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Die Alben

CD13,99 €

Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 1999 | Aftermath

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Oktober 2019. Der Club ist gut gefüllt, die Tanzfläche nicht. Über den Köpfen wabern Weedschwaden, eintönige Elektro-Tunes langweilen anonym aus den Boxen. Die Stimmung lahmt. Bis DJ Fly Klaus einen gewissen Scott Storch aka Just-a-Piano-Man an die virtuellen Keyboards holt und Snoop Dogg klarstellt: "Yeah nigga I'm still fucking with ya / Still waters run deep / Still Snoop Dogg and D-R-E, '99 nigga / Guess who's back." Die Hütte brennt. Zwanzig Jahre zuvor, am 13. Oktober 1999, eröffnen jene Zeilen, Storchs hypnotisch geloopte Klaviertunes und gnadenlos bangende Drums einen, wenn nicht den besten Beat aller Zeiten (im Finale vielleicht gegen "Shook Ones Part II") und läuten den vierten Frühling von Westküsten-Legende Andre ein. "Ladies they pay homage, but haters say Dre fell off / How nigga? My last album was The Chronic (nigga)." Selbst LL Cool J würde diese Explosion wohl ein Comeback nennen. Zwischen 1992 und '99, die Morde an 2Pac und Biggie und die Implosion des Death Row-Labels inklusive, hatte Dre nicht an einem echten Nachfolger für sein "Chronic"-Solodebüt arbeiten können. Nicht, dass der Doktor in der Zwischenzeit keine Beats verarztet hätte. Andere Produzenten stürben dafür, legte man ihnen nach mehreren Klassikern und neuen Sounderfindungen (World Class Wreckin Cru, N.W.A, "The Chronic") Songs wie "Been There, Done That", Ras Kass' "Ghetto Fabolous", das "The Firm"-Album oder "Zoom" als Fell-Off aus. Wir reden dabei noch nicht einmal von der Gründung seines Labels Aftermath, der Entdeckung Eminems und dessen kurz zuvor veröffentlichter "Slim Shady LP". Trotzdem erscheint der Doktor im Herbst '99 hungriger denn je. Er will es allen zeigen, will den Thron zurück. "They want to know if he still got it / They say rap's changed / They wanna know how I feel about it (If you ain't up on thangs) / Dr. Dre is the name / I'm ahead of my game." Immerhin dominieren Ende der 90er andere, meistens aus New York, das Rap-Game. Primo hat die dickste Bass-Drum, Swizz Beatz die besten Synthies und Jay-Z regiert mit Puffy die Clubs. Bis "Still D.R.E." über den Äther läuft. Der Track killt, burnt, bounct, groovt, nickt Kopf und fickt sofort jede Feier ab. Da spielt es keine Rolle, welches Jahr man gerade schreibt, welcher Trend durch das Internet getrieben wird, welche Stadt Hip Hop auf das nächste Level hebt. "Still D.R.E." ist zeitlos in Zuffenhausen, in Zaire, in Zürich. Mit der Vorabsingle hatte Dr. Dre also sein erstes Ziel bereits erreicht: Ich bin wieder da und immer noch der beste. "Niggas try to be the king but the ace is back." Mit dem einen Monat später, im November 1999 folgenden Album legte er darauf den Grundstein für den G-Funk-Sound der Nullerjahre und setzte Maßstäbe für Beats und Produktion. Er befreite die Westküste alleine aus Suge Knights Diktatur und Post-2Pac-Depression, auch, indem er auf "2001" neben der langersehnten Reunion mit Snoop Dogg das Gros der L.A.-Rapper vereinte. So versammelt er alleine auf dem tonnenschweren Slow Jam "Some L.A. Niggaz" Leute aus dem Underground wie Defari, N.W.A-Weggefährten wie MC Ren, Legenden wie King T, neue Signings à la Xzibit und holt sich für die klassische Funk-Hook Knoc-Turn'Al und Kokane ins Studio. "2001" sprengte endlich die Ketten des Gangsta Rap. "Es ist ein Film mit diversen unterschiedlichen Szenen. Du hast gefühlvolle Momenten, du hast aggressive Momente. Es gibt sogar eine bisschen Porno", so Dre damals zur New York Times. Bereits im Opener "The Watcher" mimt er stimmig den Ghetto-Regisseur: "Watched the lawsuits when they lost the dough / Best friends and money: I lost them both / Went visited niggas in the hospital / It's all the same shit all across the globe / I just sit back and watch the show." Es zahlt sich aus, wenn man neben Jay-Z ("Still D.R.E.") mit illustren Ghostwritern wie D.O.C., Royce da 5'9 (vor allem beim deepen, Eastcoast-inspirierten und von Lord Finesse produzierten "The Message") und Eminem um die Verse feilschen kann. "The Watcher" verdeutlicht von Takt eins an die