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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Herr Direktor!

Von Tom Frantzen/STEREO* |

DAC-Test/STEREO*

Geräte mit enger Verwandtschaft zu professioneller Studiotechnologie nötigen mir stets besonderen Respekt ab. Überflüssigen Schnickschnack gibt es hier nicht, dafür perfekte Messwerte, vielleicht etwas Pragmatismus und strikte Neutralität. Beim SPL Director Mk 2, der zugleich DAC und Vorstufe ist, kommt auf Wunsch noch eine echt coole Farbe hinzu.

Unter einem „director“ versteht man im englischsprachigen Raum den Regisseur eines Films, seltener den Dirigenten eines Orchesters. SPL hat sein ursprüngliches Gerät dieses Namens gründlich überarbeitet, ja eher zur doppelten Bauhöhe „aufgebohrt“ und weiterentwickelt, dass es des Namenszusatzes Mk2 bedurfte um die neue Gerätegeneration gebührend kenntlich zu machen.

Director in zweiter Generation

Im Wesentlichen ist nun mit dem AKM 4490 Velvet Sound ein Wandlerbaustein der neuesten Generation und absolutenTopklasse an Bord, der DSD bis 256 sowie PCM bis 768 Kilohertz „zu nehmen versteht“. Zudem wurde, dem gewonnenen Platz entsprechend, die Anschlussbereitschaft deutlich erweitert. Wer also Anschluss oder besser Anschlüsse sucht, der wird im SPL garantiert fündig, denn obschon es die Abmessungen eher nicht erahnen lassen, bietet die Rückseite alles, was das Herz begehrt, und womöglich sogar noch mehr – zumindest, was analoge Hochpegelquellen, analoge Ausgänge sowie digitale Zuspieler angeht. So verfügt der Director Mk 2 über zwei symmetrische (XLR) und vier unsymmetrische (Cinch-)Anschlüsse. Digital gelangt das Musiksignal über alle gängigen Digitaleingänge wie je einmal Koax und Toslink sowie – seltener zu finden – den symmetrischen AES/EBU und selbstredend USB ins Gerät. Schaut man genau hin, so wird man sogar Triggerausgänge zur Ansteuerung von Aktivboxen oder Endstufen entdecken, also komfortable Ferneinschalter, die diese Geräte zum Leben erwecken, sobald der SPL eingeschaltet wird. Eine ebenfalls rückseitige Taste ist dem Anlernen programmierbarer Fernbedienungen gewidmet. Hier zeigt sich der weiter oben erwähnte Pragmatismus der Profis, denn ein eigenes Zepter lag unserem Testgerät nicht bei, es wird nicht mitgeliefert. Im Studio sitzt man ja auch unmittelbar davor.

Symmetrie aus Prinzip

Eine gemessene Gleichtaktunterdrückung von 66 dB zeigt, dass das mit der Symmetrie kein Fake ist. Die meinen das ernst. Aber da der quasi doppelte und störungssicherere Signalpfad in der professionellen Studiotechnik gang und gäbe, ja sogar Standard ist, hätte uns alles andere auch gewundert. Apropos Messtechnik: Insbesondere die Rausch- und Verzerrungswerte geben geradezu zum Jubeln Anlass – ebenso die Wandlergenauigkeit von 0,1 dB, die Jitterarmut oder die für die Übertragungsqualität über längere Kabelwege wichtige Ausgangsimpedanz von unter 70 Ohm. Das verspricht höchsten Standard für die Praxis. Möglich machen dies aufwendige Lösungen wie eine besonders rauscharme Oversampling-Verdopplung. Intern wird zudem mit einer besonderen 60V-Hochvolt-Topologie namens Voltair gearbeitet, die es gestattet, die Arbeitsbereiche der Elektronik statt auf extrem fixen Punkten eher breiter, also über lange Zeiträume und auch bei sehr wechselnden Arbeitsbedingungen konstant und stabil zu halten. Zudem ermöglicht dies ungeahnte Dynamikwerte. Wenn Sie jetzt fragen, ob Sie das mit den trotz Verzichts auf Röhren hohen Betriebsspannungen nicht ähnlich schon mal irgendwo gelesen haben, muss die Antwort lauten: Ja, etwa bei T+As HV-Baureihe.

