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Die Alben

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Rock - Erschienen am 8. März 2013 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen 3F de Télérama - 5 étoiles Rock and Folk - 5/6 de Magic - Sélection du Mercury Prize
Was musikalische Langzeitprognosen angeht, konnte ich mich schon immer auf meinen Riecher verlassen. Scooter? Mit "Hyper Hyper" zum Glück nur ein One Hit Wonder. Rammstein im Vorprogramm der Ramones? Naserümpfend den Saal verlassen. Nirvana 1989 im Schwimmbad Musik-Club in Heidelberg? Aus denen wird nie was! Meinen bisher letzten großen Klops, für den ich mich hier offiziell entschuldigen möchte, habe ich wohl in meiner "Ziggy Stardust"-Rezension zum 40. Geburtstag der Platte geleistet. Neun Jahre nach "Reality" und sechs Jahre nach seinem letzten Liveauftritt hatten selbst die unverbesserlichsten Optimisten den Glauben an ein neues Album verloren. Aber wer will es dem Thin White Duke nach unzähligen Meisterwerken schon übel nehmen? Na, da habe ich wohl mal wieder gewaltig daneben gelegen. Zum Glück. Allein stand ich mit meiner Vorhersage aber sicher nicht. Während die Quoten für einen neuen Longplayer also von Woche zu Woche ins Bodenlose purzelten, bastelten Bowie und Produzent Tony Visconti über zwei Jahre streng abgeschirmt an "The Next Day". Pünktlich zum 66. Geburtstag des Mannes, der einst vom Himmel fiel, ließ Bowie die Bombe platzen und zeigte mit "Where Are We Now?" allen Skeptikern eine lange Nase. Aufgrund der langen Wartezeit und der Ungewissheit und einem bis heute ungebrochenen Schweigen von Seiten des Großmeisters, bauten sich fast unerfüllbare Erwartungen auf. David Bowie steigt vom Berge Sinai und überreicht uns seine vierzehn Gebote. Nach dem ganzen Hype bin ich nun fast enttäuscht, dass ich mit "The Next Day" nur eine weitere Bowie-Platte und nicht die erste Kontaktaufnahme mit außerirdischem Leben in der Hand halte. Wenn man die Schnappatmung überwunden hat, stellt man mit Erstaunen fest, dass sich im Grunde nicht viel verändert hat. Nach seinem ersten Comeback "Black Tie White Noise" strauchelte Bowie lange, bis er unerwartet mit "Hours..." eine Art entspanntes Spätwerk einleitete, das sich mit dem brillianten "Heathen" und "Reality" fortsetzte. Anstatt unwürdig schnelllebigen Trends hinterher zu hetzen, standen plötzlich mit relaxter Grundhaltung die Songs im Mittelpunkt. Bei allem Bohei und trotz aller deutlichen Ecken und Kanten geht "The Next Day" den selben Weg. Bowie verwaltet sich selbst und seine Vergangenheit und wirft für uns Fans diverse wohl platzierte Angelhaken aus, die zurück zu seinen Großtaten aus den 1970ern führen. Legt das salbungsvolle "Where Are We Now?" musikalisch mit seiner fragilen Zärtlichkeit vielleicht noch eine falsche Fährte, deutet der Text doch in genau die richtige Richtung und bereitet optimal auf "The Next Day" vor. "Sitting in the Dschungel / on Nürnberger Strasse / a man lost in time near KaDeWe / just walking the dead." Ein mit dem Vorschlaghammer verteilter Flashback zur Berlin-Triologie. Das überpappte "Heroes"-Cover trägt seinen Rest dazu bei. "Here I am, not quite dying, my body left to rot in a hollow tree." Bowie bedient die üblichen Grundmotive (Stars, Space, Boys). Außerdem bestimmt Gewalt das vermöbelte Gesicht von "The Next Day". Der Titeltrack bietet einen rabiaten Einstieg, direkt aus der Bowie/Osterberg-WG. Kontrollierte Hysterie unterlegt die Geschichte eines mittelalterlichen Tyrannen, der von einem wütenden Mob dahingerafft wird. "They work with Satan while they dance like saints". Für "Dirty Boys" steigt "Fame" untot und schleichend aus seinem Grab empor. Der Thin White Zombie gibt sich mit vergiftetem Soul die Ehre. Steve Elsons Baritonsaxophon unterlegt den ruckartigen Rhythmus. Ein monochromer Beat, penetrant wie Lebertran, wälzt "Love Is Lost" voran. "It's the darkest hour / you're twenty two / the voice of youth / the hour of dread." Gitarrenfetzen durchtrennen drakonische Keyboardflächen. Die klare Botschaft: Ab jetzt wird es nur noch schlimmer. "Wave goodbye to life without pain". Bowie at his best. Neben seinen düsteren Tiefen kennt "The Next Day" auch schwindelerregende Höhen. Selbst Fans des Haarspray-Bowies aus den 1980ern kommen mit "(You Will) Set The World On Fire", einem Zwitter aus "Time Will Crawl" und "You Really Got Me" von The Kinks auf ihre Kosten. Die zweite Single "The Stars (Are Out Tonight)" mit ihrem mustergültigen Refrain dürfte zu den besten Singles der letzten drei Jahrzehnte gehören. Unterhalb der butterweichen Celebrity-Fassade von Brigitte, Jack, Kate und Brad gruselt es gewaltig. "They burn you with their radium smiles and trap you with their beautiful eyes." Im Laufe von "The Next Day" lotet Bowie immer wieder sämtliche Alternativen seiner Stimme aus. Er pendelt zwischen zerbrechlich ("Where Are We Now?"), zickig ("Valentine's Day") und pathetisch ("You Feel So Lonely You Could Die"). In "I'd Rather Be High", einem ansonsten eher faden Track mit Militärrhythmen und Smiths-Anleihen, klingt er gar jugendlich wie zu Decca/Deram-Zeiten. Im Refrain des Staccato-Rocks "How Does The Grass Grow?" spielt der Engländer mit Apache von The Shadows. Ruppige Gitarrensoli kappen den Teletubbie-Chorus vom restlichen Song ab. Ein schrilles und nervendurchdringendes Keyboard trifft in "If You Can See Me" auf hastige Gitarren. Bowie gräbt noch einmal die Rastlosigkeit der "Earthling"-Ära aus. Drum'n'Bass-Rhythmen und "Look Back In Anger" prallen aufeinander. "Time takes a cigarette / puts it in your mouth." Was mit "You Feel So Lonley You Could Die" als Schunkelballade beginnt, entwickelt sich zu einer epischen Erzählung über Einsamkeit und selbstmörderischer Depression. Eine melancholische und melodramatische Todesvision in der zu guter Letzt der Schlagzeugeinstieg aus "Five Years" zitiert wird. "Oblivion shall own you, death alone shall love you." Die Hölle friert zu, sobald Bowie in "Heat" seinem Idol Scott Walker zu "Climate Of Hunter"-Zeiten nacheifert. Ein dunkles Gebet zu einem singenden Fretless-Bass vorgetragen. Akustische Gitarre, Lärm, Schuld und Schande. "I am a seer, but I am a liar." Wenn auch manche lauwarme Nummer ("Dancing Out In Space", "Valentine's Day", "I'd Rather Be High") das erstklassige Gesamtbild ein wenig verwässert; nach dreißig Jahren und den Unwegsamkeiten der 1980er ist David Bowie nicht mehr auf der Suche. Bei sich selbst angekommen, weiß er genau, was und wohin er will. Sein nächster Tag liegt in der Vergangenheit, im bewussten Konzentrieren auf seine Stärken. Vielleicht klingt "The Next Day" auch deswegen bisweilen ein wenig zu sehr kalkuliert und nüchtern. Trotzdem ist ihm ein formidables Comeback gelungen. Wieder einmal hänge ich wie ein zappelnder Fisch an seiner Angel. © Laut
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Pop - Erschienen am 4. Juni 2012 | Parlophone UK

