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Die Alben

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Alternativ und Indie - Erschienen am 25. Juni 2021 | Glitterhouse Records

"Stuttgart 21" ist ein - vom hohlen 'wird nicht fertig'-Gag abgesehen - feiner Albumtitel (siehe das Cover, das Suche, Ungewissheit, aktives Erforschen eines abstrakten Dings symbolisieren könnte), aber man stapelt auch tief im Lokalkolorit. Schließlich handelt es sich um den ersten richtigen Albumrelease eines der einflussreichsten und verdientesten Bassisten und Songschreibers der deutschen Gegenwart, releast auf dem Label seiner Hauptband und damit dem deutschen Indie-Label schlechthin. Julian Knoth aka Peter Muffin spielt im Peter Muffin Trio aber gar nicht Bass, das erledigt die bislang nur wenig, vor allem von Muffins Solotouren bekannte Cali d'Orville. Julians Bruder Philipp spielt Schlagzeug. "Stuttgart 21" bleibt trotz nomineller Vollbesetzung dem distinktiven Stil des Solo-Outputs von Peter Muffin treu, erweitert dabei allerdings das Soundspektrum, lockert die Herangehensweise und versucht sich gleichzeitig an einer Professionalisierung des Sounds, die bisher selbst Max Rieger als Peter Muffin-Produzent nicht gelungen ist. Wie beim Stuttgarter Bauprojekt mag die Idee gut sein, die Ausführung beginnt aber mit Mäkeln, um nicht zu sagen, veritablen Konstruktionsfehlern: "An Allen Tagen" rumpelt voran im Akustik-Demo-Sound, der es in der Qualität nicht auf Muffins Solo-Schrammel-EPs geschafft hätte. Der Leadsingle "Supercool" ist Kunstakademie-Quatsch, ein nerviger Zitterpopsong ohne Fokus, samt unlustigem One-Trick-Pony-Gag, das haben Art Brut vor vielen Jahren besser (und immer noch schlecht) gemacht. Deutsche Musiker*innen haben selten ein Händchen für Singles, deshalb bleibt "Supercool" hier die uncoole Ausnahme. Schon der dritte Track "Wir Sehen Uns Morgen" korrigiert die Ausrutscher, ein durch und durch düsteres, dystopisches ("für einen Moment war da Realität / für einen Moment war da Wirklichkeit") Brett Richtung Philipps Ex-Band Karies mit einem geifernden, brüllenden Peter und Pixies-würdigen Tempo-Hoch-Tempo-Runter. Nachdem die Handbremse gelockert ist, schält sich das durchgehend bis ins Zahnfleisch gehende Bassmonster "Winter" heran, viereinhalb Minuten vertonte Gletschermoräne. Das können so auch die anderen badischen Lokalmatadoren Human Abfall nicht. Mit "Winter" gelingt der Prototyp des Stuttgart-Post-Punk-Songs schlechthin, garniert mit Rausschmeiß-Bläsern am Ende. Julian zeigt bei der Gelegenheit seine beste Performance als Sänger überhaupt. Statt wie bei den Nerven den erdigeren Co-Part zu Riegers Feldwebelstimme zu spielen, oder die begrenzte, eigenen Stimmgewalt auf "Ich Und Meine 1000 Freunde" zu umgehen, schreibt Knoth für seine näselnde, immer etwas weinerliche