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Die Alben

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Trip Hop - Erschienen am 1. Januar 2012 | Virgin Catalogue

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung - Hi-Res Audio
2003 ist vom einstigen Dreigestirn des Trip Hop nur mehr Robert Del Naja aka 3D übrig. Mushroom stieg kurz nach der letzten Platte aus, Daddy Gee macht Babypause und soll, zumindest nach momentanen Gerüchten, auf der Tour sowie der nächsten Platte, die schon im Herbst erscheinen soll, wieder dabei sein. "100th Window" ist somit im Alleingang von 3D produziert worden. Ihm ging es auch darum, mit Erwartungshaltungen zu brechen. Was ohne Zweifel gelungen ist. Ob im positiven oder negativen Sinne muss jeder für sich selbst entscheiden. Denn "100th Window" wird polarisieren wie nichts von Massive Attack je zuvor, das offenbart sich sehr schnell. "Future Proof", der Opener, eröffnet wie gewohnt düster - musikalisch wie textlich. Deutlich elektronischer als bisherige Veröffentlichungen allerdings und - und hier liegt der Hase im Pfeffer - ohne diese unbeschreiblich schönen Melodien, die bislang jeder Platte des Trios aus Bristol zu Grunde lagen. Auf "What Your Soul Sings" samplen sich Massive Attack dann erstmals selbst. Doch auch die Reminiszenzen an "Teardrop" lassen den Song niemals die Größe des Originals erreichen. "Special Cases", die erste Single des Albums ist nach "Future Proof" der zweite Song, der überzeugen kann. Langsame, schleppende Bässe, bedrohliche Streicher und die Stimme von Gastsängerin Sinéad O'Connor lassen diese wundervoll einlullende Stimmung aufkommen, die man an Massive Attack so schätzt. In eine ähnliche Richtung geht "Butterfly Caught", dem allerdings 3D seine Stimme leiht. Ab Track Nummer sieben läuft das Album dann - endlich - zu Hochform auf. "Small Time Shot Away" fließt mit hypnotischer Basslinie vor sich hin, für die Backgroundvocals wurde Blurs Damon Albarn ins Studio eingeladen. "Antistar" als Schlusspunkt geht diesen Weg weiter, reißt mit und läuft am Ende mit einem endlosen Bass-Sample aus. "100th Window" mag das bislang schwächste und verwirrendste Massive Attack-Album sein. Auch die Fans wird es sicherlich spalten. Allerdings ist "100th Window" noch immer um Klassen besser, als 99% aller Sachen, die in diesem Jahr noch kommen werden. Stagnation auf einem solch hohen Level geht in Ordnung. © Laut
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Trip Hop - Erschienen am 1. Januar 1998 | Circa

