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Die Alben

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Pop/Rock - Erschienen am 16. August 2013 | Epic - Legacy

Hi-Res Auszeichnungen Hi-Res Audio
Acht Jahre ist es nun schon her, seit ich mit Kollege Mengele im Zürcher Hallenstadion stand und Eddie Vedder plötzlich von rechts auf einem Skateboard und einer Maske überm Gesicht auf die Bühne rollte. Ich glaube bis heute, dass ich nie mehr eine Menge aus dem Stand lauter und ekstatischer habe schreien hören (und ich war auch schon bei Bro'Sis!). Doch die Liebe ist nicht erst seit Connie Francis ein seltsames Spiel, und so gewann auch zwischen mir und Pearl Jam mit der Zeit eine zumindest einseitig gefühlte Gleichgültigkeit die Oberhand, die ihren einmaligen Höhepunkt darin fand, dass ich das letzte Album "Riot Act" bis heute kein einziges Mal gehört habe. Nun also "Benaroya Hall October 22nd 2003", noch dazu ein Livekonzert von Pearl Jam, hach wie lustig. Sind die Hundertschaften an halboffiziellen Live-Bootlegs von zwei Welttourneen also noch nicht genug? Jein. Vor zwölf Jahren spielten Pearl Jam für MTV ein Akustikset ein, das als Raubkopie in der Folge millionenfach unterm Ladentisch verkauft wurde. Vorliegendes Doppelalbum ist deshalb das erste offizielle "Unplugged"-Album, live und stromlos in Seattle vor 2500 Zuschauern mit 24 Songs und - natürlich - für einen guten Zweck. Auch vom Erlös des Tonträgers geht ein Großteil an die gemeinnützige Organisation Youthcare in Seattle, die sich um junge Obdachlose kümmert. Zur Sache, Schätzchen: "Of The Girl" ist ein softer, aber auch heimeliger Einstieg, der die intime Atmosphäre der ganzen Veranstaltung vorwegnimmt. Schön klingt das, ein bisschen ungewohnt gar ob des bluesigen Einschlags der Lead-Gitarre. Mit dem Einsetzen von Eddie Vedders einmaligem Bariton werden dennoch schlagartig all die alten Erinnerungen wach: die Drecksau-Parties zu Zivi-Zeiten einerseits, aber auch der verzweifelte Versuch, "Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town" auf der Akustikgitarre nachzuspielen. Dass ausgerechnet jener leise Höhepunkt der Pearl Jam-Karriere an dieser Stelle fehlt, ist so bedauerlich wie unverzeihlich. "Low Light" ist dann eine dieser typischen Balladen, die früher "Indifference" hießen und besser waren. "Thumbing My Way" entwickelt sich dafür zu einem Highlight ihrer Spätphase, während "Fatal" einen schier umbläst. Diese Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in der Stimme, wie konnte ich sie all die Jahre achtlos links liegen lassen? "Nothing As It Seems" von "Binaural" kenne ich mal wieder, hier vertreten mit einer netten Mike McCready-Gniedel-Einlage. Unmerklich rauscht Song für Song an einem vorbei, alles zusammen gehalten von Vedders präsenter Performance. "Man Of The Hour" ist der Beitrag zu Tim Burtons "Big Fish"-Film, "Off He Goes" ohnehin Wahnsinn. "Can't Keep" widmet Vedder dem verstorbenen Songwriter Elliott Smith, hält aber noch drei deftige Cover-Überraschungen bereit. "I Believe In Miracles" von den Ramones klingt zunächst lustig, wächst aber mit der Zeit. Was man von Johnny Cashs "25 Minutes To Go" leider nicht behaupten kann. Zu volkstümlich klingen die Rocker bei dem Versuch, die beschwingte Kittchen-Ode in ein neues Licht zu tauchen. Dafür gelingt ihnen wiederum Dylans Anti-Kriegssong "Masters Of War" meisterlich. Dass beim Gänsehautfeger "Black" jede Refrain-Zeile vom Publikum mitgesungen wird, nun, das war auch schon auf "Live On Two Legs" von 1998 der Fall. In "Daughter" droppt Eddie mehrfach Beatles-Lyrics, womit er endgültig wieder auf der sicheren Seite gelandet ist. Ob ich mir jetzt die im letzten Herbst erschienene und weitgehend unbeachtete Raritätensammlung "Lost Dogs" etwa auch noch zulegen muss? Ich überlege ernsthaft. © Laut
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Rock - Erschienen am 22. Oktober 2020 | Epic - Legacy