und schnell kippende Stimme. Punk eben. "Zu Tun" zeigt wie "An Allen Tagen" hätte besser sein können: mit Clap-Trap und genialem Groove und geballter Faust in der Tasche ("Alles wird gut / aber leider steh' ich zu sehr neben mir"). Als Texter bleibt Julian eine absolute Bank, eine schönere Selbstzerfleischung bekommt man im deutschen Sprachraum zumindest solange nicht geboten, wie Dirk von Lotzow noch "Kunst" und Thees Uhlmann Kasse machen will. Spätestens der zweite Ausbruch von "Zu Tun" zeigt dann, dass "Stuttgart 21" Meilen über dem Wütende-Jungs-Standard der Szene liegt, wenn Bass-Vocoder und Schlagzeugspiel mal eben den Boden aufwischen, ganz ohne Gitarre. Das Rückgrat aller Songs bleibt der Bass, Jimmy Johnson erledigte auf "Amused To Death" ja auch einen guten Job. D'Orville macht ihren sogar hanebüchen gut und hebt "Stuttgart 21" mühelos über das zu satte "Fake". "Immer Im Weg" beschließt den Reigen grandioser Songs, gleichzeitig markiert es das Album- und bisherige Schaffenshighlight von Muffin. Allein der Tempowechsel nach dem Intro wischt das Werk ganzer Generationen von deutschen Musikern weg. Einem Song mit so viel Schneid läuft Farin seit 30 Jahren vergeblich hinterher. "Immer Im Weg" könnte – wörtlich mit dem übersetzten Text – auf "Halcyon Digest" oder "Pom Pom" auftauchen, so verdammt elegant und kantig zugleich gibt sich der Song. Auf grandios folgt gut: Das nette "Falsche Richtung SUV" marschiert wie ein okayer Fehlfarben-Song, "Melancholie" zeigt "Supercool", dass Art-Punk mit etwas Coolness nicht peinlich sein muss und bedient sich dabei erneut eines schepprigen Basses und schiefer Bläser. "Ich Kann Nicht Warten" verschenkt den großartigen Wall-Of-Sound-Anfang mit Frusciante-Spätwerk-Synthesizer-Gefrickel. "Fehler", erneut ein cooler, eher langsamer Groover, fehlt die Zackigkeit von Gang Of Four und gerät dadurch ein Stück egal. Der Closer "Stuttgart Am Meer" reißt zwar noch mal ab, gefällt sich aber auch ein Stück weit zu sehr in der eigenen Vernichtungsorgie, die wieder d'Orville mit einer magenschlagenden Bassfigur trägt, Gitarre und Schlagzeug können hier nicht mithalten. Staatsfinanzen und deutscher Punk teilen nunmehr ein Joch: "Stuttgart 21" entwickelt sich zur Belastungsprobe, zur musikalisch kaum zu bewältigenden Sprosse in der Leiter namens Zukunft. Denn immer, wenn d'Orville die Finger spitzt und die Jungs windschief in die Trompeten tröten, wenn Julian Knoth die Keule auspackt, fühlt sich Stuttgart-Esslingen wie Seattle an. In Proberäumen im Badischen, in Münster, Leipzig, Hamburg und Berlin hören manche Messerjungen und tausende Robota hoffentlich gut zu. "Stuttgart 21" hat vielleicht etwas zu viel Ballast für einen Meilenstein, bleibt aber unübersehbar stehen. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 15. Juni 2021 | Glitterhouse Records

