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Die Alben

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CD30,99 Fr.

Pop/Rock - Erschienen am 22. März 2013 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen Hi-Res Audio
Dass ich das noch erleben darf: Depeche Mode veröffentlichen ein gutes Album. Wenn nicht sogar ein sehr gutes, denn als Maßstab müssen ja die fußlahmen Vorgänger "Sounds Of The Universe" und "Playing The Angel" herhalten, von denen nur "Wrong" als Standout-Track in bester Erinnerung blieb. Songs wie "Perfect", "In Sympathy", "Hole To Feed" - einige Unerschütterliche werden sich erinnern - badeten in einer saturierten Behäbigkeit, mit denen VW Golf-Spezis der Sorte Bon Jovi seit Jahr und Tag ihre Alben füllen, um eine Grundlage für die obligatorische Welttour vorzuweisen. Dave, Martin, what went right? Natürlich geht es immer noch um pain and suffering in various tempos, diesmal aber mit Krawall und Remmidemmi. Man besinnt sich der alten Zeiten, als den DM-Pop noch Avantgarde-Sounds unterfütterten. Und wo man schon dabei war, färbte man scheinbar gleich ein altes Foto der "Some Great Reward"-Coversession rosa ein. Vor allem ist "Delta Machine" aber der kleine Bruder von "Exciter". Dessen kühl-technoide Unnahbarkeit verschreckte 2001 haufenweise Fans und zählt kurioserweise bis heute zu den unbeliebtesten DM-Platten. Anhänger dieser Glaubensrichtung werden sich nun umschauen. Zwar zelebriert "Delta Machine" soundtechnisch einen Schulterschluss mit den letzten zwei Alben, experimentiert aber auf ähnlich mutiger Ebene: mit dem Unterschied, dass sich die funkelnde Elektronik nun mit einer aus Blues und Folk gezogenen Sinnlichkeit paart, weshalb Gore im Vorfeld hehre "Violator"/"Songs Of Faith & Devotion"-Vergleiche bemühte. Seine Grundidee dürfte gewesen sein: Delta Blues meets Man Machine. Kurz: Delta Machine. So einfach. Wer beim Opener "Welcome To My World" aus Versehen den Volume-Regler auf +20 stehen hatte, kann schon mal den Weg zum Wertstoffhof googlen. Ein knochentrockener Tiefbass und ein mit Störgeräuschen gespicktes Rhythmus-Pattern knirscht mit sattem Druck dem nächsten Subwoofer-Test entgegen. Kurz darauf, auch irgendwie unangekündigt: Gahan, völlig ohne Gitarre, Synthie oder sonstige Hilfsmittel stakst in gewohnt ledernem Glamour durchs tosende Lärmgeflecht. "Leave your tranquilizers at home / you don't need them anymore", lautet sein Rat. So sicher wäre ich mir da beim Großteil seiner "Enjoy The Silence"-Gefolgschaft nicht. Die Stimmung ist düster wie lange nicht mehr, die Opulenz der letzten Alben weicht kratzigem Minimalismus und aus fast allen Tracks leuchtet eine Art neue Dringlichkeit. Woher die kommt? Hier darf man den dritten, den heimlichen Star der Show nicht übersehen: Ben Hillier. Ausgerechnet Hillier, der Gores Faible für alte Analogsounds auf den letzten Alben streckenweise ins Bizarre steigerte und dabei ein oft mattes Soundbild erschuf. Derselbe Hillier lässt nun plötzlich Räume entstehen, setzt Sound-Unwuchten und poliert nur da, wo poliert werden muss. Eher hätte ich Alan Wilders Rückkehr erwartet. Ebenso erfreuen die Ergebnisse des nach wie vor getrennt voneinander laborierenden Songwriter-Doppels Gahan/Gore. Man versteht sich endlich blind und teilt die Großtaten brüderlich auf. Gerade Diktatorbesieger Gahan haut mal wieder Album-Highlights raus: das schlanke und melodiöse "Broken" etwa, ein hymnisches Stück Dark Pop mit 80s-Nachhall der "Black Celebration"-Ära. Oder sein "Secret To The End", dessen Refrain die Gore'sche Kunst plakativer Textromantik schon vollkommen verinnerlicht hat: "Did I disappoint you? / I wanted to believe it's true / Our book of love is not enough / to see us through." Textlich ist sowieso klar, was einen erwartet: die großen, längst adaptierten Blues-Themen, enttäuschte Liebe, Hingabe, Versuchung, Schuld, Sühne, Engel und Teufel, Sex und Tod. Bei Songtiteln wie "Broken", "Heaven", "Should Be Higher" muss ja selbst ich kurz