Veni, „midi“, vici

Der SPL Director Mk 2 zählt von den Abmessungen her per definitionem zu den Midi-Komponenten und erreichte uns wie bereits angedeutet mit einer Frontplatte in einem verführerischen Metallic-Rot. Für den Rest an Überzeugung sorgen schon die beiden runden VU-Meter, da bin ich mir sicher, denn diese Kombination verfehlt auch bei mir ihre Wirkung nicht. Das rund 4,6 Kilogramm schwere Gerät ist natürlich auch in anderen Farbvarianten (schwarz und silber) erhältlich und kostet 3.500 Euro. Der Pegelsteller, der den DAC in eine Vorstufe verwandelt, sitzt etwa in der Mitte, links davon unter dem recht großen Display der üppig belegte Quellenwahlschalter. Einen Tape-Monitor-Schalter werden nicht nur Fans analoger Aufnahmegeräte begrüßen, sondern auch solche, die etwa Prozessoren oder Equalizer einschleifen wollen. Darauf werden wir in Kürze mit einem besonders interessanten, alten und eher seltenen Carver-Gerät noch mal zurückkommen. Die VU-Empfindlichkeit sowie der Hauptschalter sind als Kipphebel ausgelegt. Dass es sich beim SPL in erster Linie um einen Top-DAC mit Analogeingängen und Pegelsteller handelt, lässt die Absenz jeglicher Klangregelung und dergleichen erkennen. Ein guter, moderner DAC eignet sich exzellent als Vorstufe, ist doch eine analoge Ausgangsstufe ohnehin vorhanden. Das liegt einfach nahe, zumal analoge und digitale Quellen daheim zusammenwachsen. Realisiert man auch die Lautstärkesteuerung auf der analogen Seite wie hier, kostet sie auch keine (digitale) Auflösung. Andere Ansätze, die zur Pegelstellung den Wandler nutzen, sind allerdings bei mittlerweile 32 Bit „Wortauflösung“ auch unkritisch geworden. Das war noch vor wenigen Jahren anders und durchaus hörbar. Dennoch werden Highender nach wie vor eine „richtige“ Vorstufe der – Verzeihung – „bitverarbeitenden Voltsau“ vorziehen. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern lediglich der konservativen Grundeinstellung geschuldet, denn diese Klientel greift auch lieber zum Plattenspieler mit separatem Tonarm, zum CD-Laufwerk statt zum CD-Player und zur Vor-/Endstufe als zum Vollverstärker. Was uns auch fehlt, ist die Kopfhörerbuchse.

