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CD22,99 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 28. Mai 2012 | Sire

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Hi-Res Audio
Nehmen wir einmal an, sie meint uns. So wie wir gerade da droben auf unseren billigen Plätzen sitzen und sehen, wie Regina Spektor zwischen Wahnwitz und Sanftheit irrlichtert, schleicht dieses kesse Nymphchen hinter die Bühne und kramt ein gemaltes Bild hervor. Es könnten die "Jungen Mädchen in einem Boot" von Monet sein, getupft und per Unschuldsvermutung blütenweiß gehalten, paddelnd eingeschlossen im eigenen Rahmen. Doch dann folgen Warnschüsse, und die Kindfrau Spektor setzt zu "All The Rowboats" an. Sie kommentiert ihr Kunstwerk mit Worten des Ausgeliefertseins und dunklen Klängen, tänzelt über die Tasten und macht das Museum zu einem Mausoleum: "They will stay there / In their gold frames / For forever, forever and a day / All the rowboats / In the oil paintings / They keep trying to row away." Auch dieses sechste Studioalbum "What We Saw From The Cheap Seats" ist weder die Offenbarung eines Universalgenies noch das nächste Dokument eines ewigen Talents. Es ist der Lohn für einen knochenharten Job, folgerichtig das dreizehnte Monatsgehalt kurz vor den Weihnachtsfeiertagen. Spektor selbst fürchtet sich davor, sämtliche Melodien und Tonvorräte bereits ausgeschöpft zu haben. Sie nimmt sich die größten Gassenhauer zum harmonischen Vorbild (wie "Yesterday") und leitet sie dann mit einem Schuss Wahnwitz fehl. Bisweilen kann das sehr konstruiert wirken, doch diese Exzentrik hat sie dieses Mal sehr gut portioniert. Spektors Eulenspiegelei erweist sich deshalb als so gelungen, weil sie das Kräfteverhältnis von musikalischem Trauerspiel und ausgeflippten Aussetzern weitgehend kontrolliert. Diese Choreographie muss gut einstudiert sein, gerade wenn man sich auf ein Vabanquespiel wie "Oh Marcello" einlässt. Dessen Refrain, ein Versatzstück aus "Don't Let Me Be Misunderstood", ist ja auch Teil der spektorschen Angst, denn: Berühmter geht's nimmer. Aber auch hier findet sie einen Ausweg, entstellt mit ihrem Quasi-Human-Beatboxing den Song, verzieht ihn mit einem pseudo-italienischen Akzent zu einer Fratze und lässt sich von der Mutter Jesu soufflieren: "She been saying I'll have a baby / When he grow up he become a killer and kill everybody!" Ins Rampenlicht rückt sich die 32-jährige New Yorkerin russisch-jüdischen Ursprungs in den balladesken Momenten. In ihrem Melting Pot verrührt sie Soviet Kitsch und American Schmaltz und zieht Großartiges wie "Firewood" und Beinahe-Großartiges wie "How" aus ihm heraus. Klavier und Stimme schmiegen sich aneinander wie ein perfektes Paar und geben dabei ein unschlagbares Doppel ab. Kurz vor Schluss gewährt Spektor noch an ihrem Amerikanismus eine Teilhabe. Stück für Stück baut sie sich eine Marching Band zusammen und dirigiert den Spielmannszug, gern auch als stimmhaft imitierte Trompete vornweg. Sie verabschiedet sich mit "Jessica", gertenschlank nur mit Gitarre und Gesang. Dann ist Bühne ist leer, Karten für die nächste Vorstellung sollten besorgt werden. Sie ist gut. Und günstig, wie wir wissen. © Laut
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CD21,49 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 28. Mai 2012 | Sire

