Ihr Warenkorb ist leer!

Genre :

Ähnliche Künstler

Die Alben

CD17,49 Fr.

Rock - Erschienen am 23. Oktober 2020 | Hot Action Records

2020: Die Ärzte auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Das wirkt vielleicht nicht ganz so unrealistisch wie eine Pandemie, die die ganze Welt lahmlegt, war vor kurzem dennoch eine waghalsige Prognose. Es war still und dunkel geworden im Ärzte-Camp, das nach wie vor ausdruckslose Album "Auch" von 2012 hatte Spuren hinterlassen. Aus schleichendem Auseinanderleben im Studio und auf der Bühne wurde ein ernsthafter Band-Disput, gefolgt von einer für die heutige Zeit vorbildlichen Einhaltung der Abstandsregel. Die Mumifizierung schritt eilig voran, Streaming fand ohne die Berliner statt, nur Rock am Ring headlinen durften sie noch. Je weiter die musikalischen Heldentaten aus dem Blickfeld rückten, desto mehr war es mit den Ärzten ein bisschen wie mit dem alten Witz, wonach ein Jugendlicher fragt: Wie hieß noch mal der Opa, der als Feature auf dem einen Kanye-Song auftauchen durfte? Gemeint war Paul McCartney. 2020 ist es draußen dunkel, drinnen bei Die Ärzte dagegen hell. Etwas pathetischer formuliert: Der Schrei nach Liebe erreicht seine Schöpfer. Das neue Album ist zu gleichen Teilen eine Feier der wieder erlangten Freundschaft und eine Rückkehr in die bessere musikalische Vergangenheit des Trios. Aus kreativer Sicht war die achtjährige Pause ihre beste Idee seit der Reunion 1993. Auf "Hell" gelingt nicht alles, aber der Spirit stimmt endlich wieder und reißt einen mit. Die Ärzte liebt man für knallharte Polit-Ansagen, Pennäler-Gags, durchdachte Wortspiele und beißende Selbstironie - in allen Punkten wird man auf "Hell" fündig. Dass mit "True Romance" ausgerechnet einer der langweiligsten Songs die Charts anführt, der in seiner Schunkelhaftigkeit das verhasste "Männer sind Schweine" herauf beschwört, wirkt wie ein weiterer Scherz aus dem Ärzte-Labor. Die irgendwie onkelige Kritik an unserer sprachassistierten Welt mag einem Eremiten wie Farin Urlaub, der selbst 2020 das Internet noch nicht benutzt, wichtig und originell erscheinen. Aus diesem Realitätskonflikt lassen sich auch manch andere krampfige Stellen auf "Hell" ableiten, deretwegen der Band bereits vorgeworfen wird, humortechnisch in den 90ern hängen geblieben zu sein und Zeitgeist-Trends mit der Brechstange in die Texte zu hieven. Anders formuliert: Die Band traut sich endlich mal wieder was (eben wie in den 90ern), anstatt nur müde ihren Stiefel runterzuspielen. Es wäre daher auch gut vorstellbar gewesen, dass sie anfangen, die Namen 24kGoldn feat. Iann Dior, Internet Money & Gunna feat. Don Toliver & NAV oder Joker Bra & Leony - ihre aktuelle Konkurrenz in den Single-Charts - in einem Song artizukulieren. Stattdessen fiel ihnen ein anderer Seitenhieb ein: Mit besserwisserischer Unverschämtheit imaginieren sie sich in "E.V.J.M.F." als Trap-Rapper, und begrüßen ihre Fans mit Autotune. Yung Rod, Bela361 und OG Urlaub, drei Männer auf Krawall gebürstet. Der Opener knüpft an alte Muster an, wonach eine Ärzte-Platte die vorangegangenen, albumlosen Jahre erklärt: "Unser Streben nach Schönheit und Perfektion führt uns wieder zurück ans Mikrofon". Viel besser als der zopfige Trap-Diss in "Morgens Pauken", das als Single auch nicht an die Klasse von "Unrockbar" heran reicht. "Plan B" holt wieder alle ab. Ein griffiger, zeitloser Urlaub-Rocksong mit ganz viel Melodie und Chor-Refrain, der der Generation Spotify noch mal das mit dem Band-Setup einer Punkband erklärt, und warum auch nicht, wenn sogar Profis wie Koljah manchmal mit Bass und Gitarre durcheinander kommen. "Bisher hatt' ich keine bessere Idee / dies ist mein Leben, es gibt keinen Plan B", der beste Albumstart seit "Geräusch". "Achtung: Bielefeld" ist an und für sich ein lockerer Bela-Song, der Müßiggang zur Kunst erhebt. Mit der Zeile "Ich denke, dass eine Mutter in Aleppo sich auch ganz gern mal langweilen würde" lädt er das Thema am Ende leider unnötig auf. Man fragt sich: Wieso schreitet da keiner ein, wozu hat man Bandkollegen? Aber auch Urlaub findet es scheinbar witzig, Beyoncé in "Warum spricht niemand über Gitarristen?" dauerhaft Bijonnze auszusprechen. Neben der Verballhornung der eigenen Musiker-Spezies kann er sein Unverständnis nur schwer kaschieren, warum heute einfach "alle drüber reden, was Beyoncé morgen trägt". Der Skit zum Song, angelehnt an Helge Schneider, ist einer der Belege, dass die Chemie der drei wieder stimmt. Wenn Urlaub dann darüber singt, wie er den Urlaub vermisst, während er im Berufsverkehr steckt und dabei musikalisch so nah an "Westerland" heran rückt wie nie, ist man endgültig wieder versöhnt ("Das letzte Lied des Sommers"). Prompt klappt's auch beim Felsenheimer, sein 60s-Pop "Clown aus dem Hospiz" über die Wirkkraft leidender Künstler wird nur von "Einmal ein Bier" getoppt, wo er sich zu Country-Pop, der alte "Debil"-Zeiten heraufbeschwört, ins Bierglas hineinträumt und als Flüssiggold den Bürgersteig entlangfließt. Nebenbei kommt der Antialkoholiker Farin endlich mal zu der schönen Zeile: "Ein frisch gezapftes Bier vom Fass". Doch "Hell" ist eine Urlaub-Platte, mit elf Songs sprengt sie absolut zurecht das früher zwischen ihm und Bela gesetzlich verankerte Prinzip der Gleichberechtigung. "Ich, am Strand" schildert ein Leben im Insta-Zeitraffer (bei Urlaub halt Fotobuch) mit düsterem Ende, die Musik sonnendurchfluteter Reggae-Pop. Die Ballade "Leben vor dem Tod", musikalisch quasi nackt, lässt Ironie und Sarkasmus mal drei Minuten außen vor und gerät zu seinem intimsten Song seit "Mach die Augen zu". Die beste Zeile des Albums lieferte er bereits in "Plan B": "Ich bin nur eine Sackgasse der Evolution / also gebt mir bitte niemals eine Vorbildfunktion." Mit "Polyester" bringt Rod ebenfalls einen seiner besten Songs mit ein, entreißt Bela das Zombie-Thema, transferiert es in die Plastikwelt 2020 und wagt sich sogar ans Nonsens-Level seiner Kollegen ("Was 10.000 Jahre währt, das ist doch nicht verkehrt"). In "Alle auf Brille" rotzt Bela seine Oi-Punk-Bewunderung derart raus, dass man ihn fast nicht erkennt, gute Spaßnummer. Da will Farin mit "Thor" auch ran, schafft es dann aber eher textlich, wenn er die Vergänglichkeit des eigenen Körpers anprangert und die Schuld auf Chris Hemsworth schiebt. Traurige Phänomene wie die AfD, die man 2012 mangels Existenz noch nicht abwatschen konnte, werden in "Woodburger" letztmals und ausgiebig an den Pranger gestellt. In den Strophen grast Urlaub angewidert Gesinnung und Parteilinie ab, befindet dann, dass Motzen allein nicht genüge, man müsse selbst aktiv werden. Der harte Twist: Die widerliche Ausländerfeindlichkeit mit hemmungsloser Homosexualität niederkämpfen. "Ich trete ein in die AfD und ich werde schwul - so schwuuuul", flötet Rod zu fiepsendem Jazzfunk. Ein Appell für Weltoffenheit und bedingungslose Nächstenliebe auf dem Rücken homosexueller Klischees. Das ist natürlich plakativ und derbe umgesetzt, nietet aber jede einzelne dieser homo- und transfeindlichen Partei-Witzfiguren um, während Rod im Outro noch full of love an ein paar Billy Cobham-Grooves herumdoktert. So hinterlässt "Hell" einen positiven Gesamteindruck, der trotz kleinerer Kinderkrankheiten an einer Sache keine Zweifel lässt: Hier spielen drei Typen, die wissen, was Attitüde ist. © Laut
CD4,49 Fr.

