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Die Alben

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Rock - Erschienen am 1. Januar 2014 | Polydor Records

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
London im Herbst 1966: "Clapton is God!", prangt als schmückendes Graffito an zahllosen Häuserwänden der britischen Hauptstadt. Die Supergroup Cream hat gerade ihr erstes Album, "Fresh Cream" eingetütet und spielt einen Gig im Polytechnik-Club. Auf Drängen eines Freundes laden sie spontan während des Auftritts einen gerade erst - nur mit 40 geborgten Dollars - gelandeten, vollkommen unbekannten Gitarristen namens Jimi Hendrix zum Jam auf die Bühne. Der stöpselt sich kurzerhand in Jack Bruces Verstärker und nagelt den geschockten Clapton mit furiosem Spiel kurzerhand an die Wand. Bruce: "Jimi war erst seit einer Woche in London, hatte schon Gott getroffen und Gott komplett abgefackelt!" Dieses Schlüsselerlebnis führt nicht nur zu tiefer Freundschaft zwischen Clapton und Hendrix, sondern motiviert Cream auch zu einer der besten und einflussreichsten Rockplatten aller Zeiten: "Disraeli Gears"! Nach einem weiteren Konzert mit der Jimi Hendrix Experience schreibt ein hochgradig inspirierter Jack Bruce noch in derselben Nacht den Monsterhit "Sunshine Of Your Love", dessen prägnante Hook jedes Kind zwischen London, L.A. und Tokio seit fast 50 Jahren kennt. Das ist bei weitem nicht die einzige Superlative dieser zweiten Cream-Platte. Vieles, was heute selbstverständlich zur Popkultur gehört, findet hier seinen Urknall. Ihr "Tales Of Brave Ulysses" etwa verkörpert gemeinsam mit Hendrix' "Burning Of The Midnight Lamp" den Beginn musikhistorisch relevanter Verwendung des Wah-Wah-Pedals. Raufbold Ginger Baker krönt sich dieser Tage zum Erfinder des Drumsolos im Rockkontext. Und als Grundsteinlegung für Metal und alle anderen Arten härterer Gitarrenmusik stehen die "Disraeli Gears" souverän auf einem Podest zwischen Hendrix' "Are You Experienced" und Velvet Undergrounds Bananendebüt. Verglichen mit anderem zeitgenössischen Rock klingt dieser Song so gefährlich wie ein Wolf unter Schafen. Das Rezept ist ebenso einfach wie bahnbrechend innovativ. Die jazz-geschulten Bruce und Baker basteln einen höllisch harten und rauen Rhythmus, der dennoch konstant groovt. Während Ginger gern archaische Rhythmen afrikanischer Trommelkunst einwebt, wandelt Jack seinen Bass zum zupackend knurrenden Raubtier, das allzu gern und höchst effektiv mit Claptons E-Gitarre, um die Position des Lead-Instruments streitet. Der noch recht junge Slowhand gibt mit der Axt seine ganz eigene Mischung aus verzerrter Härte ("SWLABR") und drogenschwangerer Psychedelia ("World Of Pain") dazu. Schon jede einzelne dieser Ideen war für sich genommen für das Publikum neuartig. Zusammen genommen ergibt der farbenprächtige Klang-Cocktail eine geradezu revolutionäre Dimension. Clapton: "Hätten wir uns nicht so schnell aufgelöst, würde man uns heute wohl als erste Heavy Metal Band betrachten, obwohl wir so stark im Rhythm And Blues wurzeln. Led Zeppelin haben diese von uns liegen gelassene Fackel erfolgreich aufgenommen und weiter getragen." Baker sieht die Platte in einem ganz anderen Licht: "Man schreibt uns oft die Geburt des Metal zu. Sollte das zutreffen, hätte man das Kind wohl besser abtreiben sollen." Doch auch der gewohntermaßen recht spröde Charme dieses Rauhbeins kann nicht verhindern, dass nahezu jeder Metal-Drummer folgender Generationen ( z.B. Van Halen) den alten Londoner Haudegen als wesentlichen Einfluss und echte Ikone verehrt. Lieder wie "SWLABR" ("She Walks Like A Bearded Rainbow") oder "We're Going Wrong" verhalten sich zum Metal, wie das Mammut zum Elefanten. Bei den Texten von "Disraeli Gears" läßt sich Leadsänger und Hauptkomponist Bruce gern von Dichter Pete Brown unter die Arme greifen, der ihnen u.a. auch die Lyrics zu "I Feel Free" bastelte und die Zeilen von "White Room" beisteuert. Die Worte in "Ulysses" hingegen stammen von Claptons Nachbar, dem australischen Maler und Poeten Martin Sharp, der ihnen auch gleich das Titelbild pinselt. Seines Zeichens ebenfalls ein Meilenstein des Beginns zahlloser psychedelischer Artwork-Cover. Mit "Strange Brew", einem der seltenen Cream-Momente Claptons am Mikro, gelingt dem Powertrio dazu einer der schicksten Opener aller Zeiten. Die klingenscharfe Gitarre hackt sich wie ein Greif in die ebenso entrückt wie beschwörend gesungene Popmelodie. Als besonderen Anspieltipp sei jedem Novizen das filigrane "Dance The Night Away" empfohlen. Die anmutige Melodie schraubt sich aus dem stereo-verspielten Kampf seiner Instrumente hervor. Letztere ringen allesamt um Thron und Führung. Dabei vergessen sie nie, den Gesang angemessen songdienlich zu unterstützen. Zur Krönung gleitet Claptons Sechssaitige zwischendrin durch den Song wie der Läufer übers Schachbrett. "Dance myself to nothing. Vanish from this place./ Gonna turn myself to shadow. So I can't see your face./ Dance the night away." Acid hat dieses Album als heimliches Bandmitglied entscheidend mitgeprägt. Mann hört der Platte in jeder Sekunde den Übergang von der Unschuld zur Krise an. Immerhin war LSD bis kurz vor Beginn der Aufnahmen eine legale Substanz und man nahm den kreativen Schub gern an. Doch vor allem für Clapton wird es langsam problematisch. Bruce und Baker liegen sich - wie früher - dauernd in den Haaren. Beide Egomanen tauschen auf der Bühne wie im Studio gern Tritte und Handgreiflichkeiten aus. Der zurückhaltendere Clapton findet sich mehr und mehr auf dem undankbaren Posten des blitzableitenden Friedensstifters wieder. Zu viel für den sensiblen Gitarristen, der sich mit allerlei Rauschmitteln immer mehr von der zerstörerischen Aggression seiner Kumpanen abzukapseln sucht. Auf der Zielgeraden von "Disraeli Gears" überholt sie Hendrix noch dazu ein weiteres Mal. Sein simultan entstandenes "Are