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Die Alben

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Rock - Erschienen am 1. Januar 2013 | Island

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Reissue
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Rock - Erschienen am 1. Februar 1979 | UMC (Universal Music Catalogue)

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Heroin, Anorexie, Mick Jagger, Obdachlosigkeit, Suizidversuch: Marianne Faithfull ist eine Überlebende. Jeder weiß das. Wer sich einmal die Mühe machte, ihre Musik anzuhören, ahnt es zumindest. Eine Stimme wie ein Wolkenbruch, der umso stärker ausfällt, je mächtiger die beteiligten Kräfte im Studio zusammen wirken. "Give My Love To London" nannte die Britin ihr letztes Album von 2014, obwohl sie die Stadt hasst, sie, die 60s-Ikone des Swinging London. Damals reiste sie nur der perfekten Aufnahmestudios wegen in die Vergangenheit, danach kamen der Brustkrebs, eine Hüft-OP, Entzündung der Hüftprothese, Schulter-OP, Arthritis ... oder zählt das mit 71 schon zu den normalen Alterserscheinungen? "Negative Capability" entstand in Paris, in Faithfulls natürlichem Habitat, wo sie wie die späte Dietrich ihr Apartment kaum noch verlässt. Außer in diesem Fall, für Albumaufnahmen mit Freunden, zu denen sie aktuell Bad Seeds-Leiter Warren Ellis und PJ Harvey-Produzenten Rob Ellis (nicht verwandt) zählt, mit denen sie das Album konzipierte. Ein Blick auf die Tracklist verwundert: Warum interpretiert sie denn ihren ersten Hit "As Tears Go By" nach 1964 und 1987 ein drittes Mal? Und einen Song ihres Klassikers "Broken English"? Und Dylan? Die simple Wahrheit: Marianne Faithfull kann machen, was sie will. Seit Jahren fällt das Ergebnis immer gut aus, manchmal besonders, hier nun herausragend. Ihr Gehstock auf dem Cover deutet es an: Ein schonungsloses Album erwartet uns, ähnlich wie 1979 besagtes Chanson-Punk-Werk "Broken English". Der Begriff "Negative Capability", laut John Keats das Eingeständnis, nicht alle Dinge im Leben bis ins letzte Detail verstehen zu können und Unsicherheit auszuhalten, passt perfekt auf die ewig unperfekte Marianne, die ewig von der Öffentlichkeit falsch Etikettierte, die ewige Jagger-Muse, die uns folgerichtig mit den Worten begrüßt: "Misunderstanding is my name." Warren Ellis, der Catweazle des Alternative Rock, erweist sich für die Platte als ein absoluter Glücksgriff. Schon beim mahnenden Einsatz seiner Geige im Eröffnungsstück setzt er den Ton: ein leidender, durchrüttelnder Klang, der auch das letzte Nick Cave-Album "Skeleton Tree" prägte und mit Klavier und akustischer Gitarre geisterhaft schön harmoniert. Faithfull hasst den Vergleich mit Johnny Cash ("Ich bin noch nicht tot, da kommt noch mehr"), doch wie der Country-Altstar auf seinen "American Recordings" erzählt sie nun auch ihre Geschichten aus einem neuen Setting heraus, mit der verwelkten Faszination einer lädierten Alten, reflektierend, nie nostalgisch, deutlich: "Misunderstanding, you only want to fuck me up." Ihre Zweifel konterkarieren gegen Ende ihre männlichen Bewunderer ("Only you have such allure"). Nick Cave blüht danach im dunklen Duett mit Faithfull gleich auf: "The Gypsy Faerie Queen", ein Meisterwerk von einem Song, kann sich selbst mit den großen Balladen des Australiers messen. "As Tears Go By", der Song der 18-jährigen Marianne, findet bei der 71-Jährigen endlich zu sich selbst, maßgeblich dank Ellis' poetischer Geige. Ihre Stimme bricht hier und da und füllt diese Zeilen mit einer Weisheit, wie es die Komponisten Jagger und Richards 1964 niemals im Sinne gehabt haben konnten. Bei "In My Own Particular Way", einem weiteren ätherischen Balladen-Juwel, sitzt jedes Wort und drückt einen schier in den Sessel: "Love me for who I really am / not an image and not for money / I know I'm not young and I'm damaged / but I'm still pretty, kind and funny." Faithfull selbst spielt dabei natürlich nicht die Wartende, die erobert werden will, sondern leckt ihre Wunden und beschwört den Lernprozess des Lebens. Sie, die mehrmals vor allem deshalb heiratete, um aufkommende Panikattacken zu unterbinden, hat nach all den Jahren den Punkt gefunden, sich selbst zu öffnen: "And ready to love / at last." Aus diesen Zeilen dürfte auch ihr wieder intaktes Verhältnis zu ihrem Sohn Nicholas durchschimmern, für den sie in den 70er Jahren das Sorgerecht verlor. Ihrer verstorbenen Freundin Anita Pallenberg und Martin Stone, ihrem langjährigen Gitarristen, widmet sie die Songs "Born To Live" und "Don't Go", beide todtraurig und nun auch inhaltlich nah an Caves Motivation für "Skeleton Tree". "Think of me, and give me another day / Don't rush so fast towards what you know / will come anyway." Das Alleinsein, die Ausweglosigkeit und die Liebe, hier kristallisieren sich die großen Themen dieser Platte deutlich heraus. Neben Ellis, Ellis und Cave erarbeitete sie die Musik zusammen mit Gitarrist Rob McVey und Singer/Songwriter Ed Harcourt. "Witches Song" mit Cave im Hintergrund gerät im Vergleich zu 1979 weitaus melodramatischer, die textliche Klarheit bleibt ("Remember death is far away and life is sweet"). Dylans "It's All Over Now, Baby Blue" glänzt in minimalistischer Unplugged-Atmosphäre, bevor "They Come At Night", geschrieben mit Mark Lanegan, tatsächlich Beats auffährt. 2016 im Bataclan uraufgeführt, ist es Faithfulls Kommentar zur Terrorattacke und Ausdruck ihrer Angst, dass rechtspopulistische Strömungen 70 Jahre nach Kriegsende wieder so populär werden können. Für die Tochter einer Widerstandskämpferin ein so tiefer Einschnitt, dass sie sich diesen thematischen Bruch erlaubt. Die Verabschiedung gerät einmal mehr sentimental: Faithfull ist allein in ihrer Pariser Wohnung, nun ganz wie die Dietrich von Gott und der Welt verlassen, "and it's lonely and that's all I've got". Nichts bleibt für immer, die Welt dreht sich unaufhörlich weiter und sie muss nach dem Tod ihrer Freunde jetzt eben allein stark sein, denn wenigstens: "The only thing that stays the same is love.". "Negative Capability" ist ein Meisterwerk geworden, das man selbst von dieser mutigen Künstlerin so nicht erwartet hat. Ein Bild mit dem Rolling Stones-Sänger hängt übrigens auch in ihrer Pariser Wohnung. Auf der Toilette, da passe es am besten hin. © Laut
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Pop - Erschienen am 27. August 2021 | BMG Rights Management (UK) Ltd