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
David Bowie besinnt sich auf alte Stärken, jubilierten Fans und Kritiker im vergangenen Jahr, als der Brite mit seinem Album "Heathen" scheinbar mühelos einen Bogen zu den großen Kompositionen seiner Frühzeit spannte. Auf den anschließenden Konzerten setzte er diese lang ersehnte Affirmation in die Tat um und integrierte betörende Songs wie etwa "Life On Mars" wieder in sein Live-Programm. Betörend und überwältigend ist auch David Bowies neues Album "Reality", selbst wenn der Mann mittlerweile nicht mehr auf dem roten Planeten lebt, sondern in New York. Die neuen Songs sind seine ersten seit dem 11. September 2001, da der Songwriting-Prozess bei "Heathen" bereits vor der Tragödie abgeschlossen war. Musikalisch äußert sich dies in einem weit rockigeren Ansatz. Nicht mehr atmosphärisch oder elektronisch schwermütig, sondern sehr direkt, unprätentiös und in sich abgeschlossen klingen die Songs auf "Reality". Statt auf Gaststars wie Air, Dave Grohl oder Pete Townshend, die ihm damals zur Seite standen, setzt Bowie dieses Mal bewusst auf seine eigene Band. Was zählt ist das alte Prinzip: "Wir gegen den Rest der Welt", eine Einstellung, die zum außenpolitischen Verständnis seiner neuen Heimat durchaus Bezug nimmt. "Ich sehe eine große, weiße Wunde über dem Battery Park" sind Bowies Begrüßungsworte auf der grandiosen Single "New Killer Star", und ist sein Vermächtnis an "die Ecken der Gebäude, die Bürgersteige und Bäume" des veränderten Downtown Manhattan, das auch sein Zuhause geworden ist. Er nimmt zwar nicht politisch Stellung, haucht seinen Protagonisten aber die selbst erlebten Eindrücke ein, lässt sie durch sein New York wandern, "north along Riverside" oder "south along the Hudson". In "Looking For Water" wird er dann nochmal konkret: "I lost God in a New York minute." Doch Bowie ist nicht wehleidig, seine Texte sind eher optimistischer Natur, was nach eigenen Aussagen vor allem mit der Geburt seiner Tochter zusammen hängt. Die Welt schlecht zu reden ist seine Sache deshalb nicht, lieber sucht er nach Wegen, mit der Gegenwart umzugehen ("Looking For Water"). Musikalisch enttäuscht mit dem Titeltrack ausgerechnet das lauteste Stück und auch aus George Harrisons "Try Some, Buy Some" konnte (oder wollte) Bowie die opulenten bis kitschigen Arrangements leider nicht entfernen. Dagegen kreischt er das von Jonathan Richman im Original knorrig minimalistische "Pablo Picasso" in einen völlig neuen Song, während er im potenziellen Klassiker "Never Get Old" mit zahlreichen Klischees um seine Person ironisch aufräumt. Zum Abschluss kredenzt er uns mit "Bring Me The Disco King" seine Vorstellung einer jazzigen Klavier-Improvisation, das der in ihm zehrenden Ambivalenz zwischen Trauer und Hoffnung für sein New York ein musikalisches Denkmal setzt. Wenn "Low" sein Berlin-Album war, hat David Bowie nun nach Lou Reed ein echtes New York-Album veröffentlicht. Und eines ist sicher: "Reality" bites! © Laut
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Pop - Erschienen am 25. September 2015 | Parlophone UK

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
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Rock - Erschienen am 8. Januar 2016 | Columbia

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Von einem endgültigem Sich-zur-Ruhe-setzen, ja sogar von unheilbarer Krankheit war die Rede und doch überraschte David Bowie uns 2013 mit einem fulminanten Comeback und dem Album The Next Day. Nachdem wir gerade aus dem Staunen herausgekommen sind, legte Bowie nun wieder mit diesem faszinierendem Blackstar, seinem 25. Studioalbum, das an seinem 69. Geburtstag veröffentlicht wurde, nach. Nur 48 Stunden später hören wir vom Tod dieses Ausnahmemusikers, der den Kampf gegen den Krebs nach 18 Monaten verlor…Sein musikalisches Testament Blackstar ist wieder einmal ein experimentelles Werk, das verblüfft und das zutiefst kühn und vielschichtig ist (es erinnert hier und da an Station To Station/Low). Eine schöne musikalische Sammlung, die mit brillanten New Yorker Jazz-Musikern (vor allem Maria Schneider und ihrem Orchester aber auch dem Gitarristen Ben Monder sowie dem Saxophonisten Donny McCaslin) kreiert wurde, ohne dabei Tony Visconti zu vergessen, der diesen schönen schwarzen Stern produzierte. Ein Stern – das ist Bowie nun selbst. Dort oben. Ewig und unsterblich. © CM/Qobuz
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Pop - Erschienen am 14. November 2014 | Parlophone UK

