Yamaha MusicCast Vinyl 500: Qobuzissime für den ersten vernetzten Plattenspieler der Welt!

Das Medium, das lange Zeit die beliebteste Musikquelle war und noch immer der Favorit einiger Audiophiler ist, die Vinylplatte, die schwarze Scheibe oder einfach LP genannt, kann sich mit dem ersten vernetzbaren Plattenspieler ab jetzt auch in den Multiroom-Netzwerk-Modus schalten...

Von Sandra Zoor | Auf dem Prüfstand | 2. Dezember 2018
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Qobuz

Yamaha hat ihn erst vor wenigen Wochen vorgestellt, Anfang November wird er auf den Markt kommen: es ist natürlich die Rede vom neuen vernetzbaren Schallplattenspieler MusicCast Vinyl 500, kompatibel mit Musicast Multiroom des japanischen Herstellers.

Nach dem Digitalpiano Disklavier Enspire, das auch zu MusicCast gehört, ist es nun an der Reihe dieses analoge Medium nun der großen Familie im MusicCast Multiroom-Netzwerk von Yamaha anzuschließen.

Zu diesem Zweck hat Yamaha in das Gehäuse seines MusicCast Vinyl 500 eine Elektronikeinheit mit einem Phono-Vorverstärker integriert, der autonom arbeiten kann, indem er über seinen Hilfsverstärker-Eingang angeschlossen wird, der aber auch die Musik von der Schallplatte digitalisiert und sie über das Netzwerk an jede andere auf dem Netzwerk vorhandene MusicCast-kompatible Komponente zu übertragen. Das Gerät kann auch an den Phonoeingang eines HiFi-Verstärkers angeschlossen werden.

Es bietet daher alle Funktionen der MusicCast-Netzwerkwiedergabe, einschließlich des Zugangs zu Qobuz in Hi-Res, das einen Teil der in dieses System integrierten Online-Musikanwendungen bildet.


Präsentation

Obwohl der vernetzbare Plattenspieler MusicCast Vinyl 500 sehr deutlich mit einem Fuß im 21. Jahrhundert steht, bleibt sein Erscheinungsbild recht klassisch und schick. Er ist in zwei Ausführungen erhältlich: entweder weiß oder schwarz lackiert - genau wie die Klaviere der Marke. Fände sich nicht die ungewöhnliche Anzahl von Tasten auf der Vorderseite und eine dezente MusicCast-Aufschrift, würde ihn augenscheinlich nichts von einem herkömmlichen Plattenspieler unterscheiden.


Der Plattenteller aus Aluminium mit Filzbeschichtung hat einen Durchmesser von 30 cm und ist riemengetrieben. Mit der Steuertaste ganz links können Sie den Vinyl 500 ein- und ausschalten. Als nächstes kommt die Geschwindigkeitsauswahltaste, weiter rechts mit etwas Abstand, dann die Start-/Stop-Taste des Plattentellers, der dritten Taste, und ganz rechts die Auswahltaste für die verwendete Tonquelle mit einer mehrfarbigen LED für den Phonoteil (weiß), die WLAN- (grün) und Bluetooth-Kopplung (blau) dient, wobei sie zum Koppeln kurze Zeit gedrückt gehalten wird. Siehe auch diese Darstellung aus dem Benutzerhandbuch, die alle Funktionen aufzeigt.


Der Tonarm rechts des Plattenteller des MusicCast Vinyl 500 ist mit einem abgewinkelten Tonkopf ausgestattet, der einen beweglichen Magneten vom Typ Audio Technica (MM: Moving Magnet) trägt. Man sieht hier auch den Anti-Skating-Regler, der die Zentrifugalkraft, die den Arm zur Achse der Platte zieht, in Abwesenheit einer Einstellscheibe (mit glattem Bereich ohne Gravur) mit dem gleichen Wert wie die Stützkraft kompensiert.


Der Anschlussbereich des MusicCast Vinyl 500 ist recht ungewöhnlich. Er beinhaltet einen RJ45-Netzwerkstecker und einen Schalter, um die WLAN-Verbindung in den Automatik- oder Aus-Modus zu schalten, oder die kabelgebundene Verbindung zu erzwingen und damit einen störungsfreien Zugriff auf das Netzwerk zu garantieren. Dann kommt der Line Out-Stereoausgang, über den der Plattenspieler mit seinem eingebauten Phono-Vorverstärker oder jede andere von MusicCast eingespeiste Quelle abgehört werden kann. Über einen Schalter können Sie zwischen diesem Ausgang oder dem Phono-Ausgang wählen, der an den Phono-Eingang eines Vollverstärkers angeschlossen wird, oder dem eines separaten Phono-Vorverstärkers. Und schließlich gibt es noch den Koaxialstecker für den Anschluss des Netzteils.


