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Die Alben

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Soul - Erschienen am 1. Januar 2012 | Polydor Records

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 4F de Télérama - Hi-Res Audio - Sélection du Mercury Prize
Als "Sound Of 2012" zeichnete die BBC Michael Kiwanuka unlängst aus. Ohne einen Langspieler veröffentlicht zu haben, trat der Engländer damit in die Fußstapfen von Künstlern wie Adele, Keane oder Corinne Bailey Rae. Zwei kleine EPs reichten aus, um die Jury zu überzeugen und die Musikwelt wie gebannt auf das Debüt-Album warten zu lassen. Denn der 23-Jährige ist gesegnet mit einer Stimme, die ihresgleichen bei den ganz Großen sucht. Ein bisschen Bill Withers und Terry Callier schwingt mit, ein wenig Otis Redding und Van Morrison, vielleicht sogar Nick Drake. Sein wohlig-warmer, sanfter Bariton macht Kiwanukas Organ so zeitlos, dass er auch die Wahl zum "Sound Of 1967" hätte gewinnen können. Das reichte der BBC, um die gehypten Mitbewerber Frank Ocean und Azealia Banks auf die Plätze zu verweisen. Verglichen mit den beiden Newcomer-Kollegen wirkt "Home Again" ungewöhnlich ausgereift, erwachsen und überlegt. Was nicht nur an den unterschiedlichen Genres des Trios liegt, sondern auch daran, dass der Londoner und sein Produzent John Butler (The Bees) wenig Neues wagen. Sie haben ja schließlich schon gewonnen. Kiwanukas Debüt strotzt nicht gerade vor Innovation und Originalität, sondern plätschert zunächst relativ mutlos auf den sicheren Pfaden des jazzigen Souls der frühen Siebziger – zumindest auf den ersten Umdrehungen. Erst nach mehreren Durchgängen entwickelt diese knapp 40 minütige Mischung aus Soul, Blues, Folk und Gospel eine seltsam aufregende Dynamik, die eigentlich gar nicht zum entspannten Grundtenor des Albums passt. "Always Waiting" heißt das Programm, schließlich haben auch Langsamkeit und Ruhe ihre faszinierenden Momente. Zumindest, wenn man sich darauf einlässt. Denn erst dann entdeckt der Hörer die Detailliebe und Perfektion, mit der Butler seiner Entdeckung zehn wunderschöne Songs auf den Leib geschneidert hat. Das gilt natürlich vor allem für das schon längst überall gefeierte "Tell Me A Tale", ein großes Stück Musik, das verschiedene Flöten, Percussion und Brass-Bläser vereint und schon jetzt zu den besten Songs des Jahres zählt. Mit dem alles überstrahlenden Opener als Antrieb entführt "Home Again" auf eine spirituellen Reise durch reichhaltige, aber nicht aufdringliche akustische Welten, die eine E-Gitarre und ein Rhodes Piano nur gelegentlich sanft durchbrechen. Eine Sitar hier ("I'll Get Along"), eine Kora ("I Won't Lie") da, hin und wieder zurückhaltende Streicher, um den Songs noch mehr Tiefe zu verleihen als sie durch das ausgefeilte Arrangement und Kiwanukas vereinnahmende Stimme ohnehin schon haben. Aber nicht die allerlei ausgefallenen Instrumente sind es, die "Home Again" zu einem grandiosen Pop-Album machen, sondern die Vertrautheit, mit der Kiwanuka jeden umgarnt, der ihn an sich ran lässt. "Rest" könnte auch von Eric Clapton stammen, etwas mehr Folk im Dylan-Stil bringt das nicht minder bluesige "Bones", das zweite große Highlight des Albums. "I'm Getting Ready" und "Any Day Will Do Fine" würden auch Leonard Cohen gut zu Gesicht stehen. Das schwerfällige, chorale "Always Waiting" lockert ein Charango auf, deutlich luftiger ist "I'll Get Along", das mit Flöten und Cowbell arbeitet und ein fast unanständiger Gute Laune-Ohrwurm ist. Kiwanuka erfüllt die Erwartungen, die die Vorschusslorbeeren geschürt haben, wenn er auch etwas Anlauf dafür braucht. Allerdings schließt sich die Frage an, was als nächstes kommt, auf einem zweiten Album dürfte das "Home Again"-Konzept nicht wieder funktionieren. Doch das ist Zukunftsmusik, zunächst gilt es, die Gegenwart und damit den "Sound Of 2012" bis zum Schluss auszukosten. Ende April findet der Engländer den Weg in hiesige Konzerthallen. Der Besuch ist Pflicht. © Laut
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Dance - Erschienen am 1. Januar 2008 | Polydor Records

Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
Das Verstörendste daran, über Nacht berühmt geworden zu sein, sind für Elly Jackson das neue Arbeitspensum und Menschen, die sie auf der Straße erkennen. Nicht unbedingt Antworten, die Lily Allen vor drei Jahren abgegeben hätte, in deren Vorprogramm La Roux bereits spielten. Letztlich ist es die Musik, die der erst 20 Jahre jungen, melancholischen Londonerin am Herzen liegt. Dass sie eine sehr auffällige Frisur trägt, sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass ihr Debütalbum formidabel ausgefallen ist. Ein solch himmelstürmendes Pamphlet auf fröhliche, kristallin poppende Vintage-Synthesizer gab es wahrscheinlich seit den seligen Tagen von Soft Cell, Depeche Mode und Yazoo nicht mehr. Und darauf hat eigentlich auch niemand gewartet. So überrascht in erster Linie die stimmige Reanimation altgedienter Analogsounds in zeitgemäße Soundscapes: Zu "In It For The Kill" und "Quicksand", zwei der herausragenden Tracks, tanzt bereits halb England. Würde man dasselbe dort nicht auch zu Lady Gaga tun, wäre man geneigt, der Stilsicherheit der Insulaner neidische Blicke zuzuwerfen. Die schnelleren Songs funktionieren auf Anhieb hervorragend. Neben den erwähnten Singles entpuppt sich "Bulletproof" als würdige Auskopplung. Hier wirft Jackson ihre aggressivste Gesangsdarbietung in den Ring. Erstmals wird vorstellbar, wie sie kürzlich mit Franz Ferdinand Blondies "Call Me" interpretiert hat. Der Preis für die schönste Bridge der Platte geht dann an "Fascination", überhaupt liegt das Geheimnis der La Roux'schen Faszination in den aparten Melodiebögen und ausgetüftelten Übergängen. Einzig "As If By Magic" und "I'm Not Your Toy" scheitern aufgrund jener fehlenden Zauberformel an der Fünf-Prozent-, äh, Punkte-Hürde. Ab auf die B-Seiten mit ihnen. Dafür reichts nämlich locker. Und ja, ihr Jacko-Faible hätten La Roux auch besser für sich behalten, anstatt in "Tigerlilly" einen zahnlosen "Thriller"-Werwolf-Part einzubauen. Jackson, also die Elly jetzt, hat jedenfalls Recht, wenn sie die Album-Produktion als Hauptunterschied zu all den Früh-Achtziger-Vergleichen heran zieht. Bei sämtlichen Verweisen steht "La Roux" felsenfest im Jetzt. Wer mit Jacksons Stimme hadert, der hat nie eine Eurythmics-Platte am Stück gehört. Wunderlicherweise holt Jackson aus ihrem hohen, eher dünnen Organ dank der Technik des Chorgesangs plötzlich so viel Wärme raus wie ein surrender Heizkörper. So gerät etwa "Cover My Eyes" mitsamt kitschig-traurigen Lyrics zur elektrisierenden Ballade. Dann hätten wir noch das flammende "Reflections Are Protection", für das laut Jackson vorsichtshalber auch schon ein Video gedreht wurde, falls das Label noch mehr Singles auskoppeln will. Ganz zauberhaft ist ja auch die personale Analogie von La Roux zu Yazoo (was sich sogar noch reimt, gütiger Gott!), denn mit Ben Langmaid hat Jackson eine Art Vince Clarke als bessere Hälfte bei sich. Ob der auch so medienscheu ist, weiß man nicht, aber außerhalb des Aufnahmestudios wird man ihn mit der La Roux-Frontkämpferin nie sehen. Darauf ist seinerzeit nicht mal Clarke gekommen. Vielleicht liegts bei Langmaid aber auch an den halbgaren House-Platten, die er Mitte der 90er mit Faithless-Rollo veröffentlichte. La Roux legen die Messlatte für alles Kommende hiermit relativ hoch und vermitteln gleichzeitig das Gefühl, dass da noch Großes kommen könnte. Mehr UK-Singles als Yazoo bei deren Debüt haben sie jetzt schon. "I'm doing it for a thrill / I'm hoping you'll understand / And not let go of my hand." Käme ich nie drauf, Elly! © Laut