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Ähnliche Künstler

Die Alben

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Kinder - Erschienen am 13. November 2020 | Sturmfreie Bude

Weihnachtsalben stehen in einem wahrhaft bescheidenen Ruf. Mit beiden Augen gen Festtagsgeschäft schielend, ramschen ihre Urheber meist hurtig irgendwelches Best-Of-Material zusammen, um das sie per Glöckchensound eine weihnachtlich anmutende Verpackung gehudelt haben. Wenn sie nicht gleich auf traditionelles (will meinen: hundertfach wiedergekäutes) Weihnachtsliedgut zurückgreifen. Beide Optionen wirken ... nennen wir es mal: "wenig verlockend". Kein Wunder also, dass sich Deine Freunde beim Gedanken, selbst in dieses Kommerzspiel einzusteigen, erheblich sträuben, stehen sie doch im (ganz und gar nicht bescheidenen) Ruf, nicht nur die beste Kinderband der Welt zu sein, sondern auch eine durch und durch kredible Rap-Crew. Sell-Out möchte man sich da doppelt ungern vorwerfen lassen. Praktisch, wenn drei nervtötende Egos im Miniaturformat auftauchen, denen man die Schuld zusammen mit den ruchlosen Absichten in die Ringelstrümpfe schieben kann: Deine Freunde können nix dafür. Der perfide Plan, die äußerst jugendliche Zielgruppe samt daran hängender Eltern auszunehmen, entsprang den Hirnen dreier aufdringlicher Weihnachtselfen, und seine Umsetzung verdanken wir ihrem ausdauerndem Gequengel. So weit die vergnügliche Entstehungsgeschichte, nachzuverfolgen in dieser zehnteiligen Serie: "Das Album im Auftrag der Wichtel: hier isses", heißt es dann nach angemessen opulentem "Präludium", das mit Glöckchenklingeling, Wind, Kinderlachen und Chören wirklich alle Klischeeregister zieht. Jesusmaria, das wird was geben. Oh, ja: ein ganz wunder- und liebevoll geschnürtes Paket neuer, schlauer, witziger, vollkommen unpeinlicher Tracks zum Abfeiern, bei denen das Alter der Konsument*innen wirklich und wahrhaftig keine Rolle spielt. "Wann Wird's Mal Wieder Richtig Winter" erinnert nur vom Titel her an den Evergreen, in dem Rudi Carell einst das Ausbleiben einer anderen Jahreszeit betrauerte. Deine Freunde verpacken das ernste Thema Klimawandel in einen vergnüglichen Popsong mit astrein gerappten Strophen. Der Nachschlag "Ein Ganz Normaler Sommertag" spinnt den brisanten Faden weiter, auch hier ohne jedes Zeigefinger-Gefuchtele, dafür mit herrlich cheesy Gesang und Call-and-Response in bester Oldschool-Hip Hop-Tradition, dass man sich fühlt, als sei man irgendwie in eine Neuauflage von "Welcome To Miami" gestolpert. Schon hier zeigt sich: Deine Freunde machen auch diesmal wieder, was sie schon immer getan haben: Sie nehmen ihre Zielgruppe für voll. Statt sie mit dümmlichen Texten und achtlos hingerotzten Produktionen abzuspeisen, stimmt erneut einfach alles: Clevere, unterhaltsame Lyrics treffen - ob in Rap oder Gesang - makellose Delivery und fettest ausproduzierte Beats. Keine Sorge: Auch wenn es zunächst so aussieht, fehlt der leicht debile Kasperletechno-Track zum Mitstampfen auch diesmal nicht. Man muss ihn halt bloß finden. Statt ausgeleierte Weihnachtslieder zu Tode zu reiten, orientieren sich Deine Freunde lediglich inhaltlich am Fest der Liebe. Sie erzählen vom "XXL Wunschzettel", beäugen "Die Krassesten Schlitten" und rennende Rentiere (die garantiert das eine oder andere Mal Marterias "Endboss" gehört haben). Der "Weihnachtsvertretermann" bietet das für diesen Anlass unerlässliche Dekorationsmaterial feil, die Blockflöte nimmt gar grauenvolle Rache, und fast spielerisch beiläufig geht es auch um Druck und übersteigerte Erwartungen, die das Weihnachtsfest in vielen Familien zu einem durchaus anstrengenden emotionalen Balance-Akt machen. "Dieses Jahr Schenken Wir Uns Mal Nix" thematisiert - im groovy Walzertakt mit leichter Reggae-Schlagseite - den titelgebenden Vorsatz und die Schwierigkeit seiner Durchführung. Über die hässlichen Blüten, die der Konsumwahn treibt, darf man ruhig kurz nachdenken, auch wenn man das Schenken als lieb gewonnene Tradition schätzt. Genau so, wie dem Wegwerfprodukt Christbaum, wie in "Oh Oh Tannenbaum", ein sentimentales Tränchen hinterhegeweint gehört: Es ist ja tatsächlich traurig, ein ehemals stolzes Gewächs nach Gebrauch achtlos am Straßenrand zu entsorgen. Während die Weichnachtsmotive an diesen Stellen unübersehbar im Raum stehen, liefern sie anderswo lediglich den Aufhänger. "Siehst Du Die Sterne" passte mit seinem wuchtigen, dunklen Anstrich bestens auch in eine sternenklare, warme Sommernacht, und im Gedenken an den einst heiß ersehnten "C64" und die Freuden, die er bot - "Bubble Bobble"! "Giana Sisters"!! - kann man getrost das ganze Jahr über in Nostalgie zerfließen. Ebenso passt die frohe Botschaft des Albums nicht nur in die Adventszeit. Sie lautet: Achtet aufeinander. Hört einander zu. Genießt die gemeinsame Zeit, sie ist das größte Geschenk von allen. "Freut Euch, Dass Ihr Da Seid". Es geht darum, zu "erkennen, was wir schon haben, nicht nur suchen, was noch fehlt". Klingt kitschig? Vielleicht. Deswegen steckt aber nicht weniger Wahrheit drin. © Laut
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Kinder - Erschienen am 1. Januar 2012 | noch mal!!!

