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Jazz Fusion & Jazzrock - Erschienen am 26. Oktober 1973 | Columbia - Legacy

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Mellotron, Vocoder, Clavinet und dieser ganze analog-elektronische Schnickschnack: "Er kann einfach alles", jammerte Miles Davis über seinen ehemaligen Schützling Herbie Hancock. "Wenn ich etwas noch nicht kenne, will ich es essen. Wenn ich etwas sehe, das ich nicht kenne, probiere ich es und frage erst dann, was es ist", erwidert der Mann, der die elementare Kernfusion von Jazz und Funk zu verantworten hat. Es ist 1973. Die meisten berühmten Jazzer aus den Fünfzigern gelten als reizbare Diven oder unberechenbare Junkies - Hancock ist ein Dude. Seine Kollegen sind nicht selten selbsternannte Puristen - Hancock ist ein sonniges, sound- und technikvernarrtes Spielkind, das das übersteigerte Geschichtsbewusstsein der Jazzhörer bedauert und sich so ziemlich jedes neue Musikspielzeug zum Herumfummeln kauft und für seine Zwecke vereinnahmt, sobald es auf den Markt geworfen wird. Dabei, und da hat der gelernte Ausnahmepianist nicht Unrecht, bietet Jazz die größte Spielfläche, die maximale Freiheit zum Ausprobieren – und wird doch immer wieder von seinen Anhängern zum exklusiven Schrebergartenverein eingezäunt. Es passt eigentlich nur, dass der Technikfreak Hancock Buddhist ist. Missionieren zugunsten eines elitären Alleingeltungsanspruchs liegt ihm nicht, auch wenn er in schon vor Jahren mit großem Erfolg in Miles Davis' Quartett gespielt hat. Was ihm viel eher liegt: Pop und Jugend, zwei Worte, die von der Jazzintelligenzja meist nur verächtlich schnaubend ausgesprochen werden. Der Bandleader aus Chicago findet auch dafür einfache Worte: "Ich werde mich immer mit jugendorientierter Musik befassen, weil ich nicht vergessen habe, dass ich auch einmal jung war." Beim Erscheinen von "Head Hunters" 1973 heißt der Ausdruck dieses Zeitgeistes und nicht zuletzt eines neuen schwarzen Selbstbewusstseins: Funk. Auf dem Cover: Ein Typ mit goldenen Händen am Fender-Rhodes-Keyboard, statt eines Kopfs ein Gesicht aus Knöpfen und Pegeln. Es lächelt – und der Inhalt lächelt auch. Willkommen im zugänglichen Funksouljazzland mit extrawarmem Black Music-Sound, hier darfst du deinen Hintern auch ohne Musikdiplom schwingen. Der fette, fünfzehnminütige Opener "Chameleon" schleift den Hörer vom ersten Ton im Basslauf an mit. Das Stück ist großzügig entlehnt von Rufus Thomas' "Funky Robot" und gibt den einzelnen Bandmitgliedern nacheinander Raum zur Entfaltung, bevor Hancock in langen Jamsoli selbst die Materialgrenzen seiner Synthies auslotet. Gitarren sucht man übrigens auf der ganzen Platte vergebens – und vermisst sie auch gar nicht. Insgesamt ist die Stimmung des Albums leicht, swingend, enorm positiv und fröhlich, der Spannungsbogen ist so tight wie das Saxophon von Bennie Maupin. Der Trip endet mit der raffiniert aufgebauten Ballade "Vein Melter". Die bringt den Puls wieder ganz sanft nach unten, bevor man reflexartig auf die Repeat-Taste drückt. "Watermelon Man" schrieb Hancock schon über zehn Jahre zuvor, nämlich 1962 für sein erstes Album als Bandleader, "Takin' Off". Nicht lange danach nahm der kubanische Perkussionist Mongo Santamaria das Stück in einer radiofreundlichen Dreiminutenversion mit Cha-cha-Beat auf und landet damit überraschend auf Platz zehn der Popcharts und somit auf den Tanzflächen zwischen anderen Souljazz-Nummern. Das hätte nicht besser laufen können für Herbie: Die Tantiemen des Stücks zahlten Hancocks Rechnungen über fünf dürre Jahre, in denen er mit seinem Sextett vor halbleeren Rängen experimentierte und kosmisch-abgedrehte, aber leider finanziell floppende Alben herausbrachte. Nach dem leicht esoterischen Ganzweitdraußen-Album "Crossings" hatte Hancock nun Lust, die weiten Sphären gegen eine große Portion zeitgenössische Bodenhaftung und Dreck einzutauschen. Seine für dieses Album erstmals zusammengestellte Band The Headhunters war daher eigentlich ein an Sly Stone (nach dem eins der vier Stücke benannt ist) und James Brown angelehntes Funk-Ensemble mit Jazz im Herzen und Groove in der Hüfte. In dieser neu aufgenommenen Version stechen besonders Drummer Bill Summer und sein Fuhrpark an abgefahrenen Perkussionsinstrumenten heraus. Zu Herbies blubbernden Synthesizern pustet er über Bierflaschen, rasselt auf der Casaba und gibt dem fast schon aufreizend verlangsamten Funk durch die sonst im Samba eingesetzten Agogo-Glocken einen warmen, erdigen, afrikanischen Anstrich. "Watermelon Man" hat sich zu einem absoluten Jazzstandard entwickelt, es wurde über zweihundert Mal aufgenommen und wahrscheinlich ähnlich oft in Samples verwendet – unter anderem von LL Cool J und Madonna, vielleicht am elegantesten aber in "Open Your Eyes" von Organized Konfusion. Sinnlos allerdings, dieses Fass aufzumachen. Frank Zappa, 2Pac, Nas, Unkle, Beck – sie alle samplen von den vier Übertracks auf "Head Hunters". In Sachen Hancock selbst markierte "Head Hunters" eine tendenzielle Hinwendung zur Elektronik, die ihn noch über viele Jahre begleiten sollte. Ganz klar, dass davon dann nicht alles das Gelbe vom Ei war. Nicht jeder kann sich mit den fisseligen Fitnessvideo-Drummachines des Hits "Rockit" anfreunden ("Future Shock" vom gleichnamigen Album ist allerdings ein ziemlich cooler Funkohrwurm). Nicht jede von Herbies Disco-Platten hält den Standard seines überwiegenden Portfolios. Macht aber nix, denn "Head Hunters" bleibt ein kleines Stück Genius in Groove. Abgesehen davon sind die Neugierde und der Mut, Risiken einzugehen, Hancock nicht hoch genug anzurechnen, weil nur so Dinge in Bewegung bleiben und sich erneuern können. Das wunderschöne Jazzbastard-Universum rund um "Head Hunters" ist groß und schillernd. Wer weiterhören mag, kann sich von diesem Gravitationszentrum aus in alle Richtungen begeben: ein Stückchen rückwärts zu fiebrig improvisiertem Jazzrock von Miles Davis' "Bitches' Brew", im Ausfallschritt zur Seite (Latin Jazz von Ray Barretto oder die grandiose "Mojo Club presents Dancefloor Jazz"-Reihe), hinunter in die Untiefen des leicht schmuddeligen Glitzer-Funks eines Bootsy Collins oder eine Etage höher zum jazzdurchwebten, federnden Hip Hop der zeitlosen A Tribe Called Quest. Oder ganz weit vorwärts in den Club zu Theo Parrish und Moodymann, die die Black Music-Wurzeln des Jazz über den Spaceboy Sun Ra zum House weiterdenken. Spätestens dann aber bitte die Krawatte und die Scheuklappen wegschmeißen. © Laut
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Jazz - Erschienen am 21. September 2010 | Hancock Records

