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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Der Bilderbuch-Verstärker: Yamahas Verstärker-Flaggschiff A-S3200

Von Tom Frantzen/STEREO* |

Gäbe es ihn nicht, man müsste ihn glatt erfinden. Der mutmaßlich schönste Amp der 6000-Euro-Klasse stammt von Yamaha. Doch das neue Flaggschiff A-S3200 will mehr sein als „Retro“. Im Innern steckt clevere Technologie und viele Stunden Klangtuning.

Yamahas Verstärkerflaggschiff A-S3000 startete 2012 eine neue High End-Offensive des größten Musikinstrumente-Herstellers der Welt. Kein anderer Hersteller verbindet so eng und auf breiter Front Original und Reproduktion wie Yamaha. Dem größten Vollverstärker A-S3000 kam nach einer eher von Top-Geräten für das Heimkino-Erlebnis geprägten Ära seinerzeit eine Hauptrolle zu. Die Japaner setzten alsbald mit der Baureihe 5000 sogar noch einen drauf. Nun folgt die weiterentwickelte Produktgeneration in Form des A-S3200. Und so viel vorab: Der Retro-Charme mit modernster Technologie hat was.

Bewährtes Team

Projektleiter Susumu Kumazawa war auch bereits für die Entwicklung des Vorgängers A-S3000, die kleineren 2000/2100/2200er und 1000/1100/1200er sowie last, not least die genannten Flaggschiffe der 5000er-Linie verantwortlich, Letzteres ein No-Limit-Vorhaben, aus dem eine überragende Vor-/Endstufenkombination entstand.

Wir hatten das Glück, den smarten Designer 2012, damals noch jenseits der 50, kennenzulernen, als er mit einer analogen Olympus-Kamera durch den Hamburger Hafen spazierte. Seine Leidenschaft gilt sowohl der präzisen Digital- als auch der emotionalen Analogtechnik, die sich in seinen Augen ideal ergänzt. Als erklärte Ziele definierte er denn auch für das neue Projekt Emotionalität, Offenheit und „Groove“, eine Art musikalisch stimmige Rhythmik der Musikwiedergabe. Wer wollte ihm da widersprechen?

Um aus der Musikwiedergabe ein besonderes Erlebnis zu machen, bedarf es mehr als Ingenieurskunst, das war und ist Kumazawa klar. Optimale Schaltungstopologie und sinnlich lustvolles Musikhören wollen im Einklang stehen und sich gegenseitig bedingen. So suchte er im eigenen Konzern das Gespräch mit den führenden Designern etwa der legendären Yamaha-Pianos, um deren Verständnis von Klang und musikalischer Empathie in seine Arbeit einfließen zu lassen. Ein äußerst cleverer Ansatz, der selbstredend bei Yamaha wie bei kaum einem anderen Unternehmen lebbare Philosophie und ohne große Umwege pragmatisch umsetzbar ist.

Das Bemühen Yamahas, Kreativität und Können von Musikern durch technisch perfekte, emotional wie facettenreich klingende Instrumente zu fördern, lässt sich analog auch auf die Schaffung höchstwertiger HiFi- und High End-Komponenten übertragen – inklusive Erfolgskontrolle im eigenen Hause. Und so ist es auch kein Wunder, dass man nach einigen Jahren zweikanaligen Ausholens wieder ganz oben im Reigen der japanischen und auch internationalen Anbieter mitspielen möchte.

In den überarbeiteten Gerätefüßen aus Messing verbergen sich tatsächlich Spikes, die sich klanglich auszahlen sollen.

Ein großzügig bemessener, extrem streufeldarmer Ringkerntransformator bildet das Zentrum der für Verstärker eminent wichtigen Energieversorgung.

Erbgut

Dass der neue Yamaha die Vergangenheit, genauer die 70er- und womöglich noch frühen 80er-Jahre zitiert und sich bei den Designelementen der hauseigenen Verstärker und Receiver dieser Zeit bedient, ist ein gelungener Schachzug.