überlegen, ob es die auf früheren Alben nicht schon gab. Gesanglich legt Gahan bravourös über 30 Jahre Weltschmerz in seine Vorträge, was er nur gelegentlich übertreibt, etwa in seiner krächzenden Bobby Womack-Hommage "Angel", deren gefilterte "I Feel You"-Gitarren dem Vorwärtsgang der Nummer wiederum arg zuträglich sind. Trent Reznor dürfte der Sound auch irgendwie bekannt vorkommen. Etwas ziellos trabt die trackorientierte Minimal-Ballade "My Little Universe" durch die Gegend, mit der Gore wohl vor allem sagen will: Leute, wofür dieser Thom Yorke immer abgefeiert wird, das kann ich schon lange, außerdem lege ich schon viel länger auf als der. Hinten raus inszeniert er deshalb eine zirpende ARP-Synthieschlacht. "Soothe My Soul" ist wieder eine dieser okayen Nummern ihrer Spätphase, was Nachvollziehbares für die Nicht-Tekkies, was fürs Stadion, ein fragiletensioniger Single-Test für Nachwuchs-A&Rs. Das gleichsam wohltemperierte "Soft Touch/Raw Nerve" übt sich mit monotoner Bassline ebenfalls im Uptempo und liefert einen weiteren großen Refrainmitgröler: "Oh brother / give me a helping haa-haa-haa-haa-haand / oh brother / tell me you understaa-haa-haa-haa-haand!" "Slow" und "Goodbye" suchen am ehesten die Nähe des alten Onkels Robert Johnson, ersteres erinnert an Gahans morbide Momente mit den Soulsavers, während das unverfremdete Blues-Lick von "Goodbye" mehr Johnny Cash atmet als dessen "Personal Jesus"-Cover. Gore perpetuiert derweil mit "The Child Inside" die mystische Formel seiner Solonummern, die mehr Akkordwechsel aufweisen, als er Gahan gemeinhin in drei Songs gestattet. Insgesamt bietet "Delta Machine" mehr, als man in der U2/RHCP-Liga bringen müsste und ist voll eisiger Stiche für Schmerz-Fetischisten. Die ja spätestens seit der Sargträger-Hymne "Heaven" wissen, was die Stunde geschlagen hat: "I will end up dust!" Wir alle werden zu Staub. Vorläufig kriechen wir noch darin. Mit 60.000 anderen in den Olympiastadien unserer Wahl. © Laut
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Pop/Rock - Erschienen am 22. März 2013 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen Hi-Res Audio
Dass ich das noch erleben darf: Depeche Mode veröffentlichen ein gutes Album. Wenn nicht sogar ein sehr gutes, denn als Maßstab müssen ja die fußlahmen Vorgänger "Sounds Of The Universe" und "Playing The Angel" herhalten, von denen nur "Wrong" als Standout-Track in bester Erinnerung blieb. Songs wie "Perfect", "In Sympathy", "Hole To Feed" - einige Unerschütterliche werden sich erinnern - badeten in einer saturierten Behäbigkeit, mit denen VW Golf-Spezis der Sorte Bon Jovi seit Jahr und Tag ihre Alben füllen, um eine Grundlage für die obligatorische Welttour vorzuweisen. Dave, Martin, what went right? Natürlich geht es immer noch um pain and suffering in various tempos, diesmal aber mit Krawall und Remmidemmi. Man besinnt sich der alten Zeiten, als den DM-Pop noch Avantgarde-Sounds unterfütterten. Und wo man schon dabei war, färbte man scheinbar gleich ein altes Foto der "Some Great Reward"-Coversession rosa ein. Vor allem ist "Delta Machine" aber der kleine Bruder von "Exciter". Dessen kühl-technoide Unnahbarkeit verschreckte 2001 haufenweise Fans und zählt kurioserweise bis heute zu den unbeliebtesten DM-Platten. Anhänger dieser Glaubensrichtung werden sich nun umschauen. Zwar zelebriert "Delta Machine" soundtechnisch einen Schulterschluss mit den letzten zwei Alben, experimentiert aber auf ähnlich mutiger Ebene: mit dem Unterschied, dass sich die funkelnde Elektronik nun mit einer aus Blues und Folk gezogenen Sinnlichkeit paart, weshalb Gore im Vorfeld hehre "Violator"/"Songs Of Faith & Devotion"-Vergleiche bemühte. Seine Grundidee dürfte gewesen sein: Delta Blues meets Man Machine. Kurz: Delta Machine. So einfach. Wer beim Opener "Welcome To My World" aus Versehen den Volume-Regler auf +20 stehen hatte, kann schon mal den Weg zum Wertstoffhof googlen. Ein knochentrockener Tiefbass und ein mit Störgeräuschen gespicktes