Hi-Res
Im Frühjahr 2020 erkrankte Marianne Faithfull an Covid-19 und kam auf die Intensivstation. "Niemand rechnete damit, dass sie die Krankheit überleben würde", erzählte uns ihr langjähriger Musikgefährte Warren Ellis, "ich habe für sie gebetet". Zur Überraschung aller Freund*innen und Familienangehörigen verbesserte sich ihr Zustand nach zwei Wochen und Faithfull durfte wieder nach Hause. Dort entstand direkt im Anschluss ihr aktuelles Gedichtealbum "She Walks In Beauty". Der Gedanke, die an Atemproblemen leidende 74-Jährige noch einmal auf der Bühne zu erleben, dürfte jedoch ein Wunschtraum bleiben. Hier knüpft nun "The Montreux Years" an, eine Zusammenstellung von Songs aus all ihren fünf Montreux-Auftritten der Jahre 1995, 1999, 2002, 2005 und 2009. Die Platte fungiert als eine Art Best-Of, mit Ausnahme ihres frühen Hits "As Tears Go By" sind wohl ihre essentiellsten Songs in der Tracklist. Auf eine chronologische Anordnung der Lieder wurde zugunsten der Atmosphäre verzichtet, eine gute Entscheidung, zumal das rauchige Organ der Chanteuse in ihren 50ern und 60ern nur unwesentlich tiefer wurde. Mit "Madame George" von Van Morrisons "Astral Weeks"-Album nimmt sie sich 1995 einen Rock-Klassiker vor, den sie mit ihrem zwischen Gesang und gesprochenem Wort changierenden Stil und einer hervorragenden Live-Band problemlos an sich reißt. Ebenfalls von ihrem Montreux-Debüt ist das ätherische, weniger bekannte "She" von ihrem damaligen Album "A Secret Life", das in Kooperation mit Twin Peaks-Produzent Angelo Badalamenti entstanden ist, sowie "Why D'Ya Do It" von ihrem 1979er Album-Meilenstein "Broken English". Der Song fungiert mit seiner mitreißenden Dynamik samt Cowbell-Furor zu Recht als kraftvoller Rausschmeißer auf dem Album. Im direkten Gegensatz fällt das ähnlich rockige "Broken English" aufgrund zu vieler Soli etwas ab. Gleichwohl ist es - gerade im Vergleich zu ihren ruhigen Vorträgen der letzten beiden Studioalben - beeindruckend, mit welcher Kraft die damals immerhin schon 62-Jährige den Refrain "Broken English" ins Schweizer Publikum schreit. Einziger Wermutstropfen ist, dass sich kein Song ihres großartigen Albums "Before The Poison", für das sie 2004 mit Nick Cave und PJ Harvey kollaborierte. Von der Tour zu diesem Album ist stattdessen das von Kathleen Brennan und Tom Waits für sie geschriebene "Strange Weather" dabei, sowie "Sister Morphine" - von den Stones 1971 ohne ihre Credits veröffentlicht, obwohl sie ihn zwei Jahre zuvor mit Jagger gemeinsam geschrieben hatte. "The Montreux Years" fängt glücklicherweise auch Faithfulls Ansprachen ein, die sie ihrem Publikum auf Konzerten zukommen lässt. So erfährt man vor dem "Song For Nico", wie sehr sie Nico verehrte, obwohl sie sich nie getroffen hätten: "We had very little in common actually, except we were both chicks in the 60s". Das swingende "Come Stay With Me" wiederum sei die erste Liveaufführung seit 35 Jahren - sprich: seit 1964. Warum, wisse sie selbst nicht genau. "Times Square" belegt dann noch einmal, dass vor allem in den ruhigen Momenten ihre raspelnde Ausnahmestimme am besten zum Tragen kommt. Gegen Ende dieser schönen Platte bringt sie es mit den Worten von Leonard Cohen auf den Punkt: "I was born with the gift of a golden voice". © Laut
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Pop/Rock - Erschienen am 30. April 2021 | BMG Rights Mgmt France SARL

