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Es geht ausgesprochen wenig über kultivierte Selbstironie. Brummige Streicher, theatralische Trommeln, den ganzen großen Aufmarsch, der sein (Don't call it a comeback!) Album eröffnet, kommentiert LL Cool J furztrocken mit: "I think this intro should be more dramatic." Nur, um dann vor Lachen abzubrechen und "Bath Salt" in einen fiesen Synthie-Kopfnicker kippen zu lassen. Zweifellos cool. So sichert man sich von Beginn an nicht nur die Liebe der Ladies. "Honestly I was scared to come back. It was ugly not knowing how the game would react." Ja, das weiß man vorher nie. Einen besonders verschreckten Eindruck hinterlässt LL Cool J trotzdem nicht. Manch anderer alte Hase hoppelt fußlahm dem hinterher, was er für bei der Jugend angesagt hält. Diesen Veteranen hier kümmert das einen feuchten Scheiß. "You like 'em? Listen to 'em!" Er hat verstanden, worum es wirklich geht: "Never try to sound like a rapper I raised." Eine weise Wahl. "Oldest man in the club" und Spaß dabei, so lautet statt dessen die Maxime von "Authentic". "The game lost its flavor, I wonder where the taste went." Wer schon so lange im Geschäft ist, darf manche Entwicklung schon einmal verwundert kommentieren. Immer vorausgesetzt, er verfällt nicht in das biestige Lamentieren verbitterter alter Säcke. Damals war alles besser? Na, und? Heute setzen wir noch einen drauf. Die beste Voraussetzung dafür: LL Cool J muss weder sich selbst noch sonst irgendjemandem irgendetwas beweisen. Er macht ausschließlich, worauf er Bock hat. "It's the music WE love." Begeisterung und Spielfreude tönen aus jeder Zeile und entwickeln hochinfektiöse Wirkung. Dem Kitsch-Rap der Marke "I Need Love" hat LL Cool J noch immer nicht abgeschworen. Warum auch? Der hat sich schließlich bewährt. In "Between The Sheetz" mit seinen Ladies-Lover-Lyrics entschädigen immerhin der dicke Bass und die quietschenden Synthies from outer space für den dämlichen Effekt auf der Schnulzstimme in der Hook. "Closer" klingt, auch wenn LL Cool J ordentlich flowt, gewaltig nach 90er-Romantik. Man muss darauf nicht abfahren. Die augenzwinkernde Art, mit der er solcherlei bringt, wohl wissend, bei seinen Fans damit offene Scheunentore einzurennen, während er seinen Hatern ins ebenso offene Messer galoppiert, die muss man einfach lieben. Zumal LL Cool J sich oft genug selbst für seinen Plüschsound auf den Arm nimmt. Etwa, wenn er mit einem "Ah, please!" das Lovesong-Intro beiseite wischt, um umgehend zusammen mit dem alten Charmeur Snoop Dogg und Brüll-Meister Fatman Scoop zu "destruction in the club" aufzurufen: "That's how a legend should do it." Jahre im Show-Biz sorgen, geht man die Sache korrekt an, für ein randvolles Adressbuch. Die Gästeliste von "Authentic" beweist: LL Cool J muss ziemlich viel richtig gemacht haben. Die prominenten Kollegen geben sich die Klinke der Studiotür nur so in die Hand. Auf schnödes Namedropping ist dabei jedoch niemand aus. Es geht vielmehr einzig und allein um den Vibe. Wenn Fitz and the Tantrums, Brad Paisley oder Seal Hooklines einsingen, schmelzen die Herzen im Dutzend. "Whaddup", der Abriss-Nummer für die Hardcore-Oldschooler, verleihen die Gitarre von Tom Morello, Travis Barker am Schlagzeug ("Hear the drummer get wicked!"), Mash-Up-Pionier Z-Trip an den Decks und Chuck D am Mikrofon die rohe Energie früher Public Enemy-Tracks. "Forget yo' swag. Feel me." Besser wärs! Wenn Funk und Electroboogie um die Wette quaken, als sei "Bartender Please" direkt aus dem Mutterschiff an den Tresen gepurzelt, steht überpräsent die Frage im Raum: "Bootsy? Bist dus?" Der Blick in die Tracklist kennt die Antwort: "Jawollja, und Snoop Dogg und Travis Barker hab' ich auch wieder mitgebracht." Gemeinsam statuieren sie ein groovendes Exempel: "This is how we funk today." Barmann? "I need some gin & juice after this." Für die Soul/Funk-Explosion im glitzernden Revue-Style sorgt "Something About You (Love The World)": "A real classy sexy night tonight" ist garantiert, wenn Gastgeber LL Cool J Charlie Wilson, Melody Thornton und "the great Earth, Wind & Fire" ankündigt. Wer nicht breit grinsen muss, kaum dass Gitarre und Bläser losfunken, sollte seinen Enddarm hurtig nach dort versehentlich parkierten Maibäumen absuchen lassen. Hat man die erst mal entfernt, lässt sich ganz ungeniert zur Hairmetalgitarre die Spandex-Hose auspacken, die dauergewellte Mähne schütteln und dazu brüllen: "Mama, we made it! We're finally the greatest of the world!" Wer darf das schon von sich behaupten, wenn nicht der Mann, der hemmungslos verkündet: "I got Van Halen, I don't need a bassline"? "I came back to take back everything that was mine." Ganz ohne Zweifel still in his prime, sollte das für LL Cool J überhaupt gar kein Problem darstellen. "There's nothing like a new love." Möglich. Einige der alten Lover haben es aber einfach immer noch eine Spur besser drauf. © Laut
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