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Die Alben

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Alternativ und Indie - Erschienen am 14. April 2021 | Rough Trade

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Alternativ und Indie - Erschienen am 26. Februar 2021 | Matador

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"Little Oblivions" keift und kratzt und dreht sich um sich selbst, bis es sich erbricht. Julien Baker setzt auf ihrem dritten Album auf Kontrollverlust. Vorbei ist der spärliche Emo-Folk auf "Sprained Ankle", vorbei sind die klar ausformulierten Piano-Balladen auf "Turn Out The Lights". "Little Oblivions" ist unendlich komplexer, ein beinahe atemberaubendes Karussell widersprüchlicher Emotionen und wildester Soundlandschaften. Immer noch blitzt Bakers Gabe hervor, aus dem Morast ihres eigenen Leidens aufzusteigen, sich wie ein Geier in die Luft zu erheben, für eine Sekunde über der Welt zu schweben, auf dass sie wieder hinabstürzt, hungrig nach mehr. Sie lässt sich in diesem Leid treiben, singt befreit von Hoffnung oder vom Verlangen nach Erlösung. Liebe ist ihr kein Ausweg aus ihrer Verzweiflung, mehr ein weiterer Grund: "There is no glory in love/ only the gore of our hearts" prangt auf dem Cover des Albums. Während sie diese Zeilen auf "Bloodshot" singt, steht die Welt um sie herum still. Das nervöse Schlagzeug und die hervorstechenden Gitarren hören auf damit, die Stille zu vertreiben. Stattdessen gehört aller Raum Baker und ihrem Klavier. Langsam, beinahe staatstragend, hallt jeder Akkord durch die verlassene Soundlandschaft. Baker fleht - und suhlt sich gleichzeitig in ihrem Leid. Hier liegt der große Unterschied zur bisherigen Arbeit: Bisher schienen die wirklichen dunklen Tage in der Vergangenheit zu liegen, sie waren nur schmerzliche Erinnerung, gegen die Baker ansang. 2021 finden die schlimmsten Momente jedoch jetzt gerade statt. Der blutige Kampf im Closer "Ziptie" ist keine Erinnerung, er ist aktive Gegenwart. Hier und Jetzt. Vorbei sind die Gewissheiten der Vergangenheit, "Little Oblivions" präsentiert eine Künstlerin, die alte Wunden aufkratzt. Paradox ist daran nur, dass die Wunden dadurch heilen. Denn wann immer Baker sich majestätisch in ihre eigenen Songs verliert, erreichen sie und die Zuhörer*innen gemeinsamen einen kathartischen Moment der Schmerzlosigkeit. Das sanfte "Repeat" schlägt kleine Haken auf dem Weg zu dieser Katharsis. Zu Beginn klingt das Klavier noch hoffnungsfroh, wie die Musik an einem sonnigen Wochenende in der Kindheit. Leichtfüßig umspielen sich Gitarre und Klavier, aller Ballast der Welt scheint ihnen fremd. Bis das Klavier aufhört und die Stimmung sich verdunkelt. Zirkulär bohrt sich das Schlagzeug in die Ohren, während der Drogentrip des Beginns endgültig zum Alptraum mutiert. "All my greatest fears turn out to be the gift of prophecy" schmettert wie ein Hammer nieder und nieder und nieder, bis der Song in sich zerfällt und nur noch einen schüchternen Ein-Frau-Chor zurücklässt. Ein offensichtlicher Vergleich für Julien Baker ist everybody's darling Phoebe Bridgers. Nicht nur haben die beiden Sängerinnen gemeinsam mit der nicht minder großartigen Lucy Dacus die Band boygenius geformt, sie teilen auch dieselbe emotionale Schonungslosigkeit. Beide graben tief in ihren Herzen, um immer neue Schatten zu beleuchten. Doch wo Bridgers ihre große Referenz in Elliott Smith gefunden hat, zieht Baker ihre Musik aus ihrem unerschütterlichen Glauben an Gott. Er schwebt über ihrem Schaffen, mit ihm hadert sie, auf ihn besinnt sie sich zurück. Auf "Relative Fiction" verwebt sie christliche Symbolik mit ihrer Identität als Suchtkranke und daraus resultierenden Ängsten um ihre Mitmenschen. "I don't need a saviour/ I need you to take me home" Anstelle einer allmächtigen, allgütigen Gestalt tritt ein stark asymmetrisches "you" als ständiger Bezugspunkt. Damit einhergehenden verliert Baker den Grund unter ihren