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Aktuelles

Soundcinema Düsseldorf 2022

Von Maren Schüller |

Mit geschlossenen Augen und gespitzten Ohren werden in Düsseldorf seit 2019 einmal im Jahr gemeinschaftlich Klänge erforscht, wenn sich die Türen des Soundcinemas öffnen. Dieses Jahr stand das Klangkunstfestival unter dem Motto “Futurhythmus”...

Können wir die Zukunft anhand von Klängen greifbar machen? Dieser Frage widmete sich das diesjährige Soundcinema Düsseldorf, das am 20. Oktober 2022 stattfand. Qobuz war vor Ort, um Einblicke in dieses besondere Ereignis zu gewinnen. Situiert in einem dunklen Saal, der mit ausgerichteten Boxen in der Art eines Akustikons ausgestattet ist, und Schlafmasken zur Eliminierung des Sehsinns, zielt das Konzept darauf, dass das Publikum sich voll und ganz auf das Hören konzentriert. Auf visuelle Reize soll weitgehend verzichtet werden, um die Klangproduktionen des Wettbewerbs in ihrer ganzen Breite wahrzunehmen. Angelehnt an akusmatische Raum-Klang-Umgebungen werden bei dem Festival zehn ausgewählte Audioproduktionen im Multichannel- und Stereoformat präsentiert, die, unterteilt in eine freie Kategorie und die Themenkategorie Futurhythmus, anschließend durch eine Fachjury und das Publikum ausgezeichnet werden.

© Soundcinema

Unter dem diesjährigen Thema Futurhythmus fragt das Soundcinema, wie sich musikalische Zeit formiert und welche neuen oder alternativen Möglichkeiten existieren, um diese kompositorisch zu gestalten. Der Schwerpunkt bezieht sich auf den Begriff der Futurhythmachine des britischen Schriftstellers Kodwo Eshun, welcher darstellt, wie Sounds oder komplexe soundkulturelle Gebilde Wahrnehmungsweisen verändern, Umbrüche und Öffnungen markieren, und damit als akustische Zukunftsentwürfe hörbar werden. Das Soundcinema richtet einen fragenden Hörblick in die Zukunft und möchte mit dem Recorded-Sound-Wettbewerb Möglichkeiten aufzeigen, Zeit technoästhetisch zu gestalten — in Form von musikalischen Kompositionen, Soundscapes, Klangcollagen und -experimenten sowie narrativen Audioformaten und technoiden Produktionen.

Ob die Beschäftigung mit dem Symbol des Möbiusband (Il nastro di Möbius von Marco Dibeltulu), die Innenperspektive eines überdimensional großen Saxophons auf 100 Spuren (Breakfast for Kaspar Kuoppamäki von Wolfgang Pérez), das Hinterfragen von Bedeutung oder Bedeutungslosigkeit sprachlicher Aussagen (LAM-01 (Late Afternoon Music) von Jb Burguet), die Ausarbeitung von normalerweise nicht-hörbaren Wellen (Electromagnetic Spiral Variation von Katharina Bévand) oder die Erforschung des Potentials synthetischer Sounds (Silicon Machine Music von Dennis Scheiba) — die Arbeiten, die in der freien Kategorie präsentiert wurden, zeichneten sich vor allem durch ihre diverse Fokussetzung aus.

Trotz des gesetzten Themenschwerpunkts boten auch die fünf Nominationen in der Kategorie Futurhythmus eine immense Vielfalt, die von der Gestaltung von Decay-Zeiten (Decays and LFOs von Kaveh Sattari), der klanglichen Verarbeitung von Wetterschwankungen (Sjürenodeur von Jakob Schauer), über die Dynamik von Synthesizer und Flöte (Zeitschatten von Dunkelwellen) und Vibrationsritualen (Basssauna von Alexandru Salariu) bis hin zur Wahrnehmung von Räumlichkeiten und Rhythmik in der Musik (Expolarion of Space von Paul Müller Reyes) reichten.

© Soundcinema

Nach der Präsentation aller Arbeiten durften die Zuhörenden ihre Stimme für den Publikumspreis abgeben und die Fachjury zog sich zur Beratung zurück, während die Atmosphäre der klanglich erlebten Zukunftsentwürfe immer noch in der Luft hing. Freuen durfte sich an diesem Abend aus der freien Kategorie Marco Dibeltulu mit Il nastro di Möbius, der sich in seiner Arbeit mit dem Symbol des Möbiusband und somit auch mit dem Konzept der ständigen Wiederkehr und der Verwertung von Industrieabfällen beschäftigt, die konkret anhand von Loops und rhythmischer Anhäufung dargestellt wird.

Den Preis in der Kategorie Futurhythmus und den Publikumspreis erhielt Paul Müller Reyes mit seiner Arbeit Exploration of Space, die sich mit der Wahrnehmung von Räumlichkeiten und Rhythmik in der Musik auseinandersetzt. Das Stück spielt mit verschiedenen Arten von Räumen und variiert das Material immer weiter, bis sich der Puls auflöst, bevor er fragmentiert und evolvierend wiederkehrt.

Wir gratulieren den Gewinnern und allen Nominierten und freuen uns jetzt schon auf die nächste Ausgabe des Soundcinema Düsseldorf — die trotz so vieler spannender Zukunftsentwürfe sicher zu einem unvorhersehbaren Soundkosmos einladen wird.

Hier finden Sie die offizielle Website des Soundcinema Düsseldorf