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4 Alben sortiert nach Am meisten ausgezeichnet und gefiltert nach Epic - Razor Sharp Records und 20,00 Fr. bis 50,00 Fr.
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 13. Juli 1999 | Epic - Razor Sharp Records

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 27. Januar 2000 | Epic - Razor Sharp Records

Jesus, Yeezus liebt den Ghostface Killah und adaptierte für seine legendären Jay-Z-Beats bewusst den Style von "Supreme Clientele". Bäm! Meilenstein-Berechtigung: Check. Doch dazu später mehr. Nähern wir uns dem einzigartigen Album lieber auf althergebrachte Art: Shaolin-Style, sozusagen. "In the new millennium cities, watch what I do / I'm bout to save hip hop like Ghost did the Wu." OG Freddie Foxxx lauscht seit jeher mit einem Ohr der Straße und erkennt 2000 im Track "RNS Real Nigga" die Zeichen der Zeit: Ghostface aka Tony Starks aka Iron Man schultert zur Jahrtausendwende ganz allein den schweren, auf den Boden des Hudson Rivers sinkenden Rucksack und zieht mit seinem zweiten Album "Supreme Clientele" die Kung-Fu-Karre wieder aus dem Schlamm. Dafür mixt er vollkommen abgedrehte Lyrics, Soul-Bap-Banger im harten New York-Gewand, sympathische Großmäuligkeit, Ironman-Referenzen, schräg-sägende Hooks, Beats, die nur einen Scratch loopen, und Gespräche über das Flachlegen sämtlicher Frauen im Rapgame zu einem irrwitzigen und seltsamerweise vollkommen stimmig schmeckenden Cocktail. Doch warum muss der Wu damals überhaupt gerettet werden? Für uns Wu-Heads regierten Mastermind RZA und Co. doch die Welt. Wu World Order und so. Selbst jeder C-Klasse-Reim der Familie wird auch im siebten Jahr nach den "36 Chambers" gefeiert wie die Geburtstagsfete vom Mafia-Paten in Staten Island. Objektiv betrachtet jedoch hielten 99er-Alben wie Raekwons "Immoblarity", Inspectah Decks "Uncontrolled Substance" oder U-Gods "Golden Arms Redemption" dem Druck der ersten Solo-Platten nicht stand (Ausnahmen wie Sunz Of Man oder LA The Darkman bestätigen die Regel). Da saßen wir nun im Auto, deaf, dumb and blind, und zeigten uns zu Songs wie "Dat Gangsta" oder "Show N Prove" selbstherrlich die eigenen Wu-Tätowierungen. Ruff Ryders, Rawkus, alles irrelevant. Instinktiv ahnte aber wohl selbst der stanigste Stan, also wiederum me, myself and I, schon Ende 1999 den anhaltenden Bedeutungsverlust. Doch dann kam "Apollo Kids". Drei Jahre lang hatte der gute Ghost nach seinem "Ironman"-Debüt an den "Poisonous Darts" gefeilt und eröffnete das kleine Comeback auf jener ersten Single dementsprechend wütend. "All y'all fake motherfuckers up in the joint, huh / Stealin' my light, huh." Schon die ersten Zeilen stellen klar: Ghost kleckert nicht, er klotzt. Im Video besucht er in einen Bling Bling-Bademantel gewandet die Wallabees-Fabrik und schnallt sich zu guter Letzt noch sämtliche Championgürtel um wie Floyd Mayweather. Pimp, Player, ohne Ton könnte man denken, Master P und der No Limit-Hype hätte den Wu um den Pinky Ring-Finger gewickelt. Mit Ton flowt der Staten Island-Emcee jedoch alles in Grund und Boden und die Fans um den Verstand: "Since the face been revealed, game got real / Radio been gassing niggas, my imposters scream they're ill / I'm the inventor, '86 rhyming at the center / Debut '93 LP told you to enter." Der Beat von Hassan knistert und funkt dazu breitbeinig über Solomon Burkes "Cool Breeze". Dass auf "Apollo Kids" zum Schluss noch Ghosts kongenialer Partner Raekwon auftritt, vergessen selbst eingefleischte Killa Beez. Zu dominant kommt der Killah hier zurück ins Game und steht zum ersten Mal komplett auf eigenen Füßen. Boogie Down-Legende Sean Price nennt diese Entwicklung 2012 in einem ausführlichen