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung - Sélection du Mercury Prize
Nach mehr als zehnjährigem Bestehen hatte Massive Attack sich mit ihrer so eigenen Ästhetik und dem dazugehörigen Sound dermaßen durchgesetzt, dass die Band bereits damals quasi unantastbar war. Mit ihrem dritten Album im April 1998 bewiesen sie aber dennoch, dass noch längst nicht Alles gesagt wurde… Die Soulmusik der Gruppe aus Bristol, immerzu unwahrscheinlich mysteriös, klingt hier noch düsterer als zuvor. Giftiger Cold Wave hat sich beigemischt, wie gleich auf dem Eröffnungstrack Angel herauszuhören ist. Der Angstzustand scheint auf Songs wie dem Dubtrack Risingson auf dem Höhepunkt angelangt zu sein. Und sogar bei Techno-Songs wie Disolved Girl verspürt man eine bedrückende Stimmung. Und dann ist da noch das ebenfalls bedrohliche und gleichzeitig wunderschöne Lied Teardrop, bei welchem man sich erst beim Einstieg der Feenstimme Liz Frasers der Cocteau Twins etwas entspannen und endlich ein Licht am Ende des Tunnels sehen kann. Doch all diese Vogelscheuchen verwandeln sich in den Händen des Trios 3D/Daddy G/Mushroom, weltberühmte Vertreter des Trip-Hops, zu wahren Goldschätzen, die man auch heute noch, zwei Jahrzehnte nach ihrer Erschaffung, immer und immer wieder voller Erstaunen aufmachen möchte… © Marc Zisman/Qobuz
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Trip Hop - Erschienen am 16. November 1998 | Virgin Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Nach mehr als zehnjährigem Bestehen hatte Massive Attack sich mit ihrer so eigenen Ästhetik und dem dazugehörigen Sound dermaßen durchgesetzt, dass die Band bereits damals quasi unantastbar war. Mit ihrem dritten Album im April 1998 bewiesen sie aber dennoch, dass noch längst nicht Alles gesagt wurde… Die Soulmusik der Gruppe aus Bristol, immerzu unwahrscheinlich mysteriös, klingt hier noch düsterer als zuvor. Giftiger Cold Wave hat sich beigemischt, wie gleich auf dem Eröffnungstrack Angel herauszuhören ist. Der Angstzustand scheint auf Songs wie dem Dubtrack Risingson auf dem Höhepunkt angelangt zu sein. Und sogar bei Techno-Songs wie Disolved Girl verspürt man eine bedrückende Stimmung. Und dann ist da noch das ebenfalls bedrohliche und gleichzeitig wunderschöne Lied Teardrop, bei welchem man sich erst beim Einstieg der Feenstimme Liz Frasers der Cocteau Twins etwas entspannen und endlich ein Licht am Ende des Tunnels sehen kann. Doch all diese Vogelscheuchen verwandeln sich in den Händen des Trios 3D/Daddy G/Mushroom, weltberühmte Vertreter des Trip-Hops, zu wahren Goldschätzen, die man auch heute noch, zwei Jahrzehnte nach ihrer Erschaffung, immer und immer wieder voller Erstaunen aufmachen möchte… © Marc Zisman/Qobuz
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Trip Hop - Erschienen am 20. April 1998 | Warp Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
"Rhythmus war für mich immer der Teil der Musik, der sie zeitlich datiert, im Guten wie im Schlechten. Er gibt die Ära preis, und ist der ersetzbare Teil in Coverversionen. Menschen werden von Akkordfolgen oder Tonfiguren gefesselt, die sind nämlich zeitlos. Wir machen unsere Musik auf eine reduktive Art und Weise. Viel, was wir auf "Music Has The Right To Children" gemacht haben, war ein Beseitigungsprozess: Wir nahmen die Sachen weg, die uns bei anderen Künstlern nervten, bis das übrig gebliebene Skelett uns nicht mehr störte. Das ließ den Sound zu einer Art Erscheinung werden, die nicht so ganz real war." Im Grunde beschreibt Mike Sandison, seines Zeichens die eine Hälfte des Brüder-Duos Boards Of Canada, schon zur Genüge, was "Music Has The Right To Children" zu einem wahrhaft zeitlosen Stück Musikgeschichte macht. Auch 20 Jahre nach der Veröffentlichung klingt das erste vollwertige Studioalbum der schottischen Combo derart unverbraucht, dass es beinahe so gespenstisch wie das morbide Cover wirkt. Das rührt wohl vor allem daher, dass sich die beiden im Produktionsprozess radikal einschränkten: Bis auf ein paar Synthesizer, die ihre unverkennbare Klangfarbe praktisch bis zu "Tomorrow's Harvest" (2013) behalten haben, merkwürdigen Samples aus Kinderstimmen sowie Tierlauten und einer künstlich verrohten Klangästhetik gibt es auf den ersten Blick gar nicht so viel zu entdecken. Das Primat der freiwilligen Reduktion und die unweigerlich damit einhergehende Verlagerung auf die Metaebene proklamieren die Gebrüder auch noch 2005 gegenüber dem Groove Magazin: "Wenn man ein einfaches Setup wie einen Mono-Synthesizer und eine Drummachine hat, sind die Sachen, die du damit machen kannst, begrenzt, aber das macht dich auch kreativer im Umgang damit". Eine konkrete Vision von bedeutsamer Musik. Das Album selbst, durch seinen Minimalismus und unverwüstlich avantgardistischen Geist beinahe zwangsläufig auf Warp beheimatet, bricht zunächst mit so ziemlich allen Konventionen elektronischer Tanzmusik um die Jahrtausendwende: Weder klingen die Produktionen glatt, noch nehmen sie jemals ein nennenswertes Tempo auf, ganz im Gegenteil: Nach dem zwischen traumhaft und bedrohlich schwankenden Einstieg "Wildlife Analysis" zuckelt "An Eagle In Your Mind" demonstrativ langsam und unstet vor sich hin. Schon diese beiden Tracks stellen ein Leitmotiv heraus: In allen möglichen Kontexten thematisieren Boards Of Canada Flora und Fauna, das Ursprüngliche und sonstige psychedelische Fixpunkte. Sie dienen als Inspiration, Sehnsuchtsort und Regulativ. Nicht umsonst benannte man sich nach den Dokumentarfilmen des National Film Boards Of Canada, die oftmals die Natur thematisierten und mit ihrem Intro den Sound des Duos gewissermaßen vordefinierten. Konkret heißt das für die 16 Tracks auf "Music Has The Right To Children": Der Synthesizer und seine ätherischen Klänge dominieren, die Beatstruktur stellt sich hinten an. Schon an dritter Stelle steht erneut ein Ambient-Interlude, das auf ein kindliches, höchst unangenehmes "I Love You"-Sample zurückgreift. Auf "Telephasic Workshop" regieren über sechs Minuten Breakbeats und abgehackte Sprachfetzen, "Triangles & Rhombuses" vermittelt in knapp zwei Minuten eine Spur von Optimismus. Hier fällt eine weitere Vorliebe des Brüderpaars ins Auge: Zahlen, Geometrie und mathematische Formeln finden immer wieder ihren Weg in die Stücke. Auf "Music Has The Right To Children" verhält es sich damit allerdings unbestimmter als beim direkten Nachfolger "Geogaddi", der nicht nur wegen seiner 66 Minuten und 6 Sekunden Spielzeit uferlose Diskussionen und Theorien unter den Fans aufbranden ließ. Ihren unbeirrbar gemächlichen Trott, der sich entgegen des damaligen Zeitgeists unablässig näher an Instrumental-Hip Hop als an Techno, House oder Jungle orientiert, ziehen die Gebrüder Sandison konsequent bis zum Ende des Albums durch. Die Formel erweitert sich durch die bereits angesprochenen kurzen Einschübe, die sich wie "Kaini Industries" als wohltuende Synth-Auflockerung entpuppen können, aber auch in der Lage sind, den Hörer noch stärker zu entfremden. Dem mulmigen Gefühl, das sich nach und nach einstellt, wirkt an zehnter Stelle "Roygbiv" entgegen, das wohl bekannteste Stück des Albums. Für BOC-Verhältnisse hat man es hier mit einem richtigen Banger zu tun: Eine ungewöhnlich klare, motivierende Synth-Line trifft auf die ikonischen Kinderstimmen, weitere Synths erheben den Track in gar euphorische Sphären. "Rue The Whirl" geht anschließend postwendend den umgekehrten Weg und mutet beinahe wie eine überdrehte, dennoch repetitive MPC-Übung an. Spätestens im jammigen "Aquarius" schimmert der Bandkontext des Brüderpaars durch. Über einem flockigen Stoner-Beat erklingen in bester The Orb-Manier akustische wie elektronische Instrumente. Diese Wohlfühloase komplettieren Samples aus der Sesamstraße. Sucht man nach einer Blaupause für Boards Of Canadas musikalischen Ansatz, so wird man am ehesten in "Pete Standing Alone" fündig. Dieses hätte wohl auf jedem anderen Album des Duos seinen Platz gefunden und erklärt die inflationären Verweise auf David Lynchs Filme, die Musikjournalisten stets aufs Neue reflexartig abfeuern, in nur sechs Minuten wie von selbst. "Open The Light" sorgt mit zyklischen Ambient-Kaskadenfür den epischsten Moment des Albums, "Happy Cycling" beschließt "Music Has The Right To Children" auf einer nachdenklichen, düsteren und unwirtlichen Note. Auch aus diesem Zwiespalt speist sich die Begeisterung für diese faszinierende Platte: Die Stimmung pendelt über die komplette Spielzeit zwischen den Polen angsteinflößend und fröhlich. Dazwischen spielen sich Momente banger Ungewissheit ab. Marcus und Mike Sandison sahen sich zu keinem Zeitpunkt ihrer Karriere als Dance-Producer. Im Grunde haben sich beide ihr eigenes, von Konventionen und Trends restlos befreites Genre geschaffen, das ein ganzes Universum an Symbolen, Anspielungen und Psychedelia beinhaltet. Das erreichten sie ironischerweise mit einem extrem limitierten Setup, einem unfassbar weitläufigen Fundus an alten VHS-Kassetten, sonstigen Tonträgern und selbst hergestellten Aufnahmen, die mitunter bis zur Unkenntlichkeit verfremdet sind, sowie einem in sich ruhenden, öffentlichkeitsscheuen Naturell. Bis heute zeigen sich die beiden höchst ungern in der Öffentlichkeit und meiden das Rampenlicht. Zwischen den unregelmäßigen Releases hört man so gut wie gar nichts von den Schotten, die das Landleben der Großstadt natürlich konsequent vorziehen. Und gerade jenes Leben in einer von gesellschaftlichen Strömungen, Moden und Hysterien weitestgehend unberührten Gegend trug wohl dazu bei, aus "Music Has The Right To Children" das zu machen, was es bis heute ist: ein zeitloses Album. © Laut
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Trip Hop - Erschienen am 28. Januar 2016 | Virgin Records Ltd