Rhythmus-Pattern knirscht mit sattem Druck dem nächsten Subwoofer-Test entgegen. Kurz darauf, auch irgendwie unangekündigt: Gahan, völlig ohne Gitarre, Synthie oder sonstige Hilfsmittel stakst in gewohnt ledernem Glamour durchs tosende Lärmgeflecht. "Leave your tranquilizers at home / you don't need them anymore", lautet sein Rat. So sicher wäre ich mir da beim Großteil seiner "Enjoy The Silence"-Gefolgschaft nicht. Die Stimmung ist düster wie lange nicht mehr, die Opulenz der letzten Alben weicht kratzigem Minimalismus und aus fast allen Tracks leuchtet eine Art neue Dringlichkeit. Woher die kommt? Hier darf man den dritten, den heimlichen Star der Show nicht übersehen: Ben Hillier. Ausgerechnet Hillier, der Gores Faible für alte Analogsounds auf den letzten Alben streckenweise ins Bizarre steigerte und dabei ein oft mattes Soundbild erschuf. Derselbe Hillier lässt nun plötzlich Räume entstehen, setzt Sound-Unwuchten und poliert nur da, wo poliert werden muss. Eher hätte ich Alan Wilders Rückkehr erwartet. Ebenso erfreuen die Ergebnisse des nach wie vor getrennt voneinander laborierenden Songwriter-Doppels Gahan/Gore. Man versteht sich endlich blind und teilt die Großtaten brüderlich auf. Gerade Diktatorbesieger Gahan haut mal wieder Album-Highlights raus: das schlanke und melodiöse "Broken" etwa, ein hymnisches Stück Dark Pop mit 80s-Nachhall der "Black Celebration"-Ära. Oder sein "Secret To The End", dessen Refrain die Gore'sche Kunst plakativer Textromantik schon vollkommen verinnerlicht hat: "Did I disappoint you? / I wanted to believe it's true / Our book of love is not enough / to see us through." Textlich ist sowieso klar, was einen erwartet: die großen, längst adaptierten Blues-Themen, enttäuschte Liebe, Hingabe, Versuchung, Schuld, Sühne, Engel und Teufel, Sex und Tod. Bei Songtiteln wie "Broken", "Heaven", "Should Be Higher" muss ja selbst ich kurz überlegen, ob es die auf früheren Alben nicht schon gab. Gesanglich legt Gahan bravourös über 30 Jahre Weltschmerz in seine Vorträge, was er nur gelegentlich übertreibt, etwa in seiner krächzenden Bobby Womack-Hommage "Angel", deren gefilterte "I Feel You"-Gitarren dem Vorwärtsgang der Nummer wiederum arg zuträglich sind. Trent Reznor dürfte der Sound auch irgendwie bekannt vorkommen. Etwas ziellos trabt die trackorientierte Minimal-Ballade "My Little Universe" durch die Gegend, mit der Gore wohl vor allem sagen will: Leute, wofür dieser Thom Yorke immer abgefeiert wird, das kann ich schon lange, außerdem lege ich schon viel länger auf als der. Hinten raus inszeniert er deshalb eine zirpende ARP-Synthieschlacht. "Soothe My Soul" ist wieder eine dieser okayen Nummern ihrer Spätphase, was Nachvollziehbares für die Nicht-Tekkies, was fürs Stadion, ein fragiletensioniger Single-Test für Nachwuchs-A&Rs. Das gleichsam wohltemperierte "Soft Touch/Raw Nerve" übt sich mit monotoner Bassline ebenfalls im Uptempo und liefert einen weiteren großen Refrainmitgröler: "Oh brother / give me a helping haa-haa-haa-haa-haand / oh brother / tell me you understaa-haa-haa-haa-haand!" "Slow" und "Goodbye" suchen am ehesten die Nähe des alten Onkels Robert Johnson, ersteres erinnert an Gahans morbide Momente mit den Soulsavers, während das unverfremdete Blues-Lick von "Goodbye" mehr Johnny Cash atmet als dessen "Personal Jesus"-Cover. Gore perpetuiert derweil mit "The Child Inside" die mystische Formel seiner Solonummern, die mehr Akkordwechsel aufweisen, als er Gahan gemeinhin in drei Songs gestattet. Insgesamt bietet "Delta Machine" mehr, als man in der U2/RHCP-Liga bringen müsste und ist voll eisiger Stiche für Schmerz-Fetischisten. Die ja spätestens seit der Sargträger-Hymne "Heaven" wissen, was die Stunde geschlagen hat: "I will end up dust!" Wir alle werden zu Staub. Vorläufig kriechen wir noch darin. Mit 60.000 anderen in den Olympiastadien unserer Wahl. © Laut
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Pop/Rock - Erschienen am 13. November 2006 | Venusnote Ltd.