Complex-Artikel als einen der wichtigsten Gründe für den Erfolg und den Klassikerstatus von "Supreme Clientele": "'Ironman' war Ghostface featuring Raekwon, so dass es klang wie 'Cuban Linx Part II'. Auf 'Supreme Clientele' hob Ghost seine Skills auf ein neues Level. Ich denke, er wollte alle anderen einfach an die Wand rappen." Genau das tut er, als die Platte im Februar 2000 erscheint. "Swing the John McEnroe, rap rock'n'roll / Tidy Bowl, gun hold pro, Starsky with the gumsole / Hit the rum slow, parole kids, live Rapunzel" - selbst Nerds brauchen Stunden, um die Zeilen des Openers "Nutmeg" ganz zu verstehen. Der energetische Flow ist nicht von dieser Erde und irgendwie fühlt man, was Tony hier vor sich hin reimt. Dass der unbekannte Producer Black Moes-Art - tatkräftig unterstützt vom RZA, der zu jeder Zeit des Albums die Soundfäden wie ein Puppenspieler in der Hand hält - mit der Zerstücklung von Eddie Holmans "It's Over" nebenbei den Loopprint für die 2013er Sounds von Alchemist und Roc Marciano legt, gerät bei so viel Mic-Magie fast zur Nebensache. Gar noch krasser wirbelt der Wu-Retter beim folgenden "One" durch die Booth. Während Beatnuts-Juju einen straight und klar produzierten Piano-Kopfnicker in den Rechner legt, züngelt sich Ghost durch Silben und Slang Editorials, als würde Fischers Fritze frische Fische fischen. "That verse is dumb and that flow is crazy", steht auch Sean Price der Mund danach weit offen. Direkt im Anschluss knallt Bad Boy Carlos Broady noch den kurzen, orchestralen Nackenbrecher "Saturday Nite" hintendran und lässt den Hörer endgültig mit Schnappatmung aufs Sofa sinken. Ließen bereits diese ersten drei Tracks Mister West, Mister West zum Yeezus werden? Inspirierten sie ihn so sehr zu seinem Soul-Reload? Bekam Jay-Z dank ihnen den Karriereboost zum Best Rapper Alive? Im Buch "Kanye West In The Studio: Beats down! Money Up! (2000 – 2006)" von Jake Brown äußert sich Kanye jedenfalls eindeutig: "Eigentlich hatten wir – Just Blaze und ich - all die 'The Blueprint'-Beats nicht für Jay sondern für Ghostface gebaut. Er hatte uns mit seinen Alben so geprägt. Er war der einzige, der zur Jahrtausendwende etwas Großartiges rausgebracht hat. Er war der beste Rapper. Unser Lieblingsrapper. Ich verdanke meinen Style nur ihm." Auf den Punkt gebracht: Ohne God Ghost kein Yeezus. Wir wissen nicht, ob sich der Wu-Bruder Nummer eins nach dem ersten Durchlauf von "Slaves" immer noch über die Liebe freut. Fakt ist, dass sich seit jeher Jigga-Fans und Wu-Heads in Foren batteln wie Mönche. Für laut.de indes beantwortete ein Kollege diese Frage schon damals in der "Blueprint"-Review von 2001. Entschlackt man den streitbaren, und aus Sicht des Autors dieser Zeilen hier komplett falsch gepolten Text auf einen kleinen, relevanten Kern, kann die Kopie tatsächlich niemals besser sein als das Original: "Die Sounds sind schön glattgebügelt, die meisten Beats wurden schon vor 50 Jahren erfunden und werden in dieser Art seit mehr als zehn Jahren gesamplet, Raps in der Strophe und hohe Frauenstimmen im Refrain mit Soulgesang", so die Meinung des Kollegen. Genau diese Dinge sucht man auf "SC" vergeblich. Der RZA persönlich entfremdet und loopt sich allein auf "Ghost Deini" durch Michael Massers "My Hero Is a Gun", Mary Jane Girls "All Night Long", "Nightshift" von den Commodores sowie "Move The Crowd" von Eric B. & Rakim. Wo Hova die legendäre Mary J braucht, croont Ghost sich einfach selbst über die Bridge: "Marvin, Marvin, you were a friend of mine / You stood for somethin, ugh 2Pac, Biggie, ohh how we miss you so / We want y'all both to know / We really love you so." The Abbott hypnotisiert auch auf "The Grain" mit wahnwitzigem Loop-Game und