Hi-Res
Die Worte von Lord Byron, John Keats, Thomas Hood, Percy Bysshe Shelley, William Wordsworth und Alfred Tennyson gehören nicht nur gequälten jungen Menschen, die allein in einem Sturm auf dem Lande umherwandern, mit wehendem Haar und einem samtenen Gehrock über den Schultern. Nein. Auch eine 74-jährige Frau, gebeutelt von Exzessen, Krankheit und einem übervollen Leben, kann sich diese fiebrige Poesie des 18. Jahrhunderts zu eigen machen. Noch ganz von der überstandenen Covid-19 gezeichnet, rezitiert Marianne Faithfull diese Texte hier mit großer Intensität und voller Emotionen. Um diese Worte mit Klängen zu umhüllen, hat sie sich an Warren Ellis von den Bad Seeds gewandt, der ihr aus Zurückhaltung sowie aus großspurigeren Ausbrüchen ein perfektes Kostüm kreierte. Geisterhafte Synthesizer-Schwaden und abgewogene Streicherklänge umziehen die markante Stimme von Dame Marianne. In einem traumartigen Dämmerlicht ziehen Landschaften vorbei. Die Poesie dieser großen Dichter der Vergangenheit treibt in unserer unruhigen Zeit ihre Wurzeln. Nick Cave bringt auf den meisten Tracks sein Keyboard und einige Percussions ein. Vincent Segal sein Cello. Und sogar Brian Eno in The Bridge of Sighs seine Klarinette. Eine vornehme Gesellschaft für ein großartiges Album, das nicht unbedingt dazu geeignet ist, um ein großes Publikum mitzureißen, sondern Marianne Faithfulls einzigartige und geniale, seit Anfang der Sixties zur Rockszene gehörende Persönlichkeit bestätigt. © Marc Zisman/Qobuz
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Rock - Erschienen am 2. November 2018 | BMG Rights Mgmt France SARL

