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Eric Lu, großartig!

Für sein zweites Album, das er Chopin, Brahms und Schumann widmet, erhält der amerikanische junge Pianist Eric Lu von uns ein Qobuzissime!

Von Pierre-Yves Lascar | Video des Tages | 8. März 2020
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Gleich zu Beginn von Chopins Préludes verführt Eric Lu unweigerlich mit einer lyrischen Ruhe. Sie erfüllt die gesamten vierzig Minuten dieser musikalischen Reise, die nur so schwer auf so fließende Weise aufrecht erhalten werden kann. Für die ungewöhnliche Einheit, die er in diesem Zyklus sowohl im Ausdruck als auch in der Polyphonie schafft, gebührt Eric Lu höchste Bewunderung. Dem Amerikaner geht es vor allem um Sanglichkeit und seine bewundernswert phrasierten Melodien entführen uns in eine Welt voller großer – und edler – Emotionen. Hinter der Süße und dieser leidenschaftlichen Sanglichkeit verbirgt sich jedoch eine tragische, immer stärker werdende Melancholie, die den dunklen oder zumindest sehr beunruhigenden Charakter der 24 Präludien offenbart. Hier kreiert Chopin eine dunkle Romantik, die der zur gleichen Zeit (April 1838) entstandenen Kreisleriana von Schumann nahesteht.



So ist es nicht verwunderlich, dass der Pianist sein zweites Album für Warner Classics mit einem von Schumanns seltsamsten Werke fortsetzt, dem 1854 komponierten Thema mit Variationen in Es-Dur, einer Art Abschied des deutschen romantischen Komponisten vom irdischen Leben. In dieser Hommage an große Meister der Vergangenheit wie Bach und Beethoven wagt Schumann besonders karge Polyphonien in seltenen Pianissimo-Nuancen. Hinsichtlich Charakter und Gemüt schlägt Eric Lu geschickt eine Brücke zum Zyklus von Chopin, wobei er Meditation und Sanftheit in den Vordergrund stellt (Variationen 2 und 5) und keine besonderen Kontraste herzustellen sucht. Der junge amerikanische Pianist Eric Lu (geb. 1997) – Vierter Preisträger beim Chopin-Wettbewerb in Warschau 2015, wo er sich bereits durch seine Interpretation der 24 Préludes hervorgetan hatte – bietet hier ein faszinierendes, manchmal verblüffendes Rezital, wahrscheinlich das vollendetste seiner drei bereits veröffentlichten – das erste ist bei dem deutschen Label Genuin erschienen. Ein Musiker, den man nicht aus den Augen lassen sollte.



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