Auszeichnungen Pitchfork: Best New Reissue
Es ist nahezu unmöglich, David Bowies nun 50 Jahre währende Karriere auf gerade einmal drei CDs nachzuzeichnen. "Nothing Has Changed" versucht es trotzdem. Von "Liza Jane" über "Blue Jean" zu "Sue (Or In A Season Of Crime)". Die Hauptattraktion der neuen Kompilation bildet der Jazz-Fieberwahn "Sue (Or In A Season Of Crime)". Erstmals seit unzähligen Jahren begibt sich Bowie aus seiner Komfortzone. Von Tony Visconti produziert, arbeitet er in der spröden und bläserlastigen Ballade mit dem Maria Schneider Jazz Orchestra zusammen. Unter der unzugänglichen und mörderischen Fratze des Tracks verbirgt sich ein drängendes Spätwerk mit Scott Walker-Vibe. Zwar spielte Jazz bei Bowie, seitdem er in den 1970ern Mike Garson mit an Bord nahm, immer wieder eine Rolle, jedoch selten so direkt. Ab hier geht es auf "Nothing Has Changed" in umgekehrter Chronologie zurück in die Vergangenheit. Die Reise führt bis zu den frühsten Anfängen, in denen Bowie, noch wahlweise als Davie oder Davy Jones, mit den The King Bees und The Lower Third spielte. Dem Blues-Rock seiner ersten Single "Liza Jane", die er nicht einmal selbst schreiben durfte, fehlte noch jeglicher eigener Charakter. Das 1967 veröffentlichte Debüt "David Bowie" (2/5) hatte bis auf ein paar extravagante Texte noch rein gar nichts mit der heutigen Ikone gemeinsam. Teilweise skurril anmutend erschaffte der Sänger kauzige Kunstwelten wie "In The Heat Of The Morning" und "Silly Boy Blue" und unterlegte diese mit überkandidelten Baroque-Pop und Music Hall-Einflüssen. "Ich wusste nicht, ob ich Max Miller oder Elvis Presley war", kommentierte Bowie dieses Album später. Mit seinem zweiten Album "David Bowie" (3/5), später auch unter dem Titel "Man of Words/Man of Music" und "Space Oddity" veröffentlicht, gelang 1969 ein erster Neustart. Mit dem in fremde Galaxien dahinschwindenen "Space Oddity", das Lied über Major Tom, verbuchte Bowie seinen ersten Hit. Ein bis heute nachhallendes Stück Musikgeschichte, dessen Dominanz die folgenden Platten zuerst ungerechtfertigt in den Schatten stellte. Mit "The Man Who Sold The World" (4/5) und dem Titelstück mit seinem wellenschlagenden Gitarrenriff versuchte sich Bowie, erstmals mit Mick Ronson an seiner Seite, an Hard Rock und Heavy Metal. Mit "Hunky Dory" (5/5) folgte Bowies erstes Meisterwerk. Seine überschäumende Kreativität und sein ebenso brillantes wie vielseitiges Songwriting kannten zu diesem Zeitpunkt keine Grenzen. In Stücken wie "Changes" und "Oh! You Pretty Things" zeigte er sich, trotz der zurückgefahrenen Arrangements, aggressiv und zanksüchtig. Aber erst "Life On Mars?" setzte dem Album die Krone auf. Die ebenso einnehmende wie verschrobene Ballade, eine Abrechnung mit Paul Ankas "My Way", führt mit ihren luxuriösen Streichern immer wieder auf die falsche Fährte. "It's on America's tortured brow / That Mickey Mouse has grown up a cow / Now the workers have struck for fame / 'Cause Lennon's on sale again." Doch erst der Glam Rock-Klassiker "The Rise and Fall of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars" (5/5) brachte Bowie seinen verdienten Erfolg. Die Geschichte vom Scheitern des drogensüchtigen und mit Aliens sprechenden Rock'n'Roll-Messias machte aus ihm einen der größten Musiker seiner Zeit. "Moonage Daydream" mit Mick Ronsons ins Weltall abdriftenden Gitarrensolos bleibt einer der ganz großen Momente in Bowies Karriere. Ein Jahr später setzte Bowie mit dem exzessiven und dekadentem "Aladdin Sane" (5/5), dem der Jazzpianist Mike Garson seinen deutlichen Stempel verpasste, nochmals eine Schippe drauf. Auf "Nothing Has Changed" schaffen es "The Jean Genie" und das schwelgerische "Drive-In Saturday". "She's uncertain if she likes him / But she knows she really loves him." In der Folge kam Bowie erstmals ins Straucheln. Das Cover-Album "Pin-Ups" (2/5) konnte höchstes auf Grund seiner Songauswahl, wie etwa "Sorrow" von The McCoys, überraschen. Das darauf folgende "Diamond Dogs" (3/5) stolperte zwischen Genialität und Überdruss. Überambitioniert verlor es sich inmitten urbanem Chaos und George Orwell-Verweisen. Erst im Plastic-Soul des unterschätzten "Young Americans" (4/5) fand David Bowie den Ausweg. Das Album brachte ihn endgültig weg vom Glam-Rock. Mit der unterkühlten Wut des zusammen mit John Lennon geschriebenen und auf einem Carlos Alomar-Riff basierenden "Fame" gelang Bowie überraschend seine erste US-Nummer 1. Während Bowie 1976 dank seines Kokain-Konsums im Grunde kaum noch zurechnungsfähig war und im offenen Cabrio zur Victoria Station in London fuhr, um vor den verdutzten Passanten mit einem Hitlergruß zu salutieren, schaffte er mit "Station To Station" (5/5) einen drahtigen Übergang vom Vorgänger hin zur Berlin-Trilogie. Den amerikanischen Soul und Funk breitete Bowie mit zaghaften elektronischen Einflüssen von Neu! und Kraftwerk in die Weite aus, verband die Melange mit Romantik und Okkultismus. Begeistert von Nina Simones majestätischer Interpretation der Film-Schnulze "Wild Is The Wind" wagte er seine eigene traumversunkene Version. "With your kiss my life begins / You're spring to me, all things to me / Don't you know you're life, itself." Bowie war immer ein Künstler, der stark von seinen Mitmusikern profitierte. Nie wurde dies jedoch so deutlich, wie in den nun folgenden Jahren. Von Brian Enos "Discreet Music" angetan, begann er mit dem ehemaligen Roxy Music-Klangtüftler zusammenzuarbeiten. Gemeinsam entstand das nihilistische Experiment "Low" (5/5), das auf dem nun erprobten Weg weiter schreitende "Heroes" (4/5) und das sich mehr an Weltmusik orientierende "Lodger" (4/5). Eine Epoche, durch die "Nothing Has Changed" im maximalen Zeitraffer jagt. Keines der beeindruckenden Instrumentalstücke findet Verwendung. Stattdessen bleiben lediglich "Sound And Vision", "Boys Keep Swinging" und das romantisch-pathetische und nahe am Todesstreifen zum Kitsch gebaute "Heroes" mit Robert Fripps berückenden Feedback-Wänden über. Mit "Scary Monsters" (4/5) begannen die Achtziger und für lange Zeit bekam man ein letztes Mal den Künstler Bowie zu Gesicht, bevor er über Jahre hinter der Harlekin-Maske des Pop-Stars verschwand. Eno war Geschichte, Fripp kehrte für "Fashion", eine bitter verstrahlte Hymne auf die Dekadenz, noch einmal zurück. "Beep Beep". Für die stark von der aufkeimenden New Romantic-Szene beeinflusste Single "Ashes To Ashes", ein erster Evergreen für das MTV-Zeitalter, hievte Bowie sogar noch einmal den alten Major Tom aus der Kiste. "My mother said to get things done / You'd better not mess with Major Tom." Was 1983 folgte, hatte niemand, nicht einmal der Meister selbst, auf der Rechnung. Dank der Hilfe von Nile Rodgers transformierte sich der Gestaltenwandler vom Künstler zum Pop-Megastar. Der kommerzielle Erfolg von "Let's Dance" (3/5) sollte alles verändern und Bowie direkt in seine Phil Collins-Jahre führen. Der vom Chic-Gitarrist auf einen ebenso simplen wie massiven Groove erbaute Titeltrack funkelt dank seines energischen Bläserarrangement und Stevie Ray Vaughans gleißender Gitarre noch heute. Zudem bügelte Bowie aus dem gemeinsam mit Iggy Pop für "The Idiot" geschriebenen "China Girl" jegliche Ecken und Kanten. Ein Schritt, der dieses eine Mal noch funktionieren sollte. Bereits ein Jahr später zeigte David Bowie mit "Tonight" (1/5) eine weitere unbekannte Facette. Er wurde schlecht, wirklich schlecht. Einzig der Opener "Loving The Alien", dessen entrückte Produktion im krassen Gegensatz zum gallenbitteren Text stand, und der Gedanke, dass die vielen missglückt umgesetzten Iggy Pop-Songs den Wüterich vor dem Bankrott retteten, geben der Platte eine Daseinsberechtigung. Die abscheuliche Neuaufnahme des Beach Boys-Klassikers "God Only Knows" rammte diese jedoch ungespitzt in den Boden. Iggy Pops "Tonight" schändete Bowie, gemeinsam mit Tina Turner, aufs Übelste, kappte das erklärende Junkie-Intro und kleidete das Stück in ein käsiges Sunshine-Reggae-Gewand. "Never Let Me Down" (2/5) folgte dem Pfade des künstlerischen Offenbarungseids weiter. Zumindest hatte Bowie nun wieder Lust, Lieder zu schreiben und schaffte mit dem düsteren "Time Will Crawl" wenigstens einen deutlich nachhallenden Song. Vielleicht den Besten, den er in den Achtzigern fabrizierte. Der bereits vom iSelect-Album bekannte "MM Remix" weht den Mief der 1980er aus dem offenen Fenster, lässt zeitgleich aber etwas von der früheren Energie verfliegen. Soundtrack-Beiträge wie das epische und vor Nostalgie tropfende "Absolute Beginners" und "This Is Not America", eine zartgliedrige Zusammenarbeit mit der Pat Metheny Group, halfen etwas über die schwachen 1980er hinweg. Schon vorher kam es mit "Under Pressure" zur Zusammenarbeit mit Queen, bei dessen Aufnahmen sich ein verschnupfter Bowie wie ein Berserker aufführte, alle, bis auf den nur kurz anwesenden Roger Taylor, zur Weißglut brachte und sogar die Todsünde beging, Brian May während des Spielens zum Korrigieren in die Gitarrensaiten zu greifen. Trotzdem entstand aus diesem Jam ein atemberaubender Song mit einer der ergreifendsten Zeilen aus Bowies Karriere. "Cause love's such an old fashioned word / And love dares you to care for / The people on the edge of the night / And love dares you to change our way of / Caring about ourselves / This is our last dance / This is ourselves / Under pressure." Es brauchte sechs Jahre und den Umweg über Tin Machine, bis sich Bowie von den Achtzigern erholt hatte. Das Comeback-Album "Black Tie White Noise" (2/5) zeigte ihn jedoch orientierungslos. Noch einmal übernimmt Nile Rodgers die Regler, aber auch der Auftritt des Jazz-Trompeters Lester Bowie ("Jump They Say") und Mick Ronsons letzte Aufnahme konnten den weiteren Soul-Ausflug auf diesem belanglosen Hochzeits-Album nicht retten. Mit "The Buddha Of Suburbia" (2/5) widmete sich Bowie wieder Klangexperimenten, die aber ohne Eno bereits 1993 erschreckend gestrig klangen und größtenteils in die Hose gingen. Trotzdem setzte das Album die Weichen für die nächsten Jahre und beschwichtigte mit Mike Garsons Rückkehr. Der Titeltrack spielte mit Versatzstücken aus "Space Oddity" und "All The Madman". "Zane, Zane, Zane / Ouvre le chien." Mit