Anfang der frühen 2000er Jahre genossen Depeche Mode bereits so hohes Ansehen, dass Hit-Sammlungen, Single-Compilations und andere Retrospektiven beinahe zur Tagesordnung gehörten. Obwohl „The Best of Volume 1” nicht das erste Compilation-Album der beliebten Synthie-Popband war, war es ihr erstes offizielles „Best of“ auf einer CD, auf der die gesamte Karriere der Gruppe, die bis dorthin immerhin zwei Jahrzehnte lang war, untergebracht wurde. So beinhaltet die Kollektion frühe Werke wie „Just Can’t Get Enough“ und „See You“, grüblerische Klassiker wie „Personal Jesus“ und „Enjoy the Silence“ aus der Mitte ihrer Karriere sowie die sauberen nüchternen Comeback-Titel „Suffer Well“ und „Precious“. Kurz und bündig gesagt, bietet das Album einen kompletten Überblick über die Karriere dieser klassischen New-Wave-Band. © Nate Knaebel /TiVo
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Rock - Erschienen am 19. März 1990 | Venusnote Ltd.

Anfang der 80er Jahre durfte Bassist Simon Gallup noch für The Cure Interviews geben und in einem fragte man ihn, welche Band er zutiefst verabscheue. Die Antwort kam pfeilschnell: "Ich hasse Depeche Mode. Ihre Musik und wie sie in ihren Anzügen rumlaufen, einfach lächerlich." Wie lange Gallup anschließend noch öffentlich sprechen durfte, ist nicht verbürgt, mit seiner Meinung stand er in Großbritannien aber nicht alleine da. Die von Rockjournalisten dominierte Presse verhöhnte das Quartett aus der Londoner Trabantenstadt Basildon über Jahre hinweg, stichelte mit Fragen nach dem Drummer und ließ sich 1988 wahrscheinlich noch die Vorgruppen aus Kalifornien faxen, um den Lesern erklären zu können, wie sich 70.000 Menschen zu einem DM-Konzert nach Pasadena verirren konnten. Trotz dieses Karriere-Höhepunkts deutete nichts darauf hin, dass der '87er Albumtitel "Music For The Masses" bald völlig ironiefrei Wirklichkeit werden, geschweige denn dass der "mit Abstand lächerlichste Heavy Metal-Titel, der uns eingefallen ist" (Martin Gore) zum bestverkauftesten DM-Tonträger in die Geschichte eingehen würde. Und schon gar nicht, dass ein Jahrzehnt später mit Johnny Cash ein Mann einen Song daraus neu aufnehmen würde, dessen Musik Gore gerade zwei Jahre zuvor im "101"-Film in einem Country-Plattenladen für sich entdeckt hatte. Besagter Song ist das 1989 als Vorabsingle veröffentlichte "Personal Jesus", ein mit Pailletten bestückter Bluesbrocken, der Marc Bolan-Grooves mit Electronica vermählte. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, diesen Klassiker sofort verstanden zu haben. Es wäre von einem 15-Jährigen vielleicht auch etwas zu viel verlangt gewesen, der noch nie in seinem Leben etwas von Marc Bolan gehört, sich aber sechs Monate zuvor noch in Vorfreude auf alles Kommende das aktuelle Livealbum "101" zugelegt hatte. Aber das hier war etwas komplett anderes. Wieso spielten meine Helden plötzlich als Cowboys verkleidet Gitarre in Wüstenpuffs? Verstört hörte ich wochenlang nur die Single-B-Seite "Dangerous". Und als hätte Martin Gore mein präpubertäres Unbehagen hinsichtlich des krassen Stilwechsels gespürt, wovon ich selbstverständlich seither ausgehe, ließ er mit "Enjoy The Silence" einen bittersüßen Crowdpleaser erster Güte folgen, sowas wie die Quintessenz der gesamten bisherigen Depeche-Karriere in vier Minuten: Dramatik, Grandezza, Dancebeats und eine Melodie, die in Wave-Discos, im Formatradio und an der Wurstbude funktioniert. Wo man sie bald auch überall antraf. Mit der Distanz von mehr als 20 Jahren habe ich natürlich erkannt, dass die Klasse von "Violator" nicht nur darin bestand, dass das Album das exorbitant hohe Level der zwei Hitsingles