Füßen, gefestigte Überzeugungen verschwimmen. "If I spend a weekend out on a bender/ Do I get callous or do I stay tender/ Which of these is worse, and which is better?", wundert sie sich laut in die Leere, "you" ist nur im gleichen Raum. Erst zum Schluss, wieder mit vollem Bandsound im Rücken, findet der Song seine Auflösung, ein berührender Moment der Zufrieden- und Zärtlichkeit. "I've got no business praying/ I'm finished being good/ Now I can finally be okay/ in not the way I thought I should" zeigt den Weg zu einer neuen Identität abseits alter Moralvorstellungen und heraus aus dem Dasein als "Martyr in another passion play" Immer wieder geben sich Lieder dem Rausch des "Faith Healer" hin, ständig auf der Suche nach diesen winzigen Momente der Schwerelosigkeit. "Faith Healer, come put your hands on me/ Snake Oil Dealer, I'll believe you if you make me feel something" jauchzt Baker, bietet alles an: "Everything I love, I'd trade it into feel it rushing to my chest". Dazu hetzt die Gitarre das Lied voran und voran, nach jeder Sekunde der Ruhe stürzt sie unbarmherzig wieder hinab. Drums wirken wie Schläge auf die Nervenbahnen, während ein schiefer Synthesizer alle Bösartigkeit des "Faith Healer" verkörpert. Die schwermütige Klavierballade "Crying Wolf" ertönt aus dieser Hölle des "Faith Healer". Insignien der Abstinenz wie der "day one chip" der Anonymen Alkoholiker gehen verloren, zusammen mit allem anderen. "Couldn't stand the thought of having everything to lose so I tied a knot". Ein Song der tiefsten Traurigkeit bis zur letzten Zeile, "in the evening I'll come back again." In der Zwillingsballade "Song In E" muss sich Baker hingegen mit den Auswirkungen der Selbstdestruktion auseinandersetzen. Wieder ist da dieses "you", das trotz aller Schmerzen bleibt. Nichts wünscht sich Baker in diesem Moment mehr, als dass "you" geht, sie anschreit, verstößt. "It's the mercy I can't take" Nur zweimal verschmelzen "you" und "I" zu einem zärtlichen "we" während der gesamten 43 Minuten auf "Little Oblivions". Einmal kurz vor dem Alptraum in "Relative Fiction" und im Roadtriprock "Favor". Hier überkommt Baker wieder ein Wunsch nach Nähe, oder zumindest der Möglichkeit von Nähe, dem Abriss ihrer schützenden Mauern. "I always wanna tell the truth/ But it never seems like the right time". Da scheint es nur folgerichtig, dass sie den Song nicht alleine bestreiten muss. Lieber mischen sich ihre Boygenius-Kolleginnen dazu und stützen die gepeinigte Sängerin auf den letzten Metern des Songs. Die leichtfüßige Country-Single "Heatwave" erinnert dezent an Bridgers "Graceland 2", übrigens auch mit Boygenius an den Backing Vocals, tauscht aber den hoffnungsfrohen Blick nach vorne gegen Zeilen der unmittelbaren Verzweiflung wie "Nothing to lose until everything's really gone". Dieser Fatalismus, der Flirt mit der kompletten Selbstdestruktion durchzieht auch den umwerfenden Opener "Hardline". "I can see where this is going but I can't find the brakes" schreit Baker aus sich heraus, ummantelt von düsteren Streichern und einem unbarmherzig klopfenden Schlagzeug, bis der gesamte Track kurzzeitig lärmend in sich zusammenbricht. Zu jeder Sekunde weiß die Sängerin um die kommende Destruktion, kann sich ihr aber nicht entziehen. Denn im Moment fühlt es sich gut an, besser als alles andere. " It isn't like I do this on purpose, I just forget the second I've learned it/ Looking for Little Oblivions, I'd do anything knowing you would forgive me", singt sie auf "Bloodshot" und beschreibt damit das ganze Album. "Little Oblivions" handelt nicht von den Momenten der kurzen Schmerzlosigkeit. Es handelt von der alles zerstörenden Suche nach diesen Momenten und allem Leid, das diese Suche anrichtet. Doch gleichzeitig produziert Baker daraus selbst eigene Momente der "Oblivion", in denen die Musik alles unter sich begräbt und den Schmerz vertreibt. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 26. Februar 2021 | Matador

