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ECM wird 50!

Das Münchner Label von Manfred Eicher feiert den Jazz eines halben Jahrhunderts, der Einflüsse von der ganzen Welt miteinander vereint...

Von Marc Zisman | Video des Tages | 2. Dezember 2019
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1969, Jahresende. Eine Zeit, in der die Erscheinungsdaten neuer Alben oft nicht genau zu erfassen waren. Wie dem auch sei, die allererste Platte mit dem Logo ECM (Edition of Contemporary Music) war Free At Last – eine Platte des legendären Pianisten Mal Waldron, welcher der amerikanischen Szene des Mainstream-Jazz entkommen war und sich zwei Jahre zuvor in München niedergelassen hatte. An den Reglern stand der bayerische Violinist und Kontrabassist Manfred Eicher, der zuvor bei den Berliner Philharmonikern gespielt hatte.

„Ganz ehrlich gesagt hat das alles auf recht unbedarfte Weise angefangen“, erinnert sich der Gründer des Labels ECM. „Ich war nur ein klassisch ausgebildeter Musiker, der klassische Musik und Jazz hörte und der lieber den Kontrabass stehen ließ, um Produzent zu werden und um somit der Musik näherzukommen. Und ich wollte mich nicht auf ein einziges Instrument beschränken. Ich wollte auch nicht als Solist überall in der Welt herumreisen. Dadurch, dass ich Produzent wurde, konnte ich mich als Bildhauer an die Musik machen. Wie ein musikalischer Bilderhauer. Das ging aber nicht gleich von Anfang an los. Nein, als Musiker eines Orchesters machte ich Aufnahmen und da konnte ich es einfach nicht sein lassen, zum Mischpult zu gehen, um mir nochmals das anzuhören, was aufgenommen worden war. Übrigens war ich mit dem Resultat nie zufrieden. Als ich dann selbst Produzent wurde und Aufnahmen mit Jazzmusikern machte, wollte ich gleich das Prinzip, die Philosophie und das technische Fingerspitzengefühl von eingespielter Kammermusik miteinbringen. Vom Ansatz her Klarheit schaffen, in der Dichte, in der Dynamik selbst. Etwas, was damals in den Jazzplatten nicht zu finden war. Damals existierte das nicht wirklich.“

Manfred Eicher et Keith Jarrett à Vérone en 2001 - © Roberto Masotti / ECM Records


1969 war der deutsche Produzent natürlich nicht der Guru, der er spätert noch werden sollte. Eben diese Zeit danach ist Anlass genug, diese 50 Jahre zu würdigen. Ein halbes Jahrhundert mit anderem Jazz. Bei der Gründung von ECM Ende der sechziger Jahre, wird der Jazz überall ausgebuht. Free-Jazz ist etwas für Avantgardisten, der Rock etwas für diejenigen, die es lieber elektrischer mögen. Eicher sollte im Laufe der Jahre und der nacheinander erscheinenden Alben eine Welt schaffen, in der diese Stilrichtungen mit eher europäisch geprägten Überlegungen einhergehen, sei sie nun in Bezug auf klassische Musik oder Volkslieder, mit einer Spur Worldmusic versehen, obwohl dieser vereinfachende Begriff aus dem Marketingbereich die ganze Weltmusik, die es damals als solche noch nicht gab, in einen Käfig sperrte.

Betrachten – und hören wir vor allem – die bei ECM fünf Jahrzehnte hindurch erschienenen Platten, dann entdecken wir eine ganz eigene Welt, die sich aber durchaus nicht von den anderen Welten abgrenzt, ganz im Gegenteil, auf ihren oft kontemplativen Umwegen bringt sie etwas Besonderes, Schwereloses zum Ausdruck. Dieser pluralistische Jazz nimmt die Tradition mit hinaus in die weite Welt, aber nicht, um sie aus ihren Angeln zu heben, sondern vielmehr, um sie zu bereichern… Die Formulierung mit dem schönsten Sound nach der Stille sollte ECM beibehalten, denn Manfred Eicher war nie weltfremd, sondern lebte genauer gesagt in einer Zeit, die parallel zur Gesellschaft verlief und die sein Label zu einem wunderschönen Planeten machte, auf dem der Jazz sich anders anhörte. Künstler wie Keith Jarrett, Charles Lloyd, Jan Garbarek, Chick Corea und viele andere begannen ihre gehaltvollsten Platten bei ECM einzuspielen.

Im Folgenden finden Sie eine kleine Auswahl an Videos dieser 50 Jahre mit ein paar unumgänglichen, „hauseigenen" Künstlern. Zuallererst Keith Jarrett im Trio mit dem KontrabassistenGary Peacock und dem Schlagzeuger Jack DeJohnette, am 25. Juli 1993 am Open Theatre East in Tokio mit dem Klassiker Fall in Love to Easily:



Hier ist der Saxofonist Charles Lloyd, 2001, in Montreal mit einer Version, für die er sich an Billy Strayhorns Lotus Blossom inspiriert hatte (er spielte es im Jahr zuvor bei ECM ein, auf seinem Album The Water is Wide mit Geri Allen am Klavier, Marc Johnson am Kontrabass, Billy Hart am Schlagzeug und John Abercrombie an der Gitarre.

Eine weitere unumgängliche Einspielung ECM – das Duo mit dem Pianisten Chick Corea und dem Vibrafonisten Gary Burton, hier bei einem Konzert in Tokio im Jahre 1978 mit dem grandiosen Children's Songs - einer der Höhepunkte ihres Albums aus dem Jahre 1973 Crystal Silence



Der Norweger Terje Rypdal ist mit etwa zwanzig für dieses Label eingespielten Alben ein weiterer Grundpfeiler von ECM. Bei diesem Video aus dem Jahr 1992 ist der Gitarrist zusammen mit seinen Landesgenossen, dem Kontrabassisten Bjørn Kjellemyr und dem Schlagzeuger Audun Kleive zu sehen:



Zu guter Letzt ist da Nils Petter Molvær, dessen presigekröntes Album Khmer aus dem Jahr 1997 ECM großen Erfolg bescherte. Zwei Jahre später tritt der Trompeter aus Norwegen in Leverkusen zusammen mit Eivind Aarset, Audun Erlien, Anders Engen, Rune Arnesen und Pål Nyhus alias DJ Strangefruit auf:



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