für "2001" neu gefundene Soundformel: Peitschende Synthie-Streicher duellieren sich mit Piano-Loops, tiefen Bässen und hart schlagenden Snares, ab und an aufgelockert von den berüchtigten "Nuthin But A G Thang"-Melodien. Im Studio arbeiteten unter anderem Mel-Man, Chris Taylor, Mike Elizondo (Bass) und Scott Storch an den Beats. Mel-Man steht in den Credits hinter jedem Track, vor allem sorgen aber Taylor und Storch mit ihren Keyboardkünsten für die unverwüstlichen Trademarks. Josh Tyrangiel beschreibt gegenüber der Times den Aufnahmeprozess folgendermaßen: "Jeder Dre-Track beginnt gleich. Der Doktor sitzt hinter der Drum-Machine, umringt von vertrauenswürdigen Musikern. Sobald Dre einen rohen Beat gezimmert hat, sollen die Musiker Melodien zum Beat spielen. Wenn er denn etwas hört, das ihm gefällt, holt er den Jeweiligen zu sich und werkelt mit ihm alleine am Sound für den Track weiter." Wer sich übrigens schon immer wunderte, dass Dr. Dres Produktionen lauter, drückender über die Speaker brummen, findet bei Rapper/Producer Thes One von People Under The Stairs eine mögliche Erklärung. "'The Chronic' war ein Meilenstein in Sachen Tontechnik und Mastering. '2001' dagegen ist Katzenscheiße. Ich kennen einen Toningenieur, der damals dabei war und anscheinend wollte Dre die 'lauteste CD ever'. Das ist natürlich ein wahnwitziges Statement, da man eine binäre CD einfach nicht lauter bekommt. Ich denke, sie wollten einfach den monströsesten Wumms aus den Boxen ballern." Spätestens jetzt steht fest, wie sehr Dre alles und jeden wegburnen wollte. Besonders die knallharten, in bester Deep-Cover-Manier pumpenden "Bang Bang" und "Murder Ink" lassen das Blut wahlweise in den Adern gefrieren oder im Auto aus den Ohren träufeln. Ähnlich gespalten, zumindest aus heutiger Sicht, erscheint die Sicht auf Dres erotische Phantasien auf "Fuck You" und "Housewife". Trotz seiner langjährigen Ehe hinterlassen seine gewalttätigen Aktionen gegen Frauen Ende der 80er einen schmalen Beigeschmack bei diesen beiden Bettsäuslern und Lyrics wie "I just wanna fuck bad bitches / All them nights I never had bitches / Now I'm all up in that ass bitches / Mad at 'cha boyfriend, aint 'cha? / You'se a bad girl, gotta spank ya" oder "I'm mannish, get yo' nails out my back / Slut I'm bout to nut and get up, go scrub yo' cat / Learn the player rules, this is how I play a dude". Andere Tracks scheinen da auch heute noch wesentlich heller. "Xxplosive" inspiriert nach eigenen Aussagen Kanye West mit seiner Mischung aus Soul und harten Beats (man vergleiche den Drumsound mit Yeezys frühen Werken). "The Next Episode", die letzte Single, geht mit seinen Keys von Storch als eine Art "Still D.R.E.", Part Two durch und liefert in seiner Video-Version ganz am Ende die himmlischsten Streicher-Arrangements ever. Die musikalische Vater-Sohn-Beziehung zu Eminem wirkt sich zudem positiv auf Dre und das Album aus. Ihr Duett auf dem wild bouncenden "Forgot About Dre" und auch das eingängige "What's The Difference" heben die beiden in die Top-Fünf der Rap-Kollabos. Bis ins Jahr 2005 variiert Dre mit seiner Produzentenarmee den auf "2001" gefundenen Style aus dicker Produktion, dramatisch gesetzten Streichern und Keyboard-Sounds erfolgreich. Er verhilft Eminem unter anderem zu seinem besten Album, schenkt 50 Cent mit "In Da Club" den besten Club-Track aller Zeiten, The Game rollt dank ihm ("How We Do") und Busta Rhymes findet auf "Break Ya Neck" seinen perfekten Beat. Irgendwo nach dem unglaublichen "Outta Control"-Remix für 50 Cent und Mobb Deep wiederholen sich jedoch die Muster und verlieren an Schwung. Das Rapgame reist weiter. Stimmen aus dem Westen werden laut, Dr. Dre wolle sich mit "Detox" ein fünftes Mal neu erfinden und den Thron erklimmen. Doch "Detox" bleibt Legende und Dre als Executive Producer, Aftermath-Talentscout (Kendrick Lamar) und Geschäftsmann (Beats-Kopfhörer) erfolgreich. Erst 2015 stellt er sich mit seinem "Compton"-Soundtrack den eigenen Ansprüchen, ohne jedoch die einstige Position im Rapgame wieder erreichen zu können und zu wollen. Dafür wird es auch in 2022 in Dorfdisse, Club, Beach- oder WG-Party immer noch heißen: "It's still Dre day nigga, AK nigga." © Laut
HI-RES21,49 €
CD14,99 €