Jeder, der Kinder und/oder Freunde mit Kindern hat, weiß: Musik für Kinder nervt. In aller Regel geraten Kinderlieder wahlweise peinlich, ekelhaft anbiedernd, betulich oder alles zusammen. Wohl, weil Kinderlied-Autoren dazu neigen, ihr Publikum chronisch zu unterschätzen. All das gilt im Fall Deine Freunde nicht. Nicht im geringsten! Das Trio um den ehemaligen Echt-Schlagzeuger Florian Sump, der unter seinem Alias Jim Pansen schon tauglichen Rap geliefert hat, kredenzt vielmehr eine Platte, die Kinder, Eltern und die Menschen in deren Hörweite gleichermaßen "Ausm Häuschen" geraten lassen sollte. Danke! Endlich! Statt dümmlicher Lalala-Ware stützen sich Deine Freunde auf eine Erkenntnis, die sich leicht nachvollziehen lässt, begibt man sich in die Gesellschaft der Jüngsten: Kinder lieben Hip Hop. Ohne Scheiß - sie stehen auf die Beats. Je knackiger, desto besser. "Was gefällt dir daran? Bass!" Jetzt ziehen bedauerlicherweise nicht alle Kollegen in meinem Bekanntenkreis so unglaublich coole Dreijährige wie das Prachtexemplar groß, das völlig selbstvergessen und aus tiefster Lunge "In Yo Face!" von der Insane Clown Posse mitshoutet. Die meisten Lieder brauchen, um in Kinderstuben hierzulande zu funktionieren, einfach einen deutschen Text. Da wird die Luft schon dünn. Was Deutschrap über weite Strecken zu bieten hat, will man kaum selbst ins Kinderzimmer tragen. Das wird noch schlimm genug, wenn die Kids von alleine auf den Trichter kommen. Ich hörs schon stammeln: "Muskulatur? Kuck auf die Uhr!" Die reproduktionsfreudige Welt benötigt also dringend deutschsprachigen, solide gebauten Hip Hop, der in halbwegs sozialverträglichem Vokabular Themen abhandelt, die mit der Lebenswirklichkeit der jüngsten Fans auch etwas zu tun haben. Whoomp - there it is! Deine Freunde rappen über Schokolade, Fangerles und Pyjama-Partys. Sie hadern mit Spielverderbern, besetzten Schaukeln, Hausarrest und Fernsehverbot. Herrlich anarchisch verteidigen sie das Chaos im Kinderzimmer gegen die von den Großen oktroyierte Ordnung, hinterfragen frech den zu oft schon unbotmäßig früh auferlegten Leistungsdruck und herrschende Konventionen: "Wenn Fluchen wirklich so verboten ist, sag mir: Wo bleibt die Polizei?" "Wie Schön, Dass Du Geboren Bist" - wirklich jeder hat "den Chor im Ohr". Deine Freunde veredeln Rolf Zuckowskis Dauerbrenner - mit der ausdrücklichen Rückendeckung des Kinderlied-Papstes - zum "Geburtstagsrap". Hoch sollen sie leben, allesamt! Kopfnicken und Spaß dabei: Nach diesem Prinzip funktionieren auch die Beats. Die Refrains geraten hie und da ein wenig dünn, leicht fadenscheinig. Das sollte ihrer Funktionalität aber kaum Schaden zufügen. Hier eine hemmungslose Anleihe bei "Macarena", da ein wenig Karibik-Feeling, dort fluffiger Westcoast-G-Funk, da drüben ordentlich Synthiepop: Erlaubt ist, was rockt. Bratzige Bässe, quakende Synthies und Pianoläufe zeichnen stimmige Soundbilder und schicken schon die Kleinsten auf die Tanzflächen. Dem Irrglauben, dem zufolge es cooler wirken soll, reglos am Rand herum zu stehen, ist in diesem Stadium zum Glück noch niemand aufgesessen. Dieser gebenedeite Zustand möge bitte noch lange anhalten. © Laut
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Kinder - Erschienen am 22. November 2019 | Sturmfreie Bude

"Die neuesten Abenteuer der coolsten Kinderband der Welt", verspricht "Helikopter" gleich zum Auftakt. Anspruch: steht. Status: zementiert. Es kann also los-, respektive nahtlos weitergehen. "Wir lassen euch nicht los, dafür sind wir nicht bereit." Warum sollten sie auch? Längst haben Deine Freunde ihre Zielgruppe - Kinder im Vor-Teenie-Alter samt ihren Eltern - gefunden und ihr Konzept perfektioniert. Das Erfolgsrezept wirkt so simpel, dass sich beim inzwischen fünften Album des Trios die Frage noch heftiger als zuvor aufdrängt. Eine Frage, die ich vielleicht noch nicht hundert-, bestimmt aber schon viermal formuliert habe: Wieso macht das eigentlich kaum einer nach? So schwer klingt es doch gar nicht. Im Grunde gehorcht das Oeuvre von Deine Freunde nur drei goldenen Regeln: * Nimm' dein Publikum ernst. * Erzähl' von Dingen, zu denen alle Beteiligten, Sender- wie Empfängerseite, einen Bezug haben. * Hab' Spaß. Alles andere wirf über den Haufen. Niemand braucht pädagogische Zeigefinger. Oder Genregrenzen. Die gängigen Übereinkünfte darüber, was man Kindern zumuten kann, darf, sollte, erweisen sich oft genug auch eher als Mumpitz. Deine Freunde machen Songs, wie jedes Kind der Welt aufwachsen dürfen sollte: mit Herz, Verstand - und mit Vergnügen. Entsprechend birgt auch "Helikopter" wieder handwerklich astrein produzierte Tracks mit dem gemeinsamen Nenner "pumpende Bässe + catchy Hook". Ob diese Gleichung am Ende Rap ausspuckt oder - wie "Der Wasserhahn Tropft" - straight Techno: scheißegal. Flackernden Videospiel-Sound gibts in "Wieder Deine Freunde", fast schon klassischen Elektroboogie in "Cheese". "Die Sirene" spielt mit Trap-Ästhetik, "Skrrrr!" "Wenn Der Hausmeister Kommt", kommt auch ein Schreihals in bester Fat Man Scoop- oder Tony-Damager-Manier, während "April, April" Falco von den Toten aufweckt. Moment mal. Falco? Den kennen die Kids doch gar nicht mehr, und wie es bei der "Elternvertreterwahl In Der Kita" abgeht, dürften sie auch kaum wissen. Macht aber nix: Deine Freunde richten sich schon lange nicht mehr nur an die ganz Kleinen, sondern nehmen auch deren Eltern mit. Ihre Texte funktionieren so oft - ähnlich wie bei Asterix oder der Muppet Show - auf mehreren Verständnisebenen. Aus Kinder- wie Eltern-Perspektive lassen sich unterschiedliche Details entdecken: perfekte Familienunterhaltung. Vieles sorgt für Heiterkeit, manches regt zum Nachdenken an, und da, wo einer etwas nicht oder missversteht, gibt es gleich Gesprächsstoff. Über den Schwachsinn in einer Phrase wie "Früher War Alles Besser" nachzudenken, schadet wirklich niemandem, egal, wie alt er oder sie ist. "Kater Vs. Vollzeitrausch" erscheint inhaltlich zwar wenig originell. Songs, in denen Eltern erzählen, wie komplett doch so ein Baby das Leben auf den Kopf stellt, gibts tatsächlich wie Sand am Meer. Trotzdem: Zuzugeben, dass so ein Kind nicht immer nur eitel Sonnenschein bedeutet, sondern auch Schlafmangel, Zweifel und komplette Überforderung mit der neuen Situation, das Eingeständnis, dass die Eltern nicht immer und überall unerschütterliche Leuchttürme der Selbstsicherheit verkörpern, kann einem offenen, verständnisvollen Miteinander im Familienkreis nur zuträglich sein. Genau dafür ist "Helikopter" gemacht: für das Miteinander im Familienkreis. Genau da funktioniert es auch, obwohl Musik, die sich explizit an Kinder richtet, normalerweise kaum bis gar keine erwachsenen Fans hat. In aller Regel nervt Kindermusik in ihrer lieblosen, intellektuell armseligen Machart wie Sau, auch wenn sie damit vielleicht tatsächlich aufs Leben vorbereitet. In "erwachsenen" Chartsrealitäten sieht das ja kaum besser aus. Interessantes Thema für eine Langzeit-Studie, eigentlich: Ob sich eine Generation, die mit Deine Freunde heranwuchs, später auch so leicht und widerspruchslos mit generischer Fließband-Mucke und Textplattitüden im Horoskop-Style abfüttern lässt? Ich hoffe, nicht. Ich hoffe auf heftigstes Aufbegehren gegen den Mainstream-Mumpf. Die Voraussetzungen für eine in musikalischer und lyrischer Hinsicht goldene Zukunft waren jedenfalls nie besser. Diejenigen, die sie in Händen halten, haben gezeigt bekommen, dass es auch anders geht. © Laut
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Kinder - Erschienen am 3. November 2017 | noch mal!!!