Rock - Erschienen am 9. Oktober 2020 | Hot Action Records

2020: Die Ärzte auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Das wirkt vielleicht nicht ganz so unrealistisch wie eine Pandemie, die die ganze Welt lahmlegt, war vor kurzem dennoch eine waghalsige Prognose. Es war still und dunkel geworden im Ärzte-Camp, das nach wie vor ausdruckslose Album "Auch" von 2012 hatte Spuren hinterlassen. Aus schleichendem Auseinanderleben im Studio und auf der Bühne wurde ein ernsthafter Band-Disput, gefolgt von einer für die heutige Zeit vorbildlichen Einhaltung der Abstandsregel. Die Mumifizierung schritt eilig voran, Streaming fand ohne die Berliner statt, nur Rock am Ring headlinen durften sie noch. Je weiter die musikalischen Heldentaten aus dem Blickfeld rückten, desto mehr war es mit den Ärzten ein bisschen wie mit dem alten Witz, wonach ein Jugendlicher fragt: Wie hieß noch mal der Opa, der als Feature auf dem einen Kanye-Song auftauchen durfte? Gemeint war Paul McCartney. 2020 ist es draußen dunkel, drinnen bei Die Ärzte dagegen hell. Etwas pathetischer formuliert: Der Schrei nach Liebe erreicht seine Schöpfer. Das neue Album ist zu gleichen Teilen eine Feier der wieder erlangten Freundschaft und eine Rückkehr in die bessere musikalische Vergangenheit des Trios. Aus kreativer Sicht war die achtjährige Pause ihre beste Idee seit der Reunion 1993. Auf "Hell" gelingt nicht alles, aber der Spirit stimmt endlich wieder und reißt einen mit. Die Ärzte liebt man für knallharte Polit-Ansagen, Pennäler-Gags, durchdachte Wortspiele und beißende Selbstironie - in allen Punkten wird man auf "Hell" fündig. Dass mit "True Romance" ausgerechnet einer der langweiligsten Songs die Charts anführt, der in seiner Schunkelhaftigkeit das verhasste "Männer sind Schweine" herauf beschwört, wirkt wie ein weiterer Scherz aus dem Ärzte-Labor. Die irgendwie onkelige Kritik an unserer sprachassistierten Welt mag einem Eremiten wie Farin Urlaub, der selbst 2020 das Internet noch nicht benutzt, wichtig und originell erscheinen. Aus diesem Realitätskonflikt lassen sich auch manch andere krampfige Stellen auf "Hell" ableiten, deretwegen der Band bereits vorgeworfen wird, humortechnisch in den 90ern hängen geblieben zu sein und Zeitgeist-Trends mit der Brechstange in die Texte zu hieven. Anders formuliert: Die Band traut sich endlich mal wieder was (eben wie in den 90ern), anstatt nur müde ihren Stiefel runterzuspielen. Es wäre daher auch gut vorstellbar gewesen, dass sie anfangen, die Namen 24kGoldn feat. Iann Dior, Internet Money & Gunna feat. Don Toliver & NAV oder Joker Bra & Leony - ihre aktuelle Konkurrenz in den Single-Charts - in einem Song artizukulieren. Stattdessen fiel ihnen ein anderer Seitenhieb ein: Mit besserwisserischer Unverschämtheit imaginieren sie sich in "E.V.J.M.F." als Trap-Rapper, und begrüßen ihre Fans mit Autotune. Yung Rod, Bela361 und OG Urlaub, drei Männer auf Krawall gebürstet. Der Opener knüpft an alte Muster an, wonach eine Ärzte-Platte die vorangegangenen, albumlosen Jahre erklärt: "Unser Streben nach Schönheit und Perfektion führt uns wieder zurück ans Mikrofon". Viel besser als der zopfige Trap-Diss in "Morgens Pauken", das als Single auch nicht an die Klasse von "Unrockbar" heran reicht. "Plan B" holt wieder alle ab. Ein griffiger, zeitloser Urlaub-Rocksong mit ganz viel Melodie und Chor-Refrain, der der Generation Spotify noch mal das mit dem Band-Setup einer Punkband erklärt, und warum auch nicht, wenn sogar Profis wie Koljah manchmal mit Bass und Gitarre durcheinander kommen. "Bisher hatt' ich keine bessere Idee / dies ist mein Leben, es gibt keinen Plan B", der beste Albumstart seit "Geräusch". "Achtung: Bielefeld" ist an und für sich ein lockerer Bela-Song, der Müßiggang zur Kunst erhebt. Mit der Zeile "Ich denke, dass eine Mutter in Aleppo sich auch ganz gern mal langweilen würde" lädt er das Thema am Ende leider unnötig auf. Man fragt sich: Wieso schreitet da keiner ein, wozu hat man Bandkollegen? Aber auch Urlaub findet es scheinbar witzig, Beyoncé in "Warum spricht niemand über Gitarristen?" dauerhaft Bijonnze auszusprechen. Neben der Verballhornung der eigenen Musiker-Spezies kann er sein Unverständnis nur schwer kaschieren, warum heute einfach "alle drüber reden, was Beyoncé morgen trägt". Der Skit zum Song, angelehnt an Helge Schneider, ist einer der Belege, dass die Chemie der drei wieder stimmt. Wenn Urlaub dann darüber singt, wie er den Urlaub vermisst, während er im Berufsverkehr steckt und dabei musikalisch so nah an "Westerland" heran rückt wie nie, ist man endgültig wieder versöhnt ("Das letzte Lied des Sommers"). Prompt klappt's auch beim Felsenheimer, sein 60s-Pop "Clown aus dem Hospiz" über die Wirkkraft leidender Künstler wird nur von "Einmal ein Bier" getoppt, wo er sich zu Country-Pop, der alte "Debil"-Zeiten heraufbeschwört, ins Bierglas hineinträumt und als Flüssiggold den Bürgersteig entlangfließt. Nebenbei kommt der Antialkoholiker Farin endlich mal zu der schönen Zeile: "Ein frisch gezapftes Bier vom Fass". Doch "Hell" ist eine Urlaub-Platte, mit elf Songs sprengt sie absolut zurecht das früher zwischen ihm und Bela gesetzlich verankerte Prinzip der Gleichberechtigung. "Ich, am Strand" schildert ein Leben im Insta-Zeitraffer (bei Urlaub halt Fotobuch) mit düsterem Ende, die Musik sonnendurchfluteter Reggae-Pop. Die Ballade "Leben vor dem Tod", musikalisch quasi nackt, lässt Ironie und Sarkasmus mal drei Minuten außen vor und gerät zu seinem intimsten Song seit "Mach die Augen zu". Die beste Zeile des Albums lieferte er bereits in "Plan B": "Ich bin nur eine Sackgasse der Evolution / also gebt mir bitte niemals eine Vorbildfunktion." Mit "Polyester" bringt Rod ebenfalls einen seiner besten Songs mit ein, entreißt Bela das Zombie-Thema, transferiert es in die Plastikwelt 2020 und wagt sich sogar ans Nonsens-Level seiner Kollegen ("Was 10.000 Jahre währt, das ist doch nicht verkehrt"). In "Alle auf Brille" rotzt Bela seine Oi-Punk-Bewunderung derart raus, dass man ihn fast nicht erkennt, gute Spaßnummer. Da will Farin mit "Thor" auch ran, schafft es dann aber eher textlich, wenn er die Vergänglichkeit des eigenen Körpers anprangert und die Schuld auf Chris Hemsworth schiebt. Traurige Phänomene wie die AfD, die man 2012 mangels Existenz noch nicht abwatschen konnte, werden in "Woodburger" letztmals und ausgiebig an den Pranger gestellt. In den Strophen grast Urlaub angewidert Gesinnung und Parteilinie ab, befindet dann, dass Motzen allein nicht genüge, man müsse selbst aktiv werden. Der harte Twist: Die widerliche Ausländerfeindlichkeit mit hemmungsloser Homosexualität niederkämpfen. "Ich trete ein in die AfD und ich werde schwul - so schwuuuul", flötet Rod zu fiepsendem Jazzfunk. Ein Appell für Weltoffenheit und bedingungslose Nächstenliebe auf dem Rücken homosexueller Klischees. Das ist natürlich plakativ und derbe umgesetzt, nietet aber jede einzelne dieser homo- und transfeindlichen Partei-Witzfiguren um, während Rod im Outro noch full of love an ein paar Billy Cobham-Grooves herumdoktert. So hinterlässt "Hell" einen positiven Gesamteindruck, der trotz kleinerer Kinderkrankheiten an einer Sache keine Zweifel lässt: Hier spielen drei Typen, die wissen, was Attitüde ist. © Laut
CD4,49 Fr.

