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John Mayers Midlife-Crisis

Von Shelly Ridenour |

Mit "Sob Rock" veröffentlich John Mayer sein achtes Studioalbum. Ausgestattet mit einem absoluten 80er-Jahre-Cover und beeinflusst vom Softrock seiner Kindheit...

In seinem 2001 veröffentlichten Debütalbum Room for Squares sang John Mayer als 22-Jähriger über seine „Quarter-life Crisis“. Inzwischen ist er 43 und Sob Rock, sein jüngstes Album, kommt gerade rechtzeitig zur Midlife-Crisis. Hier wird viel Bilanz gezogen mit Songs wie der Was-wäre-wenn-Ballade Shouldn't Matter But It Does, in der er über eine frühere Beziehung nachdenkt: „It could've been always, it could've been me/ We could've been busy naming baby number three“.

Das unglaublich einprägsame New Light (von Kanye West produziert, der mit No ID zusammenarbeitet, nichts als euphorischer Yacht Rock und weißer Soul) hört sich eigentlich wie eine Rückkehr zu Mayers Sehnsüchten als einsamer Junge in seinen Anfangszeiten an, nur dass es sich jetzt eben um „pushing 40 in the friend zone“ handelt. Dagegen ist I Guess I Just Feel Like Existentialismus pur: „I guess I just feel like nobody's honest, nobody's true ... I guess I just feel like I'm the same way too“, singt er und begleitet sich dabei selbst auf einer süßlichen, Lick-lastig cleanen Bluesgitarre. Mayer sagte, dass er bei diesem Pandemiestress die Geborgenheit einer Schmusedecke im Soft-Rock der 80er Jahre seiner Kindheit suchte, und die Platte klingt da sofort nach vertrauten Radiosendern, nicht bloß nach Punchline.

Produzent ist sein Freund Don Was, der schon etliche Superstars wie Glenn Frey, Michael McDonald, Paul Young und einige andere unter seine Fittiche nahm. In dem umwerfenden Last Train Home nimmt Mayer einen erfahrenen Veteranen in Anspruch, Lenny Castro, den Toto-Perkussionisten, wendet sich aber auch an den aktuellen Country-Popstar Maren Morris, die sich gegen den knisternden Ton seiner PRS Silver Sky Signature-Gitarre behauptet. Til the Right One Comes startet wie ein Stück von Christine McVie, und das köstliche Wild Blue ruft uns immer wieder in Erinnerung, dass er mit den Grateful Dead auf Tournee war.

Immer gibt es entweder etwas zum Trauern oder zum Schmachten mit Mayers warmer Reibeisenstimme — in Shot in the Dark blitzt sie auf, in Carry Me Away pulsiert sie ganz locker dahin. Von seinem unkonventionellen Humor, den er in den Instagram TV Series in der Zeit des Lockdowns feilbot, ist in seinen Songs normalerweise nichts zu finden. Aber einer der einprägsamsten auf Sob Rock ist auch einer, der am meisten irritiert: Die Musik ist weich wie Seide, der gebotene Sound klingt echt und dennoch singt da Mayer Yoda-ähnliche Texte für „Why You No Love Me“: „Why you no even care?...“

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