Hi-Res
Ach, dieses Seattle der 90er Jahre, als der Grunge das Licht der Welt erblickte, dieses Sammelsurium mit allerlei Stilrichtungen wie Indie-Rock, Punk, Metal, Noisy-Pop… Eine glorreiche Zeit, in der ein Langhaariger zu einem beautiful Loser wurde, einem wahren Elektropoeten mit diesem um die Hüfte gewickelten, karierten Flanellhemd, der seine Gitarre mit dem Gurt über die Schulter warf. Aus dieser segensreichen Epoche stammen noch ein paar Überlebende mit nicht ausrottbarem Talent. Pearl Jam sind das herrlichste Beispiel dafür. Ihr im März 2020 erschienenes Album Gigaton ist das beste seit zwei Jahrzehnten und die begeisterte Kritik haben sie ganz zu Recht verdient. Da die Gruppe inzwischen ganze Stadien füllt, könnten sie die Sache einfach von selbst weiter laufen lassen. Dennoch fällt ihnen immer wieder Neues ein. Vor allem haben sie nicht vergessen, dass sie ihren Erfolg großteils ihrer mächtigen Performance auf der Bühne zu verdanken haben sowie ihrem Debütalbum Ten, das legendär wurde wie kein zweites. Und 2020 geht es wieder um das berühmte Ten, wenn auch nur indirekt. Nachdem das Album selbst schon 2009 als Neuausgabe mit vier verschiedenen Versionen erschienen ist, bot sich der Gruppe dann vor allem die Möglichkeit, am 16. März 1992 ein legendär gewordenes MTV Unplugged einzuspielen. Zu jener Zeit können Pearl Jam nur dieses einzige Album, ihr Debütalbum also, als ihre Erfahrung anpreisen, abgesehen von ihrer Mitwirkung beim Soundtrack für Cameron Crowes Film Singles, in dem drei Mitglieder der Band mitspielen. Knapp drei Tage nach dem Ende ihrer Amerikatournee begeben sich die fünf Musiker nach New York und spielen dort eine akustische Show, die Kultstatus erreicht. Mit sieben Songs zwingen Pearl Jam das Publikum und die Fernsehzuschauer in die Knie. Die Performance hat eine außergewöhnlich hohe Durchschlagskraft, wobei vor allem plötzlich klar wird, welch unglaubliche Stimme Eddie Vedders hat. Der schüchterne Sänger, der sich offensichtlich unwohl fühlt, als er zögernd ein paar wenige Sätze von sich gibt, wandelt sich mit den ersten Worten aus Oceans plötzlich in einen unvergesslichen, charismatischen Leader. Der Rest ist in die Geschichte eingegangen. Abgesehen von State of Love and Trust aus dem Singles-Soundtrack geben sie im restlichen Konzert einen Teil aus Ten zum Besten, aber in neuer Form, ähnlich wie mit dem herzzerreißenden Black, dem lebendigeren Even Flow und der Single Alive. Die knapp 36 Minuten dieses Auftritts lassen die zwischen Riesenfreude und Frust schwankenden Zuhörer ganz benommen zurück. Dann müssen mehr als zehn Jahre und ein weiteres, das großteils akustische Konzert Live at Benaroya Hall, vorüberziehen, bevor man das Know-how einer auf weite Strecken hin im Offline-Modus lebenden Gruppe richtig schätzen lernt. Und es kommt noch schlimmer, erst 2019 war MTV Unplugged in den Genuss einer offiziellen Veröffentlichung und einer recht auflagenbegrenzten Vinyl-Ausgabe anlässlich des Record Store Day gekommen. Seine Neuausgabe (und sein neuer Mix von Nick Didia) ein Jahr später wirkt wie eine Befreiung, wenn nicht sogar wie ein Segen. © Chief Brody/Qobuz
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Rock - Erschienen am 27. März 2020 | Republic Records

Hi-Res
Die 90er Jahre sind in ihren Dreißigern. Von den Big Four aus Seattle, die von Nirvana, Alice In Chains und Soundgarden gekommen waren, sind nur mehr sie übrig. Chris Cornell hat 2017 den Entschluss gefasst, es Kurt Cobain und Layne Staley gleichzutun. Die Freundschaft mit der Ikone von Soundgarden hatte sehr früh begonnen. Eddie Vedder hatte seine erste Einspielung mit dem Duo Hunger Strike auf Temple Of The Dog gemacht, dem besten Stück des gleichnamigen  Albums der Supergroup, das Andrew Wood von den Mother Love Bone gewidmet war. Das war 1991, ein paar Monate bevor Ten von den Pearl Jam und dann Nirvanas Nevermind die Underground-Szene in den Charts verankerten. Für ihr elftes Opus, dem ersten seit Cornells Dahinscheiden, verabschiedeten die Überlebenden des Grunge den stets für Neues offenen Produzenten Brendan O’Brien und wandten sich stattdessen an Josh Evans, der Soundgardens King Animal produziert hatte und bei der Wiedervereinigungstournee der Temple Of The Dog als Soundingenieur tätig gewesen war. Das experimentelle Gigaton mit den sorgfältig ausgearbeiteten Classic Rock-Strukturen hat mit dem durchwachsenen Lightning Bolt, das sieben Jahre zuvor erschienen war, nicht viel zu tun. „In Sachen Kreation haben wir neue Grenzen überschritten und das ist hochinteressant“, kommentierte der Bassist Jeff Ament, als Dance Of Clairvoyants auf den Markt kam. Neben der mit ihren groovigen Kniffs erfolgreichen Single gibt es konventionellere, stadionreife Hymnen wie etwa Alright, aber auch eindeutigeren Rock wie Quick Escape, der auf Donald Trump losgeht, oder die zweifellos Cornell gewidmete Ballade Comes Then Goes. Ein vom Biologen Paul Nicklen fotografierter Eisberg im Archipel Spitzbergen illustriert das Cover von Gigaton, dessen Name auf die von Menschen verursachten CO²-Emissionen verweist, also eine Warnung hinsichtlich der klimatischen Verhältnisse. „Die Arbeit an diesem Album war wie eine lange Reise. In emotioneller Hinsicht war es zeitweise düster und verwirrend, dennoch war es ein aufregendes und experimentelles Abenteuer, auf der Suche nach musikalischer Erlösung,“ sollte dann der Gitarrist Stone Gossard noch sagen. Jetzt zu Beginn des Jahres 2020, wo sich wegen einer Pandemie die Welt einkapselt und ihre Jugend zugibt, keine Zukunft vor sich zu haben, scheint der Grunge zum Greifen nah wie noch nie. © Charlotte Saintoin/Qobuz
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Ten