Selbst eingefleischte Massive Attack-Fans mussten das hier erst mal sacken lassen. Man wusste zwar, dass die Tunes der Bristol-Connection nicht gerade auf der sonnigen Seite des Hügels wachsen. "Ritual Spirit", geschrieben von 3D und Langzeit-Studiopartner Euan Dickson, lotet die Untergrenze bedrohlicher Sound-Klaustrophobie jedoch neu aus. Schluss mit den beruhigenden Hangover-Raps von Robert Del Naja oder gar lebensfrohen Klängen wie Akustikgitarren (auf ihrem letzten Longplayer "Heligoland", 2010). Von den ersten Sekunden an zieht einen "Dead Editors" hinein in den Soundtrack eines Serienkillers: Einen ungewohnt aggressiven Beat, pochend wie ein rasend schneller Herzschlag, umgarnen analoge Synthie-Flächen, peitschende Hi-Hats und eisig verfremdete Flöten aus Herbie Hancocks Klassiker "Watermelon Man". Willkommen zurück in der beklemmenden Atmosphäre, die etwa "Mezzanine" (Track) so herausragend machte. Der gewohnt emotionslos-stoische Vortrag von Roots Manuva tut sein Übriges. Der Titeltrack "Ritual Spirit" weckt mit seinem repetitiven Gitarrenlick in gemächlicherem Tempo zu Beginn alte Gefühle, bevor eine neue Stimme den Song an sich reißt. Der aus Nigeria stammende R'n'B-Sänger und Produzent Azekel ist eine Neuentdeckung der Briten, sein hohes Organ tänzelt auf dem anspruchsvoll verästelten, mit Handclaps versehenen Beat wie schwerelos. Die Vergleiche mit Frank Ocean scheinen absolut gerechtfertigt. Konnte man hier noch einigermaßen ausschnaufen, rattert "Voodoo In My Blood" mit dem schottischen Kollektiv Young Fathers gleich unnachgiebig los. Bellend vorgetragene Raps, eher prasselnde Sprachfetzen, unterfüttern 3D und Daddy G mit abermals hektischen Beats, bevor ein Break den Song praktisch abstoppt. Im nun folgenden Part zeigt das experimentelle Rap-Trio (Releases auf Big Dada/Anticon) mit einem herrlich schauerlichen Gesangspart, wie es dazu kommen konnte, dass man 2014 Mainstream-Stars wie Damon Albarn und FKA Twigs den Mercury Prize vor der Nase wegschnappte. Derweil führen 3D und Daddy G unmerklich mehr und mehr Soundspuren ein, laden die Atmosphäre immer mehr auf. Am Ende haspelt man mit Gänsehaut die Zeile "Why does the blood never stick to your teeth" im Dauerloop vor sich hin. Krasser Track, der all den Stagnations-Schreihälsen der letzten zwei Massive Attack-Alben als Kloß im Hals stecken bleiben dürfte. Der Hauptgrund, warum man über diese EP, die ursprünglich wie ein Daddel-Gimmick in Snippet-Form in der iPhone-App Fantom auftauchte, seit Monaten spricht, hört auf den Namen "Take It There": Die von allen Romantikern so ersehnte Reunion mit Ex-Mitglied Tricky. Nach Pete und Carl, Axl und Slash sind nun also auch die Trip Hop-Könige von einst wieder Buddys, 22 Jahre nach "Protection", schöner kann ein Happy End ja nicht klingen. "Take It There" enttäuscht auch keineswegs. Ein angemessen deeper Brocken, der auf zunächst zwei Akkorden eines tonnenschweren Klaviers fußt, an dem sich Trickys charakteristische Flüster-Raps abrackern wie ein Kumpel unter Tage. Im Vergleich zu den mutigen Vorgängertracks erinnert "Take It There" nicht nur aufgrund der bekannten Vorträge von Tricky und 3D am ehesten an die glorreiche Vergangenheit der Band. Hätte aber sicher Sinn gemacht, diesen Song an den Anfang der EP zu setzen. Bei aller Brillanz, die das letzte Album "Heligoland" an einigen Stellen ausstrahlte, stellt "Ritual Spirit" doch die Wegmarke für die dringend erforderliche Neuorientierung einer Band dar, die auch 25 Jahre nach ihrem Debüt noch überraschen will. Auf die zeitgleich zum Release angekündigte zweite EP aus der Feder von Daddy G, die noch im Frühjahr erscheinen sollte, warten wir leider immer noch. Vielleicht hat man es sich in Bristol (bzw. auf Tour) auch anders überlegt, weil man doch lieber gleich ein ganzes Album nachlegen will. Es könnte ein neues Bandkapitel aufschlagen. © Laut
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Trip Hop - Erschienen am 29. Juli 2016 | Virgin Records Ltd

