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Die Alben

Ab
CD24,49 Fr.

R&B - Erschienen am 1. Januar 2013 | Universal Republic Records

Auszeichnungen 4F de Télérama
Manchmal glaube ich, keinem Genre haben seine Interpreten so übel mitgespielt wie dem R'n'B. Nirgends sonst springt es einem, mir zumindest nicht, so deutlich ins Auge, wenn es zur Abwechslung einmal nicht klingt wie der dreihundertvierundsiebzigste Klon ein und desselben Schmachtsängers auf den immer gleichen Vom-Club-ins-Schlafzimmer-Beats. Man sollte sich von den Ne-Yos, Chris Browns und wie sie alle heißen aber vielleicht doch nicht allzu kirre machen lassen: Es besteht noch Hoffnung. Frank Ocean hat es gezeigt, The Weeknd setzt noch einen drauf. Wobei ... ist das überhaupt noch R'n'B? Abel Tesfayes Gesang schreit aus jeder einzelnen Note: Ja! "Ich bin nun mal mit Leuten wie R. Kelly, Michael Jackson und Prince aufgewachsen", gibt er unumwunden zu - und könnte die großen Vorbilder auch schlecht verleugnen. Sein Falsett beschreitet die gleichen Pfade, wirkt aber in dem komplett anderen musikalischen Umfeld, in dem The Weeknd sein Instrument, seine Stimme, präsentiert, ganz und gar nicht wie ein schnöder Abklatsch. Mit ganz eigenem Vibe und seiner unverbrämten Themen- und Wortwahl lotet The Weeknd emotionale Tiefen aus, in die vor ihm selten ein Kollege vorgestoßen ist. The Weeknd besingt, fasziniert und wohl auch ein wenig erschrocken von der Welle des Erfolgs, die praktisch ohne Vorwarnung über ihn hinweg brandete und ihn ins Rampenlicht spülte, sein Leben im neu gewonnenen Ruhm. Das haben wahrhaftig schon viele vor ihm getan. Allerdings lässt er an jeder Stelle zumindest ahnen, dass es sich bei der glitzernden Fassade lediglich um einen dünnen, abblätternden Firnis handelt, der jederzeit Gefahr läuft, bei der ersten etwas rüderen Berührung unter den Fingern zu Staub zu zerkrümeln. Darunter lauert, die Krallen zum Zuschlagen ausgefahren, die Einsamkeit. "So now that she's gone embrace all that comes and die with a smile. Don't show the world how alone you've become." Die Worte aus "Tears In The Rain" stehen exemplarisch für das große Thema auf "Kiss Land". Zuvor praktisch nicht aus seiner Heimatstadt Toronto herausgekommen, jettete The Weeknd in den letzten Monaten nonstop um die Welt. Die vielfältigen Eindrücke, der Luxus und die Groupies haben aber doch ihren Preis. Sie kosten die Wurzeln, die Bindungen, die Frau, die vielleicht die Eine hätte sein können: Sie kosten