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Auszeichnungen 5 de Diapason - 5 Sterne Fono Forum Klassik
Die Rezeption der Musik von Walter Braunfels und ihre wachsende Beachtung im Musikleben machen erfreulich rasche Fortschritte. Die Wiederentdeckung von Komponisten wie Schreker oder Zemlinsky scheint diese Braunfels-Rezeption stimuliert zu haben; und nun wird bereits erkennbar, dass sie nachhaltiger ausfallen wird, weil sie weniger zeitgebunden wirkt. Gewiss scheint die Musik von Braunfels recht genau zwischen Strauss und Pfitzner gleichsam auf der Folie des späten Debussy stilistisch zu vermitteln, aber das Sujet vor allem seiner Bühnenwerke erweist sich als gänzlich unabhängig von der jeweils vorherrschenden Zeitströmung; sie ist, ganz im beethovenschen Sinne, eigensinnig. Das im Mittelalter spielende „Mysterium“ in vier Aufzügen und einem Vorspiel „Verkündigung“ geht auf Claudels Drama „L’Annonce faite à Marie“ zurück; Braunfels hätte es gerne im französischen Original vertont, musste jedoch durch eine Verfügung des Dichters auf eine Übersetzung ins Deutsche durch Jakob Hegner zurückgreifen. Doch als Ideendrama ist es nicht unbedingt an eine bestimmte Sprache gebunden. In letzter Instanz geht es in dem Werk um Gottvertrauen, Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft – alles Eigenschaften, die in der Nazizeit verachtet wurden, in der Braunfels wegen seiner jüdischen Herkunft aus allen Ämtern vertrieben wurde, nicht mehr aufgeführt werden konnte und sich auch öffentlich nicht betätigen durfte. Ohne Aussicht auf eine Aufführung vollendete er 1935 das Werk; uraufgeführt wurde es erst 1948, und 1992 spielte es Dennis Russell Davies erstmals ein. Die Missachtung der Musik von Braunfels in der Nachkriegszeit, so muss leider konstatiert werden, dauerte länger als das Totschweigen in der Nazizeit. Nun legt Ulf Schirmer, abermals als Live-Aufnahme, eine inspirierende, spürbar engagierte Einspielung vor, die in der bedeutenden orchestralen Substanz und in der Besetzung der tragenden Rollen dem äußerst anspruchsvollen Werk bestens gerecht wird. Juliane Banse, eine Sopranistin, deren Einsatz für vernachlässigte Musik gar nicht hoch genug zu rühmen ist, gibt der Figur der Violaine naive Unbeirrbarkeit, Adrian Eröd als der ihr versprochene Gatte Jakobäus, der sie liebt, ihr aber nicht vorbehaltlos vertrauen kann, drückt zögernde Entschlossenheit aus. Matthias Klink als Peter von Ulm verkörpert überzeugend Buße und Umkehr, Janina Baechle als Violaines eifersüchtige Schwester freundlose Verbitterung. In dieser Einspielung erweist sich die zweite Szene des dritten Aufzugs, eine Weihnachtsszene, als ein Höhepunkt musikalisch-dramatischer Gestaltung schlechthin, voller Erhebung und Zuversicht, die auch nicht von den letzten Worten der Oper einzuschwärzen sind: „Gepriesen sei der Tod!“ © Schubert, Giselher / www.fonoforum.de
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Klassik - Erschienen am 1. Januar 2016 | Orfeo

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Klassik - Erschienen am 3. November 2017 | BR-Klassik

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 5 Sterne Fono Forum Klassik
Unter einem banalen Cover verbirgt sich hier ein sehr interessantes Album mit seltenen – sogar sehr seltenen – Orchesterliedern von Joseph Marx, Korngold, Pfitzner und Walter Braunfels, vier Komponisten, die Ende des 19. Jh. bis Mitte des 20. Jh. gelebt und gearbeitet haben. Damit wir uns nicht missverstehen: Es geht nicht um Lieder, die ursprünglich für Klavier geschrieben und später instrumentiert wurden (durch den Komponisten selbst oder jemand anderen), sondern um solche, die von Anfang an mit der Klangfülle eines Orchesters als Begleitung für die Singstimme komponiert wurden – selbst wenn einige davon anfangs für Klavier notiert wurden, vermutlich aus Gründen der größeren Einfachheit bei der Herausgabe, oder um sie neuen Hörern besser nahe zu bringen. Bei allen diesen Komponisten kann man deutliche Anklänge an Wagner entdecken, vielleicht auch an Strauss (ein Zeitgenosse, nebenbei bemerkt, aber von Anfang an sehr einflussreich) an Mahler natürlich, Puccini oder sogar manchmal an Elgar (insbesondere bei Braunfels). Dennoch hat jeder seinen ganz eigenen Stil, seine eigene Art zu Instrumentieren, sein eigenes harmonisches Gerüst – besonders Marx wurde zu Recht als Zauberkünstler der reichen Harmonien betrachtet. Warum zum Teufel ist er dann vor so langer Zeit vom Radar verschwunden, obwohl er früher der meistgespielte österreichische Komponist war? Könnte vielleicht eine gewisse Homonymie mit einem politischen Agitator oder auch einer Familie von Spaßvögeln aus New York damit zu tun haben? Jedenfalls bietet Juliane Banse uns hier eine wunderschöne Auswahl an Werken an, die wir liebend gerne auch einmal im Konzert hören würden. SM/Qobuz