Neutrale Instanz

Verarbeitungstechnisch, aber auch klanglich wird der SPL dem Anspruch an beste Studiotechnik gerecht und kommt dicht an die Topliga der Vorstufen heran. Die Materialwahl ist sowohl auf den Platinen als auch etwa den robust verschraubten und vergoldeten Buchsen exemplarisch. Im Hörraum verhielt er sich nicht wie irgendetwas, sondern er hielt sich eher komplett raus: ein Fels in der Brandung, extrem akkurat und präzise, dabei völlig neutral. Er interpretiert nicht, sondern reicht das Signal bestmöglich weiter – kein Schuss Wärme zur besseren Allgemeinverträglichkeit, kein wohlig abgerundeter Bass, schon gar kein leichter Loudness-Effekt, aber auch keine artifiziell übertriebene Detailfreude oder eine vorgetäuschte Schnelligkeit durch Ausdünnung im Grund- und Tiefton. Dennoch glüht da ein Feuer in ihm, dass sich auch im Klang widerspiegelt. Auf angenehmste Weise unterstützt dieser SPL die natürlichen Charakteristika der Instrumente, nein besser, er lässt ihnen womöglich einfach ihren Lauf. Denn es gibt – wir hören ja viele verschiedene Ansätze – Komponenten und sogar Lautsprecher, die im Bestreben bestmöglicher Impulstreue das Ausschwingen von Instrumenten verkürzen. Das führt dazu, dass sogar Schwebungen des Klaviers oder Tremoli in Gesangsstimmen unterdrückt oder einzelne Verzerrungen in der Aufnahmetechnik – etwa an ein oder zwei Stellen im Debütalbum von Norah Jones (darüber habe ich vor Jahren schon geschrieben, denn bei einer extrem seltenen HDCD-Version ist das noch mal ausgeprägter) – beschönigt werden. Nicht so der SPL: Der bügelt nichts weg und legt schon gar kein Mäntelchen der Harmonie über schlechte oder nicht makellose „Software“. Man kann ihm eigentlich gar keine Schwäche nachweisen, es sei denn die nicht ganz optimale Kanalgleichheit des Lautstärkestellers unseres Textexemplars. Und selbst die ist bei -60dB nicht mehr als ein duldbarer Schönheitsfehler im perfekten Zeugnis, kein Beinbruch. Nur der fehlende Balanceregler mag dann noch ein bisschen mehr stören. Er spielt superb sauber, schnell, losgelöst und ungebremst agil, was auch Temperament bedeutet. Körperhafte Musik wird nicht verschlankt, der SPL klingt somit ganz exzellent, sowohl als DAC wie auch als Vorstufenersatz.


Blick in den SPL: Das Midi-Gehäuse ist wenig überraschend „proppenvoll“, u. a. mit diskreten OP-Amps aus eigener Entwicklung.


{{Damit haben wir gehört - Tori Amos: Live At Montreux 1991/92 Noch bevor die Sängerin richtig bekannt wurde, war sie als Barpianistin aufgefallen und nach Montreux eingeladen worden – die Sensation, auch als DVD/Blu-ray. Anspieltipp: „Winter“ in der Konzertversion 1991.}}

Testgeräte
CD-Spieler: T+A MP 2000R
DAC: T+A MP 2000R
Vollverstärker: Exposure 2510 Int
Vorverstärker: Accustic Arts Tube-Preamp II Mk2
Endverstärker: Accustic Arts Amp II Mk4, QSC USA 1310
Lautsprecher: DALI Epicon 6, Visaton Vox 252
Kabel: AudioQuest, HMS, Supra


Sehr hohes Niveau

Das hohe Niveau der Musikreproduktion zwingt zu Obacht bei der Auswahl der Spielpartner. Die Klangfarbe obliegt bekanntlich besonders den Schallwandlern, also den Lautsprechern. Und die Ehrlichkeit des SPL in Ehren, sie kann in wenig kongenialer Umgebung auch brutal werden, vor allem bei nicht perfekten Aufnahmen. Trotzdem ist die Philosophie des nicht verfälschenden, sondern durchreichenden „Drahtes“ bei einem Verstärker goldrichtig. Okay, wenn man den SPL mit Vorverstärker-Kalibern wie einer Accustic Arts, einer T+A oder einer Audible Illusions M3A konfrontiert, findet er seinen Meister, aber da sind wir bereits in weitaus höheren Preisklassen unterwegs. Ähnliches gilt für die Wandlertechnologie, bei der er sich sogar noch ein Stück weiter nach oben spielt. Das ist in dieser Güte nicht zum Discountpreis zu bekommen, und so gesehen sind die 3.500 Euro für zwei derart hochkarätige Komponenten unter einem Dach – DAC und (Beinahe-)Vorstufe – nicht billig, aber preiswert. Ein tolles Ding mit sehr hohem „Habenwillfaktor“!


SPL von hinten: Volle Breitseite am Heck: Der SPL bietet trotz seiner Midi-Abmessungen eine fulminant bestücktes Anschlussfeld

Testprofil des SPL Director Mk2 auf stereo.de

*Dieser Artikel wurde Qobuz vom Magazin STEREO zur Verfügung gestellt.