Alternativ und Indie - Erschienen am 14. Januar 1992 | Epic - Legacy

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Vs.

Pop/Rock - Erschienen am 19. Oktober 1993 | Epic - Legacy

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Pop/Rock - Erschienen am 22. November 1994 | Epic - Legacy

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Pop/Rock - Erschienen am 16. November 2004 | Epic

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Pop/Rock - Erschienen am 16. Mai 2000 | Epic

Hi-Res
Ende '99 nahmen Pearl Jam den Frank Wilson Klassiker "Last Kiss" bei einem Soundcheck auf und verschenkten diesen an ihre treuesten Fanclub-Mitglieder zu Weihnachten. Eigentlich war nicht beabsichtigt, daß dieser Song an die breite Öffentlichkeit gerät. Doch die Aufnahme stieg hoch auf Platz 2 der Billboards ein und toppte alle früheren US-Radio-Airplays der Band. Ein Teil der eingespielten Einnahmen ging natürlich pc-mäßig irgendwohin in den Kosovo. Trotzdem kein Grund nach dieser kommerziellen PJ-Renaissance jetzt ein neues Album rauszubringen - oder erst recht? "Binaural" (siehe Fremdwörterbuch) muß man wirklich mit zwei Ohren hören, um noch die alte PJ-Power zu verspüren. OK, der Erstling "Breakerfall" ist ein Rocker von echtem Schrot und Korn. So auch "Insignificance", der ungerechter Weise nur als B-Seite auf die Single draufgepackt wurde. Aber irgendwie fehlt der Drive an allen Ecken. Vielleicht ist dies dem neuen Produzenten Tschad Blake anzukreiden, der offenbar versuchte, die verschiedensten Schichten der Band zu beleuchten und dabei vorwiegend Licht auf die ruhigen Passagen legte. Hausproduzent Brendan O'Brien durfte ihm nur unterstützend am Mischpult zur Hand gehen. Für die minimal gehaltene Popsatire "Soon Forget" mußte Sänger Eddie diesmal sogar zur Ukulele greifen und macht mit seiner Stimme allenfalls eine bessere Figur, als seine Vordenkerin Marilyn Monroe. Nachdem Stone Gossards Label "Loosegroove" nun die Läden dicht gemacht hat, sollte er eigentlich mehr Zeit für seine Band übrig haben. Statt einem Focus auf seine immer gern gehörte kernige Gitarrenarbeit wird mir hier zuviel mit Violinen, Celli und Additional Percussion herumgewerkelt. Obwohl Neuzuwachs und Ex-Soundgärtner Matt Cameron bereit wäre, einiges an Speed von hinten zu bringen. Natürlich haben Pearl Jam eine schwierige Position im Geschäft eingenommen. Sie gelten als die letzten Überlebenden der Grunge-Rocker. Im Moment sehen sie einem gruseligen Zweifrontenkrieg entgegen - die Boybands haben schon längs des Schützengrabens die Bajonette aufgepflanzt. Funpunker wie die Bloodhound Gang und die harte Fraktion um Korn oder Limp Bizkit lauern auf der anderen Seite. Doch keine Angst! Die Perlen des Rock sind noch 'ne Weile "Alive" und jammen munter auf allen Schlachtfeldern Europas. Hoffentlich zücken sie nicht bald die weiße Fahne. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 20. September 2009 | Universal-Island Records Ltd.