You Experienced?" erscheint einige Monate zuvor und degradiert die Cream-Platte zunächst zum Nachzügler. Sehr zum Verdruss Claptons sprechen in den ersten Monaten nach der Veröffentlichung fast alle von Jimi und kaum jemand von Cream. Diese popkulturelle Ladehemmung lag einzig an einer Verzögerung beim Erstellen des Albumcovers. Sie konnte den verdienten Siegeszug zum Glück jedoch nicht aufhalten. Nach dem Ende von Cream verstreut es die drei Mitglieder dann recht schnell in alle Winde. Hendrix stirbt. Clapton startet seine Solokarriere, verliebt sich unglücklich in die Frau von Kumpel George Harrison und gerät an die Nadel. Der wilde Baker macht einen Nachtclub in Nigeria auf und spielt Platten von Fela Kuti oder Johnny Rottens P.I.L. ein. Jack Bruce gelingt bis zu seinem Tod 2014 kein echtes Anknüpfen an die erfolgreiche Cream-Ära. So erfüllt sich die Prophezeiung der "Disraeli Gears" schlussendlich selbst: "You've got that rainbow feel but the rainbow has a beard." © Laut
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Dance - Erschienen am 1. Januar 2011 | Polydor Records

Booklet Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' perfekte Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music - Sélection Les Inrocks - 3 étoiles Technikart - Sélection du Mercury Prize
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Dance - Erschienen am 1. Januar 2011 | Polydor Records

Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' perfekte Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music
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Rock - Erschienen am 1. Januar 2010 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung - Sélection Les Inrocks
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Rock - Erschienen am 1. Januar 2009 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
New York, Herbst 1993. Am Broadway nördlich vom Greenwich Village befindet sich ein leer stehendes Grundstück, in einen Parkplatz umfunktioniert, auf dem samstags ein Flohmarkt stattfindet. An der Straße steht ein Dieb, der versucht, eine gestohlene Kamera an den Mann zu bringen. Die Stände hinter ihm bieten den üblichen Kram an, stapelweise alte Magazine, zerfledderte Bücher, ausgelatschte Schuhe. Einer hat Tausende Schallplatten im Angebot, in Kisten gepackt, alphabetisch sortiert. Es ist die Hochzeit der Compact Disc. MP3 ist noch ein Begriff für Computernerds, bezahlbare Kopiermöglichkeiten außer der guten alten Kassette gibt es keine. LPs gelten als total uncool und sind zur Ramschware verkommen. Entsprechend steht auf einem Pappschild: "Each record 3 $". Bruce Springsteens Bühnen-Feuerwerk "Live 1975-85" lächelt mich an. Eine Box mit fünf LPs, die nach kurzer Inspektion offenbar noch nie abgespielt wurden. "Make it five Dollars", meint der Verkäufer. Ein Glücksgriff, auf den gleich ein weiterer folgt. Denn unter "R" steht ganz vorne "Sticky Fingers". US-Originalausgabe samt Reißverschluss. Mit deutlichen Gebrauchsspuren, aber mindestens das zehnfache der 3 Dollar wert, die ich dafür hinblättere. Als ich sie zu Springsteen in die Plastiktüte stecke, muss ich aufpassen, The Boss' Antlitz nicht mit dem Reißverschluss zu verkratzen. Als ich sie andersrum reinstecke, reiße ich die Tüte auf. So geht es einigen, die die Platte 1971 kaufen. Es soll auch Läden gegeben haben, die sie gar nicht erst ins Sortiment genommen haben, aus Furcht vor Beschädigungen. Verantwortlich dafür ist Andy Warhol, der 1967 die ikonenhafte Banane auf das Cover von Velvet Undergrounds Debüt platzierte. Zwei Jahre später erhält er einen Auftrag von Mick Jagger. "In my short, sweet experience, the more complicated the format of the album, e.g. more complex than just pages or fold-out, the more fucked up the reproduction and agonising the delays", erklärt der Sänger 1969 in einem Brief. Daraus geht hervor, dass das Cover ursprünglich für ein Best Of-Album vorgesehen ist, doch es kommt anders. 1970 trennen sich die Stones von Management und Label und nehmen das Zepter selbst in die Hand. In erster Linie Jagger, der nicht zufällig Warhol im selben Brief auffordert, ihm seinen Preis zu nennen. Parallel gibt der geschäftstüchtige Frontmann auch ein Logo in Auftrag, das die Stones auch ohne Schriftzüge erkennbar machen soll. Das Ergebnis ist der Mund mit der ausgestreckten Zunge, der seitdem von jedem T-Shirt der Band prangt. Warhol nimmt die Vorgaben zum Anlass, seine künstlerischen Freiheiten auszudehnen. Der Reißverschluss entwickelt sich bei Cover-Herstellung und Albumvertrieb zum Albtraum. Das sich deutlich abzeichnende Geschlechtsorgan sorgt für einen handfesten Skandal, wobei sich unter dem Reißverschluss, der sich ja öffnen lässt, eine züchtige weiße Unterhose verbirgt. Bald verschwindet sie ebenso wie der echte Reißverschluss, denn spätere Pressungen sind nur noch mit einem schnöden Foto des Kunstwerkes versehen. Ihr vermutlich bestes Album haben die Rolling Stones 1968 mit "Beggar's Banquet" abgeliefert, ihr vielseitigstes folgt ein Jahr später mit "Exile On Main Street". Doch auch "Sticky Fingers" ist ein grundlegendes Album, ist es doch das erste mit Mick Taylor als Vollmitglied und auch das erste ohne Beiträge des verstorbenen Brian Jones. Musikalisch pendelt es zwischen dem Blues der 60er Jahre und den Drogenexzessen, die bald folgen. Die wirken offenbar noch nicht so bedrohlich, wie sie sich später auswirken sollten. Der Opener "Brown Sugar" ist nichts anders als ein Lobgesang auf Sex in verschiedenen Ausprägungen - und Heroin. Der Refrain "Brown sugar, how come you taste so good / Brown sugar, just like a young girl should" ist Jagger in späteren Jahren so peinlich, dass er aus dem Mädchen einen Jungen macht. Die Stelle mit dem Auspeitschen seiner Geliebten streicht er ganz. Trotzdem bleibt er einer der besten Songs der Stones, zumal Richards hier eines seiner knackigsten Riffs abliefert. Mit