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Die Alben

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Alternativ und Indie - Erschienen am 25. Februar 2021 | Goliath Enterprises Limited

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Mit Skeleton Tree (2016) und Ghosteen (2019) hatte Nick Cave gleich einen Doppelvertrag unterzeichnet – für Himmel und Hölle zugleich. Auf Carnage bleibt der Bandleader von The Bad Seeds weiterhin dort oben. Weit weg von den Menschen. In der Nähe von weiß der Teufel welcher Gottheit. Dieses Album trägt nicht den Namen seiner illustren Gruppe, sondern den seines Weggefährten, des seit Jahren musikalischen Leiters seines Œuvres: Warren Ellis. Mit Carnage bleiben die beiden Australier weiterhin den letzten mystischen und leicht elektronischen Arbeiten von The Bad Seeds treu, auch wenn sie nach vorne blicken. Ein paar Wochen vor der Veröffentlichung hatte Nick Cave von „einer brutalen, aber wunderschönen Platte, im Zusammenhang mit einer gesellschaftlichen Katastrophe“ gesprochen, damit meinte er natürlich die Pandemie… Der für ihn typische Sprechgesang ist immer noch derselbe und zeigt, wieviel Kraft in ihm steckt. Und dieser geniale Spinner namens Ellis findet doch tatsächlich immer auch die entsprechende Soundkulisse dazu – Streicher, Retro-Synthies, klimperndes Klavier, außerirdische Geräusche, alles kommt zum Zug – um diese irrationalen und poetischen Texte auf eine gesamtheitliche Reise zu schicken. In dem grandiosen White Elephant hat diese Methode eine faszinierende Wirkung und es geht dann mit einem Chorgesang zu Ende, der Lennons Give Peace a Chance das Wasser reichen kann. In Balcony Man schlagen Nick Cave und Warren Ellis zuerst einen Weg ein, der an experimentelles Ambient erinnert, bevor sie dann mit einem abgefahrenen Klavier/Violine-Tandem die entgegengesetzte Richtung einschlagen. Es scheint, als habe Duo vor allem bei Carnage Spaß daran, Atmosphären und Stile miteinander zu verweben, selbst wenn das bedeutet, den traditionellen Rahmen des Songs zu sprengen. Brutal und wunderschön, das ist die passende Bezeichnung. Recht wohl fühlt man sich nicht beim Betreten dieser Parallelwelt, die es so kein zweites Mal gibt. Die Welt des Rock kann noch so viele verschiedene Wesen hervorbringen, Nick Cave bleibt trotzdem ein Tier, das aus der Reihe tanzt und unaufhörlich seine künstlerischen Überzeugungen in Frage stellt. Wirklich einzigartig. © Marc Zisman/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 12. Februar 2021 | Clap Your Hands Say Yeah