Rock - Erschienen am 13. Februar 1989 | Hot Action Records

CD4,49 Fr.

Rock - Erschienen am 29. September 2003 | Hot Action Records

CD4,49 Fr.

Rock - Erschienen am 23. Oktober 2000 | Hot Action Records

Wer kennt sie nicht die sympathischen Punks aus Kreuzberg, deren Texte bei der Bundeszentrale für jugendgefährdende Schriften wiederholt auf Unverständnis stießen? Heute zwar kaum noch als Punks erkennbar und inzwischen auch schon um etliche Jahre gealtert, sind die Ärzte aber nach wie vor auf's Höchste aktuell. Mit ihrem neuen Album "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!" beweisen Bela, Farin und Rod wieder mal auf beeindruckende Weise, dass sie in all den Jahren keineswegs ihre Kreativität und ihren Humor eingebüßt haben. Neunzehn Songs enthält die Platte und alle sind wie gewohnt vollgesogen mit scharfsinnig widersinnigen Texten, wie sie nur von den Ärzten kommen können. Auch musikalisch wird der Wortwitz unterstrichen, indem beispielsweise bei "Mondo Bondage" ein Death Metal-Chorus eingesetzt wird, beim Track "Leichenhalle" sorgt der Sisters of Mercy-Stil für die klassische Gruft-Stimmung. "Alles so einfach" wurde mit Ska unterlegt, für "Las Vegas" ersteht Elvis auf und bei "Rock'n'Roll Übermensch" sorgt der Manu Chao-Rhythmus für die perfekt relaxte Atmosphäre. Aber keine Angst, auch die üblichen Schreddelsongs sind in Fülle vorhanden. In sämtlichen Lebenslagen belehren uns die Lyrics: wie wir mit der Situation umzugehen haben, so sollten wir lieber Menschen anstelle von Schweinen essen; was in uns vorgeht, wenn das Genital wehtut; wie man eine Frau in der Disco kennenlernt; was zwischen Bela und Farin vorgeht und die philosophische Frage, ob die Sonne auch für Nazis scheint. Ja, eigentlich könnten die Jungs mal 'nen "Lebensführer" rausbringen etwa mit dem Titel "Schöner Leben mit den Ärzten" - Material haben sie ja in rauen Mengen. Als Fazit kann ich nur ziehen, dass das neue Album für Ärztefans ein spaßiges Muss ist und allen anderen 64 Minuten Schmunzeln auch nicht schaden kann. Die Ärzte danken ihren Eltern "dafür, dass es nicht beim Petting geblieben ist und den Verantwortlichen der neuen Rechtschreibung (Vigt euch!)". Und wir danken der besten Band der Welt, wie sich die drei im leichten Anflug von Größenwahn gerne selbst bezeichnen, dafür, dass es sie gibt und für ihr neues Album. © Laut
CD4,49 Fr.