"Stuttgart 21" ist ein - vom hohlen 'wird nicht fertig'-Gag abgesehen - feiner Albumtitel (siehe das Cover, das Suche, Ungewissheit, aktives Erforschen eines abstrakten Dings symbolisieren könnte), aber man stapelt auch tief im Lokalkolorit. Schließlich handelt es sich um den ersten richtigen Albumrelease eines der einflussreichsten und verdientesten Bassisten und Songschreibers der deutschen Gegenwart, releast auf dem Label seiner Hauptband und damit dem deutschen Indie-Label schlechthin. Julian Knoth aka Peter Muffin spielt im Peter Muffin Trio aber gar nicht Bass, das erledigt die bislang nur wenig, vor allem von Muffins Solotouren bekannte Cali d'Orville. Julians Bruder Philipp spielt Schlagzeug. "Stuttgart 21" bleibt trotz nomineller Vollbesetzung dem distinktiven Stil des Solo-Outputs von Peter Muffin treu, erweitert dabei allerdings das Soundspektrum, lockert die Herangehensweise und versucht sich gleichzeitig an einer Professionalisierung des Sounds, die bisher selbst Max Rieger als Peter Muffin-Produzent nicht gelungen ist. Wie beim Stuttgarter Bauprojekt mag die Idee gut sein, die Ausführung beginnt aber mit Mäkeln, um nicht zu sagen, veritablen Konstruktionsfehlern: "An Allen Tagen" rumpelt voran im Akustik-Demo-Sound, der es in der Qualität nicht auf Muffins Solo-Schrammel-EPs geschafft hätte. Der Leadsingle "Supercool" ist Kunstakademie-Quatsch, ein nerviger Zitterpopsong ohne Fokus, samt unlustigem One-Trick-Pony-Gag, das haben Art Brut vor vielen Jahren besser (und immer noch schlecht) gemacht. Deutsche Musiker*innen haben selten ein Händchen für Singles, deshalb bleibt "Supercool" hier die uncoole Ausnahme. Schon der dritte Track "Wir Sehen Uns Morgen" korrigiert die Ausrutscher, ein durch und durch düsteres, dystopisches ("für einen Moment war da Realität / für einen Moment war da Wirklichkeit") Brett Richtung Philipps Ex-Band Karies mit einem geifernden, brüllenden Peter und Pixies-würdigen Tempo-Hoch-Tempo-Runter. Nachdem die Handbremse gelockert ist, schält sich das durchgehend bis ins Zahnfleisch gehende Bassmonster "Winter" heran, viereinhalb Minuten vertonte Gletschermoräne. Das können so auch die anderen badischen Lokalmatadoren Human Abfall nicht. Mit "Winter" gelingt der Prototyp des Stuttgart-Post-Punk-Songs schlechthin, garniert mit Rausschmeiß-Bläsern am Ende. Julian zeigt bei der Gelegenheit seine beste Performance als Sänger überhaupt. Statt wie bei den Nerven den erdigeren Co-Part zu Riegers Feldwebelstimme zu spielen, oder die begrenzte, eigenen Stimmgewalt auf "Ich Und Meine 1000 Freunde" zu umgehen, schreibt Knoth für seine näselnde, immer etwas weinerliche und schnell kippende Stimme. Punk eben. "Zu Tun" zeigt wie "An Allen Tagen" hätte besser sein können: mit Clap-Trap und genialem Groove und geballter Faust in der Tasche ("Alles wird gut / aber leider steh' ich zu sehr neben mir"). Als Texter bleibt Julian eine absolute Bank, eine schönere Selbstzerfleischung bekommt man im deutschen Sprachraum zumindest solange nicht geboten, wie Dirk von Lotzow noch "Kunst" und Thees Uhlmann Kasse machen will. Spätestens der zweite Ausbruch von "Zu Tun" zeigt dann, dass "Stuttgart 21" Meilen über dem Wütende-Jungs-Standard der Szene liegt, wenn Bass-Vocoder und Schlagzeugspiel mal eben den Boden aufwischen, ganz ohne Gitarre. Das Rückgrat aller Songs bleibt der Bass, Jimmy Johnson erledigte auf "Amused To Death" ja auch einen guten Job. D'Orville macht ihren sogar hanebüchen gut und hebt "Stuttgart 21" mühelos über das zu satte "Fake". "Immer Im Weg" beschließt den Reigen grandioser Songs, gleichzeitig markiert es das Album- und bisherige Schaffenshighlight von Muffin. Allein der Tempowechsel nach dem Intro wischt das Werk ganzer Generationen von deutschen Musikern weg. Einem Song mit so viel Schneid läuft Farin seit 30 Jahren vergeblich hinterher. "Immer Im Weg" könnte – wörtlich mit dem übersetzten Text – auf "Halcyon Digest" oder "Pom Pom" auftauchen, so verdammt elegant und kantig zugleich gibt sich der Song. Auf grandios folgt gut: Das nette "Falsche Richtung SUV" marschiert wie ein okayer Fehlfarben-Song, "Melancholie" zeigt "Supercool", dass Art-Punk mit etwas Coolness nicht peinlich sein muss und bedient sich dabei erneut eines schepprigen Basses und schiefer Bläser. "Ich Kann Nicht Warten" verschenkt den großartigen Wall-Of-Sound-Anfang mit Frusciante-Spätwerk-Synthesizer-Gefrickel. "Fehler", erneut ein cooler, eher langsamer Groover, fehlt die Zackigkeit von Gang Of Four und gerät dadurch ein Stück egal. Der Closer "Stuttgart Am Meer" reißt zwar noch mal ab, gefällt sich aber auch ein Stück weit zu sehr in der eigenen Vernichtungsorgie, die wieder d'Orville mit einer magenschlagenden Bassfigur trägt, Gitarre und Schlagzeug können hier nicht mithalten. Staatsfinanzen und deutscher Punk teilen nunmehr ein Joch: "Stuttgart 21" entwickelt sich zur Belastungsprobe, zur musikalisch kaum zu bewältigenden Sprosse in der Leiter namens Zukunft. Denn immer, wenn d'Orville die Finger spitzt und die Jungs windschief in die Trompeten tröten, wenn Julian Knoth die Keule auspackt, fühlt sich Stuttgart-Esslingen wie Seattle an. In Proberäumen im Badischen, in Münster, Leipzig, Hamburg und Berlin hören manche Messerjungen und tausende Robota hoffentlich gut zu. "Stuttgart 21" hat vielleicht etwas zu viel Ballast für einen Meilenstein, bleibt aber unübersehbar stehen. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 18. Mai 2021 | Glitterhouse Records