dem eben noch schmerzhaft vermissten Eno startete 1995 das eigentliche Comeback. "1. Outside" (4/5) bot den Einstieg in die ehrgeizigen Nathan Adler Diaries, die bei Bowies umtriebigem Geist von vornherein zum Scheitern verurteilt waren. Sollte bis zum Ende des Jahrtausends jedes Jahr ein weiteres Album folgen, blieb es am Ende bei diesem einen, schwer zugänglichen Tohuwabohu, aus dem sich mit etwas Arbeit viele unterkühlte Kostbarkeiten fischen lassen. Das zermalmende "The Hearts Filthy Lesson" mit graziösem Garson-Solo und das quecksilbrige "Hello Spaceboy" zeigten sich deutlich von Nine Inch Nails "The Downward Spiral" inspiriert. Von letzterem ließen die Pet Shop Boys in der poppigen, auf "Nothing Has Changed" enthaltenen, Single-Version nichts übrig. Der Drum'n'Bass-Boom brach Detektiv Adler das Genick. Mit "Earthling" (3/5) sprang Bowie auf den fahrenden Zug und zerschnitt seine eingängigen Songs ("Little Wonder") mit zerklüfteten Beats. Auf der wütenden Single "I'm Afraid Of Americans", von Trent Reznor reproduziert, kam es endgültig zu dem seit zwei Jahren heraufbeschworenen Treffen der Generationen. Mit "Hours" (3/5), "Heathen" (4/5) und "Reality" (3/5), drei in ihrer Grundstimmung sehr ähnlichen Alben, zog sich Bowie entspannt auf das sichere Altenteil zurück. Zwar konnte man jederzeit den einstigen Giganten erahnen, doch Bowie begann mehr und mehr seine Fähigkeiten zu verwalten. Im launisch rockenden "Slow Burn" griff Pete Townshend zur Gitarre. "New Killer Star" nahm Bezug auf das Leben in New York nach dem 11. September 2001. "Survive" und "Seven" finden im "Marius De Vries Mix" auf "Nothing Has Changed". Ein Herzinfarkt auf dem Hurricane-Festival am 25. Juni 2004 warf Bowie komplett aus der Bahn und es brauchte neun Jahre, bis er sich 2013 mit "The Next Day" (4/5) überraschend zurück meldete. Gezielt konzentrierte er sich auf seine Stärken, bot einen Querschnitt durch sein bisheriges Schaffen. Der Text der fragilen Zärtlichkeit "Where Are We Now?" verlinkte direkt zur Berlin-Trilogie. Das butterweiche "The Stars (Are Out Tonight)" glänzte dank seines mitreißenden Songwritings. James Murphy verband "Love Is Lost" im spannenden "Hello Steve Reich Mix" geschickt mit "Ashes To Ashes". "Nothing Has Changed" versucht aus jeder Epoche zumindest einen Song unterzubringen. Dies führt zu der ein oder anderen seltsamen Entscheidung. Die autarke Tin Machine findet konsequenterweise nicht statt. Mit "Sunday" fehlt ausgerechnet das Lied, aus dem die für den Longplayer titelgebende Zeile "Nothing has changed / Everything has changed" stammt. Netterweise findet sich aber auch keine einzige Note aus dem "Labyrinth"-Soundtrack (1/5) wieder. Dafür kann man mit "Let Me Sleep Beside You", "You Turn To Drive" und "Shadow Man" drei gelungene Songs vom bis heute unveröffentlichen "Toy"-Album (3/5) aus dem Jahr 2001 entdecken. Trotz ihrer Lücken funktioniert die Ansammlung blendend. Dabei verpasst die Kompilation die Chance, endlich einmal Songs aus der zweiten Reihe etwas mehr Rampenlicht zu gönnen. Kein "Station To Station", "The Width Of A Circle", "Aladdin Sane", "Sweet Thing", "Andy Warhol", "Look Back In Anger", "Always Crashing In The Same Car", "Time", "Slip Away" oder "All The Madman". Skandalöserweise fehlt diesmal sogar "Rock & Roll Suicide". Bowies eigentliche Perlen bleiben somit weiterhin den Sammlern seiner Alben vorenthalten. © Laut
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Rock - Erschienen am 1. November 2013 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen Hi-Res Audio
Was musikalische Langzeitprognosen angeht, konnte ich mich schon immer auf meinen Riecher verlassen. Scooter? Mit "Hyper Hyper" zum Glück nur ein One Hit Wonder. Rammstein im Vorprogramm der Ramones? Naserümpfend den Saal verlassen. Nirvana 1989 im Schwimmbad Musik-Club in Heidelberg? Aus denen wird nie was! Meinen bisher letzten großen Klops, für den ich mich hier offiziell entschuldigen möchte, habe ich wohl in meiner "Ziggy Stardust"-Rezension zum 40. Geburtstag der Platte geleistet. Neun Jahre nach "Reality" und sechs Jahre nach seinem letzten Liveauftritt hatten selbst die unverbesserlichsten Optimisten den Glauben an ein neues Album verloren. Aber wer will es dem Thin White Duke nach unzähligen Meisterwerken schon übel nehmen? Na, da habe ich wohl mal wieder gewaltig daneben gelegen. Zum Glück. Allein stand ich mit meiner Vorhersage aber sicher nicht. Während die Quoten für einen neuen Longplayer also von Woche zu Woche ins Bodenlose purzelten, bastelten Bowie und Produzent Tony Visconti über zwei Jahre streng abgeschirmt an "The Next Day". Pünktlich zum 66. Geburtstag des Mannes, der einst vom Himmel fiel, ließ Bowie die Bombe platzen und zeigte mit "Where Are We Now?" allen Skeptikern eine lange Nase. Aufgrund der langen Wartezeit und der Ungewissheit und einem bis heute ungebrochenen Schweigen von Seiten des Großmeisters, bauten sich fast unerfüllbare Erwartungen auf. David Bowie steigt vom Berge Sinai und überreicht uns seine vierzehn Gebote. Nach dem ganzen Hype bin ich nun fast enttäuscht, dass ich mit "The Next Day" nur eine weitere Bowie-Platte und nicht die erste Kontaktaufnahme mit außerirdischem Leben in der Hand halte. Wenn man die Schnappatmung überwunden hat, stellt man mit Erstaunen fest, dass sich im Grunde nicht viel verändert hat. Nach seinem ersten Comeback "Black Tie White Noise" strauchelte Bowie lange, bis er unerwartet mit "Hours..." eine Art entspanntes Spätwerk einleitete, das sich mit dem brillianten "Heathen" und "Reality" fortsetzte. Anstatt unwürdig schnelllebigen Trends hinterher zu hetzen, standen plötzlich mit relaxter Grundhaltung die Songs im Mittelpunkt. Bei allem Bohei und trotz aller deutlichen Ecken und Kanten geht "The Next Day" den selben Weg. Bowie verwaltet sich selbst und seine Vergangenheit und wirft für uns Fans diverse wohl platzierte Angelhaken aus, die zurück zu seinen Großtaten aus den 1970ern führen. Legt das salbungsvolle "Where Are We Now?" musikalisch mit seiner fragilen Zärtlichkeit vielleicht noch eine falsche Fährte, deutet der Text doch in genau die richtige Richtung und bereitet optimal auf "The Next Day" vor. "Sitting in the Dschungel / on Nürnberger Strasse / a man lost in time near KaDeWe / just walking the dead." Ein mit dem Vorschlaghammer verteilter Flashback zur Berlin-Triologie. Das überpappte "Heroes"-Cover trägt seinen Rest dazu bei. "Here I am, not quite dying, my body left to rot in a hollow tree." Bowie bedient die üblichen Grundmotive (Stars, Space, Boys). Außerdem bestimmt Gewalt das vermöbelte Gesicht von "The Next Day". Der Titeltrack bietet einen rabiaten Einstieg, direkt aus der Bowie/Osterberg-WG. Kontrollierte Hysterie unterlegt die Geschichte eines mittelalterlichen Tyrannen, der von einem wütenden Mob dahingerafft wird. "They work with Satan while they dance like saints". Für "Dirty Boys" steigt "Fame" untot und schleichend aus seinem Grab empor. Der Thin White Zombie gibt sich mit vergiftetem Soul die Ehre. Steve Elsons Baritonsaxophon unterlegt den ruckartigen Rhythmus. Ein monochromer Beat, penetrant wie Lebertran, wälzt "Love Is Lost" voran. "It's the darkest hour / you're twenty two / the voice of youth / the hour of dread." Gitarrenfetzen durchtrennen drakonische Keyboardflächen. Die klare Botschaft: Ab jetzt wird es nur noch schlimmer. "Wave goodbye to life without pain". Bowie at his best. Neben seinen düsteren Tiefen kennt "The Next Day" auch schwindelerregende Höhen. Selbst Fans des Haarspray-Bowies aus den 1980ern kommen mit "(You Will) Set The World On Fire", einem Zwitter aus "Time Will Crawl" und "You Really Got Me" von The Kinks auf ihre Kosten. Die zweite Single "The Stars (Are Out Tonight)" mit ihrem mustergültigen Refrain dürfte zu den besten Singles der letzten drei Jahrzehnte gehören. Unterhalb der butterweichen Celebrity-Fassade von Brigitte, Jack, Kate und Brad gruselt es gewaltig. "They burn you with their radium smiles and trap you with their beautiful eyes." Im Laufe von "The Next Day" lotet Bowie immer wieder sämtliche Alternativen seiner Stimme aus. Er pendelt zwischen zerbrechlich ("Where Are We Now?"), zickig ("Valentine's Day") und pathetisch ("You Feel So Lonely You Could Die"). In "I'd Rather Be High", einem ansonsten eher faden Track mit Militärrhythmen und Smiths-Anleihen, klingt er gar jugendlich wie zu Decca/Deram-Zeiten. Im Refrain des Staccato-Rocks "How Does The Grass Grow?" spielt der Engländer mit Apache von The Shadows. Ruppige Gitarrensoli kappen den Teletubbie-Chorus vom restlichen Song ab. Ein schrilles und nervendurchdringendes Keyboard trifft in "If You Can See Me" auf hastige Gitarren. Bowie gräbt noch einmal die Rastlosigkeit der "Earthling"-Ära aus. Drum'n'Bass-Rhythmen und "Look Back In Anger" prallen aufeinander. "Time takes a cigarette / puts it in your mouth." Was mit "You Feel So Lonley You Could Die" als Schunkelballade beginnt, entwickelt sich zu einer epischen Erzählung über Einsamkeit und selbstmörderischer Depression. Eine melancholische und melodramatische Todesvision in der zu guter Letzt der Schlagzeugeinstieg aus "Five Years" zitiert wird. "Oblivion shall own you, death alone shall love you." Die Hölle friert zu, sobald Bowie in "Heat" seinem Idol Scott Walker zu "Climate Of Hunter"-Zeiten nacheifert. Ein dunkles Gebet zu einem singenden Fretless-Bass vorgetragen. Akustische Gitarre, Lärm, Schuld und Schande. "I am a seer, but I am a liar." Wenn auch manche lauwarme Nummer ("Dancing Out In Space", "Valentine's Day", "I'd Rather Be High") das erstklassige Gesamtbild ein wenig verwässert; nach dreißig Jahren und den Unwegsamkeiten der 1980er ist David Bowie nicht mehr auf der Suche. Bei sich selbst angekommen, weiß er genau, was und wohin er will. Sein nächster Tag liegt in der Vergangenheit, im bewussten Konzentrieren auf seine Stärken. Vielleicht klingt "The Next Day" auch deswegen bisweilen ein wenig zu sehr kalkuliert und nüchtern. Trotzdem ist ihm ein formidables Comeback gelungen. Wieder einmal hänge ich wie ein zappelnder Fisch an seiner Angel. © Laut
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Rock - Erschienen am 30. Juni 2008 | Parlophone UK