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Hi-Res Audio
Nehmen wir einmal an, sie meint uns. So wie wir gerade da droben auf unseren billigen Plätzen sitzen und sehen, wie Regina Spektor zwischen Wahnwitz und Sanftheit irrlichtert, schleicht dieses kesse Nymphchen hinter die Bühne und kramt ein gemaltes Bild hervor. Es könnten die "Jungen Mädchen in einem Boot" von Monet sein, getupft und per Unschuldsvermutung blütenweiß gehalten, paddelnd eingeschlossen im eigenen Rahmen. Doch dann folgen Warnschüsse, und die Kindfrau Spektor setzt zu "All The Rowboats" an. Sie kommentiert ihr Kunstwerk mit Worten des Ausgeliefertseins und dunklen Klängen, tänzelt über die Tasten und macht das Museum zu einem Mausoleum: "They will stay there / In their gold frames / For forever, forever and a day / All the rowboats / In the oil paintings / They keep trying to row away." Auch dieses sechste Studioalbum "What We Saw From The Cheap Seats" ist weder die Offenbarung eines Universalgenies noch das nächste Dokument eines ewigen Talents. Es ist der Lohn für einen knochenharten Job, folgerichtig das dreizehnte Monatsgehalt kurz vor den Weihnachtsfeiertagen. Spektor selbst fürchtet sich davor, sämtliche Melodien und Tonvorräte bereits ausgeschöpft zu haben. Sie nimmt sich die größten Gassenhauer zum harmonischen Vorbild (wie "Yesterday") und leitet sie dann mit einem Schuss Wahnwitz fehl. Bisweilen kann das sehr konstruiert wirken, doch diese Exzentrik hat sie dieses Mal sehr gut portioniert. Spektors Eulenspiegelei erweist sich deshalb als so gelungen, weil sie das Kräfteverhältnis von musikalischem Trauerspiel und ausgeflippten Aussetzern weitgehend kontrolliert. Diese Choreographie muss gut einstudiert sein, gerade wenn man sich auf ein Vabanquespiel wie "Oh Marcello" einlässt. Dessen Refrain, ein Versatzstück aus "Don't Let Me Be Misunderstood", ist ja auch Teil der spektorschen Angst, denn: Berühmter geht's nimmer. Aber auch hier findet sie einen Ausweg, entstellt mit ihrem Quasi-Human-Beatboxing den Song, verzieht ihn mit einem pseudo-italienischen Akzent zu einer Fratze und lässt sich von der Mutter Jesu soufflieren: "She been saying I'll have a baby / When he grow up he become a killer and kill everybody!" Ins Rampenlicht rückt sich die 32-jährige New Yorkerin russisch-jüdischen Ursprungs in den balladesken Momenten. In ihrem Melting Pot verrührt sie Soviet Kitsch und American Schmaltz und zieht Großartiges wie "Firewood" und Beinahe-Großartiges wie "How" aus ihm heraus. Klavier und Stimme schmiegen sich aneinander wie ein perfektes Paar und geben dabei ein unschlagbares Doppel ab. Kurz vor Schluss gewährt Spektor noch an ihrem Amerikanismus eine Teilhabe. Stück für Stück baut sie sich eine Marching Band zusammen und dirigiert den Spielmannszug, gern auch als stimmhaft imitierte Trompete vornweg. Sie verabschiedet sich mit "Jessica", gertenschlank nur mit Gitarre und Gesang. Dann ist Bühne ist leer, Karten für die nächste Vorstellung sollten besorgt werden. Sie ist gut. Und günstig, wie wir wissen. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. Juni 2006 | Sire

Was uns auf "Begin To Hope" begegnet, ist herzerweichend, köstlich, leicht und macht verdammt gute Laune. Bereits bei "Fidelity" schmilzt das Herz dahin. Regina Spektor singt so ungezwungen, so verträumt und mit einer Leichtigkeit, die ansteckend ist: "I hear in my mind all these voices, I hear in my mind all this music and it breaks my heart". Wenn eine Sängerin Hoffnung macht, dann ist es Spektor. Ihre Lieder sind nicht so schwer wie die der Songwriterkolleginnen Beth Gibbons oder Anna Ternheim, von Belanglosigkeit kann jedoch nicht die Rede sein. Es ist die Mischung aus Sensibilität, Theatralik und Optimismus, die den Hörer warm umhüllt. Eine zerzauste Bett-Wohlfühl-Atmosphäre ruft Spektor selbstbewusst mit ihren Beats, Klavier und den Streichern hervor. Man will diese Platte umarmen, ihr Aufmerksamkeit schenken und schlussendlich für besondere Momente aufheben. Kein Wunder also, dass Julian Casablancas von der New Yorkerin begeistert war und sie vor vier Jahren auf die ausverkaufte Nordamerika-Tour der Strokes mitnahm. Im Gegensatz zu "Soviet Kitsch" sind die Arrangements auf "Begin To Hope" opulenter. Spektor experimentiert, reflektiert, mischt Rhythmen mit Streichern und Klavier. Dass sie aber noch immer diese 'Eine Frau und ein Piano-Performance' perfekt beherrscht, zeigt sie bei "Samson". Die Violinen halten sich dezent im Hintergrund. Leidenschaftlich, jedoch zurückhaltend und in ihren Gedanken versunken, singt die geborene Russin Zeilen, die zeitlos sind: "You are my sweetest downfall. I loved you first." Man muss kein Romantiker sein, um sich spätestens hier einzugestehen, dass Spektor einfach nur verdammt berührt. Please. Repeat. Die Kissenschlacht kann bei "On The Radio" beginnen. Ein bisschen poppiger als zuvor fusionieren Saiten- und Tastenklänge zu einem vorantreibenden Beat. Die Sängerin kokettiert und lässt den Hörer schmunzeln. Verdammt viel Soul beinhaltet "20 Years After Now". Wie ein Stück aus einem romantischen Gruselfilm beginnt das Lied verzaubert. Immer wieder tauchen winzige, verspielte Klangfetzen auf, Beats erscheinen plötzlich und verschwinden wieder im Nichts. Einzig der Gesang Spektors sowie das Klavier bilden einen roten Faden. Mit "Lady" folgt gegen Schluss ein Stück, das das Jazz-Herz aufblühen lässt. Man stelle sich vor: Ein alte, verrauchte Bar, voll gestellt mit vielen winzigen Souvenirs aus vergangenen Tagen, der Rauch legt sich wie ein Schleier über den Raum. Eine Frau sitzt im Halbdunkel in einer Ecke am Piano. Sie fordert mit ihrer Stimme die volle Aufmerksamkeit. Das Bier wird in Ruhe gelassen, die Zigarette bleibt im Aschenbecher. Man lauscht den Worten, horcht der Klaviermelodie. Es ist die Aura einer Lady, die den Raum füllt. Das Saxophon deutet sich im Verlauf des Stücks jeweils nur kurz an, beendet aber den Song mit einem virtuosen Solo. Die Lady verlässt die Bar mit dem Wissen, ein Album kreiert zu haben, das unglaublich fesselt. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. August 2004 | Sire