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Trip Hop - Erschienen am 1. August 2013 | Mute, a BMG Company

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Soundtracks sind ja so eine Sache für sich. Es gibt nur selten welche, die sich wohltuend vom Gros der lieblosen Zusammenstellungen unterscheiden. "Felt Mountain" ist auch ein Soundtrack, aber nicht zu irgend einem Film, der demnächst zum Kassenschlager avancieren könnte, sondern eher zu den Gefühlen und Stimmungen, die damit transportiert werden. Melancholie herrscht vor, wenn Alison Goldfrapp und Will Gregory ganz tief in der Emotionsschublade kramen und Tragisches, Zerbrechliches und Aufwühlendes zu Tage fördern. Diese Zutaten werden miteinander verbacken und dann in ein wohltuendes Klangkostüm gewickelt, das sich dann den Ohren des geneigten Hörers entgegenschmeichelt. Hierbei stechen vor allem die fast schon genialen Arrangements der beiden hervor. Streicher, Bleeps und Noise-Anklänge werden nicht als Füllmaterial für fehlende songwriterische Fähigkeiten missbraucht, sondern bilden den goldenen Rahmen für die exzellenten Lieder. Wenn man auf Vergleiche steht, purzeln die Namen der üblichen Verdächtigen wie Portishead und Björk, aber dies sei nur als ungefährer Orientierungspunkt erwähnt, denn das Werk "Felt Mountain" hat seine ganz eigene Faszination, die sich nicht an eventuellen Vorbildern messen lassen muss. Hinzu kommt Alisons schaurig schöne Vokalakrobatik. Man muss schon genau hin hören, um zu erkennen, dass da an mancher Stelle kein Sampler am Werk ist, sondern sich die Gute in unglaubliche Höhen hinaufschraubt. Die erste Hälfte birgt den einen oder anderen Song, der das Zeug zum Klassiker hat. "Human" zum Beispiel, sorgt mit seinem dezenten Shuffle für verhaltenes Popowackeln. Die Streicher im Hintergrund sind ganz offensichtlich von den großen James Bond-Kompositionen wie "Goldfinger" beinflusst worden, die eine Shirley Bassey unsterblich machten. Den Vogel schießen Goldfrapp aber mit "Utopia" ab. Wie das Bouqet eines 50 Jahre alten Whiskeys entwickelt sich dieser Song erst langsam, bevor man dann von einer einzigartigen Soundkollage förmlich platt gewalzt wird, superb!!! "Felt Mountain" ist ein Riesenwurf. Selten hat mich eine Platte schon beim ersten Hören so beeindruckt. CD einlegen, zurücklehnen, genießen und auf einem wunderbaren Klangteppich von dannen schweben. Leider dauert der gesamte Flug nur knappe 40 Minuten, aber wer wird sich schon beschweren wollen, wenn er dafür 1A-Qualität geliefert bekommt? © Laut
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Trip Hop - Erschienen am 1. Januar 1994 | Circa

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
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Trip Hop - Erschienen am 1. Januar 1996 | UMC (Universal Music Catalogue)