halten konnte. Nein, es waren auch die richtigen Leute vor Ort: Mark "Flood" Ellis und Francois Kevorkian prägten die Mainstream-Marke Depeche Mode 1990 auf akustischer Ebene analog zu Anton Corbijns visuellen Großtaten. Der damals aufstrebende Produzent Flood (U2, Nick Cave) redete der Band erstmal aus, dass es peinlich sei, die gleichen Sounds oder Samples mehrmals zu benutzen, was ebenso zum homogenen Albumsound beitrug wie sein Credo: "Wenn ihr Gitarren verwenden wollt, dann verwendet sie halt einfach." Die neuen Impulse des Rock-Producers ergänzte wiederum der aufgrund seiner Arbeit für Kraftwerks "Electric Café"-Album verpflichtete New Yorker DJ Francois Kevorkian hinterm Mischpult. Bald stellte sich heraus, warum die Düsseldorfer von dem Mann begeistert waren, denn Kevorkian arbeitete mitunter mehrere Tage an einem einzigen Hi-Hat-Sound. Das Ergebnis gab ihm Recht: Auf "Violator" fließen minimalistische Kühle mit natürlichem Instrumentarium so organisch zusammen, als wären die Genres Rock und Electro schon immer eins gewesen. Allein für den Opener "World In My Eyes" müsste man Kevorkian nachträglich eine Sänfte bauen: Jede einzelne 808-Snare ein Schlag in die Magengrube, die begleitenden Hi-Hats mit der technischen Präzision eines Space Shuttle-Starts (oder eben einer ganz normalen Kraftwerk-Platte). "Policy Of Truth" hört man Kevorkians filigrane Detailversessenheit ebenfalls an, die das einprägsame Gitarrenriff erst in einen akzentuierten Groove einbettete. Kurioserweise war der französische Technikfreak ausgerechnet am Über-Dance-Song "Enjoy The Silence" nicht beteiligt, aber DM hatten damals ja noch Alan Wilder, Gott hab ihn selig. Bekanntlich darf man Wilder für den hymnischen Charakter der DM-Songs bis 1993 verantwortlich machen und meiner persönlichen Meinung nach erreichte er im dunkel-treibenden "Halo", das er in ein furioses Streicher-Finale peitschte, einen oft übersehenen Höhepunkt. Für den Basisgroove verwendete er nach "Never Let Me Down Again" abermals das Drum-Sample von Led Zeppelins "When The Levee Breaks", natürlich verfremdet bis dorthinaus, weshalb weder 1987 noch 1990 irgendjemand danach fragte. Das Eintauchen in atmosphärische Spannungsbögen gipfelte schließlich im Abschlusssong "Clean", dessen repetitiv hämmernder Klangteppich die psychedelischen Pink Floyd in Erinnerung riefen. Und dann war da natürlich noch Dave Gahan, der zwar schon immer einen guten Job machte, auf "Violator" aber erst richtig zum Crooner aufsteigen konnte, weil er nicht mehr gegen zwanzig scheppernde Industrial-Spuren ansingen musste. Auf textlicher Ebene fühlte sich Gore mal wieder von Unmoral, (körperlichem) Verlangen und Machtspielereien angezogen und beleuchtete Beziehungsthemen mit gewohnt anzüglichen Doppeldeutigkeiten, denen unsichere Teenager von Orange County bis Südbaden zwar nur ansatzweise folgen konnten, in ihnen aber dennoch ihr ganz persönliches Lebens- und Liebesdilemma gespiegelt sahen. Heute stehen Depeche Mode als Dinosaurier in der Ruhmeshalle des Pop- und Rockgenres und werden, maßgeblich wegen "Violator" und "Songs Of Faith & Devotion", von so verschiedenen Bands bewundert wie Coldplay, Deftones, The Killers oder Linkin Park. So schön spirituell wie Ex-Chili Pepper John Frusciante im laut.de-Interview 2001 fasste jedoch bisher niemand die Kunst dieses Albums zusammen: "Für mich sind jene Energien, die einst Jimi Hendrix dazu bewogen, neue Sounds zu schaffen dieselben, die Depeche Mode überkamen, als sie 'Violator' aufnahmen; ein Album, das wie kein anderes Rockalbum zuvor klingt." © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 26. Juni 2020 | Columbia

