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Die Alben

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Alternativ und Indie - Erschienen am 27. September 2004 | Matador

Letztens auf einer LAUT-Party. Chef Henze drückt mit großen Kinderaugen konstant auf den Knopf für die Nebelmaschine. Dabei philosophiert er darüber, warum man ausgerechnet jetzt viel Nebel im Raum braucht und dieser Song nur so in kompletter Vollendung funktionieren kann. Was läuft, als die Tanzfläche kaum mehr zu sehen ist? "Slow Hands" von Interpol. Zugegeben, Cheffe war nicht mehr ganz nüchtern. Aber seine Reaktion hätte zu keiner anderen Band besser gepasst. Denn Nebel ist bezeichnend für die Songs, die Platten und das komplette Auftreten von Interpol. Man muss diese Band im Nebel entdecken, denn das Verschwommene, das Versteckte ist Grundstein ihrer Musik. Ganz weit weg scheinen die Songs, ganz weit weg diese vier Hipsters in ihren dunklen Anzügen. Im Nebel der zwei Jahre seit Interpols Debüt "Turn On The Bright Lights" hat sich nicht viel verändert: Joy Division und die Chamelons sind immer noch die großen Eckpunkte. Aber die New Yorker sind nicht mehr ganz so sanft und langsam wie auf ihrem Debüt und lassen es dieses Mal gerne etwas rockiger und lauter angehen. Und immer noch kann wohl kaum eine Band der letzten Jahre so viel Stil, Würde und Stolz vorweisen wie Interpol. Von Paul Banks unglaublicher Stimme, die mit solchem Stolz trauern kann und trotzdem nie die Geschichte eines gebrochenen Mannes erzählt, sondern in jeder Silbe das Fünkchen Stolz trägt, das sich nicht unterkriegen lässt, bis hin zu den knochentrockenen und ultra-tighten Instrumenten, die die Songs nahezu schweben lassen: der Glanz dieser Musik tönt immer durch, und er gibt sich nur dann richtig preis, wenn man den Nebel ganz langsam von dannen ziehen lässt. Erst nach und nach dringt die Größe der Songs durch die Schwaden. Bald offenbaren sich Interpol ein zweites Mal als "slave(s) to the detail(s)", und ihre Songs strahlen in einer solchen Perfektion und Größe, wie man es nach den ersten drei, vier Hördurchgängen nicht für möglich gehalten hat. Ein Wort wie "ausgefeilt" trifft kaum die Ausmaße dieser Detailbesessenheit. "Antics" ist fanatisch akribisch. Alles sitzt exakt an dem Ort, an dem es seine Berechtigung hat. Nichts klingt falsch, nichts klingt seltsam. Diese Platte verfolgt eine solch exakte Linie, wie man sie nur selten gehört hat. Es sind Momente wie der Anfang von "Evil", wenn Sänger Paul Banks so bittend und zerbrechlich das Wort "Rosemary" ausspricht, oder wenn im selben Monster von einem Song für einen kurzen Moment alles still steht und dann eine einzelne Gitarre mit klitzeklar gespielten Akkorden eine neue Runde im Song einläutet, die diese Band ausmachen. Dann möchte man nur auf den Boden fallen und Interpol anbeten und ihnen für die Gänsehaut auf dem eigenen Rücken danken. Und die Worte aussprechen, die man in jeder Sekunde von "Antics" fühlt und die wohl auch Kollege Henze bei seiner Nebelaktion dachte: "Was für eine Platte. Was für eine Band." © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 10. Juli 2007 | Matador