Hip-Hop/Rap - Erschienen am 21. August 2015 | Dr. Dre LP3 PS

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Über "Detox" hat die kopfnickende Welt wahrlich ausreichend viele Witze gerissen. Es blieb ja genug Zeit dafür: Um die 15 Jahre hat Dr. Dre ins Land ziehen lassen, um sein wieder und wieder angekündigtes Album am Ende doch nicht zu veröffentlichen. Das Material habe ihm nicht gefallen, es erschien ihm schlicht nicht gut genug. Wenn das mal nicht den weltbesten Grund darstellt, um ein Projekt an den Nagel zu hängen, weiß ich auch nicht mehr. Zumal ein wie auch immer geartetes "Detox" die in den Himmel gewachsenen Erwartungen ohnehin fast zwangsläufig hätte enttäuschen müssen. Hätte Dre versucht, mit aller Gewalt an seine Großtaten aus den ausgehenden 90ern anzuknüpfen, wir hätten vermutlich genau die Lachplatte bekommen, über die wir uns seit Jahren fröhlich beömmeln: Hip Hops "Chinese Democracy", hihi. Ab in die Tonne, damit. So mies wie die Vorzeichen für "Detox" standen, so exzellent sehen die Voraussetzungen für jede andere Platte aus, die Dr. Dre fabrizieren könnte. Erstens: Der Mann muss niemandem mehr etwas beweisen. Seinen Legendenstatus hat er längst in Stein gemeißelt. Niemand, der auch nur halbwegs bei Trost ist, versucht, ihm seine Verdienste um Hip Hop abzusprechen. An Dres Arbeitsmoral besteht ebenfalls kein Zweifel: "Rich as fuck but guess what? I'm back to work." Zweitens, er hat es eben schon selbst gesagt: Dre muss sich keinen kommerziellen Erwägungen unterordnen. Jeder weiß, dass der überaus geschickt operierende Geschäftsmann sich einen derart stinkenden Reichtum erwirtschaftet hat, dass in in dieser Hinsicht keinerlei Sorgen drücken. Keine Budget-Beschränkung engt ihn ein. And if you don't know now you know - weil Dr. Dre nicht müde wird, diesen Umstand wieder und wieder zu betonen. "A motherfuckin' dream to reality is what you call that, homie", reflektiert er seinen eigene Vom-Sozialhilfeempfänger-zum-Multimillionär-Story und wirkt dabei noch nicht einmal arrogant. Er verkündet schließlich nur hinlänglich bekannte Tatsachen. Die Trennlinie zu den Aufschneidern, deren Lebensstil und Gerede wenig mehr als "Satisfiction", reine Fassadenpolitur, darstellen, müsste er so explizit, wie er es tut, gar nicht ziehen. Drittens: Dr. Dre hat die richtigen Leute an der Hand, was eindeutig kaum mit seinen schier unbegrenzten finanziellen Mitteln, viel mehr hingegen mit seiner persönlichen Geschichte zu tun hat. Seit jeher kuckte er vielversprechende Kollegen aus und hielt fortan die Hand über sie. "I used to be a starving artist", verrät der Blick ins Tagebuch, den "Talking To My Diary" gestattet, seine Philosophie. "So I would never starve an artist." Kein Wunder, dass sich die alten, längst selbst legendären Weggefährten revanchieren und sich gegenseitig Studioklinke und Mic in die Hand geben. Onkel Snoop erteilt gute Ratschläge in "Satisfiction", nachdem er zuvor bereits in "One Shot One Kill" zugange war. Nach dem grellen Anpfiff in "Just Another Day" ist "motherfuckin' Game time", und selbiger kocht