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Alternativ und Indie - Erschienen am 14. Mai 2021 | Claudius Mach

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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Mai 2021 | Glitterhouse Records

"Stuttgart 21" ist ein - vom hohlen 'wird nicht fertig'-Gag abgesehen - feiner Albumtitel (siehe das Cover, das Suche, Ungewissheit, aktives Erforschen eines abstrakten Dings symbolisieren könnte), aber man stapelt auch tief im Lokalkolorit. Schließlich handelt es sich um den ersten richtigen Albumrelease eines der einflussreichsten und verdientesten Bassisten und Songschreibers der deutschen Gegenwart, releast auf dem Label seiner Hauptband und damit dem deutschen Indie-Label schlechthin. Julian Knoth aka Peter Muffin spielt im Peter Muffin Trio aber gar nicht Bass, das erledigt die bislang nur wenig, vor allem von Muffins Solotouren bekannte Cali d'Orville. Julians Bruder Philipp spielt Schlagzeug. "Stuttgart 21" bleibt trotz nomineller Vollbesetzung dem distinktiven Stil des Solo-Outputs von Peter Muffin treu, erweitert dabei allerdings das Soundspektrum, lockert die Herangehensweise und versucht sich gleichzeitig an einer Professionalisierung des Sounds, die bisher selbst Max Rieger als Peter Muffin-Produzent nicht gelungen ist. Wie beim Stuttgarter Bauprojekt mag die Idee gut sein, die Ausführung beginnt aber mit Mäkeln, um nicht zu sagen, veritablen Konstruktionsfehlern: "An Allen Tagen" rumpelt voran im Akustik-Demo-Sound, der es in der Qualität nicht auf Muffins Solo-Schrammel-EPs geschafft hätte. Der Leadsingle "Supercool" ist Kunstakademie-Quatsch, ein nerviger Zitterpopsong ohne Fokus, samt unlustigem One-Trick-Pony-Gag, das haben Art Brut vor vielen Jahren besser (und immer noch schlecht) gemacht. Deutsche Musiker*innen haben selten ein Händchen für Singles, deshalb bleibt "Supercool" hier die uncoole Ausnahme. Schon der dritte Track "Wir Sehen Uns Morgen" korrigiert die Ausrutscher, ein durch und durch düsteres, dystopisches ("für einen Moment war da Realität / für einen Moment war da Wirklichkeit") Brett Richtung Philipps Ex-Band Karies mit einem geifernden, brüllenden Peter und Pixies-würdigen Tempo-Hoch-Tempo-Runter. Nachdem die Handbremse gelockert ist, schält sich das durchgehend bis ins Zahnfleisch gehende Bassmonster "Winter" heran, viereinhalb Minuten vertonte Gletschermoräne. Das können so auch die anderen badischen Lokalmatadoren Human Abfall nicht. Mit "Winter" gelingt der Prototyp des Stuttgart-Post-Punk-Songs schlechthin, garniert mit Rausschmeiß-Bläsern am Ende. Julian zeigt bei der Gelegenheit seine beste Performance als Sänger überhaupt. Statt wie bei den Nerven den erdigeren Co-Part zu Riegers Feldwebelstimme zu spielen, oder die begrenzte, eigenen Stimmgewalt auf "Ich Und Meine 1000 Freunde" zu umgehen, schreibt Knoth für seine