dem folgenden "Sway" feiert Mick Taylor einen gelungenen Einstand. Nicht nur schreibt er den Song (obwohl er offiziell von Jagger/Richards stammt), sondern steuert auch die Soli in der Mitte und zum Schluss bei. Eigentlich handelt es sich um eine langsame Blues-Nummer, die mit Streichern und Nicky Hopkins am Piano angereichert ist. Es ist eines jener Stücke auf dem Album, die scheinbar einfach aufgebaut sind, bei genauem Hinhören jedoch vielschichtig ausfallen. Die Credits erwähnen, dass die Abmischung der Aufnahmen "zwei Millionen Stunden" gedauert habe. Auf einer Demo-Version von "Brown Sugar" war etwa Eric Clapton beteiligt, der in der Endversion aber nicht mehr zu hören ist. Zu "Wild Horses" bleibt nicht viel zu sagen – außer, dass es das "Let It Be" der Rolling Stones ist und damit bei jeder Tour Feuerzeugherstellern einen zweistelligen Umsatzzuwachs beschert. Viel interessanter fällt "Can't You Hear Me Knocking" aus, das mit über sieben Minuten längste Stück des Album. Zunächst geprägt von Richards' wie immer leicht scheppernder Gitarre, übernimmt nach einem Drittel Bobby Keyes am Saxophon, bevor Taylor das letzte Drittel schultert. Der Beweis, dass die Stones auch durchaus hörenswert jammen konnten. Dass ihnen auch der traditionelle Blues lag, zeigen sie mit dem Traditional "You Gotta Move", der mit einem jaulenden Jagger besticht und den Slide-Gitarren von Taylor und Richards, die sich bestens ergänzen. Eine Vielseitigkeit, die sich auf der zweiten Seite des Albums fortsetzt. "Bitch" steht zwar im Schatten von "Brown Sugar", ist vom Groove her aber ebenbürtig. "I Got The Blues" fällt mit seiner sehr einfach gezupften Gitarre eine Spur zu schnulzig aus, hebt aber das folgende "Sister Morphine" umso mehr hervor. Ein Überbleibsel aus den Aufnahmen zu "Let It Bleed" (1969) und eine Co-Arbeit mit Marianne Faithfull, die den Text geschrieben hat. "Please, Sister Morphine, turn my nightmares into dreams / Oh, can't you see I'm fading fast? / And that this shot will be my last" fleht ein Süchtiger. "Oh, I can't crawl across the floor / Ah, can't you see, Sister Morphine, I'm trying to score". Eines der Drogen-Lieder schlechthin. Mit einer grandiosen Slide-Gitarre, die übrigens nicht von Mick Taylor stammt, sondern von Ry Cooder. Auf "Dead Flowers" ist der Einfluss von Richards' Kumpel Gram Parsons, der zwei Jahre später an seiner Heroin-Sucht sterben sollte, deutlich herauszuhören. Zwar galt der Song mit seinem Country-Rock lange als B-Ware, doch die sarkastischen Lyrics ("You can send me dead flowers every morning / Send me dead flowers by the mail / Send me dead flowers to my wedding / And I won't forget to put roses on your grave") machen es zu einem der besseren der Band. Die abschließende Ballade "Moonlight Mile" kommt ohne Richards aus, bietet dafür Streicher und einen seltenen Einblick in Mick Jaggers' Innenleben. "The sound of strangers sending nothing to my mind / Just another mad mad day on the road / I am just living to be lying by your side / But I'm just about a moonlight mile on down the road", jammert er. Herr Jagger hat den Blues - diesmal offenbar wirklich. Die LP verschenkte ich ein paar Jahre später an einen Kumpel, der ein großer Rolling Stones-Fan war und Tränen in den Augen hatte, als er sie in den Händen hielt. Seitdem begnüge ich mich mit einer Limited Edition CD-Version, die ich in einem Second-Hand-Plattenladen in Paris aufgestöbert habe. Nicht ebenbürtig, aber in seinem Plastikkäfig kann der Reißverschluss wenigstens keinen Schaden anrichten. Das Kratzen der Nadel in den Rillen fehlt mir. Die Musik an sich aber bleibt zeitlos. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 1. Januar 2008 | Polydor Records

Booklet Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung - Lauréat du Mercury Prize
Bombastisch, enthusiastisch, pompös, sensationell, traumhaft... ja, ich bin begeistert vom neuen Elbow-Album. Dieser vierte Triumphzug aus Manchester übertrifft seine Vorgänger mit emotionsgeladenen Melodien. Und man sollte ihn in vollen Zügen genießen, nicht nur weil der Titel dem verstorbenen Freund und Songwriter Bryan Glancy mit dem Spitznamen "Seldom Seen Kid" gewidmet ist, sondern auch weil die Band vorerst keine Studioplatten mehr herausgeben wird. Guy Garvey und seine Jungs haben keinen Bock mehr auf Massen-Downloads und Internet-Feilscherei. Ein Grund mehr, sich einen guten Background-Chor zu gönnen, einige Geiger, Cellisten, Trompeter und Bläser ins Studio einzuladen. Drei Jahre haben sich Elbow mit diesem Sound-Vergnügen Zeit gelassen, um Guys Liebesschwüre und betörende Stimme in ein harmonisches Streich-, Blas- und Piano-Bett zu decken. "Starlings" beginnt die gefühlvolle Komposition mit einer sich aufbauenden Orchester-Orgie. Deren Verneigung sich später auch Jazzgrößen wie George Gershwin zuwendet und Elemente vom ewigen Klassiker "Summertime" beinhaltet ("The Bones Of You"). Wenn der Mann liebt, dann bis auf die Knochen. Eindringliche und sentimentale Geständnisse schreibt Mr. Garvey in poetischen Worten und anschaulichen Metaphern. Ein wahrer Dichter unter den englischen Popbands. "I have an audience with the pope / And I'm saving the world at eight / But if she says she needs me / She says she needs me / Everybody's gonna have to wait..."("An Audience With The Pope"). Ist das nicht wunderschön gesagt? Kann der Mann mich bitte heiraten?! Derartige, tief romantische Wortattraktionen bietet Guy in jedem Lied. Rührende Melancholie steckt bereits im Titel. Ein lautes Seufzen durchdringt "The Loneliness Of A Tower Crane Driver" oder manchmal auch etwas wütender mit brachialer Tischperformance in der ersten Singleauskopplung "Grounds For Divorce" (im Video auch zu sehen). Der Cocktail aus Soul und Pop umschmeichelt süffig die Seele. Trotz Trauer und Schmerz mit starkem Alkohol- und Zigarettenkonsum hört man auch immer wieder die lebensfrohen Momente. Neue Lieben und der freudige Nachwuchs sind Themen der Platte. In "The Fix" liefern sich Gast Richard Hawley und Guy ein harmonisches Duett, im Geiste der 40er/50er Jahre-Kneipenfreundschaften. "One Day Like This" steigert sich am Ende noch mal zur innigen Offenbarung: "Well anyway, it's looking like a beautiful day." Mit der Sonne im Nacken und diesem Album auf den Ohren ist jeder Tag ein wunderschöner Tag. Kann man nur noch hoffen, dass Elbow uns mit komplettem Orchester-Arrangement auf ihrer Konzertreise besuchen. © Laut