In einer Welt, wie Paul Banks sie besingt, scheint der Himmel nachts schwärzer als im Jetzt zu sein und der Tag unterscheidet sich davon nur in Nuancen. Sterne mag es wohl länger schon keine mehr geben und für Wettervorhersagen bleibt kein Platz. Denn Regen ist hier Dauerzustand, der nur selten vom Nebel unterbrochen wird. Eine fordernde Kälte liegt dabei in Banks Stimme, deren Fundament jedoch mehr aus Stolz, als aus ignoranter Ablehnung oder unterschwelliger Larmoyanz gegossen sein mag. Wie der Ich-Erzähler in einem Rimbaud-Gedicht beginnt im Auftakt mit "Pioneer To The Falls" eine lyrische Zeitreise zum Montparnasse während einer Art "Nouveau Belle Epoque". Für diese Reise gilt es allerdings, sich noch geschwind bei Oscar Wildes Leibcouturier in London mit den zum ausgehenden 19. Jahrhundert angesagtesten Stoffen einkleiden zu lassen. Dazu vielleicht noch einen Gehstock mit Elfenbeingriff und ein schmuckes Monokel als modische Accessoires im Sinne eines Erich von Stroheim. So auf viktorianischen Snob getrimmt würde man die Reise antreten können, weiter durch Pariser Cafés, wo bei einem zünftigen Schlückchen Absinth die "Blumen des Bösen" wachsen und zur Mitternacht die "Grüne Fee" erscheint. Nach fast 3 Jahren Pause galt im Interpol-Studio der neue Leitsatz "More Keyboards!". Carlos Dengler, hauptberuflich Bassspieler bei Interpol, soll dieser Maxime schon während der gesamten Kompositionsphase gefolgt sein. Songs wie "No I In Threesome" leben von dieser neuen Beschwingtheit und geben dem eigentlich schwermütigen Song eine unerwartete Wendung mit Kurs auf Versöhnung und Trost. Oder die rückwärts abgespielten Gitarren über dem Klavier am Ende von "The Scale", die für die Absurdität in den Lyrics ein direktes Spiegelbild in der Musik bilden. Es sind eben diese fein ziselierten Ornamente, die den Schweiß und die Ehrfurcht, aber auch die Freude und das Selbstbewusstsein im Schaffensprozess erahnen lassen. "Our Love To Admire" kann jedoch trotz seiner Leichtigkeit nicht beim tagträumerischen Herumsitzen in Straßencafés entstanden sein. Aus diesem Werk spricht nicht das selbstvergnügte Laisser-faire eines Neo-Bohemien. Da muss offenbar knochenharte Arbeit dahinter stecken. Ja fast preußische Disziplin spricht aus Komposition, Arrangement und Produktion. Aber auch Experimentierfreude und hörbare Anstrengung, einen überwältigenden Batzen Leidenschaft auf Tonträger zu bannen. Ein Werk wie aus einem Guss, in seiner Geschlossenheit besonders, jedoch ohne den Anspruch, ein Konzeptalbum sein zu wollen. Ein Song wie "Rest My Chemistry" entsteht deshalb auch nicht als flüchtige Notiz auf einem Bierdeckel aus einem Hauch von Ahnung oder Angelesenem. Er wächst aus direkt Gelebtem und selbst Erlebtem und hält wegen seiner Aufrichtigkeit jeglicher selbstbemitleidender Tristesse stand. Es ist andererseits die dandyhafte Selbstverliebtheit, die diesem Stück innewohnt, die es für jeden Außenstehenden in gleichem Maße erlebbar macht und den Raum für die Identifikation seines Hörers öffnet. Wer bei der Kessler'schen Gitarren-Ouvertüre nicht den Ansatz zu einer Gänsehaut zeigt, braucht es mit Identifikation gar nicht erst probieren. Trotz des Fremdgehens mit dem Keyboard und den verstörend schönen Gitarren bleibt der Dengler-Bass weiterhin das Trademark dieser Band, was die Wahl von "The Heinrich Maneuver" zur ersten Single manifestiert. Er ist Getriebe und gleichzeitig kraftvoller Motor, dessen Zündkerzen nicht erlöschen können. Und dies nicht nur für dieses Stück oder diese Platte, sondern für das Gesamtwerk "Interpol". Ähnliche Meisterstücke auf vier Saiten sind nur von einem Simon Gallup oder dem frühen Peter Hook bekannt. Das ist es, was diese Band auszeichnet: Die moderne Lyrik von Paul Banks, die in ihrer Metaphernfülle immer eine Mehrzahl an Interpretationsmöglichkeiten offen hält. Und trotz aller poetischer Darkness, die er in energischer Weise in den Vordergrund hebt, wird sie von den darunter schwebenden Instrumenten auf melodramatischen Wogen getragen und immer wieder aufgefangen. Wenn das Gemüt auch von dunklen Wellen umflutet wird, die es fast zum Ertrinken ins Meer betten, strahlt immer irgendwo von fern der Leuchtturm einer rettenden Insel dieser schiffbrüchigen Seele entgegen, um das Schwarz aus dem Nachthimmel zu nehmen. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 24. August 2018 | Matador