Auszeichnungen 4 étoiles Rock and Folk
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Jazz - Erschienen am 22. November 2013 | Columbia - Legacy

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Diese Drei scheinen sich bereits seit Sandkasten-Zeiten zu kennen… Im Sommer 1977 schließen sich die virtuosen Ex-Mitglieder des zweiten Quintetts von Miles Davis im Automatt-Studio in San Francisco ein, um alle, die dies vergessen haben könnten, an den Klang ihrer Komplizenschaft zu erinnern. Zwei Alben werden aus diesen Sessions geboren: Third Plane unter dem Label Milestone und Herbie Hancock Trio unter Columbia. Und die Prozedur wird fünf Jahre später noch einmal wiederholt, das Ganze erscheint unter dem Titel Herbie Hancock Trio With Ron Carter & Tony Williams. Jeder bringt hier eines seiner eigenen Themen mit ein (Dolphin Dance von Hancock, Slight Smile von Carter und Maison Goree von Williams), plus zwei weitere Standards (Stable Mates von Benny Golson und That Old Black Magic von Harold Arlen und Johnny Mercer), das Ganze in einer höchst edlen Verpackung. Die drei Freunde setzen ihre Vorliebe für Fusion/Jazz, welcher seit Mitte der 70er Jahre in dem Milieu auf dem Vormarsch ist, auf Standby, um zu samtweichem Hard Bop zurückzukehren. Revolution scheint hier also dieses Mal nicht an der Tagesordnung zu stehen. Aber dafür beeindruckender Swing und höchst interessante Improvisationen! © Marc Zisman/Qobuz
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