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Wo "Soviet Kitsch" draufsteht, muss nicht unbedingt welcher drin sein. Der Albumtitel samt Cover mit den bunt bemalten russischen Holzpuppen ist wohl ein PR-Gag, denn mit den Liedern selbst hat er herzlich wenig zu tun (T-Shirts mit der Aufschrift "CCCP" verkaufen sich in letzter Zeit ja nicht gerade schlecht...). Komplett aus der Luft gegriffen ist er im Fall von Regina Spektor jedoch auch wieder nicht. Schließlich stammt die junge New Yorkerin selbst aus der ehemaligen UdSSR. "Soviet Kitsch" ist bereits das dritte Album der ausgebildeten Konzertpianistin, und einstmals eingefleischte Fans von Tori Amos, die sich angesichts deren musikalischen Dahinsiechens neu orientieren möchten, sei die Dame wärmstens ans Herz gelegt. In knapp 40 konzentrierten Minuten passiert viel, denn Regina ist großzügig mit ihrem beeindruckenden Talent. Ihr Stil ist individualistisch, die Musikrichtung - ja, doch - Alternative. Wenn schon "girl on the piano", dann wenigstens kein 08/15-Ding, scheint sie sich zu denken. Also baut sie in die ohnehin schon einfallsreichen Songs immer wieder kleine Spielereien ein. Und zwar auch an Stellen, wo es überhaupt nicht notwendig scheint, fast so als würde sie ein Foto von sich "verunstalten", indem sie sich eine Zahnlücke und Bartstoppeln verpasst. In dem Fall tut sie es mit der Stimme. Sie tobt sich aus, was das Zeug hält und manchmal hat man fast Angst, dass sie irgendwie "übersteuert". Nach solchen Ausbrüchen besinnt sie sich aber Gott sei Dank wieder und in den ruhigen Momenten wird umso deutlicher, was für eine großartige Stimme sie hat. Regina begleitet sich selbst am Klavier. Man wird hier zwar nicht mit Virtuositäten überfordert, die Finger sorgen auf den Tasten aber für einen stetigen Drive. Die Harmonien sind schlicht, gehen aber unter die Haut. Immer wieder gibt es überraschende, aber nachvollziehbare Wendungen, beispielseise im durchaus tragischen "Chemo Limo", dem vielleicht besten Song des Albums. Im lauten und punkigen "Your Honor" zeigt Regina, dass sie auch bei einer Band wie Sleater Kinney gut aufgehoben wäre, während man in der Einleitung zu "***" Regina und einen gewissen Bear (eine Kinderstimme) darüber flüstern hört, wann denn der nächste Song beginnen soll. In "The Flowers" gibt es nach Song-Ende noch eine Zugabe in Form einer Improvisation auf eine jüdische Melodie, bevor das inspirierende Album mit "Somedays" sehr abrupt endet. © Laut
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Far

Alternativ und Indie - Erschienen am 9. Juni 2009 | Sire

Glaubt man an Wiedergeburt, so wird Regina Spektor im nächsten Leben als Seifenblase zur Welt kommen. Wird über Blumenwiesen schweben, über Menschenmassen in Großstädten hinwegfliegen, mit Leichtigkeit Händen entkommen, die versuchen, sie zu zerklatschen, und schließlich ganz unaufgeregt im Himmel zerplatzen. So klingt Regina Spektor. Erneut konfrontiert uns die junge Amerikanerin mit einer musikalischen Leichtigkeit, die nicht zu schwer im Magen liegt und trotzdem nicht kitschig wirkt. Wie schon bei ihren beiden Alben "Soviet Kitsch" und "Begin To Hope" zuvor spielt bei "Far" das Klavier eine zentrale Rolle. Schmalzige Balladen sucht man auf dem Album jedoch vergebens: Spektor setzt das Tasteninstrument gekonnt unpathetisch ein, stupst es im Stakkato an, setzt mit den Drums poppige Akzente. Die Texte sind neuerdings etwas distanziert, lassen nicht gleich erkennen, worauf die Künstlerin hinaus will. So singt sie zum Beispiel "No one laughs at God / When the doctor calls after some routine tests / No one's laughing at God / When it's gotten real late". Das Piano umstreichelt dabei ihre kindliche Stimme sanft. Bei "Human Of The Year" offenbart sich Spektors ganze gesangliche Bandbreite, wenn sie fast ins Piepsige driftet. Es sind genau diese Parts, welche die Musik so unbeschwert erklingen lassen: Sie scheut sich nicht, mit ihrer Stimme zu spielen, ihr genauso Tiefe zu geben wie ihr die Luft zu entziehen, bis nur noch ein Hauchen übrig bleibt. Laut der Sängerin unterscheidet sich "Far" von den Vorgängeralben frappierend - dem muss man widersprechen. Vielleicht mag die aktuelle Scheibe ein wenig aufwändiger produziert sein. Ganze vier (!) Produzenten hatten ihre Hände im Spiel. Mike Elizondo (Dr. Dre, Eminem), Jeff Lynne (ELO, Traveling Wilburys), Garret "Jackknife" Lee (R.E.M., Weezer) und David Kahne (Paul McCartney, The Strokes) holte Spektor ins Boot. Trotzdem: Man könnte die Stücke aus ihren letzten drei Alben problemlos zu einem Werk zusammenfügen, es würde nicht auffallen. Schlecht ist das nicht. Man muss sich ja nicht immer neu erfinden, wie es zum Beispiel ihre Songwriter-Kollegin Anna Ternheim tut. Spektor bleibt ihrer Seifenblasenmusik treu, bleibt süß und eben charmant. Gerne darf sie auch noch ein bisschen weiter in die Ohren schweben. Zerklatschen will man sie auf jeden Fall nicht. © Laut
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CD25,99 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 12. Juni 2006 | Sire