"Little Oblivions" keift und kratzt und dreht sich um sich selbst, bis es sich erbricht. Julien Baker setzt auf ihrem dritten Album auf Kontrollverlust. Vorbei ist der spärliche Emo-Folk auf "Sprained Ankle", vorbei sind die klar ausformulierten Piano-Balladen auf "Turn Out The Lights". "Little Oblivions" ist unendlich komplexer, ein beinahe atemberaubendes Karussell widersprüchlicher Emotionen und wildester Soundlandschaften. Immer noch blitzt Bakers Gabe hervor, aus dem Morast ihres eigenen Leidens aufzusteigen, sich wie ein Geier in die Luft zu erheben, für eine Sekunde über der Welt zu schweben, auf dass sie wieder hinabstürzt, hungrig nach mehr. Sie lässt sich in diesem Leid treiben, singt befreit von Hoffnung oder vom Verlangen nach Erlösung. Liebe ist ihr kein Ausweg aus ihrer Verzweiflung, mehr ein weiterer Grund: "There is no glory in love/ only the gore of our hearts" prangt auf dem Cover des Albums. Während sie diese Zeilen auf "Bloodshot" singt, steht die Welt um sie herum still. Das nervöse Schlagzeug und die hervorstechenden Gitarren hören auf damit, die Stille zu vertreiben. Stattdessen gehört aller Raum Baker und ihrem Klavier. Langsam, beinahe staatstragend, hallt jeder Akkord durch die verlassene Soundlandschaft. Baker fleht - und suhlt sich gleichzeitig in ihrem Leid. Hier liegt der große Unterschied zur bisherigen Arbeit: Bisher schienen die wirklichen dunklen Tage in der Vergangenheit zu liegen, sie waren nur schmerzliche Erinnerung, gegen die Baker ansang. 2021 finden die schlimmsten Momente jedoch jetzt gerade statt. Der blutige Kampf im Closer "Ziptie" ist keine Erinnerung, er ist aktive Gegenwart. Hier und Jetzt. Vorbei sind die Gewissheiten der Vergangenheit, "Little Oblivions" präsentiert eine Künstlerin, die alte Wunden aufkratzt. Paradox ist daran nur, dass die Wunden dadurch heilen. Denn wann immer Baker sich majestätisch in ihre eigenen Songs verliert, erreichen sie und die Zuhörer*innen gemeinsamen einen kathartischen Moment der Schmerzlosigkeit. Das sanfte "Repeat" schlägt kleine Haken auf dem Weg zu dieser Katharsis. Zu Beginn klingt das Klavier noch hoffnungsfroh, wie die Musik an einem sonnigen Wochenende in der Kindheit. Leichtfüßig umspielen sich Gitarre und Klavier, aller Ballast der Welt scheint ihnen fremd. Bis das Klavier aufhört und die Stimmung sich verdunkelt. Zirkulär bohrt sich das Schlagzeug in die Ohren, während der Drogentrip des Beginns endgültig zum Alptraum mutiert. "All my greatest fears turn out to be the gift of prophecy" schmettert wie ein Hammer nieder und nieder und nieder, bis der Song in sich zerfällt und nur noch einen schüchternen Ein-Frau-Chor zurücklässt. Ein offensichtlicher Vergleich für Julien Baker ist everybody's darling Phoebe Bridgers. Nicht nur haben die beiden Sängerinnen gemeinsam mit der nicht minder großartigen Lucy Dacus die Band boygenius geformt, sie teilen auch dieselbe emotionale Schonungslosigkeit. Beide graben tief in ihren Herzen, um immer neue Schatten zu beleuchten. Doch wo Bridgers ihre große Referenz in Elliott Smith gefunden hat, zieht Baker ihre Musik aus ihrem unerschütterlichen Glauben an Gott. Er schwebt über ihrem Schaffen, mit ihm hadert sie, auf ihn besinnt sie sich zurück. Auf "Relative Fiction" verwebt sie christliche Symbolik mit ihrer Identität als Suchtkranke und daraus resultierenden Ängsten um ihre Mitmenschen. "I don't need a saviour/ I need you to take me home" Anstelle einer allmächtigen, allgütigen Gestalt tritt ein stark asymmetrisches "you" als ständiger Bezugspunkt. Damit einhergehenden verliert Baker den Grund unter ihren Füßen, gefestigte Überzeugungen verschwimmen. "If I spend a weekend out on a bender/ Do I get callous or do I stay tender/ Which of these is worse, and which is better?", wundert sie sich laut in die Leere, "you" ist nur im gleichen Raum. Erst zum Schluss, wieder mit vollem Bandsound im Rücken, findet der Song seine