Rock - Erschienen am 13. September 2013 | Hot Action Records

Zeiten ändern sich: 1987 wurden die beiden Alben "Die Ärzte" und "Debil" indiziert. Die Band reagierte und schob die Compilation "Ab 18" nach, die aber schneller auf den Index folgte als man "Ein überdimensionales Meerschweinchen frisst die Erde auf" sagen kann. Heute ziert ein hässlicher "FSK ab 0 freigegeben"-Aufdruck das Cover der "Die Nacht der Dämonen"-DVD. Trotz manch deftiger Wortwahl und blankgezogenem Busen. Auch Frisuren und Klamotten ändern sich. Anstatt als Römer verkleidet oder im ranzigen Batman-Shirt die Bühne zu entern, betreten die Anzug-Punks der Ärzte, Farin ausgenommen, im feinsten Zwirn gekleidet ihre Arbeitsfläche. Nur eines hat sich in all den Jahren nicht geändert. Das fiebrige Verlangen der Fans, die drei Gottteilchen Bela, Farin und Rod in ihrer natürlichen Live-Umgebung abzufeiern. So zelebriert "Die Nacht der Dämonen" nicht nur die beste Band der Welt, sondern unter der Regie von Nobert Heitker auch die besten Fans der Welt. Diese sind dem Film, dessen Bilder auf der Berliner Waldbühne und in der altehrwürdigen Frankfurter Festhalle eingefangen wurden, genauso wichtig wie seine drei Hauptakteure. Alle sind hautnah dabei. Halbnackernde Jungspunge in der Wall of Death, Bankangestellte mit Kind auf der Schulter, bunte Iroträger und mit BHs um sich schleudernde Abiturientinnen. Das Hauptaugenmerk der Setlist liegt logischerweise auf den jüngeren beiden, eher durchwachsenen Alben "Jazz Ist Anders" und "Auch". Aus der frühen Phase finden sich gerade einmal sieben seltsam gewählte Lieder auf der Playlist. Aber am Ende ist das alles egal. Live entsteht aus den 47 einzelnen Stücken eine einzige, fest zusammengeschnürte Gwendoline. Selbst das von mir in der "Auch"-Kritik noch als sackdumm bezeichnete "ZeiDverschwÄndung" macht plötzlich Spaß. Egal ob Farins ständige Probleme mit seiner Gitarre oder Rods dissonanter Gesang in "Tamagotchi", kein Stück des Live-Chaos' bleibt im Schneideraum liegen. Jeder verpatzte Songeinstieg findet seinen Weg in "Die Nacht der Dämonen". Schließlich macht genau dies die Stärke der Ärzte aus: Das Zusammenspiel der drei Helden. Selbst in den ausweglosesten Situationen stellen sie sich wie Hulk, die Spinne und Batman dem Untergang. Voller Zuversicht, da irgendwie auch wieder raus zu kommen. In jeder Sekunde des Films kann man erkennen, wie viel Spaß die drei halbjungen Herren auch nach über dreißig Jahren noch beim Ausführen ihrer Erwerbstätigkeit haben. Die mehr als drei Stunden zwischen "Ist Das Noch Punkrock?" und dem finalen "Dauerwelle Vs. Minipli" vergehen wie im Flug. Jedes Bandmitglied bekommt seinen Moment im Rampenlicht. In "Sohn Der Leere" zeigt Rod mit einem wilden Gitarrensolo, was an den sechs Saiten in ihm steckt. Nur Belas "Tittenmaus" zieht sich in unendliche Weiten. Dafür hat Bela die beste Frisur. Auf der Bonus-DVD findet sich ein Berlin-Konzert in seiner puristischen Form. Hinzu kommen ein paar unschöne Wahrheiten über die Band, sowie zwei in Dortmund aufgenommene Stücke ("Wammw", "Omaboy"). Nach über sechs Stunden fällt mir auf, dass ich eines nie wirklich vermisst habe: Sahnies Gesicht. © Laut
CD4,49 Fr.

Rock - Erschienen am 4. Oktober 1993 | Hot Action Records

CD4,49 Fr.

Rock - Erschienen am 6. Oktober 2006 | Hot Action Records

Die wenigsten Beobachter hätten den Ärzten im Jahr 1993 zugetraut, dass sie ihre damals bereits zum Legendenstatus erwachsene Karriere aus den 80ern noch toppen würden. Misstrauisch wurde die nicht mal von Fanseite erwartete Wiedervereinigung von Farin Urlaub und Bela B. beäugt und noch misstrauischer stand man diesem fremden Typen namens Rodrigo Gonzalez gegenüber, der plötzlich auch ein vollwertiger Arzt sein sollte; eine Art Incredible Hagen aus Chile, den bis dato allerdings nur jene Handvoll Ärzte-Fans kannten, die sich 1990 die konzertanten Fähigkeiten von Belas Flopband Depp Jones antaten. Ungefähr ebenso wenig Beobachter hätten diesem zumindest recht gut aussehenden Südländer zum Zeitpunkt seines Einstiegs zugetraut, schon zwei Jahre später derart Oberwasser zu gewinnen, dass er nicht nur einen Ärzte-Song vortragen darf, sondern dieser auch noch (fast) als Single ausgekoppelt würde. "Rod Loves You" von 1995 darf als Bassisten-Bonbon an den warmen Empfang der pünktlich zur Reunion wieder standhaft devoten Fangemeinde gelten (wenngleich sein Status als Promo-Single nicht für die Integration auf dieser Wärkschau genügte). Nach den diesjährigen Soloalben von Farin und Bela führt uns die vorliegende "Bäst Of" wieder behutsam ans Thema Die Ärzte heran, und zwar im Stil des ähnlich konzipierten Vorgängers "Das Beste Von Kurz Nach Früher Bis Jetze" (1994). Damals spannte man schon einen weiten Single-Bogen von "Grace Kelly" bis "Quark", nicht ohne vergriffene Obskuritäten wie "Ewige Blumenkraft" oder "Und Ich Weine" alter B-Seiten aufzukochen. Da nicht nur Manowar über die triumphale Kraft von Stahl Bescheid wissen, residiert die "Bäst Of" sowohl als CD als auch in Vinylform eingebättet in einer opulenten Stahlbox. Wie man Fans angemessen bedient, wissen die Berliner schließlich nicht erst seit Geheimkonzerten als Die Zu Späten oder Nackt Unter Kannibalen. Alle A-Seiten der Ärzte seit 1993 zusammengezählt ergeben 25, die gleiche Anzahl findet sich auf der zweiten CD, wobei hier beinahe Schummelverdacht aufkommt, denn auf Maxis versammelten die Ärzte sogar noch mehr Bonustracks. Nun ja, Absolventen der Rock'n'Roll Realschule verzeiht man schon mal kleine Rechenfehler. Los geht der Hit-Countdown mit dem Reunion-Brett "Schrei Nach Liebe", einem ehrenwerten Schrei hinein ins wiedervereinigte Land der ausländerfeindlichen Krawalle von Hoyerswerda bis Rostock-Lichtenhagen. Nebenbei signalisierte die Textzeile "Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ne Kuschelrock-LP" den ungeliebten Ex-Kollegen aus alten Index-Tagen in Frankfurt, dass die ideologischen Gräben auch im neuen Jahrzehnt unüberwindbar bleiben. Überhaupt waren die 90er Jahre sehr zuvorkommend für Die Ärzte. Nachdem das Trio in den 80ern teilweise ratlos vor ironiefreiem Publikum zu operieren gezwungen war, feierte die mittlerweile von "Schmidteinander" umerzogene Öffentlichkeit die reich gestreuten Zweideutigkeiten der Band ab, kulminierend in der allerersten Nummer Eins-Single "Männer Sind Schweine", die die Band nur auf der dazugehörigen "13"-Tournee ins Live-Programm hievte und fortan ignorierte. Statt Jarvis Cockers Appell "Irony is over" von 1997 zu beherzigen, machten Die Ärzte einfach genau dort weiter und karrten im Gegenzug Platin-Auszeichnungen nach Hause. Vielleicht gerade weil man der blind folgenden Gefolgschaft nach dem "Planet Punk"-Album von 1995 immer wieder völlig unerwartete Sounds vorsetzte, etwa die Ska-Single "Schunder-Song", den 80er Quietschpop von "Rock'n'Roll Übermensch" oder den New Metal-Spaß "Unrockbar". Dass die Band ihre B-Seiten nicht unter Vollnarkose aufnimmt, dürfen mit dieser Veröffentlichung nun auch Uneingeweihte nachfühlen. "Saufen" etwa, musikalisch zwischen Hans Söllner und den Toten Hosen pendelnd, arbeitet sich in bekannter Manier am Schluck-Image der Punkbewegung ab: "Besoffenheit is' super / und schlägt Nüchternheit um Läng' / Und hol's der Teufel, schon is' wieder Zeit / für den Refrain". In der großartigen, bläsergestützten Abrechnung "Warrumska" wundert sich Farin, warum seine Herzdame verschwunden ist, wo er ihr doch "gestern erst was zu Trinken hingestellt" hatte. Die Beatles-Liebe des Blonden tritt in "Die Regierung" zu Tage, nebenbei erfahren wir auch, dass Urlaub im selben Supermarkt einkauft wie Fischmob-Sven und dass ein echter Punkrocker gefälligst Social Distortion und die Ramones zu hören habe, "und nicht so'n Scheiß wie King Kong und Depp Jones" ("Punkrockgirl"). Die Bescheidwisser selbst gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie eine Nummer mit dem Münsteraner Virtuosen Götz Alsmann aufnehmen ("Punk ist ..."). Alles in allem ist "Bäst Of" eine gehaltvolle wie amüsante Ansage an alle Backpfeifengesichter da draußen, und gleichzeitig der Nachweis, dass es mit der Wiedervereinigung 1989 zum Wohlergehen des deutschen Volkes noch nicht genug war. © Laut
CD2,99 Fr.

