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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 23. März 2015 | Aftermath

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music - Grammy Awards
Selten traf das im Rap wohl am häufigsten bemühte Sprichwort so sehr zu wie in diesem Fall: "You can take your boy out the hood / But you can't take the hood out the homie." Snoop Dogg bringt es in "Institutionalized" auf den Punkt - und beschreibt damit Kendrick Lamars Reise nahezu perfekt. Denn für "To Pimp A Butterfly" verlässt K-Dot sowohl musikalisch als auch thematisch das Viertel, das er in "Good Kid, M.a.a.d. City" so lebhaft vorstellte, um einen weitreichenden Blick auf die afroamerikanische Identität zu werfen. Zwischen Blaxploitation, Reflexion und dem Aufruf zum Selbstbekenntnis ist sein neues Werk noch vielschichtiger, noch intelligenter und wichtiger als der Vorgänger. Ein gewöhnungsbedürftiges, lyrisch wahnsinnig düsteres Album, aber auch das erwartet einzigartige. Dass sich der TDE-Rapper zu Höherem berufen fühlt als zu traditionellem West Coast-Sound, zeichnete sich schon auf seinem Major-Debüt, spätestens aber in der viel diskutierten Single "I" ab. Und wer mit der schnellen Pop-Funk-Nummer, die markante Elemente des Isley Brothers-Song "That Lady" verwendet, bislang nicht wirklich viel anfangen konnte, dürfte seine schlimmsten Befürchtungen im ersten Track zunächst bestätigt sehen. Flying Lotus, Kendricks kreativer Bruder im Geiste, haucht dem Opener "Wesley's Theory" nämlich pulsierenden P-Funk ein, den man sich von K-Dot zunächst nicht unbedingt erwartet, geschweige denn gewünscht hätte. Nicht minder mysteriös als der kunstvolle Albumtitel "To Pimp A Butterfly" setzt der Song dann mit den ebenso viel- wie nichtssagenden Zeilen von Parliament-Legende George Clinton ein: "When the four corners of this cocoon collide / You’ll slip through the cracks hoping that you’ll survive / Gather your wind, take a deep look inside / Are you really who they idolize? / To pimp a butterfly." Doch wenn King Kendrick aus der Steueraffäre um Wesley Snipes anschließend ein raffiniertes Rollenspiel zwischen einem abgehobenen schwarzen Künstler und dem mahnenden Uncle Sam strickt, öffnet die Geschichte um den aufgemotzten Schmetterling ihre Pforten. Lehrstoff für Universitäten, gar einen Ausdruck für die Ewigkeit habe er mit dem Titel erschaffen, behauptete Kendrick Lamar in einem Interview kurz vor Release. Und tatsächlich wird "To Pimp A Butterfly" im Laufe seiner fast 80 Minuten zum Rap-Politikum. Die Metapher vom schwarzen Musiker als Schmetterling, der, von Major-Labels zu deren Gunsten gepimpt, jegliche Schönheit und Inspiration verliert, dafür immer mehr von einer surrealen Welt aus Reichtum und Berühmtheit verschluckt wird, kritisiert dabei aber keinesfalls nur die Plattenfirmen. Im bereits vorab veröffentlichten "King Kunta", mit seinem stark repetitiven Funk-Beat eine der eingängigsten Nummern, schießt K-Dot auch gegen seine Kollegen, die sich selbst in Geld und Überheblichkeit ertränken: "I was gonna kill a couple rappers but they did it to themselves / Everybody's suicidal they don't even need my help." Das jazzige "Institutionalized" greift die Thematik auf und vertieft die Identitätskrise zwischen Erfolg, Ruhm und Verwurzelung in der "trap", während "Hood Politics" als einer der wenigen klassischen Hip Hop-Tracks auch auf "Good Kid, M.a.a.d. City" gepasst hätte. Die Wucht von "The Blacker The Berry" bleibt jedoch unerreicht. Schildert Kendrick in "I" noch Selbstliebe und Stolz als Afro-Amerikaner, entlädt sich hier die Kritik über die vermeintliche Scheinheiligkeit der schwarzen Bevölkerung: "So why did I weep when Trayvon Martin was in the street? / When gang banging make me kill a nigga blacker than me?" Nach wie vor beeindruckt dabei der Facettenreichtum, mit dem der Kalifornier seine Texte vorträgt. Mehr denn je variiert Kendrick in seiner Stimmlage, um Gefühlen und deren Schwankungen Ausdruck zu verleihen. Er flowt voller Selbstsicherheit, schreit vor Angst und zischt vor Wut, führt verworrene Selbstgespräche und ausgefeilte Dialoge. Neben Eminem bleibt er damit wohl der einzige MC, der eine optimistische Gute-Laune-Hymne ("I") ebenso überzeugend transportieren kann wie das von Selbstzweifeln getriebene, mit düster experimentellem Sound unterlegte "U": "I fuckin' tell you, you fuckin' failure you ain't no leader!" Und hat man sich darauf eingelassen, dass statt Hits wie "Bitch Don't Kill My Vibe" oder "Money Trees" Funk, Soul und Free Jazz ("For Free?") dominieren, zieht "To Pimp A Butterfly" auch abseits des fast unerreichbaren Vortrags des Hauptdarstellers in seinen Bann. Zumal immer noch reichlich G-Funk und Boom Bap-Elemente wie in "You Ain't Gotta Lie" zu finden sind. Kendrick Lamar und Dr. Dre, der wie schon auf "Good Kid, M.a.a.d. City" als Executive Producer über das Geschehen wacht, beweisen auf allen 16 Tracks gewohnte Geschmackssicherheit. Mit Flying Lotus, Terrace Martin oder Thundercat haben sie genau die richtigen Leute gefunden, um ihre Idee von Hip Hop umzusetzen, die phasenweise irgendwo zwischen Prince, The Roots, 7 Days Of Funk und eben Kendricks eigenem Sound liegt. Dass die Verantwortlichen dabei fast vollkommen auf Rap-Features wie die Black Hippy-Kollegen Jay Rock,- Ab-Soul und Schoolboy Q verzichten und sich Gastbeiträge auch ansonsten eher auf kurze, zusätzliche Vocals beschränken, überrascht zunächst. Weniger aber die Tatsache, dass Kendrick Lamar als Rapper, Spoken Word-Artist und Sänger trotzdem für einen unglaublich vielstimmiges Gesamtbild sorgt. Für einen mehr als würdigen Abschluss sorgt das mehr als zwölf Minuten lange "Mortal Man", das mit einem geschickt zusammengefügten Scheininterview mit Tupac Shakur überrascht. Das Gespräch über Armut, Rassismus und Endlichkeit spiegelt abschließend alles wider, was "To Pimp A Butterfly" ausmacht: Flüssig und lebendig wie "Undun", gleichzeitig aber fragment- und rätselhaft wie "ATYSYC" skizziert Kendrick Lamar die afroamerikanische Identität auf eine beeindruckend intelligente Weise, die im Hip Hop vielleicht über Jahre unübertroffen bleiben wird. Nach 16 mitreißenden und genialen Tracks, die "To Pimp A Butterfly" zum besten und bedeutendsten Rap-Album des Jahres machen, wundert es kaum, dass K-Dot für schwarze Teenager "the closest thing they have to a preacher" sein will, vielleicht sogar sein muss. Denn Kendrick ist nicht nur King und Messias - Kendrick is for the children. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 14. April 2017 | Aftermath