Booklet
Es ist noch nicht lange her, da mussten sich Pearl Jam mal wieder verteidigen. Der frisch unterzeichnete US-Vertriebsdeal mit der Großhandelskette Target lag einigen Fans quer im Magen. In den USA erscheint "Backspacer" über ein Patchwork an physischen und digitalen Partnern, darunter alle Target-Filialen, ein Onlineshop, ein Mobilfunk-Partner, eine Spielefirma, der Ten Club und zahlreiche Indie-Plattenläden. Nie war es anhand dieser tatsächlich im Jahr 2009 stattfindenden Diskussion so leicht, das Durchschnittsalter dieser Kritiker zu erraten. Es sind technikferne Menschen weit jenseits der 30, die seit einem halben Leben alle Platten der Band brav als CD im Großhandel kaufen und bis heute nicht über die Pearl Jam-Niederlage gegen den Ticketmonopolisten Ticketmaster hinweg gekommen sind. Die Diskussion zeigte aber auch, wie eng diese spezielle Fanzine-Bindung der Band zu ihren Fans bis heute ist, die unter branchenüblichen Gesichtspunkten schon mit dem '91er Millionenseller "Ten" hätte vorbei sein müssen. Letztlich fühlte sich sogar Eddie Vedder bemüßigt, die Wogen zu glätten, bat um "Vertrauen" und sprach von einem "moralischen Barometer" innerhalb der Gruppe, vor dem sich die Target-Entscheidung bewährt habe. Ironie der Geschichte: Selten bestand so wenig Rede- oder Erklärungsbedarf nach einem Pearl Jam-Album. "I wanna shake this day before I retire", krächzt Vedder auf dem straighten Rock'n'Roll-Opener - und schon zwei Songs später glaubt man ihm: Der Mann ist wirklich "sick of everything" und seine Band will es noch einmal wissen. An die Schnörkellosigkeit der Avocado-Riffklötze wurde angedockt, überflüssige Spuren getilgt und all die larmoyanten Zwischentöne, die schon seit Jahren seltsam unzeitgemäß klangen, über Bord geworfen. Yes we can, finally. Denn sollte der erklärte Held Neil Young in der George W. Bush-Ära musikalisch auch zu Hochform aufgelaufen sein, Pearl Jam sind es leider nicht. "Backspacer" ist nun der lang erwartete Befreiungsschlag und klingt wie ein Tritt in den Unterleib der Ewiggestrigen (und des republikanischen Ex-Präsidenten). Vier Songs in zwölf Minuten, erst dann gibts passenderweise mit der Ballade "Just Breathe" Zeit zum Verschnaufen, gleichzeitig eine der schönsten Balladen seit Jahren, die schwer den Fingerpicking-Charme von Vedders Soloalbum atmet. Man spürt, dass die Gruppe von Anfang an eine klare Vision hatte, mit der sie zum Glück nicht zum Arzt, sondern zu Brendan O'Brien ging, dem ewigen, aber elf Jahre verschmähten Produzenten-Buddy, mit dem sie gerade erst das "Ten"-Debüt deluxe-technisch updateten. So fühlt man sich zu Beginn des Albums vielleicht nicht ganz zufällig an selige "Vs."-Zeiten erinnert, dem ersten PJ-Album mit O'Brien. Tempo, Intensität, Melodien; ja, so ähnlich war das damals. Bassist Aments "Got Some" steckt die immerhin nette Vorabsingle "The Fixer" locker in die Tasche und erweckt (gemeinsam mit "Supersonic") den Anschein, als habe das überdimensionale Ramones-Poster im PJ-Hauptquartier die Musiker zusätzlich angetrieben. Hatte man in den letzten Jahren oft das Gefühl, die Band verkrampfe bei ihren Versuchen, allen Erwartungen gerecht zu werden, ragen nun sogar Classic Rock-Stücke wie "Speed Of Sound" und "Amongst The Waves" wie Leuchttürme aus der Tracklist, deren Signale tatsächlich bis in die "Ten"-Vergangenheit leuchten. Oh, oh, we're still alive. Selbst von solch tränenrührenden Balladen wie "The End", angereichert mit obligatorischen Streichern, fühlte man sich lange nicht mehr berührt. "Nothing's changed but the surrounding bullshit that has grown", formulierte Vedder einst. Lange mag das als Band-Credo durchgegangen sein, doch die Zeiten haben sich geändert. Teile der Gruppe betreten heute mit Brillengestell die Bühne, alle fünf haben Kinder und Vedder wirft in seiner Freizeit mit Äxten. Ob er an dieses Freiluft-Hobby dachte, als er die Zeilen "Feel the air up above / a pool of blue sky (...) Yeh, this is living" im herrlich dynamischen und mit Piano versehenen "Unthought Known" zu Papier brachte? Es spielt keine Rolle. Genau so wenig wie die Frage, in welcher Form man sich dieses Album zu Gemüte führt. Hierzulande hat man da die gängige Qual der Wahl zwischen iTunes, Saturn und dem treuen Plattenspezi ums Eck. Album-Stream: "Backspacer" komplett anhören! © Laut
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Pop/Rock - Erschienen am 11. November 2002 | Epic