Rock - Erschienen am 21. August 2020 | Hot Action Records

2020: Die Ärzte auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Das wirkt vielleicht nicht ganz so unrealistisch wie eine Pandemie, die die ganze Welt lahmlegt, war vor kurzem dennoch eine waghalsige Prognose. Es war still und dunkel geworden im Ärzte-Camp, das nach wie vor ausdruckslose Album "Auch" von 2012 hatte Spuren hinterlassen. Aus schleichendem Auseinanderleben im Studio und auf der Bühne wurde ein ernsthafter Band-Disput, gefolgt von einer für die heutige Zeit vorbildlichen Einhaltung der Abstandsregel. Die Mumifizierung schritt eilig voran, Streaming fand ohne die Berliner statt, nur Rock am Ring headlinen durften sie noch. Je weiter die musikalischen Heldentaten aus dem Blickfeld rückten, desto mehr war es mit den Ärzten ein bisschen wie mit dem alten Witz, wonach ein Jugendlicher fragt: Wie hieß noch mal der Opa, der als Feature auf dem einen Kanye-Song auftauchen durfte? Gemeint war Paul McCartney. 2020 ist es draußen dunkel, drinnen bei Die Ärzte dagegen hell. Etwas pathetischer formuliert: Der Schrei nach Liebe erreicht seine Schöpfer. Das neue Album ist zu gleichen Teilen eine Feier der wieder erlangten Freundschaft und eine Rückkehr in die bessere musikalische Vergangenheit des Trios. Aus kreativer Sicht war die achtjährige Pause ihre beste Idee seit der Reunion 1993. Auf "Hell" gelingt nicht alles, aber der Spirit stimmt endlich wieder und reißt einen mit. Die Ärzte liebt man für knallharte Polit-Ansagen, Pennäler-Gags, durchdachte Wortspiele und beißende Selbstironie - in allen Punkten wird man auf "Hell" fündig. Dass mit "True Romance" ausgerechnet einer der langweiligsten Songs die Charts anführt, der in seiner Schunkelhaftigkeit das verhasste "Männer sind Schweine" herauf beschwört, wirkt wie ein weiterer Scherz aus dem Ärzte-Labor. Die irgendwie onkelige Kritik an unserer sprachassistierten Welt mag einem Eremiten wie Farin Urlaub, der selbst 2020 das Internet noch nicht benutzt, wichtig und originell erscheinen. Aus diesem Realitätskonflikt lassen sich auch manch andere krampfige Stellen auf "Hell" ableiten, deretwegen der Band bereits vorgeworfen wird, humortechnisch in den 90ern hängen geblieben zu sein und Zeitgeist-Trends mit der Brechstange in die Texte zu hieven. Anders formuliert: Die Band traut sich endlich mal wieder was (eben wie in den 90ern), anstatt nur müde ihren Stiefel runterzuspielen. Es wäre daher auch gut vorstellbar gewesen, dass sie anfangen, die Namen 24kGoldn feat. Iann Dior, Internet Money & Gunna feat. Don Toliver & NAV oder Joker Bra & Leony - ihre aktuelle Konkurrenz in den Single-Charts - in einem Song artizukulieren. Stattdessen fiel ihnen ein anderer Seitenhieb ein: Mit besserwisserischer Unverschämtheit imaginieren sie sich in "E.V.J.M.F." als Trap-Rapper, und begrüßen ihre Fans mit Autotune. Yung Rod, Bela361 und OG Urlaub, drei Männer auf Krawall gebürstet. Der Opener knüpft an alte Muster an, wonach eine Ärzte-Platte die vorangegangenen, albumlosen Jahre erklärt: "Unser Streben nach Schönheit und Perfektion führt uns wieder zurück ans Mikrofon". Viel besser als der zopfige Trap-Diss in "Morgens Pauken", das als Single auch nicht an die Klasse von "Unrockbar" heran reicht. "Plan B" holt wieder alle ab. Ein griffiger, zeitloser Urlaub-Rocksong mit ganz viel Melodie und Chor-Refrain, der der Generation Spotify noch mal das mit dem Band-Setup einer Punkband erklärt, und warum auch nicht, wenn sogar Profis wie Koljah manchmal mit Bass und Gitarre durcheinander kommen. "Bisher hatt' ich keine bessere Idee / dies ist mein Leben, es gibt keinen Plan B", der beste Albumstart seit "Geräusch". "Achtung: Bielefeld" ist an und für sich ein lockerer Bela-Song, der Müßiggang zur Kunst erhebt. Mit der Zeile "Ich denke, dass eine Mutter in Aleppo sich auch ganz gern mal langweilen würde" lädt er das Thema am Ende leider unnötig auf. Man fragt sich: Wieso schreitet da keiner ein, wozu hat man Bandkollegen? Aber auch Urlaub findet es scheinbar witzig, Beyoncé in "Warum spricht niemand über Gitarristen?" dauerhaft Bijonnze auszusprechen. Neben der Verballhornung der eigenen Musiker-Spezies kann er sein Unverständnis nur schwer kaschieren, warum heute einfach "alle drüber reden, was Beyoncé morgen trägt". Der Skit zum Song, angelehnt an Helge Schneider, ist einer der Belege, dass die Chemie der drei wieder stimmt. Wenn Urlaub dann darüber singt, wie er den Urlaub vermisst, während er im Berufsverkehr steckt und dabei musikalisch so nah an "Westerland" heran rückt wie nie, ist man endgültig wieder versöhnt ("Das letzte Lied des Sommers"). Prompt klappt's auch beim Felsenheimer, sein 60s-Pop "Clown aus dem Hospiz" über die Wirkkraft leidender Künstler wird nur von "Einmal ein Bier" getoppt, wo er sich zu Country-Pop, der alte "Debil"-Zeiten heraufbeschwört, ins Bierglas hineinträumt und als Flüssiggold den Bürgersteig entlangfließt. Nebenbei kommt der Antialkoholiker