näselnde, immer etwas weinerliche und schnell kippende Stimme. Punk eben. "Zu Tun" zeigt wie "An Allen Tagen" hätte besser sein können: mit Clap-Trap und genialem Groove und geballter Faust in der Tasche ("Alles wird gut / aber leider steh' ich zu sehr neben mir"). Als Texter bleibt Julian eine absolute Bank, eine schönere Selbstzerfleischung bekommt man im deutschen Sprachraum zumindest solange nicht geboten, wie Dirk von Lotzow noch "Kunst" und Thees Uhlmann Kasse machen will. Spätestens der zweite Ausbruch von "Zu Tun" zeigt dann, dass "Stuttgart 21" Meilen über dem Wütende-Jungs-Standard der Szene liegt, wenn Bass-Vocoder und Schlagzeugspiel mal eben den Boden aufwischen, ganz ohne Gitarre. Das Rückgrat aller Songs bleibt der Bass, Jimmy Johnson erledigte auf "Amused To Death" ja auch einen guten Job. D'Orville macht ihren sogar hanebüchen gut und hebt "Stuttgart 21" mühelos über das zu satte "Fake". "Immer Im Weg" beschließt den Reigen grandioser Songs, gleichzeitig markiert es das Album- und bisherige Schaffenshighlight von Muffin. Allein der Tempowechsel nach dem Intro wischt das Werk ganzer Generationen von deutschen Musikern weg. Einem Song mit so viel Schneid läuft Farin seit 30 Jahren vergeblich hinterher. "Immer Im Weg" könnte – wörtlich mit dem übersetzten Text – auf "Halcyon Digest" oder "Pom Pom" auftauchen, so verdammt elegant und kantig zugleich gibt sich der Song. Auf grandios folgt gut: Das nette "Falsche Richtung SUV" marschiert wie ein okayer Fehlfarben-Song, "Melancholie" zeigt "Supercool", dass Art-Punk mit etwas Coolness nicht peinlich sein muss und bedient sich dabei erneut eines schepprigen Basses und schiefer Bläser. "Ich Kann Nicht Warten" verschenkt den großartigen Wall-Of-Sound-Anfang mit Frusciante-Spätwerk-Synthesizer-Gefrickel. "Fehler", erneut ein cooler, eher langsamer Groover, fehlt die Zackigkeit von Gang Of Four und gerät dadurch ein Stück egal. Der Closer "Stuttgart Am Meer" reißt zwar noch mal ab, gefällt sich aber auch ein Stück weit zu sehr in der eigenen Vernichtungsorgie, die wieder d'Orville mit einer magenschlagenden Bassfigur trägt, Gitarre und Schlagzeug können hier nicht mithalten. Staatsfinanzen und deutscher Punk teilen nunmehr ein Joch: "Stuttgart 21" entwickelt sich zur Belastungsprobe, zur musikalisch kaum zu bewältigenden Sprosse in der Leiter namens Zukunft. Denn immer, wenn d'Orville die Finger spitzt und die Jungs windschief in die Trompeten tröten, wenn Julian Knoth die Keule auspackt, fühlt sich Stuttgart-Esslingen wie Seattle an. In Proberäumen im Badischen, in Münster, Leipzig, Hamburg und Berlin hören manche Messerjungen und tausende Robota hoffentlich gut zu. "Stuttgart 21" hat vielleicht etwas zu viel Ballast für einen Meilenstein, bleibt aber unübersehbar stehen. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 16. April 2021 | Glitterhouse Records