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Bereits vor 16 Jahren hätte Alec Ounsworth den Preis für die weltweit nöligste Fistelstimme verdient gehabt – erstplatziert, sogar noch vor Ezra Furman. Als Sänger und Mastermind der Band Clap Your Hands Say Yeah behauptet sich der Mann aus Philadelphia seit 2004 im Halb-Untergrund der Indie-Szene. Das selbstbetitelte, erste Album stach nicht nur dank des prägnant nervigen Gesangs hervor, sondern gleichermaßen mittels hervorragendem Songwriting in Geheimklassikern wie "Is This Love?". Ounsworth und Kollegen schafften es seinerzeit sogar ins landesweite US-Fernsehen zu David Lettermans "The Late Show". Den kurzen Rummel um das einstige Quintett krönte ein umjubelter Auftritt auf dem spanischen Benicassim-Festival, den man sich auf YouTube nicht entgehen lassen sollte. Es wird gemunkelt, die beiden pop-intellektuellen Davids, namentlich Bowie und Byrne, hätten sich damals bei Gigs blicken lassen. Es folgte ein ewiges Underdog-Schicksal. Während die nächsten beiden Alben noch auf den vorderen Plätzen der amerikanischen Alternative-Charts gelistet wurden, ernteten die darauffolgenden drei sogar Pitchfork-Verrisse. Die Luft war raus. Das sechste Studioalbum "New Fragility" verspricht schon im Titel neue Entwicklungen. In "Thousand Oaks", einem der uniformen Peripherieorte von Los Angeles, reich, trübselig, wohlbehütet, fand 2018 ein Massaker statt. Darüber singt Ounsworth mit gefühligem Springsteen-Pathos über den amerikanischen Traum seiner "Hesitating Nation". Hört sich ein bisschen an wie The War On Drugs oder, nochmal, Ezra Furman auf "Transangelic Exodus". "But it's a world full of trouble / An American massacre / In Southern California / But we're reasoning with messengers" zählt nicht zu den Höhepunkten der modernen Lyrik, taugt aber für einen elegischen Song über ausweglose Einsamkeit in diesem 21. Jahrhundert. Darüber, ob das 20. Jahrhundert 1999 endet, oder mit der Vorstellung des ersten iPhones 2007, oder doch erst mit der Coronakrise im März 2020 - darüber lässt sich vorzüglich streiten. Von den Gitarren bis zum Gejaule klingt auf diesem Album auf jeden Fall alles nach Vergangenheit, Arcade Fires "Funeral" erschien übrigens 2004. In "Dee, Forgiven", einer langsam walzenden Liebesballade, ergänzen dezente Analogsynthiefiguren und verzerrte Mundharmonikas den angestaubten Indiesound. Ounsworths Stimme quäkt in die höchsten Höhen seiner tiefsten Depression. Das ist wieder nix Neues, aber recht anrührend und schön. Ebenso generiert sich der Titeltrack "New Fragility" geschmackvoll museal, mit Bildern wiederum wie aus dem Boss-Archiv: "On a holiday, you said you just needed to get away / Taking some midnight drive out to Long Beach Island / Stranded, half-naked on a strange man's couch." Track Nummer sieben ist das Bekenntnis zur Nostalgie, der Mann trauert seinem vergangenen fünfzehn Minuten Berühmtheit hinterher – "CYHSY, 2005". Ein leicht bemerkenswertes Lied mit deutlichem Streichereinsatz auf diesen 41 gleichförmigen Minuten Albumlänge ist "Went Looking For Trouble". Ounsworths Verse gestalten sich hier pubertär brutal, bedienen sich reißerischer Bildsprache und wollen sehr literarisch klingen. "The rain is falling and it chases us like a rapist / Into the basement of your parents' house / Where I will sit down quiet as a mouse / And watch you eat yourself alive" schießt nicht ganz am Ziel vorbei, aber doch darüber hinaus. Dass jemand im Alter von 43 Jahren immer noch (oder wieder) von der Teenagerromantik singen muss, könnte heißen, dass ihm sonst nichts mehr einfällt als eben "neue Zerbrechlichkeit" im fortgeschrittenen Alter. Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen am Poesiemarkt, darf allerdings festgestellt werden, dass eine Amanda Gorman nicht einmal dieses Niveau zustande bringt. Zum Abschied kläfft Ounsworth dann noch von Jesus Christus, seiner Tochter und Halluzinationen – man könnte meinen, er hätte sich diesen Themenkomplex von Kanye West abgeschaut. So gute Musik wie vom Yeezus liefert das neue Album von Clap Your Hands Say Yeah leider nicht, so viel sensationalistischen Schauwert auch nicht. Dennoch liegt hier ein Werk einer mittleren Schaffensphase am mittleren Rand der Verzweiflung vor, das insgesamt und irrational betrachtet dann doch mehr als nur eine mittelschöne Angelegenheit ist. Deswegen dann doch die entsprechende 4/5-Sternewertung. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 5. Februar 2021 | Entrance Records & Tapes

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
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Alternativ und Indie - Erschienen am 20. November 2020 | Bad Seed Ltd