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn "Endtroducing" ausklingt. Ganz langsam ebbt der Trancezustand ab, man begibt sich wieder in die Realität, zieht den Kopf aus dem Soundkosmos, der in den 62 Minuten zuvor die Geschicke des eigenen Organismus lenkte. Stück für Stück tropfen die Alltagsgeräusche wieder ans Ohr, der Boden wird fester unter den Füßen. You've just experienced heaven. Vertraut aus der Geschichte, gleichzeitig zeitlos. Warum, ist nicht gleich klar und das ist auch das Geheimnis dieses grandiosen Albums. Wird der Kopf klarer, lichten sich die Wolken um dieses Mysterium nach und nach. "Entroducing" besteht nur aus Samples. DJ Shadow griff zu keinem einzigen Drumstick, zu keinem Bass, zu keiner Gitarre für die Produktion. Seine Instrumente sind Platten. Dutzende, Hunderte, Tausende Alben, alte Funkscheiben, Recordings von Radioprogrammen, teilweise obskures Zeug, das schon allein des Seltenheitswerts wegen verwendet wurde. Ein Ding der Unmöglichkeit, alle Samples rechtlich abzuklären. Das alles verschmolz zu einem ungeheuer dichten Stück elektronischer Instrumental-Musik, das zum ersten Mal den inflationär verwendeten Satz "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" rechtfertigt. Als durchgängig konzeptioniertes Album versprüht "Endtroducing" stets eine etwas bedrückende Atmosphäre im reduzierten, heftig groovenden Downtempo. Düster und final klingt die Musik, schon der überlebensgroße Beat auf "Building Steam With A Grain Of Salt". Die geisterhaften Frauenchöre - durchschnitten von Breaks - erwecken dermaßen das Bild verlassener gruseliger Vorstädte, dass man sich fast schon in einem David Lynch-Film sieht. In dieser Gemütsverfassung zwischen postapokalyptischer Einsamkeit und einem Zukunftsverständnis der 70er- und 80er-Jahre treibt uns das Album durch 62 Minuten, lüftet nur manchmal die extrem drückende Schwere mit einem kurzen Beispiel von kalifornischem Humor ("Untitled"), nur um danach mit einem durch und durch außerirdischen Track ("Stem/Long Stem") Streicher gegen stakkato-artiges Drumfeuer laufen zu lassen. DJ Shadow ist ein Meister darin, scheinbare Gegensätze herauszufordern und zu seinen Gunsten umzukehren: Die Schizophrenie, mit alten Samples einen Weltraum-ähnlichen Sound zu bauen. Oder sich den Grundlagen der textbasierenden Hip Hop-Kultur zu bedienen, um ein größtenteils wortloses Instrumentalalbum zu machen. Oder sich komplett von der Forderung der Clubszene zu lösen und nachzudenken, anstatt zu feiern. Über naturbelassen Original-Drumsounds der alten Fundstücke erlaubt sich Shadow das elegante Zaubern einer psychedelischen Traumwelt, mit viel Raum für horizontweite Soundleinwände. Die Club-Dancefloors gehen bei dem Album leer aus, die Musik auf "Endtroducing" erhebt den Anspruch auf Größeres. Tracks wie "Changeling" oder die zwei Teile von "What Does Your Soul Look Like?" mäandern zwischen Lounge und Ambient-Flächen, während Saxophon-Töne und einzelne Wort-Schnipsel als Echos vergangener Tage gegen die kantigen Beats der 60er Jahre-Funkdrummer anschwellen. Dabei verfährt er in den Arrangements nie nach dem gleichen Muster, lässt Bassfiguren in anderen Songs wieder auftauchen, setzt plötzlich auf totale Reizüberflutung ("Mutual Stomp"), und wird im richtigen Moment fast wieder massenkompatibel ("Organ Donor"). Obwohl DJ Shadow aka Josh Davis als klassischer Hip Hop-Head in Kalifornien aufgewachsen ist, steht sein "Endtroducing" näher an "The Dark Side Of The Moon" als an "The Chronic". Die fehlenden Vocals rücken die Instrumentalfinesse noch mehr in den Vordergrund, die zusammensetzt, was eigentlich nicht zusammengehört. Jazz-Elemente, Ambient-Sounds, Klassikinstrumente, alles fließt. Über Grooves alter Soul- und Funkplatten, punktiert von ein paar klassischen Turntable-Tricks. So dick die Rhythmen, so spannend und detailliert das Soundbild. Gar reduziert mit einem feinen Gespür für Feinheiten in jeder noch so verborgenen Soundecke lässt Shadow beispielsweise minutenlang ein Break wachsen ("Napalm Brain/Scatter Brain") oder spickt sphärische Orgel- und Synthesizer-Betten mit akustischen Gitarrennoten. Manche Delikatessen legen erst Kopfhörer frei, auch nach wiederholtem Genuss, am besten naturgemäß bei abgedunkelten Fenstern. Bei geschlossenen Augen entfaltet das Album eine cineastische Breite, dämpft die Außenwelt auf ein bloßes Umweltdasein ab und wirft sphärische Sounds und organisch gewachsene Beats im Gehirn an die sich langsam freimachende Staffelei des Geistes. Da man irgendwann aber auch aufstehen muss, funktioniert dieses Werk ebenso als Begleiter durch die hektische Welt von heute. Wer einmal auf dem Weg zur Arbeit "Midnight In A Perfect World" im Ohr hatte, weiß um die Wirkung dieser Scheibe. "Endtroducing" fesselt zuerst mit den Grooves, injiziert darüber aber muskellösende Entspannungswelten und verhilft in bestimmten Momenten zu beklemmender Panik und herzklammernder Gänsehaut, während man immer ein paar Zentimeter über dem Boden schwebt. Du kommst für die Beats, du bleibst für die Atmosphäre. Neben all den unbekannten Musikern verirrten sich auch einige bekanntere Namen auf "Endtroducing", jedoch nicht um des plumpen Namendroppings Willen, sondern weil ein bestimmter Scratch oder eine bestimmte Keyboardnote eben genau das war, was Shadow gesucht hatte. Es reichte ihm jedoch nicht, einfach die Bassline einer Parliament-Single herauszunehmen und daraus eine Single zu basteln. Chirurgisch präzise, und sei es nur für den Bruchteil einer später vewendeten Sekunde, filettierte Shadow Platten von Kurtis Blow, A Tribe Called Quest und Grandmaster Flash, von Tangerine Dream, Björk, T.Rex, Kraftwerk und Metallica, um die bekanntesten Beisteuerer von "Endtroducing" zu nennen. Prinzipiell ist er also ein großer Historiker und Archäologe der Musikgeschichte. Was er findet, bekommt sonst niemand. In der DJ-Dokumentation "Scratch", zu finden auf den gängigen Videoportalen, sieht man Davis im Keller seines Stammplattenladens, umringt von unendlichen Stapeln von Vinyl. Ein großer Haufen zerbrochener Träume in Form von Singles und Alben lägen dort herum, meint er. Wohl wissend, dass er vielleicht einmal selber nur ein Ladenhüter im Elektronik-Fach unter Buchstabe D sein wird. Aber jeder, der sich mindestens einmal mit "Endtroducing" in die Umlaufbahn begibt, kann abnicken, dass DJ Shadow sein Bestes gegeben hat, um dort nie zu landen. Es war der ansonsten allwissende Henry Rollins, der einst die Meinung vertrat, dass DJs keine Musiker seien, da sie nur die Musik anderer Menschen spielten. Mit "Endtroducing" bewies DJ Shadow, dass Sampling und die Kreation neuer Musik daraus sehr wohl eine Kunstform sind. Und was für eine. © Laut
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Trip Hop - Erschienen am 1. Januar 1996 | Island