Hi-Res
Arme Seattle Boys. Lebenslang verfolgt vom Fluch, mit "Ten" ein Debüt gemacht zu haben, das Zeitgefühl und Stimmung Anfang der Neunziger einfach perfekt traf. Das ist nun elf Jahre und sieben reichhaltige Veröffentlichungen her. Ein ansehnliches Spektrum voll kolossaler Hits und verkopfter Flops. "Riot Act" passt wunderbar in dieses Spektrum. Suggeriert der Titel eine Rückkehr zum rebellischen Grunge der Anfangstage, so ist das heißer gekocht, als letztlich serviert, denn niemand sollte aufgrund des Namens ein Comeback des wilden Seattle-Sound erwarten. Statt dessen liegt vor uns das wohl kompositorisch aufregendste Pearl Jam-Album. Woran das liegt? Jedes Bandmitglied durfte Songs beisteuern. Von Matt Camerons extravagantem und effektgeladenen "You Are" über Eddie Vedders trauriges "Thumbing My Way", bis hin zu echten Rockern wie "Save You" oder "Get Right" ist alles dabei. Der Opener "Can't Keep" präsentiert weinende Gitarren und rumpelnde Trommelbeats, die an "In My Tree" vom Album "No Code" erinnern. Kollege Schuh dürfte sich freuen. Es folgt die Geschichte einer nervenaufreibenden Hassliebe im schnellen, F-Word gespickten "Save You": "Fuck me if I say something you don't want to hear from me / Fuck me if you only hear what you want to hear from me", vorgetragen mit temporären Punkanleihen. Danach seltsam drückende Nummern, die nicht leicht zugänglich sind. Dunkle, launische Songs mit simplen Riffs, ungewohnt harmonischem Gesang und schrotigen McCready-Solos. Hervorstechend aus diesen: "Cropduster" mit seinen ideenreichen Akkordfolgen und einem unerwarteten Wechsel der Tonart im Refrain. Alsbald die drei besten Songs der Platte am Stück. Zunächst das hymnische "I Am Mine", dessen Ohrwurmrefrain sich sofort im Kleinhirn festklammert. Die Lyrics dieser ersten Single sind klar beeinflusst von den Ereignissen des 11. September ("All the innocence lost at one time") und der Wucht an Unsicherheit, die folgte. Im Anschluss das göttliche "Thumbing My Way", eine wunderschöne Vedder-Ballade, deren drückendes Bedauern - "I have not been home since you left long ago" - durch Banjo und Orgel geschmückt wird. "You Are" überrascht darauf mit nie zuvor bei dieser Band gehörten Soundeffekten und einem genialen Break nach dem Intro, das dem Song eine völlig neue Richtung auferlegt. Vedders Falsetto, McCreadys mövenartige Gitarrentöne und der psychedelische Anstrich machen diesen Song zu einem nie gehörten Pearl Jam-Ereignis. Bleibt noch "Bushleaguer" zu erwähnen, der vielleicht sonderbarste Track der Platte. Vedder brummelt im Bariton die Verse vor sich hin, schlägt mit sanfter Ironie auf Präsident Bush ein - "He's not a leader, he's a Texas leaguer. Drilling for fear makes the job simple" - doch irgendwie fehlt es dem Song an Pepp. An Inspiration. Diese besitzt dafür der Acapella-Song "Arc": 90 Sekunden wortloser Schamanengesang, umgeben von wummernden Bass-Begleitstimmen. Groß. "Riot Act" entfaltet sich langsam, aber gewaltig. Pearl Jam machen einfach keine flüchtig konsumierbare Nebenbeikunst. Wo die Band es vermag, die Essenz ihrer Aussagen auf den emotionalen Level zu konzentrieren, ist sie eindeutig am besten. "Riot Act" birgt keine heroischen Glanztaten. Aber es zeigt Pearl Jam abwechslungsreich, kraftvoll und wie immer herzerfrischend aufrichtig. © Laut
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Rock - Erschienen am 27. März 2020 | Republic Records