Booklet Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music
Machen wir es kurz: "Section.80" ist ein Backpack-Klassiker, "Good Kid" sein "Illmatic" und "Butterfly" das sterbenslangweilige Opus Magnum für linksliberale Pitchfork-Pimps. Und "Damn."? "Damn." kommt einfach als verdammt gutes Rap-Album, das die Hit-Dichte des Debüts, den Straßengrind vom Nachfolger und die Black Power vom Grammy-Abräumer mit modernen Beat-Strukturen vereint. Endlich. Allein die harte Synthie-Single "Humble", produziert von Mike Will Made It, und ein kurzer Blick auf die weitere Producer-Truppe um Alchemist, Cardo und 9th Wonder schicken die jazzig-funkigen Sounds des 2015er-King Kunta in den Orbit der Indie-Blogs. In der Langfassung heißt das: Am Mic ist Kendrick wie Bayern München unter Pep. Er bietet keinen 08/15-Style an, er fordert Gegner wie Zuhörer, sich selbst wie Studiokollegen. Variabler flowend als jeder Emcee vor ihm, verpackt Lamar seine intensiven und vielschichtigen Lyrics dieses Mal in Radio-, Fitness- und Auto-taugliche Hits. Auf "Love" taucht er tief ins 80er Soul-Pop-Revival von Future Hendrix, sucht mit Rihanna auf einer trap-kuscheligen Liebesballade die "Loyalty" und croont bei "God" besser als Drake, wenn auch unterstützt von Bekon, der in den besten Momenten gar an den viel zu unterschätzten Mr Hudson erinnert. Kung-Fu Kenny mischt wieder als Sterblicher mit im Game. Nach den "Butterfly"-Jubelarien der Genre-übergreifenden Musikjournaille wähnte man den Kalifornier ja schon im erhabenen Genie-Club um Prince, Madonna und Co. und jenseits aller Rap-Profanität. Mit Zeilen wie "I'm willin' to die for this shit / I done cried for this shit, might take a life for this shit / Put the Bible down and go eye for an eye for this shit" kehrt er nun in den aggressiven Battle-Rap zurück. Drei Gegner visiert er an: Trump und den rassistischen Teil der amerikanischen Gesellschaft, alle anderen Emcees und seine eigenen Sünden. Seine Auge-um-Auge-Aussage aus dem zünftigen, irgendwo zwischen 40 und RZA holpernden "Elements" holt er aus dem Alten Testament und krakeelt sie in die verrückte Welt hinaus. In Zeiten von Donald und anderen Diktatoren wird Widerstand Pflicht. Kendrick wirft dafür seine Liebe zum Neuen Testament gleich im "Blood"-Intro aus dem Bentley. Über fast fröhliche Soul-Streicher erzählt er, wie er einer alten Dame auf der Straße hilft, nur um dann von ihr erschossen zu werden. Direkt im Anschluss sampelt er Fox News-Moderator Geraldo Rivera, als der seine provokante, politische BET-Performance 2015 on Air kritisiert – und switcht in den zweiten, fiebrigen und ultraharten Mike Will Made It-Beat "DNA". Klarer geht es nicht, Kendrick ist zornig und bläst zum Angriff auf das erzkonservative Amerika. Wie in "Yah". "I'm not a politician, I'm not 'bout a religion / I'm a Israelite, don't call me Black no mo' / That word is only a color, it ain't facts no mo'." Er sieht die Afroamerikaner und alle Unterdrückten vor demselben Schicksal stehen wie die Juden zu Zeiten von Moses und Co. Kendrick mag zwar kein Politiker sein, doch auch er weiß: Jeder braucht Verbündete. Zwar wütet er in "Feel", während nebenher ein leicht-wabernder Sade-Tune läuft: "Ain't nobody prayin form me." Doch im progressiven Amerika findet er gegen Trump altbekannte Freunde, repräsentiert von Bono und U2. "XXX" ist zuerst ein böse humpelnder Old School-Beat mit Run DMC-Scratches und Public Enemy-Sirenen, in dem Kendrick die fast aussichtslose Situation in Schlagwörter kleidet: "It's murder on my street, your street, back streets / Wall Street, corporate offices / Banks, employees, and bosses with / Homicidal thoughts: Donald Trump's in office." Im zweiten Teil gesellt sich neben tonnenschwerem Boom Bap Mister Vox zum Rapper aus Compton. Die Hook sagt alles: "It's not a place / This country is to be a sound of drum and bass / You close your eyes to look around." Musik kann die Welt besser machen, zumindest jede kleine. Kendrick ist jedoch kein stumpfer Prediger. Er kennt seine Feinde im Inneren und beendet das Album mit zwei Storytelling-Tracks auf Nas-Niveau. Im vom Alchemist-zerbrechlich produzierten "Fear" erzählt er drei Geschichten über die Furcht. Der erste Teil handelt von der Furcht eines Kindes, das mit häuslicher Gewalt aufwächst, in der zweiten Strophe kleidet Kendrick die Angst eines jeden Jugendlichen im Ghetto in eindrucksvolle Bilder: "I'll prolly die because I ain't know Demarcus was snitchin' / I'll prolly die at these house parties, fuckin' with bitches / I'll prolly die from witnesses leavin' me falsed accused / I’ll prolly die from thinkin' that me and your hood was cool." Im dritten Vers ist es dann die eigene Furcht, die Furcht von Mister Lamar Duckworth. Mit "Duckworth" endet "Damn." verdammt groß. 9th Wonder packt die ganze Karriere-Klaviatur seiner Boom Bap-Beats aus, und Kendrick erzählt stimmig die anscheinend wahre Geschichte, als sein Top Dawg-Labelboss Anthony Tiffith fast Kendricks Vater Ducky am Drive-In-Schalter von KFC getötet hat. Zusammengefasst: Wenn Drake Nas wäre und zugleich der Sohn von Ice Cube, dann wäre er Kendrick Lamar. Seine Leistung veranlasste Radio-DJ Paul Rosenberg zur frechen Äußerung, Kendrick sei der größte Rapper aller Zeiten. Das ist natürlich Quatsch. Noch. Die Diskussion rollt. Aber Kendrick holt auch dank "Damn." weiter auf. Die Top Five meiner Dead Or Alive-Liste hat er schon erreicht. Wen es interessiert: 1. Nas 2. 2Pac 3. Biggie 4. Jay-Z 5. Kendrick Lamar 6. Eminem 7. Rakim 8. Ghostface 9. Scarface 10. Ice Cube 11. André 3000 12. Big Daddy Kane 13. Lil Wayne 14. KRS-One 15. Common © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2013 | Aftermath

Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 4. März 2016 | Aftermath

Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Ein in Ketten gelegter Kendrick Lamar schlurft im Knast-Outfit zum Mikrofon. Mit finsterem Ausdruck im Gesicht beginnt er zu rappen. Erst "The Blacker The Berry", dann "Alright", zum Schluss des Medleys einen damals noch unbekannten Titel. Der Blick, die Bewegungen, der Vortrag – Kendrick wirkt leidenschaftlich. Besessen. Fast schon wahnsinnig. Das anfangs verblüffte Publikum reagiert mit standing ovations, immerhin wurde es gerade Zeuge einer der besten Grammy-Performances der letzten Dekade. Und doch hat der Auftritt etwas Groteskes: Mit seinem Schmetterlingsepos hielt Kendrick der mit Make-Up zugekleisterten Botox-Visage einer oberflächlichen Musikindustrie den Spiegel vor. Nun klatscht ihm diese auf einem genauso oberflächlichen Event frenetisch Beifall, wo sie doch eigentlich vor Scham im Stuhl versinken müsste. Wieder einmal bewahrheitet sich, was Lamar so oft anprangert: Trotz seines Status als Superstar verhallt die Botschaft seiner Musik in der Champagner-geschwängerten Grammy-Luft. Niemand will sich die Party verderben lassen. Der Auftritt hatte zumindest eine erfreuliche Folge: Lebron James höchstpersönlich forderte auf Twitter die Herausgabe der bisher unveröffentlichten Tracks. Und siehe da: Knapp eine Woche später dreht Kendrick mit "Untitled Unmastered." eine "To Pimp A Butterfly"-Ehrenrunde, die seinen Status als wichtigster Künstler der Gegenwart untermauert. "Demos from To Pimp A Butterfly. In Raw Form. Unfinished. Untitled. Unmastered." Lamar beschreibt es selbst am treffendsten: "Untitled Unmastered." ist weder Album noch Mixtape, viel mehr gewährt es tiefe Einblicke in seinen kreativen Schaffensprozess. "[You] told me to use my vocals to save mankind for you / [Don't] say I didn't try for you, say I didn't ride for you, or tithe for you, or push the club to the side for you." Ob es ihm nun von Gott auferlegt wurde, oder er sich einfach persönlich berufen fühlt: Kendrick trägt immer die Bürde mit sich, mit seiner Musik mehr zu bewegen als nur die Ärsche im Club. Und so birgt auch "Untitled Unmastered." Geschichten über Religion und Spiritualität, die institutionalisierte Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in den USA und Kendricks persönlichen Widerspruch zwischen dem Ruhm des gefeierten Rap-Superstars und der blutigen Realität auf den Straßen seiner Heimatstadt Compton. Das Motto bleibt dabei immer dasselbe: "Head ist he answer, head ist he future, don’t second guess yourself." Immer mit Köpfchen, dann wird das schon. Mit der gewohnten Mischung aus nüchterner Beobachtung und brutal ehrlicher Selbstreflexion entwächst "Untitled Unmastered." schnell dem Label 'Bonusmaterial'. Das anprangernde "Untitled 05 | 09.21.2014." ist nicht nur das großartigste Stück Musik der Platte, sondern hätte auch locker auf dem Vorgänger Platz gefunden. Auf "Untitled 02 | 06.23.2014." variieren Stimme und Flow so abwechslungsreich, dass man Kendrick wegen Schizophrenie in die Psychiatrie einweisen möchte. Genauso finden sich aber auch Stücke wie "Untitled 03 | 05.28.2013." auf der Platte, die zwar fertig klingen, den Cut auf "TPAB" aber aus gutem Grund nicht geschafft haben. Überladen mit Stereotypen sinniert Kendrick über den Umgang mit Ruhm und Reichtum in verschiedenen Kulturen, lässt dabei aber jedwede Meta-Ebene vermissen. Wenn man das Gefühl hat, dem Meister bei der Arbeit über die Schulter schauen zu können, kommt durchaus mehr Spannung auf: "Untitled 07 | 2014 – 2016" entstand laut Titel über mehrere Jahre und klingt auch genauso diffus. Mehr Jamsession, denn fertiger Song, geben solch skizzenhafte Tracks dem Album einen Jazz-Anstrich, der weit über das simple Samplen dieser Musik hinausgeht. Die musikalische Entwicklung macht den nächsten logischen Schritt: Organischer Jazz, Funk und Blues verdrängen den auf "TPAB" noch teilweise zelebrierten klassischen Boom-Bap vollends. Befreit von allen Fesseln der Musikindustrie verzichtet Kendrick radikal auf herkömmliche Formen und Strukturen und lässt sich stattdessen zwanglos treiben. Kurz findet er Halt in neuer Inspiration, bevor er wieder vom Fluss seiner Kreativität mitgerissen wird. Wer tief genug gräbt, findet schier unzählbare Assoziationen: "Unmastered" steht nicht nur für das unfertige Mastering der Songs, sondern eben auch für die Befreiung vom "master", dem Sklavenhalter. Die schon auf "To Pimp A Butterfly" etablierte Figur des King Kunta hat ihre Wurzeln in Alex Haleys "Roots", einem der wichtigsten literarischen Werke über die Sklaverei in den USA. Dabei koexistiert der Selbstliebe propagierende "i"-Kendrick neben dem moralisierenden "The Blacker The Berry"-Kendrick ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Beide Rollen nimmt man dem good kid aus der m.a.a.d. city gleichermaßen ab. Ganz ohne großes "The Life Of Pablo"-Brimborium haut Kendrick Lamar mit "Untitled Unmastered." still und leise ein Album raus, das keine Songtitel, Ankündigungen und Promotion nötig hat. Denn beweisen muss uns Kendrick schon lange nichts mehr. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 23. März 2015 | Aftermath

Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Selten traf das im Rap wohl am häufigsten bemühte Sprichwort so sehr zu wie in diesem Fall: "You can take your boy out the hood / But you can't take the hood out the homie." Snoop Dogg bringt es in "Institutionalized" auf den Punkt - und beschreibt damit Kendrick Lamars Reise nahezu perfekt. Denn für "To Pimp A Butterfly" verlässt K-Dot sowohl musikalisch als auch thematisch das Viertel, das er in "Good Kid, M.a.a.d. City" so lebhaft vorstellte, um einen weitreichenden Blick auf die afroamerikanische Identität zu werfen. Zwischen Blaxploitation, Reflexion und dem Aufruf zum Selbstbekenntnis ist sein neues Werk noch vielschichtiger, noch intelligenter und wichtiger als der Vorgänger. Ein gewöhnungsbedürftiges, lyrisch wahnsinnig düsteres Album, aber auch das erwartet einzigartige. Dass sich der TDE-Rapper zu Höherem berufen fühlt als zu traditionellem West Coast-Sound, zeichnete sich schon auf seinem Major-Debüt, spätestens aber in der viel diskutierten Single "I" ab. Und wer mit der schnellen Pop-Funk-Nummer, die markante Elemente des Isley Brothers-Song "That Lady" verwendet, bislang nicht wirklich viel anfangen konnte, dürfte seine schlimmsten Befürchtungen im ersten Track zunächst bestätigt sehen. Flying Lotus, Kendricks kreativer Bruder im Geiste, haucht dem Opener "Wesley's Theory" nämlich pulsierenden P-Funk ein, den man sich von K-Dot zunächst nicht unbedingt erwartet, geschweige denn gewünscht hätte. Nicht minder mysteriös als der kunstvolle Albumtitel "To Pimp A Butterfly" setzt der Song dann mit den ebenso viel- wie nichtssagenden Zeilen von Parliament-Legende George Clinton ein: "When the four corners of this cocoon collide / You’ll slip through the cracks hoping that you’ll survive / Gather your wind, take a deep look inside / Are you really who they idolize? / To pimp a butterfly." Doch wenn King Kendrick aus der Steueraffäre um Wesley Snipes anschließend ein raffiniertes Rollenspiel zwischen einem abgehobenen schwarzen Künstler und dem mahnenden Uncle Sam strickt, öffnet die Geschichte um den aufgemotzten Schmetterling ihre Pforten. Lehrstoff für Universitäten, gar einen Ausdruck für die Ewigkeit habe er mit dem Titel erschaffen, behauptete Kendrick Lamar in einem Interview kurz vor Release. Und tatsächlich wird "To Pimp A Butterfly" im Laufe seiner fast 80 Minuten zum Rap-Politikum. Die Metapher vom schwarzen Musiker als Schmetterling, der, von Major-Labels zu deren Gunsten gepimpt, jegliche Schönheit und Inspiration verliert, dafür immer mehr von einer surrealen Welt aus Reichtum und Berühmtheit verschluckt wird, kritisiert dabei aber keinesfalls nur die Plattenfirmen. Im bereits vorab veröffentlichten "King Kunta", mit seinem stark repetitiven Funk-Beat eine der eingängigsten Nummern, schießt K-Dot auch gegen seine Kollegen, die sich selbst in Geld und Überheblichkeit ertränken: "I was gonna kill a couple rappers but they did it to themselves / Everybody's suicidal they don't even need my help." Das jazzige "Institutionalized" greift die Thematik auf und vertieft die Identitätskrise zwischen Erfolg, Ruhm und Verwurzelung in der "trap", während "Hood Politics" als einer der wenigen klassischen Hip Hop-Tracks auch auf "Good Kid, M.a.a.d. City" gepasst hätte. Die Wucht von "The Blacker The Berry" bleibt jedoch unerreicht. Schildert Kendrick in "I" noch Selbstliebe und Stolz als Afro-Amerikaner, entlädt sich hier die Kritik über die vermeintliche Scheinheiligkeit der schwarzen Bevölkerung: "So why did I weep when Trayvon Martin was in the street? / When gang banging make me kill a nigga blacker than me?" Nach wie vor beeindruckt dabei der Facettenreichtum, mit dem der Kalifornier seine Texte vorträgt. Mehr denn je variiert Kendrick in seiner Stimmlage, um Gefühlen und deren Schwankungen Ausdruck zu verleihen. Er flowt voller Selbstsicherheit, schreit vor Angst und zischt vor Wut, führt verworrene Selbstgespräche und ausgefeilte Dialoge. Neben Eminem bleibt er damit wohl der einzige MC, der eine optimistische Gute-Laune-Hymne ("I") ebenso überzeugend transportieren kann wie das von Selbstzweifeln getriebene, mit düster experimentellem Sound unterlegte "U": "I fuckin' tell you, you fuckin' failure you ain't no leader!" Und hat man sich darauf eingelassen, dass statt Hits wie "Bitch Don't Kill My Vibe" oder "Money Trees" Funk, Soul und Free Jazz ("For Free?") dominieren, zieht "To Pimp A Butterfly" auch abseits des fast unerreichbaren Vortrags des Hauptdarstellers in seinen Bann. Zumal immer noch reichlich G-Funk und Boom Bap-Elemente wie in "You Ain't Gotta Lie" zu finden sind. Kendrick Lamar und Dr. Dre, der wie schon auf "Good Kid, M.a.a.d. City" als Executive Producer über das Geschehen wacht, beweisen auf allen 16 Tracks gewohnte Geschmackssicherheit. Mit Flying Lotus, Terrace Martin oder Thundercat haben sie genau die richtigen Leute gefunden, um ihre Idee von Hip Hop umzusetzen, die phasenweise irgendwo zwischen Prince, The Roots, 7 Days Of Funk und eben Kendricks eigenem Sound liegt. Dass die Verantwortlichen dabei fast vollkommen auf Rap-Features wie die Black Hippy-Kollegen Jay Rock,- Ab-Soul und Schoolboy Q verzichten und sich Gastbeiträge auch ansonsten eher auf kurze, zusätzliche Vocals beschränken, überrascht zunächst. Weniger aber die Tatsache, dass Kendrick Lamar als Rapper, Spoken Word-Artist und Sänger trotzdem für einen unglaublich vielstimmiges Gesamtbild sorgt. Für einen mehr als würdigen Abschluss sorgt das mehr als zwölf Minuten lange "Mortal Man", das mit einem geschickt zusammengefügten Scheininterview mit Tupac Shakur überrascht. Das Gespräch über Armut, Rassismus und Endlichkeit spiegelt abschließend alles wider, was "To Pimp A Butterfly" ausmacht: Flüssig und lebendig wie "Undun", gleichzeitig aber fragment- und rätselhaft wie "ATYSYC" skizziert Kendrick Lamar die afroamerikanische Identität auf eine beeindruckend intelligente Weise, die im Hip Hop vielleicht über Jahre unübertroffen bleiben wird. Nach 16 mitreißenden und genialen Tracks, die "To Pimp A Butterfly" zum besten und bedeutendsten Rap-Album des Jahres machen, wundert es kaum, dass K-Dot für schwarze Teenager "the closest thing they have to a preacher" sein will, vielleicht sogar sein muss. Denn Kendrick ist nicht nur King und Messias - Kendrick is for the children. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 9. Februar 2018 | Black Panther (TDE - DMG) PS