lässt den nickenden Kopf nicht mehr aus dem Cobra Clutch. Ghost spielt hier Ol' Dirtys Rolle vom Verschwörungstheoretiker: "Fingering Pamela Lee / We on the balcony / Dare one of ya'll to Malcolm X me / Somebody might catch a Kennedy." Wenn einen das FBI abhört und ein Kollege ständig von Überwachungen durch den Papst phantasiert, sind dies wohl normale Annahmen. Das folgende "Buck 50" wäre dagegen 'nur' klassischer Wu-Soul-Bap, wie er eigentlich auf allen Alben seit 1997 zeitlos auftauchen könnte – ja, wäre da nicht die deepste Zeile aller Zeiten: "Supercalifragalisticexpialidocious / Dociousaliexpifragalisticcalisuper / Cancun, catch me in the room, eating grouper." Über die Jahre fragten sich Digga und Diggarettes immer wieder, warum der Ironman trotz unglaublicher Nachfolgesolos wie "Bulletproof Wallets", "The Pretty Toney Album" oder "Fishscale" nie mehr diesen lyrischen Wahnsinn ablieferte. Einige wenige folgen daher den späteren Aussagen von Knastbruder Superb aus dem Raekwon-Umfeld. Jener Superb nahm für sich in Anspruch, die Vielzahl der "SC"-Lyrics geschrieben zu haben. Immerhin outete er sich neben Pädophilie-Vorwürfen auf dem späteren Ghost-Track "Flowers" als überaus talentierter Verseschmied, dessen Zeile "I'm not a gangster and I hate thugs too / I'm just a nigga that paint a picture without a paintbrush tool" immer noch zu meiner GOAT-Zeile gehört. Auch G-Units Tony Yayo folgte in einem Interview mit 50 Cent - irgendwann 2010 - dieser Theorie. Fifty wiegelte damals sofort ab. Die Zeiten von Stress zwischen den Camps sollten definitiv der Vergangenheit angehören. Im Jahre 2000 jedoch steht die Szene nach seinem "How To Rob A Industry Nigga"-Diss noch unter Strom. Damals rappte der junge Curtis: "... Catch Rae Ghost and RZA for them funny ass rings." Auf dem "Clyde Smith"-Skit von "Supreme Clientele" antwortet ihm Ghost (oder Rae) mit verstellter Stimme: "Straight up, yo that nigga 50 Cent? / That's yo, I don't even know why he try to do that little dumb ass shit / Right there / But I'm a tell you something / You could say all them other niggas name / But niggas, niggas gon see them based on that big daddy / I know why they ain't bark on you / Cuz they ain't try to let your new broke ass trying to come out in the game / And act like they lettin you live off they scruff / Ok, you ain't even that big, dick / And if I see you up in here / I'm a have about 500 wolves on you." Die Rap-Foren drehen sofort durch, Rufer in der Wüste unken, ein Krieg zwischen den Lagern stehe kurz bevor. 50 Cent gilt als echter Gangster, seine Truppe sowieso, und Ghost hat laut diverser RZA- und Shyheim-Interviews alleine ganze Clubs zerlegt. Von der Wu-Gang ganz zu schweigen. Gerüchte machen die Runde, dass Ghost Fifty eine Treppe runtergeworfen habe (was nicht stimmt, einen solchen Abgang gönnte Ghost nur Mase), kleinere Diss-Tracks zwischen den Lagern erscheinen, doch die Lage bleibt ruhig. Gut unterrichteten Quellen im Jahre 2000 zufolge treffen sich die beiden Parteien mit mehreren Hundert Goons als Schutz und verabreden einen Burgfrieden. Im Endeffekt symbolisiert auch der Clyde Smith-Skit nur Ghosts überlaufendes Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Ein Selbstvertrauen, das sich natürlich auch in den restlichen Stücken der Scheibe Bahn bricht. Auf dem böse polternden "Mighty Healthy" referenziert er nebenbei den 1987er Underground-Hit "Holy War" von Divine Force ("Shake that body, party that Body"), feiert mit dem fast italo-elektro-poppigen "Cherchez La Ghost" seinen größten Single-Hit und fliegt förmlich über RZAs verstörenden Rückwärts-Scrachloop auf "Stroke Of Death". Dank all dieser und der folgenden Wu-Banga half Ghost dem Wu über die miesen Jahre und zu weiteren Gold- und Platinauszeichnungen. Gleiches soll 2010 Raekwon mit dem "Cuban Linx"-Sequel gelingen. Freddie Foxxx hatte also Recht. So scort nicht nur Sean Price im internen Ironman-Duell 9:3 für "Supreme Clientele". Ergo gehören ihm auch die letzten Worte: "Alle dachten, der Wu wäre am Ende, und Ghost brachte ihn zurück. Er brachte ihn nicht nur zurück, sondern tat dies ganz alleine." © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 8. Februar 2000 | Epic - Razor Sharp Records