Hi-Res
Keine Interviews der Bandmitglieder zur neuen Platte, die deutsche Plattenfirma in jeder E-Mail zu einem neuen Video die schöne Musikbusiness-Floskel mitführend: "Wir arbeiten daran." Ja, noch nicht einmal die bei (Musik-)Medien verhassten sogenannten "Generic Interviews" trudeln ein. Das sind aufgezeichnete Audio- oder Video-Gespräche mit mindestens einem Bandmitglied, damit die Magazine was zu schreiben haben, wenn die Band aus diversen Gründen (keine Zeit, kein Bock) nicht durch die Welt fliegt, um mit der Presse Einzelinterviews zu führen. Pearl Jam also gefühlt schon wieder im Aggro-Modus wie weiland in den 90ern, wo man keine Videos drehte und sich mit Ticket-Monopolisten zoffte. Die Verweigerung überrascht insofern, als dass "Gigaton" ihr experimentellstes Album seit Ewigkeiten geworden ist. An keiner Platte haben die Amerikaner jemals länger herumgeschraubt. Als "Lightning Bolt" erschien, war Chris Cornell noch am Leben und Barack Obama US-Präsident. Inzwischen ist beides anders, an den Einschnitten hatten die Musiker über die Jahre zu knabbern. Der Albumtitel, von AC/DC zeitlebens übersehen, macht klar, dass die Verzweifelte-Naturburschen-turns-Familienvater-Gang nun wieder auf Angriff schaltet. Die um die Natur besorgte Familienvater-Gang, genauer gesagt, trifft man doch heutzutage auf den Terminus Gigatonne vor allem im Zusammenhang mit CO2-Emissionen. "Whoever said it's all been said / gave up on satisfaction", schreit Eddie Vedder im gewohnt räudigen Opener, dessen verschlungene Songstruktur sich einem erst nach mehrmaligem Hören erschließt. Im Gegensatz zu der Tendenz der letzten Alben, der verlustig gegangenen Intensität früher Jahre mit straightem Rock'n'Roll bis zur Ramones-Schmerzgrenze beizukommen, lebt "Gigaton" von einer lange vermissten Vielschichtigkeit. Maßgeblichen Anteil daran hat Josh Evans, seit gut 15 Jahren Toningenieur, der die großen Fußstapfen von Haus-und-Hof-Produzent Brendan O'Brien hervorragend ausfüllt. Evans redete der Band aus, dass es einen Gesichtsverlust darstelle, wenn mal nur zwei Musiker ohne Einverständnis der anderen an einem Part weiterarbeiten. Seine Rolle bestand auch darin, schlaue Antworten auf Fragen wie die von Gitarrist Stone Gossard parat zu haben: "Ich habe diese Idee, wie können wir sie ablegen, damit Ed sie auch mag?" Knapp vier Jahre arbeiteten Pearl Jam an "Gigaton", zwei alleine an "Seven O'Clock", einer dieser sich über sechs Minuten ziehenden PJ-Midtempo-Nummern. Statt verkopft klingt der Song aber stimmig, die elektronischen Flächensounds und New-Age-Geräusche bereiten den Boden für Vedder, der gegen den Enemy No. 1 losledert: "Sitting bull and crazy horse they forged the north and west / Then you got sitting bullshit as our sitting president / Talking to his mirror, what's he say, what's it say back? / A tragedy of errors, who'll be last to have a laugh?" Der Song ist ein Aufruf, sich nicht der lähmenden Lethargie zu ergeben, die einen angesichts der weltpolitischen Lage (noch vor Corona) gerade als Amerikaner durchaus überkommen könnte: "For this is no time for depression on self indulgent hesitance / This fucked-up situation calls for all hands, hands on deck." An dieser Stelle haben Pearl Jam bereits den furiosesten Albumstart seit "Yield" hingelegt: Dem Opener folgen die vorab ausgekoppelten "Superblood Wolfmoon" und "Dance Of The Clairvoyants", ersterer mit einem atemlosen und hochexplosiven Vedder, drängender Hook, erneut kleinteiligen Parts und fettem McCready-Gniedelsolo. "Dance Of The Clairvoyants" bleibt der mutigste Song des Albums. Gitarrist Gossard luchste hierfür Kollege Jeff Ament den Bass ab, und heraus kommt eine minimalistische Postpunk-Nummer mit dem Drive der Talking Heads. Auch die Drumcomputer-Arbeit von Matt Cameron klingt neu. Ein erhobener Mittelfinger gegen all diejenigen von uns, die für die meistgestreamten Pearl Jam-Songs auf Spotify mitverantwortlich sind: Auf den Plätzen eins bis vier nur Songs ihres Debütalbums "Ten". "Quick Escape" ist dann nicht nur die fetteste Breitseite gegen Trump, sondern auch der Rock-Brecher des Albums. Sansibar, Marokko, Kashmir, der Mars: Vedder ist verzweifelt auf der Suche, "to find a place Trump hadn't fucked up yet." Matt Cameron startet mit einem dicken 70s-Rock-Groove, bevor man kurz erstarrt: Krass, Vedder singt über Corona, aber nein, er dehnt nur das Wort "corner" unverhältnismäßig. Auch hier steht die zurückgenommene Produktion dem Biss der Nummer nirgends im Wege, die Pianoläufe ab dem Mittelteil wecken vertraute Nine Inch Nails-Gefühle, bevor Gossard und McCready anschließend gemeinsam die Hütte abfackeln. Die zweite Albumhälfte fällt da zwangsläufig etwas ab, was die härtere Stoßrichtung betrifft. Das ruhige, elektronische "Alright" nimmt schön den Faden von "Low Light" auf und Vedders auch akustisches "Come Then Goes", offenbar mit Cornell in Gedanken verfasst, ist sehr gelungen: "Where ya been? ... Can I find / a glimpse of my friend / Don't know where or when one of us left the other behind." "Retrograde" wäre mit seinem herrlich weitläufigen Echo-Sound, den Vedders Vocals ganz am Ende noch verstärken, der perfekte Schlusspunkt dieses Albums gewesen. Schön zu sehen, dass die Rock-Dinos noch einmal eine Platte vorlegen, die auf Augenhöhe mit ihren Live-Qualitäten spielt. © Laut
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Rock - Erschienen am 2. Mai 2006 | Epic - Legacy

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Rock - Erschienen am 30. Juni 1999 | Epic

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Rock - Erschienen am 14. Oktober 2013 | Pearl Jam - Monkeywrench