Was uns auf "Begin To Hope" begegnet, ist herzerweichend, köstlich, leicht und macht verdammt gute Laune. Bereits bei "Fidelity" schmilzt das Herz dahin. Regina Spektor singt so ungezwungen, so verträumt und mit einer Leichtigkeit, die ansteckend ist: "I hear in my mind all these voices, I hear in my mind all this music and it breaks my heart". Wenn eine Sängerin Hoffnung macht, dann ist es Spektor. Ihre Lieder sind nicht so schwer wie die der Songwriterkolleginnen Beth Gibbons oder Anna Ternheim, von Belanglosigkeit kann jedoch nicht die Rede sein. Es ist die Mischung aus Sensibilität, Theatralik und Optimismus, die den Hörer warm umhüllt. Eine zerzauste Bett-Wohlfühl-Atmosphäre ruft Spektor selbstbewusst mit ihren Beats, Klavier und den Streichern hervor. Man will diese Platte umarmen, ihr Aufmerksamkeit schenken und schlussendlich für besondere Momente aufheben. Kein Wunder also, dass Julian Casablancas von der New Yorkerin begeistert war und sie vor vier Jahren auf die ausverkaufte Nordamerika-Tour der Strokes mitnahm. Im Gegensatz zu "Soviet Kitsch" sind die Arrangements auf "Begin To Hope" opulenter. Spektor experimentiert, reflektiert, mischt Rhythmen mit Streichern und Klavier. Dass sie aber noch immer diese 'Eine Frau und ein Piano-Performance' perfekt beherrscht, zeigt sie bei "Samson". Die Violinen halten sich dezent im Hintergrund. Leidenschaftlich, jedoch zurückhaltend und in ihren Gedanken versunken, singt die geborene Russin Zeilen, die zeitlos sind: "You are my sweetest downfall. I loved you first." Man muss kein Romantiker sein, um sich spätestens hier einzugestehen, dass Spektor einfach nur verdammt berührt. Please. Repeat. Die Kissenschlacht kann bei "On The Radio" beginnen. Ein bisschen poppiger als zuvor fusionieren Saiten- und Tastenklänge zu einem vorantreibenden Beat. Die Sängerin kokettiert und lässt den Hörer schmunzeln. Verdammt viel Soul beinhaltet "20 Years After Now". Wie ein Stück aus einem romantischen Gruselfilm beginnt das Lied verzaubert. Immer wieder tauchen winzige, verspielte Klangfetzen auf, Beats erscheinen plötzlich und verschwinden wieder im Nichts. Einzig der Gesang Spektors sowie das Klavier bilden einen roten Faden. Mit "Lady" folgt gegen Schluss ein Stück, das das Jazz-Herz aufblühen lässt. Man stelle sich vor: Ein alte, verrauchte Bar, voll gestellt mit vielen winzigen Souvenirs aus vergangenen Tagen, der Rauch legt sich wie ein Schleier über den Raum. Eine Frau sitzt im Halbdunkel in einer Ecke am Piano. Sie fordert mit ihrer Stimme die volle Aufmerksamkeit. Das Bier wird in Ruhe gelassen, die Zigarette bleibt im Aschenbecher. Man lauscht den Worten, horcht der Klaviermelodie. Es ist die Aura einer Lady, die den Raum füllt. Das Saxophon deutet sich im Verlauf des Stücks jeweils nur kurz an, beendet aber den Song mit einem virtuosen Solo. Die Lady verlässt die Bar mit dem Wissen, ein Album kreiert zu haben, das unglaublich fesselt. © Laut
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CD25,99 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 30. September 2016 | Sire