Hi-Res Booklet
Heroin, Anorexie, Mick Jagger, Obdachlosigkeit, Suizidversuch: Marianne Faithfull ist eine Überlebende. Jeder weiß das. Wer sich einmal die Mühe machte, ihre Musik anzuhören, ahnt es zumindest. Eine Stimme wie ein Wolkenbruch, der umso stärker ausfällt, je mächtiger die beteiligten Kräfte im Studio zusammen wirken. "Give My Love To London" nannte die Britin ihr letztes Album von 2014, obwohl sie die Stadt hasst, sie, die 60s-Ikone des Swinging London. Damals reiste sie nur der perfekten Aufnahmestudios wegen in die Vergangenheit, danach kamen der Brustkrebs, eine Hüft-OP, Entzündung der Hüftprothese, Schulter-OP, Arthritis ... oder zählt das mit 71 schon zu den normalen Alterserscheinungen? "Negative Capability" entstand in Paris, in Faithfulls natürlichem Habitat, wo sie wie die späte Dietrich ihr Apartment kaum noch verlässt. Außer in diesem Fall, für Albumaufnahmen mit Freunden, zu denen sie aktuell Bad Seeds-Leiter Warren Ellis und PJ Harvey-Produzenten Rob Ellis (nicht verwandt) zählt, mit denen sie das Album konzipierte. Ein Blick auf die Tracklist verwundert: Warum interpretiert sie denn ihren ersten Hit "As Tears Go By" nach 1964 und 1987 ein drittes Mal? Und einen Song ihres Klassikers "Broken English"? Und Dylan? Die simple Wahrheit: Marianne Faithfull kann machen, was sie will. Seit Jahren fällt das Ergebnis immer gut aus, manchmal besonders, hier nun herausragend. Ihr Gehstock auf dem Cover deutet es an: Ein schonungsloses Album erwartet uns, ähnlich wie 1979 besagtes Chanson-Punk-Werk "Broken English". Der Begriff "Negative Capability", laut John Keats das Eingeständnis, nicht alle Dinge im Leben bis ins letzte Detail verstehen zu können und Unsicherheit auszuhalten, passt perfekt auf die ewig unperfekte Marianne, die ewig von der Öffentlichkeit falsch Etikettierte, die ewige Jagger-Muse, die uns folgerichtig mit den Worten begrüßt: "Misunderstanding is my name." Warren Ellis, der Catweazle des Alternative Rock, erweist sich für die Platte als ein absoluter Glücksgriff. Schon beim mahnenden Einsatz seiner Geige im Eröffnungsstück setzt er den Ton: ein leidender, durchrüttelnder Klang, der auch das letzte Nick Cave-Album "Skeleton Tree" prägte und mit Klavier und akustischer Gitarre geisterhaft schön harmoniert. Faithfull hasst den Vergleich mit Johnny Cash ("Ich bin noch nicht tot, da kommt noch mehr"), doch wie der Country-Altstar auf seinen "American Recordings" erzählt sie nun auch ihre Geschichten aus einem neuen Setting heraus, mit der verwelkten Faszination einer lädierten Alten, reflektierend, nie nostalgisch, deutlich: "Misunderstanding, you only want to fuck me up." Ihre Zweifel konterkarieren gegen Ende ihre männlichen Bewunderer ("Only you have such allure"). Nick Cave blüht danach im dunklen Duett mit Faithfull gleich auf: "The Gypsy Faerie Queen", ein Meisterwerk von einem Song, kann sich selbst mit den großen Balladen des Australiers messen. "As Tears Go By", der Song der 18-jährigen Marianne, findet bei der 71-Jährigen endlich zu sich selbst, maßgeblich dank Ellis' poetischer Geige. Ihre Stimme bricht hier und da und füllt diese Zeilen mit einer Weisheit, wie es die Komponisten Jagger und Richards 1964 niemals im Sinne gehabt haben konnten. Bei "In My Own Particular Way", einem weiteren ätherischen Balladen-Juwel, sitzt jedes Wort und drückt einen schier in den Sessel: "Love me for who I really am / not an image and not for money / I know I'm not young and I'm damaged / but I'm still pretty, kind and funny." Faithfull selbst spielt dabei natürlich nicht die Wartende, die erobert werden will, sondern leckt ihre Wunden und beschwört den Lernprozess des Lebens. Sie, die mehrmals vor allem deshalb heiratete, um aufkommende Panikattacken zu unterbinden, hat nach all den Jahren den Punkt gefunden, sich selbst zu öffnen: "And ready to love / at last." Aus diesen Zeilen dürfte auch ihr wieder intaktes Verhältnis zu ihrem Sohn Nicholas durchschimmern, für den sie in den 70er Jahren das Sorgerecht verlor. Ihrer verstorbenen Freundin Anita Pallenberg und Martin Stone, ihrem langjährigen Gitarristen, widmet sie die Songs "Born To Live" und "Don't Go", beide todtraurig und nun auch inhaltlich nah an Caves Motivation für "Skeleton Tree". "Think of me, and give me another day / Don't rush so fast towards what you know / will come anyway." Das Alleinsein, die Ausweglosigkeit und die Liebe, hier kristallisieren sich die großen Themen dieser Platte deutlich heraus. Neben Ellis, Ellis und Cave erarbeitete sie die Musik zusammen mit Gitarrist Rob McVey und Singer/Songwriter Ed Harcourt. "Witches Song" mit Cave im Hintergrund gerät im Vergleich zu 1979 weitaus melodramatischer, die textliche Klarheit bleibt ("Remember death is far away and life is sweet"). Dylans "It's All Over Now, Baby Blue" glänzt in minimalistischer Unplugged-Atmosphäre, bevor "They Come At Night", geschrieben mit Mark Lanegan, tatsächlich Beats auffährt. 2016 im Bataclan uraufgeführt, ist es Faithfulls Kommentar zur Terrorattacke und Ausdruck ihrer Angst, dass rechtspopulistische Strömungen 70 Jahre nach Kriegsende wieder so populär werden können. Für die Tochter einer Widerstandskämpferin ein so tiefer Einschnitt, dass sie sich diesen thematischen Bruch erlaubt. Die Verabschiedung gerät einmal mehr sentimental: Faithfull ist allein in ihrer Pariser Wohnung, nun ganz wie die Dietrich von Gott und der Welt verlassen, "and it's lonely and that's all I've got". Nichts bleibt für immer, die Welt dreht sich unaufhörlich weiter und sie muss nach dem Tod ihrer Freunde jetzt eben allein stark sein, denn wenigstens: "The only thing that stays the same is love.". "Negative Capability" ist ein Meisterwerk geworden, das man selbst von dieser mutigen Künstlerin so nicht erwartet hat. Ein Bild mit dem Rolling Stones-Sänger hängt übrigens auch in ihrer Pariser Wohnung. Auf der Toilette, da passe es am besten hin. © Laut
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Pop/Rock - Erschienen am 1. Januar 1965 | Decca

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Rock - Erschienen am 24. Juni 2002 | Demon

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Pop - Erschienen am 1. Januar 2005 | UMC (Universal Music Catalogue)

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Rock - Erschienen am 29. September 2014 | naïve