Hi-Res Booklet
Soviel hatte man gar nicht erwartet: im Augenblick, wo Black Panther, der Monumentalfilm der Marvel/Disney Studios anläuft, erscheint ein von Kendrick Lamar (und seinem Label TDE) zusammengestellter Soundtrack, der nicht auf die Schnelle erledigt worden ist. Überfliegt man das Programm, so meint man, Kendrick sei nur auf drei Titeln am Schlagzeug vertreten (beim recht energischen Black Panther, beim Hit All The Stars mit seinem Schützling SZA und beim Big Shot), dann stellt sich aber heraus, dass Lamar genauso wie auf den meisten anderen Tracks einer der Komponisten, Autoren und Ausführenden ist – was beweist, falls überhaupt ein Beweis nötig ist, dass er alles andere als nur einer der spektakulärsten Interpreten des modernen Rap ist. Das Beste dabei ist, dass er auf mehreren Tracks, die anderen zugeschrieben sind, insbesondere auf dem dramatischen Finale Pray For Me, mit The Weeknd zusammen hinter dem Mikro steht.   In der Besetzung findet man neben den ihm nahestehenden Leuten wie Schoolboy Q, Ab-Soul, Jay Rock und SZA, die Stars The Weeknd, Khalid und Vince Staples (es gibt sogar Future, Travis Scott und James Blake im Hinterhalt), aber Lamar lässt auch ein paar Unbekannte auftreten, deren Namen man schnellstens notieren möge. Da gibt es also die kalifornische Gruppe SOB x RBE, die den Stil aus Vallejo, der Geburtsstadt der legendären E-40 und Mac Dre (Paramedic!) weiterführt, und die südafrikanische GqomQueen Babes Wodumo, die in Durban die Jugend auf die Tanzflächen treibt und auch in Paris und Berlin immer bekannter wird (auf Redemption, mit Zacari, der von Kendrick schon auf DAMN. einen Ehrenplatz bekommen hatte). Es stellt sich heraus, dass das Black Panther The Album für Kendrick Lamar zugleich ein Labor ist (er testet neue Kombinationen, macht Abstecher in den Underground der townships Südafrikas oder zu den projects in Sacramento), aber auch ein Manifest (die Gelegenheit, die dieser „schwarze Blockbuster“ bot, konnte er sich nicht entgehen lassen, um seine Botschaft nachhaltig an den Mann zu bringen) und eine Show (er lädt eine ganze Reihe von Anhängern ein, und das etwas respektvoller, als es ein Kanye West tat). Ein Hattrick, Hut ab! © Damien Besançon/Qobuz
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2013 | Aftermath

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 2. Juli 2011 | Top Dawg Entertainment - Section.80