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Rock - Erschienen am 28. September 1987 | Venusnote Ltd.

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Pop/Rock - Erschienen am 28. September 1998 | Venusnote Ltd.

„The Singles 86>98” ist ein Album, auf das sowohl Hardcore- als auch Gelegenheitsfans geduldig gewartet hatten. Und zwar aus einem guten Grund: Depeche Mode waren als Singles-Band immer effizienter gewesen als in ihren Bemühungen als Album-Künstler. Daher ist es überflüssig zu sagen, dass die Doppel-CD-Sammlung perfekt ist. Der musikalische Output von DM war während dieser 12 Jahre stark schwankend, hatte doch die Band Karrierehochs und -tiefs zu überwinden. Und genau diese Schwankungen sind auf diesem Album zu hören, von „Strangelove” und „Never Let Me Down Again" über „Personal Jesus" bis hin zu „Enjoy the Silence". Natürlich ist es möglich, dass einige Gelegenheitshörer die Sammlung ihrem Geschmack nach zu ziellos finden. Das Endresultat gehört jedoch – neben „The Singles 81>85“ – definitiv zu den besten Alben von Depeche Mode und eignet sich hervorragend zum Anhören. © Stephen Thomas Erlewine /TiVo
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Pop/Rock - Erschienen am 24. September 1984 | Venusnote Ltd.