Hi-Res Booklet
Dieses Jahr feiert Marianne Faithfull ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. In dieser langen Zeit gab es schwindelnde Höhen wie abgründige Tiefen zuhauf. Mit Jagger lebte sie ebenso glamourös wie hernach elend als Junkie auf der Straße. Sie hat umjubelt Brecht gesungen und Tschechow im Theater gespielt. Doch erst jetzt, nach 20 Alben, macht die Mother of Song den Sack richtig zu und liefert mit "Give My Love To London" die beste Platte ihrer gesamten Karriere ab. Die Scheibe bietet elf große Lieder in klassischen 40 Minuten Spielzeit. Ein paar Interpretationen, ein paar eigene Tracks und einige Kollabos mit Kumpels von Nick Cave bis Roger Waters bieten das perfekte musikalische Büffet. Von Sarkasmus über zornige Verachtung bis hin zu purer Lebensfreude und tiefer Melancholie zieht die Ur-Nichte Leopolds von Sacher-Masoch ("Venus Im Pelz") alle Register an Stimmungen. Wer im künstlerischen Genie-Quartett Leonard Cohen, Tom Waits, Scott Walker und last but not least Jacques Brel schon immer eine explizit weibliche Note vermisst, erhält mit Queen Mary die verdiente Dame auf dem Schachbrett. Die Ausnahmekünstlerin Faithfull war - von Musik bis Film - schon immer eine herausragende Teamspielerin. Nach vielen guten LPs scheint sie anno 2014 nun endlich die perfekte Mannschaft versammelt zu haben. Allen voran Pianozauberer und gelegentlicher Co-Writer Ed Harcourt sowie Violinist Warren Ellis samt seinem hier produzierenden Bruder Rob kann man gar nicht genug Komplimente machen. Jede Melodie ist hier für die Ewigkeit arrangiert, mal zart, dann wieder kraftvoll, dabei stets filigran und ästhetisch. Ausgerechnet der ambivalente Patrick Leonard, der bei der Produktion des aktuellen Cohen-Werks "Popular Problems" wahrlich nicht nur Glanztaten ablieferte, erledigt seinen Job beim machtvollen Edelrock "Mother Wolf" so gut wie selten zuvor. Zum wuchtigen Sound erhebt Faithfull ihre wutentbrannte Stimme in jenem chansonesken Sprechgesang, den ihre mitgenommenen Stimmbänder mit kraftvollem Schauspielertalent so lässig etablieren. "You murder each other for enjoyment only, and with absurd, abstract excuses / My God, how you disgust me!" Die Waters-Kollaboration "Sparrows Will Sing" ist analog Bowies "Queen Bitch" genau jener Velvet Underground-Song, den Reed und Cale nicht schrieben. Und die beiden mit Cave realisierten Nummern "Late Victorian Holocaust" und "Deep Water" schimmern im sanften Dialog von Harcourts Piano mit Ellis' Viola bzw Alto-Flöte so zerbrechlich schön wie silbrig schimmerndes Mondlicht am Ufer der nachtblauen Themse. Schwermut und Verspieltheit reichen einander zu hypnotischen Melodien die Hände. Mit "True Lies" und "Falling Back" gibt es jene große Sixties-Geste, die die Pionierin bereits auf den ersten Platten und mit dem von ihr mit komponierten "Sister Morphine" entwickelte. Der leichte Hauch Walker Brothers-Pomp macht sich hervorragend zu ihren abgerockten Vocals und den jeglicher Illusion beraubten Zeilen. Sogar der für Faithfull-Verhältnisse nahezu poppig-countryeske Grundton des Titelsongs passt in seiner nur scheinbaren Harmlosigkeit als gelungener Kontrast zu den angebittert-poetischen Zeilen über die London Riots vor einigen Jahren. Nach der gelungenen Cohen-Hommage "Going Home" (im Original von seinem "Old Ideas") gibt es zum krönenden Abschluss dann ihre ureigene Variante des oft gespielten Standards "I Get Along Without You Very Well" (Hoagy Carmichael, 1938). Chet Baker mag hier die bekannteste Version abgeliefert haben. Faithfull hingegen erobert das Stück mit dem sensibelsten String- und Streicherarrangement, das der Song je sah. Inmitten fernöstlich gezupfter Schönheit thront ihr rauer "Seeräuber Jenny"-Gesang als unauflöslicher Kontrast. Das Ergebnis ist eine großartige künstlerische Vorstellung, so widersprüchlich wie das Leben selbst. © Laut
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Pop/Rock - Erschienen am 1. Januar 2005 | naïve

