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Ähnliche Künstler

Die Alben

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Dance - Erschienen am 1. Januar 1997 | Virgin Records

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung - Sélection du Mercury Prize
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Electronic - Erschienen am 1. Januar 2005 | Virgin Records

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Es war einmal ein kleines, aber feines Duo, das vor ungefähr zehn Jahren mit einem Paukenschlag das Musikbusiness revolutionierte. 1995 war das Jahr, in dem "Exit Planet Dust" erschien. Eine Generation von Tänzern, die damals noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum marschierte, hoppelt heute in den Indie-Dissen der Welt zu "Leave Home" oder "Song To The Siren". Den genreprägenden Status von einst haben sie mittlerweile eingebüßt. Von Album zu Album schien es, als ob ihnen mehr oder minder die guten Ideen im Klanglabor abhanden kamen. Der verzweifelte Ruf "Come With Us" mit eher lauen und zerfahrenen Nummern wollte nicht so recht Gehör finden. Zwischen vereinzelten Songperlen tummelte sich zu viel Belangloses, um mitreißen zu können. Was bringen uns die Chemical Brothers also Anno 2005? Tom Rowlands und Ed Simons haben in der fast dreijährigen Pause ordentlich Kohlen gesammelt und setzen den Hammer wieder unter Dampf. Monoton auf die zwölf zu kloppen, ist jedoch nach wie vor nicht ihr Ding. So bietet "Push The Button" ein reichhaltiges Elektro-Potpourri, das Big Beat-Sounds, House-Stampfer, Funk, Hip Hop und sogar Bluesiges unter einem Dach vereint. Speziell die Bass-Monster unter den elf Destillaten stechen positiv hervor. Wo noch vor nicht allzu langer Zeit die Handbremse zum Einsatz kam, die euphorisches Abhotten kaum erlaubte, hämmern die Chemical Brothers dem geneigten Volk wieder gnadenlos die Beats um die Ohren. "Galvanize" ist der erste ganz große Kraftsport in dieser Hinsicht. Der kongeniale Q-Tip quäkt als Vocal-Gast mit seinem typischen Stil zu orientalischen Streichersamples. "It's time to galvanize", es ist Zeit, wachzurütteln, und wie! Einen derartigen Hammer hatten die Brothers seit "Block Rockin' Beats"-Zeiten nicht mehr im Gepäck, ein absolutes Highlight. Wer glaubt, dass es danach nicht mehr besser werden kann, hat Recht. Die Klasse dieses Monstrums erreicht kein einziger Song im weiteren Verlauf der Trackliste. Aber verzagen gilt nicht. "The Boxer" (wieder mit Charlatan Tim Burgess) überzeugt mit funkigem Rhythmus und Stakkato Piano-Samples. Verspielt und gleichzeitig äußerst tanzbar kommt damit ein Kontrast zum düster knüppelnden Opener zum Tragen. Sanfte House-Beats, Distort-Attacken und Acid-Gefiepe bei "Believe" erzeugen hingegen wieder die drogengetränkte Atmosphäre einer schweißtreibenden Clubnacht kurz vor Torschluss. Die emotional-musikalische Achterbahnfahrt, die sich bereits nach drei Songs ankündigt, setzen Rowlands und Simons gnadenlos bis zum sphärisch blubbernden Schlusspunkt ("Surface To Air") fort. Sogar ein lieblicher Popsong ("Close Your Eyes") verirrt sich zwischen Uptempo-Rollercoastern ("Come Inside"), trockenen House-Pupsern ("The Big Jump") und düsteren Hip Hop ("Left Right"), wo Mos Defs Bruder Anwar Superstar glänzen darf. Gegen Ende überraschen die Chemischen mit Akustik-Gitarren und Beat-Gerüst im Prodigy-Stil sowie einem kräftig pushenden Steel-Gitarren Sample ("Marvo Ging"). Bei Letzterem linst die Lockerheit und Coolness vergangener Fatboy Slim-Tage um die Ecke, als Herr Cook noch vernünftige Songs zusammen bastelte, statt sich mit furzlangweiligen Coverversionen lächerlich zu machen. Den Vergleich mit den Genannten entscheiden die Brothers dank des überzeugenderen Songmaterials mit weitem Abstand für sich. © Laut
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Electronic - Erschienen am 1. Januar 1995 | Astralwerks

