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Element Of Crime

Mitte der Achziger in West-Berlin: Alle reden vom New Wave, fünf Jungs wollen Teil dieser Jugendbewegung sein. Sven Regener (Gesang, Gitarre, Trompete), Jakob Ilja (Gitarre), Paul Lukas (Bass), Jürgen Fabritius (Saxophon) und Uwe Bauer (Drums, Ex-Fehlfarben) gründen Element Of Crime nach dem gleichnamigen Kultfilm von Lars von Trier aus dem Jahr 1984. Bereits im Herbst des selben Jahres nehmen sie in fünf Tagen ihr englischsprachiges Debüt "Basically Sad" auf, das im Sommer 1986 erscheint. Kurz danach steigt Uwe Bauer aus, ihn ersetzt Richard Pappik. Jürge Fabritius entschließt sich, es Bauer gleichzutun und verlässt die Band. Zwar testet die Band andere Saxophonisten, allerdings beschließen sie nach einiger Zeit, auf die Blechtröte in Zukunft zu verzichten. Der Weg für die Trompete als Trademark ist damit frei. Noch 1986 signt Polydor die Band, verantwortlich für den Deal ist niemand geringerer als der junge Tim Renner. Im Frühjahr 1987 kommt ihr in London aufgenommenes Album "Try To Be Mensch" auf den Markt, das wegen der John Cale'schen Produktion in der Musikpresse für gehörigen Aufruhr sorgt. Element Of Crime werden bald so populär, dass sie sogar in der Zionskirche in Ost-Berlin auftreten. Natürlich ohne offizielle Erlaubnis. Für die Aufnahmen ihres dritten Albums "Freedom Love & Happiness" zieht es die Band Anfang 1988 nach New York. 1989 nehmen sie "The Ballad Of Jimmy & Johnny" in Berlin auf, auf diesem Album findet sich der erste deutschsprachige Song, "Der Mann Vom Gericht". 1991 wagen sie den Sprung, bringen mit "Damals Hinterm Mond" das erste komplett deutschsprachige Album heraus. Dennoch wird das Album ein Erfolg, wohl auch wegen der musikalischen Öffnung für Streicher und andere Instrumente. Im folgenden Jahr touren sie mit Grönemeyer. 1992 pausiert die Band bis auf ein paar Auftritte, Paul Lukas verlässt Element Of Crime und am Bass heuert Christian Hartje an. Etatmäßiger zusätzlicher Gitarrist ist mittlerweile Dave Young. Der Nachfolger "Weißes Papier" gerät mit 60.000 verkauften Alben und Top-30-Chartsplatzierungen in Deutschland und der Schweiz zum Druchbruch für Element Of Crime. Noch mehr als zuvor bereichern die Musiker die Songs mit Streichern, Bläsern, Akkordeon und anderen schrulligen Instrumenten. Ein Potpourri aus Schunkel-Rock, Chanson, altem Schlager und Shanty. Die Platte wird zur Blaupause für ihren weiteren Weg. In den folgenden Jahren lassen sie es ein wenig ruhiger angehen und beschäftigen sich mit anderen Projekten (Ilja unter anderem mit den 17 Hippies, die mit ihrer Musik durch den Film "Halbe Treppe" bekannt wurden). 1998 entsteht "Psycho", das Album schrammt nur knapp an den Top Ten der Albumcharts vorbei. Ein ungewöhnliches Projekt gehen die melancholischen Musiker 2000 an, als sie für eine Theater-Inszenierung Leander Haußmanns die Musik schreiben. 2002 hängt Christian Hartje den Bass an den Nagel, für ihn übernimmt der bis dato dritte Gitarrist David Young. Damit ist die Band wieder ein Quartett. 2003 nehmen EOC eine Auszeit. Ilja schreibt Theater- und Filmmusik, Pappik macht alleine Musik und Regener vervollständigt seinen ersten Roman "Herr Lehmann", der später von Leander Haußmann mit Christian Ulmen in der Hauptrolle verfilmt wird. Noch bevor ein weiteres Album erscheint, schiebt er den zweiten Roman hinterher. "Neue Vahr Süd", das die Jugend von Herr Lehmann in Bremen beschreibt, wird 2004 als zweiter Teil einer Trilogie veröffentlicht. Infolge der Umbesetzungen in der Band ist der Sound auf "Mittelpunkt Der Welt" (2005) wieder etwas überschaubarer geworden, was allerdings keinerlei Qualitätseinbußen mit sich bringt. Mit der Karriere der Band geht es weiter bergauf: Das Album "Immer da wo du bist bin ich nie" erreicht 2009 Platz 2 der deutschen Charts - der größte kommerzielle Erfolg von Element Of Crime. Ein Jahr später folgt die Verleihung einer Goldenen Schallplatte für über 100.000 verkaufte Einheiten. 2015, nach der Veröffentlichung von "Lieblingsfarben Und Tiere", werden die Berliner zum ersten Mal für den Musikpreis Echo in der Kategorie "Beste Rock/Alternative-Band" nominiert, unterliegen letztlich aber Unheilig. Im selben Jahr geht die Band auf Tournee, das parallel stattfindende Bandjubiläum lässt sie ohne weiteren Hinweis verstreichen. Richtig gefeiert wird erst wieder 2018. Am 5. Oktober erscheint mit "Schafe, Monster und Mäuse" das mittlerweile 14. Studioalbum von Element Of Crime. Es geht um Currywurst, ums Schlesische Tor, um den Ku'damm und das Prinzenbad. Kurzum: Es geht um Berlin. Und das mehr denn je. 2019 geht es mit der Platte auf Deutschlandtournee. Um die Zeit während der Corona-Pandemie nicht ungenutzt zu lassen, lässt sich Sven Regener Ende 2020 mit "Narzissen und Kakteen" einen Band-Podcast einfallen. In den einzelnen Folgen beleuchtet er zusammen mit Jakob Ilja und Richard Pappik die Alben von Element Of Crime. Zuvor gründet er mit Pappik und Pianist Ekki Busch, der seit 1993 die Formation live an den Tasteninstrumenten verstärkt, das Jazz-Trio Regener Pappik Busch. Dessen Debüt "Ask Me Now" erscheint Anfang 2021 und enthält zwölf Neuinterpretationen von Jazz-Standards aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren. Garant für das Interesse an ihren Veröffentlichungen bleiben die Gänsehauttexte von Chefkomponist Sven Regener, die menschliche Gefühle ungeschönt in schimmernde Hüllen verpacken. Melancholische Lebensfreude könnte man die Grundeinstellung des mittlerweile renommierten Autors nennen, nicht zu vergessen seine augenzwinkernde Selbstironie und das kritische Ausleuchten einer Welt, die sich wie ein unerwartetes, komplexes Schreckenswunder jeden Tag neu vor ihm aufbaut und ihm die seltsamsten Dinge ins Ohr flüstert. Element of Crime leben vom zartbitteren Nachgeschmack der zerfransten Melodien, die durchzogen von Akkordeon und Trompete erst die richtige Basis für die Poesie bilden. Ihre Musik ist zeitlos und bringt im Hörer Gefühlssaiten zum Schwingen, die altersunabhängig jedem bekannt sein dürften.
© Laut
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