"Stuttgart 21" ist ein - vom hohlen 'wird nicht fertig'-Gag abgesehen - feiner Albumtitel (siehe das Cover, das Suche, Ungewissheit, aktives Erforschen eines abstrakten Dings symbolisieren könnte), aber man stapelt auch tief im Lokalkolorit. Schließlich handelt es sich um den ersten richtigen Albumrelease eines der einflussreichsten und verdientesten Bassisten und Songschreibers der deutschen Gegenwart, releast auf dem Label seiner Hauptband und damit dem deutschen Indie-Label schlechthin. Julian Knoth aka Peter Muffin spielt im Peter Muffin Trio aber gar nicht Bass, das erledigt die bislang nur wenig, vor allem von Muffins Solotouren bekannte Cali d'Orville. Julians Bruder Philipp spielt Schlagzeug. "Stuttgart 21" bleibt trotz nomineller Vollbesetzung dem distinktiven Stil des Solo-Outputs von Peter Muffin treu, erweitert dabei allerdings das Soundspektrum, lockert die Herangehensweise und versucht sich gleichzeitig an einer Professionalisierung des Sounds, die bisher selbst Max Rieger als Peter Muffin-Produzent nicht gelungen ist. Wie beim Stuttgarter Bauprojekt mag die Idee gut sein, die Ausführung beginnt aber mit Mäkeln, um nicht zu sagen, veritablen Konstruktionsfehlern: "An Allen Tagen" rumpelt voran im Akustik-Demo-Sound, der es in der Qualität nicht auf Muffins Solo-Schrammel-EPs geschafft hätte. Der Leadsingle "Supercool" ist Kunstakademie-Quatsch, ein nerviger Zitterpopsong ohne Fokus, samt unlustigem One-Trick-Pony-Gag, das haben Art Brut vor vielen Jahren besser (und immer noch schlecht) gemacht. Deutsche Musiker*innen haben selten ein Händchen für Singles, deshalb bleibt "Supercool" hier die uncoole Ausnahme. Schon der dritte Track "Wir Sehen Uns Morgen" korrigiert die Ausrutscher, ein durch und durch düsteres, dystopisches ("für einen Moment war da Realität / für einen Moment war da Wirklichkeit") Brett Richtung Philipps Ex-Band Karies mit einem geifernden, brüllenden Peter und Pixies-würdigen Tempo-Hoch-Tempo-Runter. Nachdem die Handbremse gelockert ist, schält sich das durchgehend bis ins Zahnfleisch gehende Bassmonster "Winter" heran, viereinhalb Minuten vertonte Gletschermoräne. Das können so auch die anderen badischen Lokalmatadoren Human Abfall nicht. Mit "Winter" gelingt der Prototyp des Stuttgart-Post-Punk-Songs schlechthin, garniert mit Rausschmeiß-Bläsern am Ende. Julian zeigt bei der Gelegenheit seine beste Performance als Sänger überhaupt. Statt wie bei den Nerven den erdigeren Co-Part zu Riegers Feldwebelstimme zu spielen, oder die begrenzte, eigenen Stimmgewalt auf "Ich Und Meine 1000 Freunde" zu umgehen, schreibt Knoth für seine näselnde, immer etwas weinerliche und schnell kippende Stimme. Punk eben. "Zu Tun" zeigt wie "An Allen Tagen" hätte besser sein können: mit Clap-Trap und genialem Groove und geballter Faust in der Tasche ("Alles wird gut / aber leider steh' ich zu sehr neben mir"). Als Texter bleibt Julian eine absolute Bank, eine schönere Selbstzerfleischung bekommt man im deutschen Sprachraum zumindest solange nicht geboten, wie Dirk von Lotzow noch "Kunst" und Thees Uhlmann Kasse machen will. Spätestens der zweite Ausbruch von "Zu Tun" zeigt dann, dass "Stuttgart 21" Meilen über dem Wütende-Jungs-Standard der Szene liegt, wenn Bass-Vocoder und Schlagzeugspiel mal eben den Boden aufwischen, ganz ohne Gitarre. Das Rückgrat aller Songs bleibt der Bass, Jimmy Johnson erledigte auf "Amused To Death" ja auch einen guten Job. D'Orville macht ihren sogar hanebüchen gut und hebt "Stuttgart 21" mühelos über das zu satte "Fake". "Immer Im Weg" beschließt den Reigen grandioser Songs, gleichzeitig markiert es das Album- und bisherige Schaffenshighlight von Muffin. Allein der Tempowechsel nach dem Intro wischt das Werk ganzer Generationen von deutschen Musikern weg. Einem Song mit so viel Schneid läuft Farin seit 30 Jahren vergeblich hinterher. "Immer Im Weg" könnte – wörtlich mit dem übersetzten Text – auf "Halcyon Digest" oder "Pom Pom" auftauchen, so verdammt elegant und kantig zugleich gibt sich der Song. Auf grandios folgt gut: Das nette "Falsche Richtung SUV" marschiert wie ein okayer Fehlfarben-Song, "Melancholie" zeigt "Supercool", dass Art-Punk mit etwas Coolness nicht peinlich sein muss und bedient sich dabei erneut eines schepprigen Basses und schiefer Bläser. "Ich Kann Nicht Warten" verschenkt den großartigen Wall-Of-Sound-Anfang mit Frusciante-Spätwerk-Synthesizer-Gefrickel. "Fehler", erneut ein cooler, eher langsamer Groover, fehlt die Zackigkeit von Gang Of Four und gerät dadurch ein Stück egal. Der Closer "Stuttgart Am Meer" reißt zwar noch mal ab, gefällt sich aber auch ein Stück weit zu sehr in der eigenen Vernichtungsorgie, die wieder d'Orville mit einer magenschlagenden Bassfigur trägt, Gitarre und Schlagzeug können hier nicht mithalten. Staatsfinanzen und deutscher Punk teilen nunmehr ein Joch: "Stuttgart 21" entwickelt sich zur Belastungsprobe, zur musikalisch kaum zu bewältigenden Sprosse in der Leiter namens Zukunft. Denn immer, wenn d'Orville die Finger spitzt und die Jungs windschief in die Trompeten tröten, wenn Julian Knoth die Keule auspackt, fühlt sich Stuttgart-Esslingen wie Seattle an. In Proberäumen im Badischen, in Münster, Leipzig, Hamburg und Berlin hören manche Messerjungen und tausende Robota hoffentlich gut zu. "Stuttgart 21" hat vielleicht etwas zu viel Ballast für einen Meilenstein, bleibt aber unübersehbar stehen. © Laut
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CD1,59 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 7. April 2021 | Claudius Mach