Jesus, Yeezus liebt den Ghostface Killah und adaptierte für seine legendären Jay-Z-Beats bewusst den Style von "Supreme Clientele". Bäm! Meilenstein-Berechtigung: Check. Doch dazu später mehr. Nähern wir uns dem einzigartigen Album lieber auf althergebrachte Art: Shaolin-Style, sozusagen. "In the new millennium cities, watch what I do / I'm bout to save hip hop like Ghost did the Wu." OG Freddie Foxxx lauscht seit jeher mit einem Ohr der Straße und erkennt 2000 im Track "RNS Real Nigga" die Zeichen der Zeit: Ghostface aka Tony Starks aka Iron Man schultert zur Jahrtausendwende ganz allein den schweren, auf den Boden des Hudson Rivers sinkenden Rucksack und zieht mit seinem zweiten Album "Supreme Clientele" die Kung-Fu-Karre wieder aus dem Schlamm. Dafür mixt er vollkommen abgedrehte Lyrics, Soul-Bap-Banger im harten New York-Gewand, sympathische Großmäuligkeit, Ironman-Referenzen, schräg-sägende Hooks, Beats, die nur einen Scratch loopen, und Gespräche über das Flachlegen sämtlicher Frauen im Rapgame zu einem irrwitzigen und seltsamerweise vollkommen stimmig schmeckenden Cocktail. Doch warum muss der Wu damals überhaupt gerettet werden? Für uns Wu-Heads regierten Mastermind RZA und Co. doch die Welt. Wu World Order und so. Selbst jeder C-Klasse-Reim der Familie wird auch im siebten Jahr nach den "36 Chambers" gefeiert wie die Geburtstagsfete vom Mafia-Paten in Staten Island. Objektiv betrachtet jedoch hielten 99er-Alben wie Raekwons "Immoblarity", Inspectah Decks "Uncontrolled Substance" oder U-Gods "Golden Arms Redemption" dem Druck der ersten Solo-Platten nicht stand (Ausnahmen wie Sunz Of Man oder LA The Darkman bestätigen die Regel). Da saßen wir nun im Auto, deaf, dumb and blind, und zeigten uns zu Songs wie "Dat Gangsta" oder "Show N Prove" selbstherrlich die eigenen Wu-Tätowierungen. Ruff Ryders, Rawkus, alles irrelevant. Instinktiv ahnte aber wohl selbst der stanigste Stan, also wiederum me, myself and I, schon Ende 1999 den anhaltenden Bedeutungsverlust. Doch dann kam "Apollo Kids". Drei Jahre lang hatte der gute Ghost nach seinem "Ironman"-Debüt an den "Poisonous Darts" gefeilt und eröffnete das kleine Comeback auf jener ersten Single dementsprechend wütend. "All y'all fake motherfuckers up in the joint, huh / Stealin' my light, huh." Schon die ersten Zeilen stellen klar: Ghost kleckert nicht, er klotzt. Im Video besucht er in einen Bling Bling-Bademantel gewandet die Wallabees-Fabrik und schnallt sich zu guter Letzt noch sämtliche Championgürtel um wie Floyd Mayweather. Pimp, Player, ohne Ton könnte man denken, Master P und der No Limit-Hype hätte den Wu um den Pinky Ring-Finger gewickelt. Mit Ton flowt der Staten Island-Emcee jedoch alles in Grund und Boden und die Fans um den Verstand: "Since the face been revealed, game got real / Radio been gassing niggas, my imposters scream they're ill / I'm the inventor, '86 rhyming at the center / Debut '93 LP told you to enter." Der Beat von Hassan knistert und funkt dazu breitbeinig über Solomon Burkes "Cool Breeze". Dass auf "Apollo Kids" zum Schluss noch Ghosts kongenialer Partner Raekwon auftritt, vergessen selbst eingefleischte Killa Beez. Zu dominant kommt der Killah