Zum Glück hab' ich keine Kinder. Ich muss mir also keine Gedanken machen, ob nicht eigentlich erhebliche Gemeinheit darin steckt, die eigene Brut mit Deine Freunde-Hip Hop zu sozialisieren. Eins erscheint mir gewiss: Jungen Menschen, die den Erstkontakt über dieses Trio knüpfen, steht ein ganz schöner Ernüchterungsschock bevor. Deutscher Rap ist oft gar nicht so fett produziert? Viele erfolgreiche Rapper flowen nicht ansatzweise so lässig? Und die meisten Texte im Deutschrap sind nichtssagender, langweiliger und klischeebeladener als alles, das Deine Freunde im Gepäck führen? Yo, Kinder aller Altersstufen, ich sag's mal mit den Trailerpark-Buben: Das Leben ist kein Tanzverein. Harte Realitäten schlagen einem noch früh genug ins Gesicht. Genießt also die Zeit in diesem herrlich kunterbunten Wolkenkuckucksheim, und lasst euch bloß von niemandem den Bären aufbinden, Musik, die für eine verflixt junge Zielgruppe geschaffen wurde, müsse zwangsläufig uncool sein. Deine Freunde haben den Gegenbeweis längst erbracht, wieder, wieder und wieder. Mit "Keine Märchen" setzen sie das ebensolche nahtlos fort. Das funktioniert auch diesmal wieder aus haargenau den gleichen Gründen wie auf den drei Vorgängeralben: Diese Jungs lieben ihr Publikum, und sie lieben Hip Hop. Aus tiefstem Herzen. Wer seine Hörerschaft liebt, nimmt sie ernst. Schreibe ich bei jeder Deine Freunde-Platte, stimmt auch bei dieser wieder. Kindgerechte Themen zu servieren bedeutet halt nicht, dass man in Dutzidutzi-Verdumm-dein-Gegenüber-Sprech abkippen muss. Im Gegenteil: Auf dieser Platte kannste auch noch was lernen. Zum Beispiel, wie man "Fontanelle" buchstabiert - und was zum Teufel das überhaupt ist. Each one teach one: Deine Freunde erklären im Vorübergehen Sinn, Zweck und Vorgehensweise beim "Soundcheck", entlarven die Erwachsenendrohung "Mein Lieber Freund, Ich Zähl Bis Drei" als so leer, wie die ständig wiederholte Phrase "Du Bist Aber Groß Geworden" hohl ist, und befassen sich mit der endlosen Gruseligkeit von Märchen: "Schlimmer als beim 'Bachelor'! Doch die abgestumpfte Jugend schieben sie auf Rapper." "Dieses Lied ist leider traurig." Kein Wunder: "Matsch" befasst sich mit Verlust, Abschiednehmen und dem Herauswachsen aus möglicherweise lieb gewonnenen Gewohnheiten. Angesichts des wunderbar schwelgenden Walzertakts und der herrlich cheesy geratenen Hook verzeihe ich den ausgelutschten Gewitterregen, der im Hintergrund niedergeht. Neben der Kinderstimme in "Nervig": tatsächlich das einzige Element, das dieses Attribut eventuell verdient hat. Explizite Liebeserklärungen stecken in "Unsere Fans" und, noch herzzerreißender, in "Ich Und Mein Brudi". Wer einen hat, versteht. Wer einen hatte, sollte aufpassen, nicht in Rotz und Wasser zu zerfließen. Obacht, hier. Ganz dünnes Eis. Die Liebeserklärung an den Hip Hop springt aus den unzähligen Zitaten und Querverweisen, dem Namedropping und den Samples. Wer mag, kann diese Platte auch gleich zum Anlass nehmen, den Nachwuchs über Chief Keef, Marterias "Kids" und Shindys "Stress Ohne Grund" aufzuklären. Oder um gemeinsam R.A. The Rugged Mans "The People's Champ" zu hören oder mal wieder "Star Wars" oder "Die Ritter Der Kokosnuss" zu gucken und auf den Ah!-Das-kenn-ich-doch-Moment zu warten. Oder man lässt sich einfach reinfallen, in den restlos satt ausproduzierten Sound. Bratzende Bässe allüberall. "Du Bist Aber Groß Geworden" regiert ein reduzierter, elendiglich funktriefender Groove. "Ay-ay-ay-ay-ay!" grölt dem Dancehall-Brett "Mein Lieber Freund, Ich Zähl' Bis Drei" südamerikanischen Party-Vibe ein. "Nix Passiert": feinster Synthiepop. "Fontanelle": astreiner Schlafzimmer-R'n'B. "Ich Sags Gleich" pumpt in bester Disco-Pogo-Manier. "Mecker": im Grunde ... irgendwie ... Horrorcore? Ja, das kann man Kindern alles zumuten. Verkraften sie bestimmt besser als die traurige Erkenntnis, dass diese Platte keinen tauglichen Maßstab für die Qualität von deutschem Hip Hop liefert. Wenn allerdings eine ganze Generation hiermit imprägnierter Nachwuchs-Kopfnicker irgendwann den Markt überrollt, besteht wahrlich noch Hoffnung. © Laut
Ab
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Kinder - Erschienen am 1. Januar 2014 | noch mal!!!