The peak of the band's industrial-gone-mainstream fusion, and still one of the best electronic music albums yet recorded, Some Great Reward still sounds great, with the band's ever-evolving musical and production skills matching even more ambitious songwriting from Martin Gore. "People Are People" appears here, but finds itself outclassed by some of Depeche Mode's undisputed classics, most especially the moody, beautiful "Somebody," a Gore-sung piano ballad that mixes its wit and emotion skillfully; "Master and Servant," an amped-up, slamming dance track that conflates sexual and economic politics to sharp effect; and the closing "Blasphemous Rumors," a slow-building anthemic number supporting one of Gore's most cynical lyrics, addressing a suicidal teen who finds God only to die soon afterward. Even lesser-known tracks like the low-key pulse of "Lie to Me" and the weirdly dreamy "It Doesn't Matter" showcase an increasingly confident band. Alan Wilder's arrangements veer from the big to the stripped down, but always with just the right touch, such as the crowd samples bubbling beneath "Somebody" or the call/response a cappella start to "Master and Servant." With Reward, David Gahan's singing style found the métier it was going to stick with for the next ten years, and while it's never gone down well with some ears, it still has a compelling edge to it that suits the material well. © Ned Raggett /TiVo
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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. März 2017 | Columbia

Hi-Res
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Pop/Rock - Erschienen am 5. Oktober 1981 | Venusnote Ltd.

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Pop/Rock - Erschienen am 14. Oktober 1985 | Venusnote Ltd.

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Pop/Rock - Erschienen am 13. März 1989 | Venusnote Ltd.

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Rock - Erschienen am 14. Mai 2001 | Venusnote Ltd.