Johnny Cash musste auf Rick Rubin treffen, Kylie Minogue auf Nick Cave, und Marianne Faithfull gleich auf PJ Harvey und Nick Cave zusammen. Meine Güte, was für eine Allianz. Und sie hält, was sie verspricht: Die Frau mit der beeindruckendsten Stimme seit Nico legt mit "Before The Poison" ein Album voll horizontverdunkelnder und spaßverdrossener Songs vor, allesamt geflossen aus ihrer Feder und der der schwermütigen Dreifaltigkeit Harvey/Cave/Albarn. Letzterer, der schon auf Faithfulls Vorgänger komponieren durfte, ist zwar nur einmal vertreten, sein "Last Song" macht dem Songtitel aber alle Ehre, und ist so weit von Blur entfernt, wie Kylie von Marianne. Düster, elegisch und unheilvoll breitet sich der rubinrote Soundteppich für die neue Queen of Darkness aus, auf dem diese gewohnt rauh und knarzend voran schreitet. Sobald sich im zweiten Refrain die einsetzenden Streicher über die mitreißenden Pianoakkorde legen, macht sich gar ähnlich erstickende Trauer breit, wie sie Johnny Cash in "Hurt" zu vermitteln wusste, und alleine die Vorstellung, Faithfull hätte mit dem Man In Black vor dessen Tod noch ein Duett eingespielt, lässt einen frösteln. Zwei Stimmen für die Ewigkeit. Dass Marianne Faithfull die elektronischen Experimente von "Kissin Time" ad acta gelegt hat, prophezeit schon das vor Erhabenheit strotzende, in ockerbeige gehaltene Cover, das glatt einem Gemälde der Rokoko-Zeit entstammen könnte. Die Songs sind nicht minder stilvoll: Ähnlich der französischen Legende Juliette Gréco, die als Muse der Existenzialisten gilt, schwimmt auch Faithfull im tiefen Strom molllastiger Melancholie, und erreicht dabei mitunter gedanklich das linke Seine-Ufer, etwa wenn sich ihre Stimme an den alten Gegensatzpaaren Liebe und Tod, an Gut und Böse reibt. "I have no time for hate or love, hey child, you're so full of woe" stellt sie im berührenden "No Child Of Mine", einem Duett mit Harvey, fest. Doch auch Faithfull bleibt eine Suchende, die das Geheimnis der Liebe nicht entschlüsseln kann, sich im Titeltrack gar die Giftspritze setzt, um das sich anschließende Gefühl zu beschreiben. Die Songs selbst stehen den Texten an Dramatik in nichts nach, leben von der Reduktion instrumenteller Mittel und der damit einher gehenden Konzentration auf die Essenz, das Skelett. Die von Cave geschriebene Pianoballade "There Is A Ghost" gehört sicher zu den bewegendsten Songs, die die Grand Dame je eingesungen hat. Erfrischender als im Frauen-Doppel "My Friends Have" mit PJ hat man sie nie zuvor rocken gehört. Und selbst der anfänglich wirr erscheinende, laute Cave-Rocker "Desperanto", den Faithfull mit Sprechgesang veredelt, fügt sich nach und nach dem Gesamtbild. Ein gewaltiges Album. © Laut
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Pop - Erschienen am 1. Januar 1995 | Island Records (The Island Def Jam Music Group / Universal Music)

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Rock - Erschienen am 1. Januar 1990 | Universal-Island Records Ltd.

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Rock - Erschienen am 1. Januar 1998 | Island Records (The Island Def Jam Music Group / Universal Music)

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Alternativ und Indie - Erschienen am 10. November 2008 | naïve