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Pop - Erschienen am 1. Januar 2006 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
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Rock - Erschienen am 1. Januar 2003 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
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Pop - Erschienen am 1. Januar 1995 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
1970 stand Pete Townshend vor demselben Problem wie Brian Wilson vier Jahre zuvor: Wie sollte er das vorherige Album seiner Band toppen? "Pet Sounds" (1966) war zwar offiziell von den Beach Boys, in Wirklichkeit aber ein Werk Wilsons, der die Instrumentalspuren eingespielt hatte, während die Band auf Tour war. Bei The Who hatten sich die anderen Mitglieder mehr eingebracht, das Konzept von "Tommy" (1969) stammte aber von Townshend, der auch die musikalische Leitung übernommen hatte. Beide, Wilson wie Townshend, hatten ihre Bands fest im Griff. Kurz zusammengefasst erzählte "Tommy" die Geschichte eines Mannes, der als Jugendlicher infolge eines Traumas blind, taub und stumm wird. Er trifft auf Unverständnis und wird gar sexuell misshandelt. Seine wundersam wirkende Heilung macht ihn zu einem Guru, dessen Jünger ihn allerdings bald fallen lassen, um sich an neue Idole heranzuschmeißen. Beide, "Pet Sounds" wie "Tommy", gelten als Meilensteine der Musikgeschichte. Doch war das offenbar nicht genug, denn Wilson wie Townshend entschieden sich, noch wagemutiger zu werden. Bei den Beach Boys hieß das Projekt "Smile", bei Townshend "Lifehouse". Die Beach Boys rebellierten. Was auch daran lag, dass Wilson praktisch den Verstand verloren hatte, in einer eigenen Welt lebte und sich durch Alkohol- und Drogenmissbrauch völlig abgekapselt hatte. Welche geniale Ideen er hervorgebracht hatte, zeigt sich an den Stücken, die die Band trotzdem aufnahm, allen voran "Good Vibrations", das zur erfolgreichsten Single ihrer Karriere wurde. Townshend hatte auch eigenwillige Vorstellungen und war Drogen und Alkohol nicht abgeneigt, den Kontakt zur Realität hatte er jedoch nicht verloren. Die Geschichte von "Lifehouse" sollte in einer Zukunft spielen, in der die Menschen elektronische Anzüge tragen, die ein Netz bilden und an einen gemeinsamen Einspeisepunkt angebunden sind. Damit versorgt sie eine zentrale Macht mit verblödendem Infotainment. Einem Hacker gelingt es aber, Rock'n'Roll in das System einzuspeisen. Die Geläuterten werfen im Lifehouse ihre Fesseln ab und finden zu ihrem wahren Selbst. Auslöser für das Konzept war das Gefühl, das Townshend bei einigen der sehr erfolgreichen Konzerten auf der "Tommy"-Tour ereilt hatte. "Manchmal waren die Vibes so intensiv, dass ich meinte, die Welt würde gleich stehen bleiben. Alle Anwesenden bildeten eine Einheit." Es war, als ob der Geist den Körper verlassen und einen ekstatischen Zustand erreicht hätte. Diesen Zustand wollte Townshend wieder herstellen, bei regelmäßigen Konzerten mit seiner Band im Londoner Theater Young Vic, bei denen die Zuschauer eine aktive Rolle spielten. Die Musik sollte die Persönlichkeiten dieser Zuschauer widerspiegeln. Doch nicht genug: Dank der aufkommenden elektronischen Geräte und der Entwicklungen im Bereich der Informatik sollte es schließlich möglich sein, automatisierte Musik zu erzeugen, die der Persönlichkeit jedes einzelnen entspricht und den ersehnten ekstatischen Zustand auslöst. Wem das ziemlich abgefahren vorkommt, ist in guter Gesellschaft - in der von Townshends Bandkollegen. Townshend ist heute stolz darauf, das Internet vorweg genommen zu haben, doch damals klang das nach Science Fiction. Frustriert versuchten alle Beteiligten, sich zusammen zu reißen, bis sie einsehen mussten, dass es keinen Sinn hatte. Townshend erlitt einen Nervenzusammenbruch, beerdigte schließlich das Projekt und ließ sich, wie Wilson, breit schlagen, mit verschiedenen bereits aufgenommenen Auszügen ein konventionelles Album auf die Beine zu stellen. Das Werk erhielt den schlichten Titel "Who's Next". Die Fußstapfen, in die es trat, waren riesig. Mit "Tommy" hatten The Who den Durchbruch geschafft, trotz oder dank Woodstock, einen Auftritt, den sie gehasst hatten. Das Album verkaufte sich 20 Millionen Mal, es gab Adaptionen als Musical, eine Orchesterfassung, später einen Film. Das Thema war sperrig, die musikalische Umsetzung aber vielseitig und oft sehr eingängig. "Pinball Wizard", "I'm Free" und "See Me, Feel Me" gehören nach wie vor zu ihren bekanntesten Lieder. Was für ein geniales Gespür für Melodien Townshend hat, bewies er gleich im Opener. "Baba O'Reilly" beginnt mit einer Sequenz auf dem Synthesizer, damals noch sperrige, sündhaft teure und wenig verbreitete Klötze. Sie zu spielen war schwierig, eher etwas für Nerds als für Rockmusiker. Townshend hatte sich eines zugelegt und daran rumgefummelt, bis sich die Töne gegenseitig zu überholen schienen. Ein geniales Intro, das das gesamte Stück über läuft, ergänzt durch Stimme, Klavier, Bass, Schlagzeug und Fiddle. Gewidmet war das Stück zwei seiner großen Vorbilder, dem indischen Guru Meher Baba und dem britischen Komponisten Terry O'Reilly. Der erste hatte ein Schweigegelübte abgelegt und 1945 seine letzten Worte gesprochen, die Jahrzehnte später Bobby McFerrin zu einem Grammy-Song inspirierten: "Don't worry, be happy". Der fortan schweigende