Hi-Res
Mit ihrem Major-Debüt "Soviet Kitsch" mauserte sich Regina Spektor zu einer der besten Adressen in Sachen originellem Indie-Pop. Mit dem Nachfolgealbum "Begin To Hope" setzte die heute 36-Jährige in Sachen Eingängigkeit nochmal ordentlich einen drauf: ein wenig konventioneller als der Vorgänger, kindlich-unbeschwert, süßlich und ungemein catchy, aber bei Bedarf auch gerne mal verschroben und ein wenig um die Ecke gedacht. "Remember Us To Life" ist ihr – zählt man die ersten beiden Eigenveröffentlichungen mit – mittlerweile siebtes Album. Schon der Opener "Bleeding Heart" legt anständig vor: ein wenig zirpender Synth, gelegte Klavierakkorde, rudimentäre Beats. "What you got on tap, I'll take two of that / I'm chasing a story I heard / When I was here last, at the back of the class / You pretended you never got lost", singt die gebürtige Moskauerin – und kurz darauf später ist schon die erste grandiose Hook da. Süßliche Melancholie und anschmiegsamer Indie-Pop steht auch bei "Older And Taller" auf dem Programm: "You're alone 'til you're not alone / And that's all you need to know / Every time you decide to stay / Then the world will make you go / And that's all you need to know", heißt es da. Das "Grand Hotel" wird bei ihr zur Vorstufe der Hölle, "Small Bill$" darf dann ein wenig sinister mit Dissonanzen daher kommen. Ziemlich toller Track, der auch Spektors lyrisches Talent einmal mehr unter Beweis stellt: "All the poets in the alley coughing up blood / And their visions and their dreams are coming up red /They can either wake up or go deeper / But it's so dangerous to wake a deep sleeper/i>", und dann: "It's like awakening a bear in winter / To feel the reckoning of hunger's splinter / He's gonna stretch his claws and feel his power /And you are gonna know your final hour", singt sie. "All my life in black and white": Ein, zwei Gänge runter - auch textlich - schaltet dann die wunderschöne Ballade "Black And White", bei der es an allen Ecken und Enden glitzert. Streicher setzen einen drauf, großer Pop. "Why should I wait for tomorrow", fragt sie in die Runde. "The Light" führt dies fort, ehe "The Trapper And The Furrer" wieder wortlastig daher kommt. Im Ganzen ist "Remember Us To Life" das, wofür man Spektor kennt und schätzt: Tolles Songwriting, klasse Balladen, unmittelbare Songs zwischen Momentaufnahmen und Geschichtenerzählerei. "I'm so glad that you stopped by / And I will not ask you why / It's just good to see you / You always make me smile / And you always make me sigh" – eine sehr schöne und runde Sache, das. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 19. November 2010 | Sire

Einen dunklen Parka trägt sie, als sie dick eingeigelt am Flughafen in London eintrifft, darunter einen blauen Kapuzenpullover, später eine Pelzmütze mit Bärenohren. Richtig unscheinbar wirkt Regina Spektor in den Anfangsszenen ihrer Live-DVD, so richtig "down to earth", wie das Anti-Starlet schlechthin. Sie singt in der Eingangssequenz unter der Dusche, drückt fasziniert an der Klimaanlage ihres Nightliners herum und schreitet vergnügt die große Bühne im legendären Hammersmith Apollo ab. Dort durften vor ihr nur die ganz Großen der Rockgeschichte ran: Bowie, Springsteen, Metallica, Iron Maiden. Auch Live-Alben aus dem Apollo haben eine lange Tradition: Depeche Mode waren dort, Slipknot, Motörhead sogar gleich zwei mal. Und nun die zierliche Spektor, geboren in Moskau, ein bisschen studiert in London und Israel, musikalisch sozialisiert in der längst legendären Antifolk-Szene von Greenwich Village, New York. Der Durchbruch gelang ihr mit "Soviet Kitsch", "Far" aus dem Jahr 2009 erreichte Platz 3 der US-Charts. Nun also London als vorläufiger Höhepunkt einer exponentiell steigenden Karrierekurve, aber auch ein posthumer Nachruf auf ihren Cellisten Daniel Cho, der im Sommer 2010 im Genfersee ertrank und am Ende der DVD mit einer Bilderstrecke gewürdigt wird. Am Tag nach dem Unfall spielte Spektor ein dem Vernehmen nach hochemotionales Konzert beim Montreux Jazz Festival. Man mag sich nicht ausmalen, wie ein Live-Mitschnitt davon aussehen würde. In London ist Cho noch am Leben, das mehrköpfige Streicherensemble begleitet Spektor mal flirrend, dann staatstragend, meist jedoch sehr dezent durch die 22 Songs des Live-Albums, die in der Mehrzahl von "Far" und ihrem vierten Album "Begin To Hope" stammen. Beide Formate, Audio und Video, rücken Spektor in den Mittelpunkt. Ihr Klavierspiel ist virtuos, ihr Gesang prononciert und ganz nah bei den großen Femmes Fatales des Indie Rock: Ani DiFranco, Tori Amos, Kate Bush. Das Storytelling ihrer wichtigsten Songs, von "Us" über die High Fidelity-Hommage "Fidelity" bis hin zu "Laughing With" wirkt manchmal zwar etwas trivial, zumeist aber dank all seiner kleinen, literarischen Querverweise und Knopfdruck-Gefühligkeit herzerwärmend. Die drei neuen Songs des Live-Albums dagegen sollten als spröde Spoken Word- und Rock-Skizzen sowie beschwingtem Country-Shuffle allein kein Anschaffungsgrund sein. Dass die beinahe hysterische Begeisterung des jungen Publikums am Ende der Songs etwas arg plakativ nach vorne gemischt wurde, hätte auch nicht sein müssen. Regie bei dem Konzertfilm hat mit Adria Petty übrigens die Tochter eines gewissen Tom Petty geführt, die bisher nur mit einer blutleeren Dokumentation über Paris Hilton aufgefallen war. Mit relativ statischen, manchmal seltsam milchigen Bildern aus den Publikumsreihen fängt sie Spektor auf der Bühne ein. Am Ende geht es mit der Handkamera raus zu den Fans. Spektor malt Herzen auf T-Shirts, zuletzt friert die Kamera ihr Lachen ein. Es war ja auch eine kalte Dezembernacht, vor etwa einem Jahr in London. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 26. April 2010 | Sire - Warner Records