Das zweite Album ist immer das Schwerste. Sechs Jahre sind vergangen, seit Alan Wilder die Band äußerlich zum Trio schrumpfte und innerlich, so die weit reichende Annahme, zerstörte. Doch wie der Verlust des Soundtüftlers klingt, erfuhren wir 1997 mit "Ultra", einem ruhigen Werk, dessen Beurteilung von der allgemeinen Freude über die Band-Rückkehr getragen wurde. Der Zweitling entscheidet bei Newcomern über Leben und Tod, im Falle Depeche Modes kämpfen Stillstand versus Weiterentwicklung. In jedem Fall verhalten sich die Fans seit langem "very excited". Trotz "Dream On". Klar, der catchy Refrain führte zum Single-Release, aber insgeheim wusste man doch, dass Martin Gore das besser kann. Richtig. Nicht nur schrieb er Sänger Gahan einige echte Song-Perlen auf den Kehlkopf, gerade jener liefert auf "Exciter" seine beeindruckendste Performance ab. Die kantigen Gitarren à la "Barrel Of A Gun" tauschte Producer Mark Bell gegen detailreiche Elektronik aus, was mitunter an selige "Violator"-Zeiten erinnert. Gerade Bell, der dank LFO-Mitgliedsausweis und Warp-Label-Präsenz als Klangdesigner schlechthin gilt, packte die Band anscheinend so richtig am Kragen, was bei alten Millionarios wohl nötig sein muss. Heraus kam ein sehr intensives Album, dessen leicht verschrobene Songs man sich im Single-Format nur schwer vorstellen kann. "Shine" blubbert experimentierfreudig zu neuen Ufern und in "The Sweetest Condition" faucht und keift Gahan über eine getragene bluesy Slide-Gitarre, beides Vorzeigestücke Bell'scher Einflussnahme. Besonders die neu gewonnene Freude an soundspielerischen Gimmicks begeistert. Mit welch einfachen Mitteln Atmosphäre erzeugt werden kann, zeigt "When The Body Speaks", eine leise Gitarren-Ballade, die zum Finale hin mit Streicherarrangements veredelt wird. Gores Lyrics befassen sich bekanntermaßen mit den schwierigen Momenten zwischenmenschlicher Beziehungen, die er selten in allzu abstrakte Wortgebilde kleidet. Auf "Exciter" spannt er diese Kunst der Einfachheit weiter; so heißt der beste Song des Albums tatsächlich "Freelove", ohne auch nur ansatzweise kitschig zu wirken. Die Zeile "If you've been hiding from love - I can understand where you're coming from" und die sehr minimale Umsetzung der Gänsehaut-Nummer sind echte Aufreger. Und: "When you're born a lover - you're born to suffer" ("Goodnight Lovers"). Wie es Gahan geschafft hat, eine für Gore vorgesehene Ballade für seine Stimme zu gewinnen, bleibt sein Geheimnis. Das genannte "Goodnight Lovers" im Gospel-Style ist jedenfalls das Beispiel für Gahans Arbeit an seinem stimmlichen Input. Gore steht seinem Kollegen in nichts nach; im elegischen "Breathe" wimmert er zum Ende mit ergreifendem Pathos. "I Am You" beschwört trotz Massive Attack nahen Beats vom Klanggerüst her die Wilder Years herauf. Allein die Dancebeats in "I Feel Loved" und die markerschütternden Killersounds im Refrain wirken penetrant, wenn nicht überproduziert. Die dunkle Krone des Albums gebührt dem unruhig zappelnden Kopfnickerrocker "The Dead Of Night", der ähnlich wie "Closer" von Nine Inch Nails auch unbeugsamste Manson-Fans auf die Tanzfläche locken könnte. Es sieht gut aus für die Zukunft von Depeche Mode. "Exciter" ist der Schritt nach vorne. Falls dies der Anfang eines neuen Depeche Mode-Jahrzehnts ist, könnte Mark Bell der neue Gareth Jones werden. Jener Mann trieb die Jungs in den 80ern vom Mischpult aus in die großen Erfolge. Er kam erst zum dritten Album. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 14. November 2014 | Columbia

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Rock - Erschienen am 14. April 1997 | Venusnote Ltd.

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Pop/Rock - Erschienen am 22. März 1993 | Venusnote Ltd.

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Rock - Erschienen am 13. Oktober 2005 | Venusnote Ltd.

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Rock - Erschienen am 22. August 1983 | Columbia

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Pop/Rock - Erschienen am 27. September 1982 | Venusnote Ltd.

Martin Gore has famously noted that Depeche Mode stopped worrying about its future when the first post-Vince Clarke-departure single, "See You," placed even higher on the English charts than anything else Clarke had done with them. Such confidence carries through all of A Broken Frame, a notably more ambitious effort than the pure pop/disco of the band's debut. With arranging genius Alan Wilder still one album away from fully joining the band, Frame became very much Gore's record, writing all the songs and exploring various styles never again touched upon in later years. "Satellite" and "Monument" take distinct dub/reggae turns, while "Shouldn't Have Done That" delivers its slightly precious message about the dangers of adulthood with a spare arrangement and hollow, weirdly sweet vocals. Much of the album follows in a dark vein, forsaking earlier sprightliness, aside from tracks like "A Photograph of You" and "The Meaning of Love," for more melancholy reflections about love gone wrong as "Leave in Silence" and "My Secret Garden." More complex arrangements and juxtaposed sounds, such as the sparkle of breaking glass in "Leave in Silence," help give this underrated album even more of an intriguing, unexpected edge. Gore's lyrics sometimes veer on the facile, but David Gahan's singing comes more clearly to the fore throughout -- things aren't all there yet, but they were definitely starting to get close. © Ned Raggett /TiVo
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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. März 2017 | Columbia

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