Von Joachim bis Ornette

Wenn der Pianist Joachim Kühn eine Hommage an den Saxophonisten Ornette Coleman veröffentlicht

Von Sandra Zoor | Video des Tages | 5. März 2019
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Qobuz

Der Pianist Joachim Kühn erzählt im Booklet seines neuen Albums, erschienen bei ACT Music, dass er in der Zeit zwischen 1995 und 2000 16 Konzerte mit dem großen Saxophonisten Ornette Coleman gegeben hat. „Vor jedem Konzert schrieb Ornette zehn neue Stücke, die wir eine Woche lang probten und anschließend in seinem Studio Harmolodic in Harlem aufnahmen. Er wollte, dass ich die Akkorde und Klänge zu seinen Melodien mitgestaltete. Daher war ich direkt in den Schaffensprozess involviert. Nachdem das Konzert zu Ende war, wurden die Lieder nie wieder gespielt. Jetzt bin ich allein im Besitz der Aufnahmen und Partituren von insgesamt 170 Stücken. Nach 20 Jahren habe ich die schönsten Lieder und Balladen zusammengestellt und sie für Solo-Klavier aufgenommen. Mit Ausnahme von Lone Woman hatte Ornette keines dieser Stücke aufgezeichnet.“

Dank dieser faszinierenden Roadmap konnte Kühn ein hochkarätiges Solo-Album herausgeben. Mit 75 Jahren ist sein Spiel von einigen Diktaten des Free Jazz befreit und er verfügt inzwischen über eine umfangreiche Klangpalette. Bei diesem Album mit dem passenden Titel Melodic Ornette Coleman achtet er vor allem darauf, immer den melodischen roten Faden zu bewahren. Immerhin sitzt Joachim Kühn am Klavier, da sind die Improvisationen alles andere als glatt. Und in sehr melancholischen Momenten offenbart der deutsche Pianist eine ganz unbekannte und berührende Seite seiner musikalischen Persönlichkeit. Wunderschön.





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