Ausführung

Das Gehäuse des Yamaha Vinyl 500 ist aus einem Medium mit hoher Dichte gefertigt und beherbergt eine Reihe von Platinen, darunter zwei kleine, die für Antennen für den WLAN-Anschluss vorgesehen sind, während die Steuerung und die verschiedenen Anzeige-LEDs auf einer viel größeren Schaltung untergebracht sind.


Der Hauptteil der Elektronik ist in einem stabilen Kasten untergebracht, der sich im hinteren Teil des Gehäuses befindet, und den wir einmal geöffnet haben, um die Innenteile zu besehen, die Sie im Folgenden abgebildet sehen.


Wir wollen die verschiedenen Bereiche dieser Karte ein wenig detaillierter beschreiben. Fangen wir dazu beim Netzteil und dem Phono-Vorverstärker an.


Die Stromversorgung auf der linken Seite verwenden die Gleichstromwandler BD9328 von Rohm. Ganz rechts sehen wir den Phono-Vorverstärker mit einem Kern aus einem rauscharmen Operationsverstärker NJM2746 der Firma JRC (New Japan Radio Company), umgeben von passiven Komponenten zur Korrektur gemäß RIAA. Ein Relais, das je nach Stellung des Schalters zwischen den beiden Cinch-Steckblöcken gesteuert wird oder nicht, schaltet im aktivierten Zustand die Signale aus der Zelle so, dass sie durch den internen RIAA-Filter korrigiert werden, bzw. schickt sie andernfalls an ein externes Element (Verstärker oder separater Phono-Vorverstärker) zur Korrektur, und vermeidet damit, dass die beiden Phonoeingänge parallel geschaltet werden, was zu Lastproblemen für die Zelle führen würde.

In der Mitte des Bildes sehen Sie drei identische Chips: Dies sind drei Renesas EL8176 Operationsverstärker, von denen die beiden rechts als Anti-Aliasing-Tiefpassfilter für Signale dienen, die vor der Digitalisierung aus dem Phono-Vorverstärker kommen, während der dritte, bei den Dioden zu sehen sind, höchstwahrscheinlich dazu dient, diese Signale zu glätten, um sie an den Mikrocontroller weiterzugeben, und um - wie wir denken - den Analog-Digital-Wandler zu aktivieren, der auf dem nächsten Bild zu sehen ist.


Dieser, der sich etwas oberhalb des auf der Schaltung angebrachten Puffers befindet, ist ein Burr-Brown PCM9211-Modell, das auch als Schalter und Abtastratenwandler dient und im Allgemeinen alle 24-Bit-Signale mit 192 kHz verarbeitet. Etwas weiter oben sieht man die Schaltung zur Verarbeitung und Dekodierung digitaler Audiosignale vom Netzwerkmodul (oben angeordnet, unter einem Kühler montiert), es ist ein Netzwerk konfigurierbarer Gates (FPGA: Field-Programmable Gate Array) Altera Max V. Als nächstes kommt der Digital-Analog-Wandler, ein Burr-Brown DSD1791, der mit PCM-Signalen bis 24-Bit bei 192 kHz in DSD kompatibel ist. Es folgt ein aktiver Filter, der um einen rauscharmen Dual-Operationsverstärker JRC NJM2746 herum aufgebaut ist, umgeben von hochwertigen passiven Komponenten, insbesondere kunststofffolienbeschichtete Kondensatoren, die keramischen Modellen vorzuziehen sind. Schließlich finden sich ein Stereo-Audioschalter mit zwei Eingängen sowie ein NJM2752-Ausgang von JRC, der entweder die vom DSD1791 dekodierten Signale oder die Signale des Plattenspielers vom Phono-Vorverstärker an den Line Out-Stereoausgang weiterleitet.

Hörerlebnis

Um einen optimalen Höreindruck zu gewinnen haben wir sowohl den MusicCast Vinyl 500 als auch einen Yamaha WXA-500 Streamer-Verstärker, (MusicCast), in unserem Netzwerk verwendet.


