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Die Alben

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Soul - Erschienen am 22. Februar 2019 | Rhino

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Der von Jimi Hendrix vergötterte Gitarrist, der von Prince angehimmelte Sänger mit seiner unwahrscheinlichen Falsettstimme, der im Kampf für die Bürgerrechte in Amerika engagierte Autor und hochkarätige Songwriter Curtis Mayfield schuf riesige, groovige Sinfonien und schlug zwischen Funk, Jazz, Blues, Gospeltradition und Soul solide Brücken im Breitbandformat. Nachdem er sich in den sechziger Jahren bei den Impressions einen Namen gemacht hatte, machte er 1970 im Alleingang weiter. Diese Box Keep On Keeping On enthält also seine vier ersten Studioalben in geremasterter Version: Curtis (1970), Roots (1971), Back to the World (1973) und Sweet Exorcist (1974). Der mit einem Wah-Wah-Pedal, passenden Perkussionsinstrumenten und durchwegs ätherischen Streichereinlagen vorangetriebene R&B erhält damit eine zweite Chance. Jedes einzelne Thema stellt eine in der Gospeltradition verankerte Mini-Tragödie mit sozialem Engagement dar. Und die grandiosen Arrangements dieser Platten (vor allem Curtis, sein eigentliches Meisterwerk, und Roots) bieten jeweils ein Pendant zu Marvin Gayes What’s Going On. Dabei ist anzumerken, dass diese Box 1970/1974 aber nicht den Soundtrack für den Film Superfly von Gordon Parks Jr. aus dem Jahre 1972, enthält, den die Singleauskoppelungen Pusherman und Freddie’s Dead berühmt gemacht haben. © Marc Zisman/Qobuz
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Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
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Soundtracks, die die Filme, zu deren Begleitung sie eigentlich geschaffen wurden, nicht nur überleben, sondern die bewegten Bilder beinahe zu verzichtbarem Beiwerk degradieren, muss man mit der Lupe suchen. "Shaft" gilt nicht: Dem exorbitanten Titeltrack lässt Isaac Hayes auf seinem Album reichlich Füllmaterial folgen, nach dem längst kaum noch ein Hahn kräht. Gleiches gilt für "Spiel Mir Das Lied Vom Tod", "Psycho" und zahllose andere Streifen: Man kennt jeweils einen charakteristischen Song. Das wars. Nach einigem Hirnen kommt "The Harder They Come" in den Sinn. Okay, gekauft. An die so ausgefuchste wie erhabene Schönheit, die Bildhaftigkeit und die schmerzhaft scharfen Beobachtungen, die "Super Fly" von der ersten bis zur letzten Note auszeichnen, reicht aber auch Jimmy Cliff nicht heran. "'Super Fly' steckte ein ganzes musikalisches Genre, den Blaxploitation-Soundtrack, in Brand und beeinflusste auf Jahrzehnte hinaus jeden vom Soul-Sänger bis hin zum Komponisten von Fernseh-Musik", schreibt All Musics John Bush. "Es steht zusammen mit 'Saturday Night Fever' und 'Never Mind The Bollocks Here's The Sex Pistols' exemplarisch für die Pop-Musik der 70er." Dabei handelte es sich ursprünglich lediglich um die musikalische Untermalung eines Kino-Films aus dem Jahr 1972 von Gordon Parks, Jr. - nicht zu verwechseln mit Gordon Parks, Sr., der im Jahr zuvor für "Shaft" verantwortlich zeichnete. Parks, der Ältere, sicherte lediglich - zusammen mit zwei schwarzen Zahnärzten - die Finanzierung des Projekts. "Super Fly" mit Ron O'Neil in der Hauptrolle erzählt die Geschichte des Drogendealers Youngblood Priest, der versucht, aus dem kriminellen Milieu auszusteigen. Mit echten und falschen Freunden, leichten Mädchen, verzweifelten Müttern, kleinen Ganoven, Mafia-Killern und korrupten Cops vereint der Plot das komplette