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Lang, lang ist’s her, dass Nick Cave, diese radikale Rock-Furie, dieser etwas reizbare Punk-Entertainer sich für die Gespenster der damaligen Koryphäen Elvis Presley, Johnny Cash und Howlin’ Wolf begeisterte. Die scharfen Kanten sind mit der Zeit abgestumpft, der Australier hat neue Wege beschritten und den wahrscheinlich größten Verlust erlebt, als sein 15-jähriger Sohn aus dem Leben schied. Die Kunst des Leaders der Bad Seeds fand in Skeleton Tree (2016) und Ghosteen (2019) ein mystisches Ventil. Die ganze Menschheitsgeschichte hindurch kann man zurückverfolgen, wie Kunst in der Trauer, für die Trauer und aufgrund der Trauer geschaffen wird und diese beiden Alben riefen uns das auf unerbittliche Weise in Erinnerung. Das im Herbst 2020 erschienene Idiot Prayer bleibt mit einem Bein in formeller Feierlichkeit verankert, inhaltlich aber nicht. Das ist zwar gewollt, ist jedoch in erster Linie auf die Pandemie zurückzuführen, die das Jahr 2020 erschüttert hat. Nick Cave sitzt also hier im Londoner Konzertsaal des Alexandra Palace an seinem Klavier, allein, es gibt weder Bad Seeds noch Publikum. Seine Aufführung lief am 23. Juli 2020 als Live-Stream. Für diese erstmalige Darbietung stellte er ein Repertoire zusammen, das über seine beiden letzten Alben (von denen er nur drei Songs übernahm) hinausging, denn er stöberte dafür in den alten Platten der Bad Seeds (Stranger Than Kindness, The Ship Song, Black Hair, (Are You) the One That I've Been Waiting For, The Mercy Seat…) und denen seiner anderen Gruppe, Grinderman (Man in the Moon, Palaces of Montezuma…). Nur eine neue Komposition fügte er hinzu, eine melancholische, überwältigende Hymne über den Verlust, Euthanasia…In dem grandiosen Gebäude im viktorianischen Stil aus dem 19. Jahrhundert klingt seine Stimme mehr als perfekt, wenn sie um seine Worte aus Fleisch und Blut sowie seine surrealistische oder konkrete Poesie kreist und sie vor uns ausbreitet. Nick Cave ähnelt hier dem Darsteller Robert Mitchum in Die Nacht des Jägers, wenn dessen eigene, mit den Worten LOVE und HATE tätowierten Hände miteinander ringen. Mit seiner Mischung aus Love Songs, Murder Ballads und gequälten Hymnen macht der australische Crooner eine Besichtigungstour seines Schaffens, das man als herrlichen Juwel in Erinnerung behält. Und dank dieser schlichten Instrumentierung erreicht seine Stimme ungeahnte Höhen, sodass sich die Wirkungskraft seiner alten Songs um ein Zehnfaches vermehrt. Grandios. © Marc Zisman/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 20. November 2020 | Domino Recording Co

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. November 2020 | Captured Tracks

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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. November 2020 | Péché Mignon - Grand Musique Management

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Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Oktober 2020 | 4AD

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
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Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Oktober 2020 | Balcoon

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Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Oktober 2020 | Transgressive

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Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Oktober 2020 | 4AD

Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Noch bevor Big Thief die Kultgruppe der Indie-Folkrock-Fans wurde, hatte ihre Sängerin Adrianne Lenker bereits drei Soloalben veröffentlicht: Stages of the Sun (2006), Hours Were the Birds (2014) und Abysskiss (2018). Diesmal schaltet die Fee des Folk noch einen Gang höher, aber mit weitaus geringerem Einsatz. Dieses Doppelalbum (einzeln erhältlich mit den expliziten Titeln Songs und Instrumentals) hat sie allein mit ihrer Gitarre in einer Waldhütte in den Berkshires Mountains in Massachussetts aufgenommen. Man hört das Holz knistern. Auch Vögel und Insekten. Und sogar, wie die Finger über die Gitarrensaiten gleiten. Mit jeder Sekunde rückt die Welt ein Stück weiter in die Ferne. Und ihre verhaltene Stimme zieht uns unwiderstehlich an, wie ein Magnet… Dass es ihr gelingt, uns mit derartiger Kargheit und so Allerweltsthemen wie Einsamkeit und Liebesleid zu hypnotisieren, ist ein unglaubliches Kunststück, das wir bisher nur von Leuten wie Vashti Bunyan, Judee Sill, Elliott Smith oder Joni Mitchell kennen, die offensichtlich die Big Thief-Sängerin inspiriert haben. Das repetitive Element hilft oft bei Adrianne Lenker (das umwerfende Come, wo man den Regen draußen hört). Manchmal ist es auch der Raum (My Angel). Und immer dieser unverrückbare Wunsch, sich in ihre persönlich so nahe gehenden Melodien zu schmiegen. Die beiden besonders langen Instrumentalstücke (21 und 16 Minuten), die den zweiten Teil ausmachen, erfordern mehr Aufmerksamkeit, letztendlich stellt sich aber heraus, dass sie mit den Songs des ersten Teils zu vollkommener Harmonie zusammenfinden. Nach dem Durchhören bleibt man von der ans Äußerste getriebenen Schlichtheit der Songs und Instrumentals ganz benommen zurück. Ein solches Werk wird problemlos dem Zahn der Zeit und allen Modeerscheinungen standhalten. Einfach überwältigend. © Marc Zisman/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 22. Oktober 2020 | 4AD

