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"If we listen to the beat and if it's something that moves us the wheels start turning in your head." Diesem Ausriss aus "Destination Blue" stimme ich nach dem Genuss von "Translations" vorbehaltlos zu. Samon Kawamura leistet ganze Arbeit. Seine Tracks nehmen Gehör und Gehirn ein und bemächtigen sich sämtlicher Gedanken und Gefühle. Dabei tönt "Instrumental Hip Hop" beileibe nicht nach der spannendsten Schublade. Was auch immer ich mir bei diesem etwas drögen Etikett auch vorgestellt hatte, Samon Kawamura wischt all das achtlos vom Tisch. Die Ausgeburten seiner Regler scheinen bereits Lichtjahre zurückgelegt zu haben, bevor sie die Gegenwart streifen und unbeeindruckt wieder ins All entschwinden. "Timeless Space". Selten umschrieb ein Titel einen Eindruck treffender. Der schwere, fast erdige Bass verankert die Komposition in greifbarer Realität, ohne ihr die luftige Struktur zu nehmen. Hier (wie an zahllosen anderen Stellen) offenbart sich die größte Kunst Kawamuras: Er arrangiert die unterschiedlichsten Elemente so gekonnt, dass sie wie mühelos hingeworfen erscheinen. Man möchte staunend den Hut ziehen. Bereits das knappe "Intro" und der Opener "All About You" mit seinem stampfendem, dennoch erstaunlich unaufdringlichem Rhythmus, lassen erahnen, womit Samon Kawamura die nächste Stunde zu veredeln gedenkt. Satte Beats, flächige Sounds, flirrende Elektronik, angedeutete Scratches, ein paar Gesprächsfetzen: Vielfältige, zuweilen sogar absurd konträre Bestandteile verflicht der in Berlin lebende Halb-Japaner zu schillernden kleinen Kunstwerken. Um die einzelnen Zutaten herauszuschmecken, muss man schon genau hinhören. Derart aus einem Guss erscheinen die Produktionen, die zur Untermalung jeder denkbaren Situation genau so taugen, wie sie auch das Scheinwerferlicht geballter Aufmerksamkeit vertragen. Ein griffiger Basslauf bewahrt "Black Star" wirkungsvoll vor dem Abgleiten in den Kitsch, den Uuuh-lastige Backgroundchöre befürchten lassen. In "U Nu" durchziehen deutlich jazz-inspirierte Noten das von Hip Hop zementierte Fundament. In "One And One" formieren sich Scratches und Samples um einen Beat, dessen sahnige Mächtigkeit die Filigranität des Beiwerks noch unterstreicht. Das Spiel mit Gegensätzen beherrscht Kawamura aus dem Handgelenk. Jede Nummer lädt zu einer kleinen Reise ein, keine endet da, wo sie begann. Okay, oftmals ähneln sich die Konstruktionen der einzelnen Tracks, und doch: Mehr als zweieinhalb Minuten benötigt Kawamura nie, um die Atmosphäre eines Raums vollkommen zu verändern. Wehmut und Abgeklärtheit finden ihren Platz neben dem pulsierenden Herzschlag von "Tokyo Love". Percussion und Flötenklänge würzen "Destination Blue", und wer zu dem funk-geladenen Bass in "You Are The Only One" nicht kopfnickt, wurde wohl das eine oder andere Gelenk im Halsbereich bei der Montage vergessen. Über hallenden Drums erheben sich in "Astral" jazzige Bläser, ehe sich die Nummer zu einem wahrhaft exotischen Klangteppich ausbreitet. In nicht einmal drei Minuten weckt Kawamura Assoziationen zu dichtem Dschungel, wüsten Einöden, der aufgewühlten See, den Lichtern einer nächtlichen Großstadt, einem orientalischen Bazar und einem verrauchten Jazzkeller. Kein Zweifel: Die Räder im Kopf rotieren gar prächtig. Nach einer guten Stunde fühle ich mich, als sei ich stunden-, tage-, monatelang unterwegs gewesen. "Es ist auf jeden Fall etwas, das man ernst nehmen kann - meine erste Visitenkarte", so die bescheidene Selbsteinschätzung des Mannes hinter Mischpult und Plattentellern. Visitenkarte? Eher ein Generalschlüssel, der Tür und Tor öffnet, zu den Gehörgängen aufgeschlossener Heads. © Laut