Personal aller amtlichen Ghetto Tales. Priests aufgemotztem Cadillac Eldorado sei Dank, setzt der Streifen ganz nebenbei einen Trend, dem sich erst Dealer, Gangster und Zuhälter anschlossen und der noch Dekaden später einem Format wie der von Xzibit moderierten Show "Pimp My Ride" den Nährboden aufschüttet. "Super Fly", der Film, erntete genau die gleichen Vorwürfe, mit denen sich eine ganze Sparte des Hip Hop wieder und wieder konfrontiert sieht: Der Film glorifiziere den Lebensstil der Dealer, stelle die Existenz als Hustler, als "Pusherman", als eine erstrebenswerte Option dar. In der Bürgerrechtsbewegung regte sich ebenfalls Kritik: Dort glaubte man, indem "Super Fly" die schwarze Community als unentrinnbar im Würgegriff eines Drogenhändler-Netzwerkes gefangen zeigt, unterstelle man dem Civil Rights Movement Unfähigkeit, bessere Lebensbedingungen für die eigenen Leute zu schaffen. Vielleicht hätten all diese Empörten ein wenig genauer hinsehen und vor allem dem Soundtrack mehr Aufmerksamkeit schenken sollen. Dass die Verantwortlichen ausgerechnet Curtis Mayfield mit der Bereitstellung desselben betrauten, darf man getrost als die glücklichste Entscheidung des gesamten Unterfangens betrachten. Zum einen hatte sich Mayfield über die Jahre längst einen festen Stand im Musikgeschäft erarbeitet. Als Mitbegründer der Impressions entwickelte und verfeinerte er seine Songwriter-Qualitäten. Er macht den Übergang vom Doo-Wop der 50er über den bedeutungsvoll aufgeladenen Soul der 60er hin zum Funk nicht nur mit, sondern treibt den Wandel entscheidend voran. Zwei Alben hat er Anfang der 70er unter eigenem Namen veröffentlicht. Songs aus seiner Feder, darunter "Poeple Get Ready", "Keep On Pushing" oder "Move On Up" zählen zum Kanon des Civil Rights Movements, weil sie stets auch eine politische Dimension besitzen, Black Pride und ein spirituelles (Selbst-)Bewusstsein predigen. Curtis Mayfield kennt seine Hood haargenau und zeigt keinerlei Scheu, die Zustände - auch und gerade die Missstände - beim Namen zu nennen. Er porträtiert für "Super Fly" folglich mitnichten den strahlenden Dealer-König, sondern zerrissene Existenzen, gefangen in oft ausweglosen Situationen. Der Kunstgriff, der dieses Album so über die Maßen anschaulich macht: Mayfield verharrt nicht in einer Perspektive, sondern wechselt ständig die Positionen. Er blickt einmal als allwissender, über dem Geschehen stehender Erzähler auf die Szenerie herab, zeichnet den Lebensweg eines vernachlässigten Kindes nach. Das Resultat: das schier zwangsläufige Abgleiten in Drogensucht und Beschaffungskriminalität. "Little Child Running Wild", "mama cries, you know ..." Der "Pusherman" setzt sich als King im Ring in Szene: "I'm your mama, I'm your daddy, I'm that nigga in the alley, I'm your doctor when in need / Want some coke? Have some weed! You know me, I'm your friend, your main boy, thick and thin. I'm your pusherman." Dabei belässt es Curtis Mayfield keineswegs bei der Selbstdarstellung als dicker Max. Er fügt der zur Schau getragenen Oberfläche, "super cool, super mean", eine weitere Dimension hinzu. Hinter der Fassade steckt eben auch nur ein Opfer der Umstände, "a victim of ghetto demands". "Misused, ripped off, abused" kommt Youngblood Priests Sidekick zu Tode: "Freddie's Dead", "his hope was a rope, he should have known." Aus "Eddie You Should Know Better" sprechen dann wieder das Unverständnis und die Hilflosigkeit der Umstehenden, die zusehen müssen, wie einer der ihren im Abwärtsstrudel versumpft. Mit "Give Me Your Love" wirft Curtis Mayfield zudem einen