Baba war zu einem angesehen Guru geworden mit Anhängern in der ganzen Welt, unter ihnen auch Townshend. In der ursprünglichen Fassung war das Stück 30 Minuten lang, für das Album wurde es (gnädigerweise) auf fünf gekürzt. Darin verarbeitete Townshend auch seine negative Erfahrung in Woodstock. "Don't cry / Just raise your eye / There's more than teenage wasteland" diktierte er ins Mikrofon. Ein Geniestreich, der seitdem bei kaum einem Konzert fehlt. Das folgende "Bargain" ist ein eher klassisches Rockstück mit Powerchords. Eine Liebeserklärung, die Townshend nicht an eine Angebetete richtet, sondern an Meher Baba. "I'd gladly lose me to find you / I'd gladly give up all I had / To find you I'd suffer anything and be glad", heißt es gleich zu Beginn. Selbstaufgabe, um zur Ruhe zu kommen, der beste Deal, den er je gemacht habe, so die Bedeutung des Refrains. Was kann konventionelle Liebe im Vergleich dazu ausrichten? Genau, nicht so viel, denn "Love Ain't For Keeping". Auf das kurze, fast schon folkige Intermezzo folgt ein Stück von Bassist John Entwistle, der nicht nur singt und Bass spielt, sondern auch Klavier und die Bläser beisteuert. Die Geschichte handelt von einem Mann, der so betrunken ist, dass er in die Ausnüchterungszelle landet und dort ängstlich auf die Reaktion seiner eifersüchtigen Ehefrau wartet. Zeit für Townshend, wieder das Mikrofon zu übernehmen. "The song is over, It's all behind me" singt er zu Beginn, womit nicht "My Wife" gemeint ist, sondern der Prozess der Befreiung durch den Rock'n'Roll. Es sollte die Coda für "Lighthouse" werden, beendete schließlich aber lediglich die A-Seite des Ersatzalbums. Die richtig schweren Geschütze fährt Townshend dann auf der B-Seite auf. "Getting In Tune" vermittelt, wie er sich in dieser schwierigen Zeit gefühlt haben mag: "I'm singing this note 'cause it fits in well with the chords I'm playing / I can't pretend there's any meaning here or in the things I'm saying". Wieder ein typisches Who-Stück mit vielen rhythmischen Wechseln, das trotz seiner Komplexität als guter Rock-Song taugt. "Going Mobile" bietet einen wesentlich fröhlicher aufgelegten Townshend, der hier alleine singt und so etwas wie die Hymne aller Wohnmobilfans vorlegt, die dann abends die Feuerzeuge rausholen, um eine der ganz großen Balladen abzufeiern. So gut, dass selbst Limp Bizkit "Behind Blue Eyes" nicht so sehr verhunzen konnten, dass es 2003 nicht zu einem ihrer Hits wurde. Dabei bietet das Stück mehr als nur Lagerfeuerstimmung, denn zwischendrin gibt die Band ordentlich Gas. Vor allem Keith Moon, ein Schlagzeuger, wie es ihn davor nicht gegeben hatte und wohl auch nicht mehr geben wird. Was er spielte, war verrückt. Nicht in einem technischen Sinne und auch nicht wegen der Komplexität seiner Rhythmen, sondern weil es eigentlich keinen Sinn machte. Aber rocken, das tat er. Ihm zuzuhören ist immer wieder eine Offenbarung. Der einzige, der ihm in jenen Jahren das Wasser reichen konnte, war John Bonham. Beide gingen an ihrem Wahnsinn, der in zu viel Alkohol und Drogen mündete, zugrunde. The Who überlebten, als Moon 1978 starb, mussten sich aber neu erfinden, Led Zeppelin lösten sich 1980 auf. Nicht die einzigen Ähnlichkeiten: Die Sänger beider Bands waren stimmgewaltige Gockel und wurden mit ihren aufgeknöpften Hemden und wilden Lockenmähnen zu Rock-Ikonen. Beide Bassisten schienen sich mit einer Nebenrolle zufrieden zu geben, waren dabei Multiinstrumentalisten und brachten viele Ideen ein. In beiden Fällen waren die Gitarristen die Hauptideengeber und die wichtigsten Entscheidungsträger. In einer gewissen Hinsicht ebneten The Who den Weg für Led Zeppelin, die sich aber nie an ein Konzeptalbum heranwagten. An die Grenzen gehen konnten sie beide, wie The Who zum Schluss mit "Won't Get Fooled Again" beeindruckend zeigen. Wieder mit Synthie-Sequenz, aber auch mit ordentlich lauter Gitarre und Sänger Roger Daltrey am Anschlag. Achteinhalb Minuten lang geben sie alles, kritisieren Revolution und Terror. Ein Stück, dass nicht nur ein tolles Album, sondern auch oft ihre Konzerte abschließt. So erfolgreich wie "Tommy" wurde "Who's Next" nicht, im Nachhinein war es musikalisch aber ihre beste Platte. Auch wegen des Covers, eine Anspielung auf Stanley Kubricks Anfangsequenz von "2001: Odyssee im Weltraum", nur dass der Monolith hier eine Betonwand ist, auf die die Bandmitglieder gerade gepinkelt haben. Die Lage ist ernst, wir sollten uns aber nicht allzu ernst nehmen, so die Botschaft. "Lighthouse" war damit nicht gestorben. Weitere Lieder erschienen auf folgenden Platten von The Who und auch auf Solowerken Townshends. 1999 strickte er ein Hörspiel daraus, das im britischen Radio übertragen wurde, 2000 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel "The Lifehouse Chronicles". 2007 kam er dem ursprünglichen Projekt nahe, als er die Webseite www.lifehouse-method.com freischaltete, auf der Besucher persönliche Daten eingeben konnten, aus denen Musik erzeugt wurde. Nach einem Jahr und 10.000 generierten Stücken war sie wieder offline. Und so kam es also nicht anders als bei Wilson, der 2004 "Smile" zu Ende brachte und veröffentlichte. Freilich waren die Ergebnisse in beiden Fällen keine Offenbarung, sondern eher der persönlicher Abschluss eines lange liegen gebliebenen Projekts. "Pick up my guitar and play / Just like yesterday / Then I'll get on my knees and pray / We don't get fooled again", eben. © Laut
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Pop - Erschienen am 1. Januar 1995 | Polydor Records

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Jazz - Erschienen am 1. Januar 1989 | Polydor Records

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Pop - Erschienen am 1. Januar 1984 | Polydor Records

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Alternativ und Indie - Erschienen am 1. Januar 1980 | Polydor Records