Jubiläen sind komisch, das sieht man bei jeder Familienfeier. Auch bei Bands liefern Jahrestage immer Anlass zur Rück-, Um- und Vorschau. Das 20-jährige Bestehen Pearl Jams vor zwei Jahren wirkte erstaunlich positiv und lebensbejahend. Rund herum fanden Aufnahmesessions für ein neues Album statt, beflügelt von den "Hurra, wir leben noch"-Chören, die rund um die Dienstältesten aus Seattle anhoben. Doch irgendwas fehlte. Zu einfach und ganz und gar nicht Pearl Jam-like wäre gewesen, eine euphorische Sammlung spontaner Ideen auf Platte zu pressen. Genau fünf Personen auf diesem Planeten machen immer wieder unter sich aus, wohin die Reise dieser Band geht. Sie legten die Songs auf Eis, und man ging seiner Wege, ohne irgendetwas abzuschließen. Etwas Zeit ließen sie ins Land gehen. Drummer Cameron gärtnerte derweil fleißig im Soundgarden, Stone Gossard vertiefte sich wieder in Brad und seine Soloarbeit. Irgendwann Anfang 2013 fanden sich die getriebenen Mannen um Eddie Vedder aber doch wieder in einem Studio zusammen und bastelten an neuen Visionen, die dem 18 Monate alten Material beistehen könnten. Zweimal zehn Studiotage sollen alle Aufnahmen gedauert haben, dann war der Spuk vorbei und "Lightning Bolt" unter Dach und Fach. Im Vergleich zum politischen Rockpamphlet "Pearl Jam" und dem folgenden hoffnungsvollen Ausatmen "Backspacer" dreht "Lightning Bolt" an allen Schrauben des gemeinschaftlichen Konstrukts seiner beiden Vorgänger und ist dabei konsequent auf Fortschritt aus. Klingt jetzt alles wie deutscher Autohersteller, doch nach einigen Hördurchläufen weiß man: Dieses Album geht den einen Schritt weiter, denkt die Einfälle um genau das eine Detail weiter, traut sich das eine Wagnis mehr zu - und hat damit Erfolg. Pearl Jam lassen dem Zorn ungebremst freien Lauf, die Hymnen explodieren bombastischer, die Experimente fallen stärker aus der Reihe. Selbst die folkigen Naturstorys riechen nach dichten Nadelwald und zugeschneiten Berggipfeln. Wenn schon Ballade, dann groß und mächtig. Keine halben Sachen. Sie mischen schon zu lange mit, als dass Erwartungshaltungen noch irgendeine Rolle spielen. Trotzdem fiel schon lange nicht mehr so leicht, sich in den anschwellenden Enden der Songs mit Haut und Haar zu verlieren, aus seinem Sessel zu springen und der Musik das Ruder zu überlassen. Der sich vor elektrischer Spannung schier schüttelnde Titeltrack "Lightning Bolt", der Dammbruch-Refrain in "Infallible", das weltumarmende "Swallowed Whole": intensive Songs, die mühelos in tiefsten Ebenen der Emotionen schürfen und diese in unverfälschter Art und Weise zutage fördern. Einen Song perfekt auf den Höhepunkt zuschneiden konnte der Fünfer aus Seattle schon in den glorreichen Anfangsjahren. Die Rockbreitseite zu Beginn eines jeden Pearl Jam-Albums hat sich ebenfalls nicht verändert. Hier nimmt sich ein zorniger Eddie Vedder viel Platz, um im bissigen "Getaway" und dem Punk-Gewitter "Mind Your Manners" ordentlich mit religiösen und gesellschaftlichen Verfehlungen abzurechnen. Wütend äußert sich auch "My Father's Son" mit einer dominanten Bassline und keifenden Vocals. "Sirens" brachte mancher schon im Vorfeld mit dem "Ten"-Glanzlicht "Black" in Verbindung, ein Vergleich, der von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. "Sirens" scheint zwar von der instrumentalen Komposition Mike McCreadys inklusive leidendem Gitarrensolo her simpel gestrickt, in Verbindung mit Eddies Vocals greift der Song mit seiner quasi pausenlosen Progression nach oben direkt nach dem Herz wie zuletzt höchstens "Just Breathe". Der Mann mit der tiefen Reibeisenstimme markiert generell immer noch die erste Anlaufstelle inmitten der vielseitigen Instrumentierung, die Haus und Hof-Produzent Brendan O'Brien ungemein rund in Szene setzte. Sein Melodieverständnis baut nicht auf offenkundige Hooklines, doch verschafft genau das dem Gesang eine längere Halbwertszeit. Auch auf Album Nummer zehn findet Herr Vedder lyrisch wie melodisch unzählige spannende Ansätze. Auch "Pendulum" wählt nie den Weg des geringsten Widerstands, ein düsteres, atmosphärisches Stück, losgelöst von Groove und durchaus als Albumstopper zu sehen. Der unangestrengt wirkende Blues von "Let The Records Play" rückt seine Schlüssigkeit in Verbindung mit seinem Finale ebenfalls erst nach einigen Durchläufen heraus. Die Bandversion von Eddies Ukulele-Nummer "Sleeping By Myself" übersetzt Matt Camerons Schlagzeugspiel lückenlos in die Folk-Welt, in der dann "Yellow Moon" zeigt, dass "Into The Wild" mit voller Pearl-Power um keinen Deut schlechter ausgefallen wäre. Stillstand kann man Pearl Jam auch nach über 20 Jahren nicht vorwerfen. Mit "Lightning Bolt" erreichen die Songs wieder das bisschen Extraklasse, das schon auf "Backspacer" öfter drin gewesen wäre. Der Blick verweilt nun am Horizont, mit Gewitter oder ohne. © Laut
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Rock - Erschienen am 18. Januar 2019 | Zip City