Auflösung, ein berührender Moment der Zufrieden- und Zärtlichkeit. "I've got no business praying/ I'm finished being good/ Now I can finally be okay/ in not the way I thought I should" zeigt den Weg zu einer neuen Identität abseits alter Moralvorstellungen und heraus aus dem Dasein als "Martyr in another passion play" Immer wieder geben sich Lieder dem Rausch des "Faith Healer" hin, ständig auf der Suche nach diesen winzigen Momente der Schwerelosigkeit. "Faith Healer, come put your hands on me/ Snake Oil Dealer, I'll believe you if you make me feel something" jauchzt Baker, bietet alles an: "Everything I love, I'd trade it into feel it rushing to my chest". Dazu hetzt die Gitarre das Lied voran und voran, nach jeder Sekunde der Ruhe stürzt sie unbarmherzig wieder hinab. Drums wirken wie Schläge auf die Nervenbahnen, während ein schiefer Synthesizer alle Bösartigkeit des "Faith Healer" verkörpert. Die schwermütige Klavierballade "Crying Wolf" ertönt aus dieser Hölle des "Faith Healer". Insignien der Abstinenz wie der "day one chip" der Anonymen Alkoholiker gehen verloren, zusammen mit allem anderen. "Couldn't stand the thought of having everything to lose so I tied a knot". Ein Song der tiefsten Traurigkeit bis zur letzten Zeile, "in the evening I'll come back again." In der Zwillingsballade "Song In E" muss sich Baker hingegen mit den Auswirkungen der Selbstdestruktion auseinandersetzen. Wieder ist da dieses "you", das trotz aller Schmerzen bleibt. Nichts wünscht sich Baker in diesem Moment mehr, als dass "you" geht, sie anschreit, verstößt. "It's the mercy I can't take" Nur zweimal verschmelzen "you" und "I" zu einem zärtlichen "we" während der gesamten 43 Minuten auf "Little Oblivions". Einmal kurz vor dem Alptraum in "Relative Fiction" und im Roadtriprock "Favor". Hier überkommt Baker wieder ein Wunsch nach Nähe, oder zumindest der Möglichkeit von Nähe, dem Abriss ihrer schützenden Mauern. "I always wanna tell the truth/ But it never seems like the right time". Da scheint es nur folgerichtig, dass sie den Song nicht alleine bestreiten muss. Lieber mischen sich ihre Boygenius-Kolleginnen dazu und stützen die gepeinigte Sängerin auf den letzten Metern des Songs. Die leichtfüßige Country-Single "Heatwave" erinnert dezent an Bridgers "Graceland 2", übrigens auch mit Boygenius an den Backing Vocals, tauscht aber den hoffnungsfrohen Blick nach vorne gegen Zeilen der unmittelbaren Verzweiflung wie "Nothing to lose until everything's really gone". Dieser Fatalismus, der Flirt mit der kompletten Selbstdestruktion durchzieht auch den umwerfenden Opener "Hardline". "I can see where this is going but I can't find the brakes" schreit Baker aus sich heraus, ummantelt von düsteren Streichern und einem unbarmherzig klopfenden Schlagzeug, bis der gesamte Track kurzzeitig lärmend in sich zusammenbricht. Zu jeder Sekunde weiß die Sängerin um die kommende Destruktion, kann sich ihr aber nicht entziehen. Denn im Moment fühlt es sich gut an, besser als alles andere. " It isn't like I do this on purpose, I just forget the second I've learned it/ Looking for Little Oblivions, I'd do anything knowing you would forgive me", singt sie auf "Bloodshot" und beschreibt damit das ganze Album. "Little Oblivions" handelt nicht von den Momenten der kurzen Schmerzlosigkeit. Es handelt von der alles zerstörenden Suche nach diesen Momenten und allem Leid, das diese Suche anrichtet. Doch gleichzeitig produziert Baker daraus selbst eigene Momente der "Oblivion", in denen die Musik alles unter sich begräbt und den Schmerz vertreibt. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 24. Februar 2021 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 3. Februar 2021 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. Januar 2021 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. Januar 2021 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 8. November 2020 | Sony Music CG