So konnten wir eine LP abspielen und die Musik über das Netzwerk vom Vinyl 500 an den WXA-50 Verstärker übertragen, der an unsere Lautsprecher angeschlossen war. Das Einspielen einer Schallplatte in unser Netzwerk war eine Premiere für Qobuz! Die Digitalisierung der Schallplattenwiedergabe raubt dem Ganzen leider etwas seinen analogen Charakter, auch wenn das natürlich eine etwas banale Feststellung der technischen Umsetzung ist. Wie wird dieser schändliche Angriff auf dieses ehrwürdige analoge Medium von Vinyl-Enthusiasten erlebt?


Zu diesem Anlass haben wir eine der seltenen Schallplatten ausgewählt -eine Aufnahme von Beethovens Sinfonie Eroica aus dem Jahr 1976 des Scottish National Orchestra unter Leitung von Carlos Païta, die von der damaligen Kritik hoch gelobt wurde und in der DMM-Technik (Direct Metal Mastering), auch Direktgravur genannt, von Teldec (heute Teldex) bereitgestellt wurde. Es handelt sich um einen direkteren Herstellungsprozess (Link zur Erläuterung auf Englisch), dessen Klangergebnisse sich bei so hergestellten Scheiben deutlich von denen unterscheiden, die nach dem klassischen Verfahren mit dem Schritt „Muttermatrix“ hergestellt wurden. Die Aufnahmen von Carlos Païta wurden auch auf CD veröffentlicht, aber das Lodia Label existiert nicht mehr und die Interpretationen dieses Ende 2015 verstorbenen Meisters sind nicht in digitaler Form verfügbar. Ende der Abschweifung.

Wir müssen eingestehen, dass uns seit den Tagen der Schallplatte (was mehrere Jahrzehnte her ist!) nicht mehr bewusst war, dass Lodia-Records so gut klang. Der Yamaha MusicCast Vinyl 500 Plattenspieler hat natürlich einen wesentlichen Anteil an den sehr guten Klangergebnissen, die wir erleben konnten, wobei die Einheit mit der Phono-Vorvorverstärkerzelle offensichtlich besonders optimiert sein muss.

Und es ist klar, dass auch die Audio Technica-Zelle und der Phono-Vorverstärker Hand in Hand gehen, um eine Wiedergabe zu ermöglichen, bei der die Farben des Orchesters mit gut präsenten tiefen Streichern, hellen Bläsern im ursprünglichen Allegro con brio gebührend zum Zug kommen und bei der die Dynamik dank der DMM-Gravur ohne Einschränkung zum Ausdruck kommt.

Diesmal verbindet der Line Out-Ausgang im reinen Analogmodus die Ausgänge des Phono-Vorverstärkers des Vinyl 500 mit den neuen Aktivlautsprecher PR/01 La Boîte Concert und wir machen weiter mit einer Platte in DMM von Lodia mit demselben Dirigenten Carlos Païta und dem London Symphony Orchestra bei der Symphonie Fantastique von Berlioz: Die Harfen skizzieren zart und präzise die Einführung des zweiten Satzes Ein Ball, während sich die Geigen gut in den Höhen bewegen, um diesen walzerförmigen Satz farbig darzustellen, während die Pauken beim Gang zum Richtplatz mit Kraft donnern und die Bläser sich klar und kraftvoll ausdrücken.

Es ist zu beachten, dass bei der Übertragung über das Netzwerk im „Link“-Modus oder in analoger Verbindung die Klangwiedergabe immer sowohl Dichte als auch Präsenz bietet. Wir hörten auch einige Auszüge aus Henry Woods Fantasia on British Sea Songs von der Qobuz-Anwendung in MusicCast, um die Klangwiedergabe eines analog-digital-umgewandelten Beispiels zu bewerten, und die Anlage machte sich auch hier sehr gut, das Klangbild war detailreich und perfekt den Charakteren der gespielten Stücke folgend.

Der Plattenspieler Yamaha MusicCast Vinyl 500, der erste einer neuen Art, der zwei sehr gegensätzliche Welten der musikalischen Aufzeichnung miteinander verbindet ist ein großer Erfolg. Aufgrund seiner sehr guten Klangleistungen erhält er von uns eindeutig ein Qobuzissime.

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