Hi-Res
Mehr als fünfzehn Jahre nach dem Geniestreich im Jahre 2002 dank Turn On the Bright Lights, einem Meisterwerk des Postpunk-Revivals, meldet sich das zum Trio gewordene Quartett Interpol mit Marauder zurück. Seit Antics ließen die New Yorker mit zwei passablen Alben hintereinander von sich hören, nämlich mit Our Love to Admire und Interpol sowie mit dem betörenden El Pintor, das, ohne Carlos D., als Rückkehr zur alten Form anzusehen war. Ihr jüngster, manchmal etwas hohle Versuch zieht sich in die Länge und die Hälfte hätte wohl auch gereicht. Trotz eines ersten Abschnitts mit einem Hang zu keineswegs unerlässlichem Pop (Mountain Child, Stay in Touch, Flight of Fancy) findet man hier erneut diesen „ Interpol-Sound“ (The Rover) und als Abschluss die expressiven Tracks It Probably Matters und Party’s Over. Zweimal lässt einen dieses Opus aufatmen, denn Interlude 1 und 2 sind eine Ehrerweisung an Turn On the Bright Lights und seine seltsamen Obstacle 1 und 2.  Die Fans werden dort auf ihre Kosten kommen, da Banks eine autobiografische Seite hervorkehrt. „Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich Teile meines eigenen Lebens zu einem Roman verarbeiten kann.“ Und wieder waren Interpol in Sachen Produktion recht sorgfältig. Nachdem die Gruppe Our Love to Admire oder Interpol zusammen mit Alan Moulder gemacht hatte, wurde sie hier vom erstklassigen Produzenten Dave Fridmann betreut, dem Ex-Mitglied von The Flaming Lips und Mercury Rev. Jetzt, wo man weiß, dass Interpol auch ohne Carlos D. existieren kann, fragt man sich, ob sie irgendwann in der Lage sein werden, ihre Formel zu variieren. © Charlotte Saintoin/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 19. August 2002 | Matador

Hierbei handelt es sich um eine Band aus New York. Man könnte Hype schreien. Sollte man aber nicht. Denn das alles ist überhaupt gar nicht aufregend. Überhaupt nicht straight. Nicht trashig und auch kein Rock'n'Roll. Jegliche Attribute, die die anderen gehypten Rock-Retro Bands, die gerade als das Hippste gehandelt werden, aufweisen, fehlen der Musik. "Turn On The Bright Lights" klingt wenig nach den Staaten und viel nach Großbritannien. Vor allem aber klingt die Scheibe so herrlich unaufgeregt. Die Songs lassen mich auf ihren Harmonien treiben. Und doch produzieren Interpol keine unstrukturierten Soundgebilde. Die Songs sind in sich klar und doch so low-fi, dass sich Strukturen nicht aufdrängen, sondern nur den roten Faden des Stücks halten. Die Stimme Pauls ist schön schludrig, ein wenig nuschelig. Die Texte handeln von Leben, Liebe, Zukunft, Vergangenheit und Bewusstseinserweiterung. Passt alles wunderbar zur Musik. Langsame, leise aber nicht unauffällige Musik bieten Interpol auf ihrem Debutalbum. "Say Hello To The Angels" erinnert ein bisschen an die Smiths, ist damit auch schon der aufgeregteste Song des Albums. Man muss sich erst einmal in die Musik hinein hören und mit ein wenig Geduld auf die Wirkung warten. So wird man die angenehm ruhige Stimmung des Albums schätzen können. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 19. August 2002 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 8. September 2014 | Soft Limit