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Pop/Rock - Erschienen am 10. November 2003 | Epic

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Original Soundtrack - Erschienen am 29. September 2017 | Republic - Pearl Jam

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Baseball: In den USA Nationalheiligtum, dem hierzulande im allgemeinen großes Unverständnis entgegen stößt. Gut, andersherum geht es den Amerikanern mit 'unserem' Fußball in der Regel ähnlich, den haben sie ja trotz aller Bemühungen bis heute nicht verstanden. Interessanterweise sind es aber in beiden Fällen die Emotionen des Publikums, die viel von der Faszination dieser Sportarten ausmachen. Im letzten Herbst, genauer gesagt noch vor dem Trump-Triumph, beherrscht vor allem ein Thema die US-Schlagzeilen: Gewinnen die Chicago Cubs nach 108 Jahren Pause tatsächlich wieder die Baseball-Meisterschaft? Auch Pearl Jam - gerne als 'Thinking Man's Rockband' verunglimpft - haben ein echtes Faible für Profisport, die Athleten und die Geschichten dahinter. Besonders Sänger Eddie Vedder hat sich immer wieder als Hardcore-Cubs-Fan hervorgetan. Nur wenige Wochen vor den alles entscheidenden Playoffs gastiert die Band für zwei Shows im Wrigley Field, der Heimspielstätte des Teams. Was natürlich in Bild und Ton festgehalten werden muss. Allerdings kann man sich ohnehin nicht über einen Mangel an offiziellen Pearl-Jam-Konzertmitschnitten beklagen. Braucht es dann also mit dem - natürlich - nach einem Zitat von Cubs-Legende Ernie Banks getauften "Let's Play Two" ein weiteres Live-Album? Angesichts des hier Gebotenen kann die Antwort nur 'Ja, natürlich!' lauten. Die Tracklist punktet mit einer ausgewogenen Mischung aus Greatest Hits und nicht minder interessanten Treffern aus der zweiten Reihe. Wie "Black Red Yellow" (inklusive Verstärkung von Basketball-Exzentriker Dennis Rodman) oder "Inside Job", bei dem der an ALS erkrankte ehemalige Football-Profi Steve Gleason ein Intro spricht. Songs also, die nicht unbedingt zum großen Alternative-Kanon gehören. Aber selbst etliche Male gespielte Hits wie "Alive", "Black" oder "Jeremy" bersten vor Spielfreude und feinen Details für Kenner. Das Solo von "Corduroy" gehört in die Kategorie 'traumhaft'. Beim Victoria Williams-Cover "Crazy Mary" kommt gar zartes Classic-Rock-Flair auf, spätestens wenn sich Keyboarder Boom Gaspar und Gitarrist Mike McCready ein Lord-Blackmore-würdiges Tasten vs. Saiten-Duell liefern. Matt Cameron groovt alles an die Wand, und der immer wieder lautstark vom Publikum unterstützte Vedder singt sich in einen regelrechten Rausch. Ein ganzes, den kompletten Text von "Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town" aus voller Inbrunst mitsingendes Stadion ist einfach beeindruckend. Wenn Pearl Jam und ihr Publikum mit dem gemeinsam intonierten "Release" aber einem Fan in der ersten Reihe Trost spenden, bleibt selbst das härteste Rocker-Auge nicht trocken. So ergreifend kann Musik also sein. Ebenso faszinierend ist es zu hören, was aus "Lightning Bolt", dem Titelsong des letzten Albums geworden ist. In der knapp vier Jahre alten Urversion eher spröde, klingt diese Interpretation einfach nur umwerfend rockig. Dass auch Vedders bereits 2008 zu Ehren der Cubs aufgenommene Single "All the Way" nicht fehlen darf, versteht sich von selbst. Mit dem von den Beatles gecoverten "I've Got A Feeling" beenden Pearl Jam am 22. August ihre beiden Shows beinahe prophetisch. Denn am Ende wird alles gut, die Cubs gewinnen tatsächlich den Titel und ein ganzes Land jubelt mit. Eigentlich hinterlässt "Let's Play Two" nur einen einzigen kleinen Wermutstropfen: Die originale Dramaturgie beider Shows wird (zumindest auf der vorliegenden Audio-Version) zerfleddert, Songs die eigentlich als Zugabe gespielt wurden, tauchen hier plötzlich mittendrin auf. Aber man will ja nicht kleinlich sein. Denn vielleicht ist es ja gerade dieser kleine Kniff, der dieses Zeitdokument so mitreißend macht. Die einzigartige, hochemotionale Stimmung dieser beiden Abende und die wie entfesselt aufspielende Band machen aus "Let's Play Two" - nicht nur für Pearl-Jam-Fans - eines der besten Live-Alben der letzten Jahre. © Laut
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Rock - Erschienen am 22. Januar 2020 | Republic Records

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Pop/Rock - Erschienen am 6. August 1996 | Epic

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Pop/Rock - Erschienen am 17. Februar 1998 | Epic

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