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Alternativ und Indie - Erschienen am 30. September 2016 | Sire

Hi-Res
Mit ihrem Major-Debüt "Soviet Kitsch" mauserte sich Regina Spektor zu einer der besten Adressen in Sachen originellem Indie-Pop. Mit dem Nachfolgealbum "Begin To Hope" setzte die heute 36-Jährige in Sachen Eingängigkeit nochmal ordentlich einen drauf: ein wenig konventioneller als der Vorgänger, kindlich-unbeschwert, süßlich und ungemein catchy, aber bei Bedarf auch gerne mal verschroben und ein wenig um die Ecke gedacht. "Remember Us To Life" ist ihr – zählt man die ersten beiden Eigenveröffentlichungen mit – mittlerweile siebtes Album. Schon der Opener "Bleeding Heart" legt anständig vor: ein wenig zirpender Synth, gelegte Klavierakkorde, rudimentäre Beats. "What you got on tap, I'll take two of that / I'm chasing a story I heard / When I was here last, at the back of the class / You pretended you never got lost", singt die gebürtige Moskauerin – und kurz darauf später ist schon die erste grandiose Hook da. Süßliche Melancholie und anschmiegsamer Indie-Pop steht auch bei "Older And Taller" auf dem Programm: "You're alone 'til you're not alone / And that's all you need to know / Every time you decide to stay / Then the world will make you go / And that's all you need to know", heißt es da. Das "Grand Hotel" wird bei ihr zur Vorstufe der Hölle, "Small Bill$" darf dann ein wenig sinister mit Dissonanzen daher kommen. Ziemlich toller Track, der auch Spektors lyrisches Talent einmal mehr unter Beweis stellt: "All the poets in the alley coughing up blood / And their visions and their dreams are coming up red /They can either wake up or go deeper / But it's so dangerous to wake a deep sleeper/i>", und dann: "It's like awakening a bear in winter / To feel the reckoning of hunger's splinter / He's gonna stretch his claws and feel his power /And you are gonna know your final hour", singt sie. "All my life in black and white": Ein, zwei Gänge runter - auch textlich - schaltet dann die wunderschöne Ballade "Black And White", bei der es an allen Ecken und Enden glitzert. Streicher setzen einen drauf, großer Pop. "Why should I wait for tomorrow", fragt sie in die Runde. "The Light" führt dies fort, ehe "The Trapper And The Furrer" wieder wortlastig daher kommt. Im Ganzen ist "Remember Us To Life" das, wofür man Spektor kennt und schätzt: Tolles Songwriting, klasse Balladen, unmittelbare Songs zwischen Momentaufnahmen und Geschichtenerzählerei. "I'm so glad that you stopped by / And I will not ask you why / It's just good to see you / You always make me smile / And you always make me sigh" – eine sehr schöne und runde Sache, das. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. August 2004 | Sire - Warner Records

Wo "Soviet Kitsch" draufsteht, muss nicht unbedingt welcher drin sein. Der Albumtitel samt Cover mit den bunt bemalten russischen Holzpuppen ist wohl ein PR-Gag, denn mit den Liedern selbst hat er herzlich wenig zu tun (T-Shirts mit der Aufschrift "CCCP" verkaufen sich in letzter Zeit ja nicht gerade schlecht...). Komplett aus der Luft gegriffen ist er im Fall von Regina Spektor jedoch auch wieder nicht. Schließlich stammt die junge New Yorkerin selbst aus der ehemaligen UdSSR. "Soviet Kitsch" ist bereits das dritte Album der ausgebildeten Konzertpianistin, und einstmals eingefleischte Fans von Tori Amos, die sich angesichts deren musikalischen Dahinsiechens neu orientieren möchten, sei die Dame wärmstens ans Herz gelegt. In knapp 40 konzentrierten Minuten passiert viel, denn Regina ist großzügig mit ihrem beeindruckenden Talent. Ihr Stil ist individualistisch, die Musikrichtung - ja, doch - Alternative. Wenn schon "girl on the piano", dann wenigstens kein 08/15-Ding, scheint sie sich zu denken. Also baut sie in die ohnehin schon einfallsreichen Songs immer wieder kleine Spielereien ein. Und zwar auch an Stellen, wo es überhaupt nicht notwendig scheint, fast so als würde sie ein Foto von sich "verunstalten", indem sie sich eine Zahnlücke und Bartstoppeln verpasst. In dem Fall tut sie es mit der Stimme. Sie tobt sich aus, was das Zeug hält und manchmal hat man fast Angst, dass sie irgendwie "übersteuert". Nach solchen Ausbrüchen besinnt sie sich aber Gott sei Dank wieder und in den ruhigen Momenten wird umso deutlicher, was für eine großartige Stimme sie hat. Regina begleitet sich selbst am Klavier. Man wird hier zwar nicht mit Virtuositäten überfordert, die Finger sorgen auf den Tasten aber für einen stetigen Drive. Die Harmonien sind schlicht, gehen aber unter die Haut. Immer wieder gibt es überraschende, aber nachvollziehbare Wendungen, beispielseise im durchaus tragischen "Chemo Limo", dem vielleicht besten Song des Albums. Im lauten und punkigen "Your Honor" zeigt Regina, dass sie auch bei einer Band wie Sleater Kinney gut aufgehoben wäre, während man in der Einleitung zu "***" Regina und einen gewissen Bear (eine Kinderstimme) darüber flüstern hört, wann denn der nächste Song beginnen soll. In "The Flowers" gibt es nach Song-Ende noch eine Zugabe in Form einer Improvisation auf eine jüdische Melodie, bevor das inspirierende Album mit "Somedays" sehr abrupt endet. © Laut
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CD2,99 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 8. November 2013 | Sire