Hi-Res
Bassist steigt bei Band X aus. Auch in dieser Redaktion fragt man sich in solchen Fällen öfter, ob diese Neuigkeit nun unbedingt eine Meldung wert ist. Der Sänger als identifikationsstiftendes Band-Abbild, der Gitarrist als meist extrovertierte Figur: Da stellt niemand Fragen. Aber die Nischenposition am Bass? Interessiert die irgendwen? Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: in den meisten Fällen nicht. Wie anders die Uhren bei der Band Interpol ticken, konnte in diesem Punkt vor vier Jahren am Ausstieg des Bassisten Carlos Dengler, von Fans ehrfurchtsvoll Carlos D. genannt, beobachtet werden. Ein Mann mit vielen Gesichtern, noch mehr Frisuren und den schönsten Oktavspielereien an seinem Gerät von allen Retro Rock-Bands seit 2001. Ist so ein Mann, auf dessen Konto immerhin songtragende Killer-Bassmomente wie in "Evil" und "The Heinrich Maneuver" gehen, ersetzbar? Die schlichte wie überraschende Antwort lautet: Ja. Ziemlich einfach sogar. Und zwar nicht, weil Neu-Bassist und Sänger Paul Banks den eigentümlichen Dengler-Stil zu kopieren versuchen würde. Banks' Spiel ist vergleichsweise reduziert, aber dennoch pointiert genug, um das Fehlen Denglers gar nicht richtig greifbar werden zu lassen. Eine achtlose, anämische Vorstellung war der geschmackssicheren Gruppe nach solch einer Zäsur auch nicht zuzutrauen, erst recht nicht nach der doch rätselhaften und schon unter erschwerten Bedinungen entstandenen, letzten Platte "Interpol". Diese klang wie eine in Ton gegossene Verweigerung nach dem kommerziell missglückten Major-Debüt mit "Our Love To Admire" auf EMI - ein Gedankenkonstrukt, das selbstverständlich alle Mitglieder bestreiten. Dass Denglers Abschied ausgerechnet auf die mäßigste und überfrachtetste Produktion der gesamten Interpol-Diskographie fiel, wird einem erst im Lichte von "El Pintor" so richtig bewusst. Same Band, New Story: Banks, Gitarrist Daniel Kessler und Drummer Sam Fogarino lassen ihrem Sound endlich wieder die Freiräume, die ihn so unverwechselbar machen. Die Single "All The Rage Back Home" enttäuscht da fast schon - und das obwohl sie mit einer zarten Gitarrenline beginnt, die mich entfernt an den Übertrack "Rest My Chemistry" erinnert. Als dann gleich die tonnenschwere Traurigkeit in Banks' Stimme so butterweich in Kesslers engmaschiges Emotionsnetz fällt ("When she went 'There Love, come over' / My head abounds / Oh, the feelings"), scheint der Auftakt geglückt, doch diese Steilvorlage zum Klassiker verbaut sich die Band, indem sie unnötigerweise in einen Uptempo-Part galoppiert, der im Interpol-Kontext nur Business as usual darstellt. Davon abgesehen zählen auch Banks' Fußballchor-ähnliche "Hey hey hey hey"-Einschübe gegen Ende nicht zu seinen größten Momenten. Man will jetzt aber mehr, mit oder ohne Dengler, und "My Desire" liefert prompt. Der Song sprengt alle gekannten Konventionen: Ein echobeladenes Kessler-Riff, das eigentlich gar keines ist und nur aus drei Tönen besteht, hallt im luftleeren Raum, wird erst mit Fogarinos Einsatz geerdet und stimuliert Banks endlich wieder zu einer dieser hymnischen Melodien, die sofort alle Schleusen öffnen. Mit jedem Hören des Tracks offenbaren sich neue Soundmomente und Effektspielereien, gerade Kesslers zahlreiche Gitarreneinschübe in der Bridge sind kaum fassbar. Als weiterer Übertrack spielt sich "Same Town, New Story" in die Alltime-Bestenliste der Band: Wieder steht nicht der Bass, sondern Kesslers außerirdische Gitarrenfigur im Vordergrund, die mit der Präzision eines Metronoms voranschreitet. Doch mehr noch als in "My Desire" reißt Banks das Ruder an sich und veredelt die Nummer mit großartiger Melodie und gefühlvollem Backgroundgesang. Anders als etwa beim Uptempo-Stück "Anywhere", das sehr ans erste Album erinnert, begeistert "Same Town, New Story" mit Akkordfolgen, die man so von der Band noch nie gehört hat. Und was genau war dieses Mal so anders? Da gehen die Meinungen innerhalb der Band auseinander. Zwar wolle man Dengler nichts Böses, wie alle unisono in Interviews betonen, doch offensichtlich ist es der als einziger noch mit Dengler in Kontakt stehende Kessler, für den "El Pintor" einfach ein weiteres Interpol-Album darstellt. Banks dagegen macht keinen Hehl daraus, dass die nicht schon vorab in Stein gemeißelten Basslinien Denglers für ihn dieses Mal einen neuen Freiraum beim Melodienfinden bedeuteten. Fogarino lobte derweil die Tatsache, dass man entgegen 2010 endlich wieder gemeinsam in einem Raum spielte. Wie auch immer: Mit den im "Antics"-Style wabernden "My Blue Supreme" und "Tidal Wave" sowie dem zähen, desillusionierten "Twice As Hard" gelingen Interpol weitere Manifeste, die die atmosphärischen Stärken der Band betonen, ohne in alten Mustern zu verharren. Zumal in den Letztgenannten auch der Interpol-typische Crescendo-Wahnsinn wieder zu voller Blüte auffährt. In seiner Gesamtheit gerät "El Pintor" damit zu einem Album, das auch ganz ohne Bassisten-Diskussionen überzeugt. Selbst wenn Songs wie "Breaker 1" und "Ancient Ways" eher zum Durchatmen fürs Album-Finish taugen: Zwölf Jahre nach "Turn On The Bright Lights" sind Interpol wieder eine unverzichtbare Größe im Indierock-Sektor. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 8. September 2014 | Soft Limit