"Kendrick, the good kid" – wenn Gangsta-Veteranen wie Snoop, Dr. Dre und The Game einen jungen Rapper mit dieser schüchternen Selbsteinschätzung öffentlich zum "New King Of The West Coast" krönen, gerät jedes halboffizielle Release des L.A-Newcomers zum Sure Shot. Kendrick Lamars Digital-Only-Indiealbum "Section.80" sprengt mit Nasir'scher Straßenpoesie, Wu-Tang zur Ehre reichender Rechtschaffenheit, 2 Pac-Ambivalenz, Q-Tip-Swagger und modern-melancholischen Kanye West-Beats sogar sämtliche Assoziationsgrenzen und Top-Listen 2011. Bereits auf dem Opener "Fuck Your Ethnicity" entledigt sich der 24-Jährige aller Gang-Klischees, in dem er sich über Live-Drums und 70er Soul-Sounds mal schnell, mal langsam flowend zu den Idealen des Hip Hop bekennt – gipfelnd im Vocoder-verzerrten Hook: "Now I don't give a fuck if you / Black, White, Asian, Hispanic, Goddammit / That don't mean shit to me / Fuck your ethnicity, nigga." Bedenkt man die Situation in L.A., in der sich die Gangs stark in ethnische Raster gießen lassen, wird das vereinende Element, die seit 2Pac nie dagewesene Unity-Chance von Kendrick Lamar deutlich – und auch, warum ältere, gesetzte Semester in ihm die Zukunft sehen. Doch Kendrick gibt sich mit oberflächlichen Toleranzansagen nicht zufrieden, sondern taucht tief ins sozialkritische, aber nie predigende Storytelling ein. Im smooth-entspannten "Hol' Up" verdeutlicht er anhand eines Flugs ambivalent die Vorurteile gegenüber jungen Afro-Amerikanern bzw. anders Aussehenden generell. Dass er in seiner Situationsbeschreibung auch noch die Attraktivität von Al-Quaida verarbeitet, lässt alle Lyriscm-Herzen höher schlagen. "I wrote this record while 30 thousand feet in the air / Stewardess complimenting me on my nappy hair / If I can fuck her in front of all of these passengers / They'll probably think I'm Osama / The plane emergency landed: it was an honor." In "AH-AD" und "No Make Up" verarbeitet er ohne erhobenen Zeigfinger seine Abneigung gegen Drogen, Pillen und geschminkte Beinahprostitution junger Mädchen, kurzum: seine eigene Generation. Diese "Ich bin einer von euch, aber ihr solltet das nicht tun"-Attitüde ist schon immer der Schlüssel zum wahrgenommen Werden gewesen. Sei es bei 2 Pac und seinem Wechselspiel zwischen Black Panther und Gangbanger oder den Anti-Gewalt-Geschichten ehemaliger Rowdys (Wu-Tang Clan – "Can It All Be Simple"). Wu-Mastermind RZA leiht für die tonnenschwer-kopfnickende und fiebrig-gerappte "Ronald Reagan Era" dann auch standesgemäß einen Satz aus "California Dungeons" aus. Inhaltlich gerät der Song zur 80er Crack-Hymne jedoch ohne Beweihräucherung oder Verharmlosung des Drogendealer-Lifestyles. Kendricks Antrieb und die Seele seiner Musik scheint eher im mächtig-bombastischen "The Spiteful Chant" oder im soulig-entspannten "Poe Mans Dreams" durch. "I'm 23 with morals and plans of living cordial / Not rich, but wealthy / There's nothing you can tell me / My killings are not remorseful / The city got my back, and for that, I give them my torso / You think about it, and don't call me lyrical / Cause really I'm just a nigga that's evil and spiritual." So könnte dieser Text noch seitenlang weitergehen. Doch ein paar lyrische Kugeln sollten im Review-Revolver für Lamars kommendes Majordebüt verweilen – auch wenn er mit "Section.80" einen Klassiker durch die Hintertür schießt wie antike Griechenliebe. Zum Schluss erleuchten vielleicht noch ein paar Vergleiche die Unglaublichkeit Kendrick Lamars – dieses Mal mit seinen extrem erfolgreichen Freshman-Kollegen. Wenn ein Drake mit seinem Mainstream-Female-Appeal der neue Jay-Z ist, J. Cole dank Eastcoast-Native Tongue-Styles einem Common ähnelt und Wiz Khalifa sich zu Snoop 2.0 kifft, vereint Kendrik das Beste aus beiden Welten, das Beste aus Nas und 2Pac in einem. Hip Hop 2011? Compton State Of Mind! © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 9. Februar 2018 | Black Panther (TDE - DMG) PS

Booklet
Soviel hatte man gar nicht erwartet: im Augenblick, wo Black Panther, der Monumentalfilm der Marvel/Disney Studios anläuft, erscheint ein von Kendrick Lamar (und seinem Label TDE) zusammengestellter Soundtrack, der nicht auf die Schnelle erledigt worden ist. Überfliegt man das Programm, so meint man, Kendrick sei nur auf drei Titeln am Schlagzeug vertreten (beim recht energischen Black Panther, beim Hit All The Stars mit seinem Schützling SZA und beim Big Shot), dann stellt sich aber heraus, dass Lamar genauso wie auf den meisten anderen Tracks einer der Komponisten, Autoren und Ausführenden ist – was beweist, falls überhaupt ein Beweis nötig ist, dass er alles andere als nur einer der spektakulärsten Interpreten des modernen Rap ist. Das Beste dabei ist, dass er auf mehreren Tracks, die anderen zugeschrieben sind, insbesondere auf dem dramatischen Finale Pray For Me, mit The Weeknd zusammen hinter dem Mikro steht.   In der Besetzung findet man neben den ihm nahestehenden Leuten wie Schoolboy Q, Ab-Soul, Jay Rock und SZA, die Stars The Weeknd, Khalid und Vince Staples (es gibt sogar Future, Travis Scott und James Blake im Hinterhalt), aber Lamar lässt auch ein paar Unbekannte auftreten, deren Namen man schnellstens notieren möge. Da gibt es also die kalifornische Gruppe SOB x RBE, die den Stil aus Vallejo, der Geburtsstadt der legendären E-40 und Mac Dre (Paramedic!) weiterführt, und die südafrikanische GqomQueen Babes Wodumo, die in Durban die Jugend auf die Tanzflächen treibt und auch in Paris und Berlin immer bekannter wird (auf Redemption, mit Zacari, der von Kendrick schon auf DAMN. einen Ehrenplatz bekommen hatte). Es stellt sich heraus, dass das Black Panther The Album für Kendrick Lamar zugleich ein Labor ist (er testet neue Kombinationen, macht Abstecher in den Underground der townships Südafrikas oder zu den projects in Sacramento), aber auch ein Manifest (die Gelegenheit, die dieser „schwarze Blockbuster“ bot, konnte er sich nicht entgehen lassen, um seine Botschaft nachhaltig an den Mann zu bringen) und eine Show (er lädt eine ganze Reihe von Anhängern ein, und das etwas respektvoller, als es ein Kanye West tat). Ein Hattrick, Hut ab! © Damien Besançon/Qobuz
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 8. Dezember 2017 | Aftermath