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
CD25,99 Fr.

Trip Hop - Erschienen am 20. September 1996 | EastWest U.K.

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
CD19,49 Fr.

Trip Hop - Erschienen am 1. Januar 2010 | Virgin Records

Booklet Auszeichnungen 3F de Télérama
Ein starkes Comeback - dabei sind die qualitativen Hürden, die die Bristol-Crew stets überspringen muss, nicht gerade die niedrigsten. Massive Attack klingen nach sieben Jahren Albumpause immer noch nach Massive, aber ganz schön abwechslungsreich. Das hat mit den zahlreichen Gästen, bevorzugt im Vocalbereich, zu tun. Sie geben sich aber auch wieder mehr down to earth. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass 3D und Daddy G diesmal nicht den technischen Aufwand von "100th Window" betreiben wollten. Jedes Instrument sollte "offensichtlich" gemacht werden: Was real eingespielt war, sollte auch so klingen (etwa der Livebass von "Babel"). Und was aus der Kiste kam, sollte dort auch verortet bleiben, gab Robert im Vorfeld zu Protokoll. So klingen sie anno 2010 klar definiert, respektive entschlackt, ohne dafür auf Deepness oder komplexe Studioarbeit verzichtet zu haben. Allein die ersten vier Tracks stehen für besagte stilistische Bandbreite - und sind nebenbei exzellent gelungen. "Babel" weist ein recht raues, fast im Uptempo-Bereich angesiedeltes Drum-Pattern auf. "Pray For Rain" gibt sich als Opener düster und warm zugleich. Auf das dubbig verzögerte "Splitting The Atom" dürfte man wohl den Begriff Trip Hop anwenden, während "Girl I Love You" mit dichter Livebassline, mächtigen Bläsereinsätzen und recht unkompliziertem Rockbeat an "Mezzanine" erinnert. "Psyche" kommt im Anschluss als luftig gelooptes, nahezu beatfreies Gelände daher. Experimentell orientiert und etwas verstört geht es auf "Flat Of The Blade" zu: Es zierpt und flattert und moduliert von vorne bis hinten. Mit dem butterweichen, stressfreien "Paradise Circus" hält dann der typische Massive Attack-Groove wieder Einkehr. "Saturday Come Slow", dem Damon Albarn seine Stimme leiht, ist ein gemächlich und doch optimistisch wirkender, überwiegend bandorientierter Song. "Atlas Air" gibt den mächtig treibenden und sphärischen Abschluss - coole Keys, cooler Beat. Was die zahlreichen Gaststimmen angeht, bilden Horace Andy, D und G den bandeigenen notwendigen Link in die Vergangenheit. Ansonsten klingt jede Kollabo für sich wie aus einem Guss und fügt sich doch ins Gesamte ein, ob Damen wie Hope Sandoval und Martina Topley-Bird oder ein Guy Garvey und Tunde Adebimpe: die Tracks entstanden hörbar im gegenseitigen Einverständnis. Am Ende des Tages bleibt die Platte dann doch typisch Massive Attack - im positivsten Sinne. "If a thing's worth doing, it's worth doing slowly": Dieser Wahlspruch prägt noch immer das unverkennbar einzigartige Sounddesign und auch die Live-Auftritte der Mannschaft aus Bristol. © Laut
CD13,59 Fr.

Trip Hop - Erschienen am 1. April 2007 | Peace Orchestra

HI-RES21,59 Fr.
CD14,39 Fr.