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Alternativ und Indie - Erschienen am 27. November 2020 | Glitterhouse Records

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Alternativ und Indie - Erschienen am 27. November 2020 | Count & Countess

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Alternativ und Indie - Erschienen am 20. November 2020 | Glitterhouse Records

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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. November 2020 | GRAND CHESS

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Alternativ und Indie - Erschienen am 6. November 2020 | Glitterhouse Records

Max Rieger ist nach vierjähriger Abstinenz mit seinem hochgelobten Solo-Projekt All Diese Gewalt zurück. Zwischendurch hat er mit Die Nerven und "Fake" den Status als Speerspitze des 'intellektuellen' (Post-)Rock untermauert und mit Obstler verstörenden, also erfolgreichen Black Metal praktiziert. Dass er auch Künstlerinnen und Künstlern des Anti-Mainstreams wie Drangsal und Mia Morgan seine Dienste am Regler bereitstellt, muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden. Der Eindruck verfestigt sich, dass der lange Kerl aus Esslingen gerade nicht so viel falsch macht und falsch machen kann, ganz so wie Noel Gallagher einst zu Thom Yorke und seine Band Radiohead zum Besten gab: "Selbst wenn Thom Yorke in eine Glühbirne scheißt, bekommen sie eine 9/10." Nun hat Rieger ein neues Album vorgelegt, dessen vorab erschienene Tracks einen Kurswechsel angedeutet haben. Ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit ist "Andere" indes nicht geworden, zu groß in der Zahl sind die Anknüpfungspunkte an frühere Sachen und zu ausgeprägt und vordergründig der eigenständige Sound, der das Projekt auszeichnet. Sein Händchen für in Hirnwindungen einsickernde Oneliner wie "Alles was wir waren, sind längst nicht mehr wir" hat er sich erhalten, genau wie die Fähigkeit, das Gefühl von Fremdbestimmung und Stasis in der Abstraktion und im Unverbindlichen zu fixieren. Dennoch fällt das Gesamtergebnis weniger mäandernd aus, als wir es noch von "Welt in Klammern" oder "Kein Punkt wird mehr fixiert" kennen. In der Vergangenheit hat Rieger auf Solopfaden seine Musik um Drones installiert. Beinahe stehende, lang gezogene Sounds, aus denen heraus sich organisch die Melodien winden und entfalten, während um einen herum recht unkoordiniert Kuhglocken, Grillenzirpen oder Meeresrauschen zu hören sind, die den Songs eine traumartige Tiefe verleihen. Auf "Andere" finden sich nur noch hie und da kleinere Sound-Spielereien wie zum Beispiel die Klanghölzer in "Dein" oder der Hall auf der Stimme in "Etwas Passiert", das eine zarte Aufbruchstimmung verbreitet - für Max Rieger-Fans eher ungewohnt. Wo früher Ambient-Landschaften scheinbar willkürlich wuchern und in die Höhe sprossen und Rieger weitgehend verstummte, schiebt sich nun der exaltierte Gesang in den Vordergrund und schrammt haarscharf am Affektierten vorbei. Das ist nicht unbedingt als Kritikpunkt zu verstehen, denn seine Zeilen leben vom starken Ausdruck. Wenn er singt: "Ich weiß, ich bin zu viel / ein gehetztes Tier" und die Reimwörter in "Halte Mich" wie Kaugummi in die Länge zieht, verfehlt das durchaus nicht seine Wirkung und sorgt gleich zu Beginn für ein starkes Break. Es dominieren Bombast und Theatralik, des Öfteren wähnt man sich in einem neuen Film von Christopher Nolan. Es wummert, vibriert und dröhnt aus den Boxen, während nach vorne treibende Gitarren-Spuren und Drums das Ganze irgendwie festzurren und die Hörer ans Ziel geleiten. Mit der Poetisierung der Welt ist es vorbei, gibt Rieger in einem Interview zu verstehen, Einfachheit ist jetzt das bestimmende Prinzip auf "Andere". Einen ersten Hint gibt bereits das Cover: Während das mystisch-neblige Welt in Klammern noch das Portrait eines Geißenpeters mit opaken blauen Augen zierte und Introvertiertheit und Geheimnistuerei vermittelte, geht "Andere" schon rein ästhetisch auf Konfrontation und schreckt vor Gewalt nicht zurück. Die Lust zu polarisieren ist auch "Erfolgreiche Life" deutlich anzumerken, wobei sich der Unterschied zu Die Nerven hier besonders deutlich zeigt. Während Songs wie "Skandinavisches Design" kurz davor stehen, komplett frei zu drehen, gibt sich "Erfolgreiche Life" gemäßigt und kontrolliert und lässt vor allem nach hinten heraus den Wumms und die Konsequenz vermissen. In seiner ätzenden und gesellschaftskritischen Art passt der Track nicht so recht in den Kosmos, den Rieger bis dahin mit All Diese Gewalt etabliert hat. "Maske" entpuppt sich dagegen als waschechtes Groove-Monster mit einer Melodie, die direkt ins Ohr geht und Vorfreude auf die erste Live-Darbietung weckt. Und auch "Blind" beginnt mit einem fragilen Klavier zu dem Max Rieger seine Selbstzweifel herausquält: "Ich bleibe stumm / alles dreht sich um mich herum / wieso klingt alles aus meinem Mund / so unvorstellbar dumm?" Das leiseste Stück des Albums klingt aus mit einem torkelnden und irgendwie stolz klingenden Saxophon und leitet in den finalen Track des Albums ein, der dann auch mal mit Distortions und ja, ich glaube Vogelgezwitscher beginnt. Der technoide Titeltrack ist in seinem klimaktischen Aufbau ein würdiger Abschluss für ein Album, das sich an einer Neuausrichtigung versucht, indem es das Beste aus beiden Welten vereint: Harte Brüche und Irritation auf der einen, organische Übergange und Versunkenheit auf der anderen Seite. "Andere" besetzt demnach eine Zwischenposition im Gesamtschaffen von Max Rieger, was über weite Strecken richtig gut aufgeht. © Laut
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CD2,49 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Oktober 2020 | Glitterhouse Records

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CD2,49 Fr.

