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Hi-Res Booklet
Mirian Conti und Lalo Schifrin begegnen sich 1985 zum ersten Mal, als die virtuose Pianistin unter der Leitung des Komponisten das Klavierkonzert Nr. 2 „The Americas“ in Los Angeles spielt. Dank dieser Piano Works entwickelt sich 32 Jahre später aus den bei diesem Konzert übergesprungenen Funken ein Freudenfeuer, bei dem in erster Linie Argentinien im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht. Das Land des Bandoneons nimmt auf diesem Album einen erstrangigen Platz ein: einerseits sind die beiden Aufhänger zwei einheimische Idole, andererseits verschafft auch das Programm den traditionellen Gepflogenheiten des Landes oft einen Ehrenplatz, insbesondere die recht dynamische Danza de los montes sowie die fröhlich-traurigen Pampas. Der erste Titel nähert sich an die volkstümlichen Chacareras-Tänzen aus dem Nordosten des Landes an, wogegen der zweite Titel die Landschaften entlang der Atlantikküste beschreibt. Das argentinische Parfüm riecht man natürlich auch in der Neufassung der Filmmusik aus Carlos Sauras 1998 angelaufenem Tango, die der Komponist damals im Flugzeug schrieb, als er von Amerika nach Europa reiste. Trotzdem ist diese Platte nicht in sich selbst gekehrt, ganz im Gegenteil, Lalo Schifrin ist nämlich ein international bekannter Komponist, der alle Stilrichtungen zu schätzen weiß: Schifrin ist nicht nur deshalb bekannt, weil er bei Olivier Messiaen studiert hat (dessen Einfluss man in den komplexen Harmonien der Jazz piano sonata erkennen kann, die er 1963 geschrieben hat), sondern auch dank seiner für Hollywoodfilme komponierten Musik (es fing an mit Bullitt, ging weiter mit Mannix und den berühmten Kobra, übernehmen Sie, übrigens am Beginn dieses Albums, und reicht hin bis zu Dirty Harry). Er hatte auch seine französische Phase (Les Félins (Wie Raubkatzen)) und sogar eine chinesische (Der Mann mit der Todeskralle). Diese Sonate voller Jazzklänge bietet Mirian Conti auch Gelegenheit, eine ihrer starken Seiten, ihr Rhythmusgefühl unter Beweis zu stellen. Schifrins musikalische Neugier kommt – und zwar ganz eindeutig – auch im Theme And 10 Variations On An Original Theme zum Ausdruck, was mit seinem Hang sowohl zur Klassik als auch zum Jazz an seine Crossover-Methode in seiner Albumserie Jazz Meets Symphony erinnert, die in den 1990er Jahren bei Aleph Records erschien. Die Variationen dieser mehr als elf Minuten dauernden Suite paraphrasieren insbesondere Beethoven, Mozart, Strawinski und Chopin. Sehen wir uns doch die beiden unterhaltsamsten Stücke am Ende des Albums an, die ohne die Komplexität der anderen Titel von Schifrins warmherzigem Stil voller beliebter Melodien zeugen: zu allererst La calle y la luna, wo man den Eindruck hat, dass die Musik fortlaufend komponiert wird, als ob es sich um Improvisationen handelte. Dann Lullaby For Jack, ein Wiegenlied, das der Achtzigjährige für seinen zweijährigen Enkelsohn geschrieben hat. Eine charmante Art eines durchaus heiter gesinnten Mannes, sich an seinem Lebensabend von den Zuhörern zu verabschieden. © NM/Qobuz
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