das Zuhause. The Weeknd beklagt sich an keiner Stelle. Vielleicht fressen sich die scharfsichtigen Skizzen seines Gefühlslebens, die leise Traurigkeit, die stete Sehnsucht in und zwischen seinen Zeilen gerade deswegen so tief in die Seele. Auf den ersten Blick scheint alles toll, doch dahinter klafft der bodenlose, eiskalte Abgrund. Die zum Scheitern verurteilten Versuche, diesen zu füllen, liefern Stoff für große Nummern wie "Professional", "The Town" oder "Adaptation". Es geht ums Kaufen und Sich-Verkaufen, um höchstens kurzfristig wirksame Strategien, mit der gähnenden Leere zurecht zu kommen, um die verzweifelte Suche nach Gleichgesinnten, nach Geborgenheit und Verständnis, die auch der innerlich beinahe schon Abgestorbene noch nicht aufgeben will, nicht aufgeben kann. Ja, das ist R'n'B. Vor allem B: Es ist Blues. Musikalisch hat "Kiss Land" mit den glattpolierten Hochglanz-Produkten, die einem üblicherweise unter dem Etikett "kontemporärer R'n'B" angedreht werden sollen, zum Glück nichts, rein gar nichts gemein. Statt abwechselnd Four-on-the-Floor-Bummsbeats und Chimes-durchklingelte Pianoballaden aneinander zu reihen, spannt The Weeknd zusammen mit seinen Mit-Produzenten DannyBoyStyles und Jason 'Da Heala' Quenneville vielschichtige akustische Atmosphären auf. Klar darf (etwa in Wanderlust") auch einmal ein schnurgerader, Discofox-tauglicher Viervierteltakt herhalten, oder (in "Belong To The World") der ewige Gewitterregen niedergehen. Vogelgezwitscher, Piano und Uuuh-Chören machen jäh durchgeknüppelte Elektro-Sounds aber gleich wieder den Garaus. In den komplexen Kontexten, in denen sie plötzlich stehen, entfalten sogar eigentlich überstrapazierte Versatzstücke noch ganz neue Wirkung. (Nur Drake klingt immer noch, als sei Lil Wayne gerade nicht verfügbar gewesen.) Tempo-, Stimmungs- und Dynamikwechsel lassen selbst sechs-, sieben-, achtminütige Tracks kurzweilig wie einen Lidschlag erscheinen. The Weeknds Faible für den Sound der 80er tritt überall zutage, auch die durchlittenen 90er haben Spuren hinterlassen. Scheppernd pumpende Industrial-Sounds treffen auf klagende E-Gitarren. Seltsame Bilder steigen vor dem geistigen Auge hoch: Michael Jackson moonwalkt zu "In The Air Tonight" in einem Portishead-Remix, der "Blade Runner" absolviert einen Gastauftritt bei "Miami Vice", und mittenendrin schneidet einem The Weeknd das Herz mit dem dragierten Skalpell seiner Stimme in klitzekleine Würfel. Ohne jedes Erbarmen. Autsch. © Laut
Ab
CD17,99 Fr.