Öffnet man die „Motorhaube“ des A-S3200, so ist aber erst einmal Verblüffung angesagt, denn schon wer den direkten Vorgänger A-S3000 kennt, hat hier unweigerlich ein Déjà-vu, nein, gleich mehrere. Mächtiger, streufeldarmer Ringkerntrafo, bis auf diesen kanalgetrennter, vollsymmetrischer Aufbau, starke Siebung, großzügige Kühlkörper, die Vorstufe unmittelbar an den Eingängen und gut abgeschirmt – das ist bilderbuchmäßig und rechtfertigt neben dem Äußeren die Überschrift!

Tatsächlich haben beide Geräte über die zwillingshafte Ähnlichkeit hinaus dieselbe, auch bauteilseitig extrem hochkarätige Basis, da macht man gar nicht erst ein Geheimnis draus – und das ist auch gut so. Warum sollte man jedes Mal – freilich übersprang man in der höchsten Vollverstärkerklasse kurzerhand die Generation „3100“ – das Rad mühevoll neu erfinden, wenn man der Perfektion bereits so nahe gekommen ist? Stattdessen überarbeitete man das gelungene Konzept akribisch und optimierte an unzähligen Details, sowohl mechanisch wie elektronisch, was insbesondere auf der Wiedergabeseite, also in Klang und Musikalität durchschlagen sollte. Äußerlich, beim imposanten Gewicht von knapp einem halben Zentner, bei den Abmessungen, den Anschlüssen, ja sogar beim Datenblatt gibt es nahezu keine Abweichung zum Testgerät A-S3000 von 2013. Man muss schon genauer hinsehen, vor allem aber hinhören. Zu den vermeintlich kleinen Unterschieden kommen wir noch.

Vielseitige Ausstattung: Der Kopfhörerausgang etwa ist auf den verwendeten Hörer anpassbar, ebenso lassen sich die VU-Meter einstellen.

Zepter: Die sehr gefällige und intuitive Fernbedienung liegt gut und wertig in der Hand.

Technologisches

Wir haben es hier also beispielsweise weiterhin mit einem „Floating Balanced Power Amp“ zu tun, der bei den Leistungstransistoren auf die röhrenähnlicheren MOS-FETS und bei diesen der Linearität zuliebe zudem auf Plus- und Minusseite identische Polarität setzt. Im Grunde sind es jeweils zwei Endstufen je Kanal – also vier im Gerät – mit besonders geschmeidigen Übergängen und zudem Verzicht auf die nicht selten störungsträchtige Masse, dafür aber besonders strikter „Einspannung“ des anzutreibenden Lautsprechers. Ein aufwendiges und anspruchsvolles Konzept, aber offenbar geht es auf!

Völlig neu gedacht wurden etwa die Verbindungen der Siebkondensatoren, mit ihnen wurde die Fähigkeit zur schnellen, ungebremsten Impuls-/Transientenverarbeitung durch Messingkontakte und größere Querschnitte sowie Punktschweißungen massiv verbessert. Auch die Qualität der Lautsprecherverkabelung im Innern des Verstärkers wurde mit besonderem OFC-Kupfer deutlich aufgewertet, zudem die bisherigen Stahl- durch Messingfüße samt interner Spikes ersetzt. Neue, für den Klang wesentliche Bauteile gab es aber auch, so kommen an strategischen Stellen neue, vor zehn Jahren nicht erhältliche Folienkondensatortypen zum Einsatz. Jeder, der schon einmal mit Mechanik und/oder gar auf Bauteilebene experimentiert hat, weiß, dass solche Eingriffe auch ohne Änderung der Grundlagen gavierende Auswirkungen auf den Klang bewirken können. Wir möchten gar nicht wissen, wie viele Stunden die Hörteams – tatsächlich werden die Yamaha-Verstärker (und nicht nur diese) für Europa anders abgestimmt als für Japan – damit verbracht haben.

So ist der „Neue“ im musikalisch besonders wichtigen Mitteltonbereich tatsächlich noch beweglicher und leichtfüßiger geworden. Tatsächlich wurde ein hohes Maß an weiträumiger Offenheit mit vielen Details, als Gegengewicht eine ausgeprägte Körperhaftigkeit mit highendigem Klangbild und viel majestätischer Kontrolle, aber auch Schnelligkeit und Dampf erzielt. Der Spagat aus Druck und audiophiler Agilität ist gut gelungen. Das Klangbild lebt und „atmet“, wird dem legendären Attribut „Natural Sound“ ebenso gerecht wie dem den noch höherstehenden Yamaha-Geräten vorbehaltenen „Pure Sound“.