Trip Hop - Erschienen am 22. September 2017 | False Idols

Hi-Res Booklet
Auf dem im Jahre 2016 erschienenen Skilled Mechanics hatte Adrian Thaws alias Tricky immer noch nicht den Lichtschalter gefunden. Dasselbe gilt für Ununiform, sein im darauffolgenden Jahr herausgekommenes dreizehntes Album. Mit jeder einzelnen Platte erinnert uns der Brite daran, dass er wohl der begabteste Maler/Musiker der finsteren menschlichen Seele ist. Die dunkle Seite der Gewalt, das kennt er, er, der schon in ganz jungen Jahren Waise wurde und nicht viel später Sträfling noch dazu...Tricky, der in einigen Monaten 50 wird und seit 2015 in Berlin lebt, bietet uns hier eine neue, schöne und verwirrende Kollage seiner Phobien, seiner Leidenschaften und verschiedenen Alpträume. Die deutsche Hauptstadt ist übrigens eine der Schlüsselfiguren dieses Werkes. Und die russische Hauptstadt auch. „Ich liebe Berlin, weil ich dort niemanden kenne. Ich esse gesund, gehe spazieren, habe ein Fahrrad…Ich versuche, gut auf mich aufzupassen. Hier trinke ich nicht. Manche Leute finden das wohl langweilig, aber ich stehe um 9 Uhr morgens auf und gehe um 11 Uhr abends schlafen. Ich passe auf mich auf…Was Moskau angeht, das ist meine liebste Stadt auf der ganzen Welt! Ich wollte Weihnachten nicht zu Hause verbringen, deshalb habe ich im Dezember 2016 dort drei Wochen verbracht, habe Einspielungen gemacht und gleichzeitig russisch gegessen." Mit dem Resultat, dass er mehrere russische Rapper für seine Höllenfahrt zusammengetrommelt hat. Zu ihnen gehören Scriptonite, MC auf Blood Of My Blood und Same As It Ever Was sowie Vasiliy Vakulenko, einer der beliebtesten Rapper des Landes, dem der Rhythmus des The Only Way zu verdanken ist. Auch der Rapper Smoky Mo macht einen Auftritt, auf Bang Boogie; diesen Track hat Gazgolder komponiert, der Eigentümer eines der größten russischen Rap-Labels. Tricky spricht natürlich kein Wort Russisch. „Ich brauche das nicht zu verstehen, was sie rappen. Ich fühle das. Sie erleben jeden Tag, als ob es der letzte wäre, und das gefällt mir.“ Für den ehemaligen Komplizen von Massive Attack ist das kein Grund, uns auch an einige Mitarbeiterinnen von früher zu erinnern. Das fängt an bei Francesca Belamonte, über seine Ex, Martina Topley-Bird, und reicht bis zu Asia Argento…Ununiform liegt zwischen düsterem New Wave, gedämpftem Trip Hop, avantgardistischem Rap und immer gleichermaßen mit Chloroform betäubtem Rock. Das ist eine neue MRT des komplexen Gehirns eines Musikers, der immer wieder neue Ideen auf Lager hat. © MD/Qobuz
CD20,49 Fr.

Trip Hop - Erschienen am 1. Januar 1995 | Universal-Island Records Ltd.

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung - Sélection du Mercury Prize
CD15,99 Fr.

Trip Hop - Erschienen am 20. September 1996 | EastWest U.K.