Farin endlich mal zu der schönen Zeile: "Ein frisch gezapftes Bier vom Fass". Doch "Hell" ist eine Urlaub-Platte, mit elf Songs sprengt sie absolut zurecht das früher zwischen ihm und Bela gesetzlich verankerte Prinzip der Gleichberechtigung. "Ich, am Strand" schildert ein Leben im Insta-Zeitraffer (bei Urlaub halt Fotobuch) mit düsterem Ende, die Musik sonnendurchfluteter Reggae-Pop. Die Ballade "Leben vor dem Tod", musikalisch quasi nackt, lässt Ironie und Sarkasmus mal drei Minuten außen vor und gerät zu seinem intimsten Song seit "Mach die Augen zu". Die beste Zeile des Albums lieferte er bereits in "Plan B": "Ich bin nur eine Sackgasse der Evolution / also gebt mir bitte niemals eine Vorbildfunktion." Mit "Polyester" bringt Rod ebenfalls einen seiner besten Songs mit ein, entreißt Bela das Zombie-Thema, transferiert es in die Plastikwelt 2020 und wagt sich sogar ans Nonsens-Level seiner Kollegen ("Was 10.000 Jahre währt, das ist doch nicht verkehrt"). In "Alle auf Brille" rotzt Bela seine Oi-Punk-Bewunderung derart raus, dass man ihn fast nicht erkennt, gute Spaßnummer. Da will Farin mit "Thor" auch ran, schafft es dann aber eher textlich, wenn er die Vergänglichkeit des eigenen Körpers anprangert und die Schuld auf Chris Hemsworth schiebt. Traurige Phänomene wie die AfD, die man 2012 mangels Existenz noch nicht abwatschen konnte, werden in "Woodburger" letztmals und ausgiebig an den Pranger gestellt. In den Strophen grast Urlaub angewidert Gesinnung und Parteilinie ab, befindet dann, dass Motzen allein nicht genüge, man müsse selbst aktiv werden. Der harte Twist: Die widerliche Ausländerfeindlichkeit mit hemmungsloser Homosexualität niederkämpfen. "Ich trete ein in die AfD und ich werde schwul - so schwuuuul", flötet Rod zu fiepsendem Jazzfunk. Ein Appell für Weltoffenheit und bedingungslose Nächstenliebe auf dem Rücken homosexueller Klischees. Das ist natürlich plakativ und derbe umgesetzt, nietet aber jede einzelne dieser homo- und transfeindlichen Partei-Witzfiguren um, während Rod im Outro noch full of love an ein paar Billy Cobham-Grooves herumdoktert. So hinterlässt "Hell" einen positiven Gesamteindruck, der trotz kleinerer Kinderkrankheiten an einer Sache keine Zweifel lässt: Hier spielen drei Typen, die wissen, was Attitüde ist. © Laut
CD2,99 Fr.

Punk – New Wave - Erschienen am 26. August 1994 | Hot Action Records

CD2,99 Fr.

Rock - Erschienen am 2. November 2007 | Hot Action Records

CD2,99 Fr.

Rock - Erschienen am 4. November 2002 | Hot Action Records

"Die beste Band der Welt" ist wieder da. Und wie! Nach Farins Ausflug als Solokünstler haben Bela, Rod und Herr Urlaub Ende August im Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hamburg wieder zusammen gefunden. Dort zogen sie auf Einladung von MTV den Stecker aus der Dose, schnallten sich die Klampfen um und zeigten, dass eine akustische Gitarre nicht automatisch verträumte Lagerfeuerromantik bedeuten muss. Ob elektronisch verstärkt oder unplugged, Die Ärzte profilieren sich einmal mehr als die "Besserpunks". Und das obwohl sie sich zur Aufnahme ihres jüngsten Geniestreichs mal richtig in Schale geworfen haben. In adretten roten Schuluniformen mit blau abgesetzten Krawatten, das Logo des Albert-Schweitzer-Gymnasiums auf Höhe der linken Brust zur Schau stellend, erstrahlte der immer noch jugendliche Anarchismus der Ärzte nur um so greller. Begleitet von einer kompletten Schülerband spielten sich die Ärzte durch 20 Jahre Bandgeschichte. Lange nicht gehörte Songs aus der Zeit, als die Bezeichnung "geniale Dilettanten" noch einem Ritterschlag gleichkam, entfalten mühelos ihren unwiderstehlichen Charme. So galoppiert der uralt Hit "Kopfhaut" munter in den Sonnenuntergang und "Komm zurück" wächst sich dank der orchestralen Untermalung der Hamburger Pennäler zur melodramatischen Teenagertragödie aus, die einem die Tränen in die Augen treibt. Doch die Ärzte wären nicht die Ärzte würden sie ihre Erfüllung als gefühlsduselnde Nostalgiker finden. Schließlich wollen sie auch in Zukunft noch gut von ihren Plattenverkäufen leben. Deshalb gibt's mit "Monsterparty" auch einen bisher unveröffentlichten Song. Ganz Business-Mann erklärt Farin auch gleich charmant ironisch: "Die Älteren werden merken, dass das der Song ist, wegen dem man die CD kaufen muss". So stilvoll betrieb einst nur Malcolm McLaren den Ausverkauf des Punkrock. Es ist eben diese Rotznasigkeit, die die Ärzte seit nunmehr rund 20 Jahren zu einem wohltuenden Störfaktor in der deutschen Musikszene macht. Während die Konkurrenz aus Düsseldorf moralschwanger den Zeigefinger hebt und sich im Biotop der Selbstermächtigung weidet, zeigen einem die Ärzte immer noch am liebsten den ausgestreckten Mittelfinger und setzen im nächsten Moment ein sympathisches Lächeln auf, das jede Großmutter eine Hymne auf die "Die Beste Band der Welt" anstimmen ließe. Die Streberleichen aus Berlin waren eben schon immer die "Besserpunks". © Laut
CD2,99 Fr.
13