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Alternativ und Indie - Erschienen am 21. Oktober 2020 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 21. Oktober 2020 | Matador

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Alternativ und Indie - Erschienen am 16. September 2020 | Virgin Music UK LAS (P&D)

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Alternativ und Indie - Erschienen am 11. September 2020 | EMI - Heavenly Recordings

Hi-Res
Manchester darf sich in Sachen Popmusik wahrlich eines Übermaßes an Premium-Qualität brüsten. Joy Division, New Order, The Smiths, Happy Mondays und Oasis, um nur mal die bekanntesten Bands zu nennen. Die Doves veröffentlichten mit "The Last Broadcast" und "Kingdom Of Rust" kaum schlechtere Musik, aber stets blieb ihnen der große Erfolg außerhalb von Großbritannien verwehrt. Die lange Pause von elf Jahren zwischen dem letzten Album und "The Universal Want"aürfte an diesem Umstand nicht viel verändern. Den Kids der 00er-Jahre bleiben dafür Semi-Hits wie "Black & White Town", der immerhin danke dem Fifa 06-Soundtrack eine gewisse Bekanntheit erlangte, in bester Erinnnerung. Tanzbar, aber auch seltsam entrückt und fast zu kompliziert für den launigen ZockerAbend. Als die Doves noch jung waren, probierten sie mit dem Projekt SubSub einen einfachen Hit. Heraus kam ein mittelprächtiger souliger Disco-House-Track. In ihren 30ern und zu Zeiten des Doves-Debüt "Lost Souls" hatten sie schon längst die Lust an solchen juvenilen Dance-Tracks verloren und klangen stets erwachsener als damals junge Newcomer wie Maximo Park. "Carousel", das erste Lebenszeichen nach all den Jahren, zeigt wo sich die Band heutzutage verortet. Irgendwo in der Vergangenheit mit den epischem Gestus von Elbow, aber auch mit der Lust auf Experimente. Im Herzen ein Song, der alle Menschen umarmen möchte und doch wirkt es so, als ob die scheppernden Hi-Hat-Patterns den Song auf der Nebenspur gleichzeitig dekonstruieren möchten. Ja, ein wenig affektiert, aber eben auch sehr schön. Als ob die Doves nun endlich das Puzzle des intelligenten Popsongs fertig hätten, für das Chris Martin immer das Talent und der Mut zur Vollendung fehlte. Der kürzlich verstorbene Afrobeat-Pionier Tony Allen stand Pate für den perkussiven Track. Auch "Mother Silverlake" nimmt die Begeisterung für Afrobeat auf, und setzt dann das Klavier ein, kommen eben doch die Rave-Wurzeln und die Happy Mondays durch. Ein bisschen Madchester 2.0 wehte ja schon immer durch den Sound der Briten und ihren sphärischen Sample-Pop - aber so viel Rave der Spät-80er war nun auch schon länger nicht mehr im englischen Indierock zu hören. Warum auch nicht, wenn ein paar Fünfzigjährige den Sound ihrer Jugend mit großer Begeisterung und Können weiterentwickeln. Weniger vertrackt klingt der Titeltrack "The Universal Want": Sänger Jimi Goodwin beschwört noch einmal das Gefühl von Gemeinsamkeit und dem Wunsch nach einer Perspektive in unsicheren Zeiten. Am Ende setzt sogar ein "Pump Up The Volume”-House-Beat ein. Wie damals, als sich die 24 h Party People im Dance-Club "Hacienda" glücklich zu New Order in den Armen lagen. Wäre da nicht der merkwürdige traurige und zweifelnde Unterton in der Stimme von Goodwin, könnte man fast wieder dran glauben. Großes Gefühl und Drama beherrschen die Doves von Haus aus Ein Songtitel wie "For Tomorrow" klingt nach einer Kompositionen von David Arnold und bildet praktisch die Essenz aller seiner James Bond-Kompositionen. Spätestens wenn ein Frauenchor einstimmt, möchte man die Soulgöttin Shirley Bassey auf Knien anbetteln, dass sie diesen eh schon eleganten Track endgültig in Richtung Großleinwand befördert. Leider findet sich nicht nur Großes auf dem Comeback-Album. Einen so schlechten Song wie “I Will Not Hide” suchte man bei den Doves bisher vergebens. Hier weht gefährlich viel Coldplay-Konfetti von der Bühne rüber. Und "Forest House" schließt das Album in denkbar ödester Form mit einem transzendenten Meditations-Loop ab. Die Gedanken kreisen und kreisen auf "The Universal Want" und mitunter eben zu viel. Ein vergleichsweise straighter Rocker wie "Broken Eyes" bietet da eine willkommene Abwechslung, ansonsten bleibt bei aller edelen Pompösität auch viel Flucht in die (natürlich glorreiche) Vergangenheit. Und doch macht das Comeback glücklich, in einer Zeit, in der gerade britischer Indierock nur noch selten zu begeistern vermag und den einfachsten Weg geht. Die Doves dagegen suchen ihren Weg immer noch in der Nische, abseits des großen Rummels. Für uns und die Band hoffen wir einfach das Beste oder wie Goodwin singt: "We will breathe again / No more sorrow we will love again ... I hope". © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 11. September 2020 | EMI - Heavenly Recordings