Bei Amazon wird gerne zusammen gekauft: Faithfulls "Easy Come, Easy Go" und "Hurricane" von Grace Jones. Klingt logisch: Beides Frauen um die 60 mit außergewöhnlichen Stimmen. Also das weibliche Pendant zu Tom Waits und Ozzy Osbourne, irgendwie. Von den musikalischen Welten, die beide Künstlerinnen trennen mal abgesehen, waren auch die Erwartungen an deren Alben grundverschieden. Die eine hat 16 Jahre lang gar nichts gemacht, die andere, Marianne Faithfull übrigens, veröffentlichte 2004 mit "Before The Poison" unter der fürstlichen Ägide von PJ Harvey, Nick Cave und Damon Albarn sowas wie ein goldenes Alterswerk. Beibehalten hat sie auf "Easy Come, Easy Go" die Freude am Kollaborieren mit verschiedenen Gästen, was man sich seit ihrem "Kissin Time"-Album anders sowieso nicht mehr vorstellen kann. Enorme 18 Songs sind dabei entstanden, allesamt Coverversionen, die das jeweilige Original zwar nicht immer übertreffen, den spröden Glanz der Faithfull'schen Stimme aber in gewohnt reputierlicher Güteklasse transportieren. Der Grand Dame nun vorzuwerfen, ihre stargespickte Vorstellung schiele mit mehr als einem halb geöffneten Auge auf größtmögliche Öffentlichkeit, und dies noch zu Lasten eines homogenen Gesamtsounds, greift ins Leere - schon angesichts der stilistisch kräftig divergierenden Songs. Leonard Bernstein, Black Rebel Motorcycle Club, Dolly Parton; absolut niemand ist hier vor der früheren Stones-Muse sicher. Nicht mal Keith Richards selbst, mit dem Marianne ganz am Ende das Merle Haggard-Stück "Sing Me Back Home" in eine wehmütige Ballade transferiert. Dass die Stimme des Mannes, der Marianne vor 44 Jahren ihren ersten Hit schrieb, songdienlich etwas leiser gemischt wurde, ist nur eines der Details, auf die Produzent Hal Wilner großes Augenmerk legte. Vor allem aber begeistert die hörbare Stille, die Songs wie das meisterliche "Solitude" (von Duke Ellington) oder das achtminütige Album-Juwel "Children Of Stone" (mit einem waidwunden Rufus Wainwright) wie ein Schleier zu überdecken scheint. In diesen Momenten klingt Faithfulls einnehmende Stimme um Längen dringlicher als etwa in der Decemberists-Adaption "Crane Wife 3" (mit einem reservierten Nick Cave) oder dem einzigen Indie Rock-Stück "Hold On Hold On" (nur für den Refrain eingeladen: Cat Power). Im Wissen um die Komplexität ihrer ausgesuchten Beiträge, stellte Faithfull der gesammelten Journaille im Vorfeld ausschließlich Doppel-Vinylschallplatten mit durchdachter Song-Reihenfolge zur Verfügung. Der Albumtitel-Zusatz "18 Songs For Music Lovers" dokumentiert den aufklärerischen Impetus der Schöpferin. Dass das Album nun auch auf CD erscheint, wäre an sich nicht beklagenswert, wenn man die Reihenfolge beibehalten hätte. Nicht nur auf Kenner der Vinylversion muss die Doppel-CD allerdings äußerst diffus wirken. Kein Wunder: Um auch eine Einzel-CD verkaufen zu können, wurden hierfür wahllos zehn Songs ausgewählt und die übrigen acht für Doppel-CD-Kunden auf eine zweite Disc geknallt. Damit werden nur Vinylbesitzer in den intensiven Genuss des Schauer-Tryptichons "Ooh Baby Baby", "Kimbie" und "Children Of Stone" kommen (oder findige MP3-Käufer, die sich die Vinyl-Reihenfolge programmieren natürlich). Randy Newmans "In Germany Before The War" klingt in Mariannes Version noch angsteinflößender als beim Altmeister, schon alleine ihre Betonung von "Dusseldorf". Von ihren jazzigen Ausflügen bleibt besonders das virtuose "Black Coffee" haften, das exemplarisch für die hohe Qualität ihrer Mitmusiker ist und die Interpretin selbst in den Rang einer klassischen Chanteuse stellt. Dass sie von Morrissey ausgerechnet die sakrale Ballade "Dear God Please Help Me" auswählte, die sie (aus Ehrfurcht?) kaum veränderte, enttäuscht etwas. Viel besser gelingt ihr die Black Rebel Motorcycle Club-Adaption "Salvation" (vom Debüt), in der sie ebenfalls das Original-Tempo drosselt und sich mit Sean Lennon zu einem beherztes Duett empor schwingt. Nach dieser in Auswahl und Interpretation geradezu Rick Rubin-haften Vorstellung, warten wir jetzt eigentlich nur noch auf ihr reines Akustik-Album. A voice and a guitar, mehr brauchts auch hier nicht. So long, Marianne ... © Laut
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Rock - Erschienen am 1. Januar 1964 | ABKCO (US)

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Rock - Erschienen am 2. November 2018 | BMG Rights Mgmt France SARL

