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Trentemøller auf neuen Wegen

Mit "Obverse" veröffentlicht der Däne ein hypnotisierendes befreiendes Album, mit dem er sich ein weiteres Stück von der Club-Musik entfernt...

Von Smaël Bouaici | Video des Tages | 7. Oktober 2019
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Anders Trentemøller feiert mit Obverse sein Comeback mit einem im Studio getätigten Versuch, der freier nicht sein könnte. „Das einzige, was ich wusste, bevor ich anfing, war, dass ich keineswegs ein Album machen musste, um es dann auf der Bühne mit einer Gruppe zu spielen. Obverse sollte eine Gelegenheit sein, die Möglichkeiten im Studio zu erforschen und das wirkte unheimlich befreiend.“

Der dänische Meister des Kontrasts hat sich damit von jeglichem Druck befreit, um sich immer mehr von der Club-Musik zu entfernen, und gleichzeitig seine Erfahrung mit Klanglandschaften voll auszukosten. Diese Platte ist ein erneuter Beweis, wie begabt er für impressionistische Soundscapes ist, und zwar mit diesem Opener Cold Comfort, der unter die Haut geht – achteinhalb Minuten mit absolut hochfliegenden Shoegaze-Gitarren und Rachel Goswells hauchzarter Stimme, die er in sein Boot geholt hatte, weil ihn das Stück an Slowdive erinnerte.



Neben Dream Pop, Soundtracks für Filmszenen im Hohen Norden und morphinbetäubten Synthies präsentiert Trentemøller ein paar Geniestreiche wie etwa Blue September: ein äußerst düsterer Titel mit himmlischen Melismen von Lisbet Fritze (vom Kopenhagener Trio Giana Factory) als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen worden (oder sie kommen direkt aus dem Paradies, wer weiß) und diesem Synthesizer, der sich mal links, mal rechts aus den Lautsprecherboxen kommend emporwindet, bis einen der Kick einholt.



Das Paradestück einer erstaunlich hypnotisierenden Platte, im Sinne von Trnt, das man sich am besten im Dunklen mit einem Kopfhörer anhört: auf Samtpfoten schleicht man sich hinein und man geht erst dann, wenn einem unmissverständlich die Tür gewiesen wird.



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