Manchester darf sich in Sachen Popmusik wahrlich eines Übermaßes an Premium-Qualität brüsten. Joy Division, New Order, The Smiths, Happy Mondays und Oasis, um nur mal die bekanntesten Bands zu nennen. Die Doves veröffentlichten mit "The Last Broadcast" und "Kingdom Of Rust" kaum schlechtere Musik, aber stets blieb ihnen der große Erfolg außerhalb von Großbritannien verwehrt. Die lange Pause von elf Jahren zwischen dem letzten Album und "The Universal Want"aürfte an diesem Umstand nicht viel verändern. Den Kids der 00er-Jahre bleiben dafür Semi-Hits wie "Black & White Town", der immerhin danke dem Fifa 06-Soundtrack eine gewisse Bekanntheit erlangte, in bester Erinnnerung. Tanzbar, aber auch seltsam entrückt und fast zu kompliziert für den launigen ZockerAbend. Als die Doves noch jung waren, probierten sie mit dem Projekt SubSub einen einfachen Hit. Heraus kam ein mittelprächtiger souliger Disco-House-Track. In ihren 30ern und zu Zeiten des Doves-Debüt "Lost Souls" hatten sie schon längst die Lust an solchen juvenilen Dance-Tracks verloren und klangen stets erwachsener als damals junge Newcomer wie Maximo Park. "Carousel", das erste Lebenszeichen nach all den Jahren, zeigt wo sich die Band heutzutage verortet. Irgendwo in der Vergangenheit mit den epischem Gestus von Elbow, aber auch mit der Lust auf Experimente. Im Herzen ein Song, der alle Menschen umarmen möchte und doch wirkt es so, als ob die scheppernden Hi-Hat-Patterns den Song auf der Nebenspur gleichzeitig dekonstruieren möchten. Ja, ein wenig affektiert, aber eben auch sehr schön. Als ob die Doves nun endlich das Puzzle des intelligenten Popsongs fertig hätten, für das Chris Martin immer das Talent und der Mut zur Vollendung fehlte. Der kürzlich verstorbene Afrobeat-Pionier Tony Allen stand Pate für den perkussiven Track. Auch "Mother Silverlake" nimmt die Begeisterung für Afrobeat auf, und setzt dann das Klavier ein, kommen eben doch die Rave-Wurzeln und die Happy Mondays durch. Ein bisschen Madchester 2.0 wehte ja schon immer durch den Sound der Briten und ihren sphärischen Sample-Pop - aber so viel Rave der Spät-80er war nun auch schon länger nicht mehr im englischen Indierock zu hören. Warum auch nicht, wenn ein paar Fünfzigjährige den Sound ihrer Jugend mit großer Begeisterung und Können weiterentwickeln. Weniger vertrackt klingt der Titeltrack "The Universal Want": Sänger Jimi Goodwin beschwört noch einmal das Gefühl von Gemeinsamkeit und dem Wunsch nach einer Perspektive in unsicheren Zeiten. Am Ende setzt sogar ein "Pump Up The Volume”-House-Beat ein. Wie damals, als sich die 24 h Party People im Dance-Club "Hacienda" glücklich zu New Order in den Armen lagen. Wäre da nicht der merkwürdige traurige und zweifelnde Unterton in der Stimme von Goodwin, könnte man fast wieder dran glauben. Großes Gefühl und Drama beherrschen die Doves von Haus aus Ein Songtitel wie "For Tomorrow" klingt nach einer Kompositionen von David Arnold und bildet praktisch die Essenz aller seiner James Bond-Kompositionen. Spätestens wenn ein Frauenchor einstimmt, möchte man die Soulgöttin Shirley Bassey auf Knien anbetteln, dass sie diesen eh schon eleganten Track endgültig in Richtung Großleinwand befördert. Leider findet sich nicht nur Großes auf dem Comeback-Album. Einen so schlechten Song wie “I Will Not Hide” suchte man bei den Doves bisher vergebens. Hier weht gefährlich viel Coldplay-Konfetti von der Bühne rüber. Und "Forest House" schließt das Album in denkbar ödester Form mit einem transzendenten Meditations-Loop ab. Die Gedanken kreisen und kreisen auf "The Universal Want" und mitunter eben zu viel. Ein vergleichsweise straighter Rocker wie "Broken Eyes" bietet da eine willkommene Abwechslung, ansonsten bleibt bei aller edelen Pompösität auch viel Flucht in die (natürlich glorreiche) Vergangenheit. Und doch macht das Comeback glücklich, in einer Zeit, in der gerade britischer Indierock nur noch selten zu begeistern vermag und den einfachsten Weg geht. Die Doves dagegen suchen ihren Weg immer noch in der Nische, abseits des großen Rummels. Für uns und die Band hoffen wir einfach das Beste oder wie Goodwin singt: "We will breathe again / No more sorrow we will love again ... I hope". © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. August 2020 | Virgin EMI Records - Heavenly Recordings