Booklet
Machen wir es kurz: "Section.80" ist ein Backpack-Klassiker, "Good Kid" sein "Illmatic" und "Butterfly" das sterbenslangweilige Opus Magnum für linksliberale Pitchfork-Pimps. Und "Damn."? "Damn." kommt einfach als verdammt gutes Rap-Album, das die Hit-Dichte des Debüts, den Straßengrind vom Nachfolger und die Black Power vom Grammy-Abräumer mit modernen Beat-Strukturen vereint. Endlich. Allein die harte Synthie-Single "Humble", produziert von Mike Will Made It, und ein kurzer Blick auf die weitere Producer-Truppe um Alchemist, Cardo und 9th Wonder schicken die jazzig-funkigen Sounds des 2015er-King Kunta in den Orbit der Indie-Blogs. In der Langfassung heißt das: Am Mic ist Kendrick wie Bayern München unter Pep. Er bietet keinen 08/15-Style an, er fordert Gegner wie Zuhörer, sich selbst wie Studiokollegen. Variabler flowend als jeder Emcee vor ihm, verpackt Lamar seine intensiven und vielschichtigen Lyrics dieses Mal in Radio-, Fitness- und Auto-taugliche Hits. Auf "Love" taucht er tief ins 80er Soul-Pop-Revival von Future Hendrix, sucht mit Rihanna auf einer trap-kuscheligen Liebesballade die "Loyalty" und croont bei "God" besser als Drake, wenn auch unterstützt von Bekon, der in den besten Momenten gar an den viel zu unterschätzten Mr Hudson erinnert. Kung-Fu Kenny mischt wieder als Sterblicher mit im Game. Nach den "Butterfly"-Jubelarien der Genre-übergreifenden Musikjournaille wähnte man den Kalifornier ja schon im erhabenen Genie-Club um Prince, Madonna und Co. und jenseits aller Rap-Profanität. Mit Zeilen wie "I'm willin' to die for this shit / I done cried for this shit, might take a life for this shit / Put the Bible down and go eye for an eye for this shit" kehrt er nun in den aggressiven Battle-Rap zurück. Drei Gegner visiert er an: Trump und den rassistischen Teil der amerikanischen Gesellschaft, alle anderen Emcees und seine eigenen Sünden. Seine Auge-um-Auge-Aussage aus dem zünftigen, irgendwo zwischen 40 und RZA holpernden "Elements" holt er aus dem Alten Testament und krakeelt sie in die verrückte Welt hinaus. In Zeiten von Donald und anderen Diktatoren wird Widerstand Pflicht. Kendrick wirft dafür seine Liebe zum Neuen Testament gleich im "Blood"-Intro aus dem Bentley. Über fast fröhliche Soul-Streicher erzählt er, wie er einer alten Dame auf der Straße hilft, nur um dann von ihr erschossen zu werden. Direkt im Anschluss sampelt er Fox News-Moderator Geraldo Rivera, als der seine provokante, politische BET-Performance 2015 on Air kritisiert – und switcht in den zweiten, fiebrigen und ultraharten Mike Will Made It-Beat "DNA". Klarer geht es nicht, Kendrick ist zornig und bläst zum Angriff auf das erzkonservative Amerika. Wie in "Yah". "I'm not a politician, I'm not 'bout a religion / I'm a Israelite, don't call me Black no mo' / That word is only a color, it ain't facts no mo'." Er sieht die Afroamerikaner und alle Unterdrückten vor demselben Schicksal stehen wie die Juden zu Zeiten von Moses und Co. Kendrick mag zwar kein Politiker sein, doch auch er weiß: Jeder braucht Verbündete. Zwar wütet er in "Feel", während nebenher ein leicht-wabernder Sade-Tune läuft: "Ain't nobody prayin form me." Doch im progressiven Amerika findet er gegen Trump altbekannte Freunde, repräsentiert von Bono und U2. "XXX" ist zuerst ein böse humpelnder Old School-Beat mit Run DMC-Scratches und Public Enemy-Sirenen, in dem Kendrick die fast aussichtslose Situation in Schlagwörter kleidet: "It's murder on my street, your street, back streets / Wall Street, corporate offices / Banks, employees, and bosses with / Homicidal thoughts: Donald Trump's in office." Im zweiten Teil gesellt sich neben tonnenschwerem Boom Bap Mister Vox zum Rapper aus Compton. Die Hook sagt alles: "It's not a place / This country is to be a sound of drum and bass / You close your eyes to look around." Musik kann die Welt besser machen, zumindest jede kleine. Kendrick ist jedoch kein stumpfer Prediger. Er kennt seine Feinde im Inneren und beendet das Album mit zwei Storytelling-Tracks auf Nas-Niveau. Im vom Alchemist-zerbrechlich produzierten "Fear" erzählt er drei Geschichten über die Furcht. Der erste Teil handelt von der Furcht eines Kindes, das mit häuslicher Gewalt aufwächst, in der zweiten Strophe kleidet Kendrick die Angst eines jeden Jugendlichen im Ghetto in eindrucksvolle Bilder: "I'll prolly die because I ain't know Demarcus was snitchin' / I'll prolly die at these house parties, fuckin' with bitches / I'll prolly die from witnesses leavin' me falsed accused / I’ll prolly die from thinkin' that me and your hood was cool." Im dritten Vers ist es dann die eigene Furcht, die Furcht von Mister Lamar Duckworth. Mit "Duckworth" endet "Damn." verdammt groß. 9th Wonder packt die ganze Karriere-Klaviatur seiner Boom Bap-Beats aus, und Kendrick erzählt stimmig die anscheinend wahre Geschichte, als sein Top Dawg-Labelboss Anthony Tiffith fast Kendricks Vater Ducky am Drive-In-Schalter von KFC getötet hat. Zusammengefasst: Wenn Drake Nas wäre und zugleich der Sohn von Ice Cube, dann wäre er Kendrick Lamar. Seine Leistung veranlasste Radio-DJ Paul Rosenberg zur frechen Äußerung, Kendrick sei der größte Rapper aller Zeiten. Das ist natürlich Quatsch. Noch. Die Diskussion rollt. Aber Kendrick holt auch dank "Damn." weiter auf. Die Top Five meiner Dead Or Alive-Liste hat er schon erreicht. Wen es interessiert: 1. Nas 2. 2Pac 3. Biggie 4. Jay-Z 5. Kendrick Lamar 6. Eminem 7. Rakim 8. Ghostface 9. Scarface 10. Ice Cube 11. André 3000 12. Big Daddy Kane 13. Lil Wayne 14. KRS-One 15. Common © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2012 | Aftermath

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 14. September 2010 | Top Dawg Entertainment - Kendrick Lamar