hier zurück ins Game und steht zum ersten Mal komplett auf eigenen Füßen. Boogie Down-Legende Sean Price nennt diese Entwicklung 2012 in einem ausführlichen Complex-Artikel als einen der wichtigsten Gründe für den Erfolg und den Klassikerstatus von "Supreme Clientele": "'Ironman' war Ghostface featuring Raekwon, so dass es klang wie 'Cuban Linx Part II'. Auf 'Supreme Clientele' hob Ghost seine Skills auf ein neues Level. Ich denke, er wollte alle anderen einfach an die Wand rappen." Genau das tut er, als die Platte im Februar 2000 erscheint. "Swing the John McEnroe, rap rock'n'roll / Tidy Bowl, gun hold pro, Starsky with the gumsole / Hit the rum slow, parole kids, live Rapunzel" - selbst Nerds brauchen Stunden, um die Zeilen des Openers "Nutmeg" ganz zu verstehen. Der energetische Flow ist nicht von dieser Erde und irgendwie fühlt man, was Tony hier vor sich hin reimt. Dass der unbekannte Producer Black Moes-Art - tatkräftig unterstützt vom RZA, der zu jeder Zeit des Albums die Soundfäden wie ein Puppenspieler in der Hand hält - mit der Zerstücklung von Eddie Holmans "It's Over" nebenbei den Loopprint für die 2013er Sounds von Alchemist und Roc Marciano legt, gerät bei so viel Mic-Magie fast zur Nebensache. Gar noch krasser wirbelt der Wu-Retter beim folgenden "One" durch die Booth. Während Beatnuts-Juju einen straight und klar produzierten Piano-Kopfnicker in den Rechner legt, züngelt sich Ghost durch Silben und Slang Editorials, als würde Fischers Fritze frische Fische fischen. "That verse is dumb and that flow is crazy", steht auch Sean Price der Mund danach weit offen. Direkt im Anschluss knallt Bad Boy Carlos Broady noch den kurzen, orchestralen Nackenbrecher "Saturday Nite" hintendran und lässt den Hörer endgültig mit Schnappatmung aufs Sofa sinken. Ließen bereits diese ersten drei Tracks Mister West, Mister West zum Yeezus werden? Inspirierten sie ihn so sehr zu seinem Soul-Reload? Bekam Jay-Z dank ihnen den Karriereboost zum Best Rapper Alive? Im Buch "Kanye West In The Studio: Beats down! Money Up! (2000 – 2006)" von Jake Brown äußert sich Kanye jedenfalls eindeutig: "Eigentlich hatten wir – Just Blaze und ich - all die 'The Blueprint'-Beats nicht für Jay sondern für Ghostface gebaut. Er hatte uns mit seinen Alben so geprägt. Er war der einzige, der zur Jahrtausendwende etwas Großartiges rausgebracht hat. Er war der beste Rapper. Unser Lieblingsrapper. Ich verdanke meinen Style nur ihm." Auf den Punkt gebracht: Ohne God Ghost kein Yeezus. Wir wissen nicht, ob sich der Wu-Bruder Nummer eins nach dem ersten Durchlauf von "Slaves" immer noch über die Liebe freut. Fakt ist, dass sich seit jeher Jigga-Fans und Wu-Heads in Foren batteln wie Mönche. Für laut.de indes beantwortete ein Kollege diese Frage schon damals in der "Blueprint"-Review von 2001. Entschlackt man den streitbaren, und aus Sicht des Autors dieser Zeilen hier komplett falsch gepolten Text auf einen kleinen, relevanten Kern, kann die Kopie tatsächlich niemals besser sein als das Original: "Die Sounds sind schön glattgebügelt, die meisten Beats wurden schon vor 50 Jahren erfunden und werden in dieser Art seit mehr als zehn Jahren gesamplet, Raps in der Strophe und hohe Frauenstimmen im Refrain mit Soulgesang", so die Meinung des Kollegen. Genau diese Dinge sucht man auf "SC" vergeblich. Der RZA persönlich entfremdet und loopt sich allein auf "Ghost Deini" durch Michael Massers "My Hero Is a Gun", Mary Jane Girls "All Night Long", "Nightshift" von den Commodores sowie "Move The Crowd" von Eric B. & Rakim. Wo Hova die legendäre Mary J braucht, croont Ghost sich einfach selbst über die Bridge: "Marvin, Marvin, you were a friend of mine / You stood for somethin, ugh 2Pac, Biggie, ohh