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
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Alternativ und Indie - Erschienen am 16. Oktober 2020 | Concord Records

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Mit einer Gruppe ist es dasselbe wie mit einem Paar, das Geheimnis, wie lange es dauern wird, liegt darin, dass man es schafft, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Genauso steht es um die Amerikaner der mehr als seit 20 Jahren existierenden Gruppe The National und den Sänger Matt Berninger, der sich unter seinem eigenen Namen seinen ersten Seitensprung erlaubt. Ohne seine Gruppe, aber nicht im Alleingang. Bei Serpentine Prison waren etwa ein Dutzend Musiker beteiligt, darunter Gail Ann Dorsey (u. a. Bowies langjährige Bassistin), Mickey Raphael (Willie Nelsons bevorzugter Harmonikaspieler), Andrew Bird, und sogar drei The National-Mitglieder. Und produziert hat das Album der legendäre Booker T. Jones, der selbst am Keyboard steht. Dieses Nobel-Casting ergibt aber kein Blockbuster-Album. Es zeichnet sich vielmehr durch eine gewisse Bescheidenheit aus. Mit weniger Rock als bei The National geht Berninger den akustischen Klängen auf den Grund und dieser, bei den Briten beliebten, von Folk und Country durchtränkten lukrativen Einnahmequelle namens „Singer-Songwriter“, wo Texte genauso viel zählen wie Musik. Dieses amerikanisch angehauchte Album hört sich wie der Soundtrack eines nächtlichen Roadmovies an, mit seinen jeweils ekstatischen, verträumten und matten Passagen. Dank seiner tiefen Stimme und mit elegant minimalistischer Begleitung (Klavier, Gitarren, sanfte Blechbläser) steigt Matt Berninger in die Fußstapfen eines Nick Cave oder Leonard Cohen, wenn sie mit Croonerstimme den Untergang heraufbeschwören. Eine Panne oder Geschwindigkeitsüberschreitung fürchtet er nicht. Das großzügig produzierte Serpentine Prison versetzt die in herbstlichen Dämmerschlaf verfallenen Zuhörer in reinstes Entzücken. Es ist wie eine Reise in den tiefen Süden der USA, die jetzt nur mehr auf musikalischem Wege möglich ist. © Stéphane Deschamps/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 8. Oktober 2020 | Partisan Records

Auszeichnungen 4F de Télérama
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Alternativ und Indie - Erschienen am 2. Oktober 2020 | Heavenly Recordings

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuzissime
Es ist schon beeindruckend, wie die scharfkantige, staubtrockene und unnachgiebige Neo-Postpunk-Szene des Vereinigten Königreichs so richtig durchschüttelt wird, wenn Working Men’s Club auf dem Dancefloor auftauchen. Mit seinem gleichnamigen Debütalbum legt das junge Quartett aus Todmorden – 25 Kilometer nördlich von Manchester – die Karten offen auf den Tisch, die früher von New Order (zu Zeiten von Power, Corruption & Lies), The Fall, Human League, Gang of Four und sogar D.A.F. und Suicide gespielt wurden. Der soeben erst volljährig gewordene WMC-Leader Sydney Minsky-Sargeant steckt den Rahmen ab. „In Todmorden gibt es für einen Teenager nicht viel zu tun. Die Stadt liegt von allem eher weit entfernt. Und an einem Ort zu wohnen, wo es im Winter erst um neun Uhr hell wird und um vier Uhr schon dunkel ist, kann ganz schön deprimierend werden“. Es ist also nur allzu logisch, dass diese Schützlinge der aufgedrehten Fat White Family sich wie Rotzbengel aufführen. Wie einer von denen, die wütend Synthies, Gitarren und Schlagzeug quer durch ihr Zimmer schleudern, bis das große Chaos ausbricht! Ihre Texte werden eher gebrüllt als gesungen, aber unermüdlicher Groove, Gitarrenriffs und Mega-Bässe sorgen für dementsprechende Bewegung, ohne dass sie sich weitere Fragen stellen müssten. Es ist also schier unmöglich, die Körper unter Kontrolle zu behalten, die sich nur so im Rhythmus dieser faszinierenden Sinfonie mit dem jugendhaften Elektro-Acid-Rock, die manchmal an die Anfangszeiten des LCD-Soundsystems erinnern. Working Men's Club ziehen sich T-Shirts mit dem Logo „Socialism“ über, taufen einen ihrer Songs John Cooper Clarke (wie der nach wie vor angehimmelten Punkpoeten) und machen dem grauen Yorkshire-Himmel, unter dem sie das Licht der Welt erblickt hatten, den Garaus. Manchmal entspannt sich Sydney Minsky-Sargeant ein bisschen und zeigt sich dabei von einer fast hedonistischen Seite im New Wave-Stil (Outside). Ist er jedoch genervt, dann macht sich der von Elektrofunk angehauchte Discopunk über seine Seele her (Teeth). Etwas benommen lässt einen dieses Debütalbum schon zurück, das dank der kompakten und nüchternen Produktion von Ross Orton (The Fall, M.I.A, Arctic Monkeys) beeindruckende Ausmaße angenommen hat. Keine Frage: Working Men’s Club ist ein Name, den man sich merkt! © Marc Zisman/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 18. September 2020 | X-Ray Production