"Dann setzt euch alle mal in den Schneidersitz." Dröges Geklimpere und Ei-ei-ei-dutzi-dutzi-Rhetorik: Mehr wollen die Zeitgenossen, die Musik für Kinder machen, ihrer Klientel offenbar partout nicht zutrauen. Kein Wunder, wachsen sich die Resultate oft zu derartigen Zumutungen aus, dass man sich in der Gesellschaft von Menschen mit Kindern, die diesen debilen Scheißdreck dann rauf- und runterdudeln lassen, als einigermaßen musikaffiner Typ höchstens aufhält, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt. Die Erkenntnis, dass es tatsächlich auch anders geht, bescherten mir Deine Freunde schon mit "Ausm Häuschen". "Heile Welt" reitet nun die zweite höchst wirkungsvolle "Attacke" gegen die allzu oft allzu dämliche Beschallung der Brut. Danke! Jungs, ich danke euch! An der Formel ihres Erstlings haben Markus Pauli, Lukas Nimschek und Florian Sump nichts verändert. Warum auch? Sie funktioniert schließlich so bombig, dass man sich fragt, warum das Konzept nicht scharenweise Nachahmer findet. So geheim halten die drei ihr Geheimrezept schließlich gar nicht. Wichtigste Zutat im Deine Freunde-Sound: Die Zielgruppe für voll nehmen. Dann kommt der ganze Rest von selbst. Deine Freunde kredenzen pumpenden Elektro ("Wann Sind Wir Da?"), Gitarren und Klavier ("Deine Mudder") oder einen angeschrägt schunkelnden, souligen Walzertakt zum "Nachtisch", gerne auch mit einer Spur Dancehall oder Reggae angereichert. Was eignet sich zum "Toben", WHAT?!! Genau: Crunk. Jawollja, nur Mut: Kinder vertragen Beats mit ordentlich Schmackes. Deswegen gehen ja auch so viele von ihnen auf harten Straßenrap oder auf Humpahumpa-Bierzelt-Volksmusik ab. Oder auf beides, beobachtet das mal! Die Texte besagter Genres stellen betroffene Elternteile vor eine echt üble Wahl: Sollen sie Straßenstrich, Drogenhölle und Brutalo-Knastromantik im Kinderzimmer dulden - oder ein mindestens genauso verlogenes Alpenkitschpanorama? Deine Freunde bieten lyrisch eine echt kindgerechte, dabei aber auch für reifere Zuhörer ganz und gar unpeinliche Alternative. Ihre Themen suchen und finden sie nämlich auch diesmal tatsächlich in der Erlebenswelt ihrer kleinen Fans. Ob sie nun Lil Jon, Ol' Dirty Bastard, Sido oder einen Kinderreim zitieren: Deine Freunde bedienen sich stets so griffiger Bilder, Worte und Formulierungen, dass selbst die Jüngsten folgen können. Das große Kunststück dabei steckt darin, darüber nicht die Älteren zu verlieren. Mission erneut geglückt: Auch wer das Grundschulalter bereits hinter sich gelassen hat, darf sich in der "Heilen Welt" wie Bolle amüsieren. Man kann sich schließlich noch genau erinnern, wie endlose Autofahrten aus der Rücksitz-Perspektive betrachtet aussahen: "Wann Sind Wir Da?" Klar weiß man noch, wie sich die Zeit in langweiligen Schulstunden wie Kaugummi dehnte ("Tick Tack"). Auch die Erpressungstaktiken Erwachsener ("Ogottogottogott! Es ist Leberwurst!!", "Nachtisch") kennt man bestens, oder die Machtprobe, die hinter einem kleinen Tobsuchtsanfall an der Ladenkasse steckt ("Theater Im Supermarkt"). Jeder hat beim Gang in den finsteren Keller schon einmal "Gruselgefahr" verspürt, oder ist schier geplatzt vor Stolz, wenn er endlich, endlich etwas ganz ohne Hilfe hinbekommen hat: "Ganz Groß"! Eine wehmütige Ode an die zahllosen verschossenen Bälle dieser Welt ("Auf Den Dächern") passt in die "Heile Welt", genau wie der Song für den dicksten Kumpel ("Wenn Flüsse Aufwärts Fließen") oder das Liebeslied an "Deine Mudder" - auch wenn "Heintje, die Spice Girls und auch dieser Tupac" auf diesem Gebiet schon schneller waren. Treu im Geiste der Curse'schen Rap-Gesetze stellen Deine Freunde in "Hab' Ich Schon Gemacht" zudem die Grundregeln des Mogelns auf: sehr nützlich in vielen Lebenslagen. Nein, ich mag auch in diesem Kontext keine autogetuneten Hooklines wie in "Wann Sind Wir Da". Ja, frühestens "Wenn Die Flüsse Aufwärts Fließen" wird mich der allzu gerade Synthiesound mit doch schon recht schwülstig gesungenem Chorus vom Hocker reißen. Ein Überhit wie "Schokolade" war diesmal auch nicht drin, leider. (Wie hätte man den aber auch wiederholen sollen?) Insgesamt bietet "Heile Welt" aber trotzdem - genau wie "Ausm Häuschen" - grandiose Unterhaltung für jedes Alter, allenfalls mit Ausnahme biestiger Vollpubertärer. Aber die müssen ja hormonbedingt gezwungenermaßen alles Scheiße finden, die Armen. © Laut
Ab
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Kinder - Erschienen am 27. November 2015 | noch mal!!!