seine Gang-Life-Erinnerungen auf. DJ Premier assistiert bei "Animals", dem inhaltlich vermutlich sprengkräftigsten Track, greift er doch das Thema Rassenunruhen und Polizeigewalt auf. Xzibit verwandelt zusammen mit einem wirklich eisekalten Cold187um "Lose Cannons" in ein unerfreuliches, gruselig packendes Hörspiel. Vom Zwist mit Ice Cube: in "Issues" nichts mehr zu spüren. Den mörderischsten Part steuert Eminem zu "Medicine Man" bei. Wegen seiner Vergewaltigungsverheißung erntete der bereits reichlich Kritik. Sieh an: Dass Marshall Mathers 2015 mit einer frauenverachtenden Zeile immer noch für Wirbel sorgen könnte, hätte ich eigentlich auch nicht für möglich gehalten. Manche Dinge ändern sich wohl einfach nie, so wie Dres Nase für Talent offensichtlich keinerlei Verschleißerscheinungen zeigt: Er rekrutiert seine Mitstreiter nicht nur unter den Veteranen. Außer Comptons aus vielen guten Gründen gerade gefeiertsten Lyricisten Kendrick Lamar, der mehrfach zu Wort kommt, bietet Dre etwa Jon Connor eine Bühne. Der zeigt sich wild und ingrimmig entschlossen, die Gelegenheit zu nutzen. Den stärksten Eindruck hinterlassen aber zwei andere. King Mez krallt sich die Aufmerksamkeit gleich in "Talk About It" und beweist hier, in "Darkside/Gone" und "Satisfiction", dass er sie verdient hat. Vor allem begeistert Anderson .Paak: Hallelujah! Endlich ein Sänger, der sich mit Kratzern, Kanten und Charisma von dem R'n'B-Einheitsgejaule abhebt, mit dem andere ihre Hooklines vollstopfen. Über all den Featuregästen lässt sich leicht aus den Augen verlieren, was man ohnehin schon beinahe vergessen hatte: In Dre steckt nicht nur ein exzellenter Produzent, sondern zuweilen auch ein echt guter Rapper. Seine Parts sitzen, haben Schmackes und Biss. Dieser vierte führt nahtlos zum fünften Punkt, der "Compton" zu einem echten Erlebnis aufwertet: Dr. Dre hat hörbar Bock auf das, was er da tut. Die Arbeiten am N.W.A.-Biopic "Straight Outta Compton" und die damit verbundene Wühlerei in der eigenen Historie haben ganz offensichtlich alte Glutnester frisch belüftet. Das Feuer brennt jedenfalls wieder. Das Übrige tun die Straßen von Compton, die noch immer Stoff für teils gewalttätige, teils märchenhafte Geschichten liefern. Noch immer träumen unterprivilegierte schwarze Jungs dort den Traum vom großen Geld, das zu erlangen laut Dre das kleinere Problem, es zu behalten dagegen die weit härtere Herausforderung darstellt. Noch immer wähnen viele ihren einzigen Fluchtweg aus der Armut in der Kriminalität. Dass auch die Kunst Türen öffnet, möchte Dr. Dre den Betroffenen nicht nur vorleben, sondern ihnen auch ganz konkret vor Augen führen: Sämtliche Gewinne aus dem Verkauf von "Compton" fließen eben dahin zurück und sollen den Kids dort eine Einrichtung für darstellende Künste und Entertainment bescheren. Dass sich Mr. Beats diese Geste mühelos leisten kann, macht sie weder weniger sinnvoll noch weniger stimmig. Die fast auf den Tag genau vor 27 Jahren ausgegebene Maxime, sie gilt ungebrochen weiter: "It's time to put Compton on the map." © Laut
HI-RES14,99 €
CD12,39 €

