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Lang Lang am Gipfel des Klavierrepertoires

Von Pierre-Yves Lascar |

Lang Lang begibt sich mit seiner neuesten Veröffentlichung auf das Abenteuer der bachschen "Goldbergvariationen"...

Viele Pianisten träumen davon, die Goldbergvariationen, den absoluten Höhepunkt des abendländischen barocken Klavierrepertoires, aufzunehmen. Lang Lang, der an diesem 4. Teil der „Clavierübung“ des Leipziger Kantors über 20 Jahre lang gearbeitet hat, bildet da keine Ausnahme. Das vorliegende Box-Set enthält zwei verschiedene Interpretationen desselben Zyklus. Zunächst eine ausgezeichnete, im März 2020 in der Berliner Jesus-Christus-Kirche unter der Aufsicht von Christopher Alder aufgenommene Studioversion. Lang Lang wählt hier für die Eingangs-Aria und die ersten Variationen maßvolle Tempi, wird danach allmählich lebhafter, bevor er in ersten g-Moll-Variation mit ihrem beharrlichen Sarabanden-Rhythmus durch ein sehr langsames Tempo Ernüchterung und Schmerz Raum gibt – ein bemerkenswerter Abschluss des ersten Teils. Umso stärker wirkt der Kontrast zur 16. Variation mit der strahlenden französischen Ouvertüre. Die folgenden Variationen fließen leicht dahin, bevor die zweite Variation in g-Moll (Var. 21, Canone alla Settima), durch melancholische Phrasierungen einen Moment lang bedrückte Stimmung verbreitet. Für die innere Struktur der Goldbergvariationen, die zehn Gruppen mit je drei Variationen aufeinanderfolgen lässt, wobei jede Gruppe mit einem zunehmend komplexeren Kanon endet (vom Canone all'Unisono von Var. 3 bis zum Canone alla Nona von Var. 27), scheint Lang Lang jedoch weniger sensibel. Der chinesische Pianist konzentriert seine ganze Ausdruckskraft auf die drei Mollvariationen und verleiht den spätbarocken Goldbergvariationen mit einem seidigen und runden Klang einen leicht pathetischen, romantischen Hauch.

Durch seine Präsenz hat das Leipziger Publikum am 5. März 2020 für willkommene Überraschungen gesorgt. Das Konzert wurde von Philip Krause aufgezeichnet, der übrigens auch bei der Studioaufnahme mit Alder anwesend war. Lang Lang legt hier tänzerische Leichtigkeit und Spielfreude an den Tag: er spielt von Anfang an mit der Polyphonie und agogischen Temponuancierungen, und eröffnet sich so eine breitere Palette von Ausdrucksmöglichkeiten (Var. 1, Var. 7). Manchmal wirkt er geradezu verschmitzt (Var. 23 a 2 Clav.!). Er nimmt sich Zeit, zu träumen und lässt sich von aufkommenden Emotionen mitreißen (Var. 21, mit ihren obsessiven Verzögerungen). Auch der Klang des Klaviers wirkt heller und zeugt davon, wie sich der chinesische Pianist in den letzten fünfzehn Jahren verändert hat.



Im Rahmen seiner letzten Veröffentlichung, hatte uns Lang Lang im Qobuz-Interview bereits von seinem Projekt der Goldberg-Variationen erzählt. Sehen Sie sich das Interview doch hier einmal an (deutsche Untertitel können eingestellt werden):



HÖREN SIE "GOLDBERGVARIATIONEN" VON LANG LANG AUF QOBUZ



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