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Original Soundtrack - Erschienen am 14. April 1978 | Polydor Records

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
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Pop - Erschienen am 1. Januar 1977 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Paul Weller ist gerade einmal 17 Jahre alt, als er im März 1977 mit Bruce Foxton und Rick Buckler ins Studio geht. Einige Monate später schlägt das Ergebnis dieser Zusammenarbeit wie eine Bombe in England ein. In The City, das erste Album der Jams, haut den Zuhörer ohne Vorwarnung von den Socken. Bei diesem ersten Versuch - brutal, kurz und kompromisslos - wird Wellers Vorliebe für den Punkrock und Bands wie The Who, The Small Faces, Motown, den Soul der Sixties (The Jam covert nämlich Slow Down von Larry Williams) und den Soundtrack der Mod-Bewegung der 60er und 70er Jahre deutlich. Der verbissene Jugendliche zeichnet mit viel Talent ein Portrait seiner Heimat England, seiner desillusionierenden Jugend und seines grauen Alltags. Er tritt kraftvoll in die Fußstapfen von Ray Davies und kann zugleich als Sprachrohr seiner Generation bezeichnet werden. Mithilfe von Rickenbackers Gitarrenriffs (der Geist seines Idols Pete Townshend von The Who ist hier eindeutig anwesend) stellt In The City den beeindruckenden, brutalen und wirksamen Anfang einer Revolte dar. Bereits mit dieser ersten Platte sichert sich The Jam einen Platz ganz oben neben Bands wie The Sex Pistols und The Clash. © Marc Zisman/Qobuz
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Rock - Erschienen am 1. Januar 1974 | Polydor Records

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
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Rock - Erschienen am 1. Januar 1974 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
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Rock - Erschienen am 23. April 1971 | Polydor Records

Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' perfekte Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Reissue
New York, Herbst 1993. Am Broadway nördlich vom Greenwich Village befindet sich ein leer stehendes Grundstück, in einen Parkplatz umfunktioniert, auf dem samstags ein Flohmarkt stattfindet. An der Straße steht ein Dieb, der versucht, eine gestohlene Kamera an den Mann zu bringen. Die Stände hinter ihm bieten den üblichen Kram an, stapelweise alte Magazine, zerfledderte Bücher, ausgelatschte Schuhe. Einer hat Tausende Schallplatten im Angebot, in Kisten gepackt, alphabetisch sortiert. Es ist die Hochzeit der Compact Disc. MP3 ist noch ein Begriff für Computernerds, bezahlbare Kopiermöglichkeiten außer der guten alten Kassette gibt es keine. LPs gelten als total uncool und sind zur Ramschware verkommen. Entsprechend steht auf einem Pappschild: "Each record 3 $". Bruce Springsteens Bühnen-Feuerwerk "Live 1975-85" lächelt mich an. Eine Box mit fünf LPs, die nach kurzer Inspektion offenbar noch nie abgespielt wurden. "Make it five Dollars", meint der Verkäufer. Ein Glücksgriff, auf den gleich ein weiterer folgt. Denn unter "R" steht ganz vorne "Sticky Fingers". US-Originalausgabe samt Reißverschluss. Mit deutlichen Gebrauchsspuren, aber mindestens das zehnfache der 3 Dollar wert, die ich dafür hinblättere. Als ich sie zu Springsteen in die Plastiktüte stecke, muss ich aufpassen, The Boss' Antlitz nicht mit dem Reißverschluss zu verkratzen. Als ich sie andersrum reinstecke, reiße ich die Tüte auf. So geht es einigen, die die Platte 1971 kaufen. Es soll auch Läden gegeben haben, die sie gar nicht erst ins Sortiment genommen haben, aus Furcht vor Beschädigungen. Verantwortlich dafür ist Andy Warhol, der 1967 die ikonenhafte Banane auf das Cover von Velvet Undergrounds Debüt platzierte. Zwei Jahre später erhält er einen Auftrag von Mick Jagger. "In my short, sweet experience, the more complicated the format of the album, e.g. more complex than just pages or fold-out, the more fucked up the reproduction and agonising the delays", erklärt der Sänger 1969 in einem Brief. Daraus geht hervor, dass das Cover ursprünglich für ein Best Of-Album vorgesehen ist, doch es kommt anders. 1970 trennen sich die Stones von Management und Label und nehmen das Zepter selbst in die Hand. In erster Linie Jagger, der nicht zufällig Warhol im selben Brief auffordert, ihm seinen Preis zu nennen. Parallel gibt der geschäftstüchtige Frontmann auch ein Logo in Auftrag, das die Stones auch ohne Schriftzüge erkennbar machen soll. Das Ergebnis ist der Mund mit der ausgestreckten Zunge, der seitdem von jedem T-Shirt der Band prangt. Warhol nimmt die Vorgaben zum Anlass, seine künstlerischen Freiheiten auszudehnen. Der Reißverschluss entwickelt sich bei Cover-Herstellung und Albumvertrieb zum Albtraum. Das sich deutlich abzeichnende Geschlechtsorgan sorgt für einen handfesten Skandal, wobei sich unter dem Reißverschluss, der sich ja öffnen lässt, eine züchtige weiße Unterhose verbirgt. Bald verschwindet sie ebenso wie der echte Reißverschluss, denn spätere Pressungen sind nur noch mit einem schnöden Foto des Kunstwerkes versehen. Ihr vermutlich bestes Album haben die Rolling Stones 1968 mit "Beggar's Banquet" abgeliefert, ihr vielseitigstes folgt ein Jahr später mit "Exile On Main Street". Doch auch "Sticky Fingers" ist ein grundlegendes Album, ist es doch das erste mit Mick Taylor als Vollmitglied und auch das erste ohne Beiträge des verstorbenen Brian Jones. Musikalisch pendelt es zwischen dem Blues der 60er Jahre und den Drogenexzessen, die bald folgen. Die wirken offenbar noch nicht so bedrohlich, wie sie sich später auswirken sollten. Der Opener "Brown Sugar" ist nichts anders als ein Lobgesang auf Sex in verschiedenen Ausprägungen - und Heroin. Der Refrain "Brown sugar, how come you taste so good / Brown sugar, just like a young girl should" ist Jagger in späteren Jahren so peinlich, dass er aus dem