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John gegen Scofield

Von Stéphane Ollivier |

Mit 70 Jahren veröffentlicht der große Jazzgitarrist endlich sein erstes ausschließliches Soloalbum. Ein Gipfel der Eleganz...

Es sollte bis zu seinem 70. Geburtstag dauern, ehe sich John Scofield mit seiner treuen Ibanez AS 200 Gitarre und einer Loop-Maschine im Studio einschloss und sich an seine erste Soloaufnahme machte. Diese Auswahl von 13 Titeln, die aus dem riesigen Repertoire an Themen und Liedern seiner 50-jährigen Karriere zusammengestellt wurde, ist in vielerlei Hinsicht ein nostalgischer, rückblickender Spaziergang. Sie bietet dem Gitarristen die Gelegenheit, auf einige der wichtigsten Momente seiner Karriere zurückzublicken und dabei die Vielfalt der großen stilistischen Strömungen des amerikanischen Folk zu feiern, die seit seinen Anfängen immer wieder seinen lyrischen und flammenden Stil beeinflusst haben. Diese Platte hat jedoch nichts von einem Testament, da die Intelligenz, die Einfachheit, die "Natürlichkeit" und letztendlich die reine und ursprüngliche Freude am Spiel jede Form von aufgesetzter Feierlichkeit zurückdrängen.

Wie alles begann: John Scofield mit seiner ersten Gitarre 1963 © 2022 Longsolo Inc.

Am Ende zeichnet sich in dieser Einsamkeits-Übung dennoch eine Art poetische Kunst ab. Ohne Prunk, wie so ganz nebenbei schafft Scofield meisterhafte Neuinterpretationen/Neuerfindungen in einer einfachen Abfolge, die in einer Art intimem Mosaik zeitlose Standards (It Could Happen to You, My Old Flame), traditionelle Lieder (Danny Boy, Junco Partner), alten Rock (Not Fade Away von Buddy Holly), Country-Klassiker (You Win Again von Hank Williams) und eine Reihe von Originalkompositionen vereinen, von denen einige bisher unveröffentlicht waren. Hier liefert er den Beweis, dass er auch zu den Größten unter den Songschreibern zu zählen ist. Mit einem ausgeprägten Sinn für das Erzählen von Geschichten, dem Wechsel von zerbrechlichen Miniaturen mit idyllischer Atmosphäre und Improvisationen voller Swing und Energie öffnet uns John Scofield die Türen zu seinem geheimen Garten und erforscht die Seele der amerikanischen Musik, ohne jemals eine Form von Scham und die Eleganz der Geste zu verlieren, die den Größten eigen ist.

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