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House vom Feinsten mit Ross from Friends

Der Brite bringt sein erstes Album heraus - ein Qobuzissime!

Von Charlotte Fiedler | Video des Tages | 30. Juli 2018
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Qobuz

Schon bei seiner zweiten, im Jahre 2016 bei Distant Hawaii, dem Sublabel des Londoner Lobster Theremin (Aushänger des Lo-Fi-House) erschienenen Maxi-Single You'll Understand wie nun auch bei dem melancholischen und mitreißenden Titel Talk To Me You'll Understand war klar: Ross From Friends hat Fingerspitzengefühl! Auf diesem Debütalbum, an dem er zwei Jahre lang mit seiner Liebe zum Detail herumgefeilt hat, ist er in Höchstform – die rund fünfzig Minuten werden all jene entzücken, die schon vom Charme seines geschmeidigen House begeistert waren und seine Fangemeinschaft unverbesserlicher Anhänger um einiges vergrößern.

Denn Ross From Friends‘ Musik macht irgendwie süchtig, was die Pinkfloyd-Gitarren mit Delay-Effekt in Thank God I’m a Lizard bestätigen, wogegen Wear Me Down sich flüssiger anhört und an die Produktionen des Argentiniers Ernesto Ferreyras sowie an das schweißtreibende Dancefloor-Label Cadenza von Luciano erinnert. Abgesehen vom hypnotischen Aspekt seines minimalistischen Techno haucht Ross From Friends mit einem Stück Familiengeschichte dem Ganzen auch ein wenig Seele ein. Seine Eltern gehörten zu den ersten Travelers: diesen Engländern, die in den achtziger Jahren mit einem Soundsystem quer durch Europa zogen, um die Leute mit den ersten elektronischen Experimenten (Hi-NRG, Italo-Disco…) in Aufregung zu versetzen. The Knife ist eine Art souliger Synthie-Pop, der uns übrigens in dieses Ambiente der 80er Jahre zurückversetzt, bevor bei schnelleren Beats mit dem Techno des Project Cybersyn erfolgreich experimentiert wird.

„Jedes Mal, wenn ich mich mit einem neuen Stück an die Arbeit machte, war ich sofort vom gefühlvollsten Aspekt der Dinge angetan“, erklärt er. „Bei einem Album besteht einer der wohl wichtigsten Teile der Arbeit darin - in eben diesen Gefühlen, um aus dieser emotionalen Instabilität etwas Neues zu formen.“ Diese Methode erinnert an einen anderen britischen Produzenten der neuen Generation, Leon Vynehall, der sein jüngstes Album Nothing Is Still mit einem ebenso ergreifenden Ergebnis um die Geschichte seiner Großeltern herum konstruiert hat.

Der Song Parallel Sequence mit seinen Breakbeats beweist auch, dass der Engländer nicht unbedingt auf den Kick fixiert ist und dass er, im Gegensatz zu so vielen anderen, den Drumcomputer nicht in den Mittelpunkt seiner Musik stellt. Es würde einem übrigens schwerfallen, so etwas wie Routine zu erkennen, weil seine Songs (das Wort ist in seinem Fall zutreffend) stets von einer Idee, von einem Konzept auszugehen scheinen. Der Rest des Albums ist genauso bezaubernd, denn schwerelos lässt man sich vom ersten bis zum letzten der zwölf Titel einfach dahintreiben, als ob uns Ross From Friends in einen Wattebausch eingehüllt hätte. Es ist erst Sommer, und dennoch haben wir hier eines der Alben des Jahres, das sich seine Qobuzissime-Auszeichnung redlich verdient hat.





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