Ab
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Alternativ und Indie - Erschienen am 9. November 2018 | Sire

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Original Soundtrack - Erschienen am 29. November 2019 | Sire

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CD2,99 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 5. Juli 2013 | Sire

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CD25,99 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 30. September 2016 | Sire

Mit ihrem Major-Debüt "Soviet Kitsch" mauserte sich Regina Spektor zu einer der besten Adressen in Sachen originellem Indie-Pop. Mit dem Nachfolgealbum "Begin To Hope" setzte die heute 36-Jährige in Sachen Eingängigkeit nochmal ordentlich einen drauf: ein wenig konventioneller als der Vorgänger, kindlich-unbeschwert, süßlich und ungemein catchy, aber bei Bedarf auch gerne mal verschroben und ein wenig um die Ecke gedacht. "Remember Us To Life" ist ihr – zählt man die ersten beiden Eigenveröffentlichungen mit – mittlerweile siebtes Album. Schon der Opener "Bleeding Heart" legt anständig vor: ein wenig zirpender Synth, gelegte Klavierakkorde, rudimentäre Beats. "What you got on tap, I'll take two of that / I'm chasing a story I heard / When I was here last, at the back of the class / You pretended you never got lost", singt die gebürtige Moskauerin – und kurz darauf später ist schon die erste grandiose Hook da. Süßliche Melancholie und anschmiegsamer Indie-Pop steht auch bei "Older And Taller" auf dem Programm: "You're alone 'til you're not alone / And that's all you need to know / Every time you decide to stay / Then the world will make you go / And that's all you need to know", heißt es da. Das "Grand Hotel" wird bei ihr zur Vorstufe der Hölle, "Small Bill$" darf dann ein wenig sinister mit Dissonanzen daher kommen. Ziemlich toller Track, der auch Spektors lyrisches Talent einmal mehr unter Beweis stellt: "All the poets in the alley coughing up blood / And their visions and their dreams are coming up red /They can either wake up or go deeper / But it's so dangerous to wake a deep sleeper/i>", und dann: "It's like awakening a bear in winter / To feel the reckoning of hunger's splinter / He's gonna stretch his claws and feel his power /And you are gonna know your final hour", singt sie. "All my life in black and white": Ein, zwei Gänge runter - auch textlich - schaltet dann die wunderschöne Ballade "Black And White", bei der es an allen Ecken und Enden glitzert. Streicher setzen einen drauf, großer Pop. "Why should I wait for tomorrow", fragt sie in die Runde. "The Light" führt dies fort, ehe "The Trapper And The Furrer" wieder wortlastig daher kommt. Im Ganzen ist "Remember Us To Life" das, wofür man Spektor kennt und schätzt: Tolles Songwriting, klasse Balladen, unmittelbare Songs zwischen Momentaufnahmen und Geschichtenerzählerei. "I'm so glad that you stopped by / And I will not ask you why / It's just good to see you / You always make me smile / And you always make me sigh" – eine sehr schöne und runde Sache, das. © Laut
Ab
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Alternativ und Indie - Erschienen am 25. Mai 2012 | Sire