Auszeichnungen Sélection Disques de l'année Les Inrocks
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Rock - Erschienen am 14. April 1983 | Parlophone UK

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Rock - Erschienen am 28. August 2020 | Rhino - Parlophone

Am 9. Januar 1997 feiert David Bowie seinen 50. Geburtstag in glanzvoller Aufmachung auf der Bühne des New Yorker Madison Square Garden zusammen mit Lou Reed, Robert Smith, Sonic Youth, Frank Black und ein paar weiteren Gästen. Für diese Veranstaltung probt der Thin White Duke zwei Monate zuvor mit der Bassistin Gail Ann Dorsey, dem Gitarristen Reeves Gabrels und dem Keyboarder Mark Plati. Bei dieser Probe werden dann neun Tracks aufgenommen. Die BBC sollte sie am 8. Januar 1997, am Tag des 50. Geburtstages dieses Stars ausstrahlen. Nun sind sie endlich auf diesem ChangesNowBowie offiziell zugänglich. Es handelt sich um meist akustische Coverversionen von Songs, die aus seinem weitreichenden Repertoire herausgepickt wurden. Recht feinfühlig und raffiniert interpretiert Bowie seine Standards, etwa The Man Who Sold The World, Quicksand oder Aladdin Sane, aber auch die weniger großen Hits The Supermen (aus The Man Who Sold The World), Repetition (aus Lodger) und Shopping For Girls (aus dem zweiten Album von Tin Machine). Er präsentiert auch eine recht spannungsgeladene Version des White Light/White Heat von The Velvet Underground, wobei Gabrels elektrisches Gift verspritzt, was richtig erlösend wirkt. Das ganze ChangesNowBowie hindurch überwältigt uns vor allem Bowies makellose, man könnte fast sagen kaiserlich-königliche Stimme. Und auf mehreren Titeln lässt er sich sogar dazu herab, Gail Ann Dorsey, einer der ihm seit der Outside-Tournee im Jahre 1995 treu gebliebenen Musikerinnen auch schon mal das Mikro zu überlassen… Somit gibt es am Ende ein weitere erfreuliche Episode in der ohnehin schon imposanten Diskografie eines nie zur Ruhe kommenden Genies. © Marc Zisman/Qobuz
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Pop - Erschienen am 11. November 2016 | Rhino

Sein erstes Album in 2016 hieß "Blackstar", und nur er wusste damals, dass es auch sein finales Studiowerk sein würde. So passt es ins Bild, dass die vorliegende Veröffentlichung den Reigen der zahlreichen David Bowie-Platten in diesem Jahr beschließt: "Legacy", David Bowies Vermächtnis also, der traurigen Entwicklung angemessen betitelt. Auch wenn manch einer eher in einem oder mehreren der insgesamt 28 David Bowie-Studioalben seit 1967 eine Art Vermächtnis dieses talentierten Künstlers findet. Der Brite hat auch großartige Hits geschrieben, die es wert sind, einmal komplett aufgelistet zu werden. Für die breite Masse war Bowie vor seinem Tod vor allem der Typ, der "Let's Dance" gesungen hat. Hätte man bis letztes Jahr in einer Umfrage nach dem Sänger von "Under Pressure" gefragt, wäre die Antwort der Mehrheit eher Freddie Mercury gewesen. Darüberhinaus gerät das öffentliche Bewusstsein oft unweigerlich ins Stocken, dabei kennt man auch als unbedarfter Radiohörer noch einige dieser weiteren 18 (Einzel-CD) bzw. 38 "Legacy"-Stücke (Doppel-CD). Fakt ist: Jede Generation verdient ein Bowie-Sound-Lexikon dieser Art. 1990 erschien die Best Of "Changesbowie", 2002 "Best Of Bowie" ("Changesonebowie" von 1976 und "Changestwobowie" von 1981 mal außen vorgelassen) und nun eben "Legacy", das mit den aktuellen "Blackstar"-Singles "Lazarus" und "I Can't Give Everything Away" bestückt ist. Doch los geht es mit den frühen Glanztaten des Mannes, der der einzige Rockstar aus den 60ern gewesen ist, "der zu wissen und sich dafür zu interessieren schien, was außerhalb seiner Generation abging. Er gab jungen Bands das Gefühl, verstanden zu werden und relevant zu sein", formulierte Dinosaur Jr-Boss J Mascis treffend. Und wir hören Bowie nun 45 Jahre später in "Changes": "And these children that you spit on / As they try to change their worlds." Dieser Song, genau wie "Starman", wurde auf "Best Of Bowie" vor 14 Jahren tatsächlich nicht berücksichtigt. "Legacy" weist zum Glück keine schmerzhaften Lücken auf. Wir erleben Bowies Karriere in Hits, von Glam-Kultsongs ("All The Young Dudes") über Riff-Klassiker ("Rebel Rebel"), geschmeidigen Funk ("Fame"), Wave-Pop ("Ashes To Ashes"), Drum'n'Bass-Exkurse ("Little Wonder") bis zu Kooperationen mit der Pat Metheny Group ("This Is Not America"), den Pet Shop Boys ("Hallo Spaceboy") und, nun ja, Mick Jagger ("Dancing In The Street"). Dazwischen: Der Berliner Mauer-Song schlechthin ("Heroes"). Zu entdecken gibt es nach wie vor genügend: Ob das tiefenentspannte "Thursday's Child" von "hours..." (1999), "Slow Burn" vom gerne übersehenen Alterswerk "Heathen" (2002) oder das Industrial Rock-Juwel "I'm Afraid Of Americans", für das 1997 folgerichtig Trent Reznor verpflichtet wurde, der vorliegenden Remix fabrizierte (das Original ist auf "Earthling"). Angepriesen wird "Legacy" mit einer bisher unveröffentlichten Version des vielleicht schönsten David Bowie-Songs "Life On Mars?", den der Produzent des dazugehörigen 1971er Albums "Hunky Dory", Ken Scott, neu gemixt hat. Er arbeitete die einzelnen Spuren deutlicher heraus und mischte dem majestätischen Track etwas mehr Streicher hinzu, was Drama und Opulenz noch verstärkt. Nach dem zweiten Boxset für Fans und dem Soundtrack zum "Lazarus"-Musical ist die Hitsammlung "Legacy" ein logischer wie würdiger Schlusspunkt im Bowie-Veröffentlichungsreigen 2016. Und eine der sinnvolleren Complilations, die man kurz vor Weihnachten im Plattenregal vorfindet. © Laut
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Pop - Erschienen am 29. September 2017 | Parlophone UK