Musik für Kinder bedeutet für erwachsene Ohren in aller Regel die nackte Qual. Der Li-La-Launebär hat keine Sendung mehr, statt dessen zertrampelt eine Stampede von Giraffenaffen die letzten Reste des ohnehin schon strapazierten Nervenkostüms. Man könnte glatt auf die Idee kommen, es sei unmöglich, für die in höchstem Maße jugendliche Zielgruppe zu produzieren, ohne darüber die Erwachsenen zu malträtieren. Nö, sagen dazu in unregelmäßigen Abständen Deine Freunde, das geht ganz leicht. Ihr Rezept wirkt so lächerlich einfach, dass man schlicht nicht fassen kann, warum es nicht mehr Nachahmer findet. Die Hamburger machen kein Geheimnis aus ihrer Strategie: "Kinder brauchen eine Band, die sie ernst nimmt und ihr ganzes Herz in die Mucke legt." Dann klappts auch mit den Kinderlosen. Eltern sollten dem Trio vor Dankbarkeit ohnehin Hände und Füße abküssen. Getreu dem Prinzip "'n bisschen Beat und Bass haben noch keinem geschadet" muten Deine Freunde ihrem Publikum satt pumpenden Hip Hop-Bumms zu und "führen ... ein bisschen an Lautstärke heran". Dazu noch eingängige, poppige Hooklines zum Mitsingen, ein bisschen Schweiß und 'ne hübsche Frisur: Viel mehr braucht eine taugliche Platte schon fast nicht. Halt, doch: Inhalte schaden, so sie denn etwas taugen, fast noch weniger als Beat und Bass. Deine Freunde verlegen sich erneut auf Erfahrungswelten, zu denen auch schon Vor- und Grundschüler Zugang finden, in denen sich aber auch manch älteres Semester problemlos wiedererkennt. "Die Besten, Gemeinsten Eltern Der Welt" hat irgendwie schließlich jeder von uns. Statt der "Hausaufgaben" vertagen wir, "schieb, schieb", eben den eigentlich dringenden Auftrag bis hart an die allerletzte Deadline und noch ein bisschen darüber hinaus, um dann gepflegt in Panik zu verfallen. So richtig vergessen, wie verheißungsvoll sich die Aussicht auf "Lange Ferien" anfühlt, oder wie klein und allein man sich vorkommt, wenn einen das "Heimweh" packt, haben wir, wenn wir ehrlich sind, doch alle nicht. Jeder ringt mit dem "Schweinehund", in jedem steckt ein "Unschuldslamm", und wer sich nicht, mit welcher Methode auch immer, wenigstens dann und wann in den Geisteszustand des "Dummi Mit Dem Flummi" versetzt (Prädikat: besonders dumm!), der kann einem eigentlich nur leid tun. Das einigermaßen verzweifelte Schlaflied zum Schluss gehört aber eher den Eltern: "Ich bin so müde. Warum nicht du?" An "Schatz" mit bratzbassigem Disco-Beat docken Kinder und Erwachsene zwar von entgegengesetzten Seiten an: Die einen wollen Aufmerksamkeit, die anderen sich in Ruhe unterhalten. Deine Freunde sind aber für alle da, nehmen alle Parteien gleichermaßen für voll und sprechen zu den Jüngeren nicht belehrend und herablassend, sondern voller Herzenswärme und Verständnis. In diesem Ton erzählen sie auch von der Zeit, "Als Ich So Alt War" und es unter anderem noch Festnetztelefone gab. Mit Wählscheiben, verrückt! "Jeder kann dir irgendwas erklären, aber ganz egal, wie schlau: Wirklich alles weiß keiner so genau." Eine Weisheit, die mancher Klugscheißer gern verinnerlichen darf. Ansonsten brechen Deine Freunde Lanzen für Tagträumerei ("Träum Weiter"), fürs ab und an Ausflippen ("180") - und Florian Sump, ehedem Drummer von Echt, teilt seine Passion für sein Haudrauf-Gerät in seinem "Schlagzeuglied" so mitreißend mit der Welt, dass Geigen, Oboen und Fagotte, obwohl allesamt schöne Instrumente, einen recht schweren Stand bekommen dürften. Ein bisschen Funk bringt Arne Diedrichson per Bass mit. Keyboard- und Synthieklänge schwelgen im Pop. "180" klingt dann versehentlich schon fast nach Donna Summer. Mit der Akustischen alleine braucht Kai Fischer da gar nicht anzutreten: "Nimm' mal lieber 'nen fetten Beat von Pauli!" Letzten Endes läuft es aber auch bei Album Nummer drei wieder auf genau einen Punkt hinaus: "Wir sind kein clever ausgedachtes Produkt, das von seinen Fans nichts hält." Sondern das exakte Gegenteil: "Wir sind genau, wie wir sein wollen", und deswegen "die coolste Kinderband der Welt". © Laut
Ab
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Kinder - Erschienen am 22. November 2019 | Sturmfreie Bude