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Als im September 1996 die Gebrüder Godfrey und Skye Edwards mit ihrem Debüt "Who Can You Trust?" fast aus dem Nichts auf der Bildfläche erscheinen, ist der Trip Hop-Zug eigentlich schon abgefahren. Der sonst so treffsichere Radiosender FM4 aus der Alpenrepublik versteigt sich anno Tobak im Zusammenhang mit Morcheeba gar zu der Behauptung, das Trio spiele in der zweiten Liga des Genres. Angesichts des Debüts: eine mittelschwere Fehlinterpretation. Den großen Erfolg feiern Morcheeba erst mit dem zweiten Album "Big Calm" und Überflieger-Tracks wie "The Sea" oder "Part Of The Process". Mit "Who Can You Trust?" stehen sie aber noch knietief in trippigen Gefilden, was ihnen im Rückblick auch am besten zu Gesicht steht. Die zwei Brüder und die Elfe am Mikrofon laufen sich eher zufällig über den Weg und beginnen um 1995 herum, an Songs zu basteln. DJ und Produzent Paul sowie sein an diversen Instrumenten versierter Bruder Ross bilden hierbei ein kongeniales Duo. Die beiden bereiten Skye, der Sängerin mit der Engelsstimme, das ideale Fundament, um darüber ihre Texte zu hauchen. Die Dame besitzt ein Timbre, mit dem sie auch ellenlange Epistel aus dem Brockhaus zitieren könnte, das Publikum hinge dennoch gespannt an ihren Lippen. Der Sound des Albums bietet oldschoolige Hip Hop-Beats, zahlreiche Scratches, funky Gitarreneinlagen, perkussive Spielereien mit Congas und Tablas, Sequenzer-Gezwirbel und allerlei weitere spaßige Ingredienzen. Das macht die Reise durch das Dutzend Tracks zum perfekten Sportzigaretten-Soundtrack. Am Meer, See, Fluss, zu Hause? Ganz egal: "Who Can You Trust?" einlegen, und man schwebt entspannt von einem angenehmen Emotions-Strudel zum nächsten. Trotz der wunderbar ineinander greifenden Rädchen der Produktion klingen die Songs nie aufdringlich. An allen Ecken und Enden sorgen Effekte und Spielereien für die richtige Auflockerung. Hier tut sich besonders Ross Godfrey hervor, der allerlei Saiteninstrumente aus seinem Fundus auspackt. Slidegitarre? Bitte, gerne! Die Single "Trigger Hippie" profitiert davon enorm, wenn er im Hintergrund wie ein zugedröhnter Blueser sein Instrument malträtiert. Über die gesamte Spielzeit befindet sich "Who Can You Trust?" im steten Fluss, lediglich von den beiden Instrumentals "Post Houmous" und "Enjoy The Wait" unterbrochen. Letzteres kommt eher einem Witz gleich, wenn Ross einmal mehr den John Lee Hooker mimt, während sein Geschwisterchen mit blubberndem Elektro dagegen hält. Das 2000er "Fragments Of Freedom" markiert die Hinwendung zu fröhlicheren Pop-Tunes, mit dem sträflich unterschätzten "Howling" findet sich hier das komplette Gegenstück zur unbeschwerten Heiterkeit. Ein düster und drohend wabernder Sound mit hübscher Streicher-Sektion begleitet die Slogans, die Skye von sich gibt und die die Stimmung im Ungefähren lassen. Wer heult hier warum? Wer feuert die Knarre ab und schaukelt durch den Himmel? Die Antwort lautet: egal. Wie oben erwähnt, Skye könnte auch ein Kochbuch vertonen, es klänge einfach umwerfend. "Small Town" flicht ein wenig Off-Beat ein, ein dröhnendes Saxophon sowie ein ganz famoses Orgel-Solo sorgen an den Flanken für den nötigen Drive. Immer schön nach vorne pumpend, aber mit Bedacht! Wer bis hier noch keinen durchgezogen hat, muss das spätestens beim fast neunminütigen Titeltrack. Wem kann man nun trauen? Na, diesem Trio hier. Die schicken dich nämlich mit Wah Wah-Gitarre, Blubber-Elektro, Fiep und Säusel gleich auf die nächste grüne Wolke. Aber keine Angst, man befindet sich in guten Händen. Keine Bewegung zu schnell, kein Gedanke zu hektisch, hier schälen sich angenehme Emotionen aus der Hirnrinde, verweilen einen schönen Moment und sagen sanft Auf Wiedersehen. Morcheeba lassen einen aber nicht in der benebelten Stimmung zurück. Wie der persönliche Gutenmorgen-Gruß zieht "Almost Done" den Hörer wieder ein Stück empor. Gerade so weit, um am Kaffee nippen zu können. Das abschließende "End Title" entschwindet in satten zwei Minütchen als funkige, gut gelaunte Arschwackel-Reprise des Openers "Moog Island" um die Ecke. Das Photoshop Philipp-Cover lässt vielleicht anderes vermuten, aber "Who Can You Trust?" stellt aufgrund seiner Kompaktheit, der grandiosen Kompositionen und der absolut relaxten Stimmung ein Highlight des Trip Hops dar. Über dieses Juwel muss jeder Liebhaber entspannter Zwirbelmusik irgendwann stolpern. Oder schweben. Je, nachdem. © Laut
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Trip Hop - Erschienen am 15. März 2018 | Dangervisit

Archive, Teil vier. Wir erinnern uns: Mitte der 90er Jahre veröffentlicht die britische Band ein umwerfend schönes Triphop-Album, das dummerweise nur in Frankreich wahrgenommen wird. Nachdem die nächste Platte unter kräftiger Mithilfe der Plattenfirma floppt, verschwinden Archive in den Archiven der Geschichte. 2002 meldet man sich wieder zurück, klingt plötzlich wie Pink Floyd und erntet letztendlich doch noch Erfolg. "Noise" setzt den erfolgreichen Weg fort, den "You All Look The Same To Me" einschlug. Nicht mehr ganz so extrem in den (dunklen) Wolken schwebend, mehr down-to-earth gibt man sich 2004. Soll heißen, es gibt noch mehr Gitarren als schon beim letzten Mal zu hören, der psychedelische Anteil ist - obwohl noch immer deutlich spürbar - zwei Stufen zurück geschraubt. Beides tut dem Album keinen Abbruch. Mit dem Opener "Noise" und dem verzweifelt krachigen "Fuck U" erklingen zwei der Top-Songs gleich zu Beginn. Auch "Waste" kann sich nach vier Minuten Anlaufzeit noch zum Brenner entwickeln. Von zeitlicher Beschränkung und Format-Radio-Bullshit halten Archive noch immer nichts, Gott sei Dank! Denn es sind gerade sperrige Songs wie diese, die die Eigenständigkeit und Klasse von Archive ausmachen. "Sleep" ist zwar noch immer gelungen, fällt im Gegensatz zu den Vorgängern aber leider ein wenig ab. Nach dem kurzen Zwischenspiel "Here" kann "Get Out" dann allerdings wieder voll punkten. Craig Walker singt und schreit sich über knackigen Gitarren, Streichern und Piano die verzweifelte Seele aus dem Leib. "Pulse" drückt und pocht da beharrlich in eine ähnliche Richtung, verzerrte Gitarren, Orgeln und Walkers Stimme im Endlosloop sind mit dabei. Es sind Momente wie diese, in denen man sich fragt, was Roger Waters eigentlich zur Zeit so macht. Als Bonus bietet die CD außerdem per Internet einen Zugang zu unveröffentlichten Stücken, Videos und weiterem Material. Allerdings nur, wenn man einiges an persönlichen Daten rausrückt. © Laut
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Trip Hop - Erschienen am 15. März 2018 | Dangervisit

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Trip Hop - Erschienen am 24. Januar 2020 | Allo Floride Artist Services

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Trip Hop - Erschienen am 25. September 1995 | Warp Records

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