flehentlichen, fiebrigen Lovesong ins Geschehen. Der abschließende Titeltrack bringt die Beschränktheit der Optionen, den ständigen Drahtseilakt zwischen Gedeih und Verderb noch einmal auf den Punkt: "The only game you know is do or die." Was sollte daran erstrebens- oder nachahmenswert sein? Mayfields Musik illustriert das Geschehen auf der Leinwand so perfekt, dass man die Handlung des Films auch ohne Bilder nachvollziehen kann. Tickende Hi-Hats, ein grummelnder Bass und nervöse Percussion skizzieren ganz ohne Text die Hetzjagd von "Junkie Chase". Das zweite Instrumental fordert in Gestalt eines üppig instrumentierten Walzers: "Think"! Bob Donat vom Rolling Stone Magazine sieht in "Super Fly" mit vollem Recht nicht nur einen "überlegenen, einfallsreichen Soundtrack, sondern darüber hinaus auch feine funky Musik und das beste der vier Alben, die Curtis Mayfield aufgenommen hat, seit er die Impressions verlassen hat". Dabei witterten die Verantwortlichen der Musikindustrie, wie im Fall von Marvin Gayes "What's Going On", keinerlei kommerzielles Potenzial hinter einem sozialkritischen Konzeptalbum über die Lebensrealität in den schwarzen Ghettos der frühen 70er. Wie im Fall von Marvin Gayes "What's Going On" lagen sie gründlichst daneben. "Super Fly", der Soundtrack, entpuppt sich als Instant Classic. Die Singles "Freddie's Dead" und der Titelsong gehen gemeinsam ruckzuck mehr als zwei Millionen Mal über die Ladentheken, schießen in die Top 10 sowohl der R'n'B- als auch der Pop-Hitparade. Wochenlang steht "Super Fly" an der Spitze der Alben-Charts und wird im Jahr darauf noch einmal gelistet - unter den besten Jazz-Alben. In der Rock And Roll Hall of Fame würdigt man "Pusherman" als einen der "500 songs that shaped rock and roll". Ein Crossover-Erfolg, wie er im Buche steht. Curtis Mayfield verpasst in der Folge noch sechs weiteren, thematisch ähnlich gelagerten Filmen die Tonspur, arbeitet dafür und für andere Alben mit den Größen des Soul- und Funk-Zirkus' zusammen. Als ihm 1990 bei einem Open Air-Auftritt in Brooklyn eine herab stürzende Lichttraverse buchstäblich das Genick bricht, wähnen viele sein Schaffen für beendet. Doch noch nicht einmal eine Lähmung vom Hals abwärts hält einen echten Soul Man auf. 1996 legt er mit "New World Order" sein Comeback hin. Den Grammy für sein Lebenswerk hat Curtis Mayfield zu diesem Zeitpunkt längst auf dem Kaminsims stehen. Der Soundtrack zu "Super Fly" markierte in dieser bemerkenswerten Karriere den kreativen Durchbruch und dient darüber hinaus noch heute als stetig sprudelnder Sample-Quell. Joseph Lucky Scotts prägnanter Bass und Master Henry Gibsons Percussion spielen neben Wah-Wah-Gitarre und Mayfields zuckersüßem, aber abgründigen Falsett die unbestrittenen Hauptrollen. "Curtis Mayfield war einer der seltenen amerikanischen Poeten, einer der dünn gesäten sozialkritischen Kommentatoren, die gleichermaßen wohl gezielte Schläge in Richtung der US-Behörden austeilen und, noch kontroverser, schwierige, sondierende Fragen an seine eigene Community aufwerfen konnten", konstatiert Greg Boraman für die BBC. Nur in den Augen der oberflächlichsten Betrachter verhüllt der Zauber der Musik die in bissigen Worten auf dem Silbertablett servierte Realität. Nur der tumbste Holzkopf kann "Super Fly" allen Ernstes als Verherrlichung des Drogenhändler-Daseins fehldeuten. Kritikern, die in diese Richtung schießen, muss wohl die Kernaussage von Mayfields Inner City Blues entgangen sein: "... and there is no happiness." © Laut
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