"Die neuesten Abenteuer der coolsten Kinderband der Welt", verspricht "Helikopter" gleich zum Auftakt. Anspruch: steht. Status: zementiert. Es kann also los-, respektive nahtlos weitergehen. "Wir lassen euch nicht los, dafür sind wir nicht bereit." Warum sollten sie auch? Längst haben Deine Freunde ihre Zielgruppe - Kinder im Vor-Teenie-Alter samt ihren Eltern - gefunden und ihr Konzept perfektioniert. Das Erfolgsrezept wirkt so simpel, dass sich beim inzwischen fünften Album des Trios die Frage noch heftiger als zuvor aufdrängt. Eine Frage, die ich vielleicht noch nicht hundert-, bestimmt aber schon viermal formuliert habe: Wieso macht das eigentlich kaum einer nach? So schwer klingt es doch gar nicht. Im Grunde gehorcht das Oeuvre von Deine Freunde nur drei goldenen Regeln: * Nimm' dein Publikum ernst. * Erzähl' von Dingen, zu denen alle Beteiligten, Sender- wie Empfängerseite, einen Bezug haben. * Hab' Spaß. Alles andere wirf über den Haufen. Niemand braucht pädagogische Zeigefinger. Oder Genregrenzen. Die gängigen Übereinkünfte darüber, was man Kindern zumuten kann, darf, sollte, erweisen sich oft genug auch eher als Mumpitz. Deine Freunde machen Songs, wie jedes Kind der Welt aufwachsen dürfen sollte: mit Herz, Verstand - und mit Vergnügen. Entsprechend birgt auch "Helikopter" wieder handwerklich astrein produzierte Tracks mit dem gemeinsamen Nenner "pumpende Bässe + catchy Hook". Ob diese Gleichung am Ende Rap ausspuckt oder - wie "Der Wasserhahn Tropft" - straight Techno: scheißegal. Flackernden Videospiel-Sound gibts in "Wieder Deine Freunde", fast schon klassischen Elektroboogie in "Cheese". "Die Sirene" spielt mit Trap-Ästhetik, "Skrrrr!" "Wenn Der Hausmeister Kommt", kommt auch ein Schreihals in bester Fat Man Scoop- oder Tony-Damager-Manier, während "April, April" Falco von den Toten aufweckt. Moment mal. Falco? Den kennen die Kids doch gar nicht mehr, und wie es bei der "Elternvertreterwahl In Der Kita" abgeht, dürften sie auch kaum wissen. Macht aber nix: Deine Freunde richten sich schon lange nicht mehr nur an die ganz Kleinen, sondern nehmen auch deren Eltern mit. Ihre Texte funktionieren so oft - ähnlich wie bei Asterix oder der Muppet Show - auf mehreren Verständnisebenen. Aus Kinder- wie Eltern-Perspektive lassen sich unterschiedliche Details entdecken: perfekte Familienunterhaltung. Vieles sorgt für Heiterkeit, manches regt zum Nachdenken an, und da, wo einer etwas nicht oder missversteht, gibt es gleich Gesprächsstoff. Über den Schwachsinn in einer Phrase wie "Früher War Alles Besser" nachzudenken, schadet wirklich niemandem, egal, wie alt er oder sie ist. "Kater Vs. Vollzeitrausch" erscheint inhaltlich zwar wenig originell. Songs, in denen Eltern erzählen, wie komplett doch so ein Baby das Leben auf den Kopf stellt, gibts tatsächlich wie Sand am Meer. Trotzdem: Zuzugeben, dass so ein Kind nicht immer nur eitel Sonnenschein bedeutet, sondern auch Schlafmangel, Zweifel und komplette Überforderung mit der neuen Situation, das Eingeständnis, dass die Eltern nicht immer und überall unerschütterliche Leuchttürme der Selbstsicherheit verkörpern, kann einem offenen, verständnisvollen Miteinander im Familienkreis nur zuträglich sein. Genau dafür ist "Helikopter" gemacht: für das Miteinander im Familienkreis. Genau da funktioniert es auch, obwohl Musik, die sich explizit an Kinder richtet, normalerweise kaum bis gar keine erwachsenen Fans hat. In aller Regel nervt Kindermusik in ihrer lieblosen, intellektuell armseligen Machart wie Sau, auch wenn sie damit vielleicht tatsächlich aufs Leben vorbereitet. In "erwachsenen" Chartsrealitäten sieht das ja kaum besser aus. Interessantes Thema für eine Langzeit-Studie, eigentlich: Ob sich eine Generation, die mit Deine Freunde heranwuchs, später auch so leicht und widerspruchslos mit generischer Fließband-Mucke und Textplattitüden im Horoskop-Style abfüttern lässt? Ich hoffe, nicht. Ich hoffe auf heftigstes Aufbegehren gegen den Mainstream-Mumpf. Die Voraussetzungen für eine in musikalischer und lyrischer Hinsicht goldene Zukunft waren jedenfalls nie besser. Diejenigen, die sie in Händen halten, haben gezeigt bekommen, dass es auch anders geht. © Laut
Ab
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Kinder - Erschienen am 13. November 2020 | Sturmfreie Bude

Weihnachtsalben stehen in einem wahrhaft bescheidenen Ruf. Mit beiden Augen gen Festtagsgeschäft schielend, ramschen ihre Urheber meist hurtig irgendwelches Best-Of-Material zusammen, um das sie per Glöckchensound eine weihnachtlich anmutende Verpackung gehudelt haben. Wenn sie nicht gleich auf traditionelles (will meinen: hundertfach wiedergekäutes) Weihnachtsliedgut zurückgreifen. Beide Optionen wirken ... nennen wir es mal: "wenig verlockend". Kein Wunder also, dass sich Deine Freunde beim Gedanken, selbst in dieses Kommerzspiel einzusteigen, erheblich sträuben, stehen sie doch im (ganz und gar nicht bescheidenen) Ruf, nicht nur die beste Kinderband der Welt zu sein, sondern auch eine durch und durch kredible Rap-Crew. Sell-Out möchte man sich da doppelt ungern vorwerfen lassen. Praktisch, wenn drei nervtötende Egos im Miniaturformat auftauchen, denen man die Schuld zusammen mit den ruchlosen Absichten in die Ringelstrümpfe schieben kann: Deine Freunde können nix dafür. Der perfide Plan, die äußerst jugendliche Zielgruppe samt daran hängender Eltern auszunehmen, entsprang den Hirnen dreier aufdringlicher Weihnachtselfen, und seine Umsetzung verdanken wir ihrem ausdauerndem Gequengel. So weit die vergnügliche Entstehungsgeschichte, nachzuverfolgen in dieser zehnteiligen Serie: "Das Album im Auftrag der Wichtel: hier isses", heißt es dann nach angemessen opulentem "Präludium", das mit Glöckchenklingeling, Wind, Kinderlachen und Chören wirklich alle Klischeeregister zieht. Jesusmaria, das wird was geben. Oh, ja: ein ganz wunder- und liebevoll geschnürtes Paket neuer, schlauer, witziger, vollkommen unpeinlicher Tracks zum Abfeiern, bei denen das Alter der Konsument*innen wirklich und wahrhaftig keine Rolle spielt. "Wann Wird's Mal Wieder Richtig Winter" erinnert nur vom Titel her an den Evergreen, in dem Rudi Carell einst das Ausbleiben einer anderen Jahreszeit betrauerte. Deine Freunde verpacken das ernste Thema Klimawandel in einen vergnüglichen Popsong mit astrein gerappten Strophen. Der Nachschlag "Ein Ganz Normaler Sommertag" spinnt den brisanten Faden weiter, auch hier ohne jedes Zeigefinger-Gefuchtele, dafür mit herrlich cheesy Gesang und Call-and-Response in bester Oldschool-Hip Hop-Tradition, dass man sich fühlt, als sei man irgendwie in eine Neuauflage von "Welcome To Miami" gestolpert. Schon hier zeigt sich: Deine Freunde machen auch diesmal wieder, was sie schon immer getan haben: Sie nehmen ihre Zielgruppe für voll. Statt sie mit dümmlichen Texten und achtlos hingerotzten Produktionen abzuspeisen, stimmt erneut einfach alles: Clevere, unterhaltsame Lyrics treffen - ob in Rap oder Gesang - makellose Delivery und fettest ausproduzierte Beats. Keine Sorge: Auch wenn es zunächst so aussieht, fehlt der leicht debile Kasperletechno-Track zum Mitstampfen auch diesmal nicht. Man muss ihn halt bloß finden. Statt ausgeleierte Weihnachtslieder zu Tode zu reiten, orientieren sich Deine Freunde lediglich inhaltlich am Fest der Liebe. Sie erzählen vom "XXL Wunschzettel", beäugen "Die Krassesten Schlitten" und rennende Rentiere (die garantiert das eine oder andere Mal Marterias "Endboss" gehört haben). Der "Weihnachtsvertretermann" bietet das für diesen Anlass unerlässliche Dekorationsmaterial feil, die Blockflöte nimmt gar grauenvolle Rache, und fast spielerisch beiläufig geht es auch um Druck und übersteigerte Erwartungen, die das Weihnachtsfest in vielen Familien zu einem durchaus anstrengenden emotionalen Balance-Akt machen. "Dieses Jahr Schenken Wir Uns Mal Nix" thematisiert - im groovy Walzertakt mit leichter Reggae-Schlagseite - den titelgebenden Vorsatz und die Schwierigkeit seiner Durchführung. Über die hässlichen Blüten, die der Konsumwahn treibt, darf man ruhig kurz nachdenken, auch wenn man das Schenken als lieb gewonnene Tradition schätzt. Genau so, wie dem Wegwerfprodukt Christbaum, wie in "Oh Oh Tannenbaum", ein sentimentales Tränchen hinterhegeweint gehört: Es ist ja tatsächlich traurig, ein ehemals stolzes Gewächs nach Gebrauch achtlos am Straßenrand zu entsorgen. Während die Weichnachtsmotive an diesen Stellen unübersehbar im Raum stehen, liefern sie anderswo lediglich den Aufhänger. "Siehst Du Die Sterne" passte mit seinem wuchtigen, dunklen Anstrich bestens auch in eine sternenklare, warme Sommernacht, und im Gedenken an den einst heiß ersehnten "C64" und die Freuden, die er bot - "Bubble Bobble"! "Giana Sisters"!! - kann man getrost das ganze Jahr über in Nostalgie zerfließen. Ebenso passt die frohe Botschaft des Albums nicht nur in die Adventszeit. Sie lautet: Achtet aufeinander. Hört einander zu. Genießt die gemeinsame Zeit, sie ist das größte Geschenk von allen. "Freut Euch, Dass Ihr Da Seid". Es geht darum, zu "erkennen, was wir schon haben, nicht nur suchen, was noch fehlt". Klingt kitschig? Vielleicht. Deswegen steckt aber nicht weniger Wahrheit drin. © Laut
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Kinder - Erschienen am 3. November 2017 | noch mal!!!