Booklet
Heroin, Anorexie, Mick Jagger, Obdachlosigkeit, Suizidversuch: Marianne Faithfull ist eine Überlebende. Jeder weiß das. Wer sich einmal die Mühe machte, ihre Musik anzuhören, ahnt es zumindest. Eine Stimme wie ein Wolkenbruch, der umso stärker ausfällt, je mächtiger die beteiligten Kräfte im Studio zusammen wirken. "Give My Love To London" nannte die Britin ihr letztes Album von 2014, obwohl sie die Stadt hasst, sie, die 60s-Ikone des Swinging London. Damals reiste sie nur der perfekten Aufnahmestudios wegen in die Vergangenheit, danach kamen der Brustkrebs, eine Hüft-OP, Entzündung der Hüftprothese, Schulter-OP, Arthritis ... oder zählt das mit 71 schon zu den normalen Alterserscheinungen? "Negative Capability" entstand in Paris, in Faithfulls natürlichem Habitat, wo sie wie die späte Dietrich ihr Apartment kaum noch verlässt. Außer in diesem Fall, für Albumaufnahmen mit Freunden, zu denen sie aktuell Bad Seeds-Leiter Warren Ellis und PJ Harvey-Produzenten Rob Ellis (nicht verwandt) zählt, mit denen sie das Album konzipierte. Ein Blick auf die Tracklist verwundert: Warum interpretiert sie denn ihren ersten Hit "As Tears Go By" nach 1964 und 1987 ein drittes Mal? Und einen Song ihres Klassikers "Broken English"? Und Dylan? Die simple Wahrheit: Marianne Faithfull kann machen, was sie will. Seit Jahren fällt das Ergebnis immer gut aus, manchmal besonders, hier nun herausragend. Ihr Gehstock auf dem Cover deutet es an: Ein schonungsloses Album erwartet uns, ähnlich wie 1979 besagtes Chanson-Punk-Werk "Broken English". Der Begriff "Negative Capability", laut John Keats das Eingeständnis, nicht alle Dinge im Leben bis ins letzte Detail verstehen zu können und Unsicherheit auszuhalten, passt perfekt auf die ewig unperfekte Marianne, die ewig von der Öffentlichkeit falsch Etikettierte, die ewige Jagger-Muse, die uns folgerichtig mit den Worten begrüßt: "Misunderstanding is my name." Warren Ellis, der Catweazle des Alternative Rock, erweist sich für die Platte als ein absoluter Glücksgriff. Schon beim mahnenden Einsatz seiner Geige im Eröffnungsstück setzt er den Ton: ein leidender, durchrüttelnder Klang, der auch das letzte Nick Cave-Album "Skeleton Tree" prägte und mit Klavier und akustischer Gitarre geisterhaft schön harmoniert. Faithfull hasst den Vergleich mit Johnny Cash ("Ich bin noch nicht tot, da kommt noch mehr"), doch wie der Country-Altstar auf seinen "American Recordings" erzählt sie nun auch ihre Geschichten aus einem neuen Setting heraus, mit der verwelkten Faszination einer lädierten Alten, reflektierend, nie nostalgisch, deutlich: "Misunderstanding, you only want to fuck me up." Ihre Zweifel konterkarieren gegen Ende ihre männlichen Bewunderer ("Only you have such allure"). Nick Cave blüht danach im dunklen Duett mit Faithfull gleich auf: "The Gypsy Faerie Queen", ein Meisterwerk von einem Song, kann sich selbst mit den großen Balladen des Australiers messen. "As Tears Go By", der Song der 18-jährigen Marianne, findet bei der 71-Jährigen endlich zu sich selbst, maßgeblich dank Ellis' poetischer Geige. Ihre Stimme bricht hier und da und füllt diese Zeilen mit einer Weisheit, wie es die Komponisten Jagger und Richards 1964 niemals im Sinne gehabt haben konnten. Bei "In My Own Particular Way", einem weiteren ätherischen Balladen-Juwel, sitzt jedes Wort und drückt einen schier in den Sessel: "Love me for who I really am / not an image and not for money / I know I'm not young and I'm damaged / but I'm still pretty, kind and funny." Faithfull selbst spielt dabei natürlich nicht die Wartende, die erobert werden will, sondern leckt ihre Wunden und beschwört den Lernprozess des Lebens. Sie, die mehrmals vor allem deshalb heiratete, um aufkommende Panikattacken zu unterbinden, hat nach all den Jahren den Punkt gefunden, sich selbst zu öffnen: "And ready to love / at last." Aus diesen Zeilen dürfte auch ihr wieder intaktes Verhältnis zu ihrem Sohn Nicholas durchschimmern, für den sie in den 70er Jahren das Sorgerecht verlor. Ihrer verstorbenen Freundin Anita Pallenberg und Martin Stone, ihrem langjährigen Gitarristen, widmet sie die Songs "Born To Live" und "Don't Go", beide todtraurig und nun auch inhaltlich nah an Caves Motivation für "Skeleton Tree". "Think of me, and give me another day / Don't rush so fast towards what you know / will come anyway." Das Alleinsein, die Ausweglosigkeit und die Liebe, hier kristallisieren sich die großen Themen dieser Platte deutlich heraus. Neben Ellis, Ellis und Cave erarbeitete sie die Musik zusammen mit Gitarrist Rob McVey und Singer/Songwriter Ed Harcourt. "Witches Song" mit Cave im Hintergrund gerät im Vergleich zu 1979 weitaus melodramatischer, die textliche Klarheit bleibt ("Remember death is far away and life is sweet"). Dylans "It's All Over Now, Baby Blue" glänzt in minimalistischer Unplugged-Atmosphäre, bevor "They Come At Night", geschrieben mit Mark Lanegan, tatsächlich Beats auffährt. 2016 im Bataclan uraufgeführt, ist es Faithfulls Kommentar zur Terrorattacke und Ausdruck ihrer Angst, dass rechtspopulistische Strömungen 70 Jahre nach Kriegsende wieder so populär werden können. Für die Tochter einer Widerstandskämpferin ein so tiefer Einschnitt, dass sie sich diesen thematischen Bruch erlaubt. Die Verabschiedung gerät einmal mehr sentimental: Faithfull ist allein in ihrer Pariser Wohnung, nun ganz wie die Dietrich von Gott und der Welt verlassen, "and it's lonely and that's all I've got". Nichts bleibt für immer, die Welt dreht sich unaufhörlich weiter und sie muss nach dem Tod ihrer Freunde jetzt eben allein stark sein, denn wenigstens: "The only thing that stays the same is love.". "Negative Capability" ist ein Meisterwerk geworden, das man selbst von dieser mutigen Künstlerin so nicht erwartet hat. Ein Bild mit dem Rolling Stones-Sänger hängt übrigens auch in ihrer Pariser Wohnung. Auf der Toilette, da passe es am besten hin. © Laut
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Pop - Erschienen am 1. Januar 1981 | Universal-Island Records Ltd.

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Rock - Erschienen am 1. Januar 1983 | Island Records (The Island Def Jam Music Group / Universal Music)

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Pop/Rock - Erschienen am 1. Januar 1965 | Decca

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Pop - Erschienen am 12. April 1999 | BMG Rights Management (UK) Ltd