R&B - Erschienen am 9. September 2013 | CP Records

Auszeichnungen 4F de Télérama
Manchmal glaube ich, keinem Genre haben seine Interpreten so übel mitgespielt wie dem R'n'B. Nirgends sonst springt es einem, mir zumindest nicht, so deutlich ins Auge, wenn es zur Abwechslung einmal nicht klingt wie der dreihundertvierundsiebzigste Klon ein und desselben Schmachtsängers auf den immer gleichen Vom-Club-ins-Schlafzimmer-Beats. Man sollte sich von den Ne-Yos, Chris Browns und wie sie alle heißen aber vielleicht doch nicht allzu kirre machen lassen: Es besteht noch Hoffnung. Frank Ocean hat es gezeigt, The Weeknd setzt noch einen drauf. Wobei ... ist das überhaupt noch R'n'B? Abel Tesfayes Gesang schreit aus jeder einzelnen Note: Ja! "Ich bin nun mal mit Leuten wie R. Kelly, Michael Jackson und Prince aufgewachsen", gibt er unumwunden zu - und könnte die großen Vorbilder auch schlecht verleugnen. Sein Falsett beschreitet die gleichen Pfade, wirkt aber in dem komplett anderen musikalischen Umfeld, in dem The Weeknd sein Instrument, seine Stimme, präsentiert, ganz und gar nicht wie ein schnöder Abklatsch. Mit ganz eigenem Vibe und seiner unverbrämten Themen- und Wortwahl lotet The Weeknd emotionale Tiefen aus, in die vor ihm selten ein Kollege vorgestoßen ist. The Weeknd besingt, fasziniert und wohl auch ein wenig erschrocken von der Welle des Erfolgs, die praktisch ohne Vorwarnung über ihn hinweg brandete und ihn ins Rampenlicht spülte, sein Leben im neu gewonnenen Ruhm. Das haben wahrhaftig schon viele vor ihm getan. Allerdings lässt er an jeder Stelle zumindest ahnen, dass es sich bei der glitzernden Fassade lediglich um einen dünnen, abblätternden Firnis handelt, der jederzeit Gefahr läuft, bei der ersten etwas rüderen Berührung unter den Fingern zu Staub zu zerkrümeln. Darunter lauert, die Krallen zum Zuschlagen ausgefahren, die Einsamkeit. "So now that she's gone embrace all that comes and die with a smile. Don't show the world how alone you've become." Die Worte aus "Tears In The Rain" stehen exemplarisch für das große Thema auf "Kiss Land". Zuvor praktisch nicht aus seiner Heimatstadt Toronto herausgekommen, jettete The Weeknd in den letzten Monaten nonstop um die Welt. Die vielfältigen Eindrücke, der Luxus und die Groupies haben aber doch ihren Preis. Sie kosten die Wurzeln, die Bindungen, die Frau, die vielleicht die Eine hätte sein können: Sie kosten das Zuhause. The Weeknd beklagt sich an keiner Stelle. Vielleicht fressen sich die scharfsichtigen Skizzen seines Gefühlslebens, die leise Traurigkeit, die stete Sehnsucht in und zwischen seinen Zeilen gerade deswegen so tief in die Seele. Auf den ersten Blick scheint alles toll, doch dahinter klafft der bodenlose, eiskalte Abgrund. Die zum Scheitern verurteilten Versuche, diesen zu füllen, liefern Stoff für große Nummern wie "Professional", "The Town" oder "Adaptation". Es geht ums Kaufen und Sich-Verkaufen, um höchstens kurzfristig wirksame Strategien, mit der gähnenden Leere zurecht zu kommen, um die verzweifelte Suche nach Gleichgesinnten, nach Geborgenheit und Verständnis, die auch der innerlich beinahe schon Abgestorbene noch nicht aufgeben will, nicht aufgeben kann. Ja, das ist R'n'B. Vor allem B: Es ist Blues. Musikalisch hat "Kiss Land" mit den glattpolierten Hochglanz-Produkten, die einem üblicherweise unter dem Etikett "kontemporärer R'n'B" angedreht werden sollen, zum Glück nichts, rein gar nichts gemein. Statt abwechselnd Four-on-the-Floor-Bummsbeats und Chimes-durchklingelte Pianoballaden aneinander zu reihen, spannt The Weeknd zusammen mit seinen Mit-Produzenten DannyBoyStyles und Jason 'Da Heala' Quenneville vielschichtige akustische Atmosphären auf. Klar darf (etwa in Wanderlust") auch einmal ein schnurgerader, Discofox-tauglicher Viervierteltakt herhalten, oder (in "Belong To The World") der ewige Gewitterregen niedergehen. Vogelgezwitscher, Piano und Uuuh-Chören machen jäh durchgeknüppelte Elektro-Sounds aber gleich wieder den Garaus. In den komplexen Kontexten, in denen sie plötzlich stehen, entfalten sogar eigentlich überstrapazierte Versatzstücke noch ganz neue Wirkung. (Nur Drake klingt immer noch, als sei Lil Wayne gerade nicht verfügbar gewesen.) Tempo-, Stimmungs- und Dynamikwechsel lassen selbst sechs-, sieben-, achtminütige Tracks kurzweilig wie einen Lidschlag erscheinen. The Weeknds Faible für den Sound der 80er tritt überall zutage, auch die durchlittenen 90er haben Spuren hinterlassen. Scheppernd pumpende Industrial-Sounds treffen auf klagende E-Gitarren. Seltsame Bilder steigen vor dem geistigen Auge hoch: Michael Jackson moonwalkt zu "In The Air Tonight" in einem Portishead-Remix, der "Blade Runner" absolviert einen Gastauftritt bei "Miami Vice", und mittenendrin schneidet einem The Weeknd das Herz mit dem dragierten Skalpell seiner Stimme in klitzekleine Würfel. Ohne jedes Erbarmen. Autsch. © Laut