how we miss you so / We want y'all both to know / We really love you so." The Abbott hypnotisiert auch auf "The Grain" mit wahnwitzigem Loop-Game und lässt den nickenden Kopf nicht mehr aus dem Cobra Clutch. Ghost spielt hier Ol' Dirtys Rolle vom Verschwörungstheoretiker: "Fingering Pamela Lee / We on the balcony / Dare one of ya'll to Malcolm X me / Somebody might catch a Kennedy." Wenn einen das FBI abhört und ein Kollege ständig von Überwachungen durch den Papst phantasiert, sind dies wohl normale Annahmen. Das folgende "Buck 50" wäre dagegen 'nur' klassischer Wu-Soul-Bap, wie er eigentlich auf allen Alben seit 1997 zeitlos auftauchen könnte – ja, wäre da nicht die deepste Zeile aller Zeiten: "Supercalifragalisticexpialidocious / Dociousaliexpifragalisticcalisuper / Cancun, catch me in the room, eating grouper." Über die Jahre fragten sich Digga und Diggarettes immer wieder, warum der Ironman trotz unglaublicher Nachfolgesolos wie "Bulletproof Wallets", "The Pretty Toney Album" oder "Fishscale" nie mehr diesen lyrischen Wahnsinn ablieferte. Einige wenige folgen daher den späteren Aussagen von Knastbruder Superb aus dem Raekwon-Umfeld. Jener Superb nahm für sich in Anspruch, die Vielzahl der "SC"-Lyrics geschrieben zu haben. Immerhin outete er sich neben Pädophilie-Vorwürfen auf dem späteren Ghost-Track "Flowers" als überaus talentierter Verseschmied, dessen Zeile "I'm not a gangster and I hate thugs too / I'm just a nigga that paint a picture without a paintbrush tool" immer noch zu meiner GOAT-Zeile gehört. Auch G-Units Tony Yayo folgte in einem Interview mit 50 Cent - irgendwann 2010 - dieser Theorie. Fifty wiegelte damals sofort ab. Die Zeiten von Stress zwischen den Camps sollten definitiv der Vergangenheit angehören. Im Jahre 2000 jedoch steht die Szene nach seinem "How To Rob A Industry Nigga"-Diss noch unter Strom. Damals rappte der junge Curtis: "... Catch Rae Ghost and RZA for them funny ass rings." Auf dem "Clyde Smith"-Skit von "Supreme Clientele" antwortet ihm Ghost (oder Rae) mit verstellter Stimme: "Straight up, yo that nigga 50 Cent? / That's yo, I don't even know why he try to do that little dumb ass shit / Right there / But I'm a tell you something / You could say all them other niggas name / But niggas, niggas gon see them based on that big daddy / I know why they ain't bark on you / Cuz they ain't try to let your new broke ass trying to come out in the game / And act like they lettin you live off they scruff / Ok, you ain't even that big, dick / And if I see you up in here / I'm a have about 500 wolves on you." Die Rap-Foren drehen sofort durch, Rufer in der Wüste unken, ein Krieg zwischen den Lagern stehe kurz bevor. 50 Cent gilt als echter Gangster, seine Truppe sowieso, und Ghost hat laut diverser RZA- und Shyheim-Interviews alleine ganze Clubs zerlegt. Von der Wu-Gang ganz zu schweigen. Gerüchte machen die Runde, dass Ghost Fifty eine Treppe runtergeworfen habe (was nicht stimmt, einen solchen Abgang gönnte Ghost nur Mase), kleinere Diss-Tracks zwischen den Lagern erscheinen, doch die Lage bleibt ruhig. Gut unterrichteten Quellen im Jahre 2000 zufolge treffen sich die beiden Parteien mit mehreren Hundert Goons als Schutz und verabreden einen Burgfrieden. Im Endeffekt symbolisiert auch der Clyde Smith-Skit nur Ghosts überlaufendes Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Ein Selbstvertrauen, das sich natürlich auch in den restlichen Stücken der Scheibe Bahn bricht. Auf dem böse polternden "Mighty Healthy" referenziert er nebenbei den 1987er Underground-Hit "Holy War" von Divine Force ("Shake that body, party that Body"), feiert mit dem fast italo-elektro-poppigen "Cherchez La Ghost" seinen größten