Mädchen einen Jungen macht. Die Stelle mit dem Auspeitschen seiner Geliebten streicht er ganz. Trotzdem bleibt er einer der besten Songs der Stones, zumal Richards hier eines seiner knackigsten Riffs abliefert. Mit dem folgenden "Sway" feiert Mick Taylor einen gelungenen Einstand. Nicht nur schreibt er den Song (obwohl er offiziell von Jagger/Richards stammt), sondern steuert auch die Soli in der Mitte und zum Schluss bei. Eigentlich handelt es sich um eine langsame Blues-Nummer, die mit Streichern und Nicky Hopkins am Piano angereichert ist. Es ist eines jener Stücke auf dem Album, die scheinbar einfach aufgebaut sind, bei genauem Hinhören jedoch vielschichtig ausfallen. Die Credits erwähnen, dass die Abmischung der Aufnahmen "zwei Millionen Stunden" gedauert habe. Auf einer Demo-Version von "Brown Sugar" war etwa Eric Clapton beteiligt, der in der Endversion aber nicht mehr zu hören ist. Zu "Wild Horses" bleibt nicht viel zu sagen – außer, dass es das "Let It Be" der Rolling Stones ist und damit bei jeder Tour Feuerzeugherstellern einen zweistelligen Umsatzzuwachs beschert. Viel interessanter fällt "Can't You Hear Me Knocking" aus, das mit über sieben Minuten längste Stück des Album. Zunächst geprägt von Richards' wie immer leicht scheppernder Gitarre, übernimmt nach einem Drittel Bobby Keyes am Saxophon, bevor Taylor das letzte Drittel schultert. Der Beweis, dass die Stones auch durchaus hörenswert jammen konnten. Dass ihnen auch der traditionelle Blues lag, zeigen sie mit dem Traditional "You Gotta Move", der mit einem jaulenden Jagger besticht und den Slide-Gitarren von Taylor und Richards, die sich bestens ergänzen. Eine Vielseitigkeit, die sich auf der zweiten Seite des Albums fortsetzt. "Bitch" steht zwar im Schatten von "Brown Sugar", ist vom Groove her aber ebenbürtig. "I Got The Blues" fällt mit seiner sehr einfach gezupften Gitarre eine Spur zu schnulzig aus, hebt aber das folgende "Sister Morphine" umso mehr hervor. Ein Überbleibsel aus den Aufnahmen zu "Let It Bleed" (1969) und eine Co-Arbeit mit Marianne Faithfull, die den Text geschrieben hat. "Please, Sister Morphine, turn my nightmares into dreams / Oh, can't you see I'm fading fast? / And that this shot will be my last" fleht ein Süchtiger. "Oh, I can't crawl across the floor / Ah, can't you see, Sister Morphine, I'm trying to score". Eines der Drogen-Lieder schlechthin. Mit einer grandiosen Slide-Gitarre, die übrigens nicht von Mick Taylor stammt, sondern von Ry Cooder. Auf "Dead Flowers" ist der Einfluss von Richards' Kumpel Gram Parsons, der zwei Jahre später an seiner Heroin-Sucht sterben sollte, deutlich herauszuhören. Zwar galt der Song mit seinem Country-Rock lange als B-Ware, doch die sarkastischen Lyrics ("You can send me dead flowers every morning / Send me dead flowers by the mail / Send me dead flowers to my wedding / And I won't forget to put roses on your grave") machen es zu einem der besseren der Band. Die abschließende Ballade "Moonlight Mile" kommt ohne Richards aus, bietet dafür Streicher und einen seltenen Einblick in Mick Jaggers' Innenleben. "The sound of strangers sending nothing to my mind / Just another mad mad day on the road / I am just living to be lying by your side / But I'm just about a moonlight mile on down the road", jammert er. Herr Jagger hat den Blues - diesmal offenbar wirklich. Die LP verschenkte ich ein paar Jahre später an einen Kumpel, der ein großer Rolling Stones-Fan war und Tränen in den Augen hatte, als er sie in den Händen hielt. Seitdem begnüge ich mich mit einer Limited Edition CD-Version, die ich in einem Second-Hand-Plattenladen in Paris aufgestöbert habe. Nicht ebenbürtig, aber in seinem Plastikkäfig kann der Reißverschluss wenigstens keinen Schaden anrichten. Das Kratzen der Nadel in den Rillen fehlt mir. Die Musik an sich aber bleibt zeitlos. © Laut
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Rock - Erschienen am 23. April 1971 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
New York, Herbst 1993. Am Broadway nördlich vom Greenwich Village befindet sich ein leer stehendes Grundstück, in einen Parkplatz umfunktioniert, auf dem samstags ein Flohmarkt stattfindet. An der Straße steht ein Dieb, der versucht, eine gestohlene Kamera an den Mann zu bringen. Die Stände hinter ihm bieten den üblichen Kram an, stapelweise alte Magazine, zerfledderte Bücher, ausgelatschte Schuhe. Einer hat Tausende Schallplatten im Angebot, in Kisten gepackt, alphabetisch sortiert. Es ist die Hochzeit der Compact Disc. MP3 ist noch ein Begriff für Computernerds, bezahlbare Kopiermöglichkeiten außer der guten alten Kassette gibt es keine. LPs gelten als total uncool und sind zur Ramschware verkommen. Entsprechend steht auf einem Pappschild: "Each record 3 $". Bruce Springsteens Bühnen-Feuerwerk "Live 1975-85" lächelt mich an. Eine Box mit fünf LPs, die nach kurzer Inspektion offenbar noch nie abgespielt wurden. "Make it five Dollars", meint der Verkäufer. Ein Glücksgriff, auf den gleich ein weiterer folgt. Denn unter "R" steht ganz vorne "Sticky Fingers". US-Originalausgabe samt Reißverschluss. Mit deutlichen Gebrauchsspuren, aber mindestens das zehnfache der 3 Dollar wert, die ich dafür hinblättere. Als ich sie zu Springsteen in die Plastiktüte stecke, muss ich aufpassen, The Boss' Antlitz nicht mit dem Reißverschluss zu verkratzen. Als ich sie andersrum reinstecke, reiße ich die Tüte auf. So geht es einigen, die die Platte 1971 kaufen. Es soll auch Läden gegeben haben, die sie gar nicht erst ins Sortiment genommen haben, aus Furcht vor Beschädigungen. Verantwortlich dafür ist Andy Warhol, der 1967 die ikonenhafte Banane auf das Cover von Velvet Undergrounds Debüt platzierte. Zwei Jahre später erhält er einen Auftrag von Mick Jagger. "In my short, sweet experience, the more complicated the format of the album, e.g. more complex than just pages or fold-out, the more fucked up the reproduction and agonising the delays", erklärt der Sänger 1969 in einem Brief. Daraus geht hervor, dass das Cover ursprünglich für ein Best Of-Album vorgesehen ist, doch es kommt anders. 