Rock - Erschienen am 25. Mai 1998 | Hot Action Records

CD2,99 Fr.

Rock - Erschienen am 13. April 2012 | Hot Action Records

CD2,99 Fr.

Rock - Erschienen am 25. Mai 1996 | Hot Action Records

CD21,99 Fr.

Punk – New Wave - Erschienen am 11. September 1990 | Sony Music - Die Ärzte früher GbR

CD21,99 Fr.

Rock - Erschienen am 18. September 1995 | Hot Action Records

CD30,99 Fr.

Punk – New Wave - Erschienen am 3. November 1988 | Sony Music - Die Ärzte früher GbR

Ein Livealbum der Ärzte mit allen Hits drauf. Zu schön um wahr zu sein. Aufgeregt lief ich zu meinem Freund aus der Nachbarschaft oder er zu mir, weiß ich nicht mehr genau. Verbreitung konnte diese Neuigkeit jedenfalls nur durch die Bravo, Popcorn oder "Formel Eins" gefunden haben, viel mehr Informationsquellen standen mir 1988 in Südbaden nicht zur Verfügung. Doch bald tauchte ein neues Problem am Horizont auf: 3 LPs bzw. 3 Kassetten? Wer sollte das denn bezahlen können? So wurde eine wunderbar bescheuerte Idee geboren: Mein Freund und ich legten zusammen, jeder rund 15 Mark. Ein Monatstaschengeld für eine gemeinsame Anschaffung. Klang fair. Doch das war nicht die ganze Wahrheit. Einer bekam zwei Platten, der andere die dritte und die beigelegte Bonus-Single "Der Ritt auf dem Schmetterling" ("Geschwisterliebe" akustisch). Hatte man dann die ersten zwei Alben, wollte man unbedingt die Sprüche-Seite auf dem dritten Vinyl hören und wenn man die hatte, fehlten einem praktisch alle Hits. Man war nie zufrieden. Die Freundschaft hielt danach nicht mehr lange, aber warum sollte es einem besser ergehen als Farin und Bela? Wunderbar bescheuert: So könnte man auch die erste Ärzte-Karriere von 1982 bis 1988 zusammenfassen, die dem gigantisch ausgelebten, zu anfangs noch völlig substanzlosen Größenwahn mit der Band-Auflösung zum kommerziell ungünstigsten Zeitpunkt die Krone aufsetzte. Die ganze Welt (außer Russland) hat Bela und Farin geliebt. Als sie so jung auseinander gingen, waren alle Menschen betrübt. Denn ihre radikal anarchische Auflehnung gegen jegliche Erwartungshaltungen und sittlichen Gepflogenheiten in Musik, Text und Gestus schien irgendwie gar nicht in diese bleiernen 80er Jahre zu passen und zog wahrscheinlich daraus seine Faszination. Schon ihre frühen Auftritte waren Demonstrationen jugendlichen Irrwitzes jenseits bekannter Stereotypen. Ein dilletantisches, oft makabres, noch öfter infantiles, jedenfalls bewusst albernes Entertainment-Kabarett erteilte dem dogmatischen Szenegehabe der true Punks eine klare Absage. Wie überall rief der Erfolg Neider auf den Plan, vor allem alte Weggefährten. Deutschpunks krakeelten Verräter und Bravo-Punks. Das Charts-Establishment beachtete die vermeintlichen Kasper erst gar nicht. Schließlich sangen Die Ärzte in diesen hoch politischen Zeiten nicht gegen die Startbahn West oder Atomkraftwerke, sondern über Teddybären und Vollmilch. Lebensmotto: Uns geht’s prima! Wie soll man so etwas ernst nehmen? Eine Überschrift in den Westfälischen Nachrichten aus dem Jahr 1987 lautete: "Die Kinderärzte aus der Schwachsinnsklinik". Doch es kam der 27. Oktober 1988, der Tag der Abrechnung. Bela und Farin programmierten längst ihre Zukunft, kamen aber noch einmal auf die Erde zurück, um alle Hater endgültig zu terminieren. Die Schar der Ungläubigen, darunter Behörden, Stadtverwaltungen, Frauenorganisationen und zahlreiche Medien erfasste eine Sintflut, deren biblische Ausmaße nicht einmal die Schöpfer vorhersehen konnten. Die Livescheibe wurde zum bis dato einzigen Dreifach-Album, das jemals Platz eins der deutschen Albumcharts erreichte. Von einer Band, die sich bereits aufgelöst hatte. Besser kann Rache vermutlich nicht schmecken. Das Ärzte-Label CBS, anfangs noch in Panik ob der Band-Forderung eines derart üppigen Formats, hoffte zunächst auf Verkaufszahlen um die 40.000. Binnen kürzester Zeit setzte "Sintflut" 250.000 Stück ab. Das erste Gold-Album für Die Ärzte. Legendär ist der Anruf Peter Maffays bei der Grafikagentur, die damals auch Die Ärzte betreute. Der Deutschrocker wollte wissen, "wie so eine Scheiße auf Platz eins geht." Es steht zu vermuten, dass sich der Siebenbrückensänger aus Siebenbürgen an den vorgeblichen Meistern der Sittenverrohung störte, die nach der Indizierung der Alben "Debil" und "Die Ärzte" durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften ab 1987 landesweit (schlechte) Presse erhielten. Das ist sein gutes Recht, man muss die Ärzte-Texte nicht mögen, so ist das mit der Kunst. Als Profimusiker, der Maffay 1988 zweifellos schon war, würfe es allerdings ein fragwürdiges Licht auf ihn, hätte er damals die musikalische Vielfältigkeit des Trios verkannt. "Nach uns die Sintflut" zeichnet den wahnwitzigen Stil- und Zitatemix der vorhergehenden Alben nach, nur alles in fast doppeltem Tempo. Die Dreifach-Chöre à la Dion & The Belmonts in "Mädchen" und die lupenreine Rock'n'Roll-Verbeugung vor Chuck Berry beim finalen Riff, die Beatles-Harmonien in "Buddy Holly's Brille", Beethovens "Freude schöner Götterfunken" als C-Teil in "Frank'n'Stein", das "You Really Got Me"-Riff am Anfang von "Dein Vampir", zackiger Rockabilly ("Sweet Sweet Gwendoline", "Sie Kratzt"), oder schlicht der allumfassende Sunshine-Poppunk, der den Geist der Undertones mit ein paar Spritzern Stray