Single-Hit und fliegt förmlich über RZAs verstörenden Rückwärts-Scrachloop auf "Stroke Of Death". Dank all dieser und der folgenden Wu-Banga half Ghost dem Wu über die miesen Jahre und zu weiteren Gold- und Platinauszeichnungen. Gleiches soll 2010 Raekwon mit dem "Cuban Linx"-Sequel gelingen. Freddie Foxxx hatte also Recht. So scort nicht nur Sean Price im internen Ironman-Duell 9:3 für "Supreme Clientele". Ergo gehören ihm auch die letzten Worte: "Alle dachten, der Wu wäre am Ende, und Ghost brachte ihn zurück. Er brachte ihn nicht nur zurück, sondern tat dies ganz alleine." © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 16. Oktober 2001 | Epic - Razor Sharp Records

"Introducin, the Ghost..face.. Killah! No one could get illa", krakeelte ein gewisser Ol'Dirty Bastard 1993 beim Song "Da Mystery Of Chessboxin'". Und das angesprochene Wutang-Mitglied versucht seitdem auch alles, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Ein rasender, irrwitziger Flow, originelle Lyrics und soulvolle Beats zeichnen seine zwei erfolgreichen Soloalben "Ironman (96)" und "Supreme Clientel (99)" aus. Aber gemach, gemach. Bevor die Lobeshymne für seinen dritten Streich "Bulletproof Wallets" beginnt, muss ich noch etwas Wichtiges los werden. Die Tracklist auf dem Backcover und im Booklet ist vollkommen durcheinander geraten. Peinlich, peinlich. Es sollte euch also nicht wundern, wenn die Reihenfolge der Songs, die ihr hier bei Laut seht, nicht mit der euer LPs und CDs übereinstimmt. So, nun steht der Review des besten Hip Hop/Rapalbums der zweiten Jahrehälfte 2001 nichts mehr im Wege. "BPW" sollte man zuerst im Kontext seiner früheren Werke sehen. Die ersten Wutang-Soloklassiker "Only Built For Cuban Links" (Raekwon) und "Liquod Swords" (Gza) sind gerade auf Grund ihrer einheitlichen Atmosphäre und inneren Geschlossenheit so legendär. Ghosts Debut "Ironman" (96) enthielt zwar schon Soulsamples und Filmzitate, doch sein Flow war noch nicht ausgefeilt und die Songs zudem über einen längeren Zeitraum aufgenommen. So wirkte die Platte eher wie eine bloße Aneinanderreihung von Tracks. Erst mit "Supreme Clientele" (99) kann er an die genannten Klassiker anknüpfen. Originelle Skits, 70er Jahre Soul-Samples, unsaubere Loops ergeben mit Ghosts schrägem Gesang und extrem schnellen Slang-Rap eine tighte Einheit. Und wo "SC" aufhört, setzt "BPW" an. Wegen des Chaos auf der Trackliste folgt jetzt eine Song-auf-Song-Kritik. "Intro" (feat. Raekwon): Ghostface und sein liebster Wu-Partner Raekwon unterhalten sich über die Mafioso-Namen im Rapgame und finden heraus, dass sie die ersten waren, die damit 1994 angefingen. "Maxine" (feat. Raekwon): Der Rza benutzt hier druckvolle Livedrums à la The Roots. Auch die Instrumente klingen fresh und von Hand bedient. Der Song entwickelt sich am Schluss gar zum reinen Living Colour-Crossover-Funk, ohne dass die Beats jedoch an Power abnehmen. Ghost kommt hier passend mit noch mehr Energie als sonst um die Ecke. Klasse. "Flowers" (feat. Method Man, Raekwon, Superb): Im Internet geisterte dieser Track schon eine ganze Weile herum. Die neue Version ist aber wesentlich weicher. Die Streicher wirken jetzt fast beruhigend und auch der Beat schwebt sanft dahin. Method Man rappt selbst Ghost an die Wand. "Dancefloor packed in, whites, blacks and latins/All in together, together for worst or better/Now I put it down whether, I'ts Methy-Method or Method-ical/Rock, skate, roll, bounce/I'm bound to wreck ya body and say, "Turn the party out!" "Never Be The Same Again" (feat. Raekwon, Carl Thomas): Oohh ja, so muss eine Rap/R'n'B-Kollabo klingen. Soulful, deep und smooth. Genau das Gegenteil also von Ja Rules oberflächlichen, einfach gestrickten