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Rock - Erschienen am 21. Oktober 2002 | Parlophone UK

Mit seinen Live-Auftritten und dem im Frühsommer erschienenen Solo-Album hat David Bowie allerorten nur Begeisterung ausgelöst. So ist es nur konsequent und dem Label kaum als Beutelschneiderei auszulegen, wenn es fast zehn Jahre nach der großartigen "Singles Collection" mal wieder ein Greatest Hits-Album heraus bringt. Zumal die "Singles Collection" nur noch als Import erhältlich ist und Emimusic sich mit der aktuellen "Best Of Bowie" einige Mühe gegeben hat. So hat der deutsche Käufer die Qual der Wahl zwischen einer regulären Best Of-CD mit 20 Titeln und der im November nachgeschobenen DVD mit 47 Tracks und vielen (allerdings ausschließlich schon bekannten) Videos. Wer seine CDs weltweit im Internet ordert, hat gar Zugriff auf insgesamt acht (!) unterschiedliche Versionen der "Best Of Bowie". Offenbar wollten die Marketingstrategen bei der Wahl der Titel geografische Unterschiede berücksichtigen. So soll auf der französischen Ausgabe beispielsweise der PSB-Remix von "Hello Spaceboy" enthalten sein, während die japanische Bowies Frühzeit besser abdeckt - wie übrigens auch die DVD. Deutsche Hörer kommen dafür in den zweifelhaften Genuss von "Helden", der deutschen Version von "Heroes", die allenfalls beweist, dass Bowie mit der schweren Sprache arg überfordert war. Über diesen Lapsus trösten die großen Hits wie "Ashes To Ashes", "Ziggy Stardust", "Space Oddity", "Let's Dance" oder "China Girls" natürlich ebenso locker hinweg wie die schönen Zusammenarbeiten mit der Pat Metheny Group ( "This Is Not America") oder Mick Jagger ("Dancing In The Street"). Und auch wenn einige Klassiker wie "Starman" oder "Changes" fehlen, gibt diese Zusammenstellung doch einen guten Überblick über das gewaltige Werk des Superstars Bowie. Wahre Fans sind sowieso schwer zufrieden zu stellen und über die Auswahl der besten Stücke eines so vielseitigen Musikers lässt sich trefflich streiten. Und wer David Bowie im Sommer auf der Bühne erlebt hat, der wartet sowieso auf die überfällige Live-Scheibe, auf der dann hoffentlich auch des Entertainers neueste Geistesblitze, etwa seine phantastische Live-Version von Neil Youngs "I've Been Waiting For You", enthalten sind. © Laut
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Pop - Erschienen am 29. September 2017 | Parlophone UK

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Pop - Erschienen am 25. September 2015 | Parlophone UK

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Rock - Erschienen am 3. Juli 2020 | Parlophone UK

Seit seinem Tod am 10. Januar 2016 stehen David Bowies unveröffentlichte Archive (hauptsächlich Live-Aufnahmen) Schlange. Der Titel des während der Outside-Tournee im Starplex Amphitheater in Dallas am 13. Oktober 1995 eingespielten Ouvrez Le Chien stammt aus dem Outro des Songs All The Madmen auf dem Album The Man Who Sold The World. Für dieses Konzert hat der Brite seine zu jenem Zeitpunkt langjährigen Freunde an Bord geholt: Carlos Alomar an der Rhythmusgitarre, den Leadgitarristen Reeves Gabrels, den Bassisten Gail Ann Dorsey, den Schlagzeuger Zachary Alford, Peter Schwartz und Mike Garson am Klavier bzw. Synthesizer. Es ist die Zeit, in der Bowie offen sein Interesse für die Industrial-Szene bekundet, die von Gruppen wie Nine Inch Nails getragen wird (die übrigens bei seinen Konzerten im Vorprogramm spielt), und das kann man auch heraushören, sowohl bei den quietschenden Gitarrensoli als auch bei den unermüdlichen Rhythmen oder den recht urbanen Synthieflächen. Eine Klangwelt, die er dann in seine jeweils aktuellen Kompositionen einbaut (The Hearts Filthy Lesson, Outside, I Have Not Been to Oxford Town, I'm Deranged), aber auch in seine früheren Hits (Andy Warhol, Breaking Glass, The Man Who Sold The World, Teenage Wildlife). Auf diesem Live-Album gibt es eine Fülle an Elektrischem und Rhythmischem (das besonders laute Schlagzeug kann manchmal ermüdend wirken), aber gerade das passt perfekt zu den Exzessen, denen Bowie so ergeben war. Dieses Archiv sei vor allem seinen Fans der allerersten Stunde zu empfehlen. © Marc Zisman/Qobuz
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Pop - Erschienen am 29. September 2017 | Parlophone UK