Nehmen wir einmal an, sie meint uns. So wie wir gerade da droben auf unseren billigen Plätzen sitzen und sehen, wie Regina Spektor zwischen Wahnwitz und Sanftheit irrlichtert, schleicht dieses kesse Nymphchen hinter die Bühne und kramt ein gemaltes Bild hervor. Es könnten die "Jungen Mädchen in einem Boot" von Monet sein, getupft und per Unschuldsvermutung blütenweiß gehalten, paddelnd eingeschlossen im eigenen Rahmen. Doch dann folgen Warnschüsse, und die Kindfrau Spektor setzt zu "All The Rowboats" an. Sie kommentiert ihr Kunstwerk mit Worten des Ausgeliefertseins und dunklen Klängen, tänzelt über die Tasten und macht das Museum zu einem Mausoleum: "They will stay there / In their gold frames / For forever, forever and a day / All the rowboats / In the oil paintings / They keep trying to row away." Auch dieses sechste Studioalbum "What We Saw From The Cheap Seats" ist weder die Offenbarung eines Universalgenies noch das nächste Dokument eines ewigen Talents. Es ist der Lohn für einen knochenharten Job, folgerichtig das dreizehnte Monatsgehalt kurz vor den Weihnachtsfeiertagen. Spektor selbst fürchtet sich davor, sämtliche Melodien und Tonvorräte bereits ausgeschöpft zu haben. Sie nimmt sich die größten Gassenhauer zum harmonischen Vorbild (wie "Yesterday") und leitet sie dann mit einem Schuss Wahnwitz fehl. Bisweilen kann das sehr konstruiert wirken, doch diese Exzentrik hat sie dieses Mal sehr gut portioniert. Spektors Eulenspiegelei erweist sich deshalb als so gelungen, weil sie das Kräfteverhältnis von musikalischem Trauerspiel und ausgeflippten Aussetzern weitgehend kontrolliert. Diese Choreographie muss gut einstudiert sein, gerade wenn man sich auf ein Vabanquespiel wie "Oh Marcello" einlässt. Dessen Refrain, ein Versatzstück aus "Don't Let Me Be Misunderstood", ist ja auch Teil der spektorschen Angst, denn: Berühmter geht's nimmer. Aber auch hier findet sie einen Ausweg, entstellt mit ihrem Quasi-Human-Beatboxing den Song, verzieht ihn mit einem pseudo-italienischen Akzent zu einer Fratze und lässt sich von der Mutter Jesu soufflieren: "She been saying I'll have a baby / When he grow up he become a killer and kill everybody!" Ins Rampenlicht rückt sich die 32-jährige New Yorkerin russisch-jüdischen Ursprungs in den balladesken Momenten. In ihrem Melting Pot verrührt sie Soviet Kitsch und American Schmaltz und zieht Großartiges wie "Firewood" und Beinahe-Großartiges wie "How" aus ihm heraus. Klavier und Stimme schmiegen sich aneinander wie ein perfektes Paar und geben dabei ein unschlagbares Doppel ab. Kurz vor Schluss gewährt Spektor noch an ihrem Amerikanismus eine Teilhabe. Stück für Stück baut sie sich eine Marching Band zusammen und dirigiert den Spielmannszug, gern auch als stimmhaft imitierte Trompete vornweg. Sie verabschiedet sich mit "Jessica", gertenschlank nur mit Gitarre und Gesang. Dann ist Bühne ist leer, Karten für die nächste Vorstellung sollten besorgt werden. Sie ist gut. Und günstig, wie wir wissen. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. September 2005 | Sire - Warner Records

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Alternativ und Indie - Erschienen am 30. September 2016 | Sire

Mit ihrem Major-Debüt "Soviet Kitsch" mauserte sich Regina Spektor zu einer der besten Adressen in Sachen originellem Indie-Pop. Mit dem Nachfolgealbum "Begin To Hope" setzte die heute 36-Jährige in Sachen Eingängigkeit nochmal ordentlich einen drauf: ein wenig konventioneller als der Vorgänger, kindlich-unbeschwert, süßlich und ungemein catchy, aber bei Bedarf auch gerne mal verschroben und ein wenig um die Ecke gedacht. "Remember Us To Life" ist ihr – zählt man die ersten beiden Eigenveröffentlichungen mit – mittlerweile siebtes Album. Schon der Opener "Bleeding Heart" legt anständig vor: ein wenig zirpender Synth, gelegte Klavierakkorde, rudimentäre Beats. "What you got on tap, I'll take two of that / I'm chasing a story I heard / When I was here last, at the back of the class / You pretended you never got lost", singt die gebürtige Moskauerin – und kurz darauf später ist schon die erste grandiose Hook da. Süßliche Melancholie und anschmiegsamer Indie-Pop steht auch bei "Older And Taller" auf dem Programm: "You're alone 'til you're not alone / And that's all you need to know / Every time you decide to stay / Then the world will make you go / And that's all you need to know", heißt es da. Das "Grand Hotel" wird bei ihr zur Vorstufe der Hölle, "Small Bill$" darf dann ein wenig sinister mit Dissonanzen daher kommen. Ziemlich toller Track, der auch Spektors lyrisches Talent einmal mehr unter Beweis stellt: "All the poets in the alley coughing up blood / And their visions and their dreams are coming up red /They can either wake up or go deeper / But it's so dangerous to wake a deep sleeper/i>", und dann: "It's like awakening a bear in winter / To feel the reckoning of hunger's splinter / He's gonna stretch his claws and feel his power /And you are gonna know your final hour", singt sie. "All my life in black and white": Ein, zwei Gänge runter - auch textlich - schaltet dann die wunderschöne Ballade "Black And White", bei der es an allen Ecken und Enden glitzert. Streicher setzen einen drauf, großer Pop. "Why should I wait for tomorrow", fragt sie in die Runde. "The Light" führt dies fort, ehe "The Trapper And The Furrer" wieder wortlastig daher kommt. Im Ganzen ist "Remember Us To Life" das, wofür man Spektor kennt und schätzt: Tolles Songwriting, klasse Balladen, unmittelbare Songs zwischen Momentaufnahmen und Geschichtenerzählerei. "I'm so glad that you stopped by / And I will not ask you why / It's just good to see you / You always make me smile / And you always make me sigh" – eine sehr schöne und runde Sache, das. © Laut