1970 trennen sich die Stones von Management und Label und nehmen das Zepter selbst in die Hand. In erster Linie Jagger, der nicht zufällig Warhol im selben Brief auffordert, ihm seinen Preis zu nennen. Parallel gibt der geschäftstüchtige Frontmann auch ein Logo in Auftrag, das die Stones auch ohne Schriftzüge erkennbar machen soll. Das Ergebnis ist der Mund mit der ausgestreckten Zunge, der seitdem von jedem T-Shirt der Band prangt. Warhol nimmt die Vorgaben zum Anlass, seine künstlerischen Freiheiten auszudehnen. Der Reißverschluss entwickelt sich bei Cover-Herstellung und Albumvertrieb zum Albtraum. Das sich deutlich abzeichnende Geschlechtsorgan sorgt für einen handfesten Skandal, wobei sich unter dem Reißverschluss, der sich ja öffnen lässt, eine züchtige weiße Unterhose verbirgt. Bald verschwindet sie ebenso wie der echte Reißverschluss, denn spätere Pressungen sind nur noch mit einem schnöden Foto des Kunstwerkes versehen. Ihr vermutlich bestes Album haben die Rolling Stones 1968 mit "Beggar's Banquet" abgeliefert, ihr vielseitigstes folgt ein Jahr später mit "Exile On Main Street". Doch auch "Sticky Fingers" ist ein grundlegendes Album, ist es doch das erste mit Mick Taylor als Vollmitglied und auch das erste ohne Beiträge des verstorbenen Brian Jones. Musikalisch pendelt es zwischen dem Blues der 60er Jahre und den Drogenexzessen, die bald folgen. Die wirken offenbar noch nicht so bedrohlich, wie sie sich später auswirken sollten. Der Opener "Brown Sugar" ist nichts anders als ein Lobgesang auf Sex in verschiedenen Ausprägungen - und Heroin. Der Refrain "Brown sugar, how come you taste so good / Brown sugar, just like a young girl should" ist Jagger in späteren Jahren so peinlich, dass er aus dem Mädchen einen Jungen macht. Die Stelle mit dem Auspeitschen seiner Geliebten streicht er ganz. Trotzdem bleibt er einer der besten Songs der Stones, zumal Richards hier eines seiner knackigsten Riffs abliefert. Mit dem folgenden "Sway" feiert Mick Taylor einen gelungenen Einstand. Nicht nur schreibt er den Song (obwohl er offiziell von Jagger/Richards stammt), sondern steuert auch die Soli in der Mitte und zum Schluss bei. Eigentlich handelt es sich um eine langsame Blues-Nummer, die mit Streichern und Nicky Hopkins am Piano angereichert ist. Es ist eines jener Stücke auf dem Album, die scheinbar einfach aufgebaut sind, bei genauem Hinhören jedoch vielschichtig ausfallen. Die Credits erwähnen, dass die Abmischung der Aufnahmen "zwei Millionen Stunden" gedauert habe. Auf einer Demo-Version von "Brown Sugar" war etwa Eric Clapton beteiligt, der in der Endversion aber nicht mehr zu hören ist. Zu "Wild Horses" bleibt nicht viel zu sagen – außer, dass es das "Let It Be" der Rolling Stones ist und damit bei jeder Tour Feuerzeugherstellern einen zweistelligen Umsatzzuwachs beschert. Viel interessanter fällt "Can't You Hear Me Knocking" aus, das mit über sieben Minuten längste Stück des Album. Zunächst geprägt von Richards' wie immer leicht scheppernder Gitarre, übernimmt nach einem Drittel Bobby Keyes am Saxophon, bevor Taylor das letzte Drittel schultert. Der Beweis, dass die Stones auch durchaus hörenswert jammen konnten. Dass ihnen auch der traditionelle Blues lag, zeigen sie mit dem Traditional "You Gotta Move", der mit einem jaulenden Jagger besticht und den Slide-Gitarren von Taylor und Richards, die sich bestens ergänzen. Eine Vielseitigkeit, die sich auf der zweiten Seite des Albums fortsetzt. "Bitch" steht zwar im Schatten von "Brown Sugar", ist vom Groove her aber ebenbürtig. "I Got The Blues" fällt mit seiner sehr einfach gezupften Gitarre eine Spur zu schnulzig aus, hebt aber das folgende "Sister Morphine" umso mehr hervor. Ein Überbleibsel aus den Aufnahmen zu "Let It Bleed" (1969) und eine Co-Arbeit mit Marianne Faithfull, die den Text geschrieben hat. "Please, Sister Morphine, turn my nightmares into dreams / Oh, can't you see I'm fading fast? / And that this shot will be my last" fleht ein Süchtiger. "Oh, I can't crawl across the floor / Ah, can't you see, Sister Morphine, I'm trying to score". Eines der Drogen-Lieder schlechthin. Mit einer grandiosen Slide-Gitarre, die übrigens nicht von Mick Taylor stammt, sondern von Ry Cooder. Auf "Dead Flowers" ist der Einfluss von Richards' Kumpel Gram Parsons, der zwei Jahre später an seiner Heroin-Sucht sterben sollte, deutlich herauszuhören. Zwar galt der Song mit seinem Country-Rock lange als B-Ware, doch die sarkastischen Lyrics ("You can send me dead flowers every morning / Send me dead flowers by the mail / Send me dead flowers to my wedding / And I won't forget to put roses on your grave") machen es zu einem der besseren der Band. Die abschließende Ballade "Moonlight Mile" kommt ohne Richards aus, bietet dafür Streicher und einen seltenen Einblick in Mick Jaggers' Innenleben. "The sound of strangers sending nothing to my mind / Just another mad mad day on the road / I am just living to be lying by your side / But I'm just about a moonlight mile on down the road", jammert er. Herr Jagger hat den Blues - diesmal offenbar wirklich. Die LP verschenkte ich ein paar Jahre später an einen Kumpel, der ein großer Rolling Stones-Fan war und Tränen in den Augen hatte, als er sie in den Händen hielt. Seitdem begnüge ich mich mit einer Limited Edition CD-Version, die ich in einem Second-Hand-Plattenladen in Paris aufgestöbert habe. Nicht ebenbürtig, aber in seinem Plastikkäfig kann der Reißverschluss wenigstens keinen Schaden anrichten. Das Kratzen der Nadel in den Rillen fehlt mir. Die Musik an sich aber bleibt zeitlos. © Laut
Ab
CD6,99 €

Rock - Erschienen am 1. Januar 1969 | Polydor Records

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung