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Aktuelles

Krystian Zimerman, Beethoven 2.0

Von François Hudry |

An der Seite von Dirigent Sir Simon Rattle und dem London Symphony Orchestra veröffentlicht der große polnische Pianist ein großartiges Gesamtwerk der Klavierkonzerte von Beethoven...

Es ist rar, dass der polnische Pianist Krystian Zimerman Studioaufnahmen veröffentlicht. Diese Seltenheit ist jedoch nicht nur seinem hohen Anspruch geschuldet, sondern stellt gleichzeitig auch eine hervorragende Marketingstrategie dar. Der Pianist überlässt nichts dem Zufall, er durchforstet Partituren auf der Suche nach Antworten auf seine musikalischen und organologischen Fragen, sowohl was den Stil als auch die Mechanik und die Möglichkeiten seines Instruments betrifft. Dabei reist er mit seinen eigenen Steinway-Klavieren um die Welt, baut sie ab und für jedes Konzert selbst wieder auf.

Eine erste Gesamtaufführung der Beethoven-Konzerte wurde 1989 für denselben Verlag in Wien mit Leonard Bernstein begonnen, die aber leider durch Bernsteins Tod unterbrochen wurde und Zimerman dazu zwang, die ersten beiden Konzerte von seinem Klavier aus zu dirigieren. Die Nähe und sein Verständnis zu Beethoven gleicht dem von Sir Simon Rattle, mit welchem er gerade eine zweite Gesamtaufnahme abgeschlossen hat, diesmal in London mit dem London Symphony Orchestra. In diesem so vielfältigen Korpus, der am Ende des 18. Jahrhunderts beginnt und bis in die Romantik reicht, finden wir Krystian Zimermans hyperartikuliertes Spiel, das den Beethovenschen Linien eine außergewöhnliche Lesbarkeit verleiht. Um ihn herum singen und dialogisieren die fabelhaften englischen Musiker unter der sehr lyrischen Leitung von Rattle, der besonders auf die kleinsten Absichten des Pianisten achtet - und das sind nicht wenige.

Wenn die Weltpandemie die musikalische Herangehensweise nicht verändert hat, so hat sie doch andererseits die räumliche Anordnung der Orchester tiefgreifend umgestaltet. In ihrer prächtigen Heimat St. Luke's – einer Kirche aus dem achtzehnten Jahrhundert im Herzen Londons, die Anfang der 1960er Jahre nach einem schrecklichen Erdrutsch aufgegeben und Anfang des 21. Jahrhunderts für das London Symphony Orchestra rehabilitiert wurde – mussten sich die Musiker nach strengen Gesundheitsvorschriften aufteilen. Die Schutzschirme zwischen den Notenpulten, der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen den Streichern und 2 Metern zwischen den Holz- und Blechbläsern beeinträchtigten jedoch nicht die Kohärenz und Klangpracht der Aufnahme. „Ich fühlte mich, als würde ich Rauchzeichen über einen Berg blasen“, kommentierte Rattle und fügte hinzu, dass es uns daran erinnerte, „wie wichtig und rein Beethovens Musik ist, ein wunderbarer Mensch, mit dem man sich am Ende einer so seltsamen Zeit unterhalten kann.“ Und auch beim Zuhören kommt diese Botschaft mit unbeschreiblicher Ausdrucksintensität an.

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