Cats atmete. Das gabs nur einmal, das kommt nie wieder. So dachte man jedenfalls noch 1989. Doch man konnte das Phänomen Die Ärzte nie unter Ausschluss ihrer Texte diskutieren, was die Protagonisten später in ihren englischsprachigen, frappierend erfolglosen Soloprojekten noch zu spüren bekamen. Es gab in den 80ern einfach keine andere Band, die es schaffte (oder die die Notwendigkeit sah), zwei so unterschiedliche Personen wie Jutta Ditfurth und Theresa Orlowski in einem Song unterzubringen. Getreu der Maxime: Kein Niveau, das sich nicht lohnte, unterschritten zu werden. Was reimt sich noch mal auf verschicken? Einen ähnlichen Hang zu kruder Absurdität kannte man damals höchstens noch von Trio, deren Brillanz aber früh versiegte. Es gab später musikalisch und aufnahmetechnisch bessere Ärzte-Livealben ("Wir wollen nur deine Seele", 1999), doch "Nach Uns Die Sintflut" ist die Mutter aller Livescheiben, ein 100-minütiges Fun House, das zum Monolith des deutschen Funpunk-Genres wurde. Schon das Intro zählt großspurig von 10 runter und kündet "Die beste Band der Welt" an, die dann ein leidenschaftliches wie räudig aufgenommenes Livealbum in Ton gießt. Viele Töne sitzen nicht da, wo sie hingehören, aber hauptsache Party. Und es fehlt halt auch kein Hit (bis auf "Käfer" vielleicht). Kurios: Bela musste seinen Gesang nachträglich im Studio noch mal neu aufnehmen, da die Qualität seines drahtlosen Mikrofons auf Sylt einfach zu mies war. Hat nie jemand gemerkt, denn sein Studio-First Take entspricht den Live-Bedingungen. Ob ich seine dunklen Vampir-Fantasien generell so anziehend fand, weil die "Der kleine Vampir"-Verfilmungen mit Gert Fröbe meine Kindheit prägten, ist nur einer von vielen Erklärungsansätzen. "Alleine In Der Nacht" ist auch eine Bela-Nummer. Schon mit dem Songtitel konnten sich sicher 95% aller pubertären, männlichen Ärzte-Fans zu 105% identifizieren. Dazu fand ich den Plot ungeheuer faszinierend, weil (bis auf den Whiskey) äußerst lebensecht: Wie da jemand in einer Kneipe (bei mir freilich kirchlicher Jugendtreff) das Objekt seiner Begierde erblickt, diese ihm aber keinerlei Beachtung schenkt. Wie sie dann von einem anderen angequatscht wird. Bis hierher schon eine Preziose aus Verlangen und Fatalismus, den emotionalen Triebfedern jugendlichen Heranwachsens. Auch die nun folgende, komplett irrationale Wendung der Story erschien mir damals absolut logisch: Nachdem er das Mädchen bekommt und sie auf dem Motorrad heimbrausen, werden sie von der Polizei gestoppt, die in ihr eine gesuchte Bankräuberin erkennt, ergo: Der Typ ist "sieben Jahre lang allein". Welch Teenie-Melodram. Die großen Hits stammen dagegen meistens vom großen Blonden: "Zu Spät", "Teenager Liebe" oder "Westerland". Öfter gehört als die Standpauken der Eltern. Die letztlich zur Band-Trennung führenden Schreibblockaden manifestierten sich vereinzelt schon in Songs des Abschlussalbums "Das ist nicht die ganze Wahrheit". So klangen "Popstar" und "Siegerin" im Vergleich mit älteren Stücken eher nach eindimensionalem Bubblegum-Hardrock, und obendrein schienen die Ärzte von der plötzlichen Starwerdung so ergriffen, dass sie sich diesem Thema gleich doppelt widmeten. "Madonnas Dickdarm", eigens für die Abschlusstour von Bela, Farin und The Incredible Hagen komponiert und eine Art zusammenhangloses Text-Brainstorming, scheißt endgültig auf einen roten Faden und ist so etwas wie der songgewordene Bruder der Sprüche-Seite. Hüben wie drüben passt zwischen Gut ("Und wenn es einmal soweit ist / will ich auf meinem Skateboard sterben") und Böse ("Ich wär gern Gynäkologe / ja dann hätt ich viele Frauen") oft kein Blauer Brief. Sogar Schillers "Glocke" muss für eine Strophe herhalten. Die eventuell von Freddie Mercury übernommenen Echo-Spiele mit dem Publikum waren damals revolutionär. Bela ließ die Fans Sätze nachgrölen wie "Ich schwöre, niemals eine andere Band außer den Ärzten zu hören" und schickte sie danach zum T-Shirt-Stand. Die auf 18 Minuten zusammengeschnittene Sprüche-Seite mit ihren Bühnenansagen, nun ja, heute kann man sich das nicht mehr geben. Ebenso das "Highway To Hell"-Cover "Ich Bin Wild" - es gibt Dinge, die funktionieren nur im entsprechenden Zeitgefüge. Und trotzdem: Der Abend des 9. Juli 1988 hallt bis heute nach. Ein Abschlusskonzert auf einer Ferieninsel, sechs Jahre nachdem man sich im Berliner Rentnerparadies Spandau getroffen hatte, da schloss sich ein Kreis. Die Westerland-Show war seinerzeit eines ihrer längsten Konzerte, zwei Stunden und dann noch mal eine Stunde Improvisieren und wildes Herumcovern (Lüde & Die Astros, Die Toten Hosen). Viele Weggefährten im Publikum: Rocko Schamoni, Mimmis-Fabsi, Die Goldenen Zitronen und ein gewisser Rodrigo Gonzalez. Bei der Aftershow-Party soll Fabsi gleich losgeheult haben: "Jetzt gibt's nur noch die Hosen". So sah das auch Farin Urlaub, der sofort auf Campinos Idee ansprang: Der Hosen-Sänger wettete mit dem Berliner um 1000 DM, dass Die Ärzte ihren Entschluss keine fünf Jahre durchhalten würden. 1993 fand Campino einen Brief in der Post, ohne jeglichen Kommentar, Inhalt: ein Tausender. © Laut
CD21,99 Fr.

Punk – New Wave - Erschienen am 9. Oktober 1987 | Sony Music - Die Ärzte früher GbR

CD21,99 Fr.

Rock - Erschienen am 22. November 1999 | Hot Action Records