Hi-Res
Bassist steigt bei Band X aus. Auch in dieser Redaktion fragt man sich in solchen Fällen öfter, ob diese Neuigkeit nun unbedingt eine Meldung wert ist. Der Sänger als identifikationsstiftendes Band-Abbild, der Gitarrist als meist extrovertierte Figur: Da stellt niemand Fragen. Aber die Nischenposition am Bass? Interessiert die irgendwen? Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: in den meisten Fällen nicht. Wie anders die Uhren bei der Band Interpol ticken, konnte in diesem Punkt vor vier Jahren am Ausstieg des Bassisten Carlos Dengler, von Fans ehrfurchtsvoll Carlos D. genannt, beobachtet werden. Ein Mann mit vielen Gesichtern, noch mehr Frisuren und den schönsten Oktavspielereien an seinem Gerät von allen Retro Rock-Bands seit 2001. Ist so ein Mann, auf dessen Konto immerhin songtragende Killer-Bassmomente wie in "Evil" und "The Heinrich Maneuver" gehen, ersetzbar? Die schlichte wie überraschende Antwort lautet: Ja. Ziemlich einfach sogar. Und zwar nicht, weil Neu-Bassist und Sänger Paul Banks den eigentümlichen Dengler-Stil zu kopieren versuchen würde. Banks' Spiel ist vergleichsweise reduziert, aber dennoch pointiert genug, um das Fehlen Denglers gar nicht richtig greifbar werden zu lassen. Eine achtlose, anämische Vorstellung war der geschmackssicheren Gruppe nach solch einer Zäsur auch nicht zuzutrauen, erst recht nicht nach der doch rätselhaften und schon unter erschwerten Bedinungen entstandenen, letzten Platte "Interpol". Diese klang wie eine in Ton gegossene Verweigerung nach dem kommerziell missglückten Major-Debüt mit "Our Love To Admire" auf EMI - ein Gedankenkonstrukt, das selbstverständlich alle Mitglieder bestreiten. Dass Denglers Abschied ausgerechnet auf die mäßigste und überfrachtetste Produktion der gesamten Interpol-Diskographie fiel, wird einem erst im Lichte von "El Pintor" so richtig bewusst. Same Band, New Story: Banks, Gitarrist Daniel Kessler und Drummer Sam Fogarino lassen ihrem Sound endlich wieder die Freiräume, die ihn so unverwechselbar machen. Die Single "All The Rage Back Home" enttäuscht da fast schon - und das obwohl sie mit einer zarten Gitarrenline beginnt, die mich entfernt an den Übertrack "Rest My Chemistry" erinnert. Als dann gleich die tonnenschwere Traurigkeit in Banks' Stimme so butterweich in Kesslers engmaschiges Emotionsnetz fällt ("When she went 'There Love, come over' / My head abounds / Oh, the feelings"), scheint der Auftakt geglückt, doch diese Steilvorlage zum Klassiker verbaut sich die Band, indem sie unnötigerweise in einen Uptempo-Part galoppiert, der im Interpol-Kontext nur Business as usual darstellt. Davon abgesehen zählen auch Banks' Fußballchor-ähnliche "Hey hey hey hey"-Einschübe gegen Ende nicht zu seinen größten Momenten. Man will jetzt aber mehr, mit oder ohne Dengler, und "My Desire" liefert prompt. Der Song sprengt alle gekannten Konventionen: Ein echobeladenes Kessler-Riff, das eigentlich gar keines ist und nur aus drei Tönen besteht, hallt im luftleeren Raum, wird erst mit Fogarinos Einsatz geerdet und stimuliert Banks endlich wieder zu einer dieser hymnischen Melodien, die sofort alle Schleusen öffnen. Mit jedem Hören des Tracks offenbaren sich neue Soundmomente und Effektspielereien, gerade Kesslers zahlreiche Gitarreneinschübe in der Bridge sind kaum fassbar. Als weiterer Übertrack spielt sich "Same Town, New Story" in die Alltime-Bestenliste der Band: Wieder steht nicht der Bass, sondern Kesslers außerirdische Gitarrenfigur im Vordergrund, die mit der Präzision eines Metronoms voranschreitet. Doch mehr noch als in "My Desire" reißt Banks das Ruder an sich und veredelt die Nummer mit großartiger Melodie und gefühlvollem Backgroundgesang. Anders als etwa beim Uptempo-Stück "Anywhere", das sehr ans erste Album erinnert, begeistert "Same Town, New Story" mit Akkordfolgen, die man so von der Band noch nie gehört hat. Und was genau war dieses Mal so anders? Da gehen die Meinungen innerhalb der Band auseinander. Zwar wolle man Dengler nichts Böses, wie alle unisono in Interviews betonen, doch offensichtlich ist es der als einziger noch mit Dengler in Kontakt stehende Kessler, für den "El Pintor" einfach ein weiteres Interpol-Album darstellt. Banks dagegen macht keinen Hehl daraus, dass die nicht schon vorab in Stein gemeißelten Basslinien Denglers für ihn dieses Mal einen neuen Freiraum beim Melodienfinden bedeuteten. Fogarino lobte derweil die Tatsache, dass man entgegen 2010 endlich wieder gemeinsam in einem Raum spielte. Wie auch immer: Mit den im "Antics"-Style wabernden "My Blue Supreme" und "Tidal Wave" sowie dem zähen, desillusionierten "Twice As Hard" gelingen Interpol weitere Manifeste, die die atmosphärischen Stärken der Band betonen, ohne in alten Mustern zu verharren. Zumal in den Letztgenannten auch der Interpol-typische Crescendo-Wahnsinn wieder zu voller Blüte auffährt. In seiner Gesamtheit gerät "El Pintor" damit zu einem Album, das auch ganz ohne Bassisten-Diskussionen überzeugt. Selbst wenn Songs wie "Breaker 1" und "Ancient Ways" eher zum Durchatmen fürs Album-Finish taugen: Zwölf Jahre nach "Turn On The Bright Lights" sind Interpol wieder eine unverzichtbare Größe im Indierock-Sektor. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 24. August 2018 | Matador