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"Sula vie dilejo. Solo vie milejo!" Warschau, April 1976. Der wenig gemütliche Zug von Zürich nach Moskau hält eine Weile in der noch unwirtlicheren Hauptstadt des sozialistischen Polens. Ein uns bekannter Londoner samt Kumpel Iggy Pop stapft tief beeindruckt durch eine Stadt voller Bombenkrater, Einschusslöcher und Kohlesmog. Ein Trip inmitten der "Low"-Sessions, der sich lohnen sollte. Derweil saß der andere Kumpel Brian Eno allein zu Haus und ersann die Grundmelodie von "Warszawa". Jene dunkle, stoische Verzweiflung des Ostblocks sah David Bowie eins zu eins in den Ideen des früheren Roxy Music-Vaters wider gespiegelt. Hochinspiriert fügte er die schmerzerfüllten Vocals plus ein in Warschau kennengelerntes schlesisches Folkstück in Auszügen hinzu. Eno erwähnte erst später, dass das Grundthema des Liedes maßgeblich mittels Hilfe des vierjährigen Sohnes von Produzent Tony Visconti entstand. Als Eno auf das Kind aufpasste, setzte es sich ans Piano und loopte konstant A, B und C. Hierdurch, so heißt es, überkam Onkel Brian erst die Inspiration. Eine von unzähligen, meist launigen Anekdoten über eines der finstersten Alben der Musikgeschichte. Ein Album, geprägt vom Leiden des entziehenden Kokain-Junkies Bowie. Eines, über das man Dissertationen schrieb; Phillip Glass sogar eine komplette Sinfonie. Dazu ein musikalischer Schnitt in David Bowies Karriere, wie es ihn weder vorher noch hinterher gab. Sehr viel Superlative für noch nicht einmal 40 Minuten Spielzeit. Gleichwohl berechtigt. Mit dieser LP entdeckt er die Krauts samt ihrer Elektronika. Mit ein wenig Kraftwerk, deutlich mehr Neu! und La Düsseldorf sowie der gesamten Düsseldorfer Schule als Vorbild klingt der Thin White Duke dann endlich so "Weimarer Republic", wie er seit der vergangenen Station To Station-Tour bereits aussieht und sich gelegentlich auch präsentiert. Denn obwohl sich mit Eno und Bowie hier zwei Taufpaten von Make Up und Glamrock treffen: Die Schallplatte ist das komplette Gegenteil des zumindest damaligen Medienbildes beider Künstler. Doch Enos Halsband samt Federboa sind längst eingemottet. Mit Neu!s Michael Rother samt Cluster hat er im Wald ein paar Ecken weiter - "ganz schlicht in schwarz" (so Rother) die Krautrock-Allstar-Combo Harmonia gegründet und das meisterhafte "Tracks And Traces" eingespielt. Bowie steuerte den fragmentarisch schon vorhandenen Songs vor allem noch eine gehörige Portion Depression bei. Dazu verkroch er sich passenderweise in ein heruntergekommenes Loch in der Hauptstraße in Berlin-Schöneberg. WG-Kumpel von gegenüber: der angemessen chaotische Rockbarbar Iggy. Bowie saugt alle drogenschwangere Morbidität der Heroinhauptstadt Europas auf und wird zum nihilistischen Star der Punk- und aufkommenden New Wave-Szene. Surreal viel Underground-Credibility für einen Superstar. Mit einem Cameo-Auftritt in "Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo" wird Bowie es ihnen kurz drauf danken. Wem der gefällige Singlehit "Heroes" immer ein wenig zu sehr das "Wind Of Change" einer ohnehin durchwachsenen Historie Berliner Wallsongs war, der findet in "Weeping Wall" eine verlässliche Alternative. Ein spaciges - indes vegebliches -Aufbäumen gegen das Unglück der Mauer. Kongenial symbolisiert durch das angedeutete Einflechten des britischen Traditionals "Scarborough Fair". Für die nicht minder monolithische Soundfläche "Subterraneans" ersinnt er die berühmt kryptischen und stets vergebens interpretierten Zeilen "Share bride failing star / care line care line / driving me / Shirley, Shirley, Shirley, own / share bride failing star". Das skalpellhafte Saxophon ist selbst eingespielt und klingt wie der einsam schreiende Zwilling des kaputten Orwell-Sax in "Diamond Dogs". Besser geht es nimmer mehr. Wer das dauerhaft als zu melancholisch empfindet, sollte sich an die A-Seite mit den meist gesungenen Songs halten. Der knuffige Opener "Speed Of Life" ist eine dermaßen poppige Elektrokrautperle - Klaus Dinger wäre stolz gewesen. Mit "Sound And Vision" thematisiert Bowie die Paranoia seines Kokainkonsums. Hinzu kommt Carlos Alomars Gitarren-Hook aus der Hölle, der nackige Bass George Murrays und Enos Backing Vocals samt germanophiler Synthies. Mit Fug und Recht etabliert sich das schöne Lied als eine der Urhymnen der beginnenden Wavekultur. "Don't you wonder sometimes 'bout sound and vision? " Mein ganz persönlicher Bowie-Höhepunkt im allgemeinen und "Low"-Gipfel im Besonderen ist der ebenso zarte with unbeirrbar voranschreitende Track "Always Crashing In The Same Car". Zeilen vom halluzinogen Burroughs'schen Bilderrausch bis zu echter Weisheit. "Jasmine, I saw you peeping / Oh, but I'm always crashing in the same car." Die nahezu gehauchte Stimme verleiht den dreieinhalb Minuten eine schwebende Atmosphäre, wie man sie in solcher Intensität nur selten erleben darf (außer eventuell im psychotischen "After All" von 1970). Trotz aller Marter des Drogenentzugs: Großartig, wie der Brixtoner die zerstörte Entfremdung der ehemaligen Reichshauptstadt aufsaugt und konzeptionell als roten Faden in gefroren tönende Neonklänge formt. Wie er das alles trotz Stooges-Iggy schafft, ohne im Heroinsumpf der alten Nutte Berlin zu versacken. Nach Bowies bestechend englischer Logik jedoch kein Problem: "Klar zog ich vom 'coke center of the world' ins 'smack center of the world'. Aber das war zum Glück kein Ding, weil ich nie eine Schwäche für Heroin hatte." Auch wenn mit den Sequels "Heroes" und "Lodger" noch zwei Teile seiner Berlin-Trilogie ausstehen sollten; außer einem brillianten Robert Fripp hatte Bowie dieser perfekten Neuerfindung nichts mehr hinzu zu fügen. Die Platte funktioniert ohne jedes Hintergrundwissen genauso gut wie umgekehrt. Bowie als Postpunk-Papst samt wundervoll erhabenem Cover, einem Foto aus Nicholas Roegs "Der Mann, der vom Himmel fiel". Ein stilles Gegenstück zu Munchs "Der Schrei", dabei aber genau so negativ. © Laut
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Rock - Erschienen am 6. November 2020 | Parlophone UK

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The Man Who Sold The World feiert seinen 50. Jahrestag mit einem neuen Mix und dafür gibt es seinen Orginaltitel Metrobolist sowie das Cover von Mike Weller. Dieses dritte, in den USA am 4. November 1970 veröffentlichte Album (England sollte damit noch bis April 1971 warten und noch dazu dann mit einem abgeänderten Artwork aufwarten) präsentiert einen David Bowie, der stilistisch genauso offen und wechselhaft wie immer auftritt. Nach einigen, oft von Dylan inspirierten akustischen Anwandlungen macht er hier eine totale Kehrtwende, um nun schwere elektrische Geschütze aufzufahren. Vor allem startet er eine neue, entscheidende Partnerschaft mit dem Gitarristen Mick Ronson, aus der in der Folge Klassiker wie Hunky Dory, Ziggy Stardust und Aladdin Sane hervorgehen sollten… Nach Space Oddity schlägt der Star einen schärferen Ton an und präsentiert eine Art überladenen und gequälten Hard Rock, dem Ronson mit einem gitarristischen Tsunami seinen Stempel aufdrückt. Es handelt sich um eine eigenartige, dekadente Welt, die so gerne grandios, ja sogar großsprecherisch wäre. David Bowies Texte werden skurril, paranoisch, schockierend und haben etwas von Science-Fiction, womit er sich wahrhaftig unter seinen Mitstreitern hervorhebt. Jahre später sollten Nirvana den Titelsong des perfiden, gleichnamigen Albums MTV Unplugged neu auflegen. Zur Feier des Jubiläums hat Tony Visconti das Album neu gemischt. Dieser hatte 1970 schon an den Reglern gestanden und seine Arbeit bringt frischen Wind in ein ohnehin schon recht dynamisches Ensemble. © Marc Zisman/Qobuz
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Pop - Erschienen am 15. April 2013 | Parlophone UK