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
"We will not let you get away with this. Right here, right now is where we draw the line. The world is waking up. And change is coming, whether you like it or not", drohte Greta Thunberg 2018 in einer Rede vor den Vereinten Nationen. Asian Dub Foundation fühlen sich mit der 17-jährigen Schwedin im Geiste verbunden. Auf ihrem neunten Album "Access Denied" unterlegen die Briten eine geschnittene Version dieser Rede mit einem treibenden Breakbeat. Das Resultat "Youthquake" bringt den Grundton der Platte auf den Punkt: ADF sorgen sich um Mensch und Umwelt. Dabei haben die Elektromusiker zwar die Welt im Blick, kehren aber auch vor der eigenen Haustür. "Swarm" behandelt die britische Flüchtlingspolitik und nimmt bereits im Titel Bezug auf eine Aussage des ehemaligen Premierministers David Cameron. Als einen Swarm of people" bezeichnete der Politiker die Immigranten. Auch dessen Nachfolgerin Theresa May wird in "Stealing The Future" zur unfreiwilligen Mitautorin. "Hands up if you're a citizen of nowhere and you're not scared", zitieren die Musiker aus einer Rede, die der Guardian 2018 mit Aussagen von Hitler verglich. ADF-Gründungsmitglied Steven Savale bezeichnet "Access Denied" als Tanzplattet. Als Mittel, um die Probleme auszublenden, möchte er die Musk aber nicht verstanden wissen. "It has this sense that your dancing and partying against the way things are", wird er im Pressetext zitiert. Tatsächlich unterbricht keines der 14 Lieder den Bewegungsfluss. Wer tanzt, der lebt und kann deshalb auch noch Probleme lösen. Das ist die Botschaft, die die Band im Laufe der 52 Minuten unmissverständlich vermittelt. Dennoch kratzt die Asian Dub Foundation an der Oberfläche. Herausfordernd werden die Texte höchstens, wenn die Band doppeldeutige Zeilen erst einmal unkommentiert lässt: "If you're muslim, you're a terrorist / A violent thug, if you're black / And if you're white they say you're mentally ill". Anders klingt es auf der musikalischen Seite. Die Arrangements gehen in die Tiefe, bedienen sich aus unterschiedlichen Genres. Immer wieder streut die Band Tempowechsel ein und tauscht Drum-Patterns aus. So füllen sie auch lange Instrumentalpassagen mit Leben. "Can't Pay Won't Pay" ist Reggae auf Energy-Drinks. Ein Bass bohrt sich in den Vordergrund, eine verzerrte Gitarre dreht Schleifen und Beatboxer Dub FX sorgt für den Groove. "Coming Over Here" kommt zwar ohne Rap oder Gesang aus, erinnert aber mit Drum'n'Bass- und Industrial-Elementen an die ADF-Hochzeiten in den Neunzigerjahren. Die Übergänge zwischen Hip Hop, Jungle Punk und Ragga Dub sind fließend. Eine Flöte in "Realignment" und eine Akustikgitarre in "Front Line" sorgen für etwas Wärme im überwiegend elektronischen Klangbild. Ein weitere Pluspunkt: die Gäste. Die palästinische Band 47 Soul lässt sich in "Human 47" über Grenzpolitik aus, und die chilenische Sängerin Ana Tijoux befürwortet in "Frontline Santiago" barrierefreie Bildung. Vor allem unterstreichen die Features die kämpferische Botschaft, die Asian Dub Foundation mit "Access Denied" senden. Damit hat sich auch ein Vierteljahrhundert nach dem Debütalbum "Facts And Fictions" nichts für die Briten geändert. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 18. September 2020 | Castle Face

