Omer Klein am Meer

Mit "Radio Mediteran" verschickt der israelische Pianist einen wunderschönen Liebesbrief an das Mittelmeer...

Von Sandra Zoor | Video des Tages | 7. März 2019
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Mit seinem einzigartigen erzählerischen Talent und seiner makellosen harmonischen Präzision schlägt Omer Klein vor allem dann Funken, wenn er innerhalb seines Trios arbeitet. Wie so oft bei seinen Kollegen und Landesgenossen trifft auch hier die Semantik des Jazz auf die der folkloristischen Musik. Der in Deutschland niedergelassene Pianist aus Israel schafft es vor allem, von einer bestimmten Form romantischer Melancholie zu einem Groove mit robustem, fast funkigem Swing überzugehen. Der Schüler von Danilo Perez, den John Zorn unter seine Fittiche nahm, schreibt auf dem treffend genannten Radio Mediteran eine Art Liebesbrief an die Kulturen rund um das Mittelmeer.

Mit Hilfe seiner ihm seit langem treuen Rhythmussektion, die aus dem Kontrabassisten Haggai Cohen Milo und dem Schlagzeuger Amir Bresler besteht, verschmilzt er seine Eigenkompositionen mit Klängen aus Tunesien, Bulgarien, aus der Türkei, aus dem Nahen Osten, aus Libyen, aus Marokko und anderen Ländern dieser Region. „Mit meiner Gruppe unterhalte ich eine recht persönliche Beziehung zum Mittelmeer, weil wir ja in seiner Nähe aufgewachsen sind. Nach unseren Konzerten hören wir, Haggai, Amir und ich, oft noch Musik in unserem Hotel. Und zwar Musik aus Nordafrika, aus den Balkanländern oder aus der arabischen Welt. Aus dieser Tatsache ergab sich die ursprüngliche Idee für diese Platte“.

Obwohl auf Radio Mediteran keine Regeln gelten und die Platte eine ganz neue Richtung angibt, handelt es sich keineswegs um ein folkloristisches Opus. „Ich wollte diese Musik nicht imitieren, sondern ich versuchte sie aufzusaugen und in einen neuen persönlichen Kontext zu bringen, um am Ende vielleicht gar ein neues Genre zu schaffen“. Die drei Männer sind ihrer Herausforderung gewachsen, weil es ihnen nämlich gelingt, uns klarzumachen, dass es weit mehr Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen gibt als Gegensätze.

„Das ist meine politische Botschaft“, beteuert Omer Klein. „Unsere Geschichte beweist, dass uns die im Mittelmeerbereich existierenden, vielseitigen Kulturen positiv beeinflusst und bereichert haben“. Durch den Einsatz von ein paar analogen Synthesizern und Perkussionsinstrumenten wird das Klangspektrum des Trios mit einem Pop-Element bereichert. Der von den Musikern dieser Generation gespielte Jazz setzt sich immer mehr über Grenzen hinweg, ohne jedoch die Brücken zu einer gewissen Tradition gänzlich abzubrechen. Mit solch einem philosophischen Hintergedanken wird Radio Mediteran ein richtiger Erfolg werden.






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