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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. August 2020 | Virgin EMI Records - Heavenly Recordings

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Alternativ und Indie - Erschienen am 27. Juli 2020 | Virgin EMI Records - Heavenly Recordings

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Alternativ und Indie - Erschienen am 27. Juli 2020 | Virgin EMI Records - Heavenly Recordings

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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. Juli 2020 | Rough Trade

„Das ist kein Live-Album, sondern ein Album voller Live-Musik“. So beschreibt Jarvis Cocker, Ex-Mastermind von Pulp, Beyond the Pale und er veröffentlicht es unter dem Namen Jarv Is…, einer funkelnagelneuen Gruppe, bestehend aus Komplizen mit einer Aura, die nur vertrauteren Kreisen ein Begriff ist: die Harfenistin Serafina Steer, die Violinistin und Gitarristin Emma Smith, der James Taylor Quartet-Bassist Andrew McKinney, der All Seeing I-Keyboarder Jason Buckle und der Three Trapped Tigers-Schlagzeuger Adam Betts. Dieser Zusammenschluss entstand Ende des Jahres 2017, als sie von Sigur Rós zum Norður og Niður Festival nach Island eingeladen wurden. Jarvis’ Idee bestand darin, zusammen mit einem Publikum zu komponieren. Die dann drei Jahre lang herangereifte Musik von Jarv Is… von der es inzwischen eine Studio-Einspielung gibt, entspricht nun durchaus dem Image ihres inzwischen 56 Jahre alten Leaders. Beyond the Pale zeigt die verschlungenen Wege der introspektiven Arbeit eines Musikers auf, der noch viel zu sagen hat und der auf seine früheren Werke, die vorbeiziehenden Jahre und seine ihn deprimierenden, (pseudo-) modernen Zeitgenossen blickt. In dieser Hinsicht funkelt seine wie nie zuvor meisterhafte Stimme in einmalig herbstlichen, oft prachtvollen Farben. Stilistisch gesehen kann einen die Sache ins Schleudern bringen. Jeder einzelne der insgesamt sieben Songs zeigt ein anderes Soundscape: hypnotisierend psychedelischer Marathon (Must I Evolve?), diskoähnlicher Pop für den Dancefloor (House Music All Night Long), Deklamation à la Leonard Cohen (Save The Whale), flauschiger Slow (Swanky Modes)… Jarvis Cocker hatte immer schon ein Faible für Täuschungsmanöver, wie etwa 2017, als er sich für Room 29 zusammen mit dem Pianisten Chilly Gonzalez in ein Zimmer des legendären Chateau Marmont in L.A. einschloss. Auch hier ergeben die brutalen Rhythmenwechsel eine sowohl klanglich als auch von der Idee her sehr kontrastreiche Platte. Und sie wird auch noch nach 40. Jahren genauso unergründlich sein wie ihr Urheber selbst … © Marc Zisman/Qobuz

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