Kommerzappeal. Die Songstruktur erinnert zuweilen an Bruda Svens "Ein und Alles" feat. Xavier Naidoo. Ach ja, für alle, die dachten, US-Rapper würden immer nur den Dicken schieben, hier der Gegenbeweis. "It's aiight tho, maybe he came up with the right dough, bigger dick, I don't know, musta been the best blow, this kinda sh*t every man goes through". Ghost wurde von seiner Frau betrogen, ihr versteht. "Teddy-Skit": Kollege Trife gibt frivole Jugenderinnerungen zum Besten, und Ghost singt herzergreifend schmachtend. "Let’s Smoke Some Weed And Let Me Fuck You Too, Real Good." "Theodore" (feat. Trife, Twiz): Der straighte Hip Hop-Beat wird von einer reizenden Glockenspielmelodie getragen. Den Hook trägt der Killah Himself gewohnt schräg vor. "Party People, You’re The Reason Why We Here Cause We’re Love The Game And Our Music Is Project." "Ghost Showers": Das Lied könnte man als "Cherchez La Ghost" Part II sehen. Ghost samplet auch hier wieder einen zuckersüßen Popsong und verpackt ihn in ein schwitzend-bouncendes Gewand. Die Tanzflächen der Clubs werden explodieren, glaubt mir. Das Video dazu ist bereits in Arbeit. "Strawberry" (feat. Killa Sin). Auf jedem Wutang-Album gibt es Tracks, die einen zum Mond fliegen lassen, die klassischen Wu-Banger. Frei nach Peter Steele, nämlich meistens "Slow, Deep and Hard", hier auch mit sägenden Keyboards inclusive. Lyrisch geht es um die Geschichte von "Ghost und dem Groupie". "The Forest": Raekwon singt zu Beginn schön schief ein paar Takte von Louis Armstrongs "Wonderful World". Danach kreiert der Alchemist mit locker-flockigen Flöten einen Sound, als ob man sich im Wald befände. Doch die Lyrics von Ghost schießen den Vogel ab. Er rappt sich durch sämtliche Comedy-Figuren seiner Kindheit, ob sie nun Goofy, Scooby oder Kermit heißen. Unglaublich. "The Juks" (feat. Trife, Superb): Auch hier zeigt der Alchemist mit einem bangenden Beat wieder, warum er zu Recht als der inoffizielle Nachfolger von Primo gilt. "Walking Through The Darkness" (feat. Tekitha): Wu-Fans kennen den schnellen Song bereits vom grandiosen Ghostdog-Soundtrack. Es bleibt eigentlich alles beim altem. Ghost fügt dem erstklassigen Partytrack nur noch ein paar Raps und die Disco-Animation "Whoop, Whoop" hinzu. "Jealousy" (Skit): Über den weiblichen Vocal-Loop "Jealousy", erzählt Ghost von dem leidigen Neid im Leben und im Rapgame. "The Hilton" (feat. Raekwon): Der Song erinnert an "MGM" vom Wutang Forever-Album. Ghost und Rae erzählen eine fiktive Geschichte über eine Auseinandersetzung im Hotel Hilton. Man beachte den wirklich komischen Refrain. "Interlude": Ein weiterer, kurzer Wu-Track, der es wert gewesen wäre, ihn auf mindestens vier Minuten auszudehnen, vergleichbar mit "Saturday Nite" von "SC". Die Stimme von Ghost passt perfekt zum orchestralen Soulloop. "Love Session" (feat. Ruff Endz): siehe "Never Be Same Again" "Street Chemistry" (feat. Prodical Sunn, Trife): Rau und ungeschliffen endet die Scheibe. Ein unsauberer Loop und dreckige Drums bilden das Fundament, über das Ghostface, Prodical und Trife ihre zornigen und druckvollen Raps legen. Die zwei Songs "The Sun (feat. Rza, Raekwon und Slick Rick)" und "The Watch", die man bereits downloaden konnte und die schon für Freudentänze auf den Tastaturen der Internet-Headz sorgten, werden entweder als Bonus Tracks auf einer limitierten Edition von "BW" oder auf einem anderen Wu-Album erscheinen. Trotzdem verteile ich für die Beats und Raps fünf grüne Balken, muss jedoch ein Punkt wieder abziehen, da die Stärke des Albums gerade in der stimmigen Atmosphäre liegt. Die geht leider ein wenig verloren, wenn man die Songtitel gar nicht kennt und das Booklet eigentlich wegschmeißen kann. © Laut