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Den Anfang macht (wieder einmal) ein Kraftwerk-Sample. Von "Ohm Sweet Ohm" klauen sich die Brüder ihr allseits bekanntes Startsignal, ehe mit "Leave Home" eine Club-Hymne losbollert, wie sie die Welt bis dahin nicht kannte. "The brothers gonna work it out"? Aber hallo! Der langhaarige Proto-Zottel und der in Lysergsäure getränkte Club-Homie nicken sich beim gemeinsamen Abhotten auf der Tanzfläche wissend zu. Schon die Covergestaltung verdeutlicht, dass man es hier nicht mit einem konventionellen Elektro-Album zu tun hat: Keine spacigen Landschaften, kein psychedelischer Kokolores, sondern ein fast schon romantisches Bild eines Hippie-Pärchens aus den 70ern, das eine Straße entlang schlendert. Man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man dem Debüt-Album der Chemical Brothers Legendenstatus attestiert. Manches auf "Exit Planet Dust" mag einem heute relativ konventionell vorkommen, aber wir reden hier über ein Album, das 1995 das Licht der Welt erblickte. Eine Fusion von Rock und Elektro war damals ungefähr so gang und gäbe wie heutzutage eine Kollabo der Beatsteaks mit Dieter Bohlen. Es muss dann auch im Sommer 1995 gewesen sein, als ein Kommilitone mit der simplen Frage "Kennste Chemical Brothers?" nichts weniger als den Umsturz des eigenen Musik-Wertesystems einläutete. Dem Metal-Jüngling mit (noch) wallendem Haupthaar war zu jener Zeit nichts mehr zuwider, als plumpe Bumsbeats aus der Konserve. Was sollten da schon zwei bleichgesichtige Engländer zu bieten haben? Jede Menge. Die elf Tracks dieses Opus' gehen durchaus als Blaupause für kommende Heldentaten durch. Nicht umsonst grüßt Norman Cook aka Fatboy Slim die Brothers auf seinem Debüt "Better Living Through Chemistry" in den Linernotes. All das, was dereinst als Big Beat durch die Clubs wummern sollte, geht auf "Exit Planet Dust" zurück. Und nicht nur das. Die Acid House-Welle brach gerade in sich zusammen und aus den Clubs kam außer Jungle noch nichts Neues und Spannendes nach. In dieses Vakuum setzten Tom Rowlands und Ed Simons ihr monumentales Gebilde. 1994, als die Dust Brothers, wie sie sich vorher nannten, im Albany Pub in London auflegten, avancierten sie rasch zu Lieblingen der musizierenden Kollegenschaft. Die Britpop-Elite ging dort ein und aus. Remix-Aufträge für Primal Scream, die Charlatans, Manic Street Preachers und vor allem The Prodigy ("Voodoo People") rückten den Namen des Duos immer weiter in den Fokus der Öffentlichkeit. Ein Album war zunächst gar nicht angedacht und widersprach auch dem Arbeitsethos der elektronischen Frickel-Fraktion, die sich eher aufs DJing und das Produzieren einzelner Tracks verlegte. Das erste Ergebnis des Schaffens für "Exit Planet Dust" stammt noch aus dem Jahre 1992: "Song To The Siren", das ein Rückwärts-Loop des Dead Can Dance-Tracks "Song To Sophia" beinhaltet, spielt im Verlauf des Albums eine zentrale Rolle. Der Track steht nämlich genau in der Mitte eines Medleys, das sich über sechs Nummern und 25 Minuten hinzieht und mit einer wahren Achterbahnfahrt aufwartet, die so ziemlich alles in Grund und Boden bombt, was damals an elektronischer Musik aus den Boxen schallerte. Acid-Effekte, Distort-Alarm, Basslines, so fett, dass man sie kaum umarmen kann und eine Beat-Orgie samt Ghostnote-Attacken und monströsem Bass-Wumms betteten Rowlands und Simons in ein Instrumental. Ähnlich wie "Leftism" umarmte man alles, was für den Sound nützlich erschien. War es bei Leftfield noch Hip Hop, Dub und Techno, heißen die Brüder im Geiste bei den Chemical Brothers Acid House, Rock und Rave. Auf Albumlänge gehen die Songs bis zur Verschnaufpause "Chico's Groove" nahtlos ineinander über, so dass man die Platte getrost in zwei Teile einordnen kann. Part one: Gib ihm! Part Two: Machma ein bissel langsamer. Während die Chemical Brothers einem zunächst kaum eine Millisekunde zum Luftholen lassen, geht es im zweiten Teil etwas gemächlicher und mit einem funky Anstrich vonstatten. Wie ein DJ-Set en miniature gestaltet sich die Dramaturgie des ersten Parts. Einem temporeichen Beginn ("Leave Home") folgt die groovige Fortsetzung ("In Dust We Trust"). Spätestens wenn in "Three Little Birdies Down Beats" polternde House-Beats das Zepter übernehmen, tanzt sich die Meute in eine komplett-selige Ekstase. "Life Is Sweet" mit Charlatans-Fronter Tim Burgess am Mikro legt final noch einmal einen Zacken zu und nimmt die "Setting Sun" vorweg, die Liam Gallagher anno 1997 auf "Dig Your Own Hole" scheinen lässt. "Alive Alone" läutet dann einen grandiosen Kehraus ein, bei dem Beth Orton am Mikro brilliert. Etwas schräg und nicht immer sicher in der Intonation rundet sie das Meisterwerk der Chemical Brothers stimmig ab. Den Chemical Brothers gebührt mit "Exit Planet Dust" das Verdienst, die beiden spinnefeindlichen Parteien Rocker und Clubber aus ihren Schützengräben geholt zu haben. Sie traten 1995 den Beweis an, dass die Übergänge zwischen den Schubladen fließend sind und dass Genres ohnehin fürn Arsch sind. "The brothers gonna work it out?" Aber hallo! © Laut