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Die Alben

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Gesamtaufnahmen von Opern - Erschienen am 13. Oktober 2017 | Signum Records

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 5 de Diapason - Gramophone Editor's Choice
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Klassik - Erschienen am 3. September 2013 | Chandos

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 5 de Diapason - Hi-Res Audio
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Klassik - Erschienen am 4. Oktober 2019 | Academy of Ancient Music

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 5 de Diapason
Aus zwei Gründen hat Händels Passionsoratorium „Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesus“ (gemeinhin „Brockes-Passion“ genannt) im heutigen Konzertbetrieb einen schweren Stand: Zum einen wirkt die Dichtung des Hamburger Ratsherrn Barthold Heinrich Brockes, die den Christenmenschen mit drastischen Bildern rühren will, etwas befremdlich, sofern man sich nicht wirklich auf sie einlässt, zum anderen sind die Arien und Chöre im Vergleich zu Bachs oratorischen Passionen recht kurz. Aber genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis dieses Werks: Händel schrieb es in London als Auftragskomposition, und es ist faszinierend, wie gut er rund zehn Jahre nach seinem Weggang aus Hamburg die dortigen Gepflogenheiten noch kannte und bediente. Ihm ging es weniger um eine subtile Ausdeutung des ohnehin schon klaren Textes als vielmehr um die klangliche Umsetzung des Grundaffekts, und das ist ihm hervorragend gelungen. Nach August Wenzingers Pioniertat (1967) haben Nicholas McGegan (1985), Peter Neumann (2009) und Laurence Cummings (2017) mit jeweils recht guten Aufnahmen zusätzliche Beweise dafür erbracht, dass Händels einziges deutschsprachiges Sakralwerk größeren Formats wirklich gut „funktioniert“. 2019, dreihundert Jahre nach der Erstaufführung, sind gleich vier weitere Studioproduktionen entstanden, von denen zwei nunmehr vorliegen (die Aufnahmen von Stefan Schultz und Jonathan Cohen sollen 2020 erscheinen). Dabei hat die Academy of Ancient Music mit einer Neuedition, die nicht nur alle Varianten, sondern auch die von Charles Jennens ins Englische übersetzten Teile berücksichtigt, einen enormen Aufwand betrieben. Ein 220 Seiten starkes Beiheft informiert ausführlich über philologische und aufführungspraktische Detailfragen sowie über den musikalischen, historischen und kulinarischen (sic!) Kontext, und mit einer Diskografie, die auch Einspielungen anderer Vertonungen von Brockes’ Libretto berücksichtigt, sowie zahlreichen Faksimiles genügt diese eindrucksvolle Publikation auf jeden Fall schon wissenschaftlichen Ansprüchen. Interpretatorisch bleibt Richard Egarr aber ungeachtet des exzellenten Spiels der AAM einiges schuldig: Mit wenig überzeugenden Argumenten versuchen er und sein Team alles, was man über die Hamburger Aufführungspraxis weiß, wegzudiskutieren, um einen großen Chor (je fünf Sänger pro Stimme) und Solisten mit wuchtigen Opernstimmen zu rechtfertigen. Lars Ulrik Mortensen beschränkt sich in der Vergleichseinspielung auf neun Solisten, die zusammen den Chor bilden, und kommt damit zu einem nicht nur transparenteren, sondern auch dramatischeren Ergebnis. Während Egarr auch auf unbetonten Silben bzw. Zählzeiten einen sostenuten Klang produzieren lässt, hält Mortensen seine Sänger und Spieler zu einer rhetorischen Deklamation an, was den Predigtcharakter der Brockes-Passion unterstreicht. Egarr neigt zu gehetzten Tempi (völlig verfehlt: „Dem Himmel gleicht sein bunt gestriemter Rücken“) und nimmt beispielsweise den Choral „Ach, wie hungert mein Gemüte“ fast doppelt so schnell wie Mortensen, der sich durchweg am Tempo ordinario orientiert. Auch die Aussprache des Deutschen ist in Mortensens Solistenriege deutlich besser als in Egarrs, in der oftmals ein starker englischer Akzent stört. Immerhin bietet die britische Produktion das edlere instrumentale und aufnahmetechnische Klangbild. Philologisch geht der Punkt also an Egarr, interpretatorisch klar an Mortensen. © Hengelbrock, Matthias / www.fonoforum.de