Erschienen am 15. September 2017 | Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 22. April 2013 | Secret Voice Records

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Rock - Erschienen am 30. September 2020 | Epitaph

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"Stage Four" war 2016 das Meisterwerk von Touché Amoré. Eine Platte, die mich mit voller Wucht ins Mark traf. Frontmann und Haupttexter Jeremy Bolm verarbeitete darauf in brutal persönlichen, herzzerreißenden Zeilen den tragischen Krebstod seiner Mutter. Jeder seiner leiderfüllten Screams war wie ein harter Schlag in die Magengrube. Die große Frage nun: Wie soll man eine ergreifende Platte, die am emotionalen Tiefpunkt geschrieben wurde, noch toppen? Die Antwort ist: gar nicht. Zumindest in textlicher und thematischer Hinsicht. Und das ist verdammt nochmal auch gut so. Jeremy Bolm, erneut für sämtliche Lyrics verantwortlich, kletterte in den letzten Jahren aus dem tiefen Tal der Trauer und des Schmerzes heraus. Und das hört man "Lament" an. Die neuen Songs handeln davon, wie man nach einer schweren Zeit weiterlebt. Davon, dass das Leben weitergeht. Weitergehen muss. Es bleibt nicht aus, dass auch dabei wieder viel Melancholie und Traurigkeit im Spiel ist – wie etwa im niederschmetternden, aber extrem kraftvollen und mitreißenden "Deflector" ("I'm a secondhand piano / Incapable of tune / Providing the score / For ‘gone to soon"). Allerdings gibt sich Bolm gleichzeitig auch oft vorsichtig optimistisch, erzählt stellenweise mit bitterem Humor aus den vergangenen vier Jahren. Beispielsweise im Closer "A Forecast", wenn er mit ruhiger Stimme berichtet: "I've healed more than suffered / I found the patience for jazz / I still love the Coen brothers / I’ve lost more family members / Not to cancer but the GOP." Die Texte bleiben eine der ganz großen Stärken der Band, vor allem in Kombination mit Bolms Stimme, die im Vergleich zu den vorherigen Alben nochmal geschärfter daherkommt. Jeder Schrei sitzt markerschütternd, in den richtigen Momenten packt Bolm zudem seine Gesangsstimme aus. Die ist weit entfernt von Perfektion, verfügt aber auch gerade deshalb über viel Persönlichkeit und erhöht noch mal die Authentizität. Wie im erwähnten "A Forecast", bei dem man sich beinahe fühlt wie bei einem intimen Gespräch unter guten Freunden, die sich lange nicht gesehen haben und wo der eine (in diesem Fall Jeremy) den anderen (uns Hörer) auf den aktuellen Stand bringt. Musikalisch behalten Touché Amoré die spätestens mit der letzten Platte eingeschlagene Richtung bei. Fast sämtliche Songs knacken die 3-Minuten-Marke problemlos, sogar ein Fünfminüter ist dabei ("Limelight") – im Vergleich mit den ersten drei Alben ein Mammut-Werk in Dream Theater-Dimensionen. Dazu wechseln sich harte Passagen, in denen Drummer Elliot Babin und Basser Tyler Kirby ihre Felle bzw. Saiten malträtieren und deretwegen man das Quintett aus L.A. noch immer ins Post-Hardcore-Genre einsortieren kann, mit vielen ruhigen Momenten ab. In diesen steht dann vor allem Bolms Stimme im Vordergrund. Musterbeispiele, wie perfekt dieses Wechselspiel auch innerhalb eines Songs funktionieren kann, sind der großartige Opener "Come Heroine" und die erste Single "Limelight", zu der Manchester Orchestra-Frontmann Andy Hull mit zerbrechlicher Stimme noch einige Zeilen beisteuert, die einen wundervollen Kontrast zu Bolms rauen Schreien bilden. Noch prägnanter als schon auf den Vorgänger-Scheiben fallen zudem die Melodien aus, für die hauptsächlich Clayton Stevens und Nick Steinhardt mit ihren Gitarren verantwortlich sind. Stellenweise werden dabei die Punkrock-Einflüsse der Band deutlich. Am stärksten fällt dies bei "Reminders" auf, mit dem sich Touché Amoré weiter aus ihrer Komfortzone herauswagen als je zuvor. Der super-eingängige Ohrwurm-Refrain und die Gang-Chants stehen den Kaliforniern aber besser zu Gesicht, als man zunächst meinen könnte. Trotz (oder gerade wegen?) solcher Ausreißer ist "Lament" ein durch und durch rundes Album. Dazu trägt auch die perfekte Produktion bei, für die sich Jeremy und seine Bandkollegen Ross "The Godfather of Nu Metal" Robinson (ein Titel, den er sich unter anderem mit den Debütalben von Korn und Slipknot verdiente) ins Studio holten. Er verpasste der Band ein gewisses Live-Feeling, das sich vor allem an Bolms Stimme abzeichnet. Sie klingt rau, zerbrechlich, ungeschliffen, aber dennoch schärfer, und kraftvoller. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Rest der Band: Man meint, bei den Aufnahmen vor Ort zu sein, so authentisch haut der Sound von Drums, Bass und Gitarren rein. "Stage Four" ist ein Meisterwerk. "Lament" ein meisterhafter Nachfolger, der sowohl in textlicher als auch in musikalischer Hinsicht logisch daran anknüpft. In ein paar Jahren wird sich dann wieder die Frage stellen, wie es weitergehen soll, nachdem sowohl das emotionale Tal, als auch der anschließende Weg hinaus so brillant verarbeitet wurden. Aber auch darauf dürfte Jeremy Bolm eine mehr als nur zufriedenstelle Antwort finden. Ich kann es jetzt schon wieder kaum erwarten. © Laut