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Didier Lockwood und sein letzter Bogenstrich

Er hat nicht zufällig eines der im Jazz ganz selten verwendeten Instrumente gewählt. Dass er sich so schnell einen Platz verschaffen konnte, ist nicht auf die winzige Runde von „Jazz“-Geigern zurückzuführen, sondern eher auf sein beeindruckendes Talent und seinen originellen Stil... Am Morgen des 18. Februar erlag der vorwärtsdrängende Didier Lockwood einem Herzinfarkt. Am Vorabend war er noch in einem Konzert im ‚Bal Blomet‘ im 15. Pariser Arrondissement aufgetreten. Der aus dem nordfranzösischen Calais stammende 62-jährige Musiker hatte vor drei Monaten gerade sein Album "Open Doors" herausgebracht…

Von Sandra Zoor | Video des Tages | 19. Februar 2018
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Er schwankte immer zwischen zweierlei: Jazz oder Rock, Violine oder Komposition, Malerei oder Schriftstellerei, Schuldirektor oder Orchesterdirigent, denn dieser Tatmensch Didier Lockwood bekam nie genug, hatte für all das ein leidenschaftliches Interesse. Genauso wie sein Vater wollte auch er Violinist werden, und als Jugendlicher landete er dann im Jahre 1974 in der Gruppe Magma. Ein gewisser Stéphane Grappelli hatte den 21-Jährigen bemerkt, der dann eine Solokarriere startete, als er in der New Yorker Carnegie Hall neben Dave Brubeck auftrat. Sein Werdegang ist von Begegnungen nur so gespickt: Christian Vander, Michel Petrucciani, Yehudi Menuhin, Miles Davis, Herbie Hancock, Jacques Higelin, Barbara, Claude Nougaro, Richard Bohringer, Martial Solal und Caroline Casadesus, die seine Frau wurde. Didier Lockwood schrieb Filmmusik (Lune froide (Kalter Mond) von Patrick Bouchitey und Les Enfants de la pluie (Die Regenkinder) sowie La Reine soleil (Die Sonnenkönigin) von Philippe Leclerc), aber auch Musik für zeitgenössischen Tanz und er widmete sich gleichzeitig der musikalischen Erziehung im Rahmen des Centre des Musiques Didier Lockwood (CMDL), einer Schule, die im Jahre 2001 im französischen Departement Seine-et-Marne eröffnet wurde und wo er von 2014 bis 2016 stellvertretender Kulturbeauftragter war. Im Laufe seiner facettenreichen Karriere erhielt er eine Goldene Schallplatte und Auszeichnungen beim nationalen Verdienstorden und der Ehrenlegion…

Der für außergewöhnliche Expeditionen bekannte Didier Lockwood brachte 2016 mit Apesantar ein wahrhaft überraschendes, um nicht zu sagen faszinierendes Album heraus, das er bei einer einzigen Direktaufnahme eingespielt hatte. Man genoss diese Platte, irgendwie Jazz, irgendwie Rock, in einem Zug, wie eine Oper im schwerelosen Weltraum, in dem man gerne bereit war, die Orientierung zu verlieren… Ein Jahr später, im November 2017, kehrte er mit Open Doors zu den Grundlagen des Jazz zurück! Hier leitete Lockwood ein erstklassiges Quartett mit dem Schlagzeuger André Ceccarelli, dem aus Rom stammenden Pianisten Antonio Farao sowie dem Kontrabassisten Darryl Hall und bot einmalig inspirierte Improvisationen. Ohne Geschnörkel, nur Jazz, reinsten, mit ausgemachtem Swing durchsetzten Jazz, (das rhythmische Zusammenspiel Ceccarelli/Hall war unwiderstehlich), was die Schönheit dieses im Jazz zu selten vertretenen Instruments in Erinnerung rief.

Didier war ein „Mister 100.000 Volt. Ich fasse es nicht“, sagte sein Agent Christophe Deghelt zu AFP. „Er war sehr menschlich. Ein sehr eleganter Mensch. Er teilte gerne und liebte es zu unterrichten. Wir hatten unheimlich viele Projekte laufen. Er hatte gerade mit Patricia Petibon eine Einspielung gemacht.“ Die Sopranistin und Didier Lockwood hatten 2015 geheiratet…



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