Hip-Hop/Rap - Erschienen am 15. Dezember 1992 | Death Row Records

Hi-Res
CD14,99 €

Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2008 | Universal Music Mexico

HI-RES14,99 €
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 15. Dezember 1992 | Death Row Records

Hi-Res
CD13,99 €

Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 1999 | Aftermath

Oktober 2019. Der Club ist gut gefüllt, die Tanzfläche nicht. Über den Köpfen wabern Weedschwaden, eintönige Elektro-Tunes langweilen anonym aus den Boxen. Die Stimmung lahmt. Bis DJ Fly Klaus einen gewissen Scott Storch aka Just-a-Piano-Man an die virtuellen Keyboards holt und Snoop Dogg klarstellt: "Yeah nigga I'm still fucking with ya / Still waters run deep / Still Snoop Dogg and D-R-E, '99 nigga / Guess who's back." Die Hütte brennt. Zwanzig Jahre zuvor, am 13. Oktober 1999, eröffnen jene Zeilen, Storchs hypnotisch geloopte Klaviertunes und gnadenlos bangende Drums einen, wenn nicht den besten Beat aller Zeiten (im Finale vielleicht gegen "Shook Ones Part II") und läuten den vierten Frühling von Westküsten-Legende Andre ein. "Ladies they pay homage, but haters say Dre fell off / How nigga? My last album was The Chronic (nigga)." Selbst LL Cool J würde diese Explosion wohl ein Comeback nennen. Zwischen 1992 und '99, die Morde an 2Pac und Biggie und die Implosion des Death Row-Labels inklusive, hatte Dre nicht an einem echten Nachfolger für sein "Chronic"-Solodebüt arbeiten können. Nicht, dass der Doktor in der Zwischenzeit keine Beats verarztet hätte. Andere Produzenten stürben dafür, legte man ihnen nach mehreren Klassikern und neuen Sounderfindungen (World Class Wreckin Cru, N.W.A, "The Chronic") Songs wie "Been There, Done That", Ras Kass' "Ghetto Fabolous", das "The Firm"-Album oder "Zoom" als Fell-Off aus. Wir reden dabei noch nicht einmal von der Gründung seines Labels Aftermath, der Entdeckung Eminems und dessen kurz zuvor veröffentlichter "Slim Shady LP". Trotzdem erscheint der Doktor im Herbst '99 hungriger denn je. Er will es allen zeigen, will den Thron zurück. "They want to know if he still got it / They say rap's changed / They wanna know how I feel about it (If you ain't up on thangs) / Dr. Dre is the name / I'm ahead of my game." Immerhin dominieren Ende der 90er andere, meistens aus New York, das Rap-Game. Primo hat die dickste Bass-Drum, Swizz Beatz die besten Synthies und Jay-Z regiert mit Puffy die Clubs. Bis "Still D.R.E." über den Äther läuft. Der Track killt, burnt, bounct, groovt, nickt Kopf und fickt sofort jede Feier ab. Da spielt es keine Rolle, welches Jahr man gerade schreibt, welcher Trend durch das Internet getrieben wird, welche Stadt Hip Hop auf das nächste Level hebt. "Still D.R.E." ist zeitlos in Zuffenhausen, in Zaire, in Zürich. Mit der Vorabsingle hatte Dr. Dre also sein erstes Ziel bereits erreicht: Ich bin wieder da und immer noch der beste. "Niggas try to be the king but the ace is back." Mit dem einen Monat später, im November 1999 folgenden Album legte er darauf den Grundstein für den G-Funk-Sound der Nullerjahre und setzte Maßstäbe für Beats und Produktion. Er befreite die Westküste alleine aus Suge Knights Diktatur und Post-2Pac-Depression, auch, indem er auf "2001" neben der langersehnten Reunion mit Snoop Dogg das Gros der L.A.