Alternativ und Indie - Erschienen am 4. September 2020 | Glitterhouse Records

Max Rieger ist nach vierjähriger Abstinenz mit seinem hochgelobten Solo-Projekt All Diese Gewalt zurück. Zwischendurch hat er mit Die Nerven und "Fake" den Status als Speerspitze des 'intellektuellen' (Post-)Rock untermauert und mit Obstler verstörenden, also erfolgreichen Black Metal praktiziert. Dass er auch Künstlerinnen und Künstlern des Anti-Mainstreams wie Drangsal und Mia Morgan seine Dienste am Regler bereitstellt, muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden. Der Eindruck verfestigt sich, dass der lange Kerl aus Esslingen gerade nicht so viel falsch macht und falsch machen kann, ganz so wie Noel Gallagher einst zu Thom Yorke und seine Band Radiohead zum Besten gab: "Selbst wenn Thom Yorke in eine Glühbirne scheißt, bekommen sie eine 9/10." Nun hat Rieger ein neues Album vorgelegt, dessen vorab erschienene Tracks einen Kurswechsel angedeutet haben. Ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit ist "Andere" indes nicht geworden, zu groß in der Zahl sind die Anknüpfungspunkte an frühere Sachen und zu ausgeprägt und vordergründig der eigenständige Sound, der das Projekt auszeichnet. Sein Händchen für in Hirnwindungen einsickernde Oneliner wie "Alles was wir waren, sind längst nicht mehr wir" hat er sich erhalten, genau wie die Fähigkeit, das Gefühl von Fremdbestimmung und Stasis in der Abstraktion und im Unverbindlichen zu fixieren. Dennoch fällt das Gesamtergebnis weniger mäandernd aus, als wir es noch von "Welt in Klammern" oder "Kein Punkt wird mehr fixiert" kennen. In der Vergangenheit hat Rieger auf Solopfaden seine Musik um Drones installiert. Beinahe stehende, lang gezogene Sounds, aus denen heraus sich organisch die Melodien winden und entfalten, während um einen herum recht unkoordiniert Kuhglocken, Grillenzirpen oder Meeresrauschen zu hören sind, die den Songs eine traumartige Tiefe verleihen. Auf "Andere" finden sich nur noch hie und da kleinere Sound-Spielereien wie zum Beispiel die Klanghölzer in "Dein" oder der Hall auf der Stimme in "Etwas Passiert", das eine zarte Aufbruchstimmung verbreitet - für Max Rieger-Fans eher ungewohnt. Wo früher Ambient-Landschaften scheinbar willkürlich wuchern und in die Höhe sprossen und Rieger weitgehend verstummte, schiebt sich nun der exaltierte Gesang in den Vordergrund und schrammt haarscharf am Affektierten vorbei. Das ist nicht unbedingt als Kritikpunkt zu verstehen, denn seine Zeilen leben vom starken Ausdruck. Wenn er singt: "Ich weiß, ich bin zu viel / ein gehetztes Tier" und die Reimwörter in "Halte Mich" wie Kaugummi in die Länge zieht, verfehlt das durchaus nicht seine Wirkung und sorgt gleich zu Beginn für ein starkes Break. Es dominieren Bombast und Theatralik, des Öfteren wähnt man sich in einem neuen Film von Christopher Nolan. Es wummert, vibriert und dröhnt aus den Boxen, während nach vorne treibende Gitarren-Spuren und Drums das Ganze irgendwie festzurren und die Hörer ans Ziel geleiten. Mit der Poetisierung der Welt ist es vorbei, gibt Rieger in einem Interview zu verstehen, Einfachheit ist jetzt das bestimmende Prinzip auf "Andere". Einen ersten Hint gibt bereits das Cover: Während das mystisch-neblige Welt in Klammern noch das Portrait eines Geißenpeters mit opaken blauen Augen zierte und Introvertiertheit und Geheimnistuerei vermittelte, geht "Andere" schon rein ästhetisch auf Konfrontation und schreckt vor Gewalt nicht zurück. Die Lust zu polarisieren ist auch "Erfolgreiche Life" deutlich anzumerken, wobei sich der Unterschied zu Die Nerven hier besonders deutlich zeigt. Während Songs wie "Skandinavisches Design" kurz davor stehen, komplett frei zu drehen, gibt sich "Erfolgreiche Life" gemäßigt und kontrolliert und lässt vor allem nach hinten heraus den Wumms und die Konsequenz vermissen. In seiner ätzenden und gesellschaftskritischen Art passt der Track nicht so recht in den Kosmos, den Rieger bis dahin mit All Diese Gewalt etabliert hat. "Maske" entpuppt sich dagegen als waschechtes Groove-Monster mit einer Melodie, die direkt ins Ohr geht und Vorfreude auf die erste Live-Darbietung weckt. Und auch "Blind" beginnt mit einem fragilen Klavier zu dem Max Rieger seine Selbstzweifel herausquält: "Ich bleibe stumm / alles dreht sich um mich herum / wieso klingt alles aus meinem Mund / so unvorstellbar dumm?" Das leiseste Stück des Albums klingt aus mit einem torkelnden und irgendwie stolz klingenden Saxophon und leitet in den finalen Track des Albums ein, der dann auch mal mit Distortions und ja, ich glaube Vogelgezwitscher beginnt. Der technoide Titeltrack ist in seinem klimaktischen Aufbau ein würdiger Abschluss für ein Album, das sich an einer Neuausrichtigung versucht, indem es das Beste aus beiden Welten vereint: Harte Brüche und Irritation auf der einen, organische Übergange und Versunkenheit auf der anderen Seite. "Andere" besetzt demnach eine Zwischenposition im Gesamtschaffen von Max Rieger, was über weite Strecken richtig gut aufgeht. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 4. September 2020 | Glitterhouse Records

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Alternativ und Indie - Erschienen am 24. Juli 2020 | Artist.M.S

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Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Juli 2020 | Claudius Mach

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Alternativ und Indie - Erschienen am 26. Juni 2020 | Count & Countess

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Alternativ und Indie - Erschienen am 19. Juni 2020 | Artist.M.S

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Alternativ und Indie - Erschienen am 29. Mai 2020 | Glitterhouse Records

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