Die üppige MOS-FET-Endstufe ist funktional wie räumlich von der Vorstufe getrennt. Ringkerntrafo, Siebung und Kühlkörper lassen mächtig „Dampf“ erwarten.

Die mehr als ordentliche, nicht übertriebene Leistung vermeidet zudem jegliches Gefühl von Trägheit, ein Volltreffer! Es wird viele Musikhörer geben, die genau das suchen, was dieser Yamaha erfüllt. Zumal ja auch die zwar auf einen DAC verzichtende, aber gerade für das gebotene Retro-Design und den hier manifestierten Klanganspruch abzielende Ausstattung stimmig ist. So modern, dass man – allenfalls abgesehen von der Lautstärkeregelung – Digitaltechnik an Bord haben möchte, soll es für viele dann doch nicht sein.

Der A-S3200 ist Retrocharme und modernste, bestmögliche Verstärkertechnologie in perfekter Symbiose, er ist in nicht minder attraktivem Schwarz oder – wie die Testversion – Silber mit jeweils hochglanzlackierten Echtholzseitenteilen erhältlich und kostet inklusive Fernbedienung 6.500 Euro. Das ist zwar deutlich mehr als für den A-S3000 aufgerufen wurde, aber erstens ist das schon zehn Jahre her, und zweitens ist der Nachfolger aufgrund der Summe aller Detailverbesserungen auch klanglich ganz klar besser. Herzlichen Glückwunsch nach Hamamatsu!

Ein Gehäuse wie Fort Knox: Die enorme Stabilität, der mehrschalige Aufbau und die Abschirmungen sorgen für eine störungsarme Basis.

Rein analog, aber an alles gedacht: Phono-MM/-MC, Vorstufenaus-/Endstufeneingänge, die symmetrischen Eingänge sind in der Phase invertierbar.

Test-geräte

CD-Spieler: Musical Fidelity M3 SCD, T+A MP 3100 HV
Vollverstärker: Audionet WATT, Musical Fidelity M8xi
Lautsprecher: B&W 800 D3, PMC Twenty5.23i, Spendor
Kabel: Supra Cables

Neue Schallwandler von Yamaha

Yamaha ist berühmt für seine Musikinstrumente, seine Unterhaltungselektronik – und hier auch für seine sowohl daheim wie im professionellen Studioumfeld beliebten Lautsprecher, Kenner werden sich an die NS-1000 oder auch die NS-2000 erinnern. Zusammen mit dem Vollverstärker-Flaggschiff erreichten uns nun die neuen, äußerst eleganten Kompaktlautsprecher NS-3000 des Hauses.

Aufwendig spiegelsymmetrisch gefertigt und hochglanzlackiert wie die berühmten Pianos der Marke Yamaha sowie auf maßgefertigten Ständern vermitteln sie nicht nur einen sehr wertigen Eindruck, sie klingen auch gemäß erster „Inohrenscheinnahme“ entsprechend. Kein Wunder, denn für diese Kompaktboxen standen die ausgewachsenen Standlautsprecher aus der Baureihe 5000 Pate, die gemeinsam mit der entsprechenden Vor-/Endverstärker-Baureihe präsentiert wurden. Für die Entwicklung kam neueste FEM-Analysetechnik und Lasermessung zum Einsatz. Zylon-Textilmembranen und eine spezielle R.S.-Kammertechnik versprechen interessante Technologieansätze.

Das Paar hochglänzend schwarzer NS-3000 oder auch SPS-3000 (eher mattschwarz) ist preislich bei knapp 8.000 Euro angesiedelt. Wir sind selbst schon sehr gespannt auf den Test, der für eine der zeithah kommenden STEREO-Ausgaben angedacht ist.

Damit haben wir gehört

Damien Rice – O: Lange nicht gehört, aber auch klanglich ein fantastisches Album.

REO Speedwagon – Hi Infidelity: Passend zum Retro-Verstärker darf auch diese Band nochmal ran.

Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 05/22 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des Yamaha-Verstärker A-S3200 auf stereo.de