Rubrik :
Video des Tages

Meryem Aboulouafa, zwischen Traum und Wirklichkeit

Von Marc Zisman |

Ein wundervolles erstes Qobuzissime-Album für die umwerfende Sängerin aus Casablanca...

Diese Stimme. Nur daran denkt man nach dem Hören von Meryem Aboulouafas Debütalbum. Ein hypnotischer Zustand, 38 Minuten lang, Zeit genug, um mit ihr zu einem hybriden Abenteuer aufbrechen, einem Mix aus Soul, Pop, Elektro, orientalischer Musik und Soundtracks, die aus einem Film stammen könnten, sodass uns das traumhafte Organ der Sängerin aus Casablanca ans Herz geht und dann nicht mehr aus den Ohren. Genauso wie bei ihren Zeitgenossinnen Kadhja Bonet (an sie wird man oft erinnert), Weyes Blood, Jenny Hval oder Lana Del Rey besteht auch Meryem Aboulouafas Welt aus Klängen, Stimmungen und vor allem aus Worten…



Ihr Vater legt ihr alle Klassiker vor (Beatles, Stones, Floyd, Dylan, Piaf, Brel, Brassens), daraufhin besucht sie Kurse der Musiktheorie und Geige am Konservatorium, schreibt ihre ersten Gedichte auf Arabisch und Französisch und studiert schließlich an der Kunsthochschule in Casablanca Innenarchitektur. Mit der Gitarre in der Hand komponiert die junge Meryem ihre ersten Songs, die Manu Barron vom Label Animal 63 (The Blaze, Myth Syzer, Johan Papaconstantino, Gabriel Auguste) total begeistern. Mit Hilfe von Keren Ann feilt sie an ihren ersten, aber schon recht standhaften Versuchen, die dann zwei an den Reglern stehende Experten, Para One und Ojard, mit Raffinesse zum Glänzen bringen.



„Para One bringt eine kinematographische Dimension ins Spiel, die genau zu mir passt, weil ich meine Texte und meine Musik mit meinen Augen ausarbeite“, erklärt die Sängerin. „Ojard ist eher für die Melodie, die Orchestrierung und die Ausarbeitung von komplexen und harmonischen Klängen zuständig.“

So hört man hier mal ein schlichtes Klavier, da beschwingte neoklassische Streicher, etwas später gibt es kriegerisches Trommeln, andernorts ein elektronisches Trip-Hop-Gemenge. Und die Instrumente scheinen immer darauf bedacht, diese introspektive Stimme und Worte nicht aus den Augen zu lassen.



In The Friend geht es um ein muslimisches Gebet und seine poetischen Gesten, in Deeply geht sie der Frage nach, warum die menschliche Seele so komplex ist, Breath of Roma ist eine Liebeserklärung an die italienische Kultur... Elf Puzzleteilchen eines faszinierenden Ganzen voller Gefühl und vom Allerfeinsten. Nur eines ist unbedingt zu vermeiden: in Meryem Aboulouafa nicht mehr als eine heimliche Tochter von James Blake und Um Kalsum zu sehen, denn allein dieses Debütalbum, Meryem (Qobuzissime!), zeugt schon, das es sich um eine große Künstlerin handelt.

HÖREN SIE "MERYEM" VON MERYEM ABOULOUAFA AUF QOBUZ



Um nichts auf Qobuz zu verpassen, folgen Sie uns auf Facebook !

Passend zum Artikel