Zum Glück hab' ich keine Kinder. Ich muss mir also keine Gedanken machen, ob nicht eigentlich erhebliche Gemeinheit darin steckt, die eigene Brut mit Deine Freunde-Hip Hop zu sozialisieren. Eins erscheint mir gewiss: Jungen Menschen, die den Erstkontakt über dieses Trio knüpfen, steht ein ganz schöner Ernüchterungsschock bevor. Deutscher Rap ist oft gar nicht so fett produziert? Viele erfolgreiche Rapper flowen nicht ansatzweise so lässig? Und die meisten Texte im Deutschrap sind nichtssagender, langweiliger und klischeebeladener als alles, das Deine Freunde im Gepäck führen? Yo, Kinder aller Altersstufen, ich sag's mal mit den Trailerpark-Buben: Das Leben ist kein Tanzverein. Harte Realitäten schlagen einem noch früh genug ins Gesicht. Genießt also die Zeit in diesem herrlich kunterbunten Wolkenkuckucksheim, und lasst euch bloß von niemandem den Bären aufbinden, Musik, die für eine verflixt junge Zielgruppe geschaffen wurde, müsse zwangsläufig uncool sein. Deine Freunde haben den Gegenbeweis längst erbracht, wieder, wieder und wieder. Mit "Keine Märchen" setzen sie das ebensolche nahtlos fort. Das funktioniert auch diesmal wieder aus haargenau den gleichen Gründen wie auf den drei Vorgängeralben: Diese Jungs lieben ihr Publikum, und sie lieben Hip Hop. Aus tiefstem Herzen. Wer seine Hörerschaft liebt, nimmt sie ernst. Schreibe ich bei jeder Deine Freunde-Platte, stimmt auch bei dieser wieder. Kindgerechte Themen zu servieren bedeutet halt nicht, dass man in Dutzidutzi-Verdumm-dein-Gegenüber-Sprech abkippen muss. Im Gegenteil: Auf dieser Platte kannste auch noch was lernen. Zum Beispiel, wie man "Fontanelle" buchstabiert - und was zum Teufel das überhaupt ist. Each one teach one: Deine Freunde erklären im Vorübergehen Sinn, Zweck und Vorgehensweise beim "Soundcheck", entlarven die Erwachsenendrohung "Mein Lieber Freund, Ich Zähl Bis Drei" als so leer, wie die ständig wiederholte Phrase "Du Bist Aber Groß Geworden" hohl ist, und befassen sich mit der endlosen Gruseligkeit von Märchen: "Schlimmer als beim 'Bachelor'! Doch die abgestumpfte Jugend schieben sie auf Rapper." "Dieses Lied ist leider traurig." Kein Wunder: "Matsch" befasst sich mit Verlust, Abschiednehmen und dem Herauswachsen aus möglicherweise lieb gewonnenen Gewohnheiten. Angesichts des wunderbar schwelgenden Walzertakts und der herrlich cheesy geratenen Hook verzeihe ich den ausgelutschten Gewitterregen, der im Hintergrund niedergeht. Neben der Kinderstimme in "Nervig": tatsächlich das einzige Element, das dieses Attribut eventuell verdient hat. Explizite Liebeserklärungen stecken in "Unsere Fans" und, noch herzzerreißender, in "Ich Und Mein Brudi". Wer einen hat, versteht. Wer einen hatte, sollte aufpassen, nicht in Rotz und Wasser zu zerfließen. Obacht, hier. Ganz dünnes Eis. Die Liebeserklärung an den Hip Hop springt aus den unzähligen Zitaten und Querverweisen, dem Namedropping und den Samples. Wer mag, kann diese Platte auch gleich zum Anlass nehmen, den Nachwuchs über Chief Keef, Marterias "Kids" und Shindys "Stress Ohne Grund" aufzuklären. Oder um gemeinsam R.A. The Rugged Mans "The People's Champ" zu hören oder mal wieder "Star Wars" oder "Die Ritter Der Kokosnuss" zu gucken und auf den Ah!-Das-kenn-ich-doch-Moment zu warten. Oder man lässt sich einfach reinfallen, in den restlos satt ausproduzierten Sound. Bratzende Bässe allüberall. "Du Bist Aber Groß Geworden" regiert ein reduzierter, elendiglich funktriefender Groove. "Ay-ay-ay-ay-ay!" grölt dem Dancehall-Brett "Mein Lieber Freund, Ich Zähl' Bis Drei" südamerikanischen Party-Vibe ein. "Nix Passiert": feinster Synthiepop. "Fontanelle": astreiner Schlafzimmer-R'n'B. "Ich Sags Gleich" pumpt in bester Disco-Pogo-Manier. "Mecker": im Grunde ... irgendwie ... Horrorcore? Ja, das kann man Kindern alles zumuten. Verkraften sie bestimmt besser als die traurige Erkenntnis, dass diese Platte keinen tauglichen Maßstab für die Qualität von deutschem Hip Hop liefert. Wenn allerdings eine ganze Generation hiermit imprägnierter Nachwuchs-Kopfnicker irgendwann den Markt überrollt, besteht wahrlich noch Hoffnung. © Laut
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Original Soundtrack - Erschienen am 25. August 2017 | Walt Disney Records