Mehr als fünfzehn Jahre nach dem Geniestreich im Jahre 2002 dank Turn On the Bright Lights, einem Meisterwerk des Postpunk-Revivals, meldet sich das zum Trio gewordene Quartett Interpol mit Marauder zurück. Seit Antics ließen die New Yorker mit zwei passablen Alben hintereinander von sich hören, nämlich mit Our Love to Admire und Interpol sowie mit dem betörenden El Pintor, das, ohne Carlos D., als Rückkehr zur alten Form anzusehen war. Ihr jüngster, manchmal etwas hohle Versuch zieht sich in die Länge und die Hälfte hätte wohl auch gereicht. Trotz eines ersten Abschnitts mit einem Hang zu keineswegs unerlässlichem Pop (Mountain Child, Stay in Touch, Flight of Fancy) findet man hier erneut diesen „ Interpol-Sound“ (The Rover) und als Abschluss die expressiven Tracks It Probably Matters und Party’s Over. Zweimal lässt einen dieses Opus aufatmen, denn Interlude 1 und 2 sind eine Ehrerweisung an Turn On the Bright Lights und seine seltsamen Obstacle 1 und 2.  Die Fans werden dort auf ihre Kosten kommen, da Banks eine autobiografische Seite hervorkehrt. „Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich Teile meines eigenen Lebens zu einem Roman verarbeiten kann.“ Und wieder waren Interpol in Sachen Produktion recht sorgfältig. Nachdem die Gruppe Our Love to Admire oder Interpol zusammen mit Alan Moulder gemacht hatte, wurde sie hier vom erstklassigen Produzenten Dave Fridmann betreut, dem Ex-Mitglied von The Flaming Lips und Mercury Rev. Jetzt, wo man weiß, dass Interpol auch ohne Carlos D. existieren kann, fragt man sich, ob sie irgendwann in der Lage sein werden, ihre Formel zu variieren. © Charlotte Saintoin/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. Mai 2019 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 6. September 2010 | Soft Limit

Alternativ und Indie - Erschienen am 23. August 2005 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 29. Juni 2010 | Soft Limit

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Alternativ und Indie - Erschienen am 20. August 2014 | Soft Limit

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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. Februar 2021 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 12. Dezember 2018 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Juni 2018 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 10. Juli 2014 | Soft Limit

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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. September 2004 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 30. Juli 2018 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 8. Juli 2002 | Matador