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"Nennen wir es doch: Ziggy goes to America!", meinte Bowie damals halb scherzhaft. "The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars" machte David Robert Jones 1972 zum Superstar. Weg von Elvis, Artrock und Blues, hin zu unwiderstehlich dekadentem Rock'n'Roll mit Lipstick und Sex. Mit "Aladdin Sane" treibt er die Party im Folgejahr auf die Spitze. Hieß es zuvor noch "making love to his ego", mutiert Bowies Alter Ego hier über Nacht zum Herrscher einer unersättlichen, erotischen Orgie. Let's Spend The Night Together! Nun erscheint analog zu "Ziggy Stardust" 2012 auch die Kajalplatte mit frisch aufgelegtem Make Up zu ihrem 40. Geburtstag. Ihre Strahlkraft bleibt unvermindert. Neue Bowieaner wachsen in jeder Dekade nach. Langjährige Freunde können die alte Liebe wiederentdecken und vertiefen. Die Ausstattung macht alles richtig. Keine unsinnige Bonbonfütterung mit überflüssigem Bonusquatsch wie Demos, Remixes oder Neuaufnahmen. Stattdessen: Das Kunstwerk ganz essentiell, sich selbst genügend. Dafür kredenzt der Thin White Duke ein Remastering, so klar und elegant im Sound, wie es die Beatles mit ihrem 2009er Boxset nur versprachen. Besonders mit Kopfhörern ein Genuss und Fortschritt zu älteren Editionen. Auch das Coverartwork bringt alles zurück, was man an Kunst der Plattenhülle liebt. Eine Bonsai-Variante des Originals. Schönes Klappdigi im CD-Format samt legendärem Ganzkörperbild und blaurotem Innersleeve und allen Texten. Die Musik der Platte transportiert allen Sex, alle Drogen, alle Maßlosigkeit. Selbst wenn man es schlussendlich mit dem eigenen Leben bezahlt. "Vergiss, dass ich 50 bin, du wurdest gerade bezahlt / Also blas mir einen, vor dem Geständnis, dass du mich hinterher totschlagen wirst", rotzt Bowie in seiner Rolle als "Cracked Actor" zu den dreckigsten Gitarren, die er je zur Schau stellte. On Stage dazu angedeuteter Oralsex zwischen Bowies Zunge und Mick Ronsons gitarrengeschütztem Schritt. Doch draußen ist der Sommer der Liebe lange verklungen. Der Kater nach den Swingin' Sixties längst vor der Tür. Nicht so bei Bowie. Auf der damaligen '73er Tour fielen alle Grenzen zum Größenwahn. Wie ein altägyptischer Gott haust er samt Band im luxuriösen Beverly Hills Plaza. Alle schniefen kiloweise Kokain, trinken Hektoliter Rotwein und schlucken hunderte Quaaludes. Sogar die Roadies nehmen 24 Stunden am Tag den kompletten Zimmerservice in Beschlag, wie es die Historie weiß. Wer dermaßen residiert, kommt anscheinend auf geniale Merkwürdigkeiten. Das wundervoll dramatische Doo-Woop-Stück "Drive In Saturday" handelt von einer postapokalyptischen Menschheit im Jahre 2033, die im Gegensatz zu den britischen Rockstars komplett verlernt hat, was Sex und Erotik ist. Deshalb müssen die Armen alte Pornos aus unseren Tagen zum Nachhilfeunterricht auftragen. Gekrönt von Davids grandios dilettierendem Saxophon und der großen Zeile: "Sie ist sich nicht sicher, ob sie ihn überhaupt mag / Aber sie weiß ganz genau, dass sie ihn wirklich liebt." Diese aufreizende, im Jahre 1973 geradezu subversive Unverblümtheit zeigt sich auch in den knurrigen Rockarrangements, die für damalige Härteverhältnisse trotz all der Schminke einen echten Faustschlag ins Gesicht darstellten. Man höre nur die fetten Hooks von Spider-Gitarrero Ronson im groovy Revoluzzer-Track "Panic In Detroit" oder dem sexy Höllenblues "The Jean Genie". Jener Titel ist zwar eine Jean Genet-Hommage, doch die beschriebene Figur trägt unverkennbar Züge und Eigenschaften von Alltime-Kumpel Iggy Pop, für dessen aktuelle Stooges-Platte er gerade das Mixing erledigt hat: "Sits like a man but he smiles like a Reptile." Die künstlerischen Höhepunkte, die das Album - Bowies erste Nummer eins in den UK-Charts - in musikalischer Hinsicht vor das Ziggy-Album schiebt, sind indes zwei Balladen und das Titelstück. Lieder, die keine Halbwertszeit kennen, auch nicht nach 40 Jahren. "Time - he flexes like a whore / Falls wanking to the floor / His trick is you and me, Boy.", singt Bowie sich mit herausfordernd nuttigem Gesang durch das gleichnamige, nahezu Bukowski-hafte Chanson. Dazu der hochdramatische Tastenanschlag von Jazzpianist Mike Garson. Zeitlupen-Ragtime goes Porno! Weder vorher noch nachher war Bowie so sehr Jacques Brel und Scott Walker wie hier. Der großartige Garson ist es auch, der fast im Alleingang mit dem Titeltrack "Aladdin Sane" die qualitative Weiterentwicklung zu allen vorhergehenden Bowiealben verkörpert. "Als Bowie mir den Song gab, war es ein sehr simples, typisch englisches Rockstück, bestehend aus einem A- und einem G-Akkord. Ich spielte zuerst ein Bluessolo, dann ein Latinsolo. Doch Bowie wollte beides nicht und sagte mir nur: Du sagtest doch, du spielst sonst Avantgarde-Jazz. Spiel das Zeug!" Als Resultat improvisiert Garson komplett spontan und in einem einzigen Take das Pianothema und stellt so die Weichen für den Stil vieler zukünftiger Kompositionen Bowies. Das titelgebende Wortspiel "A Lad Insane" (Ein Verrückter Kerl) bezieht sich hierbei auf Davids Bruder, dem man in jenen Tagen Schizophrenie diagnostizierte. Bowie selbst hatte - gesteigert durch die Drogencocktails - eine panische Angst davor, es könne ihm ebenso ergehen. Deutlich harmonischer klingt die LP mit der ebenso schillernden wie oft übersehenen Monsterballade "Lady Grinning Soul" aus. Ein erstmals in souligen Vocals agierender Bowie schmachtet sich durch diese Lied gewordene Anbetung der schwarzen Sängerin Claudia Lennear. Die Begegnung mit der charismatischen Schönheit verzauberte seinerzeit nicht nur den androgynen Rotschopf. Auch Kumpel Jagger zeigte sich mehr als beeindruckt und schrieb ihr "Brown Sugar" auf den viel umworbenen Leib. Mick Garson greift hierzu noch einmal in die Trickkiste. Nach einem Hochspannung transportierenden Intro perlt er sich mit viel französischem Schmelz und einem Touch Franz Liszt durch die beste James Bond-Ballade, die nie für diese Reihe gemacht wurde. "Don't be afraid of the room / Touch the fullness of her breast / Feel the love of her caress." Am Ende des Reigens wird man sich bittersüß bewusst, wie zeitlos und staubresistent "Aladdin Sane" auch nach vier langen Jahrzehnten klingt. © Laut
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Rock - Erschienen am 30. November 2018 | Parlophone UK

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Man schrieb das Jahr 1971, als Bowie zum ersten Mal in Glastonbury Fuß fasste. „Von 1990 an bis zum Ende des 20. Jahrhunderts habe ich auf keinem einzigen Konzert mehr Hits gesungen. Ja, ja, ich weiß, bei den letzten gab es vier oder fünf Hits, aber ich habe mich ja doch brav zurückgehalten… In diesem Jahr wurde Glastonbury mit großartigen, überaus bekannten Stücken eingedeckt. Darunter natürlich ein paar Extravaganzen“, schrieb damals David Bowie. Anlässlich der Jahrtausendwende hinterlässt der Thin White Duke beim größten Musikfestival in Großbritannien einen unauslöschbaren Eindruck. Sein unermessliches Erbe erkennt man an seiner Setlist mit 21 Titeln. Da gibt es Hits: Starman, China Girl, Heroes, The Man Who Sold The World, Let’s Dance, Life On Mars?, Changes, Under Pressure. Aber auch selten Schönes: Stay, Golden Years, Wild Is The Wind und der Titelsong aus Station to Station (1975), diesem einzigartigen Album voll melancholischer Wehmut, das Lester Bangs für sein Meisterwerk hielt. Vor allem auf der Bühne glitzert und funkelt Bowie. Da gibt es nicht nur seine Haarmähne, seinen halblangen Mantel der Marke Alexander McQueen und sein unendlich großes Charisma, sondern übrigens auch Earl Slick, diesen Gitarristen, der bei der Auflösung der Spiders From Mars im Jahre 1974 Mick Ronson ersetzte und bei Diamond Dogs und David Live, seiner ersten Live-Einspielung, mitwirkte. Ein wahres Wunder. © Charlotte Saintoin/Qobuz
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Pop - Erschienen am 7. März 1975 | Rhino

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Der Interpret

David Bowie im Magazin
  • Als Bowie 50 Jahre alt war...
    Als Bowie 50 Jahre alt war... Mit dem bisher unveröffentlichten "ChangesNowBowie", das Ende 1996 aufgenommen wurde, bereitete der Thin White Duke die Party für sein halbes Jahrhundert vor...
  • Bowie in Glastonbury
    Bowie in Glastonbury Sein großartiges Konzert aus dem Jahre 2000, endlich in Hi-Res 24-Bit!