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Kinder - Erschienen am 16. Oktober 2015 | noch mal!!!

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Kinder - Erschienen am 30. Oktober 2014 | noch mal!!!

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Kinder - Erschienen am 24. April 2020 | Sturmfreie Bude

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Kinder - Erschienen am 4. Oktober 2019 | Sturmfreie Bude

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Kinder - Erschienen am 15. November 2019 | Sturmfreie Bude

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Kinder - Erschienen am 27. Oktober 2017 | noch mal!!!

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Kinder - Erschienen am 15. Februar 2019 | Argon Musik Verlag

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Kinder - Erschienen am 16. Februar 2021 | Sturmfreie Bude

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Kinder - Erschienen am 24. April 2020 | Sturmfreie Bude

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Kinder - Erschienen am 22. Januar 2016 | noch mal!!!

Musik für Kinder bedeutet für erwachsene Ohren in aller Regel die nackte Qual. Der Li-La-Launebär hat keine Sendung mehr, statt dessen zertrampelt eine Stampede von Giraffenaffen die letzten Reste des ohnehin schon strapazierten Nervenkostüms. Man könnte glatt auf die Idee kommen, es sei unmöglich, für die in höchstem Maße jugendliche Zielgruppe zu produzieren, ohne darüber die Erwachsenen zu malträtieren. Nö, sagen dazu in unregelmäßigen Abständen Deine Freunde, das geht ganz leicht. Ihr Rezept wirkt so lächerlich einfach, dass man schlicht nicht fassen kann, warum es nicht mehr Nachahmer findet. Die Hamburger machen kein Geheimnis aus ihrer Strategie: "Kinder brauchen eine Band, die sie ernst nimmt und ihr ganzes Herz in die Mucke legt." Dann klappts auch mit den Kinderlosen. Eltern sollten dem Trio vor Dankbarkeit ohnehin Hände und Füße abküssen. Getreu dem Prinzip "'n bisschen Beat und Bass haben noch keinem geschadet" muten Deine Freunde ihrem Publikum satt pumpenden Hip Hop-Bumms zu und "führen ... ein bisschen an Lautstärke heran". Dazu noch eingängige, poppige Hooklines zum Mitsingen, ein bisschen Schweiß und 'ne hübsche Frisur: Viel mehr braucht eine taugliche Platte schon fast nicht. Halt, doch: Inhalte schaden, so sie denn etwas taugen, fast noch weniger als Beat und Bass. Deine Freunde verlegen sich erneut auf Erfahrungswelten, zu denen auch schon Vor- und Grundschüler Zugang finden, in denen sich aber auch manch älteres Semester problemlos wiedererkennt. "Die Besten, Gemeinsten Eltern Der Welt" hat irgendwie schließlich jeder von uns. Statt der "Hausaufgaben" vertagen wir, "schieb, schieb", eben den eigentlich dringenden Auftrag bis hart an die allerletzte Deadline und noch ein bisschen darüber hinaus, um dann gepflegt in Panik zu verfallen. So richtig vergessen, wie verheißungsvoll sich die Aussicht auf "Lange Ferien" anfühlt, oder wie klein und allein man sich vorkommt, wenn einen das "Heimweh" packt, haben wir, wenn wir ehrlich sind, doch alle nicht. Jeder ringt mit dem "Schweinehund", in jedem steckt ein "Unschuldslamm", und wer sich nicht, mit welcher Methode auch immer, wenigstens dann und wann in den Geisteszustand des "Dummi Mit Dem Flummi" versetzt (Prädikat: besonders dumm!), der kann einem eigentlich nur leid tun. Das einigermaßen verzweifelte Schlaflied zum Schluss gehört aber eher den Eltern: "Ich bin so müde. Warum nicht du?" An "Schatz" mit bratzbassigem Disco-Beat docken Kinder und Erwachsene zwar von entgegengesetzten Seiten an: Die einen wollen Aufmerksamkeit, die anderen sich in Ruhe unterhalten. Deine Freunde sind aber für alle da, nehmen alle Parteien gleichermaßen für voll und sprechen zu den Jüngeren nicht belehrend und herablassend, sondern voller Herzenswärme und Verständnis. In diesem Ton erzählen sie auch von der Zeit, "Als Ich So Alt War" und es unter anderem noch Festnetztelefone gab. Mit Wählscheiben, verrückt! "Jeder kann dir irgendwas erklären, aber ganz egal, wie schlau: Wirklich alles weiß keiner so genau." Eine Weisheit, die mancher Klugscheißer gern verinnerlichen darf. Ansonsten brechen Deine Freunde Lanzen für Tagträumerei ("Träum Weiter"), fürs ab und an Ausflippen ("180") - und Florian Sump, ehedem Drummer von Echt, teilt seine Passion für sein Haudrauf-Gerät in seinem "Schlagzeuglied" so mitreißend mit der Welt, dass Geigen, Oboen und Fagotte, obwohl allesamt schöne Instrumente, einen recht schweren Stand bekommen dürften. Ein bisschen Funk bringt Arne Diedrichson per Bass mit. Keyboard- und Synthieklänge schwelgen im Pop. "180" klingt dann versehentlich schon fast nach Donna Summer. Mit der Akustischen alleine braucht Kai Fischer da gar nicht anzutreten: "Nimm' mal lieber 'nen fetten Beat von Pauli!" Letzten Endes läuft es aber auch bei Album Nummer drei wieder auf genau einen Punkt hinaus: "Wir sind kein clever ausgedachtes Produkt, das von seinen Fans nichts hält." Sondern das exakte Gegenteil: "Wir sind genau, wie wir sein wollen", und deswegen "die coolste Kinderband der Welt". © Laut