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 23. September 2014 | Aftermath

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 4. Januar 2018 | Black Panther (TDE - DMG) PS

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 14. September 2010 | Top Dawg Entertainment - Kendrick Lamar

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 12. April 2011 | Top Dawg Entertainment - Kendrick Lamar

Hip-Hop/Rap - Erschienen am 16. Oktober 2015 | Aftermath

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 23. März 2016 | Aftermath

Ein in Ketten gelegter Kendrick Lamar schlurft im Knast-Outfit zum Mikrofon. Mit finsterem Ausdruck im Gesicht beginnt er zu rappen. Erst "The Blacker The Berry", dann "Alright", zum Schluss des Medleys einen damals noch unbekannten Titel. Der Blick, die Bewegungen, der Vortrag – Kendrick wirkt leidenschaftlich. Besessen. Fast schon wahnsinnig. Das anfangs verblüffte Publikum reagiert mit standing ovations, immerhin wurde es gerade Zeuge einer der besten Grammy-Performances der letzten Dekade. Und doch hat der Auftritt etwas Groteskes: Mit seinem Schmetterlingsepos hielt Kendrick der mit Make-Up zugekleisterten Botox-Visage einer oberflächlichen Musikindustrie den Spiegel vor. Nun klatscht ihm diese auf einem genauso oberflächlichen Event frenetisch Beifall, wo sie doch eigentlich vor Scham im Stuhl versinken müsste. Wieder einmal bewahrheitet sich, was Lamar so oft anprangert: Trotz seines Status als Superstar verhallt die Botschaft seiner Musik in der Champagner-geschwängerten Grammy-Luft. Niemand will sich die Party verderben lassen. Der Auftritt hatte zumindest eine erfreuliche Folge: Lebron James höchstpersönlich forderte auf Twitter die Herausgabe der bisher unveröffentlichten Tracks. Und siehe da: Knapp eine Woche später dreht Kendrick mit "Untitled Unmastered." eine "To Pimp A Butterfly"-Ehrenrunde, die seinen Status als wichtigster Künstler der Gegenwart untermauert. "Demos from To Pimp A Butterfly. In Raw Form. Unfinished. Untitled. Unmastered." Lamar beschreibt es selbst am treffendsten: "Untitled Unmastered." ist weder Album noch Mixtape, viel mehr gewährt es tiefe Einblicke in seinen kreativen Schaffensprozess. "[You] told me to use my vocals to save mankind for you / [Don't] say I didn't try for you, say I didn't ride for you, or tithe for you, or push the club to the side for you." Ob es ihm nun von Gott auferlegt wurde, oder er sich einfach persönlich berufen fühlt: Kendrick trägt immer die Bürde mit sich, mit seiner Musik mehr zu bewegen als nur die Ärsche im Club. Und so birgt auch "Untitled Unmastered." Geschichten über Religion und Spiritualität, die institutionalisierte Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in den USA und Kendricks persönlichen Widerspruch zwischen dem Ruhm des gefeierten Rap-Superstars und der blutigen Realität auf den Straßen seiner Heimatstadt Compton. Das Motto bleibt dabei immer dasselbe: "Head ist he answer, head ist he future, don’t second guess yourself." Immer mit Köpfchen, dann wird das schon. Mit der gewohnten Mischung aus nüchterner Beobachtung und brutal ehrlicher Selbstreflexion entwächst "Untitled Unmastered." schnell dem Label 'Bonusmaterial'. Das anprangernde "Untitled 05 | 09.21.2014." ist nicht nur das großartigste Stück Musik der Platte, sondern hätte auch locker auf dem Vorgänger Platz gefunden. Auf "Untitled 02 | 06.23.2014." variieren Stimme und Flow so abwechslungsreich, dass man Kendrick wegen Schizophrenie in die Psychiatrie einweisen möchte. Genauso finden sich aber auch Stücke wie "Untitled 03 | 05.28.2013." auf der Platte, die zwar fertig klingen, den Cut auf "TPAB" aber aus gutem Grund nicht geschafft haben. Überladen mit Stereotypen sinniert Kendrick über den Umgang mit Ruhm und Reichtum in verschiedenen Kulturen, lässt dabei aber jedwede Meta-Ebene vermissen. Wenn man das Gefühl hat, dem Meister bei der Arbeit über die Schulter schauen zu können, kommt durchaus mehr Spannung auf: "Untitled 07 | 2014 – 2016" entstand laut Titel über mehrere Jahre und klingt auch genauso diffus. Mehr Jamsession, denn fertiger Song, geben solch skizzenhafte Tracks dem Album einen Jazz-Anstrich, der weit über das simple Samplen dieser Musik hinausgeht. Die musikalische Entwicklung macht den nächsten logischen Schritt: Organischer Jazz, Funk und Blues verdrängen den auf "TPAB" noch teilweise zelebrierten klassischen Boom-Bap vollends. Befreit von allen Fesseln der Musikindustrie verzichtet Kendrick radikal auf herkömmliche Formen und Strukturen und lässt sich stattdessen zwanglos treiben. Kurz findet er Halt in neuer Inspiration, bevor er wieder vom Fluss seiner Kreativität mitgerissen wird. Wer tief genug gräbt, findet schier unzählbare Assoziationen: "Unmastered" steht nicht nur für das unfertige Mastering der Songs, sondern eben auch für die Befreiung vom "master", dem Sklavenhalter. Die schon auf "To Pimp A Butterfly" etablierte Figur des King Kunta hat ihre Wurzeln in Alex Haleys "Roots", einem der wichtigsten literarischen Werke über die Sklaverei in den USA. Dabei koexistiert der Selbstliebe propagierende "i"-Kendrick neben dem moralisierenden "The Blacker The Berry"-Kendrick ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Beide Rollen nimmt man dem good kid aus der m.a.a.d. city gleichermaßen ab. Ganz ohne großes "The Life Of Pablo"-Brimborium haut Kendrick Lamar mit "Untitled Unmastered." still und leise ein Album raus, das keine Songtitel, Ankündigungen und Promotion nötig hat. Denn beweisen muss uns Kendrick schon lange nichts mehr. © Laut

Hip-Hop/Rap - Erschienen am 16. Oktober 2015 | Aftermath

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 10. März 2015 | Aftermath