-Rapper vereinte. So versammelt er alleine auf dem tonnenschweren Slow Jam "Some L.A. Niggaz" Leute aus dem Underground wie Defari, N.W.A-Weggefährten wie MC Ren, Legenden wie King T, neue Signings à la Xzibit und holt sich für die klassische Funk-Hook Knoc-Turn'Al und Kokane ins Studio. "2001" sprengte endlich die Ketten des Gangsta Rap. "Es ist ein Film mit diversen unterschiedlichen Szenen. Du hast gefühlvolle Momenten, du hast aggressive Momente. Es gibt sogar eine bisschen Porno", so Dre damals zur New York Times. Bereits im Opener "The Watcher" mimt er stimmig den Ghetto-Regisseur: "Watched the lawsuits when they lost the dough / Best friends and money: I lost them both / Went visited niggas in the hospital / It's all the same shit all across the globe / I just sit back and watch the show." Es zahlt sich aus, wenn man neben Jay-Z ("Still D.R.E.") mit illustren Ghostwritern wie D.O.C., Royce da 5'9 (vor allem beim deepen, Eastcoast-inspirierten und von Lord Finesse produzierten "The Message") und Eminem um die Verse feilschen kann. "The Watcher" verdeutlicht von Takt eins an die für "2001" neu gefundene Soundformel: Peitschende Synthie-Streicher duellieren sich mit Piano-Loops, tiefen Bässen und hart schlagenden Snares, ab und an aufgelockert von den berüchtigten "Nuthin But A G Thang"-Melodien. Im Studio arbeiteten unter anderem Mel-Man, Chris Taylor, Mike Elizondo (Bass) und Scott Storch an den Beats. Mel-Man steht in den Credits hinter jedem Track, vor allem sorgen aber Taylor und Storch mit ihren Keyboardkünsten für die unverwüstlichen Trademarks. Josh Tyrangiel beschreibt gegenüber der Times den Aufnahmeprozess folgendermaßen: "Jeder Dre-Track beginnt gleich. Der Doktor sitzt hinter der Drum-Machine, umringt von vertrauenswürdigen Musikern. Sobald Dre einen rohen Beat gezimmert hat, sollen die Musiker Melodien zum Beat spielen. Wenn er denn etwas hört, das ihm gefällt, holt er den Jeweiligen zu sich und werkelt mit ihm alleine am Sound für den Track weiter." Wer sich übrigens schon immer wunderte, dass Dr. Dres Produktionen lauter, drückender über die Speaker brummen, findet bei Rapper/Producer Thes One von People Under The Stairs eine mögliche Erklärung. "'The Chronic' war ein Meilenstein in Sachen Tontechnik und Mastering. '2001' dagegen ist Katzenscheiße. Ich kennen einen Toningenieur, der damals dabei war und anscheinend wollte Dre die 'lauteste CD ever'. Das ist natürlich ein wahnwitziges Statement, da man eine binäre CD einfach nicht lauter bekommt. Ich denke, sie