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Alternativ und Indie - Erschienen am 31. Juli 2020 | Partisan Records

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Dogrel, ihr energiegeladenes Debütalbum, hallt noch mit seiner entfesselnden Freimütigkeit, seiner extremen Spannung und aufrichtigen Wut nach, da melden sich Fontaines D.C. bereits mit ihrem nächsten Werk zurück. Nur schlagen Dublins Raufbolden mit A Hero's Death nun etwas andere Töne an. Ihre Kunst integriert immer noch Elemente aus den Post-Punk-Schriften von The Fall, Joy Division, Gang Of Four oder Public Image Ltd., aber dieses "schwierige zweite Album" schaut sich auch nach anderen Inspirationsquellen um. Der langsame, fast beklemmende Rhythmus des Eröffnungssongs I Don't Belong bietet ein neues Erscheinungsbild. Das einer Band, die bereits Schlussfolgerungen aus dem sofortigen Erfolg ihres ersten Albums und dem Gewicht der anschließenden Marathon-Tournee zieht. Fontaines D.C. erweitern ihr Blickfeld mit Balladen wie Sunny und ihrer Baritongitarre, die nach Altweibersommer riecht, oder Oh Such a Spring, auf dem Grian Chatten mit beispielloser Zartheit singt. Aber auf A Hero's Death finden sich auch die unaufhaltsamen Passagen, die Dogrel so unwiderstehlich machten. Diese Hymnen, bei denen Chatten immer wieder denselben Satz wiederholt, wie "Life ain't always empty" (Das Leben ist nicht immer leer), das er dreißig Mal auf dem Titelstück A Hero's Death wiederholt, und "What ya call it, what ya call it, what ya" (Wie nennst du es, wie nennst du es, wie) fast ebenso oft auf Televised Mind... Am Ende schwankt A Hero's Death zwischen rebellischer jugendlicher Aufgeregtheit und fast nostalgischen, meditativen Sequenzen. Dogrel schloss mit Dublin City Sky, einer akustischen Ballade, die dem alten Pub und dem frisch gezapften Guinness huldigt und von der wir dachten, sie stammte von einer Pogues-Platte (ihrer Lieblingsband). A Hero's Death endet mit No, einer weiteren nüchternen Ballade, im Stil von Oasis dieses Mal, die den Post-Punk-Pessimismus durch einen Schimmer von Optimismus ersetzt, der durch "Please don't lock yourself away just appreciate the grey" unterbrochen wird. Brillant und kraftvoll. © Marc Zisman/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 26. Juni 2020 | Infectious Music

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Als Nadine Shah 2017 Holiday Destination auf den Markt brachte, trat sie mehr oder weniger aus dem ihr vertrauten Underground und so entdeckte das breite Publikum eine perfide junge Frau, die als Cousine x-ten Grades von Anna Calvi und als Erbin von PJ Harvey und Siouxsie Konkurrenz macht. Die gebürtige Londonerin, deren Eltern aus Pakistan bzw. Norwegen stammen, zog mit diesem dritten Album vor allem die Schrauben eines Indie-Rocks fest, den sie mit ziemlicher Spannung an der Grenze zum Post-Punk mit kantigen, nervösen, aber minimal eingesetzten Gitarren und mit einem fast im Free-Style spielenden Saxofon präsentierte. Drei Jahre später trennt Shah ein weiteres Stück von dieser belastend wirkenden Nabelschnur ab, um diesen Einfluss loszuwerden, und das vor allem dank ihrer intimen, immer tiefer werdenden Stimme, die sich im hervorragenden Intro Club Cougar bemerkbar macht und gleich den Ton der Platte angibt. Sogar in ihren Texten distanziert sich die Britin von ihren Kolleginnen, wenn sie sich als dreißigjährige Frau selbst schonungslos offenbart, und insbesondere den damit einhergehenden Druck der Gesellschaft und den auf zahlreichen Gebieten vorherrschenden Sexismus anprangert.  Wie zum Beispiel in Ladies for Babies (Goats for Love), wo sie eindeutig auf den alten Hit von Ace of Base, All That She Wants, reagiert. Kitchen Sink ist auch in der Instrumentierung ein Stück gewagter als die Vorgängeralben, weniger rockig und viel ausgefallener, vor allem im Hinblick auf den umwerfenden Einsatz des Schlagzeugs, und das verleiht diesem schönen Album die richtige Würze. © Marc Zisman/Qobuz

Alternativ und Indie - Erschienen am 26. Juni 2020 | Secret City Records

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