wollten einfach den monströsesten Wumms aus den Boxen ballern." Spätestens jetzt steht fest, wie sehr Dre alles und jeden wegburnen wollte. Besonders die knallharten, in bester Deep-Cover-Manier pumpenden "Bang Bang" und "Murder Ink" lassen das Blut wahlweise in den Adern gefrieren oder im Auto aus den Ohren träufeln. Ähnlich gespalten, zumindest aus heutiger Sicht, erscheint die Sicht auf Dres erotische Phantasien auf "Fuck You" und "Housewife". Trotz seiner langjährigen Ehe hinterlassen seine gewalttätigen Aktionen gegen Frauen Ende der 80er einen schmalen Beigeschmack bei diesen beiden Bettsäuslern und Lyrics wie "I just wanna fuck bad bitches / All them nights I never had bitches / Now I'm all up in that ass bitches / Mad at 'cha boyfriend, aint 'cha? / You'se a bad girl, gotta spank ya" oder "I'm mannish, get yo' nails out my back / Slut I'm bout to nut and get up, go scrub yo' cat / Learn the player rules, this is how I play a dude". Andere Tracks scheinen da auch heute noch wesentlich heller. "Xxplosive" inspiriert nach eigenen Aussagen Kanye West mit seiner Mischung aus Soul und harten Beats (man vergleiche den Drumsound mit Yeezys frühen Werken). "The Next Episode", die letzte Single, geht mit seinen Keys von Storch als eine Art "Still D.R.E.", Part Two durch und liefert in seiner Video-Version ganz am Ende die himmlischsten Streicher-Arrangements ever. Die musikalische Vater-Sohn-Beziehung zu Eminem wirkt sich zudem positiv auf Dre und das Album aus. Ihr Duett auf dem wild bouncenden "Forgot About Dre" und auch das eingängige "What's The Difference" heben die beiden in die Top-Fünf der Rap-Kollabos. Bis ins Jahr 2005 variiert Dre mit seiner Produzentenarmee den auf "2001" gefundenen Style aus dicker Produktion, dramatisch gesetzten Streichern und Keyboard-Sounds erfolgreich. Er verhilft Eminem unter anderem zu seinem besten Album, schenkt 50 Cent mit "In Da Club" den besten Club-Track aller Zeiten, The Game rollt dank ihm ("How We Do") und Busta Rhymes findet auf "Break Ya Neck" seinen perfekten Beat. Irgendwo nach dem unglaublichen "Outta Control"-Remix für 50 Cent und Mobb Deep wiederholen sich jedoch die Muster und verlieren an Schwung. Das Rapgame reist weiter. Stimmen aus dem Westen werden laut, Dr. Dre wolle sich mit "Detox" ein fünftes Mal neu erfinden und den Thron erklimmen. Doch "Detox" bleibt Legende und Dre als Executive Producer, Aftermath-Talentscout (Kendrick Lamar) und Geschäftsmann (Beats-Kopfhörer) erfolgreich. Erst 2015 stellt er sich mit seinem "Compton"-Soundtrack den eigenen Ansprüchen, ohne jedoch die einstige Position im Rapgame wieder erreichen zu können und zu wollen. Dafür wird es auch in 2022 in Dorfdisse, Club, Beach- oder WG-Party immer noch heißen: "It's still Dre day nigga, AK nigga." © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Februar 2011 | Aftermath

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